Alt-Frankreich!

Mittwoch, 14. September 2011

Diese Nacht war ungestört, außer dass ich hörte, dass es wieder zu regnen angefangen hat! Beim Aufstehen war der Spuk jedoch vorbei und ich schaue optimistisch meinem nächsten ‚Abenteuer’ Quebec entgegen!

Wir frühstücken noch zusammen und ich sage Carole, dass ich ihren Vorschlag leider nicht annehmen werde! Ich begründe das damit, dass ich nach meiner Rückkehr erst meine Familie wieder ein wenig genießen will! Sie bedauert das sehr, haben sich doch Charly und ich inzwischen ganz gut angefreundet, aber versteht auch meine Beweggründe (vom Schneeräumen habe ich nichts erwähnt :-))! Sie verschwindet dann zur Arbeit, mein Taxi ist erst für 9h bestellt. Ausgestattet mit einem Hausschlüssel, den ich nach meinem ‚Auszug’ in den Briefkasten werfen soll, kann ich dann in Ruhe noch den Frühstückstisch abräumen, mein Gepäck fertig machen und noch ein wenig mit Charly spielen.

Meinen Leihwagen hole ich am Flughafen Montreal ab! Gut, dass ich ein Taxi habe, es sieht mir sehr kompliziert aus, zu den Rental-Schaltern zu kommen. Endlich aber setzt mich der Fahrer bei Europcar ab und ich kann mein Auto in Empfang nehmen! Wieder erlebe ich eine Überraschung – mein bestelltes ‚kleines’ Auto wird kostenlos durch einen viel größeren ersetzt! Eigentlich will ich das gar nicht, weil das Benzin in Kanada auch relativ teuer ist und größeres Auto=größerer Benzinverbrauch… Aber es gibt kein kleineres (wie sich beim Gespräch mit dem jungen Mann bei der Fahrzeugübergabe herausstellt, gibt es nämlich überhaupt keine kleinen Wagen in der Flotte!)
Die Fahrt von der Mietwagenstation Richtung Autobahn ist sehr einfach – die Beschilderung ist gut und der Verkehr jetzt am späten Vormittag ist moderat! Bald schon überquere ich einige der zahlreichen Brücken, die mich von der ‚Insel’ wieder aufs ‚Festland’ bringen! In Windeseile wandelt sich die Landschaft vor meinen Augen von städtisch zu mehr als ländlich! Ich überlege kurz, ob ich statt auf der Autobahn auf der Landstraße entlang fahren soll (mein Upgrade beinhaltet nämlich auch ein Navigationsgerät). Das hebe ich mir jedoch für die Rückfahrt auf, jetzt möchte ich so schnell wie möglich in Quebec ankommen!

Bei einer großen Touristeninformation auf halber Strecke halte ich kurz an, um mich mit Hotelvorschlägen einzudecken. Dort gibt es auch ein Internet-Terminal und ich kann mir gleich ein Zimmer am Stadtrand von Quebec reservieren. Die Internet-Buchungen sind um soviel günstiger, als ein Zimmer direkt beim Hotel oder über die Touristeninformation zu buchen!

Wie sich herausstellt, habe ich eine gute Wahl getroffen! Ich bekomme einen hübschen Raum (mit dem üblichen Wasserkocher, Teebeutel, Milch, Keksen…) in einem kleinen Hotel hoch über dem St.Lorenz-Strom! Nicht weit entfernt ist ein großer Supermarkt, wo ich mich mit etwas zum Abendessen eindecken kann. Aber nachdem ich mein Gepäck aufs Zimmer gebracht habe, fahre ich erst einmal Richtung Innenstadt, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Morgen werde ich mir die Stadt dann ausführlich anschauen!

Bei der Fahrt in die Stadt bereue ich wieder einmal, dass ich allein unterwegs bin! An vielen, vielen Wasserfällen vorbei und über eine große Brücke über eine tiefe Schlucht geht es nämlich in die Stadt, die auf einer Klippe über dem St.Lorenz-Strom liegt! Überall ist hier entlang der Straße Halteverbot, sodaß ich kein einziges Foto von dieser grandiosen Landschaft machen kann!

Die neuen Teile der Stadt, durch die ich jetzt fahre, sehen nicht soviel anders aus, als überall auf der Welt, vor allem in den USA! Jede Menge Malls und großzügig bemessene Privatgrundstücke! Bald aber erreiche ich die Altstadt und die fasziniert mich über die Maßen und läßt große Vorfreude auf meinen Rundgang morgen aufkommen!

Da es inzwischen schon spät am Nachmittag ist, steuere ich die alte Befestigungsmauer an. Nach einem kurzen Spaziergang vom Parkplatz zu den Aussichtspunkten habe ich einen tollen Blick auf den Fluß und die weitere Umgebung!


Es ist schon dunkel, als ich den Heimweg antrete. Nach einem kurzen Stop beim Supermarkt (Sushi gibt es heute abend!) fahre ich zum Hotel und verschwinde in meinem Zimmer! Heute ist mal wieder Zeit und Gelegenheit, an meinem Blog weiter zu schreiben! Als ich später aus dem Bad komme, höre ich draußen wieder „Regentropfen, die an mein Fenster klopfen“, aber bis morgen wird das bestimmt wieder vorbei sein!

Donnerstag, 15.September 2011

Leider war meine Wunschvorstellung trügerisch – als ich aufwache, geht draußen gerade die Welt unter! Äußerst heftiger Regen macht meine Pläne für heute erst mal zunichte! Also gleich noch mal umgedreht und noch ein wenig weiter geschlafen, bis ich dann zum Frühstück aufstehen muß!

Wie mir die nette Bedienung im Frühstücksraum verrät, soll es den ganzen Tag so bleiben „aber heute abend soll es aufhören zu regnen und morgen wieder schön sein“! Na, das ist ja tröstlich! Da muß ich wohl noch eine Nacht hier in Quebec anhängen, denn bei so einem Wetter macht ein Stadtbummel ja nicht gerade Spaß! Leider fällt dadurch meine geplante Rückreise ‚über die Dörfer’ flach – ich werde morgen wohl erst nachmittags hier loskommen und das wird dann zu knapp von der Zeit her!

Das wird nun heute mal ein fauler, vor allem ‚Lesetag’, den ich gemütlich im Bett verbringe! Dazwischen buche ich mir eine Übernachtung in der ‚Auberge de Jeunesse’ (Jugendherberge) in Montreal , damit ich weiß, wo ich morgen Abend mein Gepäck abliefern kann, ehe ich das Auto zurück geben werde!

Am Nachmittag läßt der Regen in der Tat nach und ich überlege mir, mit der Fähre von hier in die Stadt zu fahren und mich vielleicht doch noch ein wenig umzuschauen! Bei der Ankunft im Fährhafen stellt sich jedoch heraus, dass eine Fähre gerade weg ist und die nächste erst gegen 19h fahren wird! Das ist mir dann doch zu spät und ich finde mich damit ab, dass es heute mit Stadtbesichtigung nichts mehr werden wird! Da der Regen inzwischen aufgehört hat und die Sonne ein wenig durch die Wolken blitzt, erlebe ich einen traumhaften rotgoldenen Sonnenuntergang, in dem Quebec versinkt…



Freitag, 16.September 2011

Es ist zwar noch bewölkt, aber die Sonne scheint hin und wieder – schnell springe ich heute aus dem Bett, ins Bad und in meine Kleider! Den Tag will ich nun ausgiebig mit Stadtbesichtigung genießen!

Mein Auto ist schnell gepackt, obwohl mein Gepäck inzwischen ziemlich angewachsen ist: Mein Koffer, eine Reisetasche, einige Plastiktüten und mein Rucksack! Der Weg in die Stadt ist leicht zu finden, auch ohne Navi – es geht eigentlich immer nur der Hauptstraße nach und man kommt unweigerlich durch das Stadttor in die Altstadt! Hier suche ich mir einen Parkplatz (auch hier gibt es nur welche an Parkautomaten!) und mache mich auf den Weg!

Quebecs Altstadt geht bis ins 18.Jahrhundert zurück – hier war der erste Stützpunkt der Franzosen, von wo aus sie das Land Richtung Westen besiedelten! Es gibt noch zahlreiche Zeugnisse aus all den vergangenen Jahrhunderten hier in der ‚Oberstadt’, wo sich damals vor allem die ‚besseren Leute’ ansiedelten (so ist das auch heute noch!). Die Stadtmauer, einige der schönen alten Häuser und natürlich Kirchen! Etwas neueren Datums ist das riesige Hotel „Frontenac“ – es sieht ein wenig aus, wie eine Burg, ist jedoch eigentlich ein Hochhaus aus den frühen Jahren des 20.Jh.

Direkt hinter dem Hotel gibt es einen Aufzug in die ‚Unterstadt’ – dort siedelten früher die einfachen Leute. Handwerker etc. Entsprechend klein und unscheinbar sind deren alte Häuser, heute aber begehrt bei Studenten und jungen Familien! Dort unten ist auch der Hafen, wo auch die Kreuzfahrtschiffe anlegen, die vom Atlantik den Abstecher über den St.Lorenz-Strom machen! Die Aufzug-Fahrt ist mir aber ein wenig zu teuer! Ich schlendere lieber durch die engen verschlungenen Gassen der Oberstadt! Dort gibt es allerhand zu entdecken – sogar einen Moriskentänzer, der mich lebhaft an mein München erinnert!

Einen ‚Christmas Shop’ gibt es hier natürlich auch, in den ich unbedingt einfallen muß und aus dem ich reichlich bepackt wieder heraus komme! Kleine Weihnachtsgeschenke für die ganze Familie sind meine Ausbeute!

Gleich gegenüber steht die Kirche ‚Notre-Dame de Québec‘, die älteste Pfarrkirche in Nordamerika nördlich der mexikanischen Grenze! Schon seit 1874 ist sie eine Basilika!
Die heutige Kirche hat jedoch mit der ursprünglichen, die im Jahr 1647 an dieser Stelle gebaut wurde, nicht mehr viel gemein. Schon 1759 wurde das ursprüngliche Gotteshaus während der Belagerung Québecs durch die Engländer zerstört. Ein paar Jahre später wurde zwar ein neues Kirchengebäude errichtet, das aber drei Tage vor Weihnachten im Jahr 1922 komplett abbrannte! Ab 1923 wurde aber schon wieder ein Neubau begonnen, der 1930 vervollständigt war – die heutige Kirche! Obwohl damals gerade erst knapp 40 Jahre alt, wurde sie schon am 23. Juni 1966 in die Denkmalschutz-Liste von Quebéc aufgenommen und seit 1989 gehört sie zu den ‚National Historic Sites of Canada (Lieu historique national du Canada)‘!

Ein kurzer Rundgang im Inneren dieser Kirche offenbart mir ein regelrechtes Kleinod, auch der Vorplatz und das Geländer um den herum sind wunderschön gestaltet und mit reichlich Blumen geschmückt!

Der Bummel durch die teilweise winzigen Straßen und Gassen erinnert mich an meine Besuche im Elsaß – auch die Häuser mit dem Blumenschmuck tun das ihre dazu! Auch gibt es jede Menge Galerien und Antiquariate – könnte auch ein bisschen Paris sein :-)!




Inzwischen ist es Mittag geworden und ich finde ein kleines, altes Lokal, in dem es sogar ‚Choucroute’ gibt, diese elsässische Spezialität mit Sauerkraut und diversen Würstchen etc.! Davon lasse ich mir eine kleine Portion schmecken und mache mich schweren Herzens wieder auf den Weg zurück zu meinem Auto!

Natürlich habe ich einen Strafzettel – zum einen hat mein Kleingeld für die Parkuhr nicht gereicht, zum anderen habe ich die Höchstparkzeit auch gnadenlos überschritten! Aber nein, es ist gar kein Strafzettel, nur ein freundlicher Hinweis, dass beim nächsten Besuch in ‚unserer schönen Stadt’ bitte an die richtige Bezahlung und Beachtung der Höchstparkzeit gedacht werden sollte! Woher mag der/die freundliche Kontrolleur/in gewußt haben, dass dieses Auto einer Touristin gehört???

Die Fahrt Richtung Autobahn geht erst einmal auf steilen Serpentinen den Berg vom Plateau hinunter. Von hier aus hat man eine tolle Aussicht auf die ‚Neustadt’ und auch den Bahnhof von Quebec (der so neu nun gar nicht aussieht!).

Ich fahre unter einigen Brücke hindurch, die über und über mit Graffitis verziert sind! Und ‚verziert’ ist wirklich der richtige Ausdruck – richtiggehende Kunstwerke sind darunter! Vor allem gibt es jede Menge kirchlicher Motive, von nachgeahmten Bleiglasfenstern bis zu Madonnenbildnissen ist alles vertreten!



Durch schier endlose tundra-ähnliche Weiten geht jetzt die Fahrt und mir wird deutlich, dass der ‚Indian Summer’ nicht mehr weit ist! Überall sind schon Bäume und Sträucher mit intensiv gefärbtem Laub zu sehen! Vielleicht noch ein bis zwei Wochen, dann wäre dafür die richtige Zeit! Aber das geht halt nun nicht mehr…

Als ich das Hinweisschild zu einem großen Einkaufszentrum passiere, fahre ich da kurz entschlossen raus. Ich muß dringend einen Koffer kaufen, damit mein Sammelsurium im Kofferraum sich heute Abend in geregeltes Gepäck verwandeln läßt! Jede Menge Starbucks-Tassen, Weihnachtsschmuck und sonstige Mitbringsel müssen irgendwo untergebracht werden – mein ursprüngliches Gepäck von Koffer und Rucksack war ja 14 Monate lang nur auf das Notwendigste ausgelegt!
Ich werde auch fündig (für ganz kleines Geld!) und packe gleich auf dem Parkplatz noch entsprechend um, damit ich alles, so wie es ist, bei meiner Ankunft in Montreal in den ‚storage room’ stellen kann (das Notwendige für eine Nacht habe ich heute morgen schon im Rucksack untergebracht!).

Da ich doch gut in der Zeit bin, mache ich jetzt noch einen kleinen ‚Schlenker’ durch ein paar kleine Städtchen am Autobahnrand! Auch hier wirkt alles sehr französisch – kein Wunder, dass sich mein französischer Couch Surfing Gastgeber in Montreal in diesem Teil von Kanada so zuhause fühlt!

Als ich (dank Navi!) schon kurz vor Einbruch der Dunkelheit am Hostel ankomme, bin ich froh, dass ich mein Gepäck bereits geordnet hatte! Schnell ist so alles im Keller untergebracht und ich nehme kurz mein Bett in Beschlag. Noch ist es das einzige in einem 4-Bett-Zimmer, das besetzt ist, aber das kann sich ja noch ändern – ich muß ja noch das Auto wieder zurück zum Flughafen bringen!
Hier hilft mir das Navi jedoch auf den letzten Metern gar nichts mehr! Die komplizierte Anfahrt zu der Mietwagen-Rückgabe wird noch erschwert durch eine Baustelle und zusätzlich durch eine Wagenkolonne, die offenbar einen hochrangigen Gast zum Flughafen bringt! Als endlich der gesamte Verkehr nur noch ein einziges Autoknäuel ist, greift die Polizei ein und die Leihautos werden kurzerhand direkt durch die Baustelle gelotst, damit die wenigstens weg sind!

Die Rückgabe ist unkompliziert bis auf die Bemerkung „was, kein Schaden – und das bei Dir als Frau!“ Da war ich doch drauf und dran, hier ordentlich vom Leder zu ziehen! Aber was soll’s, ich bin schon spät dran und ich sollte noch ein wenig schlafen, mein Zug morgen geht schon kurz nach 7h!

Der Rückweg zum Hostel ist einfach – ich nehme den Hotelshuttle nach Central Montreal, der hat sogar die ‚Auberge Jeunesse’ auf seinem Programm! Jetzt, so spät am Abend ist der Verkehr moderat und bald schon bin ich wieder in meinem Zimmer! Hier gibt es ‚Zuwachs’ – zwei junge Frauen sind noch angekommen! Eine junge Chinesin (liegt schon im Bett und schläft!) und eine andere, mit der ich mich erstmal englisch unterhalte, bis wir drauf kommen, dass sie auch aus Deutschland ist! Rike ist auch auf einer Art ‚Weltreise’ – sie macht das aber in Etappen und kehrt immer wieder zwischendurch zurück nach Deutschland! Wir reden noch viel zu lange und mir wird Angst und bange vor dem Aufstehen morgen…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s