Letzte Tage in San José

Mittwoch, 6.Juli 2011

Wieder zurück in der Großstadt – obwohl draußen vor der Tür der Verkehr bis spät abends tobte und heute früh schon wieder ab 5h, habe ich mit ein paar wenigen Unterbrechungen geschlafen wie ein Bär! Die viele frische Luft der letzten Tage hat offenbar für ausreichend Müdigkeit gesorgt!

Beim Kontrollieren meiner E-Mails habe ich heute eine Nachricht von Vanessa vorgefunden – ob ich nicht morgen abend zum Essen kommen kann! Ich freue mich sehr, hatte ich mich doch schon damit abgefunden, daß ich sie nicht sehen könnte! Ich soll sie im Büro aholen – gemeinsam fahren wir dann weiter in ihr Haus, garnicht weit entfernt von Arturo!

Ansonsten lasse ich es heute ganz gemütlich angehen – ich muß nur am Nachmittag zu Arturo fahren, mir mein eingelagertes Päckchen abholen! Eigentlich wollten wir uns ja nochmal alle treffen, ehe ich abfahre, aber Nereda muß morgen nach Guatemala für einen potentiellen Auftraggeber! Arturo fliegt mit, denn sie wollen daraus dann gleich noch ein verlängertes Wochenende privat machen!

Ich sitze lange mit dem jungen Besitzer des Hostels zusammen und wir reden über Gott und die Welt, vor allem über seine Beziehungsprobleme:-)! Ich komme aber auch noch kurz dazu, ein paar meiner vielen Fotos von der letzten Woche ‚in der Wildnis‘ für den Blog zu sichten und zu verkleinern! Mittags hole ich mir schnell einen Salat aus dem Supermarkt – mit zwei Spiegeleiern und Toast (und meiner geliebten ’salsa‘!) ein herrlich leichtes Mittagessen!

Heute nehme ich mir ein Taxi nach Heredia – es ist drückend schwül draußen, Gewitter drohen und ich habe keine Lust, vielleicht bei einer Busfahrt wieder richtig naß zu werden! Federico ruft in der Taxizentrale an und macht auch gleich einen Sonderpreis mit dem Fahrer aus, weil er schließlich nicht leer zurück fahren muß – ich treffe mich nämlich nur schnell mit Arturo zur Päckchenübergabe und fahre gleich wieder zurück in die Stadt!

Wir haben Glück und gehen der täglichen ‚rush hour‘ gerade noch aus dem Weg. Im Hotel am Eingang zur ‚gated community‘ rufe ich Arturo an, damit er schnell hierher kommen kann. Nach ein paar Minuten schon fährt er vor – barfuß und mit Schürze vor dem Bauch :-)! Ich habe ihn vom Herd weg geholt, er bereitet gerade für seine Eltern und Kinder noch ein Abschiedsmenü vor – sie reisen morgen auch wieder ab!

Bei der Rückfahrt stehen wir dann in der Stadt im Stau! Da ein Festpreis vereinbart ist, stört mich das nicht weiter. Irgendwann werde ich von dem netten Fahrer aber vor meiner Tür abgesetzt! Als ich aufsperren will, vermisse ich meinen Schlüssel! Oh, mein Gott – habe ich den verloren? Das Hausmädchen sperrt mir mein Zimmer auf, vielleicht habe ich ihn dort schon liegen gelassen? Nein – nichts zu finden! Da muß ich wohl in den sauren Apfel beißen und Federico die 30$ Gebühr für einen neuen Schlüssel bezahlen! Ist ja wirklich zu ärgerlich – ich weiß auch garnicht, wo ich ihn verloren haben könnte! Federico ist im Moment eh nicht da und ich habe auch nichts weiter vor – also ärgere ich mich nicht weiter, sondern widme mich meinem Blog und meinem Buch. Nebenbei ist auch noch Zeit für einen kleinen Nachmittagsschlaf :-)!

Als ich später in die Küche komme, kommt mir der Hausherr schon entgegen – triumphierend schwenkt er einen Schlüssel und meint „Du hast Deinen Schlüssel im Taxi verloren“! Wie bitte – ich verstehe garnichts! Aber tatsächlich, er ist mir wohl während der Taxifahrt aus der Tasche gerutscht, der Taxifahrer hat ihn gefunden (oder auch der Fahrgast nach mir) und er ist tatsächlich zurück gefahren und hat ihn hier abgegeben! So ‚gefährlich‘ ist diese Stadt und ihre Bewohner also…

Beim Abendessen komme ich ins Gespräch mit einem jungen Ehepaar aus Holland, die hier schon seit einigen Jahren leben – tief im Dschungel! Sie haben gerade vor 6 Wochen ihr zweites Kind bekommen und sind aus diesem Anlaß seit etwa 2 Monaten hier im Haus zu Gast! Am Samstag geht es jedoch auch für sie zurück – sehr mutig, mit einem Säugling und einem Kleinkind! Dem kleinen Jungen scheint das jedoch gut zu bekommen – ein aufgewecktes und intelligentes Kerlchen, er spricht mit seinen gerade mal etwas mehr als 2 Jahren holländisch, englisch und spanisch, zählt ohne Probleme bis 10 und singt mir einige Lieder in verschiedenen Sprachen vor! Es ist so funny, wie er während einer Unterhaltung ständig die Sprache wechselt (der Vater oder ich bekommen englische Antworten, mit der Mutter spricht er holländisch und mit Federico und dem Hausmädchen ohne Probleme Spanisch! Er schaut nur immer etwas konsterniert, wenn seine Mutter und ich deutsch miteinander sprechen :-)). Hoffentlich kann er sich diese Gabe erhalten!

Mit einem Bier in großer Runde klingt der Tag aus!

Donnerstag, 7.Juli 2011

Auch heute wieder durchgeschlafen – das Bier war offenbar hilfreich!

Am späten Vormittag „wandere“ ich in die Stadt – ich will mir im hübschen Café der ‚Correo Central‘, des Hauptpostamtes, ein kleines Mittagessen gönnen! Außerdem kann ich dort auch gleich das Päckchen für Anna wegschicken – wenn die kleine Familie nach Camerota fahren sollte, soll die Maus den süßen Badeanzug (den ich hier in San José gefunden habe) gleich einweihen können!

Der Spazierweg führt mich wieder an ein paar schönen alten Häusern vorbei, ehe ich im Postamt ankomme! Auch hier habe ich eine mehr als freundliche und hilfsbereite Angestellte, die es trotz komplett fehlender Englisch- (bei ihr) und nur rudimentärer Spanisch-Kenntnisse (bei mir) ohne Probleme schafft, mir alles Notwendige zu erklären und mein Päckchen in kürzester Zeit versandfertig zu haben! Ich bekomme auch einen Nachverfolgungsschein – obwohl fast alle Päckchen bisher angekommen sind! Nur das erste aus Windhoek/Namibia und das mit meiner defekten Camera aus Hongkong haben es nicht bis München geschafft :-(!

Im Café lasse ich mir eine leckere Bohnensuppe und einen Salat schmecken, ehe ich weiter in die Stadt gehe! Ich möchte noch eine Kleinigkeit für Vanesa finden! Da ich nicht weiß, ob und welchen Wein sie bevorzugt, fällt dieses typische Mitbringsel aus! Ich finde stattdessen in einem Antiquariat das ‚Dr. Oetker Schulkochbuch‘ auf Englisch!!! Ich hoffe, darüber freut sie sich – wo sie doch vor Jahren so begeistert war von meiner deutschen ‚Hausmannskost‘ :-)! Nach meinem kleinen Einkaufsbummel kaufe ich mir ein Eis in der Tüte und lasse mich auf einer der Bänke vor dem Nationaltheater nieder – es ist eine Freude, dort die vielen Kinder zu beobachten!

Bald wird es jedoch Zeit, mir ein Taxi zu fangen – vorher schnell noch eine einzelne Rose für mein Mitbringsel als Verzierung besorgen. Auf dem Weg zu Vanesas Büro komme ich wieder am alten Flugplatz von San José vorbei – man kann es nicht fassen, wenn man diesen ‚Wald‘ sieht, der sich in wenigen Jahren dort breit gemacht hat! Der so entstandene Park ist eine der sehr beliebten Naherholungszonen für die Bewohner hier, wo man sich zum Picknicken trifft, zum Musizieren oder einfach nur so! Auch am tollen neuen Stadion führt der Weg noch einmal vorbei – wirklich ein interessantes Bauwerk, dieses Geschenk von China.

Das Bürohaus macht schon von außen Eindruck – ich bin sehr gespannt auf die Räume von Vanesas Kanzlei! Sie hat nach der Aufgabe ihres Bed & Breakfasts und nach der Scheidung von Arturo angefangen, Jura und Steuerrecht zu studieren und hat jetzt seit einigen Jahren eine eigene Kanzlei – inzwischen schon mit 6 MitarbeiterInnen! Aus Sicherheitsgründen darf ich nicht allein mit dem Aufzug hochfahren – ich werde von einem der Security-Leuten begleitet und oben an der Aufzugtür von der Sekretärin in Empfang genommen! Leider ist Vanessa nicht da – ein dringender Termin kam dazwischen, aber sie wird in etwa 10 Minuten zurück sein! Ich kann schon mal im Besprechungsraum Platz nehmen – ein wunderschöner heller Raum, der auf eine nicht einsehbare große Terrase führt! Mit Kaffee und Plätzchen eingedeckt kann ich die paar Minuten gut überstehen!

Als ‚meine‘ Vanessa dann eintrifft, erkenne ich sie kaum wieder! Aus dem Lockenkopf sind lange, vollkommen glatte Haare geworden und statt des lebensfrohen pausbäckigen Gesichts strahlt mich jetzt eine schmale, äußerst ‚fancy‘ Lady an! Die Begrüßung ist allerdings so herzlich, als hätten wir uns erst vor ein paar Monaten verabschiedet – keinerlei Fremdeln ist zu spüren! Wie sie mir erzählt, gab es in den letzten Jahren für sie ein paar tiefgreifende wirtschaftliche Einschnitte! Da sie auch Vermögensbertung für ihre Kunden macht, war das Geschäft natürlich durch die weltweite Finanzkrise einigerma0en beeinträchtigt! Inzwischen hat sich jedoch alles wieder beruhigt und sie sieht den nächsten Monaten sehr entspannt entgegen!
Sie hat schnell noch ein paar Dinge mit ihrer Assistentin zu besprechen, weil sie morgen und das Wochenende in ihrer Wohnung in Jaco am Pazifik-Strand verbringen wird. Sie hatte mich in ihrer Mail auch dazu eingeladen, aber das wäre mir nur für den Tag morgen zuviel Streß geweesn:-(! Dann geht es in die Garage – ihr Auto ist übrigens ein Mercedes SLK 500 (man gönnt sich ja sonst nichts:-)), und nach einer halben Stunde schon halten wir in ihrer Garageneinfahrt. Vanesa hat gerade andere Hausgäste, ein Ehepaar aus den USA, die im gleichen Moment ankommen! Alte, sehr gute Freunde von ihr – der Mann, Mitte 80, war früher der Chef der Amerikanischen Handelskammer in San José und seine Frau, etwa in meinem Alter, ist eine sehr langjährige, enge Freundin von Vanesa – noch aus ihrer Zeit in den USA. Zwei ausgesprochen herzliche und angenehme Menschen – der Abend mit ihnen zusammen ist von Anfang bis Ende der pure Genuß! Vanesas Hausmädchen hat heute frei, deswegen macht sie schnell selbst ein paar kalte Platten zurecht.

Zusammen mit einer köstlichen Suppe, die das Hausmädchen schon vorbereitet hatte, gibt das ein herrliches Abendessen! Das hat auch den Vorteil, daß wir ständig reden können, ohne daß das Essen kalt wird :-)! Und wir haben viel zu reden – über unsere diversen Reiseerfahrungen, die speziellen Ängste der Amerikaner beim Reisen, alte Erinnerungen etc. etc. Der Abend vergeht im Flug und als mich Vanesa nach Hause bringt, fahren beide mit, damit wir noch ein wenig mehr Zeit zusammen haben! Wenn ich noch unendlich Zeit hätte, könnte ich auch noch ein paar Tage in Florida in ihrem Haus verbringen – oder ich soll irgendwann vielleicht mal vorbei kommen (mit Adresse und Telefonnummer werde ich schon mal versorgt!), wenn ich wieder vom ‚travel bug‘ gebissen werden sollte :-)! Nach einer mehr als herzlichen Verabschiedung (voller „Bewunderung“ darüber, daß ich mich traue in „so einem gefährlichen Viertel“ von San José zu wohnen!!!) müssen sich unsere Wege aber vorläufig erstmal trennen!

Freitag, 8.Juli 2011

Heute wird ein fauler Tag – Reisevorbereitungen und Umpacken des Gepäcks sind nur angesagt! Ich muß umziehen – mein Zimmer hatte ich nur bis heute gebucht und es ist schon anderweitig wieder vergeben. Da ich morgen schon um 4h morgens am Flughafen sein muß, wollte ich die Nacht eigentlich schon dort verbringen, was mir inzwischen aber doch zu anstrengend erscheint! Ich kann hier jedoch in ein Bett im Schlafsaal umziehen – das ist billig und für die paar Stunden gerade recht. Dafür packe ich aber meinen Koffer und Rucksack schon soweit, daß ich sie morgen früh nur noch greifen muß bei der Abreise – es war stets ausgesprochen lästig, wenn morgens zu nachtschlafener Zeit irgendjemand im Dorm erst unter viel Knistern und Knacken und natürlich bei voller ‚Festbeleuchtung‘ seine Siebensachen zusammen gepackt hat, um früh abzureisen. Das will ich morgen meinen ‚Mitschläfern‘ doch lieber ersparen!
Mittags gibt es wieder Reste – heute zusammen geworfen meine und die der Holländer. Federico spendiert das Bier dazu und wir haben ein schönes Abschiedsessen und sitzen danach noch lange mit Kaffee am Küchentisch zusammen!

Mein Gepäck stelle ich hier im Erdgeschoß ein, nur meine Hand- und Badetasche und die Sachen für morgen früh nehme ich mit zu meinem Nachtlager. Schon um 7h liege ich im Bett, vorher habe ich noch ein Bier getrunken und schlafe auch schnell ein. Ich höre dann zwar ein paar der anderen, als sie spät nachts nach Hause kommen, aber das stört mich nicht wirklich!

Mein großes Abenteuer ‚Latein-Amerika‘ ist hier nun jetzt unwiderruflich zu Ende – was für aufregende, amüsante, angenehme, abwechslungsreiche und überraschende 5 Monate das waren! Überall fühlte ich mich sehr willkommen und alle Türen standen mir weit offen! Schade, daß ich erst so spät diese Länder für mich entdeckt habe!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s