Auf dem „Alaska Marine Highway“ nach Kanada

Ich freue mich auf neine 4 Tage lange Reise mit der Fähre! Ist so etwas wie eine ‚einfache‘ Kreuzfahrt und die erste ihrer Art für mich! Bin mal gespannt, wie das werden wird!

Montag, 22.August 2011

„Schluss, aus, Amen“ – Anchorage ist jetzt auch gleich wieder Geschichte! Schade, daß das Wetter hier nicht so richtig schön war – den Denali Nationalpark hätte ich zu gern gesehen! Aber ich habe ja soviele Einladungen hier bekommen – vielleicht fahre ich ja doch noch einmal hierher :-)!
Ich habe gestern glücklicherweise alles in meinem Gepäck unterbringen können! Die neue Tasche hat genau die richtige Größe als Unterwegs-Gepäck fürs Schiff – so kann ich Rucksack und Koffer im Zug wie auch später auf der Fähre einchecken und muß mich dann darum nicht kümmern!
Nach einem schnellen Müsli-Frühstück bringt mich Jim zum Zug – er hat kurz nach dessen Abfahrt einen frühen Termin mit einem Patienten!

Der Zug steht schon da – mir wird das Gepäck gleich beim Ausladen aus dem Auto abgenommen, um es einzuchecken, das Ticket kann ich später nachreichen! Super-Service!
Ich kann sogar die heute Mittag in Whittier geplante „26 Glacier Cruise“ mit dem Schiff auch gleich mit der Zugfahrt buchen und das zusammen ist sogar billiger, als einzeln gekauft!
Der ‚Gepäck-Einchecker’ steht bereits mit meinen beiden Gepäck-Abschnitten auf dem Bahnsteig, als ich das Bahnhofsgebäude verlasse – er hat sogar schon einen schönen Fenster-Platz für mich reserviert! Das Beste ist jedoch, dass er mein Trinkgeld nicht annimmt – er ist Angestellter beim Staat und da nimmt man kein Trinkgeld, man ist einfach ohne auch freundlich!!! Was für eine tolle Einstellung!

Heute sieht die Landschaft total anders aus, als am vergangenen Montag bei strahlendem Sonnenschein! Es ist ja fast die gleiche Strecke, die wir vor ein paar Tagen mit dem Auto gefahren sind und doch ganz anders – schon allein wegen des trüben Wetters!

Während der Zugfahrt sehen wir im ‚Turnagain Arm’, einem der beidem Ausläufer des über 300 km langen Fjords, der sich zwischen Kenai-Halbinsel und Festland tief ins Landesinnere zieht, sogar mal kurz einen weißen Beluga-Wal!
‚Turnagain Arm’ heißt er nach dem legendären Kapitän Cook, der hier Ende des 18.Jh. den Zugang zur „Nordwest-Passage“ (einer Wasserstraße zwischen Atlantik und Pazifik) suchte. Als er feststellen musste, dass das hier wieder nur eine Bucht war und nicht die Mündung eines Flusses, rief er der Mannschaft laut zu „turn again“ (dreht wieder um!) – und das hat sich bis heute als Name gehalten!

Weitergehende Informationen zitiere ich hier mal aus Wikipedia:
„Der Turnagain Arm ist eine von nur etwa 60 Buchten weltweit, in der sich eine Gezeitenwelle bildet. Auf dem nordamerikanischen Kontinent kommt es nur in der Bay of Fundy zu einem größeren Tidenhub als den bis zu zehn Metern, die im Turnagain Arm erreicht werden. Im Inlet selbst kann der Tidenhub bis zu acht Meter betragen.
Das Inlet ist hydrologisches Einzugsgebiet für einen Bereich von etwa 100.000 km² östlich der Aleuten und südlich der Alaska Range und wird u. a. gespeist von den Flüssen Susitna und Matanuska. Auch das Schmelzwasser vom Mount McKinley fließt in das Inlet. Neben Anchorage gibt es mit Homer einen zweiten Ort mit Seehafen, den Passagierschiffe anlaufen. Der Hafen von Kenai dient nur der Erdölverschiffung.
An der Westseite des Inlets liegen die Chigmit Mountains mit dem 3.108 m hohen Mount Redoubt, einem der aktivsten Vulkane Alaskas. 50 km weiter südlich steht der nur unwesentlich niedrigere Vulkan Mount Iliamna. Im Nordwesten liegen die Tordrillo Mountains mit dem Vulkan Mount Spurr.[1]
Im Cook Inlet hat sich eine genetisch und geographisch isolierte Beluga-Population entwickelt, deren Bestand durch Umwelteinflüsse auf nur noch ca. 400 Tiere gesunken war. Seit 2000 sind Schutzmaßnahmen in Kraft.“

An den steilen Felsen hier neben der Straße und den Schienen springen heute auch die ebenfalls weißen ‚Dall Sheeps’ herum, die Jim mir letzten Montag so gerne gezeigt hätte – da haben sie sich jedoch nicht sehen lassen! Dall Sheeps sind eine Art Bergziegen, die in den steilsten Bergklippen leben und dadurch ziemlich geschützt sind vor Bären oder Pumas. Die meisten von ihnen sterben an Altersschwäche oder nach einem ‚Fehltritt’ im steilen Gelände – da geht es dann meist mehrere 100 me tief hinab!

Der Zug hält in Girdwood an – das ist ein sog. ‚whistle stop’! Hier wird nur angehalten, wenn jemand aus- oder einsteigen möchte. Es gibt keinen Bahnhof, es wird nur eine Art Hocker unter den Ausstieg gestellt, damit die Höhendifferenz überwunden werden kann! Zwei Damen steigen hier ein, die in der Lodge nicht weit entfernt ihren Urlaub verbringen und auch die Gletscher-Rundfahrt mitmachen möchten.




Bald fahren wir durch ein Teilstück mit lauter abgestorbenen Bäumen! Die sind nicht dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen, sondern dem Salzwasser! Das Erdbeben von 1964 dauerte hier in der Gegend mehr als 15 Minuten – eine ungewöhnlich lange Zeit! Während dessen hat sich der Boden so tief und oft verschoben, dass das Salzwasser aus dem Fjord eindringen konnte und sich Verwerfungen damit füllten! Die Bäume haben trotzdem das Erdbeben unversehrt überstanden, kamen aber mit dem versalzten Boden oder auch den Wurzeln plötzlich im Salzwasser nicht zurecht und starben im Lauf der Zeit alle ab!



An der nächsten Station Portrage (die ist an dem See, an dem ich am Montag bei strahlendblauem Himmel die Eisberge beobachten konnte!) öffnet der Himmel seine Schleusen – das kann ja heiter werden!



In Whittier ist die Anlegestelle des Kreuzfahrtschiffs ‚Klondike Express’ direkt gegenüber des Bahnsteigs, mit dem es in einer Stunde durch den Prinz-William-Sund geht! Ich muß mein Gepäck nur abholen, kann es aber im Abfertigungshäuschen der Kreuzfahrt für die Dauer der Rundreise einstellen.


Whittier wurde erst während des II.Weltkriegs als Hafen und Eisenbahnknotenpunkt von der US-Armee gegründet (die ‚Rote Armee’ war ja soweit nicht entfernt!). Der ganze Ort ist 51 qkm groß (19 qkm Wasser und 32 qkm Land) und hat derzeit etwa 300 EW (die wohnen fast alle in einem großen Gebäude, dem sog. ‚Begich Tower’). Es gibt noch ein weiteres großes Haus, ein früheres Wohngebäude für Armee-Angehörige – das wurde in Appartments umgebaut und dient größtenteils als Ferienwohn-Anlage! Obwohl die jährliche Niederschlagsmenge durchschnittlich 4,50 m Regen und 6 m Schnee bedeuten, ist es ein beliebtes Ziel für Outdoor Freaks, aber auch ein häufig frequentierter Hafen für die großem Kreuzfahrtschiffe dieser Welt (der Fjord ist hier etwa 300m tief)! Während des 1964-Erdbebens traf eine mehr als 13m hohe Welle den Ort und richtete ziemliche Verwüstungen an!

Das Städtchen Whittier ist über einen kombinierten Straßen-/Eisenbahntunnel zu erreichen! Der Straßentunnel ‚Anton Andersen Memorial Tunnel’ wurde dem früheren 2,5 km langen Eisenbahntunnel hinzugefügt und im Jahr 2000 eröffnet. Es ist der längste Straßen-/Eisenbahntunnel von Nord-Amerika und ist von morgens 6 bis abends 11h – jeweils 15 Minuten in beiden Richtungen – geöffnet! Wenn man da also abends zu spät dran ist, ist man ein „PID“, wie unser Käpt’n uns erzählt! Ein ‚Personal Idiot’, der dann im Auto schlafen muß, bis es morgens wieder weiter geht :-)!

Die ‚Skyline’ um mich herum wäre mehr als spektakulär, wenn sie denn zu sehen wäre! Der ‚Chugach National Forest’ (zweitgrößter NF in den USA!) ist bekannt für seine vielen hohen Berge und zahllosen Gletscher! Es ist ein sog. ‚kühler Regenwald’.
Jede Menge Gipfel, von Gletschern gekrönt, von denen viele nach Dichtern benannt sind! Eine der Ausnahmen ist der ‚Tebenkof Gletscher’, benannt nach einem russischen Karto- und Fotographen, dessen Karten aus dem ausgehenden 19.Jh. noch bis in die 60er Jahr benutzt wurden!
Ein anderer beeindruckender Gletscher, den wir auf unserer Fahrt zu sehen bekommen, ist der ‚Harriman Gletscher’ – einer der wenigen weltweit, die immer noch weiter wachsen! Er ist derzeit etwa 20 km lang, seine vordere Abbruchkante wird aus etwa 250 Jahre altem Eis gebildet! Es fallen hier auf den Bergen etwa 15m Schnee jährlich, von denen der Gletscher jährlich etwa 2,50m Eis zulegt! Im Chugach National Forest gibt es über 10.000 Gletscher unterschiedlichster Größe. Die meisten nehmen in ihrem Umfang ab, ähnlich wie die europäischen. Es gibt aber noch einige neben dem Harriman, die weiter wachsen (ähnlich wie auch wenige in Patagonien).
Wir sehen während dieser Cruise sieben große unterschiedliche Gletscher! Es gibt drei verschiedene ‚Arten’:
Tidewater Glaciers, die durch ihr eigenes Gewicht Richtung Meer ‚gepresst’ werden, also ‚fließen’ und regelmäßige Eismassen ‚kalben’. Besonders eindrucksvoll sind hier die drei unmittelbar nebeneinander liegenden Barry-, Coxe- und Cascade-Gletscher im Harriman Fjord!


Piedmont Glaciers, deren Eismassen sich im Lauf der Zeit am Fuß von Bergketten bilden, wie z.B. der Harriman Gletscher und dann dort langsam abbröckeln und tauen!
Alpine Glaciers, die sich auf den Gipfeln von Bergen bilden und deren Enden über hohe Kliffs hängen, z.B. der Surprise-Gletscher, und von dort von Zeit zu Zeit Eisbrocken in die Tiefe schicken!

Hier in dieser Gegend passierte am 24.März 1989 das Tanker-Unglück der ‚Exxon Valdez’. Unübersehbare Mengen an Öl überschwemmten den Golf von Alaska – die Ufer um Whittier waren (neben Valdez, Seward und Homer) am ärgsten betroffen. Die Tierbestände haben sich seither wieder einigermaßen erholt, der Hering und eine wilde Taubenart sind dagegen hier bis heute nicht wieder aufgetaucht. Der damals gerade beginnende Tourismus hatte einen großen Rückschlag erlitten, der kommerzielle und mehr noch der private Fischfang lag für Jahre darnieder. Beides hat sich jedoch inzwischen wieder erholt und ist heute wieder fast auf dem Stand von zuvor.

In früheren Jahren war hier ein gesuchter Platz für die Jagd auf Seeotter! Diese haben keine dicke Fettschicht als Isolierung gegen die Kälte, wie die anderen Meeres-Säuger, die hier ganzjährig leben – sie werden nur durch ihr absolut dichtes Fell vor Kälte und Wasser geschützt“ Deswegen hat ein Otterpelz auf etwa 30 ccm soviel Haare wie auf einem ganzen Schäferhund anzutreffen sind – einzigartiger Schutz vor Kälte! Seeotterpelz war vor allem beim russischen Adel beliebt und in Folge auch in allen anderen Adelshäusern! Kurz nach der Wende zum 20.Jh. waren die Seeotter deswegen vom Aussterben bedroht. Heute gibt es ein durchgehendes Jagdverbot, nur die natives dürfen Seeotter zur Selbstversorgung jagen, aber nicht mit den Fellen handeln – die Bestände haben sich seitdem wieder gut erholt! Dem Exxon-Valdez-Unglück fielen jedoch etwa 5000 Otter zum Opfer. Da jedes Muttertier normalerweise nur ein Junges bekommt und aufzieht, dauert es, bis so ein Einbruch in der Population wieder aufgeholt werden kann!



Die schmalste Stelle während der Cruise ist die ‚Esther Passage’, die nur von kleineren Schiffen befahren werden kann. Da ringsum hohe Berge gegen allzu raue See und stürmische Winde schützen, finden sich hier zahlreiche Tiere ein. Seehunde/Robben (Feinschmecker, die sich im Moment auch hauptsächlich von Lachs ernähren:-)!), Seelöwen, Wale, Orcas und andere Delphinarten, weiße Bergziegen, Schwarzbären, Adler und die ‚black-legged kittiwake’, eine große Möwenart, die hier in der Passage über 10.000 Nester besetzt! Habt Ihr gewusst, dass man bei Robben das Alter auch an ‚Jahresringen’ ablesen kann? Ich nicht – aber jetzt weiß ich es, die Ringe ergeben sich hier an den Zähnen! Zu ihrem Schutz ist auch die Jagd auf Robben in Alaska verboten, es werden nur Genehmigungen in festgelegter Zahl für Natives hier erteilt!












Gegen 19h legen wir – wieder bei strömendem Regen – im Hafen an!

Es war trotzdem ein schöner Tag, der sogar immer wieder mal ein paar Sonnenminuten brachte und nicht durchgehend verregnet war. Es gab ein ganz gutes Mittagessen an Bord, nachmittags Kaffee und Kuchen und abends auch noch mal einen kleinen Snack! Es wurde ausgesprochen viel erklärt (zu dem Zweck ist extra immer ein Ranger mit an Bord) zu Tieren, Pflanzen und den Gegebenheiten hier im Nationalpark. Es gab auch eine Menge von ‚Anschauungsmaterial’, das von Kindern, die dafür zu „Junior Rangers“ ernannt wurden (was sie natürlich stolz wie Bolle machte!) bei allen Gästen vorgeführt und gezeigt wurde!

Mein Gepäck habe ich nach dem Aussteigen vor der Hütte der Abfertigung, aber im Trockenen, vorgefunden – die Abfertigung war schon geschlossen! Aber hier in Alaska ist die Welt offenbar noch in Ordnung – es gibt auch noch viele Leute, die ihr Haus nicht versperren…

Die Anlegestelle der Fährschiffe ist leider am anderen Ende vom Dorf – weder Taxi noch Shuttle (auch nicht fürs Gepäck!) sind jedoch vorhanden! Also heißt es etwa 20 Min. bei mehr als strömendem Regen dick bepackt quer durchs Dorf zu laufen! Ich hatte mir an Bord einen Regenumhang gekauft – der tut mir jetzt auch gute Dienste! Aber trotz diesem Schutz (da passt auch noch mein Rucksack darunter) sind meine Hosenbeine klatschnass bis weit über die Knie – die Füße aber, dank der neuen Schuhe, absolut trocken! Also heißt es im Fährbahnhof erstmal Hosen wechseln!
Zu unser aller Mißvergnügen ist auch noch eine Verspätung von 1,5 bis 2h angekündigt – d.h. das für 20.30h geplante Einchecken wird jetzt erst gegen 22h anfangen und wir fahren erst nach Mitternacht hier ab! Oh mein Gott – ich hatte mich schon so auf mein Bett gefreut!
Es gibt auch kein W-Lan hier, das ich in der Zwischenzeit nutzen könnte. Meine Nachbarin im Warteraum gibt mir jedoch den Tipp für ein kostenpflichtiges – aber 3.99$/Std. leiste ich mir dann einfach gegen die Langeweile :-)!
Es gibt auch keinen ATM hier – bzw. nur einen am Bahnhof! Das werde ich nun auf keinen Fall tun, bei dem Regen noch mal den ganzen Weg zurück zu laufen! Wozu bin ich hier im ‚Land der Kreditkarte’ – wird eben auf dem Schiff alles mit Karte bezahlt werden!

Überraschung – um kurz nach 9h beginnt das Einchecken auf der MV Kennicott doch schon! Jetzt geht es auf den berühmten „Alaska Marine Highway“ – 5 Nächte und 4 Tage auf See! Ich freue mich wie ein ‚Schnitzel’! Ich habe eine kleine Außen-Roomette gebucht. Dankenswerterweise berechnen die Alaska Ferries auch nur für eine Person, obwohl sie keine zweite Person mit dazu buchen! Ich werde zwar ein wenig Tageslicht in der kleinen Kabine haben, aber keinerlei Aussicht – eins der Rettungsboote hängt genau davor! In der Roomette ist es ähnlich wie im Zug – zwei Sitze gegenüber, die zusammen geschoben ein Bett ergeben und ein ausklappbares darüber. Bettwäsche, Kopfkissen und Handtücher in einem ‚Bordpaket’ (das auch noch Seife, Shampoo und Zahnpasta enthält) kann ich bei der Raum-Einweisung für 3$ mieten! Für den Preis gar nicht so schlecht.

Ich finde das mit zugeteilte ‚Zimmer’ auf dem ‚sun deck’ mit direktem Zugang zum Außendeck – jetzt hoffe ich nur, dass das Wetter sich auch danach richtet! Die Toiletten und Duschen sind nur ein paar Schritte entfernt, das Restaurant bzw. Cafeteria ist ein Stockwerk tiefer! Das Essen dort ist ziemlich teuer und nicht mal besonders gut :-(! Halt schon sehr ‚junk-food’-mäßig! Aber großen Hunger habe ich eh nicht – aber auf DEN ‚Veggi-Burger’ hätte ich auch verzichten können!
Um kurz vor 24h mache ich mir mein Bett zurecht, hänge noch schnell meine nassen Sachen zum Trocknen auf und ab geht’s unter die warme Decke!
Gute Nacht!

Dienstag, 23.August 2011

Das war eine Nacht! Ich weiß nicht, wie oft ich wach wurde, weil es ziemlich kalt in meiner ‚Kabine’ war. Außerdem war die Matratze zu dünn bzw. zu weich – ich lag quasi mehr oder weniger auf dem Metallgestell der Sitze :-(!Gegen 3h musste ich auch noch zur Toilette – dabei merkte ich dann, dass das Schiff endlich fuhr, aber draußen immer noch heftigster Regen niederging!
So war ich froh, als es 7h war und ich zum Frühstücken gehen konnte. Als ‚Belohnung’ habe ich mir dann ein ‚spanish omelett’ gegönnt und zwei Tassen Tee zum warm werden! Jetzt ist meine Bargeld-Reserve wirklich auf ein Minimum zusammen geschmolzen! Der nette Mann an der Kasse beruhigte mich jedoch – ich kann in den nächsten Tagen auch alles mit Kreditkarte bezahlen! Als ich ihm auf seine Frage, wie die erste Nacht an Bord war, meine Leidensgeschichte erzählte, gab er mir den pragmatischen Tipp „Nimm doch einfach noch die Matratze aus dem oberen Bett und hole Dir noch eine zusätzliche Decke an der Rezeption – dann sieht die Welt doch gleich wieder ganz anders aus“! Gute Idee – gleich nach dem Frühstück hole ich die Decke (frecherweise antworte ich auf die Frage „Cabin or Roomette“ mit ‚cabin’ – nur die bekommen nächmlich zusätzliche Decken kostenlos!) und ‚baue’ in meiner kleinen Kajüte erstmal das Bett in eine bequeme Lagerstatt um! Ein ‚Probeliegen’ zeigt, dass es jetzt so gut wie perfekt ist!
Vorhin an der Rezeption habe ich gesehen, dass es dort sogar einen Briefkasten gibt, der an jedem der Anlegehäfen geleert wird und im schiffseigenen ‚Gift Shop’ gibt es auch Briefmarken! So kann ich schnell noch meine restlichen Postkarten von Alaska auf den Weg bringen. Ich finde im Shop auch noch einen Aufkleber für meinen Koffer und vorsichtshalber kaufe ich mir noch 4 Tabletten gegen Seekrankheit – sicher ist sicher! Mein Bargeld reicht gerade noch für Briefmarken – die beiden anderen Sachen muß ich schon mit Kreditkarte bezahlen! Was für ein Aufwand für so kleine Beträge – es wäre bestimmt besser, wenn sie auf den Fähren ATMs installieren würden :-)!

Bei einem Rundgang durch das Schiff sehe ich im obersten Stockwerk (dem über mir) das sog. ‚Solarium’ – ein geschlossener Raum mit großen Fenstern und allerhand Sonnenliegen. Auf dem haben es sich die Fahrgäste „bequem“ gemacht, die nicht extra Geld für eine Schlafgelegenheit ausgeben wollten oder konnten! Da bin ich aber ganz schön froh, dass ich eine, wenn auch kleine, eigene Kabine habe!

Da es draußen im wahrsten Sinne absolut nichts zu sehen gibt – so weit man schauen kann (und das ist nicht weit!), nur graue Suppe – gehe ich auch dahin zurück und mache auf meinem jetzt richtig bequemen Bett einen kleinen Mittagsschlaf!
Als ich aufwache, ist draußen plötzlich Sonnenschein – schnell in die Schuhe und an Deck! Es ist wie ein Wunder – strahlenblauer Himmel mit nur ein paar wenigen Wolken!
Aber leider ist das nur ein kurzes Gastspiel – bald zieht es wieder zu und kurz vor Yakutak, unserem ersten Stop fängt es erneut heftig an zu regnen.

Auf einen kurzen Landgang (wir halten hier nur für eine knappe Stunde – bedeutet etwa ½ Stunde vom Schiff gehen können) kann ich daher leicht verzichten. Das rege Leben in diesem kleinen Fischereihafen beobachte ich von meinem ‚Ausguck’ unter dem Dach! Die Männer, die die Fische sortieren, die Fischerboote, die eins nach dem anderen hier anlanden, die Leute, die auf Ankommende warten!



Es gibt auch Fahrgäste, die die Zeit hier nutzen müssen – ob Regen oder nicht – um ihre vierbeinigen Hausgenossen mal schnell auszuführen! Diese sind nämlich auf der Auto-Etage in ihren großen Boxen untergebracht. Es gibt 3x am Tag eine ‚Öffnung’ des Autodecks – während der Zeit können sie sich ein wenig um ihre Lieblinge kümmern. Ansonsten haben die auszuhalten ohne ihre Herrchen oder Frauchen! Auch ein paar Leute mit kleineren Kindern sind unterwegs im Hafen – in Regenmäntel und Gummistiefel verpackt macht denen der Regen auch nichts aus!

Ich sehe auch einen älteren Mann mit zwei kleinen Jungs an Bord gehen – die Kinder sind extrem dünn angezogen und klatschnass und es ist nicht gerade warm draußen!

Nachdem das Schiff wieder abgelegt hat, verziehe ich mich mit meinem Notebook in den großen Aufenthaltsraum, um ein wenig zu schreiben! Bequem ist das nicht gerade – alle Tische haben eine kleine umlaufende ‚Reling’, die sehr hinderlich beim Bedienen der Tastatur ist. Aber es ist ja auch bald Abend und ich freue mich auf das ‚dinner’!

Es gibt heute Huhn mit Nudeln und Salat! Das ‚richtige’ Essen heute ist deutlich besser, als der Hamburger gestern! Mal sehen, was die nächsten Tage noch so bringen werden!
Beim Essen treffe ich auf die Familie mit den dünn angezogenen Kindern! Wie sich heraus stellt, ist das der Großvater mit seinen Enkeln. Der Sohn und Vater arbeitet hier auf dem Schiff und sie können dann an Bord kommen, um hier kostenlos essen zu können! Sie werden hier übernachten und morgen in Juenau aussteigen und auf die Rückkehr des Schiffes warten, um wieder nach Hause zu kommen!
Ich verschwinde dann auch bald in mein Bett! Morgen kann ich dann die lange Zeit in Juneau (geplant sind 4 Stunden!) für einen Landgang nutzen!

Mittwoch, 24.August 2011

Es war gestern abend sehr laut im Flur – offenbar sind noch späte Gäste angekommen und die waren sehr ‚geräuschvoll’. Erst gegen 1h war dann endgültig Ruhe!

Ansonsten habe ich aber gut geschlafen, das ‚neue’ Bett war sehr bequem und durch die zweite Decke war es auch warm genug – und ich wurde ja auch ganz sachte in den Schlaf gewiegt :-)! Leider hat sich draußen nichts geändert – es regnet weiterhin in Strömen!
Mein Frühstück besteht heute aus 2 Spiegeleiern mit Toast – es gibt sogar ‚Vollkorn-Toast’, was für ein Wunder!
Den Rest des Vormittag verbringe ich wieder im Aufenthaltsraum, der großen ‚lounge’! Dort treffe ich auch einige Leute aus dem ‚Solarium’! Es muß mühsam sein, jeden Tag alle Habseligkeiten zusammen zu packen, vom Solarium in die Lounge zu marschieren und abends das Ganze wieder zurück! Teilweise liegen sie auch auf den Polster-Bänken und schlafen noch ein wenig – sehr bequem scheint es auf den Sonnenliegen nicht zu sein! Aber nachts wird hier geschlossen und das Übernachten in der Lounge ist auch nicht erlaubt!
Plötzlich große Unruhe – draußen gibt es ein paar Buckelwale zu sehen! Leider sind sie so weit entfernt, dass Fotografieren (überhaupt bei der ‚Regensuppe’!) so gut wie unmöglich ist!

Langsam wird die Sicht dann jedoch besser – man kann zumindest Berge im Regendunst bzw. den Wolken erkennen! Ich schöpfe Hoffnung für Juneau!
Um13h kommen wir dort an, aber es regnet immer noch. Überdies stellt sich jetzt heraus, dass der Fährhafen ein ganzes Stück von der Stadt entfernt ist – man muß sich ein Taxi dahin nehmen! Aber bei 4 Stunden Aufenthalt will ich das auf mich nehmen – schließlich ist Juneau die Hauptstadt von Alaska, die sollte ich schon mal kurz gesehen haben! Außerdem brauche ich auch dringend einen Geld-Automaten!
Den gibt es glücklicherweise schon direkt am Fährterminal – kann also jedes Taxi nehmen und muß nicht erst auf eins warten, das Kreditkarten akzeptiert! Beim Warten komme ich mit einem Ehepaar ins Gespräch, das hier 3 Tage Aufenthalt geplant hat – waren nicht besonders begeistert davon, bei DEM Wetter :-(! Sie boten mir an, dass wir gemeinsam in einem Taxi fahren (sie müssen auch in die Innenstadt) und uns die Kosten dafür teilen! Ja gerne – und wie sich später herausstellt, war das ein absoluter Segen: Der Fahrpreis war fast 50$ (für über eine halbe Stunde Fahrt!) und ich mußte davon nur 15$ bezahlen! Die nette junge Taxifahrerin gab mir beim Aussteigen ihre Visitenkarte, damit ich sie zum Zurückfahren direkt anrufen kann – da auch ein paar Kreuzfahrtschiffe im Stadthafen liegen, gehen im Moment viele Bestellungen bei der Zentrale ein und es könnte dauern, bis ein Wagen kommt!
Tatsächlich – direkt in der Stadt liegen 4 riesige der Cruise-Schiffe! Offenbar bezahlen die mehr dafür, direkt an der innerstädtischen Kaimauer anlegen zu dürfen :-)! Die Stadt ist daher voll von Menschen, die sich gegenseitig die Regenschirme ins Gesicht stoßen – was für ein Gewimmel! Es gäbe hier zwar das Haus des ehemaligen Gouverneurs zu besichtigen, ansonsten die Stadt selbst ein wenig, aber das macht heute wenig Sinn – das wäre jedoch noch ein weiteres Stück mit dem Taxi! Für eine organisierte Rundfahrt reicht meine Zeit hier nicht mehr und ich mache deshalb nur einen kurzen Rundgang zu Fuß!
Dabei finde ich einen kleinen Lebensmittelladen, wo ich mich mit Getränken und ein wenig Obst eindecke für die nächsten Tage. Natürlich gehört danach unbedingt noch ein ‚richtiger’ Kaffee zum nachmittäglichen Vergnügen, ehe ich die junge Frau anrufe, dass sie mich wieder abholen kann!
Bei der Rückfahrt kommen wir ein wenig mehr ins Gespräch! Sie ist gerade fertig mit dem Studium – Kommunikationswissenschaften! – und wird im Oktober für ein Jahr nach Australien gehen! Sie war dort während der letzten Semesterferien und hat entdeckt, dass es Plätze auf der Welt gibt, wo es solange am Stück Sonnenschein hat, wie in Juneau Regen! Die Hauptstadt Alaskas ist nämlich die regenreichste in den ganzen Staaten!!! Jetzt hält sie nichts mehr hier, die Eltern sind zwar todtraurig (sie ist die einzige Tochter)! Aber sie will schnell mal in einen Nachbarort fahren können (Juneau hat keinerlei Straßenverbindung nach außen und die nächsten Orte sind einige hundert Meilen entfernt), Sonne statt Regen, mehrere Monate Sommer statt 6-8 Monate Winter :-)! Wenn ich so zum Fenster hinaus schaue, kann ich sie wirklich mehr als gut verstehen!


Genau pünktlich komme ich wieder bei der Fähre an! Zurück auf dem Schiff stelle ich fest, dass sich in meiner Kabine eine riesige Pfütze ausgebreitet hat. Schnell packe ich Tasche und Beutel auf meinem Regenumhang auf mein Bett – das ist alles schon ziemlich naß. Glücklichweise ist es nur ein wenig nach Innen durchgedrungen!
Auf dem Flur treffe ich eine der Hostessen und zeige ihr das Unglück. „Oh, my god – what’s this?“ Sie geht mit mir zur Rezeption für eine neue Unterkunft, damit in meinem ‚roomette’ die Ursache für das Leck gesucht werden kann. Das Wasser der Pfütze ist bräunlich – es spricht für einen Schaden durch irgendein Rostloch. Gut, dass ich so weit über der Wasseroberfläche bin :-)! Ich bekomme auch einen neuen Raum – und es ist ein Upgrade (‚for your inconvenience’!/wegen der Unbequemlichkeiten)! Eine richtige Kabine ist es jetzt für die nächsten beiden Tage, ein Stockwerk tiefer auf dem ‚cabin deck’! Gemütlich mit Stuhl und eigenem Waschbecken – und Vorhängen vor dem Bullauge :-)! Und es gibt ein gemachtes Bett mit zwei Decken (zwei weitere könnte ich vom oberen Bett nehmen) auf einer dicken Matratze – ich kann also mein Bettzeug alles in der roomette zurück lassen! Und zu allem Überfluß gibt es hier auch noch eine regulierbare Heizung! Was für ein Glück, dass ich das Leck hatte!!!

Kaum haben wir abgelegt, kommt zaghaft die Sonne hinter den Wolken hervor! Na, hoffentlich hält das jetzt bis morgen an – Ketchikan steht für einen Landgang an und das soll ein richtig nettes Städtchen sein!





Ich treibe mich wieder auf dem Schiff herum, entdecke sogar ein Kino – das Angebot an Movies ist jedoch eher nichts für mich, es gibt aber einige Dokumentationen, die ich mir anschauen werde.

Da wir hier durch ‚Goldgräberland‘ kreuzen, finde ich auf dem Schiff auch ein Faksimile einer Ausrüstungsliste! Um den Ansturm der Glücksritter etwas zu zügeln, bestimmte die Verwaltung damals, wieviel Verpflegung, Ausrüstung und Kleidung ein Goldgräber mit sich zu führen hatte! Das hielt einige davon ab – weil sie das Geld dafür nicht hatten! Auch der Transport war teuer, soweit man ihn mit Pferden oder Trägern machen lassen wollte. Wollte man alles selbst transportieren, mußten Wachen oder Lagerhäuser bezahlt werden, die darauf aufpaßten, während man die nächste Ladung in tagelangen Märschen dazu holte!

Zum Abendessen gibt es heute richtig leckeren Lachs und Bratkartoffeln – vorher eine ‚clam chowder’(seafood-Kartoffelsuppe) und danach Wackelpudding! Ist ja doch ganz gut gewesen, das Essen bisher – am ersten Abend hatte ich offenbar nur ein wenig Pech mit meiner Auswahl! Die Mitarbeiter hier in der Cafeteria sind auch allesamt richtig nett – es hatte sich wohl herum gesprochen, dass ich ein Leck in meinem Raum hatte. Einige fragen mich nämlich gleich, wie es mir in meiner jetzigen Kabine gefällt und ob ich zufrieden wäre.

Ich bin gespannt, wie ich in so ‚feudaler’ Umgebung heute schlafen werde!

Donnerstag, 25.August 2011

Es ist kaum zu glauben – ich werde von strahlendem Sonnenschein geweckt! Das läßt ja das Beste für meinen heutigen Landgang hoffen! Schnell ziehe ich mich an und gehe zum Frühstücken, damit ich möglichst viel von diesem Tag haben werde!



Der Vormittag vergeht wie im Flug und bald schon kommt Ketchikan in Sicht! Hier gibt es sogar einen großen Verkehrsflughafen direkt an der Küste! Wir müssen ein wenig aufs Anlegen warten – unsere ‚Schwesterfähre‘ liegt noch an der Anlegestelle! Währenddessen können wir die startenden und landenden Verkehrsmaschinen beobachten!


Endlich legt die andere Fähre mit lautem Getröte ab und wir können anlegen! Es ist eine Millimeter-Arbeit und auf dem Vorschiff haben sich viele Passagiere eingefunden, um das zu beobachten!



Von hier können wir schon sehen, daß es auch in dieser Stadt ‚eng‘ werden wird – mehrere Cruise Ships liegen auch hier vor Anker!
Aber bei diesem Traumwetter hält mich auch das nicht davon ab, die Stadt zu erkunden! Noch dazu habe ich dafür über 3 Stunden Zeit! Gleich am Fährbahnhof werde ich von einem jungen Mann angesprochen wegen einer ‚Stadtrundfahrt in kleiner Gruppe‘, die in einem Minibus stattfinden soll. 20$ erscheinen mir dafür nicht zu hoch, da eine Taxifahrt auch schon 15$ kosten soll. Ich sage also hier zu, muß aber noch ein wenig warten! Schlußendlich stellt sich heraus, daß ich der einzige Gast sein werde und der Guide startet mit mir allein. Er gibt mir allerhand Erklärungen unterwegs – z.B., daß hier alte Häuser relativ teuer sind, weil erstaunlicherweise wieder mehr Zuzug eingesetzt hat. Auch, daß es hier die längste Holztreppe von Alaska gibt – kein Wunder, ist die ganze Stadt ja entweder an steilen Hängen an der Küste oder dem Ufer eines Flusses angelegt! Die schönsten Straßen mit ihren Sehenswürdigkeiten sind Fußgängerzonen – also lädt mich mein Guide in der Innenstadt aus und wir vereinbaren einen Abholtermin in etwas mehr als 2 Stunden!
Es ist ein hübsches Städtchen – oder kommt es mir besonders hübsch vor, weil Sonnenschein herrscht? Ich bummle langsam durch die Straßen, sehe hier einen Totempfahl und da ein altes Haus oder eine schöne Straßenlampe. Schließlich komme ich an der ‚Creek Street‘ an, der bekanntesten der Straßen dort! Es ist auch der älteste so gut wie original erhaltene Straßenzug hier und besonders interessant ist es, weil es dort „Dolly’s House“ gibt, das angeblich ‚beste und schönste Bordell‘ während der Goldgräberzeiten und danach!






Der Weg zurück führt mich durch eins der Souvenirgeschäfte – hier gibt es wunderschöne handbemalte Christbaumkugel :-)!
Zurück geht es dann auch wieder auf dem Plankenweg zu einem kleinen Café, wo ich auf meinen Abholer warte!


Mein Fahrer kommt pünktlich zum verabredeten Zeitpunkt zum vereinbarten Platz und wir fahren langsam wieder Richtung Hafen! Durchfahren dabei den Tunnel, den es erst seit ein paar Jahren gibt, um dem stetig zunehmenden Verkehr gerecht zu werden! Wie mir mein Guide erzählt, ist die ganze alte Stadt auf Pfählen an der Küste gebaut worden. Zu Anfang waren die „Straßen“ nur darauf verlegte Holzbretter! Auch heute noch stehen viele Häuser auf den alten ‚Fundamenten‘ aus Bohlen!
Im Hafen angekommen, bin ich eine der ersten! Aber das macht nichts – besser zu früh wie zu spät! Ein junges Pärchen kommt zur Anlegestellte zurück, als gerade die Gangway eingezogen worden ist und das wird nicht wieder rückgängig gemacht! Wie mir später meine ‚Freunde‘ von der Cafeteria erzählen, müssen sie entweder auf die gleiche Fähre in 5 Tagen warten, mit einem Wasserflugzeug nach Bellingham fliegen oder mit mehreren kleineren Fähren und entsprechendem Umtseigen das Ziel erreichen! Na, da bin ich doch lieber etwas zu früh dran!





Jetzt fahren wir relativ dicht am Ufer entlang – das Wasser muss hier sehr tief sein! Aber so können wir gut erkennen, daß sich tief im Wald immer wieder kleine Siedlungen oder Häuser verbergen!



Jetzt sieht man auch, wieviele Schiffe rund um uns unterwegs sind – die hat man bei der ‚Regen- und Nebelsuppe‘ in den letzten beiden Tagen garnicht richtig erkennen können!
Heute gibt es frische Muscheln zum Dinner – was für ein Festschmaus! Danach schaue ich mir heute eine Dokumentation über die verschiedenen Wale hier in den Gewässern an und schaue noch ein letztes Mal nach dem Wetter! Wieder ein herrliches Abendrot – schönes Wetter wäre für morgen mehr als angesagt – wir werden den ganzen Tag nur auf See sein, ohne Landgang. Um genau zu sein, wir haben ab jetzt 38 Stunden ununterbrochen Schifffahrt vor uns!

Freitag, 26.August 2011

Heute habe ich mal richtig lange geschlafen – es war auch möglich, denn das Schiff liegt ganz ruhig im Wasser! Ein Blick nach draußen zeigt mir, daß das Abendrot gestern nicht gelogen hat 🙂 – wieder strahlender Sonnenschein, wenn auch noch ein paar Morgennebel über dem Wasser und der Landschaft hängen!



Da ich spät dran bin, gibt es heute mal ‚Brunch‘ – ausgiebiges Frühstück, das dann bis heute Abend vorhalten wird.
Bei meinem Erkundungsgängen über die verschiedenen Decks kann ich mir eine Seenot-Rettungsübung anschauen! Mit viel Getröte und Trara werden die Rettungsboote ausgefiert, fast bis zum Wasser hinunter gelassen und wieder hochgezogen!


Heute sehen wir sogar mal ein Segelboot – ein paar Neidgefühle kommen auf! Als ich jedoch an das Wetter ver vergangenen Tage denke, sind die sofort wieder weg :-)!
Eine Zeit lang halte ich mich in meiner Kajüte auf, um wieder ein wenig zu schreiben. Lange hält es mich dort jedoch nicht – der Sonnenschein ist zu verlockend! Es kommen inzwischen schon die ersten Schneegipfel von British Columbia in Sicht und das will ich mir nicht entgehen lassen! Immer wieder springen auch Orcas oder Delphine um die Fähre herum – sie sind leider viel zu schnell, um sie auf die Entfernung fotografieren zu können!
Wir fahren auch heute manchmal wieder ziemlich dicht an der Küste zwischen den Inseln entlang. Manchmal jedoch wird durchgesagt, daß wir offenes Wasser queren und daß die Passagiere, die empfindlich bzgl. Seekrankheit sein könnten, ihre Tabletten einnehmen sollen! Ich habe glücklicherweise bisher keine gebraucht und nehme auch jetzt keine – jahrelanges ‚Training‘ auf dem Ijsselmeer macht sich eben bezahlt :-)!


Bei meinen ‚Spaziergängen‘ auf Deck fallen mir heute das erste Mal ein paar Kleinigkeiten auf, die mir bisher entgangen sind! Es gibt natürlich eine Schiffsglocke – sie ist zwar sehr klein, aber sieht hübsch aus! Auch ein wunderschön geknotetes Tauende sehe ich zum ersten Mal – was doch so ein ganzer Tag auf See bei strahlendem Sonnenschein so an den Tag bringt! Und mir fällt auf, daß es auch noch schwedische Rettungsinseln (neben den australischen) hier an Bord gibt – ob man den amerikanischen nicht so recht traut???
Aber auch die Natur ringsum läßt nicht zu wünschen übrig! Warum konnte es nicht die ganze Fahrt so schön sein :-(?

Sobald die Sonne immer wieder hinter den hohen Bergen verschwindet, wird es kalt an Bord! ‚Bewaffnet‘ mit Fleece- und Windjacke halte ich es jedoch bis zum Abendrot aus! Danach geht’s schnell zum Essen und dann ins Bett – morgen früh heißt es um 5.00h aufstehen! Ab 5.30h gibt es bereits Frühstück, weil wir vor 8h bereits in Bellingham, unserem Zielhafen anlegen werden!

3 Antworten zu Auf dem „Alaska Marine Highway“ nach Kanada

  1. Annette schreibt:

    Liebe Christine,
    ich verfolge deinen Weg bereits seit 1 1/2 Jahren und erfreue mich an deinen Berichten und vor allem haben sie mir die schier endlosen, ätzenden, letzten Monate und Wochen im Büro versüßt und ich bin mit dir mitgereist im Geiste. Ich bin nur ein paar Jahre jünger als du und bei mir ist in 2 Wochen Arbeitsschluss und ich gehe auf meine große Reise in 4 Wochen.
    Lt. deinem Plan müsstest du inzwischen wieder in Deutschland eingetroffen sein. Ich hoffe, du bist gesund und munter. Ich bin jedoch ein wenig traurig, dass es ab dem 26.8. keine weiteren Berichte gegeben hat und vor allem wäre es toll, wenn du auch mal schreiben würdest, wie du zurückgekommen bist und wie du dich hier wieder fühlst. Du hast am Ende sicher auch keine Lust mehr auf die Schreiberei gehabt, was ich sehr gut verstehen kann, denn ständiges Tagebuchschreiben ist auch sehr zeitaufwendig.
    Vielleicht lese ich ja doch noch mal etwas von dir, wäre toll.
    Viele Grüße
    Annette

    • grannyontour schreibt:

      Danke für Deinen Kommentar! Nein, die fehlende ‚Lust‘ war es eigentlich nicht (die Texte sind fast alle bereits geschrieben und müssten nur noch hochgeladen werden) – die letzten Wochen waren so ‚dicht‘, daß ich keine Zeit gefunden habe, die dazu gehörigen Fotos auszuwählen und dann alles ins Web zu stellen. Als ich Zeit hatte, während meiner langen Zugfahrt quer durch Kanada, war natürlich kein Internet zu finden :-)! Und hier daheim hat mich der ganz normale Wahnsinn wieder in den Klauen! Aber ich bin dabei und hoffe, daß der Blog bald komplett sein wird!
      Danke für Deine Treue und Dir ganz viel Vergnügen auf Deiner großen Reise!

  2. Oliver schreibt:

    Interessanter Artikel, besten Dank fürs Teilen! Wir planen auch gerade unseren Alaska Ausflug und sind so auf deinen Blog gekommen. Besten Gruss von unterwegs. 😉 Oliver

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