Große Richtung Adelaide

30.11.2010
Schade – wäre schön gewesen, wenn es schön gewesen wäre heute morgen! Ich wurde aber von prasselndem Regen geweckt statt von Sonnenstrahlen!

Bis ich jedoch gefrühstückt habe und losfahre, ist das schlimmste schon wieder vorbei und ich kann mein Auto ohne Regen packen! Noch ein letzter Blick auf Port Campbell, ein kleines beschauliches Städtchen

und dann geht es weiter – ein bisschen ‚great’ soll die Ocean Road schon auch heute noch sein! Und wirklich, nach kaum ein paar Kilometern wird es schon wieder dramatisch: Ähnlich den ‚12 Aposteln’ stehen auch hier riesige Sandsteinformationen mitten im Wasser, bei dem Seegang immer wieder von hohen Wellen überspült! Auch die berühmte ‚London Bridge’ ist hier zu finden – eigentlich keine ‚Brücke’ mehr, seitdem 1990 das Mittelteil eingestürzt ist, aber die Formation heißt eben immer noch so. Aber es gibt genügend ausgespülte ‚Bögen’, die das Zeug für künftige ‚bridges’ haben!




Ziemlich schnell wird die Küste danach jedoch flach und die Gegend wieder bäuerlich und ländlich! Die Windschutz-‚Hecken’ aus ausgewachsenen riesigen, dicht beieinander stehenden Zedernbäumen zeigen jedoch, dass die Straße nicht weit vom Meer entfernt sein kann!

Bei einem Schild ‚Koroit – the old irish town’ biege ich ab, um mir die doch genauer anzuschauen!
Es war wirklich ganz rührend, wie dort die Vergangenheit und die Treue zur irischen Heimat bewahrt wird! Viele, viele alte, sehr gepflegte Gebäude mit den viktorianischen ‚Spitzenverzierungen’, ein uraltes Hotel, schöne Gärten, aber auch immer wieder leer stehende Häuser, die reif für eine Art ‚Bauernhof-Museum’ wären…





Zurück auf dem ‚Princess Highway’ sehe ich ein richtiges ‚Puppenhaus’, bei dem ich erst nach dem Vorbeifahren registriere, dass es sich um einen ‚Tea Room’ handelt. Also schnell umgedreht und zurück – ein schöner ‚Devonshire Tea’ (leckerer Tee mit englischen ‚scones’, einem Hefeteiggebäck, das mit Himbeermarmelade und frischer Schlagsahne serviert wird) könnte das ausgefallene Mittagessen ersetzen! Und es hat sich gelohnt: An einem kleinen Tisch am Fenster habe ich die Aussicht auf Sonnenschein auf den Rosen und lasse mir Tee und Gebäck schmecken – und es schmeckt richtig gut, die Himbeermarmelade schmeckt wie von ‚Tante Gertrud’ gemacht!!!


Beim Abfahren entdecke ich dann, daß der Zaun rund um das Grundstück mit lauter ausgedienten Schuhen „geschmückt“ ist – so kann man auch recyclen! .
Ihr werdet es nicht glauben, aber bei der Weiterfahrt komme ich an einer ‚Christmas Tree Plantation’ vorbei – kilometerweit Kiefern in allen Größen! Interessiert mich schon, wer die wohl kaufen mag bei der Hitze hier an Weihnachten! Kurz danach fahre ich dann durch einen Wald voller blühender Pflanzen, die aussahen, wie kleine Gladiolen! Solche Gegensätze auf kleinstem Raum!

Und dann bin ich auch schon in ‚South Australia’ angekommen! Ich entscheide mich, in Mt.Gambier zu übernachten, dann habe ich morgen bis Kangaroo Island noch etwa 600 km vor mir, das sollte bis zur Fähre um kurz nach 17h zu schaffen sein.
Ich übernachte in einem Motel, lasse mir die vorletzte der bewährten Cup Noodles zum Abendessen schmecken und – es gibt hier WLan – suche dann eine günstige Unterkunft auf der Insel. Die finde ich zwar, aber der Herr am anderen Ende der Leitung fragt gleich, ob ich denn schon einen Platz auf der Fähre hätte. Wie, was, da kann man nicht einfach hin- und drauffahren??? Nein, auf keinen Fall! Er gibt mir die Internet-Adresse des Fährunternehmens und ich soll erstmal checken, ob ich noch einen Platz finde und dann noch mal anrufen – er hält mir das Zimmer 1 Stunde vor! Na bravo – mein Buchungsversuch schlägt natürlich fehl: ‚No space empty’! Einzig die erste Fähre ganz früh am Morgen hätte noch Platz für mich! Also Zimmer absagen und meine CouchSurfer-Gastgeber in Adelaide anfragen, ob ich schon einen Tag früher kommen könnte! Kein Problem, ich bin jederzeit willkommen! Na, dann halt auf direktem Weg dorthin – die Entfernung ist so ziemlich die Gleiche!
Nach dieser Aufregung am Abend falle ich todmüde ins Bett und bin auch sofort eingeschlafen!

1.12.2010
Es war zwar ziemlich viel Lkw-Verkehr auf der Straße vor meinem Fenster, aber ich habe trotzdem ganz gut geschlafen. Nach dem Frühstück (alles, was man dafür braucht, war im Kühlschrank vorhanden – sehr ungewöhnlich für ein Motel!) fahre ich noch ganz kurz ins Städtchen. Mt. Gambier ist eine Vulkan-Gegend und es gibt im Stadtgebiet noch 2 Maare, also Seen in erloschenen Vulkankegeln. Und einer davon – große Überraschung – soll blitzeblau sein!
Und wirklich – es ist schon sehr merkwürdig – das Wasser sieht aus wie blaue Wasserfarbe! Irgendeine Algenart, die stets im Sommer auftritt, ist dafür verantwortlich!

Mt. Gambier ist ein größeres Städtchen, das das Versorgungszentrum für das Umland ist. Es gibt hier u.a. eine der ganz großen Molkereien im Land, wo ich in der Käserei Station mache – ein guter Käse könnte ein schönes Mitbringsel für meine Gastgeber heute Abend sein! Aber leider ist der Käse nicht ganz so, wie ich ihn mir vorstelle – ich kaufe trotzdem ein Stück und auch ein italienisches ‚Pan Forte’, das es überraschenderweise dort ebenfalls gibt.
In der Stadt herrscht reges Treiben – es ist nicht nur alles weihnachtlich dekoriert, es werden offensichtlich auch schon Weihnachtseinkäufe gemacht! Die Straßen sind voll von Menschen mit vielerlei Einkaufstüten! Ich fahre jedoch nur im Supermarkt vorbei und decke mich mit Obst und Wasser ein und mache mich dann auf den Weg weiter!


Bei er Weiterfahrt entdecke ich bei einem Wohnwagenhändler an der Straße dreieckige Wohnwagen!!! Sowas habe ich ja noch nie in meinem Leben gesehen!

Bei der Fahrt weiter über Land werde ich auf ein neues Verkehrszeichen aufmerksam! Das Government in Süd-Australien will den „Grabstätten“ am Straßenrand einen Riegel vorschieben und läßt grundsätzlich immer ein einheitliches Zeichen für schwere oder tödliche Unfälle setzen! Die dürfen zwar noch geschmückt werden, aber daran läßt sich nicht wirklich viel Blumenschmuck befestigen. Eindrucksvoll und abschreckend sind sie wahrscheinlich mehr, als die ‚kleinen Gräber‘, die man ja auch bei uns vermehrt sieht. Es war dann auch ziemlich erschreckend für mich, wie oft ich die roten und schwarzen Pfähle gesehen habe!

Am ‚German Creek’, ‚German Flat’ und am ‚Bonney Lake’ vorbei erreiche ich erst Millicent, dann Beachport und später Robe, kleine Städtchen, die von Tourismus und Fischfang leben! Das ist alles sehr altes Siedlungsgebiet und überall gibt es noch Zeichen von früher. Witzigerweise haben sich vor allem die alten Zollhäuschen erhalten – ob die besonders stabil gebaut worden sind? Aber auch einen alten Leuchtturm sehe ich und auch einen (nicht ganz so) alten Ölförderturm – vor etwa 50 Jahren wurde hier nach Öl gebohrt!
Robe war eine ganz besondere Entdeckung – ein fast noch original erhaltenes kleines Städtchen mit schönen alten Häusern (teilweise über die Jahrzehnte immer wieder erweitert),



einigen hübschen Cafés und einem schönen Strand!
Nicht weit dahinter fängt dann linkerhand der Straße ein ewiges Lagunengebiet an, das später in den Coorong NP übergeht – eine etwa 150 km lange schmale Halbinsel, die von einer durchgehenden Lagune vom Festland getrennt ist! Hier ist u.a. die Heimat von unzähligen Pelikanen, die in großen Schwärmen ständig über mich hinweg fliegen! Rechts der Straße fahre ich die ganze Zeit an einer Schaf-Station vorbei – man kann sich vorstellen, was für ein riesiges Gebiet die umfassen mag!

Das Wetter war überraschend schön heute, aber jetzt steht wieder eine Wolkenwand vor mir. Es regnet offenbar auch schon irgendwo, denn plötzlich erscheint ein wunderbarer Regenbogen am Horizont!

Als ich an einem Halteplatz anhalte, um ein Foto davon zu machen, sehe ich plötzlich auf der anderen Seite der Straße einen pinkfarbenen See! Es scheint eine Art Salzsee zu sein, denn der hat einen schneeweißen Rand ringsherum.
Aber weiter kann ich das nicht ergründen, denn es ist überall eingezäuntes Gelände drum herum!
Bald hat die Regenwand auch den Teil erreicht, wo ich gerade bin! Die Scheibenwischer schaffen es kaum, die Wassermassen zu entfernen. Kurze Zeit bleibe ich dann auch lieber am Fahrbahnrand stehen – auch um mir das Schauspiel eines gewaltigen Gewitters nicht entgehen zu lassen, das diesen Wolkenbruch begleitet!

Gott sei Dank lässt der Regen jedoch ein wenig nach und ich kann weiterfahren. Zu spät möchte nicht in Adelaide ankommen, ich weiß ja nicht, wie lange ich brauchen werde, um die angegebene Adresse zu finden.
Die letzten Kilometer in die Stadt hinein geht die Autobahn steil und in großen Serpentinen bergab, aber es hat aufgehört zu regnen und es fährt sich gut. Bei der ersten Tankstelle im Stadtgebiet halte ich an und kaufe mir einen Stadtplan. Ich habe Glück, sie haben auch einen – wie mir die beiden netten Jungs am Counter sagen, kauft die kein Mensch mehr, weil alle nur noch mit Navigationssystem fahren! Voller Bewunderung, dass ich relativ schnell die gesuchte Adresse finde und auch den Weg dahin nachvollziehen kann, werde ich erstmal zu einem Kaffee eingeladen! Das kann ich gut brauchen, finde es gerade deswegen auch total nett!
Kurz danach bin ich dann auch bei Familie Roberts angekommen. Sie waren schon ein wenig in Sorge – wollten mich anrufen, aber ich hatte offenbar wieder mal kein Netz (die Meldung über den verpassten Anruf kam dann beim Abendessen auf meinem Handy an!). Nun waren sie erleichtert – und ich auch – und wir ließen uns alle die leckere Suppe schmecken, die Rosalie für uns vorbereitet hatte! Die nächsten 4 Nächte werde ich hier zu Gast sein, habe ein eigenes kleines Zimmerchen in diesem alten viktorianischen Haus und offenbar äußerst liebevolle Gastgeber!

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3 Antworten zu Große Richtung Adelaide

  1. Annelie schreibt:

    Liebe Christine,
    entlich habe auch ich den weg zu deiner Seite gefunden.
    Ich möchte dir noch nachträglich alles erdenklich Liebe und Gute zu deinem Geburtstag wünschen und hoffe das deine Reise erfolgreich weiter verläuft.
    Vielen Dank auch für deine Lieben Weihnachtsgrüße – wir haben uns sehr über ein Zeichen von dir gefreut.
    Liebe Grüße aus dem verschneiten Lindenau
    Annelie und Familie

  2. Anne schreibt:

    Liebe Christine,
    an deinem Geburtstag habe ich natürlich an dich gedacht und mit einem guten runden argentinischen Malbec auf dein Wohl getrunken. Alles Liebe, alles Gute und weiterhin eine schöne Reise! Ich hoffe, dass in deinen weiteren Berichten das Wort REGEN nicht mehr so oft auftaucht…
    Anne

  3. Karola schreibt:

    Liebe Christine,

    ich habe auch an Deinen Geburtstag gedacht – und schaffe es leider erst jetzt, mal wieder hier vorbeizuschauen und Dir einen lieben Gruß zu hinterlassen!

    Ich hoffe, es geht Dir gut und Du konntest schön feiern in down under!

    Ganz herzliche Grüße,
    Karola

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