Keetmanshop – Luederitz

22.7.10 Keetmanshoop – die ‚Hauptstadt des Südens’, die bis Anfang des 19.Jh.noch nicht sehr schmeichelhaft ‚Swartmodder’ hieß, ist ein kleines quirliges Städtchen – tagsüber! Wie überall in Namibia schließen nämlich auch hier alle Geschäfte (incl. des Internet-Cafés) zwischen 16 und 17.30h, zwischen spätnachmittags und Dunkelheit eben – dafür macht jedoch alles wieder zwischen 6 und 7h auf! Vielleicht ist das im namibischen Sommer anders? Heute liegen 350 km durch das NICHTS vor mir! Aber wo die Orte ‚Krönlein’ oder ‚Seeheim’ (liegt übrigens inmitten einer völlig trockenen Geröllwüste – hier war wohl der Wunsch Vater des Gedankens!), die Flüsse oder besser Flussbetten ‚Kaiserkrone’ oder ‚Schnepfen’ und die Bahnstationen ‚Grasplatz’ oder ‚Wohlgemut’ heißen, scheint es wohl ein ‚deutsches Nichts’ zu sein! Die Straße, immerhin wieder asphaltiert, zieht sich endlos durch zwar wechselnde, aber stets eher unwirtlich wirkende Landschaften! Hin und wieder sieht man Schafe hinter den auch hier links und rechts der Straße stets verlaufenden Zäunen oder auch Rinderherden! Manchmal frage ich mich, was die eigentlich zu fressen finden mögen, manchmal befinden sie sich jedoch in einer einzigen gelben Weidefläche aus trockenem Gras – also Heu, ohne es vorher mähen zu müssen! Am Horizont begleiten mich lange ‚blaue’ Tafelberge, die sich dann beim Näherkommen aber eher als rot erweisen! Eine schöne abwechslungsreiche Fahrstrecke folgt – in großen Windungen auf die Hochfläche der Berge, die dann durch den ‚Fischfluss’ tief eingeschnitten wird! Schweren Herzens verzichte ich auf eine Fahrt tiefer in das Gebiet des Fish River Canyons – der Grand Canyon und der Jebel Shams müssen fürs erste als Canyon-Erfahrung reichen! Aber es ist auch schon hier ein wunderbarer Anblick – inmitten der wüstenähnlichen Umgebung plötzlich ein fett-grünes Flusstal! Danach jedoch bald wieder das eintönige Asphaltband – verführt zum Schnellfahren und zur Unkonzentriertheit! Beweise dafür gibt es auch hier am Straßenrand, analog zu Deutschland, in Form von immer wieder auftauchenden Gedenkkreuzen! Je weiter ich nach Westen kommen, desto beeindruckender wird dann jedoch das ‚Nichts’: Einzelne Berge, die in der ansonsten flachen Landschaft wie Inseln ‚schwimmen’, gelbe Grasflächen, die kein Ende zu nehmen scheinen, Weideflächen durchsetzt mit überdimensionalen ‚Maulwurfshügeln’ (so sehen nämlich hier die Termitennester aus) und dann – plötzlich – keine Zäune mehr! Nur ein Schild: „Diamantensperrgebiet“ und entsprechende Strafandrohung – das scheint offenbar ebenso effektiv zu sein! Inzwischen gibt es bei Abzweigungen auch keine Hinweisschilder mehr auf Orte – nur noch die Strassennummern muessen reichen! Je hoeher der vorangestellte Buchstabe, desto kleiner die Strasse… Dass ich mich doch in Afrika befinde, merke ich an den Hinweisschildern (Warnungen vor Hyänen- und Antilopen-Wildwechsel, vor Sand und Wind!)

und an den Tieren, die mir hier begegnen: Meine erste Schlange, der jedoch ein paar Raben schon den Garaus gemacht hatten – die mich dann ganz hektisch umflogen, als ich zum Fotografieren anhielt, damit ich ihnen die fette Beute nicht etwa streitig mache! Wieder ein ähnlich großer Vogel, wie der in Stampriet (inzwischen weiß ich, dass der heute eine Trappe war und der in Stampriet wohl eine ‚Riesentrappe’)! Ein Kudu und Wildpferde – letztere wohl eher verwilderte Pferde (vielleicht Abkömmlinge der Trakehner, die deutsche Einwanderer im 19.Jh. zur Zucht mitbrachten oder von den deutschen Militärpferden)! Die Eisenbahn lief stets parallel zur Straße mit! Was bewegte wohl die deutsche ‚Schutztruppe’ vor 150 Jahren, von Lüderitz ins Landesinnere eine Eisenbahn zu bauen? Wo das Wasser (in Ermangelung von Quellen oder Grundwasser) für die Dampfloks in tagelangen Fahrten mit Ochsengespannen an die einzelnen Bahnstationen gebracht werden musste! Wo jede einzelne Schwelle und Schiene auf dem Wasserweg aus Deutschland hertransportiert wurde! Wo ständig Personal dafür sorgen musste, dass die Wüste den Schienenstrang nicht verschlingen konnte! Trotz all dieser Widrigkeiten wurden die 350 km innerhalb von 9 Jahren fertig gestellt – eine Renovierung dieses Schienenstrangs läuft schon seit 12 Jahren und soll endlich 2013 wieder die ganze Strecke befahrbar machen! Etwa 50 km vor Lüderitz zeigten sich am wie immer blitzblauen Himmel plötzlich Wolken – das typische Zeichen von ‚kaltem Meer trifft auf warme Luft = Nebel’! Das Thermometer, das heute immerhin zwischendurch mal 28 Grad anzeigte, fiel im Rekordtempo auf 13 Grad!

Mir schwante schon wieder fürchterliches, wurde aber mehr als angenehm überrascht: Mein Zimmer in der hier in Lüderitz anvisierten ‚Pension zur Waterkant’ erwies sich als kuscheliges warmes Refugium mit den ausgesprochen aufmerksamen Wirtsleuten Hälbich (Herr Hälbich ist schon in 4.Generation im Land, mit Vorvätern aus Bremen und Frau Hälbich hat aus Schleswig-Holstein ‚eingeheiratet’)! Passenderweise liegt ihre Pension auch in der ‚Bremer Straße’ und hat einen Blick direkt auf Meer und Hafen – so gehört sich das auch bei diesem Namen!

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Eine Antwort zu Keetmanshop – Luederitz

  1. mike schreibt:

    hi christine,
    der schilderwald erinnert mich an kalifornien. nur die gefleckte kuh fehlt noch!
    super, super deine infos, weiter so.
    lg mike

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