Zum letzten Mal durchs Outback!

11.12.2010 Von Alice Springs nach Coober Pedy

Schon um kurz nach 6h werde ich wach – ich hatte mir den Wecker um 7h gestellt. Aber ich bin gut ausgeschlafen und nutze das, um in der Dusche die erste zu sein und nicht warten zu müssen. Zum Frühstück gibt es heute Olivenbrot mit Avocado als Butterersatz, Tomaten und italienischer Salami!!! Es ist unbeschreiblich, wie gut die Avocados hier schmecken – und immer im richtigen Reifegrad sind! Ich habe bisher keine gehabt, die noch unreif oder total mit braunen Stellen durchsetzt waren, wie bei uns so oft! Inzwischen sind sie auch günstig geworden, man merkt, dass die Saison in vollem Gange ist!
Schnell noch meine Mails anschauen und die Flugbestätigung ausdrucken – aber was für eine Überraschung, es ist keine Bestätigung geschickt worden. Am Wochenende ist natürlich auch niemand vom ‚Flight Centre’ erreichbar! Also hoffe ich, dass ich die Bestätigung in Adelaide vorfinden werde – bis dahin wird es wahrscheinlich sowieso weder Telefonnetz noch Internet geben.
Nun aber los! Der Fluß ist nur noch ein kleines Rinnsal, nichts mehr erinnert an den breiten Strom von gestern früh! Beim Weg durch das ‚Felsentor’ kommt mir gerade ein Güterzug entgegen und mir fällt ein, dass ich vielleicht morgen auf meiner Strecke irgendwo auch dem ‚Ghan’ begegnen könnte – der fährt ja immer sonntags!
Es ist ein herrlicher Tag heute – kühl mit einer leichten Brise! Aber es soll sehr warm werden!
An der Landstraße entlang sehe ich immer wieder rote Plastiktonnen neben neu gepflanzten Bäumchen stehen – sie enthalten recyceltes Wasser, das über einen Tropfschlauch abgegeben wird. Das wäre im Moment wohl gerade nicht notwendig – es gab in den letzten Wochen soviel Wasser von oben, wie lange nicht mehr ! Die gleich hinter der Stadtgrenze beginnende Wüste bzw. Steppe ist intensiv grün bewachsen und es steht auch hier wieder alles in voller Blüte!

Rund 1500 km liegen jetzt vor mir! Einen Stop habe ich in Coober Pedy, der berühmten ‚Opal-Stadt’ Australiens vorgesehen – ob ich noch einen zweiten Stop einlege, kommt auf meine Fahrerlaune und auch das Wetter an! Die ersten 200 km kenne ich die Straße ja bereits von der Fahrt zum Uluru – hier ist nur überraschenderweise auch ein einsamer Radler unterwegs! Es muß eine Deutscher oder Japaner/Koreaner/Chinese sein, denn nur die ‚ziehen ein Fahrrad einem Pferd vor und sind so crazy, in dieser Hitze unterwegs zu sein’, wir mir ein Einheimischer in Western Australia mal sagte! Heute ist ja ganz angenehmes Wetter für so ein Unternehmen (das Thermometer zeigt inzwischen gerade mal 26 Grad an), aber normalerweise sind es jetzt in dieser Gegend hier tagsüber an die 45 Grad und die einzelnen Punkte, wo man sich mit Wasser eindecken könnte, sind jeweils mindestens 150-200 km voneinander entfernt! Ein großer Teil des Gepäcks wird also wohl aus Wasserflaschen bestehen…
Die großen Warnschilder vor streunenden Tieren sind hier übrigens auch in Englisch, Chinesisch und Deutsch – man weiß doch gleich, woher der Hauptteil der Touristen wohl kommt!

Ebenfalls überraschend begegnen mir hier in Australien heute auch Warnschilder vor ‚freilaufenden Kamelen’ – sehen zwar etwas anders aus als im Oman (die Schilder, nicht die Kamele!), aber immerhin!
Am Horizont begleiten mich immer noch die Berge – in allen Blautönen über dem grünen Busch- und Baummeer! Manchmal sehe ich am Straßenrand auch die kleinen gelben ‚Kürbisse’, die wir ebenfalls aus dem Oman kennen – auch hier von den Kamelen und anderen Tieren offenbar verschmäht, sehen sie aber sehr malerisch aus!
Plötzlich gibt es ein Hinweisschild auf ein ‚Cannonball Monument‘ – das schaue ich mir doch gleich mal an! Es ist ein ein Mahnmal für die 4 Menschen, die beim ersten ‚Cannonball‘-Rennen in Alices Springs ums Leben kamen – weitere solche Rennen fanden dann hier nicht mehr statt!
Einmal sehe ich auf meiner Fahrbahn ein Stück Ast liegen – als ich kurz davor bin, hebt der ‚Ast’ jedoch plötzlich den Kopf! Eine riesige Eidechse/Lizard war es, die das neugierige Kopfheben aber wohl leider mit dem Leben bezahlen musste – im Rückspiegel sehe ich, dass ‚der Ast‘ wieder flach da liegt! Beim Weiterfahren begegnen mir immer wieder welche – aber die sind entweder am Straßenrand oder ich kann sie rechtzeitig umfahren!
Im Lauf des Vormittags überquere ich wieder die ‚Grenze’ von ‚Northern Territory’ nach ‚South Australia’!

Die üblichen Hinweise auf die Fruchtfliege fehlen natürlich auch hier im Outback nicht: Man soll alles Obst und Gemüse, das man mit sich führt, in die bereit gestellten Abfallkübel werfen! Ob das wohl wirklich gemacht wird? Gerade für so eine lange Fahrt hat man sich doch auch mit entsprechend Obst eingedeckt! Obst ist nämlich an den Raststätten Mangelware oder nur sehr teuer zu bekommen! Ich habe allerdings auch schon erlebt, dass entsprechende Kontrollen durch die Polizei stattgefunden haben! Ich behalte meine Pfirsiche und Aprikosen aber trotzdem…
Vom „roten Herz Australiens“ ist im Moment wenig zu sehen – der rote Untergrund ist überwuchert von Spinifex (dem harten Wüstengras), Blattpflanzen, Büschen und Bäumen! Nur selten zeigt sich eine größere Freifläche in diesem ganz besonderen rot-orange! Dafür aber immer wieder Wasserpfützen oder wohlgefüllte Wasser-Bassins für die Rinder!


Für alle von Euch, die mich vielleicht bedauert haben wegen des ‚schlechten’ Wetters hier im Osten des Landes oder die mir gewünscht haben ‚dass in den weiteren Berichten das Wort Regen nicht mehr so oft vorkommt’ – eigentlich bin ich inzwischen sogar ein wenig dankbar für dieses Wetter! Ich habe das Land so grün wie kaum zuvor erlebt! Selbst viele Australier kennen ihr Land so nicht – es gibt inzwischen sogar Tagestrips in ‚The Green Desert’!!! Es hat das letzte Mal vor etwa 30 Jahren soviel Wasser gegeben, aber damals nicht auf so lange Zeit verteilt, sondern in großen zerstörerischen Fluten! Durch die lange andauernde Zeit des ‚Immer-wieder-Regens’ in diesem Jahr wächst natürlich alles ständig nach und ist fett und grün! Ich sehe mich wirklich inzwischen als so etwas wie einen „Glücksbringer“, wie mir mal jemand hier sagte „überall, wo Du hinfährst, regnet es – wie schön für uns“! Mal eine ganz andere Sicht aufs Wetter :-)!

Im weiteren Verlauf der Fahrt sehe ich sogar eine Herde von wilden bzw. verwilderten Pferden und auch wieder einen anderen Radfahrer. Als ich ihn überhole, frage ich ihn, ob er wohl Wasser möchte. Aber nein, er hat genügend Wasser bei sich, sagt – der Japaner!
Nun komme ich langsam in das Gebiet der ‚mesa’, einer geologischen Formation, wie sie auch in anderen Gegenden der Welt vorkommt: Immer wieder mal einzeln stehend Berge mit abgeflachten Kuppen! Ursprünglich eine flache Landschaft aus Sandstein mit einer harten Kalksteinoberfläche (früherer Meeresboden), durch die sich Wasser tief eingegraben hat! Durch das Wasser und vor allem die später folgende Erosion ging der weiche Sandstein zurück und der harte Kalkstein brach ein. Die verbliebenen Reste sind Sandsteinberge mit flachen Kalkstein-‚Deckeln’! Das gleiche Phänomen ist übrigens für den Grand Canyon („Anfangsstadium“) und das Monument Valley („sehr fortgeschrittenes Stadium“) verantwortlich. Am weitesten fortgeschritten ist das jedoch hier in Australien – es gibt nur noch sehr vereinzelt stehende Überbleibsel!
Es ist wie immer wenig Verkehr – nur wieder viele ‚Road Trains’ auf der Straße, dem Stuart Highway, er sich wie ein Rückgrat von Darwin im Norden nach Adelaide im Süden mehr als 2800 km durchs Land windet. Inzwischen ist er durchgehend ‚sealed’, also geteert – vor 1985 sah das noch ganz anders aus! Wenn da ein Road Train unterwegs war, zog er eine kilometerlange Sand’schleppe’ hinter sich her – da hieß es dann gut Abstand halten! Mit der Asphaltierung ist der Highway auch begradigt worden. Etwa 600 km wurden damit eingespart!

Am Nachmittag, nach etwa 600 km, sehe ich überall in der Landschaft plötzlich kleine weiße und beigefarbene ‚Maulwurfshügel’, die im weiteren Verlauf der Fahrt immer größer und immer zahlreicher werden – die Opalsucher künden sich an! Bald ist die ganze Landschaft eine einzige Ansammlung von mehr oder weniger hohen weißen, gelben, rosa und ocker-farbenen Sandhügeln!



Dazwischen immer wieder mal eins der typischen Autos mit den ‚Eimern’ am Heck – eine quasi ‚Sortiermaschine’, die den feinen Sand von den Opalen trennt! Und viele Warnschilder, dass man sich vorsehen soll vor den ungekennzeichneten tiefen Schächten hier in der Gegend! Bald zeigt auch das Ortsschild an, dass ich in Coober Pedy gelandet bin. Hier werde ich heute übernachten und mir die ‚Stadt’ ein wenig ansehen!

Man kann nicht soviel davon erkennen, denn der größte Teil des Lebens spielt sich unter der Erde ab: Kirchen, Hotels, Museen, Läden, Wohnhäuser – alles in den Boden gegraben bzw. in aufgegebenen Schächten eingerichtet! Bei den üblichen Sommertemperaturen von bis zu 50 Grad hier eine vernünftige Sache, die Klimaanlagen brauchen sie wahrscheinlich hier nicht allzu oft! Aber auch im Winter, wenn das Thermometer bis auf 0 Grad zurück gehen kann, ist das äußerst hilfreich zum Heizung sparen! Man kann nur an den Belüftungsschornsteinen über dem Boden sehen, dass sich etwas darunter befindet!

Auf der Oberfläche sieht es allerdings ziemlich chaotisch aus – überall liegen und stehen ausrangierte Maschinen, Autos, Autoreifen etc. herum und gammeln vor sich hin! Auch Überbleibsel von zahlreichen Filmen, die hier im Ort gedreht wurden, finden sich hin und wieder – Coober Pedy ist/war eine beliebte Kulisse für Science Fiction Filme!

Der Mittelpunkt des Ortes ist ein Supermarkt mit angeschlossenem ‚Liquor Store’ – das allerdings an der Oberfläche! Ich kann nicht verstehen, wie sich das mit der ‚dry community’ verträgt, die Coober Pedy nach der Aussage auf dem Ortsschild eigentlich ist! Es sollte in solchen Gemeinden der Verkauf und Verbrauch von Alkohol normalerweise verboten sein…
Meinen kurzen Rundgang von heute werde ich morgen früh durch eine intensivere Besichtigung des Ortes ergänzen. Heute lasse ich mir dafür im Hotel Informationsmaterial geben und gehe früh ins Bett – ich bin todmüde!

12.12.2010 – Coober Pedy und Woomera

Heute ist der 3.Advent und ich bin mitten in der sommerlichen Wüste! Das erste Mal auf meiner Reise beschleicht mich ein bisschen Heimweh! Sehnsucht nach Winter, Adventskranz mit Kerzen, nach Plätzchen und Glühwein und gemütlichen ‚Advents-Kaffee-Runden’! Aber zumindest Plätzchen, wenn auch keine selbstgebackenen, finde ich hier zusammen mit Kaffee und Tee im Zimmer vor. Also nicht weiter an Advent gedacht, sondern schnell angezogen, das Auto gepackt und meine Besichtigungsfahrt durch den Ort gestartet.
Heute am Sonntag morgen ist natürlich in den Kirchen überall Gottesdienst und ich möchte vorher dort sein, um nicht zu stören. Ich treffe meist jedoch schon die Pfarrer und Helfer an, mit denen ich immer ein kleines Schwätzchen halte. In der anglikanischen Kirche war neben dem Weihnachtsbaum sogar schon eine Krippe aufgebaut! Die schönste der Kirchen war allerdings die serbisch-orthodoxe, die extra in den Fels geschlagen wurde – also nicht in aufgelassenen Stollen eingerichtet, wie die anderen! Eine wunderschöne Bogendecke, viele Steinmetzarbeiten, Bilder und Glasmalereien und – als Krönung für das Ganze – goldene Kandelaber an den Wänden!
Danach war ich noch in einem Museum und habe mich von der freundlichen Dame dort über die verschiedenen Sorten von Opalen aufklären lassen. ‚Meine’ Edelsteine sind das jedoch nicht – sind mir einfach ‚zu bunt’! Aber es war schon beeindruckend, dass es besondere Ausprägungen und Farben gibt, die so richtig teuer sind. Im angeschlossenen Edelstein- und Schmuckladen hatten sie zwei ‚schwarze’ Opale (die im Schwarz viel Rot wie glühende Kohlen zeigten), etwa ein bisschen größer als ein Zäpfchen, die waren um die 80.000$ wert!!! In diesem Museum war auch eine Menge Wissenswertes über die Umgebung zu finden, u.a. dass es eine Kangaroo-Art gibt, die Euro(!) heißt und über den über 5.300 km langen ‚dog fence’, der die Schafsstationen im Süden des Kontinents vor den Dingos, den äußerst aggressiven Wildhunden, schützen soll und das wohl auch erfolgreich tut!
Bei einer kurzen Rundfahrt durch die Randbezirke des Ortes sehe ich viele Eingangsbereiche zu den Höhlenhäusern, die richtig liebevoll gestaltet wurden – Bepflanzungen vor und um den Eingang, Standbilder vor den Auffahrten, Springbrunnen etc.etc. Auch ein Haus eines offensichtlich Schweizers mit seiner Nationalflagge davor war zu finden! Aber manchmal unmittelbar daneben auch völlig vermüllte Höhlenhauseingänge! Da scheint es keinen Wettbewerb zu geben ‚mein Vorgarten ist schöner als Deiner’…
Zum Abschluß besuchte ich noch den örtlichen Friedhof – hier stirbt man jung! Ob das an Unfällen oder vielleicht der staubigen Arbeit liegt, kann ich nicht sagen! Auf jeden Fall geht man mit dem Tod offenbar ziemlich gelassen um, wie vor allem das Grab von „Charly“ Bratz zeigt. Der ordnete schon zu Lebzeiten an, dass er ein Bierfass als Grabstein haben will, aus dem während und kurz nach der Beerdigung auch richtiges Bier gezapft werden konnte! Neben vielen Grabstätten stehen Bänke oder auch gepolsterte Stühle – scheinbar werden die Toten oft besucht! Auffallend ist die große Anzahl von serbischen, kroatischen und griechischen Namen auf den Grabsteinen. Ich hatte mich schon gewundert, dass es eine orthodoxe Kirche hier im Ort gibt. Offenbar ist oder war der Bevölkerungsanteil aus dem Südosten Europas hier aus irgendeinem Grund besonders hoch!
Nach dem Tanken und einem erfrischenden Milchshake geht es wieder zurück auf die Straße. Ich werde heute jedoch nicht mehr bis Adelaide fahren, denn das sind noch über 800 km und es ist schon fast Mittag, sondern plane für unterwegs noch eine Übernachtung ein.
Noch eine kurze Weile begleiten mich die Sandhügel längs der Straße, dann hören sie plötzlich auf und ich befinde mich in einer ‚prohibited area’, in der man die Straße nicht verlassen darf! Ich fahre durch das ehemalige Atom-Versuchsgelände, wo nach dem 2.Weltkrieg, damals mitten zwischen Aboriginal-Dörfern, Atombomben zu Testzwecken gezündet wurden!
Es sieht ein wenig aus wie in der ‚nullarbor plain’ – kein Baum und kein Strauch bis zun Horizont, nur ein fast durchgehend grüner ‚Teppich’ überall, in dem immer wieder mal ein paar Emus zu sehen sind! Langsam verändert sich jedoch die Landschaft, es gibt wieder Berge und Täler, kleinere Büsche – und einen Rastplatz, der BonBon heißt! Dort mache ich eine kurze Kaffeepause und entscheide mich für eine Übernachtung in Pimba (einem Roadhouse) oder in einem Hotel in Woomera, was nicht weit von dort entfernt sein soll.
Mitten in der Landschaft ist dann plötzlich ein schmaler Hügel, auf den die Straße sich hochwindet – das ist jedoch kein natürlicher, sondern ein künstlich erzeugter: Hier quert die Straße die Eisenbahnlinie, auf der ich vor ein paar Tagen Richtung Norden gefahren bin! Heute ist gerade ein langer Güterzug auf der Strecke unterwegs – für den Ghan ist es noch viel zu früh! Auf der Straße begegnen mir wieder zahlreiche ‚Road Trains’ – zum letzten Mal auf dieser Reise…
Dann beginnt das riesige Areal der großen Salzseen – Lake Hart, Lake Windabout, Lake Dutton, Square Lake, Island Lagoon etc. etc. – ein beeindruckendes Bild! Zwischen den und rund um einzelstehenden Bergen immer wieder die weißen Flächen der Seen wie ausgedehnte Nebelbänke! Nur in einem ist ein wenig Wasser zu sehen! Dann ist auch bald die Reise für heute zu Ende – ich bin an der Abzweigung nach ‚Woomera’ angekommen!

Woomera ist ein kleines Städtchen, das in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts für „ELDO“ gebaut wurde, der damaligen Weltraumorganisation von AUS, GB, F, BRD, I, B und NL. Es war als Service-Station gedacht für das große Raketenversuchsgelände, das neben dieser Organisation auch der NASA zur Verfügung stand! Hier lebten und arbeiteten bis etwa ins Jahr 2000 Weltraumwissenschaftler, Techniker, Ingenieure und Militärangehörige aus den Mitgliedsländern, teilweise mit ihren Familien. Es gab ein Krankenhaus, einen Flugplatz, ein ziemlich großes Theater, Kindergärten und Schulen! Seitdem ist dort aber nicht mehr viel los! Die Raumfahrtprogramme wurden eingestellt bzw. das Gelände dort dafür nicht mehr genutzt. Es gibt im Ort noch ein Menge ‚Überbleibsel’, die zur Schau gestellt werden. Manchmal werden auch große ‚Raumfahrt-Events’ abgehalten, die Touristen anlocken sollen. Aber ansonsten ist es jetzt eine relativ ‚tote’ Stadt. In dem einstmals großen ‚Shopping Center’ im Zentrum stehen die meisten Läden inzwischen leer! Einzig die Post und ein Supermarkt sind noch in Betrieb – in letzterem die Regale aber alle nur halb gefüllt, wenn überhaupt! Es sah ein bisschen aus, wie in den Konsum- oder HO-Läden der ehemaligen DDR… Direkt daneben gibt es nun einen ‚Thrift Store’, also einen Gebrauchwarenladen – der ist allerdings deutlich größer als der Supermarkt und die Regale hier auch wohlgefüllt!
Das Hotel hatte den Charme der 60er-/70er Jahre, mutete eher ein wenig wie eine Kaserne an – war ja ursprünglich auch so was Ähnliches! Aber es war sehr sauber und so habe ich dort ein Zimmer genommen. Im Ort selbst stehen viele Häuser leer und zum Verkauf – bloß, wer soll die kaufen? Hier gibt es keine Arbeitsstellen mehr und es ist wirklich „in the middle of nowhere“! Im Hotel waren aber zahlreiche Gäste – es wird als Standort für die Arbeiter genutzt, die für die Eisenbahn, die Highways und die großen Überlandleitungen arbeiten. Ich war hier der einzige weibliche Gast!
Nach einem Abendessen auf der Terrasse des angeschlossenen Restaurants und ein wenig Fernsehen war ich auch heute bald im Bett!

13.12.2010 – Der letzte Teil bis Adelaide!

Ich habe ausgezeichnet geschlafen – es war eine himmlische Ruhe und es hat nachts relativ abgekühlt. Ich hatte das Fenster ein wenig geöffnet und es war heute morgen richtig kühl im Zimmer! Aber das Wasser in der Dusche war total heiß und ich konnte mich so schnell wieder auf ‚Arbeitstemperatur’ bringen! Ein schnelles ‚Frühstück’ im Zimmer mit Tee und den beiden Plätzchen (die es auch hier als Beilage zum Löskaffee gab) und dann ging es ins Auto, wo ich gesehen habe, daß es jetzt um kurz nach 7h gerade mal 17 Grad Außentemperatur hatte! Solche Temperaturen sind für die Einheimischen hier offenbar eher ‚winterlich’, entsprechend angezogen waren die wenigen Leute, die so früh schon auf den Straßen unterwegs waren.
Ich wollte noch zur Post, dort soll es ein Internet-Café geben – aber die macht erst um 9h auf! Der Supermarkt wurde gerade geöffnet, es gab jedoch – außer 7 Äpfeln und einer riesigen Wassermelone – kein Obst dort zu kaufen! Zumindest meinen Wasservorrat konnte ich aber wieder auffüllen, wenn auch zu horrenden Preisen!
Auf dem Weg zurück zum Stuart Highway machte ich noch ein Foto von der ‚Bahnstation’ von Woomera, die eigentlich ‚Pimba’ heißt und nur aus zwei kleinen Holzhäuschen besteht. Zweimal bin ich hier schon mit dem Zug durchgefahren, aber jedes Mal bei Nacht – nun habe ich es auch mal bei Tag gesehen :-)!
Die Straße führt wieder durch Hügelland, stets parallel begleitet von der Bahnstrecke! Wie mir die Hinweistafeln sagen, ist der nächste ‚general’ Rastplatz in etwa 100 km. Dort muß ich gleich wieder tanken – mein Tank ist nur noch gut halbvoll!
Leider gibt es dort zwar Kaffee und Sandwiches und Toiletten, aber kein Benzin! Also heißt es jetzt Daumen drücken, dass die Tankfüllung noch bis Port Augusta ausreichend ist! Vor allem bedeutet das, dass ich mich mit Fotostopps zurückhalten muß – das immer wieder Anfahren schluckt nämlich ordentlich Kraftstoff, die gleichmäßige Geschwindigkeit von 110 km/h benötigt nur etwa 8,5 l auf 100 km! Immer wieder schaue ich sorgenvoll auf die Tankanzeige – der Zeiger geht rapide schnell nach unten! Aber endlich kommt das große Kraftwerk von Port Augusta (das die Australier so ähnlich wie „Porta Kassta“ aussprechen!) in Sicht – genau zur selben Zeit, als das Licht für den Reservetank angeht…
Gleich am Stadtrand ist auch eine Tankstelle, die ich natürlich sofort ansteuere: 65 Liter, soviel habe ich noch nie in den letzten 3 Monaten auf einmal getankt!
Port Augusta ist keine wirklich ‚schöne’ Stadt, aber die Stimmung so zwischen Outback und Meer hat schon was ganz Eigenes! Und es ist faszinierend, dass wirklich bis zur nördlichen Stadtgrenze nichts als Steppe zu sehen war und sofort an der südlichen Stadtgrenze ausgedehnte Getreidefelder beginnen! Die sind inzwischen fast alle abgeerntet, nur vereinzelte Schafherden fressen die übrig gebliebenen Körner und das neue Grün, das sich zaghaft wieder zeigt! Eine ganze Weile ‚begleiten’ mich auf der einen Seite die Berge der ‚Flinders Range’ und auf der anderen das Meer – ein wunderschönes Bild! Das Wasser türkisblau und die Berge in einem zarten Violett! Nun ist es auch plötzlich ein relativ dicht besiedeltes Land – einzelne Farmhäuser wechseln sich mit kleinen Dörfern ab. Es sind zwar teilweise riesige Felder, aber überhaupt nicht annähernd zu vergleichen mit den ‚Stationen’ weiter im Norden! Es kommen mir hier auch wieder zahlreiche ‚oversized’ Fahrzeuge entgegen: Fertighäuser, Getreidetanks, riesige Betonrohre etc.!
Aber auch einen Salzsee sehe ich noch einmal, diesmal ist der aber ganz klein und wieder pinkfarben! Auf einem der nun wieder schattigen Parkplätze steuere ich Bank und Tisch an und lege eine gemütliche, wenn auch verspätete Mittagspause ein! Lange halte ich es aber nicht aus – hier sind die Fliegen wieder eine Plage! Es dauert immer eine Weile, bis sie einen ‚geortet’ haben, aber dann kommen sie in Scharen! Schnell räume ich alles wieder in mein Auto, versuche die vielen Fliegen daraus zu vertreiben (ein Königreich für einen elektrischen ‚Tennisschläger‘!)und fahre weiter!
Schon lange vor Adelaide kommen auch hier an der Straße die vielen ‚greenhouses’, also Glas- bzw. Folienhäuser, in Sicht – Gemüseanbau ist hier flächendeckend angesagt! Es ist zwar ein trockenes Land, aber für die Bewässerung dieser ausgedehnten Felder scheint das Wasser zu reichen! Ich frage mich, wie das in den letzten Jahren bei der großen Dürre hier gelaufen ist!
Ehe ich mich versehe, bin ich wieder in der Stadt – natürlich habe ich meinen Stadtplan in dem Gepäck, das ich bei Ian und Rosalie zwischengelagert habe! Also muß ich in den sauren Apfel beißen und mir an der nächsten Tankstelle wieder einen kaufen – allerdings hat dann erst die übernächste einen vorrätig! Ich habe mich für die nächsten beiden Nächte nämlich in einem Hostel in Glenelg, einem der Bade-Vororte von Adelaide, eingebucht! Aber nicht wegen des Badestrandes (so stelle ich mir ‚Malle’ vor!), sondern weil es quasi um die Ecke vom Flughafen ist, von wo ich übermorgen nach Sydney fliegen werde.
Das Hostel finde ich gut, auch wenn es ein ganz schön langer Weg durch die verschiedenen Vorstädte von Adelaide ist! Neben mir fährt ein uralter Käfer und vor mir sehe ich den ersten Skoda während meiner Australien-Rundreise, einen ‚Superb‘! Darüber bin ich nun doch ein wenig erstaunt, bis ich neben dem Nummernschild eine kleine deutsche Flagge entdecke – ach so, deshalb!
Mitten in Glenelg ist ein uraltes großes Bürgerhaus, das nun in unzählige verwinkelte Dormitory-Zimmer umgebaut wurde, mein Quartier für die nächsten beiden Nächte. Ich habe Glück und bekomme ein Bett in einem 4-Bett-Zimmer, in dem neben mir aber nur eine Schweizerin (es sind wirklich viele SchweizerInnen hier unterwegs!) zu Gast ist! Ich räume schnell fast alles aus dem Auto ins Zimmer, denn später ich will noch bei Familie Roberts vorbei fahren und meine eingelagerten Sachen abholen!
Als ich gerade fertig damit bin und mich in den Aufenthaltsraum setze, um meine Mails zu kontrollieren, klingelt mein Telefon! Oh, mein Gott – hoffentlich nicht wieder eine schlechte Nachricht! Denn eigentlich bekomme ich hier ganz selten Anrufe, meine australische Mobilnummer kennen garnicht viele Menschen! Es ist auch eine ganz fremde Stimme und auch ein fremder Name – eine Freundin von meiner Gastgeber aus Bunbury in Western Australia ist dran! Einigermaßen sprachlos kann ich erst garnicht reagieren uf das, was sie mir erzählt – ich bekomme eine Einladung zu einem Familienfest in Neuseeland!!! Sie hatte bei einem Telefonat mit ihrer Freundin erfahren, daß ich Weihnachten ganz allein verbringen würde und das geht doch nicht! Sie und ihre erwachsenen Söhne fänden es deswegen sehr schön, wenn ich mit ihnen feiern würde. Ich solle mir das einfach überlegen und dann kurz Bescheid sagen – sie würden sich sehr freuen, wenn ich käme!
Was soll man dazu sagen? Auf jeden Fall ‚Adieu‘ zu meinen Plänen, Weihnachten in einem ‚fancy‘ Hotel in Auckland zu verbringen und mich dort zwei Tage lang ohne Rücksicht auf meine Finanzen so richtig verwöhnen zu lassen! So eine Einladung kann man doch garnicht ausschlagen, oder? Nach einer garnicht allzu langen Bedenkzeit schreibe ich eine Mail mit meiner Zusage und freue mich darauf, mal ein Weihnachtsfest mitten im Sommer und trotzdem mit ‚Familie‘ zu erleben!

Jetzt wird es aber höchste Zeit, mein restliches Gepäck abzuholen. Die Freude ist groß bei Rosalie, als ich plötzlich vor der Tür stehe. Bei einem Glas Wein muß ich erzählen, wie es mir so ergangen ist in der letzten Woche. Viele der Plätze, wo ich war, kennt sie natürlich auch und so gibt es jede Menge auszutauschen! Bevor es jedoch ganz dunkel wird, mache ich mich wieder auf den Rückweg – es fährt sich ein unbekannter Weg durch eine Stadt doch einfacher, wenn es noch ein wenig hell ist. Gut versorgt mit einer Riesentüte voller frisch geernteter Aprikosen aus dem eigenen Garten und mit einer festen Umarmung von Rosalie fällt mir der Abschied aber gar nicht so leicht!
Ich finde ohne Probleme wieder zurück und glücklicherweise auch einen Parkplatz um die Ecke des Hostels (in Australiens Städten sind sie ziemlich rigoros mit Parkverboten und den Strafzetteln dafür!)! Nach einer schnellen Dusche falle ich todmüde ins Bett!

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