Im Sultansbett

19.8.2010
Es steht wieder einmal ein Umzug an: Vom Strandhotel (ich werde das täglich mit frischen Blumen geschmückte Bett vermissen ) zurück mitten in die Stadt! Ali kommt pünktlich wie immer („afrikanische oder orientalische Unpünktlichkeit“ ist diesem Menschen offenbar total fremd!), um mich in mein neues Quartier zu bringen. Auf dem Weg dahin fahren wir nochmal durch das nach der Revolution neu angelegte Quartier ‚Mikunzani’: Breite Straßen, gesäumt von langen ‚Wohnsilos’! Wenn sich nicht inzwischen überall kleine Marktstände davor positioniert hätten, fühlte man sich manchmal in Straßenzüge in der früheren DDR versetzt!
An der einzigen Ampel Sansibars vorbei an der dummerweise das rote Licht nicht mehr brennt!!!, machen wir noch eine kurzen Stop in Shangani beim Haven Hotel – ich hatte mein Taschenmesser dort vergessen und hoffe, sie haben es gefunden und aufgehoben. Großes Bedauern allerorten, leider nicht! Irgendwie habe ich mit Taschenmessern kein Glück! In Deutschland wurde ich sie mehrfach an Flughäfen los, weil ich vergessen habe, sie aus meiner Handtasche zu nehmen und hier lasse ich es in der Küche liegen…
Die Ankunft im ‚Kiponda Hotel’ lässt mich das aber schnell vergessen – ich bekomme ein Zimmer mit einem original alten omanischen Bett! So etwas kannte ich bisher nur als Museumsstück in den Festungen Omans und nun schlafe ich selbst darin! Gut, dass ich nicht besonders groß bin, so ist die Länge von nur 1,80 m kein Problem für mich! Das Bad ist zwar hier nicht im Zimmer, aber nur gegenüber auf dem Flur und ich habe es für mich allein! Dieses Hotel ist in einem alten omanischen Haus untergebracht. Der typische Innenhof, die in der Höhe zweigeteilten Fensterläden und die große überdachte Dachterrasse sind eindeutige Zeichen dafür! Auf der Dachterrasse wird das Frühstück serviert und es ist auch ein wunderschöner Platz zum relaxen – ständig weht dort oben ein frisches Lüftchen!
Nach einer kurzen Pause und ein wenig Wäsche waschen geht es wieder ‚hinaus ins Leben’ – ein paar neue Gassen und Gässchen wollen erkundet werden! Als erstes suche ich eine Apotheke, was gar nicht so einfach ist! Tief im Gassengewirr, nach vielem Fragen danach, finde ich endlich eine! Meine Frage nach einem Mittel gegen Sodbrennen erzeugt eine Gegenfrage ‚wie viel Stück?’ – Tabletten verkauft man hier stückweise! Die gewünschten 8 Stück werden fein säuberlich aus der Blisterpackung ausgeschnitten und mir, nach vorher nachdrücklich verlangtem Durchlesen des Beipackzettels (der natürlich in der Apotheke bleiben mußte!), für etwa 12 Cent/Stück ausgehändigt!
Jetzt zur Post und ins Internet Café, vorbei am Geburtshaus von Freddy Merury. Das sieht aber nur deswegen so gepflegt aus, weil die kürzlich in das Haus eingezogene Gallery alles vorher hat gründlich renovieren lassen – mit dem ‚berühmten Sohn der Insel‘ hat Sansibar ansonsten nicht viel am Hut – die meisten, auch junge Leute, wissen überhaupt nichts mit diesem Namen anzufangen! Zwischendurch gibt es schnell noch einen Cappuccino und doch mal ein paar Blicke in die Souvenirläden geworfen ! Ehe ich mich versehe, senkt sich schon die Dämmerung herab und die Marktstände in den ‚Forodhani Gärten’ am Strand werden aufgebaut! Hier befindet sich nämlich abends ein einziges Freiluft-Restaurant, das natürlich gerade jetzt während des Ramadan besonders auch von Einheimischen frequentiert wird! Ein lautes Sirenengeheul, vermischt mit den Gesängen der Muezzins rundum verkündet, dass Das Fasten für heute vorbei ist! Sofort setzt ein buntes Treiben ein, rund um das Angebot mit allem, was das Herz begehrt! Neben allerhand Köstlichkeiten aus dem Meer, die vor den Augen der Kunden in Öl ausgebacken werden, ist vor allem „Sansibar Pizza“ der große Hit: Ein kleiner, hauchdünn mit geölten Händen ausgezogener Teigfladen wird wunschgemäß belegt, salzig oder auch süß, eingeklappt und mit einem ebenso dünnen ‚Deckel’ versehen oder mit einem Ei ‚verschlossen’! Das ganze wird dann auf einem Blech bei mehrmaligem Wenden knusprig ausgebacken! Meine ‚vegetable pizza’ schmeckt eindeutig nach mehr, aber wegen meines Magens verzichte ich schweren Herzens auf ‚Nachschlag’! Lieber lasse ich mir dann am Strandcafé den ‚spice tea’ schmecken und beobachte von dort aus das bunte Treiben!
Der Heimweg ist etwas beschwerlich – mir wurde zwar im Hotel gesagt, dass es ‚very safe’ wäre, auch im Dunkeln durch die Gassen nach Hause zu gehen! Dummerweise war keine Rede davon, dass es keine Straßenbeleuchtung gibt! Also schlich ich langsam um Löcher im Boden oder Stolperstücke auf dem Weg herum, manchmal leuchtete mir ein Fenster, manchmal auch ein Lichtschein vom voller werdenden Mond – so kam ich dann doch wohlbehalten ‚zuhause’ an!
Um 20 h hatte ich noch eine Verabredung auf der Dachterrasse mit Ali und seinem Cousin Achmed, der als Guide hier in Stone Town arbeitet. Sie wollten mit mir reden, ob nicht irgendeine ‚Zusammenarbeit’ möglich wäre! Sei es, dass Freunde oder Bekannte hierher kommen möchten, sei es, dass ich irgendwelchen Tour Operators in Deutschland ihre Kontaktdaten geben könnte. Achmed ist offenbar ein wirklich guter Guide – von Stone Town bis hin zu Ausflügen in den Nationalpark der Insel konnte er mir wirklich viel erzählen und näher bringen! Mal sehen, ob ich irgendwas für sie tun kann. Die Geschichte von ‚Princess Salme’ wurde von ihm so spannend und geheimnisvoll erzählt, dass es eine Freude war – obwohl ich diese Geschichte ja schon kannte – ihm zuzuhören! Ein typischer Vertreter eines orientalischen Geschichtenerzählers! Auf die Art haben sie früher die atemlos lauschenden Dorfgemeinschaften mit Leichtigkeit stundenlang um sich herum versammeln können!
Während unseres Gesprächs tauchte plötzlich Mohammad vom Haven Hotel auf und brachte mir mein Taschenmesser – es war von einem der Mitarbeiter dort gefunden worden und in einer Schublade in Sicherheit gebracht. Dummerweise hatte der dann vergessen, es dem Chef zu sagen! Erst als er nach meinem Besuch heute noch mal bei allen nachgefragt hat, wurde ihm das gesagt – und er lief durch die ganze Stadt, um es mir zu bringen!!!
Nach diesem wieder einmal so positiven Erlebnis mit Einheimischen krieche ich zufrieden und glücklich in mein ‚omanisches Himmelbett’ und freue mich auf eine gute Nacht!

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