4 Tage ‚SERERE‘ im Amazonas-Dschungel!

Meine Lieben!
Zu diesen spannenden Tagen gibt es leider überhaupt keine Fotos – aus Gründen, die Ihr auf der Seite „La Paz zum Zweiten“ nachlesen könnt! Eine Alternative, wenn auch nur eine eingeschränkte, ist die WebSite des Tourveranstalters www.madidi-travel.com – dort könnt Ihr unter „Galleria“ einiges von dem sehen, was ich so gesehen haben und auf den anderen Seiten dort auch noch einige Informationen über dieses private Schutzgebiet bekommen. Gleich auf der Eingangsseite gibt es die Möglichkeit, auf „Deutsch“ umzustellen!

Ansonsten hoffe ich, daß ich alles einigermaßen plastisch beschrieben habe, sodaß Ihr Euch alles gut vorstellen könnt!

Sonntag, 17.4.2011
Heute also starte ich in mein Abenteuer „Amazonas-Dschungel“! Mein Ziel ist ein kleines Naturschutzgebiet – das ‚Serere’, das Privatleute angelegt haben! Diese waren damals schon bei der Einrichtung des ‚Parque Nacional Madidi’ aktiv – der ist jedoch ihrer Meinung nach kein wirkliches Naturschutzgebiet mehr: Es werden Bus- bzw. Schiffsladungen von Touristen dorthin verfrachtet, die Regierung rührt keinen Finger, wenn dort großräumig Regenwald gerodet wird und die Jagd ist dort auch (wieder) geduldet. Das wollte diese Gruppe Menschen mit der Schaffung eines privaten, ganz naturbelassenen Gebietes verhindert – so haben sie kurz entschlossen das ganze Areal gekauft und nehmen nur eine bestimmte Anzahl von Gästen auf! Ich bin gespannt!
Das erste Teilstück des Weges, von La Paz nach Rurrenabaque, werde ich in einer kleinen zweimotorigen Maschine zurücklegen! Ein wenig mulmig ist mir schon deswegen – müssen wir doch über die über 6000m hohen Berge, die La Paz umgeben! Wie hoch können so kleine Maschinen wohl fliegen?
Martin steht überaus pünktlich vor der Tür und lädt mich mit meinem kleinen Gepäck ein. Auf dem Weg ‚hinauf’ begegnen wir zahlreichen Zeitungsjungs, die ihre Fracht an die Vorbeifahrenden loswerden wollen. Im Hintergrund sitzt eine andere ‚Armee’, die in die Zeitungen die Werbebeilagen per Hand einlegt!
Am Flughafen ist nicht viel los – zumindest nicht bei ‚AmasZonas’, der Airline, mit der ich fliege. Das Einchecken geht fix, ich bekomme sogar einen Voucher für eine ‚Welcome Caipirinha’ in Rurrenabaque – wenn das kein Kundendienst ist! Während der Wartezeit lasse ich mir ein kleines Frühstück im Flughafen-Restaurant schmecken: Käse-Schinken-Croissant mit Tee und danach einen Capuccino für gerade mal 2€! Ich genieße es, mich im wohl weltweit einzigen Flughafen aufzuhalten, der beheizt und nicht tiefgekühlt ist!!! Es ist richtig gemütlich beim Frühstücken und das frühe Aufstehen hat sich schon von daher gelohnt! Während ich dort sitze, kommen immer wieder kleine Jungs vorbei, die Kaugummis verkaufen wollen. Martin hatte mir schon davon erzählt und mir gesagt, dass ich nichts kaufen soll – die würden von großen Organisationen überall im Land auf die Touristen losgelassen, hätten aber selbst so gut wie nichts von dem Erlös! Schweren Herzens – sie tun mir umso mehr leid, nachdem ich das weiß – winke ich also ab.
Mit ein wenig Verspätung wird mein Flug aufgerufen und wir werden über das Rollfeld zu unserem kleinen ‚Hüpfer’ geleitet! Neben mir ist noch eine 8-köpfige Reisegruppe aus Schweden an Bord, deren Guide und noch vier andere einzelne Gäste – damit ist die Maschine ausgebucht! Mein Platz ist in der 1.Reihe und es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, alle den blinkenden grünen und roten Lichtern und dem immer wieder (für mich) alarmierendem Piepsen so nah zu sein! Aber wir überqueren die Berge wohlbehalten (sozusagen in Augenhöhe!) und der Landeanflug beginnt schon nach etwas mehr als einer halben Stunde! Wieder geht es zwischen Bergen entlang – diesmal dicht bewaldeten, aber auch wieder sozusagen zum Greifen nahe! Gelandet wird auf einer (immerhin) betonierten Piste mitten im Grün! Ein Minibus mit Fahrer wartet schon auf uns und 3 junge Männer. Einer hat das Flugzeug eingewiesen und zwei laden unser Gepäck vom Laderaum des Flugzeugs auf das Dach des Busses! Wir müssen erst um eine riesige Pfütze herumlaufen, um zum Bus zu kommen – das hätte mir eine erste Warnung sein sollen…
Über einen Feldweg geht es durch ein Tor im Maschendrahtzaun zum Flughafen-Gebäude! Ja, es gibt eines: Ein kleines Häuschen mit einem oberen Stockwerk in der Mitte des Gebäudes, wo wohl der ‚Flughafendirektor’ residiert. Daneben ist ein älteres Gebäude, offenbar das erste Flughafengebäude, das aber nur noch als Schuppen genutzt wird! Auf dem Vorplatz wartet schon ein anderer Minibus für die schwedische Reisegruppe, die für einen Tag in den Madidi-Park fährt. Zwei der Fluggäste werden von Privatautos abgeholt und wir anderen fahren, nachdem das Gepäck auseinander klabüsert wurde, mit dem Flughafenbus weiter – er ist jetzt der Transitbus in die ‚Stadt’! Ich werde direkt vor der Agentur ausgeladen, aber erst, nachdem ich 6 BoBs für den Transfer bezahlt habe! Tom, ein Agentur-Mitarbeiter erwartet mich schon mit frischem Grapefruit-Saft und bringt mir auch gleich mein Wasser und ‚meine’ Gummistiefel! Warum werde ich eigentlich nicht spätestens jetzt stutzig???
Das Boot, das mich auf dem Rio Beni bis zum Serere bringen soll, fährt in etwa einer Stunde. Ich nutze die Zeit und bummle einmal die Hauptstraße auf und ab. Dort finde ich einen Laden, der für 20 BoBs noch mal eine Registrierung für meine bolivianische SimCard vornimmt – diese weiterhin ständig ankommenden, SMS von dem Provider, dass ich mich registrieren soll, nerven mich langsam! Vielleicht ist ja bei der Übermittlung meines Namens, der Pass-Nummer und der Geräte-Nummer meines Handys damals beim Kauf des Handys doch etwas schief gelaufen. Zurück in der Agentur wartet dort schon Max, ein junger Engländer, der auch mit dem gleichen Boot nach Serere fahren wird. Wir können auch gleich los – ein Langboot (aus einem einzigen Baumstamm heraus’geschnitzt’, mit ein paar Brettern als Sitzbänken und einem kleinen Sonnenschutz wartet bereits auf uns. Der Skipper ist ein uriger Einheimischer, der gerade viele, viele Pakete, Tonnen, Kisten und Päckchen einlädt, die auch alle nach Serere gebracht werden müssen! Immerhin gibt es Schaumstoffauflagen für die ‚Sitzbänke’ und auch zwei etwas gepolsterte Rückenlehnen werden eingehängt – das sollte einigermaßen bequem für die 2 ½ stündige Fahrt flussabwärts sein!
Zu Beginn sind Max und ich in eine rege Unterhaltung vertieft. Die Sonne und aufziehende Hitze lassen uns jedoch bald etwas maulfaul werden und Max legt ein kleines Schläfchen ein. Ich bin wieder einmal völlig fasziniert von der Landschaft um mich herum! Auch der Fluss ist sehr abwechslungsreich – breite Sandbänke wechseln sich ab mit riesigen treibenden Baumstämmen. Der Skipper muß ständig auf der Hut sein und innerhalb des Flussbettes hin und her wechseln. Manchmal geht unvermittelt der Motor aus – keine Panik, da geht es dann nur über ein flaches Teilstück im Wasser! Am Ufer gibt es allerhand zu sehen. Immer wieder die typischen reetgedeckten Häuschen, manchmal Gärten oder Obstplantagen, Fischer in ihren Booten oder auch jede Menge Vögel: Störche, Milane, Adler, Kingfisher (die ähnlich wie unsere Eisvögel aussehen) und Reiher. Einmal liegt im Ufersand auch ein träger Kaiman und macht Mittagsschlaf. Aus dem Unterholz am Hochufer lugen hin und wieder Pecaris, die „Urwald-Wildschweine“ heraus. Auf weiten Strecken gibt es teils richtiggehende ‚Wälder’ aus abgestorbenem Bambus – auch hier stirbt er, wenn er geblüht hat und das offenbar gleich in großer Zahl! Sieht irgendwie wie ein surrealistisches Mikadospiel aus – die kreuz und quer stehenden und manchmal auch ins Wasser hängenden langen gestreiften Hölzer! Ich werde gar nicht fertig mit Fotografieren… Nach fast zwei Stunden gibt es Mittagessen. Wir legen auf einer Sandbank an und der Skipper holt aus einer Isoliertasche zwei Teller mit Reis, Fleisch und ein wenig Gurken-/Tomaten-Salat für uns. Ja, seit meinem Frühstück ist schon eine Weile vergangen und ich lasse mir das alles gut schmecken, Max ebenfalls! Dann ist es gar nicht mehr lange und wir steuern das Ufer an! Aber wo sollen wir hier anlegen? Ein Steilufer aus sandigem Schlamm türmt sich vor uns auf, von dem immer wieder mal große Brocken klatschend ins Wasser fallen! Jetzt kommen die Gummistiefel zum Einsatz! Der Skipper tritt eine flache Stelle in die weiche Masse und mit einem Riesenschritt vom Boot dahin und von dort einem noch größeren aufs Plateau bin ich dann doch überraschend gut an Land gekommen! Es ist noch niemand zu sehen – eigentlich sollten wir abgeholt werden bzw. die transportierten Güter müssen auch ausgeladen werden. Also legen wir schon mal ein wenig mit Hand an, ehe dann 4 junge Männer durch den Busch kommen, die den Rest übernehmen! Einer von denen hat eine fast tennisballgroße Cocablatt-Kugel in der Wangentasche – das sieht vielleicht komisch aus! Als ich dann aber sehe, dass die Jungs alles, was mit dem Schiff angelandet wurde, auf dem Rücken etwa 40 Minuten bis ins Camp tragen müssen, denke ich, dass er wohl seine Gründe für diese Kugel hat!
Alles, was im Camp gebraucht wird, muss so transportiert werden: Toilettenpapier, Trinkwasser, Cola, Bier, Öl, Salz, Nudeln, Mehl, Butter, Fleisch, Müsli, Joghurt, Tee, Eier, Kartoffeln, Reis, Seife, Diesel für den Kompressor, Gasflaschen für Kühlschrank und Herd etc. etc. Gemüse wird teilweise von den eingeborenen in den Dörfern ringsum gekauft oder auch aus der Stadt mitgebracht. Nur das Obst ist reine Selbstversorgung – Papayas, Bananen, Mangos, Grapefruits, Orangen, Limonen und Zitronen wachsen im Wald bzw. am gegenüberliegenden Ufer in einer aufgelassenen Plantage von den früheren Bewohnern! Bin ich froh, dass ich nur meinen kleinen Rucksack zu tragen habe – obwohl ich jetzt noch gar nicht weiß, was mich erwartet!
Wir werden geheißen, noch gut Repellent aufzutragen und noch mal ‚in die Büsche’ zu gehen, ehe wir unsere Wanderung beginnen! Und das war gut so! Der Weg ist manchmal mehr als knöcheltiefer Schlamm, manchmal auch Wasser und die Moskitos freuen sich auf ‚Frischblut’! Mühsam stapfen wir durchs Unterholz und ich frage mich, ob ich wirklich die richtige Entscheidung getroffen habe! Einer der jungen Männer, Marco Aurelio:-), wird für die nächsten Tage auch unser persönlicher Guide sein und er warnt uns auch jetzt schon immer wieder mal vor besonderen ‚Fallen’! Es gibt z.B. zwei Baumarten, deren Rinde nur aus Stacheln besteht! Einer mit breiten kurzen, die aber auch nadelscharfe Spitzen haben, und einer mit über und über stricknadeldicken und vielleicht 5-10 cm langen und ebenfalls scharfen Spitzen! Vor allem sind diese Spitzen, ähnlich wie Seeigelstacheln, äußerst brüchig! Also kommt immer wieder ein lautes ‚don’t touch’ von vorne! Auch einige Lianen-Arten dürfen wir nicht anfassen, da sie ein Sekret absondern, das die Haut außerordentlich reizt, auf ‚Hundertfüßler’ achten, deren Stacheln tödlich giftig sein können! Also auf glitschigem Untergrund, manchmal gebückt, auf alles mögliche Gefährliche aufpassen und sich gegen die Moskitos wehren – nicht gerade einfach! Der Weg scheint unendlich zu sein – aber irgendwann steht plötzlich an einer Wegkreuzung eine junge Dame „Marrrría Rrrrosssa“, die uns zu unseren ‚Cabanas’ begleitet! Und in der Cabana sind alle Anstrengungen vergessen! Ein kleines Häuschen auf Stelzen mit Reetdach und dazwischen nur Moskitonetz! Man wohnt bzw. schläft also sozusagen mitten im Dschungel! Die Treppen hinauf bestehen aus 3 unterschiedlich hohen Baumstümpfen und auf einem geölten Holzboden stehen breite Betten mit noch mal extra Moskitonetzen, eine Truhe zum Sitzen beim Schuhe an- und ausziehen, Nachttischchen mit Kerzen und Feuerzeug und ein kleiner Tisch mit Stuhl. Es gibt ein kleines abgeschlossenes Bad (Dusche, Waschbecken, Toilette) und ein Regal mit Aufbewahrungsfächern. Die Wände zum Bad sind mit gewebten Teppichen oder farbenfrohen Malereien gestaltet. Hinter jedem Häuschen gibt es eine eigene Sickergrube.
Jetzt erstmal aus den Gummistiefeln und unter die Dusche! GottseiDank sind offenbar keine Moskitos mit ins Haus geschlüpft und ich kann mich frei bewegen! Nach einem erfrischenden kurzen Mittagsschlaf kommt wieder großflächig Repellent auf alle freien Körperstellen – das sind aber nicht so viele! Ich bin froh, dass ich mir vor der Reise die sündteuren Anti-Moskito-Outdoor-Blusen gekauft habe (und sie immer mitgeführt habe – das war schon das eine oder andere Mal aus Platzgründen kritisch )! Diese Bluse, lange Hosen, Socken darüber, Gummistiefel – da blieben nur noch die Hände, das Gesicht und die Haare zum eincremen! Dann ging es auf einem ausgewiesenen Pfad (der auch sehr schlammig war!) zur ‚Casa Grande’ – dem Mittelpunkt des Camps! Eine große Hütte, auch mit ‚Wänden’ aus Moskitonetzen, mit zwei Etagen, wo das ‚social life’ des Camps stattfindet! Hier gibt es auf einer Seite eine riesige Innen- und eine kleine Außenküche. In der Außenküche ist ein gemauerter Backofen, eine offene Feuerstelle und ein 3-flammiger Gastherd untergebracht. In der Innenküche sind die Regale und Schränke mit Vorräten, Geschirr, Töpfen und Besteck. Darauf überall Arbeitsflächen, eine große ‚Nass-Zeile’, wo Gemüse und Obst und das Geschirr gewaschen wird und ein großer Extra-Pool zum Fleisch und Fisch vorbereiten und säubern! Auf dem Boden aus Ziegeln ist das Gemüse ausgebreitet, dass sich durch die natürliche Feuchtigkeit dort gut hält! Auf der anderen Seite des Raums sind einige einzelne Tische und Bänke zum Arbeiten und ein riesiger Esstisch für die gemeinsamen Mahlzeiten!
Die erste Etage ist komplett dem Ausspannen gewidmet! 3 große Hängematten, ein altes Boot – ausgelegt mit Decken und Kissen und unzählige große, mit Sand gefüllte Polster laden zum Sitzen und liegen ein! Ringsum sind auf Regalen viele Bücher aufgereiht und jede Menge ‚Fundstücke’ aus der Umgebung: Schildkrötenpanzer, Alligator-Schädel, Vogelnester, Schneckenhäuser etc. etc. Man könnte sich stundenlang damit beschäftigen!
Es gibt auch eine Terrasse, die jedoch im Moment nur zum Rauchen genutzt wird – die Moskitos machen ansonsten einen Aufenthalt dort nicht sehr empfehlenswert!
Von Freddy, dem Koch, werden wir auch hier mit frisch gepresstem Grapefruitsaft begrüßt! Welche Wohltat! Danach gibt es für uns Neulinge eine kurze Vorstellung an Programmpunkten für die nächsten Tage. Zwei junge Mädchen aus der Nähe von Seattle arbeiten bereits fleißig an Ketten aus verschiedenen getrockneten Samen und Fruchtständen, die mit einer speziellen Knüpftechnik verbunden werden. Ihr Guide Domingo macht ihnen dazu Ringe aus einer Nussschale – eigentlich graubraun, nach Schleifen und Polieren strahlen sie dann in einem satten Schokobraun!
Draußen wird es inzwischen dunkel (früh hier, schon kurz nach 6h) und die anderen Gäste sind von ihren Touren zurückgekehrt – ein junges Paar aus Dänemark war mit 2 jungen Männern und ihrem Guide beim Fischen, 14 kleine Piranhas und 1 ebenso kleiner Catfish sind die Beute! Ein Paar aus England ist mit dem Guide und einem anderen Paar auf dem See gerudert und hat nach Alligatoren Ausschau gehalten, jedoch nur junge gesehen (zum Glück?).
Als kleinen Snack vor dem Abendessen hat Freddy frische Banana Chips gemacht: Kochbananen dünn aufgeschnitten und in Öl frittiert! Jeder bekommt ein kleines Körbchen voll davon und so lässt sich die Zeit bis zum Essen gut überbrücken!
Das Abendessen ist einigermaßen erstaunlich hier in dieser Umgebung – Freddy scheint ein Zauberer zu sein! Er hat heute Spaghetti mit einer Gemüse-Käse-Sauce aus Zwiebeln, Selleriegrün, Knoblauch und Tomaten vorbereitet. Dazu gibt es die Fische gegrillt, die vorhin gebracht wurden! Als Nachspeise hat er für jeden einen kleinen Griesflan gemacht mit einer frischen Tamarinden-Sauce – sooo lecker!
Ich bin ziemlich müde von dem langen Tag und möchte eigentlich früh ins Bett! Deswegen bin ich heilfroh, dass es Max auch so geht und ich nicht allein im Dunkeln, nur mit meiner Stirnlampe ‚bewaffnet’ den dunklen, schlammigen Weg zu den Cabanas gehen muß!
Schnell noch eine Dusche und dann in die frischen Laken – herrlich! Mit 1000 Geräuschen um mich herum schlafe ich schnell friedlich ein!

Montag, 18.4.2011
Ich habe herrlich geschlafen, bis mich der Wecker um 7h geweckt hat – es gibt Frühstück für alle um 8h! Lange stehe ich erstmal ‚an der Wand’ und schaue den Affen zu, die rings um mich durch die Bäume turnen! Leider gibt es dann gerade mal noch soviel Wasser, dass es zum Zähneputzen und eine Katzenwäsche reicht – die Gäste in den Cabanas um mich herum haben wohl alle vor mir und etwas ausführlich geduscht… Aber was solls – ich werde sowieso in kürzester Zeit wieder total durchgeschwitzt sein! Also schnell eingecremt, angezogen, die Stiefel umgestülpt vor dem Anziehen (will ja nicht unbedingt in irgendein Untier ‚schlüpfen’!) und auf den Weg zur Casa Grande gemacht. Der Pfad ist bei Tageslicht überhaupt nicht gruselig – im Gegenteil, ich habe soviel zu sehen, dass ich fast zu spät zum Frühstück komme! Es gibt für jeden eine große Müslischüssel mit frischen Früchten, selbst gemachtem Granola und Naturjoghurt, 2 Kringel aus leckerem Pan-Cheso-Teig, Eier nach Wunsch und frisch gebackene Vollkorn-Semmeln mit Honig oder Marmelade. Dazu Tee oder Kaffee (selbst geröstet!) oder heiße Schokolade (vom eigenen Kakaobaum vor der Tür!).
Danach geht es zur ersten Wanderung – so frisch gestärkt ist das nicht halb so schlimm wie gestern hierher! Ich bin zusammen mit den beiden Dänen mit Choclo (wie Marco Aurelio kurzerhand hier genannt wird) unterwegs, Max wird Domingo zugeteilt, weil zwei von dessen Gästen heute nach dem Frühstück abgereist sind! Wir 4 machen eine Wanderung zum ‚Lake Gringo’ (benannt nach dem Amerikaner, der hier vor vielen Jahren mal versucht hat zu siedeln!). Diese führt uns teilweise durch fast knietiefes Wasser mit ganzen Fladen von Moskitolarven – hier ist aufpassen angesagt, damit keiner ausrutscht und dann klatschnass ist! Auf dem Weg zeigt uns Choclo ein Nest von einer ekelhaften schwarzen Vogelspinne! Diese Spinnen weben keine Netze, sondern spinnen sich große weiße ‚Tüten’ an Baumstämme oder Hauswände etc.. Da sitzen sie dann drin, manchmal sind zwei der 8 Beine draußen und warten auf Beute. Chocle feuchtete ein Binsenrohr mit Speichel an und ‚kitzelte’ sie vorsichtig damit! Ihr könnt Euch nicht vorstellen, mit welcher Geschwindigkeit sie heraus geschossen kam und sich die vermeintliche ‚Beute’ holen wollte! Aber genau so schnell war sie auch wieder im Nest zurück, als sie merkte, das ist nur Fake! Chocle machte das Ganze noch mal, damit wir fotografieren können – aber ein zweites Mal fiel sie auf den Trick nicht herein! Scheinen ziemlich intelligent zu sein, diese Biester! Wir hörten zwar viele Affen, sahen aber nur ein paar riesige blaue Schmetterlinge, viele (ungefährliche) Tausendfüßler, riesige Regenwürmer und einige bemerkenswerte riesige, wahrscheinlich hunderte von Jahren alte Bäume.
Am See angekommen stiegen wir in das bereit liegende Kanu und ruderten ein wenig auf dem See herum – es gab viele schöne Vögel und vor allem auch wieder Schmetterling in allen Farben! Choclo ahmte das Pfeifen der ‚Spider Monkeys’ nach und plötzlich rauschte es in den Bäumen und es lugten vorsichtig einige der schwarzen Gesellen durch die Blätter. Wir ruderten zum alten Steg an der verlassenen Hütte des ‚gringo’ und Choclo legte einige kleine Bananen darauf! Jetzt hielt die Affen nichts mehr – eine Familie aus Mutter (mit Baby auf dem Rücken) und der Vater waren mutig genug und holten sich die Bananen als Mittagessen. Wir ruderten vorher schnell vom Steg weg, weil diese Affen wohl sehr possierlich aussehen, aber ganz schön aggressiv werden und üble Bisse zufügen können!
Jetzt aber zurück zum Pfad, das Mittagessen wird bald serviert werden und wir haben noch den ziemlich mühsamen Weg vor uns!
Heute Mittag gibt es Reis-Gemüse-Suppe, 2 Gemüse-Ei-Käse-Plätzchen für jeden mit Reis, dazu klein geschnittene gebratene Kartoffeln als Gemüse ! Zum Nachtisch einen angebratenen Apfel für jeden mit Honig. Dazu einen gekühlten Drink aus Grapefruit und Orangen!
Gleich nach dem Essen machen sich Max und 3 andere Gäste auf den Weg zurück zum Boot – ihre Zeit hier ist um! Als sie eine Weile unterwegs sind, stellt der Engländer fest, dass seine Stiefel fehlen! Auch meine sind weg – dafür stehen andere, größere da! Lucy, die Engländerin zieht schnell ihre an und rennt den anderen hinterher. Sie erreicht sie auch und es werden Stiefel getauscht – die ‚Übeltäter’ hatten sich schon gewundert, warum die Stiefel plötzlich so klein waren! Hat man da Worte – kommen aber nicht auf die Idee, mal zu schauen, ob sie überhaupt die richtigen an haben! Domingo hatte in der Zwischenzeit schon ein paar Ersatzstiefel für mich organisiert – als er sie umstülpt, kommt ein etwa 10 cm langes heuschreckenähnliches braunes Tier zu Vorschein! Es ist also wirklich angeraten, die Stiefel vor jedem Anziehen gründlich zu inspizieren!
Den Mittagsschlaf halte ich heute in einer der Hängematten im ersten Stock! Unsere Touren gehen immer erst gegen 4h los – in der größten Hitze lassen sich auch keine Tiere sehen! Als ich wach werde, gehe ich zu Freddy in die Küche, um mir was zu trinken zu holen! Außerdem will ich mal fragen, ob ich morgen Vormittag in der Küche ‚hospitieren’ kann! Zu trinken gibt es einen herrlich erfrischenden Tamarinden-Saft und natürlich kann ich morgen hier bleiben! Freddy ist froh um jede Unterstützung – es ist ja auch wirklich viel zu tun bei dem vielfältigen Essen!
In der Zwischenzeit sind neue Gäste angekommen, ein englisch-polnisches Ehepaar aus London! Sehr nett und vor allem er ist ein typischer Engländer mit einem überaus trockenen Humor! Er ist völlig perplex, dass ich hier kein Jetty zum Aussteigen aus dem Boot erwartet hat – das wäre doch das mindeste (und vielleicht eine Blaskapelle zur Begrüßung und ein eisgekühltes Bier!). Es ist aber offenbar auch Galgenhumor – er ist ein absoluter Allergiker und hat sich beim Gang zum Camp schon ein paar Moskitostiche eingefangen! Einer sieht fast so aus wie der Coca-Ball von einem der Träger 🙂 und auf der Stirn wachsen ihm zwei dicke ‚Hörner’!!!
Um 4h bläst Choclo zum Aufbruch – wir werden über den See rudern oder besser ‚stechen’, denn für das Kanu gibt es Stechpaddel! Dort können wir dann im Schatten eine Weile unterwegs sein, bis wir den See wieder queren und dann auf einem kleinen Kanal tief in den Wald eindringen! Unser Guide möchte uns unbedingt mal die Brüllaffen zeigen, die wir jeden Abend lautstark hören können! Aber der Kanal ist bald von umgefallenen Bäumen blockiert – wir müssten also umdrehen! Das ist gar nicht so leicht, denn der Kanal ist wirklich sehr schmal! Also geht es rückwärts zu einer einigermaßen begehbaren Anlegestelle und dort zu Fuß weiter tief in den Busch. Heute haben wir noch ein junges Paar aus London dazu bekommen – deren Fotoapparate haben wohl alle Töne eingestellt, die man nur so haben kann! Choclo reißt irgendwann die Geduld – denn mit all dem Gebimmel werden wir überhaupt keine Tiere zu Gesicht bekommen! Ich weiß sowieso nicht, warum es so viele Töne gibt – die Funktionen gehen doch so und so! Als wir eine Weile wirklich mucksmäuschenstill sind und Choclo immer wieder seine Affenstimme hören lässt, geht es um uns herum hoch her! Kapuziner- und kleine Rhesusäffchen en masse turnen durch die Äste! Und dann endlich – wir sehen zwar die Brüllaffen wieder nicht, aber wir hören offenbar den Chef! Uns geht es durch Mark und Bein, es ist ein Gebrüll wie von einem Löwen direkt neben uns! Meine Güte haben wir uns alle erschrocken – noch dazu, wo längst die Dämmerung eingesetzt hat! Choclo hat dann ein Einsehen und wir stolpern den Weg zum Boot zurück! Der Weg über den See wird dann im Dunklen zurück gelegt! Mit den Taschenlampen sehen wir zahlreiche rote Augen von Kaimanen aufleuchten! Das Schönste sind jedoch die Glühwürmchen – ein wahres Feuerwerk aus weißen, roten, blauen und grünen Funken begleitet uns über und in dem Schilf am Ufer!
Ziemlich müde (ist ganz schön anstrengend in so einem Boot!) steigen wir aus und freuen uns über die frischen Banana Chips. Das Abendessen ist fast fertig und so finden sich alle langsam am großen Tisch ein! Kartoffelbrei mit verschiedenen Kräutern zu Rindergeschnetzeltem mit viel Gemüse, Nachtisch frische Ananas mit Schokoladensauce!
Heute geht es noch lange und ich kann mit den Londonern zur Cabana gehen – sie wohnen direkt neben mir!
Als ich gerade eingeschlafen bin, weckt mich ein lauter Schrei – überall gehen die Taschenlampen an! Aber es kommt nichts nach und so schlafe ich schnell wieder ein!

Dienstag, 19.4.2011
Wie sich beim Frühstück herausstellt, hat Magdalena, meine Nachbarin gestern abend so geschrien! Ihr ist beim Gang auf die Toilette eine riesige Spinne begegnet! Aber das war nicht der Grund für den Schrei – ihr Mann wollte das Tier sofort fotografieren (er ist Profi-Fotograf), baute sein Stativ auf und richtete die Kamera ein. Um das Tier in seiner ganzen Pracht aufs Bild bannen zu können, sollte Magdalena sie ein wenig anschubsen, damit sie anfängt zu laufen – aber die Spinne machte daraufhin einen großen Sprung und das hat dann den Schrei bewirkt! Wie sich herausstellte, war es keine Giftspinne – aber etwa handtellergroß mit langen Beinen und einem ca. 7-8cm langen schmalen Körper! Heute abend werde ich ganz genau schauen, ob sich bei mir im Häuschen hoffentlich nicht etwas ähnliches befindet!!!
Nach dem Frühstück machen sich alle auf den Weg und ich gehe in die Küche. Da noch ein wenig Zeit ist, kann ich noch schnell ein bisschen Wäsche waschen! Es ist nicht zu glauben, wie meine Socken und Blusen nach einem Tag aussehen! Die Hose schaue ich gar nicht mehr an – die steht vor Dreck! Aber die Wechselhose, die ich noch dabei habe, ist aus extrem dünnem Stoff und der wäre für die Moskitos überhaupt kein Hindernis! Also muß meine Trekkinghose einfach 4 Tage ‚aushalten’ oder ich sie!
Bevor wir anfangen zu kochen, zeigt mir Freddy in der Außenküche noch ein riesiges Vogelspinnennetz und die Spinne lugt auch zur Hälfte aus ihrem ‚Bau’. Sieht schon ein wenig gruselig aus, aber Freddy erklärt mir, dass das sein ‚Maskottchen’ wäre – sie würde ja alle Fliegen und Mositos in der Küche wegfangen und sich ansonsten nicht von ihrem Nest entfernen. So groß wie sie ist, hat sie wohl schon viele Insekten vertilgt!
Zum Mittagessen soll es heute Hühnchen in Erdnußbuttersauce geben, dazu gemischtes Gemüse und Quinoa-Salat. Vorher eine Suppe aus der Hühnerbrühe mit einigen spinatähnlichen Wild-Blättern aus der Umgebung!
Ich schabe also Mohrrüben, schäle und schneide Kartoffeln und Wasserrüben, putze die „Spinat“-Blätter, schneide Zwiebeln und Unmengen von Knoblauch und Kräuter fein säuberlich klein! Alles mit einem Messer – Kartoffelschäler etc. gibt es hier natürlich nicht! Magdalena macht noch schnell ein Foto von mir in ‚meinem’ neuen Reich, ehe sie sich auf den Weg zur heutigen Wanderung machen!

Die Hühnchen werden zerlegt und erst etwa ½ Stunde in gesalzenem Wasser halb weich gekocht (die entstehende Brühe wird für die Suppe verwendet!), dann erst kross in wenig Öl kurz angebraten. In einem Wok wird „Color“-Paste (ich denke, es ist so was ähnliches wie Turnarac) geschmolzen und darin die Zwiebeln und Knoblauch angeschmort, dazu kommt dann mit Wasser verrührte Erdnußpaste und in dieser Sauce müssen die angebratenen Hühnchenteile dann eine Stunde oder so durchziehen!
Für den Quinoa-Salat wird Quinoa annähernd weich gekocht, dazu kommen fein gestiftelte Mohr- und Wasserrüben, Petersilie und Basilikum, Zitronensaft, Salz und Pfeffer und ganz wenig Öl! Das alles gut vermischt und stehen lassen, bis die Quinoa-Körner ganz weich sind. Kurz vor dem Servieren dann reichlich geriebenen Käse darunter mischen! Abgesehen vom Käse schmeckt es sehr ähnlich wie Taboulé, die Quinoa-Körner sind nur nussiger als Bulgur!
In die Suppe kommt das gleiche Gemüse, nur grober gestiftelt und zusätzlich Kartoffeln!

Für das Personal wird extra gekocht – eine Nudelpfanne! Dafür werden die rohen Nudeln erst im heißen Öl etwa 10 Minuten bei ständigem Wenden ‚angebraten’! Dazu dann Gemüse nach Wahl (hier waren es neben Mohrrüben noch Kartoffeln (Gemüse!), Erbsen, Selleriestengel und -grün und grüne Bananen. Darüber nach und nach soviel Wasser oder Brühe, bis die Nudeln weich sind. Mit Salz, ‚Color’ und Gewürzen abschmecken – mit Petersilie und Basilikum bestreut servieren!

Alle waren begeistert vom Essen und Choclo hat für mich zur ‚Belohnung’ einen Nussschalen-Ring gemacht – aber in die glänzend braune Oberfläche noch zusätzlich Blumen eingraviert! Freddy bot mir an, länger zu bleiben als seine Assistentin ! Wenn doch nur die zahllosen Moskitos nicht wären…
Nach der Mittagsruhe geht es heute zum Fischen! Wir fahren mit dem Kanu ins Schilf auf der anderen Seite des Sees, auch die Gruppe mit Magdalena und ihrem Mann tut in unserer Nachbarschaft das Gleiche! Aber wir haben kaum Glück – ich überhaupt keins! Ich fange einen Fisch, aber eine viel zu kleine Sardine – die wird postwendend wieder ins Wasser zurück befördert. Angeln ist kein Sport für mich…
Die junge Londonerin und ihr Mann fangen 3-4 Fische und auch Choclo ist nicht sonderlich erfolgreich! Also rudern wir auf die andere Seite, weg von der zweiten Gruppe, und da klappt es dann. Der junge Mann fängt Piranhas am laufenden Band – zwar alle nicht sehr groß, aber groß genug zum grillen! Auch Choclo ist hier sehr erfolgreich und mit ordentlich Beute machen wir uns durch das ‚Blitzlichtgewitter’ der Glühwürmchen auf den Weg zurück!
Nach den üblichen leckeren Banana Chips wird ‚Anglerlatein’ ausgetauscht! Magdalenas Mann hat einige neue ‚Beulen’, ist aber trotzdem gut drauf – er hat die meisten Fische im anderen Boot gefangen! Heute gibt es Risibisi mit Steak und Salat und dazu bzw. danach noch für jeden 1 Fisch! An diesen Piranhas ist aber so wenig Fleisch, dass es gerade mal ein „Magentratzer’l“ war – aber das Fleisch schmeckt gut!
Heute gehen wir früher in die Cabanas – sie müssen ja noch auf Untiere inspiziert werden. Aber es ist alles Spinnen- und sonstiges frei! Leider reicht das Wasser nur für eine ganz schnelle Dusche, dann ist es wieder aus – irgendwie vergessen sie immer, den Kompressor für die Pumpe rechtzeitig anzustellen!
Aber ich bin einigermaßen erfrischt und schlafe in meinem ‚Himmelbett’ schnell ein!

Mittwoch, 20.4.2011
Ich werde geweckt von heftigem Wassergeplätscher – oh Gott, Regen für meinen letzten Tag! Aber April, April – es ist nur die Dusche, die ich gestern vergessen hatte zuzudrehen (es kam ja sowieso kein Wasser mehr 🙂 und jetzt war offenbar der Kompressor in Betrieb und so rauschte ein voller Wasserstrahl herab. Also schnell aus dem Schlafanzug und unter den erfrischenden Strahl gehopst – eine herrliche Erfrischung zum wach werden!
Ganz in Ruhe kann ich nun noch eine Weile den Affen zuschauen und meinen Rucksack packen! Nach sorgfältigem Eincremen schlüpfe ich in die frisch gewaschene Bluse! Über Nacht ist sie zwar wieder ein wenig feucht geworden, aber das ist eher angenehm!
Heute gibt es frisch gemachte Käse-Empanadas zum Frühstück. Bei Freddy sieht der ‚geflochtene’ Rand, den er mit Daumen und Zeigefinger macht, ganz easy aus. Mein Versuch scheitert kläglich – der Rand ist alles, nur nicht dicht! Da muß der ‚Chef’ noch mal Nacharbeiten!
Statt Vollkorn- gibt es heute ‚French Rolls’, natürlich auch frisch gemacht. Sie schmecken fast so wie früher die Semmeln in Lindenau – herrlich! Natürlich auch wieder Müsli, Obst, Joghurt und frisch gepresste Säfte!
Gleich nach dem Frühstück geht es wieder ins Boot! Wir überqueren den See und wollen uns anschauen, wo die Bananen, Grapefruits, Papayas und Zitronen herkommen, die wir so reichlich genießen können (es hängt auch stets eine ganze Staude der kleinen leckeren Bananen im Haupthaus zur jederzeitigen Bedienung!). Mangos gibt es leider an einem anderen Platz und für Avocados ist hier im Moment keine Saison :-(!
Auf dem See weht heute eine angenehme Brise – so macht die Arbeit am Paddel richtig Spaß!
Auf dem ersten Teilstück des Weges gelingt es Choclo mit seinem Talent, verschiedene Affenstimmen nachzuahmen, eine ganze Herde von neugierigen kleinen Rhesusäffchen anzulocken! Es ist zu niedlich, wie sie neugierig zwischen den Blättern zu uns herunter schauen und allerhand Kunststückchen zum Besten geben! Sie müssen die Vorbilder zu den ‚Monchichis’ der 70er-Jahre gewesen sein! Durch einen ‚Wald’ von Bananen der verschiedensten Sorten (gelbe und rote Ess-Bananen, gelbe und grüne Koch-Bananen) geht es in die ‚Zitrus-Plantage’ und oh Wunder – hier gibt es plötzlich so gut wie keine Moskitos mehr. Ein herrlicher Platz – es ist kühl unter den riesigen Bäumen, keine Plagegeister, ein idealer Platz für ein Picknick! Ich mache den Vorschlag, dass man hier eine Bank hinstellen sollte, so friedlich und angenehm es hier ist! In Ermangelung eines Picknicks holt uns Choclo einige Grapefruits und ‚sweet lemons’ von den Bäumen – sie hängen in dichten Trauben wie Weintrauben an den Ästen! Es gibt hier eine famose Art, diese Früchte ganz ohne Manscherei zu essen oder besser, den Saft zu genießen! Alles was man dafür braucht, ist ein scharfes Messer! Sie werden dünn geschält und dann wird oben ein tiefer Keil heraus geschnitten. Durch erst leichtes, später festeres Pressen auf die Frucht sammelt sich in der Vertiefung oben der Saft, den man dann einfach so wie aus einem Becher trinken kann! Eine wunderbare ‚Erfindung’! Die Schalen der vielen ‚geleerten’ Früchte legen wir uns als Kragen um den Hals und reiben unsere Hände damit ein – so kommen wir ungeschoren durch die Moskito-trächtigen Bananenstauden und auch durchs Unterholz! Choclo macht uns im Vorbeigehen auf einen Baumstumpf aufmerksam, der von Baumpilzen übersät war. Wie er uns erklärte, essen die Eingeborenen diese als Eiweiß-Ersatz – sie sollen ausgezeichnet schmecken! Zurück über den See ist es mühsamer – der Wind kommt aus der falschen Richtung und bläst uns ins Gesicht! Also ordentlich ‚in die Riemen’ gelegt, damit wir zum Mittagessen zurück sind! Heute gibt es zum Abschied noch mal Hühnchen, aber gegrillt und mit einem herrlichen Salat aus Wildkräutern, Tomaten und Gurken!
Und dann muß alles ganz schnell gehen – wir müssen zum Boot nach Rurrenabaque! Die schöne Zeit hier ist wieder vorbei! Wie mir alle die netten Jungs hier und auch Maria Rosa erklären, ist es nur in diesem Jahr so extrem schlimm mit Matsch und Moskitos – es hat im vergangenen Sommer soviel geregnet, wie seit 28 Jahren nicht mehr! Daher also auch die vielen großen Baumleichen im Rio Beni! Die Wege sind normalerweise trocken und die Moskitos halten sich nach der Regenzeit deshalb in Grenzen! Und die ‚armen Träger’ müssen das auch alles nur in diesem Jahr tragen – üblicherweise haben sie einen Wagen, den sie dann auf den trockenen Wegen relativ leicht ziehen müssen! Das hört sich alles gut an – vor allem Letzteres! Ich hatte die Jungs wirklich sehr bedauert, wenn sie die schweren Lasten in Plastiksäcken, nur mit Seilen als Trägern, täglich hierher geschleppt haben!
Zum Abschied bekomme ich auch so eine Kette aus Samen und Fruchtständen – als Erinnerung und vielleicht zum Wiederkommen :-)!
Der Weg durch den Busch geht heute im Eiltempo – es ist spät geworden und der Skipper will nicht solange warten! Mit uns sind eine neuseeländische Familie unterwegs – zwei etwas sehr merkwürdige Eltern mit ihren 4- und 8-jährigen Buben! Die Mutter rennt vorneweg, der Vater hat den Vierjährigen an der Hand und Choclo kümmert sich um den 8-jährigen. Bei dieser Familie werden die Kinder nach dem Motto erzogen „was uns nicht umbringt, macht uns härter“! Sie waren nur eine Nacht hier und alle sind froh darüber. Die Kinder hatten nicht mal Gummistiefel, sie machten alle Wanderungen in ihren halbhohen Sneakers – ständig bis oben mit Schlamm gefüllt! Selbst auf dem Boot setzten sich die Eltern vorne auf eine Bank und die Buben dahinter. Der Skipper wurde dann ganz unwirsch und verlangte, dass die Kinder vor den Eltern sitzen, damit diese sie im Auge behalten können – im Rio Beni gibt es jede Menge etwa 6-8m lange Alligatoren…
Die Fahrt zurück dauerte gefühlsmäßig viel länger als hierher und war anstrengender! Die Sonne stand schon tief und so saßen wir die meiste Zeit außerhalb des Schattens! Der Skipper vesuchte zwar, so oft wie möglich in der schattigen ufernahen Zone zu fahren, aber das war halt nicht oft möglich! Aber endlich kamen die Häuser vom Städtchen in Sicht und bald schon legten wir an der Rückseite der Agentur an! Wir wurden schon mit frischem Saft erwartet und für mich war auch ein Zimmer in einem Hostel um die Ecke reserviert, wohin mich witzigerweise der Bruder von Luis, der als Übersetzer mit in Tiwuanaco war, begleitete! Nach einer schnellen Dusche gehe ich kurz noch beim AmasZonas-Büros vorbei, weil ich nicht weiß, wann und wo ich hier für den Flug morgen zurück einchecken muß. Was für ein Glück, dass ich das gemacht habe – der Flug geht eine halbe Stunde früher, Check-In ist am Flughafen!
Meinen Welcome Drink löste ich heute erst ein – ein Caipirinha als Aperitif ist nicht schlecht! Zum Abendessen gehe ich in ein kleines Open-Air-Restaurant, wo ich mir ordentlich gegrillten Fisch, noch mal mit dem herrlichen Kartoffelbrei schmecken lasse!
Nach einer nochmaligen Dusche falle ich dann nur noch todmüde ins Bett!

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