„Salta la linda“ – Salta, die Schöne!

Jetzt bin ich also in Salta angekommen, das überall hier in Argentinien als ‚die Schöne‘ bekannt ist! Vor allem wegen ihrer wunderbar erhaltenen Bauten zurück bis ins 17.Jh. – Kirchen, offizielle Gebäude und auch Wohnhäuser, aber auch, weil es sehr sauber sein soll! Zusätzlich gibt es in der Umgebung so viel Sehenswertes, daß wahrscheinlich meine 10 Tage hier nicht reichen werden für alles!

Montag, 28.3.2011
Die Fahrt „im Bett“ war ziemlich bequem! Es waren zwar keine richtigen Betten, aber bequeme, gut gepolsterte Sitze, die sich ganz und gar flach legen ließen! Hier gab es auch Kopfkissen und Decken (letztere waren auch nötig , die AC war auf ‚Kühlschrank‘ gestellt…). Das servierte Abendessen war wie im Flieger – also kein Gourmet-Essen, aber soweit in Ordnung! Das Frühstück bestand, wie ja immer hier in Argentinien, nur aus Süßkram: Ein Muffin, ein Alfajores – zwei große Mürbeteigplätzchen mit einer dicken Schicht (meistens) dulce de leche oder Marmelade zusammengehalten, ein medialuna (=Halbmond/Hörnchen)…
Ich bin zwar ein paar Mal wach geworden, habe aber grundsätzlich ganz gut geschlafen, bis der Schaffner uns um kurz vor 9h mit heißem Kaffee und Frühstück geweckt hat. Danach lag noch der ganze Vormittag vor mir – Ankunft in Salta war erst um kurz vor 14h.
Die Landschaft war ungewohnt unspektakulär – wenn man davon absieht, daß es plötzlich überall grün war und Hügel im Blickfeld lagen! Ein schöner Anblick, wenn die dicken Wolken nicht gewesen wären, die nichts Gutes für das Ziel Salta versprachen.
Die Fahrt ging durch ungewohnt viele Dörfer und an kleinen Estancias bzw. ‚fincas‘, wie sie hier jetzt heißen, vorbei – überhaupt nicht zu vergleichen mit allem, was ich bisher als Solches gesehen habe! Obwohl es sich hier um äußerst fruchtbares Land handeln muß, sehen die kleinen Gehöfte eher ärmlich aus! Viele breite Flussbetten werden überquert, im Moment mit eher wenig Wasser – die sommerliche Regenzeit ist (Gott sei Dank!!!) langsam vorbei! Plötzlich schreckt ein ganzer Schwarm Nandus aus dem hohen Gras auf und sucht schnell das Weite! Leider ist das Fotografieren garnicht so einfach – die Straße ist äußerst holprig und durch das geschlossene Fenster werden die Bilder obendrein nicht ganz scharf!
In den kleinen Städten, die wir immer wieder durchfahren, herrscht trotz der frühen Stunde schon reges Treiben! Einmal ist ein ganzer Straßenabschnitt eine einzige „Auto-Waschanlage“ – in regelmäßigen Abständen stehen Männer mit einer Batterie Eimern bewaffnet und warten auf Kundschaft! Aber auch die Parks (und jede noch so kleine Stadt hat einen – meist heißt er „Plaza 9 de Julio“ nach dem Nationalfeiertag) werden bereits vom Abfall gesäubert und auch die Cafés für die Frühstücksgäste vorbereitet.

Immer wieder kommt auch ein Hotel ins Blickfeld – manchmal groß aber meistens relativ klein!
Die nächste größere Stadt ist ‚San Miguel de Tucuman‘, die Hauptstadt von Tucuman, der kleinsten Provinz Argentiniens (ungefähr so groß wie Hessen). Hier wird angehalten – es möchten einige Leute aussteigen, u.a. auch meine nette Sitznachbarin! Kurz vor Salta umfahren wir Cafayate (nur das ‚Gewerbegebiet‘ bekomme ich hier zu sehen), wohin ich eigentlich auch noch möchte – aber heute möchte ich nur noch ‚ankommen’…
Bald aber kommen schon die ersten Häuser von Salta ins Blickfeld – eine große Bierreklame begrüßt mich am Straßenrand!

Salta liegt in einem Talkessel und so hat man schon bei der Anfahrt einen guten Blick auf die Stadt!
Pünktlich auf die Minute laufen wir im Busbahnhof ein – ein Taxi ist hier auch schnell gefunden! Doch eigentlich wäre es garnicht nötig gewesen – das Hostel ‚Siete Duendes‘ -also ‚7 Heinzelmännchen‘- wäre fußläufig vielleicht nur etwa 10 Min. entfernt gewesen! Der Empfang ist sehr freundlich und ich bekomme auch alles in die Reihe, obwohl die junge Frau an der Rezeption so gut wie nicht Englisch spricht! Aber mit meinem rudimentären Spanisch und Händen und Füßen geht alles erfolgreich über die Bühne. Mein Bett ist in einem 4-Bett-Zimmer, zusammen mit drei jungen Argentiniern (die auch kein Wort Englisch sprechen), im letzten Haus dieser verschachtelten Anlage – mit einem hübschen Innenhof! Den Namen hat das Hostel zu Recht – es ist pieksauber hier! Die Zimmer, die Bäder, die Küche – nirgendwo auch nur im entferntesten schmuddelig!
An der Rezeption bekomme ich auch sofort ein paar Infos über Ausflüge und Touren, die man hier so machen könnte und den Weg zur nächsten Wäscherei erklärt! Ich beschließe, die Wäscherei und die entsprechenden Agenturen heute noch aufzusuchen, damit ich ungefähr weiß, wie die nächsten Tage so aussehen werden.
Im Moment geht das jedoch noch nicht, denn in Salta sind die Geschäfte von 1h bis 17h geschlossen! Das ist auch ganz gut so, ich bin todmüde und so ist Zeit für einen kurzen Mittagsschlaf!
Mit einem kleinen Stadtplan versehen mache ich mich späer auf den Weg Richtung altes Zentrum – leider haben sich zwischenzeitlich aber die dicken Wolken noch verdichtet und ich kürze den Spaziergang deswegen stark ab! Für einen ersten Eindruck hat es jedoch gereicht und ich freue mich auf morgen, wenn ich alles genauer anschauen kann!

In der Küche treffe ich Lars wieder, einen jungen Mann aus der Schweiz, der mir heute nachmittag mit seinem Spanisch schon ausgeholfen hat. Nach einem langen Schwatz mit ihm widme ich mich noch ein wenig meinem Blog. Weil es inzwischen ziemlich regnet, gehe ich bald zu Bett!

Dienstag, 29.3.2011
Sehr gut geschlafen – meine drei Mitbewohner habe ich nicht einmal gehört, als sie nachts nach Hause kamen! Es ist kurz vor 9h, aber überall im Haus ist noch Stille – es wird halt bei den Meisten immer ziemlich spät am Abend :-)! So habe ich es gut, denn alle Bäder sind noch frei und ich kann das unmitelbar neben dem Zimmer benutzen! Der Frühstückstisch in der Küche ist bereits gedeckt – hier gibt es sogar Semmeln (sogar eine Vollkorn-Variation!) zum Frühstück!
Der größte Teil des Vormittags gehört der Organisation meiner nächsten Unternehmung. Zum einen muß ich bei ‚Tren de las Nubes‘ nochmal anfragen, denn ich habe immer noch kein Ticket (obwohl der Betrag sofort von meinem Konto abgebucht worden ist) für die Fahrt am kommenden Samstag! Dann habe ich beschlossen, einen zweitägigen Ausflug zu machen! Am ersten Tag an einem Teil der Bahnstrecke des ‚Wolkenzuges‘ entlang mit dem Bus, dann an einem großen Salzsee vorbei über einen der hohen Pässe hier, danach hinunter ins Tal (2000m Höhenunterschied während 20 km!) nach Purmamarca – einem kleinen Städtchen, umgeben von überaus farbigen Felsformationen (wenn man dem Prospekt glauben kann…). Von dort werde ich mit einem Transfer in ein Hotel nach Maimará gebracht, wo ich übernachten werde. Am nächsten Tag soll mich eine Tagestour aufpicken, mit der ich dann den Tag verbringen werde. Dann stehen auch wieder Schluchten, kleine Städtchen und auch schon ein paar Ruinenfelder auf dem Programm. Der erste Tag ist „Vollpension“, für den zweiten muß ich essenstechnisch selbst sorgen. Alles zusammen kostet mich rund 200€ – das ist es mir wert, denn die Leihwägen sind auch nicht billig und es ist eine Tour von etwa 550 km, bei den verkehrstechnischen Gegebenheiten hier könnte es ein Selbstmordkommando sein :)!
Es gibt auch billigere Angebote, aber als Fahrzeug gibt es einen geländegängigen umgebauten Mercedes-Kleinlaster, wo man überall auch im Freien sitzt und dadurch einen tollen Blick auf alles haben soll – und natürlich gut fotografieren kann. Der einzige Wermutstropfen ist die Abfahrt – ich muß morgen bereits um 5.45h bei der Agentur erscheinen!!!

Freitag, 1.4.2011
„Frei“tag – Faultag ist angesagt – ich habe nichts vor, außer ein wenig Organisation und ein bisschen einkaufen! Im Hostel sind neue Gäste eingetroffen, die gerade aus Bolivien kommen. Da gibt es viele gute Tipps für meine Weiterreise! Am Busbahnhof hole ich mir meine Fahrkarte zur Fahrt nach Puerto Iguazu – meine längste Busfahrt wird das werden, 26 Stunden!!! Aber ich kaufe mir wieder ein ‚Bett’ und sehe dem gelassen entgegen!

Sonntag, 3.4.2011
Heute habe ich richtig lange geschlafen – das gestrige „Abenteuer Zug“ war doch anstrengender als ich dachte 🙂 – erst um kurz nach 10h bin ich aufgestanden! Nachdem es Sonntag ist und es hier bis 11h Frühstück gibt, konnte ich mir das einfach mal so leisten! Ich habe sowieso nichts besonderes vor – außer ein wenig einkaufen für meinen Trip morgen und übermorgen, ein bisschen Wäsche waschen und meine vielen Fotos der letzten Tage ‚sortieren’. Wie mir der nette junge Mann an der Rezeption sagte, gibt es heute auch noch einen Künstlermarkt in der „Partyzone“ Avenida Balcarce – das ist die Straße, die direkt vom Bahnhof in die Stadt geht, auf der ich heute Nacht auch zurück zum Hostel gelaufen bin! Da war zwar gestern noch ordentlich was los um Mitternacht – das hat mich aber überhaupt nicht animiert, mich dort aufzuhalten. Aber ‚Künstlermarkt’ hört sich nett an – da werde ich dann nachmittags doch mal hin marschieren!
Beim Frühstücken treffe ich Carla und ihre kleine Tochter Luca aus Australien wieder – sie hatten Anfang der Woche das Bett über mir und wir haben uns ein klein wenig angefreundet. Sie waren gerade auch 2 Tage unterwegs. Als ich erzähle, wie toll die Zugfahrt war, bekommt Luca ganz große Augen und ich beschließe, ihr das kleine gestrickte Lama zu schenken! Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, welche Begeisterung ich bei dem Kind damit auslöse – da habe ich mit einem Betrag von nicht mal 2€ zwei Kindern eine Riesenfreude gemacht! Das war dann doch mal eine richtig gelungene Investition! Die Beiden werden morgen früh weiterreisen nach Chile – schade, dass die netten Bekanntschaften, die ich unterwegs so machen konnte, immer nur von so kurzer Dauer sind! Es werden zwar e-Mail-Adressen und Telefonnummern ausgetauscht – aber bei den meist riesigen Entfernungen (Carla z.B. kommt aus Brisbane) wird der Kontakt dann wahrscheinlich schnell wieder abreissen!
Hier in der Küche habe ich auch ein wenig Freundschaft geschlossen mit einem jungen Mann aus Perth – er hat gezwungenermaßen auf seinem 4-Monats-Trip angefangen zu kochen! Das was er so macht, ist gar nicht so schlecht – er freute sich aber immer über den einen oder anderen guten Tipp von mir ‚altem Hasen’! So haben wir manches Abendessen zusammen fabriziert! Er freut sich jedoch jetzt auf Bolivien, wo „restaurants are so cheap I don’t have to cook anymore :-)!“
Der Weg zum Markt führt mich durch das Stadtzentrum und ich nutze ein paar ganz andere Straßen, um wieder ein paar neue Eindrücke zu bekommen! Leider hat heute keins der Geschäfte geöffnet – ich brauche ein neues Batterieladegerät! Ich hatte meins gestern mit zwei Akkus untertags in der Steckdose gelassen und abends war alles weg! Irgendwie gibt es auch in den nettesten Hostels immer ein paar ‚schwarze Schafe’ – da ist es dann egal, ob es ein Nutellaglas aus dem Kühlschrank, die Unterwäsche von der Leine oder ein Ladegerät aus der Steckdose ist, die können einfach alles brauchen! Und hinterher erzählen sie dann daheim voller Stolz, dass sie so gut wie ohne einen Pfennig durch die Welt gekommen sind!!!
Als Notbehelf kaufe ich mir heute in einem Fotoladen ein paar Longlife-Batterien und werde in Buenos Aires mein Glück versuchen!

Nach dem Rundgang durch die Stadt lande ich zufällig vor dem Café Monaco` – wenn das keim Zufall ist! Es ist eine gute Zeit für einen Kaffee und das der richtige Platz dafür! Danach geht es aber weiter Richtung Balcarce – vor lauter Begeisterung über die immer wieder so hübschen Häuschen gehe ich viel zu weit und bin schon in den ‚suburbs’ von Salta gelandet, als ich das merke! Also umgedreht und den Weg zurück! An einem der vielen grünen Plätze hier in der Stadt gibt es einen riesigen alten Palast zu sehen. Wie mir eine Anwohnerin erzählt, ist das ein Privathaus- sie hat mit auch den Namen der Familie gesagt, aber der war für mich kein Begriff! Wirklich kaum zu glauben, dass es so etwas hier gibt! Es gibt zwar auch noch andere sehr schöne Wohnhäuser hier, aber doch deutlich kleiner! Aber es gibt auch riesige Wohnblöcke, die bei uns eher in Neu-Perlach oder Marzahn o.ä. angesiedelt sind – hier gehören sie zu den bevorzugten und eher teuren Wohnangeboten: Sie lassen sich mit zwei Wachleuten gegen Eindringlinge abschirmen und in den obersten Stockwerken ist man absolut sicher vor Einbrechern! Diese Häuser sind i.d.R. von einer kleinen Grünanlage umgeben, manchmal mit einem Pool und einem hohen Zaun! Es gibt nur einen Eingang, der von einem Pförtner kontrollert wird, die Aufzüge können nur mit einem Schlüssel bedient werden und damit ist ziemlich sicher gestellt, dass keine Fremden sich im Haus aufhalten können!

Auf der Balcarce ist schon allerhand los, obwohl offenbar einige Plätze noch auf Verkaufsstände warten und einige gerade erst aufgebaut werden. Direkt am Eingang gibt es einen großen Stand mit frischen Blumen – was für ein schönes Bild so im Sonnenschein! Daneben wird allerhand Geflochtenes angeboten – Hüte, Deckchen, Tischsets, Taschen etc. etc. Die beiden Verkäufer wollen mir unbedingt etwas verkaufen – als ich aber ablehnend bleibe, muß ich den einen der Beiden wenigstens fotografieren und soll ihm das Foto dann per E-Mail schicken! Na, das ist jawohl eine kleinere Übung!
Es gibt ziemlich viel ‚Zeugs’ zu sehen, aber auch überraschend viele sehr schöne Angebote – und auch einige sehr lustige! An einem Stand sehe ich Kakteen – aber alle aus Filz, Stoff, gestrickt oder gestickt, absolut pflegeleicht für die, die so überhaupt kein Händchen für Blumenpflege haben! Ein paar Stände weiter gibt es dann aber auch ein großes Angebot von ‚lebenden’!
Ein breites Angebot an Artikeln aus Holz fällt besonders auf – große hölzerne Schalen mit Silber-Griffen oder Verzierungen, allerhand ähnliche Kästen oder Kästchen, Vorlegebestecke etc. etc. Hier wird überwiegend von Einheimischen zugegriffen – es ist alles überraschend günstig! Auch Silberarbeiten gibt es zahlreich – hier bin ich allerdings nicht sicher, ob das wirklich alles echtes Silber ist – aber die Käufer hier werden sich schon auskennen. Einen großen Anteil an den Angeboten haben hier auch handgehäkelte oder –gestrickte Dinge – die sind aber eher zum Weglaufen! Die übelsten Farben und in Formen, die schon meine Oma selig nicht mehr verwendet hat! Einzig ein paar Kleinkindersachen sind einigermaßen nett, aber auch da die meisten eher für eine Verunstaltung eines kleinen Kindes gut…Was jedoch wirklich nett ist, sind die Spielzeug-Artikel, Mobiles, Klangspiele u.ä. für kleine Kinder – sehr billig und das sieht wirklich alles handgemacht aus!
Heute sehe ich auch den Bahnhof noch mal bei Tageslicht – zumindest einen Teil der Fassade! Vieles davon ist durch Wahlplakate und Lautsprecher verdeckt – am kommenden Sonntag ist Wahl hier in der Provinz und es wird spannend werden! Viele der Leute, mit denen ich gesprochen habe, wollen die Partei von ‚La Presidencia Cristina’ (Kirchner), die Peronisten, abwählen – ihnen schweben die ‚Socialistas’ als künftige Regierungspartei vor und hoffen damit auf kleine Veränderungen! Für mich als Außenstehende sehen die Veränderungen, die mit der jetzigen Regierung auf den Weg gebracht worden sind (Einrichtung von vielen neuen Schulen, Bau neuer Straßen, damit auch abgelegene Ortschaften besser angebunden werden, Einführung eines Mindestlohns (der natürlich nicht mit dem bei uns geforderten vergleichbar ist!) und einer ‚Hausfrauenrente’ ( also die Öffnung der Rentenversicherung auch für die Frauen, die kein eigenes Einkommen haben) etc. etc.) eigentlich gar nicht so schlecht aus – aber ich habe ja wirklich keine Ahnung von diesem Land hier! Wobei die meisten meiner einheimischen Gesprächspartner (die meist der Mittelschicht angehören und englisch sprechen) sehr realistisch sehen, dass sich damit das Prinzip „Korruption“, offenbar einer der Hauptgründe für die wirtschaftlichen Probleme hier in diesem schönen Land, wohl auch nicht grundlegend ändern lässt! Argentinien könnte wieder ein so reiches und erfolgreiches Land werden, wie es das in den ersten 50 Jahren des letzten Jahrhunderts schon mal war, es hat genügend Ressourcen dafür – aber leider versickert das meiste Geld in den Taschen von wenigen und die wollen möglichst nichts mehr rausrücken davon! Auch wenn das nur auf Auslandskonten gehortet wird – einfach nur viel zu haben, ohne das je ausgeben zu können, macht offenbar hier noch ‚potenter’ als anderswo! Es ist schon traurig…
Langsam trete ich den Rückweg an und nehme mir am Ende des Markts dann ein Taxi. Es ist bei den Preisen hier immer wieder ein großes Vergnügen für mich und meist ist auch ein kleiner Plausch mit den Fahrern möglich – der mit Händen und Füßen und meist viel Gelächter geführt wird!

In der Küche gibt es heute ein großes Gemeinschaftsessen! Die meisten des ‚harten Kerns’ reisen morgen ab und so werfen wir alle Reste zusammen und kochen daraus ein herrlich vielfarbiges Menü! Tütensuppen, Ravioli, Süßkartoffeln, Käse, Schinken, Reis, Tomaten, Kürbis, Lauch, Eier – es wird ein einladendes Mal für alle und wir sitzen noch relativ lange alle zusammen! Auch ich habe meine Vorräte komplett geplündert, da ich morgen noch einmal für einen 2-tägigen Trip starten werde und am Mittwoch Nachmittag nach Iguazu weiterfahren werde!

Mittwoch, 6.4.2011
Heute Nachmittag geht es per Schlafbus nach Puerto Iguazu! Ich habe wieder einen Bettplatz gekauft und hoffe, dass diese Fahrt wieder komfortabler wird als die Reise hierher! Nach einem späten Frühstück (ich hatte mir keinen Wecker gestellt und die anderen in meinem Zimmer konnten wohl auch ausschlafen und so wurde ich erst kurz vor 9h wach!) widme ich mich noch ein wenig meinem Blog – da war und ist immer noch allerhand nachzutragen! Nach einem kurzen Abschiedsspaziergang durch die Stadt lasse ich mir ein Taxi zum Busbahnhof rufen! Der Bus steht auch schon bereit – aber welche böse Überraschung, es gibt wieder einmal kein richtigen ‚Betten’! Es heißt zwar ‚cama’, aber damit sind bei dieser Busgesellschaft offenbar nur die Sitze gemeint, die sich zwar weit nach hinten legen lassen, aber halt nicht ganz flach legen! Auch die ‚Service-Frau’ ist eher ein Alptraum – eine junge Frau wie einem Bordell entsprungen: Mehr als knapper kurzer Rock, der offenbar schon mehrfach ‚geplatzt’ war und eher unfachmännisch genäht, eine ebenso knappe Bluse, die beim Bücken immer wieder aufsprang und den Blick auf ordentlich ‚Holz vor der Hütt’n’ frei gab, geschminkt wie aus einem Gruselkabinett und so unfreundlich, wie man es sich eigentlich von Service-Personal nicht erwartet (und was ich so auch noch nie erlebt habe bei den Busfahrten bisher). Auch die Verpflegung hier war eher ‚einfach’ – „Flecha-Bus“ kann man nicht unbedingt empfehlen! Aber da es das einzige Unternehmen war, das direkt von Salta nach Iguazu fährt, blieb mir hier keine andere Wahl!
Zusammen mit mir ist u.a. eine Gruppe Deutscher aus Brasilien mit an Bord – ein paar davon sind mehr als nervig! Die Musik ist ihnen zu laut, die Klimaanlage zu kalt, die Sitze nicht bequem genug (bei ‚uns’ in Brasilien ist alles viel besser!). „Diese jungen Leute von heute können ja ohne Lärm nicht mehr leben – immer und überall müssen sie ihren I-Pod im Ohr haben! Wir hatten keinen I-Pod, sondern wir haben selbst gesungen und deswegen ist aus uns auch etwas Richtiges geworden!“ Ui, das sind vielleicht Töne!!! Vor allem ein älterer Herr führt sich sehr ungehobelt auf! Er verlangt doch allen Ernstes, dass das Video-Programm abgeschaltet wird – „uns interessieren solche Filme nicht“! Daß andere Gäste an Bord ‚solche’ Filme (es lief ‚Der Tourist’) vielleicht sehen möchten, kontert er mit ‚wir sind schließlich die Mehrheit’! Als das jedoch nicht hilft, hat er plötzlich Herzbeschwerden wegen all dem Ärger, der ihm hier gemacht wird und muß Beruhigungstabletten nehmen, damit er diese Fahrt überhaupt überstehen kann! Nur ein Ehepaar aus dieser Gruppe weist ihn zurecht, dass er sich nicht so aufführen soll! Auf mein wohl etwas spöttisches Lächeln meinte dann der Reiseführer zu mir, dass der Herr schließlich schon über 80 wäre und deshalb nicht mehr so belastbar! Ich sage ihm, dass er ruhig deutsch mit mir sprechen könnte und dass vielleicht für so jemand so eine lange Busfahrt lieber durch einen kurzen Flug hätte ersetzt werden können! Da raunzt er mich doch an „Sie junges Ding wollen wohl älteren Menschen das Reisen verbieten – das wird ja immer schöner“! Ich bin völlig perplex und weiß nicht, ob ich wegen des ‚jungen Dings’ eher lachen oder weinen soll :-)! Ich antworte ihm nur, dass man sich natürlich immer alles so zurecht legen kann, wie man es selbst gerne hören möchte und dann steckt sich das ‚junge Ding‘ demontrativ ihre I-Pod-Kopfhörer ins Ohr!
Die weitere Nacht vergeht dann ungestört (das Video-Gerät wird sowieso um 23h ausgeschaltet und morgens steigt diese Gruppe dann aus! Das Ehepaar, dass sich gegen den Griesgram ausgesprochen hatte, zwinkerte mir zum Abschied zu und meinte ‚Gut gekontert!’
Kurz danach hatten wir einen außerplanmäßigen Stopp, weil ein/der Keilriemen gerissen war! Es dauerte fast eine Stunde, bis ein Mechaniker mit einer ganzen Auswahl an Keilriemen ankam und dann noch mal eine gute halbe Stunde, bis alles montiert war! Aber dann ging es ungestört weiter, bis wir mittags trotz Panne relativ pünktlich in Puerto Iguazu ankamen! Das Schlafen war wieder etwas unbequem, aber ich habe die Fahrt ohne größere Probleme überstanden!

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2 Antworten zu „Salta la linda“ – Salta, die Schöne!

  1. Martina & Josef Schäffer schreibt:

    Liebe Christine,
    schade, dass Sie sich nicht mehr an das österreichische Paar erinnern, welches ebenfalls im Movi-Truck mit dabei war und mit Ihnen in der Puna an den Salzstein-Tischen zu Mittag gegessen hat 🙂
    Wir gratulieren zu der gelungenen Web-Seite, wünschen Ihnen eine gute Weiterreise, Gesundheit und eine gute Heimkehr zu Ihren Lieben.
    Gespannt werden wir Ihre weiteren Berichte verfolgen.

    Viele Grüße / Martina & Josef

    • grannyontour schreibt:

      Oh, oh – das war keine böse Absicht! Ich habe heute nacht im Bus beim Weiterschreiben meines blogs (ins ‚Unreine‘, nämlich erst in Word) schon gemerkt, daß ich da was mit dem Zug und dem Movitruck durcheinander gebracht habe – das wurde aber schon geändert!!! Kommt demnächst auch online! Natürlich erinnere ich mich, aber es war in Salta wohl zuviel ‚Erlebnis‘ in zu kurzer Zeit! Liebe Grüße aus Iguazu!

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