1. Schulwoche

Montag, 7.2.2011
Nach einem schnellen Frühstück und Dianas Instruktionen für das richtige Abschließen des Hauses und die Benutzung der Subte geht es los! Ich kann auch – oh Wunder – an der ‚Boleterìa‘, dem Fahrtkartenverkaufsstand, mit meinem 100-Peso-Schein die Magnetkarte von Diana mit nur 20 Pesos (das Symbol für Pesos ist hier witzigerweise das $-Zeichen!) aufladen. Das reicht aber ihrer Meinung nach bestimmt für 1-2 Wochen! (20 Pesos sind etwa 4€!!). Das Bahnsteig-Drehkreuz zeigt mir dann für eine Fahrt auch nur 1,50$ an, also etwa 20 Cent!
Die Subte hält um die Ecke der Schule und ich bin viel zu früh dran. Da ist Zeit, um mich mich Nadja, der jungen Dame, mit der ich in den letzten Wochen und Tagen heftigst ge-emailt habe, bekannt zu machen und mir in Ruhe die Schule und das Kommen und Gehen dort anzuschauen!

ich werde in eine Klasse eingeteilt, in der neben mir noch Lucia aus der Schweiz, Gyr aus Norwegen und ein junger Mann, Pawel aus Polen, sind. Unsere Lehrerin Andrea ist sehr jung, aber eine sehr lebendige Person (sieht ein wenig wie unsere ‚römische Laura‘ aus)! Wie ich schnell merke, sind zumindest die beiden anderen Frauen keine ‚absolute beginners‘ – Lucia spricht italienisch (sie hat eine italienische Mutter) noch hat auch schon ein paar Privatstunden im Vorfeld genommen, Gyr lebt und arbeitet seit Jahren in Rom und spricht ebenfalls mehr als fließend italienisch… Entsprechend schnell geht Andrea voran!
Das Ergebnis dieser ersten 4 Stunden sind: Alle Personal Pronomen, die Zahlen bis 100, die Kunjugation von haben, sein und 4 regelmäßigen Verben und dazu 167!!! Wörter, abgesehen von den üblichen Phrasen, wie bitte, danke, Guten Tag etc.! Was immer ich davon morgen noch wissen werde…
Völlig geschafft mache ich mich gegen 2h auf den Heimweg und falle dann erstmal in einen Ohnmacht-ähnlichen Mittagsschlaf, ehe ich mich zu meinen Hausaufgaben aufraffe! Bis ich die dann erledigt habe, ruft mich Diana schon wieder zum Essen: ‚Empanadas con Hortalizas y Ensalada Mixto‘, wie in den vergangenen Tagen auch heute wieder ein absoluter Traum – bloß gut, daß ich mittags vorsichtshalber schon immer nur einen Kaffee und ein Stück Obst habe! Nach einer angeregten Unterhaltung und nachdem mir Diana noch die neuen Kleidchen gezeigt hat, die sie in den letzten Tagen für ihre kleinen Enkeltöchter genäht hat, gehen wir bald zu Bett.
Da meine Gastgeberin eine für Argentinien ganz untypische ‚Frühschläferin‘ und ‚Frühaufsteherin‘ ist, ist jeden Tag spätestens um 9h ‚bedtime‘ – fast wie in Süd-Kalifornien :-)! Aber dadurch bleibt mir auch das sonst erst zwischen 9h und 10h übliche Abendessen erspart…

Dienstag, 8.2.2011
Ob ich diesen Kurs bis zum ‚bitteren Ende‘ durchhalten werde, steht in den Sternen – ich habe das Gefühl, ich kann mir überhaupt nichts merken – heute waren es 227 Wörter!!! plus 8 neue Verben, dazu jede Menge ‚Verwandtschaftsverhältnisse‘! Jetzt weiß ich immerhin, daß ich ‚dos hijos‘ habe und ‚tres nietas‘, daß ich eine ‚abuelo‘ bin und bereits ‚jubilado‘, daß ich keine ‚hermanos‘ habe, dafür aber ’seis cunados‘ (wenn auch nur Ex-!), ‚cuatro primos‘, ‚uno (ex-) esposo‘ und ‚cinco sobrinos‘ ! Wen’s interessiert, das bedeutet (in der genannten Reihenfolge): zwei Kinder, drei Enkel, Oma, Rentnerin (das gefällt mir am besten, hört sich ein wenig wie ‚jubilieren‘ an!), Geschwister, sechs Schwägerinen/Schwager, 4 Cousins/Cousinen, einen Ex-Ehemann und 5 Nichten/Neffen! Na, das war doch die ganze Anstrengung schon wert :-)!

Nachdem ich wohl so einen erschöpften Eindruck bei meiner Lehrerin gemacht habe, erläßt sie uns heute die Hausaufgaben! Da nutze ich den freien Nachmittag doch gleich, um meinen ersten Museumsbesuch zu machen! Das ‚Museo Nacional de Arte Decorativo‘ ist mein Ziel und für einen kleinen Lunch erst der Garten des dortigen Museumscafés!

Obwohl das Museum direkt an der großen Avenida del Libertador liegt, ist es eine Freude, hier im Garten zu sitzen und sich einen köstlichen Salat schmecken zu lassen! Aber dann wird es ‚ernst‘ – das Museum will ‚erobert‘ werden! Es war ursprünglich das Wohnhaus der Familie ‚Errázuriz Ortúzar Alvear‘ (von 1901-1917), die es dann – mitsamt fast dem vollständigen Mobiliar und einem Großteil der ‚Sammlungen‘, die dort zusammengetragen wurden, dem argentinischen Staat geschenkt, vermacht, verkauft (?) hat!
Einerseits mehr als beeindruckend, was für ein Palast das war (die Familie bestand aus Vater, Mutter, einem erwachsenen Sohn und 47! Hausangestellten) und welche Ausmaße vor allem alles im ‚Empfangsbereich‘ hatte!
Andererseits lassen einen die ‚Sammlungen‘ einigeraßen gruseln – alles, was gegen Geld zu haben war, wurde dort vereint: Eine Rodin-Plastik neben einem riesige Kamin (ein Erwachsener kann aufrecht darin stehen!), der aus dem Katalog bestellt wurde, schwülstige Ölbilder neben einem wunderschönen kleinen Gemälde von Manet, römische Plastiken neben Sammeltassen der verschiedensten europäischen Manufakturen (auch zwei aus Meißen) und zahllose Porzellangegenstände aus China! Insgesamt sollen es über 4000 Artefakte sein, die dort ausgestellt sind!
Was mir gut gefallen hat, waren die Räumlichkeiten! Sehr schöne Grundrisse, viele Fenster, wunderbare Holzfußböden mit teilweise Einlegearbeiten und zum Teil sehr hübsche Möbel.
Insgesamt war es den Besuch wert – war auf jeden Fall mehr als amüsant! Hat mich ein wenig an ‚Hearst Castle‘ erinnert – Hauptsache teuer! – und da es heute, am Dienstag, keinen Eintritt gekostet hat, kann ich auch nicht wirklich meckern :-)!

Auf dem Weg zurück verirre ich mich ein wenig! Die Busse in Buenos Aires fahren leider nicht hin und zurück immer auf den gleichen Strecken. Das hängt wohl hauptsächlich damit zusammen, daß es viele, viele Straßen gibt, auch richtig breite und lange, die als Einbahnstraßen ausgewiesen sind! So mußte ich dann erst ein wenig suchen, bis ich einen Bus zurück fand. Busfahren ist übrigens ein richtiges Abenteuer hier: An den Haltestellen muß man winken, ansonsten hält ein ‚Micro Chófer‘ in Buenos Aires garnicht erst an. Um die Zeit, die er durch das Anhalten versäumt hat, wieder aufzuholen, wird sofort Vollgas gegeben und mit teilweise 80 Sachen durch manchmal doch recht schmale und ordentlich frequentierte Straßen gedüst. Wenn dann was im Weg ist – Kreuzungen, Fußgänger, haltende Autos – wozu gibt es die Bremse? Also ordentlich da drauf getreten und schon steht der Bus (und die Fahrgäste liegen fast am Boden oder hängen an den Halteschlaufen!) – hoffentlich!!! Ich wundere mich wirklich, daß es relativ viele alte Leute (ich meine jetzt richtig alte Leute :-)!) gibt, die sich trauen, mit den Bussen zu fahren!
Aber ich habe es überlebt und steige am ‚Congreso‘ um in die Subte. Das ist der Platz, wo das mehr als imposante Kongressgebäude steht, die Heimat des argentinischen Parlaments! Um den Platz herum sind aber noch mehr von ‚hochherrschaftliche‘ Häuser gruppiert, mal mehr oder weniger gut in Schuß!

Ich habe es gerade noch rechtzeitig vor der Rush Hour in die Subte geschafft und kann daheim gleich noch meine Mails checken und meine Schulsachen für morgen vorbereiten, ehe ich mir eine ausführliche Dusche genehmige – es ist Hochsommer in Buenos Aires!
Das Abendessen wie immer ‚maravilloso‘: ‚Trucha con noquis y ensalada de chauchas‘ (Forelle mit Gnocchi und Salat aus grünen Bohnen), dazu heute mal einen Wein aus Mendoza – Halbpension ist gar nicht so schlecht!

Mittwoch, 9.2.2011
Irgendwie fehlt mir richtig die Lust, wieder in die Schule zu gehen :-(! Immer das Gefühl zu haben, der ‚looser‘ zu sein, ist ganz schön ätzend! Ich muß wirklich mit dem Schulleiter sprechen wg. einer ‚Umsetzung‘! Auch das morgendliche Gequetsche in der Subte geht mir ganz schön auf die Nerven! Da ist alles schon dicht gedrängt und bei der nächsten Haltestelle warten nochmal Leute draußen und schwupps! schmeißt sich einer, möglichst großer oder schwerer, der Wartenden mit Karacho in den Wagen und in die kurz entstandene Lücke drängen mindestens 3-4 Leute schnell nach und von draußen wird dann die Tür zugemacht! Daß man innen fast zerquetscht wird und kaum noch Atmen kann, interessiert niemanden! Darüber hinaus läuft einem der Schweiß nur so herunter… Aber irgendwie kann man die draußen auch verstehen – irgendwann wollen die halt auch mal mitkommen. Morgen fahre ich vielleicht erstmal stadtauswärts und steige dann an der Endhaltestelle schon in die Bahn ein – da sollte es dann einen Sitzpatz geben und auf denen ist man ja relativ ’sicher‘!
Der Unterricht iist wie immer – ich verstehe bald so gut wie garnichts mehr! Gott sei Dank weiß ich bei der ‚Visitation‘ heute (Andrea wird überprüft, sie ist ja auch ganz neu) gerade das, was gefragt wird – ich will ihr ja schließlich keine Schwierigkeiten machen, sie kann ja eigentlich nichts dafür! Mittags versuche ich mit dem Schulleiter zu reden, aber es ist in keiner der anderen Anfänger-Klassen ein Platz frei! Zumindest erreiche ich, daß ich nächste Woche nochmal in einer Beginner-Klasse anfangen kann. Wie das Äquivalent für eine mehr oder weniger nichtssagende erste Woche aussehen wird, werden wir dann sehen!
Nach dem Unterricht mache ich mich auf die Suche nach einer Simcard für mein Handy! Leider funktioniert meine AT&T-Karte hier doch nicht – hätte mich auch gewundert! Aber ab und zu habe ich ja doch was zu telefonieren und will nicht immer erst ein Kartentelefon suchen und dann auch noch die richtige Karte dabei haben! Ein etwas schwieriges Unterfangen, so mehr oder weniger ganz ohne Spanisch-Kenntnisse. Eine Simcard zu kaufen, wäre nicht das Problem – aber es gibt hier unterschiedliche Abdeckungen. Welche, die in ganz Argentinien funktionieren, welche, die nur in bestimmten Landesteilen und andere, die sogar nur hier im Großraum Buenos Aires gültig sind. Aber ich möchte ja eine, mit der selbst mit Europa Gespräche oder zumindest SMS möglich wären! Aber wie macht man das einer Verkäuferin oder einem Verkäufer klar, wenn die andererseits kein Wort Englisch sprechen???
Glücklicherweise komme ich dann schlußendlich doch in einen Laden, wo eine junge Frau sehr gut Englisch spricht (auch auch gerade vom Mittagessen zurück kommt!) und mich gut beraten kann! Sie freut sich, daß mal jemand kommt, der so genaue Vorstellungen hat – normalerweise würden die Touristen immer nur zum Beschweren kommen, weil die Karten dann nicht so funktionieren, wie sie sich das vorstellen – ohne vorher gefragt zu haben, ob das mit der ausgewählten Karte (meist die billigsten) überhaupt möglich ist.
Na, wenigstens hier habe ich jetzt mal ein Lob bekommen – tut richtig gut!!!

Als ich nach Hause komme, ist in der Küche ‚Großkampftag‘! Der jüngere Sohn von Diana hat in ein paar Tagen Geburtstag und deswegen ist heute schon mal ein vorgezogenes Geburtstags-Dinner für ihn, zusammen mit seiner Lebensgefährtin und seinem Bruder mit Frau vorgesehen. Die große Geburtstagsfeier findet am Wochenende irgendwo auf einer großen Estancia auf dem Land statt, mit -zig Freunden und Freundinnen – ein Graus für Diana!!! Deswegen heute im kleinen Kreis und ganz gemütlich!
Sie hat einen großen Rinderbraten im Ofen, gemeinsam geschmort mit Pflaumen, Kartoffeln, Maniokwurzeln, Zwiebeln und Äpfeln. Dazu gibt es verschiedene Salate und als Nachtisch einen riesigen Eimer voll mit dem ‚besten Eis der Stadt‘!
Die vier kommen gleich nach der Arbeit hier an – außer Dianas Schwiegertochter sprechen sie jedoch kein Englisch! Es reicht aber so einigermaßen, daß sie mir den Tip geben, morgens einfach erst die erste Bahn nach 9h zu nehmen – die sollte deutlich leerer sein! Na, das werde ich morgen gleich mal ausprobieren!
Das Essen ist wie immer ein Gedicht! Das Fleisch zergeht auf der Zunge und die verschiedenen Obst- und Gemüse-Arten haben sich zu einer einzigartigen Sauce verbunden, die mit den Kartoffeln und dem Fleisch zusammen einfach göttlich schmeckt! Und beim Eis wurde mir nicht zuviel versprochen – in Buenos Aires gibt es zahllose italienische Eishersteller, deren ‚helado‘ von den Einwohnern hier kräftig konsumiert wird – das Eis heute war übrigens von ‚Cadore‘! Solche Namen scheinen international gültig zu sein und für gutes Eis zu garantieren! Und das heute schmeckte genau so gut wie von Sarcletti in München!!

Donnerstag, 10.2.2011
Also heute werde ich das gleich mal ausprobieren mit dem späteren Subte. Sollte ich zu spät kommen, was soll’s! Ich bin also um 9h statt die Tage vorher um kurz vor 9h auf dem Bahnsteig und es ist deutlich leerer. Die Bahn kommt und man kann einfach so reinmarschieren – es ist Platz!!! Es füllt sich zwar weiter bei den nächsten Haltestellen, aber man kann immer gut selbst stehen und wird nicht von allen Seiten in den Schraubstock genommen! Ich bin also die letzten Tage offenbar nur eine Bahn zu früh gefahren :-)…

Ich komme sogar ganz pünktlich in der Schule an! Heute will ich nochmal Genaueres wissen, wie das mit einer Entschädigung aussieht – aber der gute Schulleiter ist heute nicht da! Dafür sehe ich in der Pause einen Anschlag für einen Ausflug am Samstag in das ‚Parana-Delta‘ – mit dem Zug in die Kleinstadt Tigre an der Stadtgrenze und dann mit einem Boot (Wasserbus) weiter bis zu einer Estancia irgendwo im Delta. Dort werden Reiten, Kanu fahren und eine Wanderung angeboten (oder auch nur schwimmen im Fluß oder Faulsein im Liegestuhl), zum Mittagessen ein Asado und vormittags und nachmittags Kaffee- und/oder Teepause. Das alles soll etwa 55€ kosten – da trage ich mich doch gleich mal ein! Ich hoffe nur, daß die Gruppe nicht zu groß wird und das zu einer Massenversanstaltung ausartet.
Der Nachmittag wird heute genutzt, um den letzten Flugabschnitt von meinem Around-the-world-Ticket umzubuchen. Der Flug JFK zurück nach München konnte im letzten Jahr noch nicht an seinem letzten Geltungstag gebucht werden, weil da noch keine Buchungen für die neue Saison möglich waren. Nachdem ich bei meinen schriftlichen Anfragen diesbezüglich im Internet von den Lufthansa-Serviceleuten so unterschiedliche und teilweise geradezu alberne Auskünfte bekommen habe, will ich es heute mal direkt hier bei LH im Stadtbüro versuchen. Das hat bei allen andere Airlines bisher immer sehr gut geklappt. Bei Aerolineas Argentina (deren Büro ist gleich um die Ecke zur Schule) lasse ich mir die Adresse und Telefonnummer des LH-Büors geben, die Sekretärin in unserer Schule erklärt mir, welchen Bus ich nehmen soll und auf geht’s wieder zu einer kleinen ‚Stadtrundfahrt‘. Ich komme auch am richtigen Gebäude an – aber leider, leider, es gibt hier kein Passagier-Büro mehr, nur noch für Fracht! Aber der freundliche Pförtner gibt mir eine Service-Telefonnummer, wo ich anrufen könnte. Na ja, sooo überzeugt bin ich ja davon wieder nicht, aber ich rufe trotzdem von der Lobby aus gleich dort an (bloß gut, daß das gestern mit dem Handy geklappt hat!) und was soll ich sagen – ich habe einen supernetten und äußerst kompetenten Service-Mitarbeiter an der Leitung, der auch ein vorzügliches Deutsch spricht: Daniel Gonzalez! Daniel nimmt sich meiner Sache an und in relativ kurzer Zeit hat er das Ticket umgebucht auf den 13.Juli 2011, läßt sich meine E-Mail-Adresse geben und will mir diese Änderung auch noch schriftlich mitteilen! Na, das ging ja mal fix – und weit weg von den deutschen ServicemitarbeiterInnen der Lufthansa!!!
Als ich das Haus wieder verlasse, sehe ich erst, daß ich mich am anderen Ende der ‚Florida‘ befinde, der Einkaufsstraße. Also beschließe ich, den Weg zurück bis zu meiner Subte zu Fuß zu gehen!
Es ist, obwohl erst Donnerstag, ziemlich voll überall! Zwischen den Passanten tummeln sich zahllose Verkäufer von Dingen, die der Mensch nicht unbedingt braucht, eine Reihe von Indio-Kunsthandwerkern und auch ein paar ‚Kleindarsteller‘ – letztere den Passanten eine hochwillkommene Abwechslung!

Allerdings sieht man der Straße an, daß ihre besseren Tage inzwischen vorbei sind. Es stehen viele, viele Geschäfte leer – u.a. auch das Haus, in dem früher ‚Harrod’s‘ residert hat, oder die „Pest der modernen Zeit“ geht um – die überall gleichen Kettenläden, die überall auf der Welt das Gleiche anbieten!!!
Nur in den ‚Galerias Pacificio‘, einer riesigen Mall, die vor nicht allzu langer Zeit in einem komplett entkernten Altstadt-Block eingerichtet wurde, sieht es noch so aus wie früher wohl in der ganzen Straße – ein teuerer Laden neben dem anderen, aber selbst hier angeführt von den internationalen Ralph Laurén, Gucci, Swarowsky und Konsorten! Da darf man gespannt sein, wie lange das sich halten wird! Aber es gibt ja genügend ganz reiche Leute in Buenos Aires…

In einem kleinen Sport-Laden kaufe ich dann ein Fußball-Trikot von ‚Messi‘ für Yannick – ich wollte wenigstens eins der einheimischen Geschäfte ein wenig unterstützen. Dort wurde mir das Hemdchen sogar in Geschenkpapier eingepackt…
Daheim warten schon ‚Empanadas‘ auf mich – mit Gemüse, Beef oder Hühnchen gefüllt! Zusammen mit einem Riesenteller Salat eine wirklich tolle Sache!

Freitag, 11.2.2011
Als ich heute morgen aus dem Haus trete, ist gegenüber zwischen zwei Bäumen ein Transparent mit einer Liebeserklärung gespannt, offenbar an eine Frau im Nebenhaus gerichtet! Es ist zwar noch ein wenig früh für Valentinstag, aber die Idee finde ich wirklich rührend!

Ich bringe jetzt das erste Mal Wäsche in die Wäscherei. Diana hat mir das empfohlen, weil es so billig wäre, daß sich das Selberwaschen wirklich nicht lohnen würde!
Und tatsächlich – mein Sack voll als normale Wäsche, die bis morgen mittag (Samstag!) fertig wäre, würde 12$ kosten, also gerade mal 2,50€. Da ich jedoch ein paar der Sachen morgen für den Ausflug schon brauche, kann ich ‚express‘ in Auftrag geben, das bekomme ich heute abend um 6h wieder und kostet dann 20$, also etwa 4€!
Die Schule ist heute überraschend easy, wahrscheinlich die Erleichterung darüber, daß ich am Montag nicht mehr in diese Klasse muß! Lucia fehlt heute, sie hat sich wohl von der Klimaanlage eine Erkältung eingefangen! Gyr ist den letzten Tag da – sie wird am Wochenende weiter nach Uruguay fahren!
Gleich nach der Schule muß ich zur örtlichen SERVAS-Repräsentantin, die Host-Directories für Argentinien, Bolivien, Peru und Mexico abholen. Voraus gegangen ist dem ein endloser Mail-Wechsel bzgl. der merkwürdigen Praktiken des argentinischen Verbandes: Es werden hier keine Directories getauscht (ich habe ja die von Hongkong, Australien und Neuseeland noch bei mir), wie ich das von SERVAS Deutschland gesagt bekommen habe (und wie es auch in USA gemacht worden wäre). Es wird hier also wieder eine neue ‚Leihgebühr‘ berechnet, die man allerdings normalerweise am Ende der Reise, wenn man die Directories wieder zurück gibt, normalerweise wieder erstattet bekommt. Nicht so in Argentinien – hier wird das einbehalten (nennt sich ‚Bitte um Unterstützung für den Verein‘ oder so ähnlich) und dazu muß man auch noch extra für die Kopien bezahlen (es gibt nämlich keine Directories als gebundene Ausgabe, sondern es werden jedesmal wieder neue Kopien gemacht – die dann behalten werden und fröhlich die Runde machen können (auch bei Nicht-Mitgliedern von SERVAS), was ja eigentlich so von SERVAS International nicht gerade gedacht ist! Aber selbst unter dem Gesichtspunkt ‚Umweltschutz‘ wäre gerade bei SERVAS in einem Land in Süd-Amerika ein Überdenken angebracht! Aber die hiesige Koordinatorin wurde dann richtig pampig, als ich deswegen nachgefragt habe – hinterließ einen merkwürdigen Beigeschmack!
Diese Dame wohnt im hintersten Palermo – eine kleine Weltreise von der Schule aus. Andererseits aber ein Ausflug, den ich sonst sicher nicht unternommen hätte! Ein Viertel, wo so gut wie überhaupt kein Tourismus stattfindet, wo man gut sehen kann, daß sich viele Einwanderer aus unterschiedlichsten Ländern niedergelassen haben. Eine kleine Platanen-Allee mit Kopfsteinpflaster und Häuschen am Rand, deren Fenster- und Türrahmen mit klobigen Sandsteinbrocken eingefaßt sind, erinnert mich an deutsche Städte aus den 30er Jahren. Als ich einen Mann nach dem Weg fragen möchte und erst einmal frage, ob er wohl Englisch spricht, kommt als Gegenfrage ‚where do you come from?‘. Als ich antworte ‚from Germany‘ fragt er mich ganz strafend ‚…und warum sprechen Sie dann nicht deutsch?‘, und zwar in akzentfreiem Hochdeutsch!!! Er erklärt mir den Weg, bringt mich – ganz Kavalier der alten Schule – noch über die viel befahrene Straße und wünscht mir noch viel Spaß in Argentinien („Fragen Sie die Leute unterwegs immer erst, ob sie deutsch sprechen – das können hier mehr als Englisch“!).
Die ‚Koordinatorin‘ ist eine junge Frau, die offensichtlich etwas erschrocken ist, als sie mich gestandene Person vor sich hat. Sie hatte mir nämlich in einer ihrer Mails frech geschrieben ‚da Du offenbar keine Ahnung von den Gepflogenheiten bei SERVAS hast, solltest Du nicht so dumme Fragen stellen“, als ich danach erkundigt hatte, warum ich für die Directories und dann nochmal extra für die Kopien bezahlen sollte… Jetzt ist sie plötzlich ganz süß-freundlich und kleinlaut – nicht mal meinen SERVAS-LOI will sie jetzt mehr sehen!
Nun bin ich Eigentümerin eines Riesenstapels DIN-A-4-Papiers, ziemlich unhandlich! Werde mir erst mal einen Kopierladen o.ä. suchen, wo sie mir das vielleicht verkleinern und leimen können, damit ich es besser transportieren kann!

Aber genug dieser unerfreulichen Begebenheit. Durch weitere kleine Straßen in Palermo gehe ich langsam wieder zurück zur Hauptstraße, um mir einen Bus fangen zu können. Da komme ich auch wieder einmal an einer Straße vorbei, in der ein Handarbeits- bzw. Wolle-Laden am anderen ist. Das ist mir schon einige Male aufgefallen, daß Läden mit dem gleichen oder sehr ähnlichen Angebotsspektrum direkt nebeneinander in einer Straße existieren – Konkurrenz belebt das Geschäft???

Samstag, 12.2.2011
Heute ist das erste ‚Abenteuer‘ angesagt – ein Ausflug in das Parana-Delta kurz hinter der Stadtgrenze von Buenos Aires!
Das Parana-Delta ist eins der ganz großen Süßwasser-Deltas der Welt. Es war früher (und wird es jetzt auch wieder!) DAS Naherholungsgebiet der ‚High Society‘ von Buenos Aires! Es ist nicht bekannt, aus wievielen Flußarmen das Delta gebildet wird – es erstreckt sich etwa über 14.000 qkm! Es ist das einzige Flußdelta weltweit, daß sich nicht in ein Meer ergießt, sondern in einen anderen Fluß – den Rio de la Plata! Jahr für Jahr werden vom Rio del Parana etwa 200 Mio. to Sediment aus den Ursprungsflüssen und von unterwegs mitgeführt – daher ist der Fluß stets von brauner Farbe! Er ist jedoch ’sauber‘ im hygienischen Sinn und viele der Wochenend-Urlauber nutzen ihn ohne Probleme zum Schwimmen!
Das Delta teilt sich grob in drei Teile auf: Das ‚Lower Delta‘, das nächste zu Buenos Aires, das ‚Middle Delta‘, das landwirtschaftlich vor allem für den Anbau von Pappeln und Weiden genutzt wird (daraus werden Körbe und anderes geflochten, das Holz wird für die Papierherstellung gebraucht) und das ‚Upper Delta‘, das noch relativ unberührt ist. Ich fahre heute bis zum Anfang des ‚Middle Delta‘ auf die ‚Estancia Bonanza‘, wo ich den ganzen Tag verbringen werde! Ich bin neugierig, was mich dort erwarten wird – habe so gar keine Ahnung davon!
Vorher hieß es jedoch ungewöhnlich früh aufstehen – schon um 8.15h ist Treffpunkt im Bahnhof in Retiro! Ich bin dann aber viel zu früh und habe noch Zeit, mir ein wenig den Bahnhof und die Umgebung anzusehen. Weit in die Umgebung gehe ich jedoch nicht – die sieht nicht so richtig vertrauenverweckend aus…


Kurz nach 8h kommt der zweite Teilnehmer von der Schule, Oliver, ein junger Schweizer, zum Treffpunkt und mit nur 5 Min. Verspätung (das ist ja hier eigentlich gar keine Verspätung!) dann auch unser Guide Sebastian Markus – er sieht nicht nur ganz deutsch aus, sondern ist es auch fast, seine Großeltern kamen aus der Schweiz und er spricht noch sehr gut Deutsch. Wie sich herausstellt, sind Oliver und ich beiden die einzigen Teilnehmer heute – das ist doch mal eine gute Nachricht am Morgen!

Sebastian besorgt noch schnell die Fahrkarten, der Zug steht schon am Bahnsteig bereit. Wir haben zwar nur etwa 30 km zu fahren, freuen uns aber doch über Sitzplätze, da die Fahrt etwa 1 Stunde dauern wird. Unterwegs haben wir viel zu erzählen, ich frage Sebastian auch gleich noch etwas wegen Patagonien aus und im Nu ist die Stunde vorbei und wir sind in Tigre! Es sieht alles sehr beschaulich hier aus, aber Tigre hat immerhin etwa 300.000 EW, ist also sooo klein auch wieder nicht.
Ein kurzer Fußmarsch bringt uns dann zum ‚Busbahnhof‘, wo die Linienschiffe ins Delta abfahren! Hier wird überhaupt alles per Schiff erledigt – ‚Busse‘, ‚Taxis‘, Müllabfuhr, Einzelhandel Pizzadienst – alles geht nur per Schiff! Auf den einzelnen Flußläufen bzw. Kanälen geht es dann auch dementsprechend zu! Manchmal sieht es allerdings auch ein bißchen beschaulicher aus, ein wenig wie die Kanäle in holländischen Städtchen.

Sebastian versorgt uns mit den Schiffskarten und wir trinken schnell einen Kaffee im ‚Alpenhaus‘ zum zweiten Frühstück und dann müssen wir uns in die lange Schlange an der ‚Bushaltestelle‘ einreihen. Es geht aber doch überraschend schnell und das ‚Busboot‘ nach Bonanza fährt auch als erstes los! Vorher eröffnet uns Sebastian noch, daß wir den weiteren weg jetzt alleine antreten werden. Ehe wir noch irgendwas fragen können, legen wir auch schon ab!
Am Anfang noch auf dem breitesten Flußlauf, der auch am Hafen vorbei führt. Hier liegen richtig große Frachter zum Ent- und Beladen vor Anker. Bald aber biegen wir schon ab in einen Nebenkanal. Hier kann man mehr als deutlich sehen, daß sich auch schon in früheren Jahren die richtig reichen Leute aus Buenos Aires ihre Sommevillen gebaut haben. Regelrechte Paläste säumen den ersten Teil der Wasserstraße und dazwischen immer wieder großartige Vereinshäuser von diversen Rudervereinen! Allerdings sieht man hin und wieder auch leerstehende Häuser, die dem Verfall preisgegeben wurden. Es stehen auch viele Häuser zum Verkauf – das sollte wohl nicht so schwer sein, denn seit einigen Jahren wird es mehr und mehr in, sich wieder ein Wochenend- oder Ferien-Haus im Delta zuzulegen. Allerdings wird wohl auch allerhand Geld in diese alten Bauten zu investieren sein, damit sie den heutigen Ansprüchen genügen!
Langsam werden die Häuser kleiner, manchmal ist es nur eine Hütte – aber stets mit einem relativ großen Steg davor. Der Steg wird nicht nur zum Ein- und Aussteigen aus den Schiffen genutzt, sondern ist für viele der Familien hier das ‚erweiterte Wohnzimmer‘, wo sie mit ihren Mate-Bechern sitzen und dem Treiben auf dem Wasser zuschauen!
Und dann biegen wir nochmal in einen kleineren Seitenarm ein und jetzt legt das Boot hin und wieder auch schon an. Bzw. anlegen eigentlich in dem Sinne nicht richtig – der Bootsführer fährt so nahe wie möglich an den Steg, sein Partner am Heck legt eine Sicherungsleine um einen Pfosten und hilft mit der anderen Hand beim Aus- oder Einsteigen! Sobald der letzte Fahrgast seinen Fuß vom Boot genommen oder in das Boot gesetzt hat, geht es auch schon weiter!
Wir wissen eigentlich nicht, wo wir aussteigen sollen – Sebastian hat uns nur gesagt, daß uns eine blonde Dame ‚abholen‘ wird. Also schauen wir bei allen Haltestellen, da gibt es auch mal eine Blonde, aber zwei junge Männer rufen da gleich „Mama, Mama“ – also das ist sie offensichtlich nicht.
Aber irgendwann wird eine Haltestelle ‚Bonanza‘ ausgerufen und da steht dann auch eine jüngere blonde Frau und neben uns steigen noch ein paar wenige Leute aus, die den Tag auch hier verbringen möchten! Schon am Steg stehen Kaffee, Tee und Kuchen bereit und es gibt gleich eine kurze Einführung, wie der Tag so aussehen könnte. Wir beide entscheiden uns für das Kanu-Fahren am Vormittag und die Wanderung am Nachmittag. Aber erstmal schaue ich mich hier ein wenig um – es ist ja der reinste Bauernhof hier (vom tollen Haus mal abgesehen!).
Es gibt wirklich alles: Hühner, Hähne, Küken, Truthühner, Pferde, Schafe… Nur die ‚tote Kuh‘ für das versprochene Asado wird scheinbar von irgendwo hierher gebracht :-)! Überall stehen kleine Tischchen und Stühle verteilt, dazwischen Liegestühle und zwischen den Bäumen einzelne Hängematten! Was für ein Idyll!

Nach einem gemütlichen Tee sammelt der Hausherr dann die 4 Gäste ein, die mit ins Boot wollen. Es sind richtige Kanus mit Stechpaddeln – sowas habe ich ja noch nie gemacht. Oliver und ich werden in ein Boot zusammen gesetzt – Oliver hat sowas auch noch nie gemacht!!! In das andere Boot kommt ein junges Pärchen aus Brasilien und unser guide! Das Einsteigen geht schon mal ohne Probleme und eigentlich ist auch die weitere Fahrt überraschend leicht – solange es geradeaus geht! Das ‚um-die-Kurve-paddeln‘ müssen wir noch ein wenig üben. Als jedoch ein einsamer Pfahl mitten im Wassser aufragt und wir ’stangerlgrad‘ darauf zu halten, gelingt es uns doch, kurz vorher noch die ‚Kurve zu kratzen‘ und danach haben wird das Kurvenpaddeln dann auch raus! Aufpassen muß man besonders, wenn einem ’schwimmende Inseln‘ entgegen kommen – Liliengewächse, die sich nur von den Sedimenten im Wasser, vom Wasser selbst und der Luft ernähren!
Etwa eine halbe Stunde paddeln wir so dahin, immer wieder mal überholt von Motorbooten oder ‚Bussen‘ (die unsere Boote ordentlich zum Schaukeln bringen!), dann biegen wir in einen ganz schmalen Wasserlauf ab, der sich zu einer großen Lagune weitet! Ein wirklich schönes Plätzchen für eine kleine Pause, bevor es wieder zurück geht! Wir bekommen ein großes Lob von unserem guide, wie gut wir alles gemacht hätten und sind richtig stolz auf uns.
Dann drehen wir die Boote um (ja, das können wir jetzt auch schon!) und fahren wieder auf den schmalen Kanal zu. Kurz vor der Einmündung in den Hauptfluß kommt uns dann ein kleines Fischerboot entgegen. Wir weichen dem gekonnt bis fast ans gegenüberliegende Ufer aus, werden dort jedoch von zwei wütendenden Dobermännern empfangen, die zähnefletschend offenbar nur darauf warten, daß wir nahe genug ans Ufer kommen. Wir wollen uns ein wenig vom Ufer abstoßen, machen das aber zu stark oder setzen auch die Paddel zu weit oben an und – hastdunichtgesehen – liegen wir auch schon beide im Wasser. Als wir wieder auftauchen, ist die Besitzerin der Hunde da und hat die beiden fest am Halsband und ruft Gottseidank unserem guide hinterher, daß wir gekentert sind – der war schon um die Kurve und hatte garnichts mitbekommen! Als wir dann unser Boot umdrehen, springt uns auch noch ein relativ großer Fisch entgegen – wir hätten also beinahe unser Mittagessen selbst gefangen :-)! Da das Wasser warm ist, war das Unglück nicht zu groß – der guide legt das Boot an und hilft uns, aus unserem das Wasser zu schütten! Es ist nur sehr ärgerlich, daß ich meinen Fotoapparat natürlich dabei hatte (und der jetzt wieder mal ein ‚Raub des Wassers‘ ist!) und der auf Nimmerwiedersehen in der trüben Brühe verschwunden ist!!! Also einen Fotoapparat sollte ich nie mehr auch nur in die Nähe von Wasser bringen… Aber es war glücklicherweise der kleine, nicht meine gute Canon! Noch ärgerlicher war das Ganze, das ich schon einige wirklich schöne Fotos von der Tour gemacht hatte. Oliver hat seine Sonnenbrille bei dem Abentuer eingebüßt, meine ist immerhin fest auf meiner Nase sitzen geblieben! Später merke ich, daß ich neben meinem Geldbeutel auch mein Handy in der Hosentasche hatte und Ersatzbatterien für die Camera! Doch das läßt sich alles ‚reparieren‘ – das Handy wird bei der Rückkehr von der Köchin in den warmen Backofen gelegt, die Batterien kommen in die Sonne, die nassen Geldscheine und vor allem meine Fahrkarten für die Rückfahrt werden in einem Buch ‚gepreßt‘ getrocknet! Bin ich froh, daß ich meinen Pareo aus Rarotonga noch eingesteckt hatte – jetzt kann ich meine nassen Kleider ausziehen und, über den nächsten Rosenstrauch ausgebreitet, bis nachmittags trocknen lassen und kann mich trotzdem auf dem Grundstück bewegen. Nur auf die Wanderung muß ich leider verzichten, aber ich vertreibe mir die Zeit mit Lesen!
Aber erst einmal gibt es ein leckeres Asado („sprich zu einem Argentinier nie von einem barbecue!“), das während des Vormittags über einem großen Gluthaufen vorbereitet wurde! An jedem Tischchen steht ein kleiner ‚Ofen‘, auf dem das Fleisch warmgehalten wird. Dazu gibt es Weißbrot, eine wunderbare selbstgemachte Salsa und einen leckeren Salat! Mit großem Appetit verspeisen wir unsere Portion und müssen leider verneinen, als uns noch ‚Nachschlag‘ angeboten wird! Aber es kommt auch noch Nachtisch in großer Auswahl – ich beschränke mich auf einen Obstsalat, mein Tisch-Nachbar hat ein Tiramisu und wir freuen uns jetzt beide auf den Kaffee!
Der Nachmittag vergeht sehr relaxt mit Lesen, ein bißchen den Kindern beim Schwimmen zuschauen , ein paar Vorführungen des ‚hauseigenen‘ Gauchos und Unterhaltung mit anderen Gästen. Vor allem mit einem älteren italienischen Ehepaar, deren Tochter nach Argentinien geheiratet hat und die hier auf Besuch sind, komme ich ein wenig enger ins Gespräch! Der Mann ist ganz begeistert von diesem Fleckchen Erde hier „In Buenos Aires ist es ja wie bei uns in Napoli, da hätte ich mir den weiten Weg sparen können – aber das hier, das ist wie der siebte Himmel!“ Herrlich!
Als es dann an den Aufbruch geht, ist alles soweit wieder trocken, nur das Handy muß ich daheim doch noch aufmachen und ‚resttrocknen‘. Meine Sachen sehen zwar etwas schmuddelig aus, der Lehm im Wasser hat überall feine braune Streifen hinterlassen, aber bis nach Hause wird es gehen!
Schade, daß ich keine Übernachtung gebucht hatte – heute ist alles voll hier! Ich wäre gerne noch einen weiteren Tag geblieben!
Aber wir müssen mit dem letzten Boot zurück. Eine schöne Fahrt – es wirkt alles so entspannt um uns herum, manchmal fühlt man sich wie auf dem Amazonas! Im letzten Abendlicht erreichen wir Tigre und unseren Zug und ich bin gegen 21h daheim!

Diana macht mir noch mein Essen warm und ich falle todmüde ins Bett – vorher habe ich natürlich noch mein Handy zerlegt und auf der Fensterbank deponiert!

Sonntag, 13.2.2011
Heute ist nur Faulenzen auf der Dachterrasse angesagt – zusammen mit meinem Reiseführer in Argentinien (dem aus Papier!!!). Für die Schule habe ich mal nichts zu tun – ich fange morgen nochmal ganz bei „0“ an!

Apropos: Mein Handy hat den Ausflug ins lehmreiche Wasser des Piranás überlebt – es funktionierte wieder ganz einwandfrei, als ich es heute morgen zusammen gesetzt hatte!

7 Antworten zu 1. Schulwoche

  1. Sohn #2 schreibt:

    Jetzt weißt Du, wie es mir immer in den Französischstunden im Gymnasium ging 😀
    Immer einer der schlechtesten, immer am unteren Rand!

  2. Sohn #1 schreibt:

    …und schau mich an, obwohl Fr. Hofmann sich alle Mühe gegeben hatte und ich in Latein eher unter dem unteren Rand zu finden war (zumindest bei ihr), hab ich trotzdem mein Abitur geschafft (woran man sieht, daß Abitur tatsächlich nicht unbedingt was mit Intelligenz zu tun hat.. :-))).
    Und dein Spanisch kannste dann wenigstens gebrauchen und dabei noch bissi ausbauen.. wann hat unsereinem der ‚Bello Gallico‘ schon mal was gebracht….

  3. TinkaC schreibt:

    Deine erste Woche in Argentinien ist ja wirklich sehr aufregend gewesen! Offenbar konntest Du Dich mal so richtig gut erholen am Wochenende nach dem Stress in der Sprachschule.
    Dass Du leider Deine Kamera verloren hast ist wirklich sehr schade – in Zukunft bringst Du wohl besser keine Kamera auch nur in die Nähe von Wasser, hihi 🙂
    Gottseidank hast Du ja doch noch wunderschöne Bilder machen können mit Deiner Canon, es schaut ja wirklich traumhaft aus.
    Hier in München schneit es übrigens mal wieder, brrr….
    Bin schon gespannt die zweite Woche Deines Aufenthalts zu lesen!
    Liebe Grüße, Kathrin

  4. Toni schreibt:

    Toller Blog! Macht wirklich Spass zu lesen! Direkt als Lesezeichen hinterlegt! Danke für die Mühe!

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