Oregon – der „grünste“ der 50 US-Staaten

Freitag, 5.August 2011

Schon um 6.30h bin ich heute oben in der Küche und kann schnell noch mit meinen netten Gastgebern frühstücken! Sie arbeiten beide in verschiedenen Krankenhäusern – sie ist Krankenschwester in einer staatlichen Emergency und er ist ‚Operationsassistent’ (gibt es eigentlich so was auch bei uns?) in einer chirurgischen Privatklinik! Obwohl sie beide eigentlich Langschläfer sind, arbeiten sie schon seit einigen Jahren täglich von 7h bis 17h – aber nur an 3 bzw. 4 Tagen die Woche abwechselnd – sie haben bewusst stundenreduzierte Stellen und haben so immer 4 bzw. 3 freie Tage pro Woche! Im Sommer stelle ich mir das ganz schön vor – aber hier im Winter, bei Eis und Schnee und relativ langer Dunkelheit? Aber sie finden, so lange Auszeiten dazwischen sind das wert!

Nach einem herzlichen Abschied verschwinden die Beiden und ich packe dann ganz in Ruhe mein Auto! Die Tür kann ich wieder offen lassen – hier würde niemand etwas stehlen! Außerdem passen die Nachbarn auf – beide über 90, aber noch sehr aktiv und auch autofahrend (aber was bleibt ihnen übrig bei den Entfernungen hier…), die wissen genau, wer wohin gehört oder auch nicht :-)!
Ich mache noch schnell einen Schlenker zu einem Platz, wo es ganz viele riesige fleischfressende Pflanzen geben soll, Martha hat mir heute früh den Weg noch beschrieben! Und tatsächlich, das sind wirklich Monsterpflanzen – wahrscheinlich würden die sich nicht mal an einer Hummel oder Hornisse verschlucken:-)! So was habe ich ja noch nie gesehen, noch nicht mal im Botanischen Garten!

Die Straße hinunter ans Meer ist wirklich traumhaft – beim Hochfahren war es ja schon fast dunkel und ich hatte nur Augen für die Straßenbezeichnungen! Jetzt kann ich die teilweise atemberaubenden Aussichten erst so richtig genießen!


Crescent City ist die letzte Stadt in Kalifornien und schon bald passiere ich auf der Küstenstraße die ‚Grenze’! Oregon wird übrigens für mich der 18. von 50 Bundesstaaten der USA sein, die ich bis jetzt besucht habe. Bald sehe ich ein Hinweisschild zum ‚Visitor Center’ , das ich gleich ansteuere.

Eins der ganz tollen Sachen hier in den USA ist, dass es überall diese Besucherzentren gibt – manchmal ganz große, so wie die an den meisten Übergängen von einem Bundesstaat zum anderen oder in den großen Metropolen, manchmal auch nur kleine in den einzelnen Ortschaften. Immer und überall bekommt man reichlich gratis Informationsmaterial – Karten, Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten, Unterkunfts-Verzeichnisse etc. etc. und stets auf dem aktuellsten Stand!
Ich bin hier aber zu früh, sie machen erst um 9.30h auf. Das Gebäude selbst ist jedoch geöffnet, so dass man die Toiletten und hier auch Duschen trotzdem schon benutzen kann!
Ich mache also vorher einen kurzen Strandspaziergang, ist ja auch ganz schön, so früh am Morgen! Überall liegen an den Stränden unzählige riesige ‚Baumleichen’ herum! Sie kommen meist mit den Schmelzwassern der Flüsse aus den Bergen, manchmal gibt es aber auch eine ‚land slide’, die Bäume mit sich reißen und manchmal sind es einfach Opfer von Stürmen, die dann ins Meer getrieben werden. Das Holz könnte sich jeder mitnehmen (soweit es nicht in einem geschützten Bereich, z.B. in einem Nationalpark ist) – und das tun viele. Man muß es halt i.d.R. ziemlich lange trocknen lassen. Aber dafür hat man später eine große Reserve an Holz für die in fast jedem Haus hier vorhandnen ‚fire places’, also offenen Kamine.







Ich sehe auch eine frische Spur im Sand – nur ein sehr großer Hund oder ein Luchs oder doch ein Bär? Gebüsch und Gestrüpp gäbe es hier genug, dass sich wilde Tiere darin verstecken könnten. Ich gehe lieber wieder zurück – zu dieser frühen Stunde ist der Strand menschenleer…

Die Damen im Besucherzentrum sind ausgesprochen freundlich und auf meine Schilderung, wo ich entlang fahren möchte, suchen sie mir entsprechendes Infomaterial zusammen. Nebenbei erfahre ich, dass es hier am Strand tatsächlich Bären gibt – es fließt hier einer der Flüsse ins Meer, der von den Lachsen zum Aufwärtsschwimmen in Berge genutzt wird und da finden sich schon mal Bären am reich gedeckten ‚Tisch’ ein!
Obwohl die drei Damen außerordentlich interessiert an meiner großen Reise sind, muß ich nach einer Weile die Unterhaltung leider abrechen – ich muß ja noch mindestens die Hälfte des Wegs bis in die Hauptstadt von Oregon schaffen!
Als ob sich die Landschaft zum Abschied noch mal in aller Pracht präsentieren wollte – so schöne und wilde Küstenabschnitte durchfahre ich hier!


Ich durchfahre jetzt den „Cape Sebastian State Scenic Corridor“! Dieser Küstenabschnitt hat die steilsten Klippen und tiefsten Flußtäler hier zu bieten! Wunderschön – ich muß mich immer sehr zusammen reißen, damit ich nicht hinter jeder Kurve wieder stehen bleibe, um die wieder neue und noch grandiosere Aussicht zu genießen :-)! Es gibt hier Mengen von Flüssen, die sich aus den Bergen ins Meer ergießen. Jetzt im Sommer sehen die meisten ziemlch harmlos aus – die hohen Brücken darüber zeigen aber, dass sie das im Herbst, Winter und Frühjahr nicht unbedingt sind!
Bald überquere ich sogar die höchste Brücke Oregons, direkt am Meer gelegen! So eine hohe Brücke für so einen kleinen Fluß! Eine geradezu kolossale Küstenstraße – immer wieder gibt es Hinweisschilder ‚View Point’ und dort anzuhalten lohnt sich allemal!






Immer weiter geht es an der ‚Goldküste‘ entlang – flachere Abschnitte wechseln sich stetig mit atemberaubenden Steilküsten ab! Und im Meer davor sind jede Menge große und kleine Felsblöcke zu sehen!





Mal sehen, wie weit ich fahren werde – Sue in Portland erwartet mich ja erst morgen.

Aber auch die kleinen beschaulichen Ortschaften hier lohnen einen kurzen Stopp – es gibt immer wieder mal was zu entdecken und zu bestaunen. Und es gibt so gut wie immer ‚Fred Mayer’, bei dem ich mir meine tägliche Ration Kirschen hole :-)! Soviel Kirschen habe ich wohl noch nie in meinem Leben gegessen, wie in den letzten beiden Wochen – so knackige und große Früchte gibt es aber bei uns auch ganz selten und wenn, dann kosten sie ein Vermögen! Ich kaufe jeden Tag 1-2 Pfund, wasche sie gleich in Freds Waschräumen und dann kann ich sie während der Fahrt einfach so nebenbei weg’schnabulieren’ – köstlich!!!

Auf meinem Weg fällt mein Blick plötzlich rechts der Straße tief unten auf einen riesigen See – offenbar bin ich gerade auf einer ‚Landbrücke’ zwischen zwei Gewässern. Bei nächster Gelegenheit schaue ich mir das genauer an – ein toller Ausblick auf diesen dunkelblauen ‚Spiegel‘!

Zwischendurch sehe ich links und rechts der Straße ein paar Rinderherden grasen – gab es bisher eher selten hier direkt an der Küste! Ob von denen die Milch zu der gesalzenen Butter kommt, die hier in den USA fast ausschließlich angeboten wird :-)?
Irgendwann gibt es auch wieder ein Hinweisschild zu einem Leuchtturm! Vielleicht habe ich hier Glück und kann den mal besteigen! Die Straße führt etwa 5 Meilen in einen State Park hinein, immer an einem relativ breiten Fluß entlang. Dann muß ich das Auto auf einem Parkplatz stehen lassen und den Rest zu Fuß gehen. Eine schöne Wanderung ist das, immer zwischen niedrigen Dünen entlang.

Ja, der Leuchtturm ist geöffnet und es gibt auch einen Ranger, der geführte Touren macht. Der Leuchtturm ist schon von 1896, wurde aber 1939 erst mal außer Dienst gestellt (der Fluß, der hier in der Nähe ins Meer fließt, wurde nicht mehr ‚beaufsichtigt‘ und versandete langsam, war also für die Schifffahrt nicht mehr geeignet). 1979 wurde er als ‚Wissenscenter‘ für Leuchttürme eröffnet, das ‚Flash Light‘ wird nun durch ein Solar-Panel betrieben und dort werden nun sehr anschauliche Touren über Leuchttürme allgemein veranstaltet! Aber leider – ich darf nicht mit! Ich habe nämlich meine Trekking-Sandalen an (wie fast auf meiner gesamten Reise bisher!) und man darf nur mit ‚geschlossenen’ Schuhen hochsteigen! Ich kann das gar nicht verstehen, der Leuchtturm ist nicht soooo hoch und es sind ganz normale Treppen innen – aber ‚it’s law’… Ein wenig traurig mache ich wieder kehrt – die Verkäuferin im angeschlossenen ‚gift shop‘ gibt mir zum Trost aber noch einen Stempel in meinen Pass :-). Ich wandere zum Auto zurück und fahre nach einem kurzen Stück einen Picknickplatz am Fluß an, wo ich mich zum Mittagessen niederlasse!

Die weitere Fahrt ist voller schöner Überraschungen – vor allem gibt es hier zahllose Brücken in allen Größen und Ausführungen!







Vor lauter Schauen und Anhalten zum Fotografieren ist der restliche Nachmittag rasend schnell vorbei und ich muß mich wieder um ein Nachtquartier kümmern. Direkt an der Straße winkt mir ein rotes ‚vacancy‘-Schild zu und ich fahre ein hübsch anzusehendes Motel an: „Ocean Breeze“ – das hört sich doch schon mal gut an. Zwei Zimmer sind noch frei, ich bekomme auch einen günstigeren Preis, weil ich nur allein bin und so beschließe ich, hier heute meine Zelte aufzuschlagen!

Samstag, 6.August 2011

Ja, das war ein guter Entschluss gestern – mein Zimmer war gemütlich und während der Nacht, obwohl direkt am Highway gelegen, auch ganz ruhig! Ich werde relativ früh wach und beschließe, auch gleich loszufahren. Der nächste Ort ist nicht weit, dort möchte ich mir ein nettes kleines Café suchen, wo ich zum Frühstücken einkehren kann! Florence heißt das kleine Städtchen – über eine gewaltige Brücke zu erreichen! Ich finde dort eine kleine Bäckerei im ‚historic center’ (in einem ehemaligen Schuppen), wo man mir ein Sandwich nach meinen Wünschen macht, das ich mir, zusammen mit einer leckeren Latte, gleich an Ort und Stelle schmecken lasse. So gestärkt, kann ich meine Reise fortsetzen!

Kaum „über sieben Brücken“ gefahren, türmen sich am Straßenrand riesige Sanddünen auf – hola, das hatte ich bisher ja noch gar nicht! Dadurch entferne ich mich teilweise bis zu 1 Meile vom Meer – strahlendweißer Sand, teilweise von Gebüsch oder Kiefernwäldern bewachsen, manchmal auch sauber wie frisch gefallener Schnee. Ab und zu sieht man Quad-Fahrer darin herum gasen, manchmal auch Sand Boarder. Witzigerweise fahre ich auch an einer künstlichen ‚Sanddüne’ vorbei – sind schon manchmal witzig, die Amerikaner! Haben Mengen von den tollsten Dünen und bauen sich dann aus Lastwagen direkt daneben ein paar künstliche…



Ab und zu sieht man Quad-Fahrer darin herum sausen, manchmal auch Sand Boarder. Witzigerweise fahre ich auch an einer künstlichen ‚Sanddüne’ vorbei – sind schon manchmal merkwürdig, die Amerikaner! Haben Mengen von den tollsten Dünen um sich rum und bauen sich dann aus Lastwagen direkt daneben ein paar künstliche…

Llange dauert es jedoch nicht mehr und die hohen Sandberge sind wie ein Spuk verschwunden und ich habe die gewohnte Aussicht von hohen Klippen auf eine wilde Küste mit zahllosen vorgelagerten Felsen im Wasser! Auf einem ist sogar eine große Seelöwen-Kolonie angesiedelt.

Ich passiere das ‚Hacetha Lighthouse’ von weitem, es ist ein B&B in Privatbesitz und man darf dort nur als Gast hin. Ich hatte mir das eigentlich für die letzten beiden Nächte hier an der Küste schön vorgestellt – aber da hätte ich jetzt währen der Saison schon 2-3 Monate im Voraus buchen müssen…

Ich bin immer wieder ganz hin und weg von den schönen Gärten hier – gerade bin ich wieder an so einem vorbei gefahren! Welche Mühe die Leute da hinein stecken müssen – denn jeden Herbst und Winter machen die Stürme hier bestimmt alles wieder komplett zunichte.

Bald erreichen ich Newport, die größte Stadt hier in der Gegend. Auch hier fahre ich erst wieder über eine riesige Brücke in die Stadt hinein, unter der die Häuser der darunter liegenden Altstadt wie Spielzeug aussehen!

Diese Alttadt zieht sich an der Waterfront des Flusses entlang, wo auch der Fischereihafen ist und massenhaft Restaurants und Souvenirläden und auch ein großes Aquarium. Das scheint mir hier eine richtige Touristenattraktion zu sein, mir ist es allerdings zu voll.


Ich fahre also wieder hoch auf den Highway #1 und suche mir ein gemütliches Fischlokal zum Mittagessen! Als Parkplatz-Begrenzung haben sie dort alle möglichen Bojen von Fisch- und Hummerreusen aufgehängt – ein absoluter Hingucker!

Mein nächstes Ziel ist der Leuchtturm von Yaquina Head. Er steht auf einem14 Mio. Jahre alten Lavaberg, der sich damals aus dem etwa 500 km entfernten Ost-Oregon bis hierher ergossen hat. Nicht nur das Cap mit dem Leuchtturm, auch die gesamte Küstenregion hier in der Gegend ist schwarzes, durch Erosion in die unterschiedlichsten Formen gebildetes Basaltgestein! Im Leuchtturm werden ein paar Basaltbrocken ausgestellt, die Muscheln etc. enthalten – man muß sich das mal vorstellen! 14 Mio. Jahre alte Muschelschalen! Hier fragt zwar keiner nach meinen Schuhen, aber es steht so eine lange Schlange an, dass ich dann doch auf eine Besteigung verzichte! Vielleicht komme ich ja noch mal hierher :-)!

Nachdem ich ein Stückchen weiter noch eine Weile einem Kite-Surfer zugeschaut habe und jede Menge Drachen an meinem letzten Strandabschnitt gesehen habe, muß ich mich nun endgültig vom Meer verabschieden :-(! In Lincoln City fahre ich endgültig auf die Straße ins Inland, weg von der Küste! Aber ich freue mich auch schon auf Portland und meine Gastgeberin, die auf einem Hausboot wohnt!


Es ist hier alles Farmland um mich herum. Kilometerweite Felder und Gemüseanbauflächen ziehen sich die Straße entlang! Überall sind auch Schilder, die auf Hofläden hinweisen! Einem folge ich und nehme noch ein paar frische Himbeeren und Blaubeeren für heute Abend mit! Es gäbe auch jede Menge wunderbares Gemüse, aber ich weiß ja nicht, was Sue für heute Abend schon vorbereitet hat. Manchmal sehe ich auch Hänge voller Reben – auch in Oregon scheint es Wein zu geben!

Während dieser Fahrt komme ich auch wieder einmal an einem ‚Korrigierungs-Institut’ (Correctional Institute) vorbei – so heißen heutzutage die Gefängnisse hier, früher war Richtung ‚Prison’ ausgeschildert! Ich hatte das schon ein paar Mal gesehen und wurde dann auf meine Frage hin, was das für Institute seien, unter Lachen aufgeklärt!

Links und rechts der Straße sehe ich plötzlich lauter Flugzeuge – ich habe McMinville erreicht, die Heimat der Firma Evergreen! Das ist ein ziemlich großes privates Lufftracht-Uternehmen mit zahlreichen anderen Standbeinen (Weingärten, Logistik, Obstplantagen, Teile für Flugzeuge und Helikopter etc. etc.). U.a. gehört dazu auch das riesige Luftfahrt-Museum mit angeschlossenem Wasserparkt (sehr passend!) und dem größten I-Max-Theater an der Westküste des amerikanischen Kontinents. Das Museum ist dem ehemaligen Presidenten des Unternehmens gewidmet, der auch ein verdienstvoller Pilot in der Air Force gewesen ist (und leider tragischerweise schon mit Ende 30 bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam!). Leider ist dort schon geschlossen, das hätte ich mir gern mal angeschaut!

Bald kann ich schon das erste Mal einen Blick auf den ‚Mount Hood’ werfen, einen der drei Vulkane hier in Oregon und das „Wahrzeichen“ von Portland! Die schneebedeckte Spitze scheint im Himmel zu schwimmen! Ein herrlicher Anblick und das Zeichen, dass es nun nicht mehr weit ist.

Kurz vor Portland sehe ich dann noch eine Straße, speziell für meine Jungs! Was für Erinnerungen kommen bei diesem Namen auf…

Die Beschreibung von Sue funktioniert wunderbar – bis unmittelbar vor ihrem Haus. Ich kann es von der Straße, wo ich stehe, schon „das Haus mit dem grünen Dach“ sehen, aber die Straße ist eine Sackstraße (sie führt nur als Einfahrt zum Ruderclub weiter), weit und breit nicht der angekündigte Parkplatz! Also rufe ich sie kurz entschlossen an und sage ihr, wo ich bin. Total richtig bin ich – der Parkplatz gehört dem Ruderclub und Gäste der Hausboot-Eigentümer dürfen dort auch parken. Erleichtert fahre ich dann das letzte Stück und als ich aussteige, kommt mir Sue auch schon über den Steg entgegen!
Es sind keine Hausboote, wie ich es mir vorgestellt hatte und wie man das landläufig so kennt – wohnen auf einem umgebauten Kahn. Es sind eher ‚schwimmende Häuser’ am Ufer des Willamette Rivers, die auf verankerten Plattformen aus Baumstämmen gebaut sind. Das von Sue ist eines der größeren, es hat sogar einen 1.Stock, die meisten anderen sind nur einstöckig. Es ist ein ganz normales Haus, nur eben nicht auf festem Untergrund. Ein wenig ungewohnt ist es zuerst, dass das Haus sich bewegt, wenn draußen Boote vorbei fahren und Wellen erzeugen. Aber daran gewöhne ich mich schnell und genieße später das Abendessen auf der Terrasse – eigentlich eher einem Floß, das vor die Balkontür gehängt wurde :-)!


In meinem Gästezimmer höre ich leise das Wasser ums Haus herum plätschern, aber ansonsten ist absolute Stille hier. Ich freue mich auf die Nacht!

Sonntag, 7.August 2011

Habe heute schlecht geschlafen :-(! Es gab eigentlich keinen bestimmten Grund – das Bett ist bequem, es herrscht eine unglaubliche Ruhe hier (wenn man mal von dem bisschen Wasser-Geplätscher absieht), es gibt genügend frische Luft und erstaunlicherweise überhaupt keine Mücken, aber irgendwas hat doch nicht gepasst…

Um 7.30h stehe ich daher auf, Sue sitzt auch schon im Wohnzimmer – sie steht aber immer so um diese Zeit auf und seit sie in Rente ist, gibt es auch keinen Grund mehr, am Wochenende länger zu schlafen :-)! Wir machen uns ein gemütliches Frühstück auf der ‚Terrasse’ und gehen danach getrennte Wege. Ich will mir die Stadt ein wenig ‚erobern’ und Sue baut sich gerade ein eigenes Kajak!

Mit einem Stadtplan bewaffnet ziehe ich los – und vielen Empfehlungen und Erklärungen von Sue. Als erstes werde ich einen ‚Farmer’s Market’ ansteuern – ich freue mich auf ein farbenfrohes Spektakel! Mit mehrmaligen Blicken auf den Stadtplan finde ich den auch schnell und überraschenderweise gibt es dort auch überall Parkplätze! Es ist wirklich ein schönes Bild, all diese frischen Gemüse- und Obstsorten! Hier in Oregon ist der ökologische Anbau fast schon flächendeckend! Dieser Bundesstaat ist führend in allem, was Erhalt und Schutz der Natur angeht! Es wird überall die Parole „buy local“ ausgegeben – man soll nur Produkte kaufen, die quasi ‚vor der Haustür’ wachsen und nicht erst von irgendwoher hierher transportiert werden! Und die lokalen Farmer sind gerne auf diesen ‚Zug aufgesprungen’ – haben sie dadurch ja plötzlich viel bessere Absatzchancen! Es gibt selbst in den großen Supermärkten weiträumige Ecken in den Obst-/Gemüse-Abteilungen, wo nur lokal Angebautes angeboten wird!
Im Moment gibt es ja einfach alles – von Pfirsichen und Aprikosen über alle möglichen Beerensorten bis hin zu den ersten Äpfeln und Birnen, von Artischocken und Erbsen bis hin zu Tomaten in allen Farben, Maiskolben, Broccoli und einigen Krautsorten, gelbe und rote Rüben und eine vielfältige Salat- und Kräuterauswahl!


Es wird auch einiges zu essen angeboten und ich decke mich mit einer speziellen ‚Pizza’ ein – ein gebackener Fladen aus allerhand Körnern und Käse, dazu gibt es eine Paste auf Tomaten-Käse-Basis, eine aus Frischkäse mit geriebenen Mandeln und ein Koriander-Pesto! Das werde ich mir heute Mittag schmecken lassen! Leider stelle ich beim Bezahlen fest, dass dafür meine gesamte Barschaft gerade noch so reicht – ich wollte eigentlich noch ein wenig Gemüse für heute Abend kaufen, aber Kreditkarten nehmen sie hier natürlich ausnahmsweise nirgends…

Also zurück zum Auto und erst mal auf die Suche nach einem ATM gehen! Nach ein paar Kurvereien durch die umliegenden kleinen Straßen (wo überall reger Verkehr durch die vielen Kirchgänger herrscht, die sich gerade auf den Weg nach Hause machen!) finde ich auch einen und kann meinen Geldbeutel wieder mit Bargeld füllen! Das hat sich hier inzwischen auch ein wenig geändert – früher wurde man in manchen Geschäften etwas schräg angeschaut, wenn man bar bezahlt hat, weil alle nur stets ihre Plastikkarten für alles gezückt haben. Inzwischen bekommt man manchmal sogar einen kleinen Nachlass, wenn man bar bezahlt – sicher ist sicher :-)!

Jetzt muß ich den Weg zum ‚Washington Park’ finden – ist gar nicht so einfach, der Stadtplan von Sue ist nämlich ein Biker-Plan (also für Radler gedacht!) und da sind dann die Straßen nach ihrer Befahrbarkeit und nicht nach ihrer Größe farblich gekennzeichnet! Zufällig komme ich an der ‚Union Station‘, dem Hauptbahnhof von Portland vorbei. Da muß ich unbedingt einen Blick reinwerfen!

Aber letztendlich finde ich den Weg und den Park – verteilt über mehrere hohe Hügel mitten in der Stadt! Hier will ich mir vor allem den berühmten Rosengarten anschauen, über den ich schon soviel gelesen habe und der mir auch überall empfohlen wurden!
Glücklicherweise wird gerade ein Parkplatz nahe dieser Sehenswürdigkeit frei – es geht nämlich, dem Sonntag entsprechend, wahnsinnig zu hier! Schon beim Näherkommen riecht man die ganze Pracht – viele der hunderte verschiedener Rosen duften nämlich sogar noch! Von Parkplatz aus kann ich aber erst noch einmal einen Blick auf den weit entfernten, aber an seiner ‚Schneekappe’ eindeutig zu erkennenden ‚Hausberg’ Portlands werfen, den fast 3500m hohen Mt. Hood!

Ein vielfarbiger Genuss empfängt mich danach auch hier – ich kann es gar nicht glauben, dass es so viele verschiedene Rosen gibt! Große, kleine, ganz winzige – rote, gelbe, weiße, lilafarbene, alle Farben dazwischen und manchmal auch Blüten mit mehreren Farbabstufungen! Bei einigen wandelt sich die Farbe abhängig vom Blütenalter – die Knospen haben andere Farben wie die gerade und noch andere wie die voll erblühten! Es ist eine Freude, sich hier aufzuhalten! Ich finde später noch eine leere Bank im Schatten und mache dort mein Mittags-Picknick, mit Blick auf einen Rosenbusch schöner als der andere!


Erst am Nachmittag trenne ich mich von diesem schönen Ort – ich will noch ein Museum besuchen! Leider kann ich die Straße, die mir Sue angegeben hat, weder auf meinem Stadtplan noch in Wirklichkeit finden! Ich frage ein paar Leute, aber die sind alle auch Touristen 😦 und haben keine Ahnung. So fahre ich jetzt erst einmal nach ‚downtown’, um durch ein wenig herum zu schlendern! Völlig überraschend ist es dort so gut wie ausgestorben – alle Geschäfte geschlossen, selbst viele Restaurants haben heute am Sonntag zu! Aber so schlecht ist das nicht – Parkplätze sind daher leicht zu bekommen (müssen aber sonntags nachmittags auch bezahlt werden!). Ich wandere einfach ziellos durch die Straßen, finde einige alte Gebäude und schließlich auch ein gemütliches Café, wo ich mir meine nachmittägliche ‚latte’ gönne!

In eingen Schaufenstern sind die Arbeiten der Kunsthochschule ausgestellt. Das Thema dafür hieß ‚Von Abfall zu Punkmode‘ und es sind wirklich tolle Ideen dabei heraus gekommen! Es gab z.B. ein Abendkleid aus gebrauchten Filtertüten oder ein Sommerkleidchen aus alten Fahrradreifen u.v.m.

Jetzt ist Zeit für einen Aufenthalt irgendwo am Fluß – ich möchte doch mal einen Blick auf die zahllosen Brücken werfen, für die Portland berühmt ist! Ich lande zufällig an einem Platz direkt am Ufer, wo ein großer Springbrunnen der Hauptanziehungspunkt heute ist (es ist wieder strahlender Sonnenschein!) – die Kinder hüpfen teilweise mit voller Montur ins Wasser und haben einen Heidenspaß! Aber auch manche Mamas, Papas und sogar Opas haben ihre Freude am Wasser… Direkt hinter diesem Platz kann man auch hier einen Blick direkt auf den 70 km entfernten Mt.Hood erhaschen – wie ein weißer Kegel, der im Wasser schwimmt, erscheint er hier!

Der Blick auf die Brücken ist tatsächlich wunderbar hier – in jede Richtung sind 4 zu sehen, die sich aus diesem Blickwinkel mehrfach überschneiden! Einige von denen sind Hebebrücken, um auch großen Schiffen, vor allem Kriegsschiffen die Durchfahrt zu gewähren! Insgesamt gibt es im Stadtgebiet 18 Brücken – 4 über die Columbia River und 14 über den Willamette River! Alle in unterschiedlicher Bauart und natürlich auch unterschiedlich alt! Die Sellwood-Bridge, fast unter dieser liegt Sues Haus vor Anker, ist schon für Laster und Busse gesperrt, weil sie nicht mehr so ganz belastbar ist – ist aber auch schon rund 100 Jahre alt!

Das war ein wunderschöner Tag so mehr oder weniger komplett im Freien – ich habe die Sonne und frische Luft wirklich ausgiebig genossen! Jetzt muß ich nur noch den Heimweg finden, was sich als etwas kompliziert darstellt – Portland ist nicht nur für seine Brücken, sondern auch seine unendlich vielen Einbahn-Regelungen bekannt! Die gelten natürlich für Radler nicht und ich habe ja nur meine ‚Radlerkarte’! Ich halte mir einfach mal an den Fluß – irgendwann muß ich ja an der richtigen Brücke ankommen! Die Fahrt kommt mir unendlich vor und irgendwann drehe ich doch um – habe ich die Auffahrt übersehen? An einer Tankstelle frage ich dann vorsichtshalber doch mal – nein, ich war schon richtig, es ist einfach noch ein Stück weiter! Und richtig, ich finde sie später auch und komme wieder wohlbehalten auf dem Parkplatz für das ‚schwimmende Dorf’ an!

Sue ist auch gerade erst nach Hause gekommen und hat schon Nudeln aufgesetzt! Ich wollte sie eigentlich heute irgendwohin zum Essen einladen – aber das machen wir dann am Dienstagabend, wenn ich von meinem Ausflug in die Columbia-Schlucht wieder zurück bin!

Das Abendessen auf der „Terrasse“ ist ein wunderschöner Abschluss für diesen Sonntag – wir schauen noch einigen Ruderern und Kanuten zu und gehen dann aber beim Finsterwerden schon ins Bett!

Montag, 8.August 2011

Bin schon früh auf und packe meine Sachen zusammen – viel ist das nicht, das meiste habe ich im Auto gelassen! Wäre auch Blödsinn, das alles erst zu Fuß hier ins Haus zu transportieren und dann wieder mühsam über die Stege zurück. So habe ich mir immer nur die Dinge aus dem Auto mitgenommen, die ich hier gebraucht habe! Die große Carrefour-Tasche, die ich mir schon in Mendoza gekauft hatte, tut mir hier gute Dienste für die ‚Zwischentransporte’!

Sue ist schon vor mir weg – sie wollte sich mit einer Freundin zum Wandern treffen! So habe ich das Haus erstmal für mich, aber lange halte ich mich ja auch nicht mehr auf! Ein kleines Frühstück mit Müsli und Tee – das war’s dann auch schon! Meine Tasche geschnappt, alles gut zugesperrt (Sue hatte mir einen Schlüssel fürs Haus da gelassen) und los geht’s!

Mein Weg Richtung Richtung Osten führt mich über 3 verschiedene Brücken erst auf die ‚Interstate 5’, von der ich auf den ‚Scenic Highway‘ abbiege, der auf direktem Weg, aber durch sehr malerische Landschaft zur Schlucht führt! Direkt an der Abzweigung liegt das Städtchen Troutdale, wo es dummerweise 🙂 ein Outlet Center gibt! Dort dann auch noch einen Laden meiner Leib- und Magen-Schuhkette in den Staaten, ‚Naturelizer’! Ich habe nämlich beschlossen, meine ‚feinen’ Sandalen aus dem Billigladen in New Orleans jetzt bald irgendwo‚liegen zu lassen’ – langsam wird es abends ein wenig zu kühl für offene Schuhe! Und die leichten „Leder-Schläppchen“ aus diesem Laden hier wären genau richtig als Ersatz! Leider haben sie jedoch die im Moment im Outlet nicht! Was ich jedoch finde, sind ein paar andere bequeme Schuhe – ein Zwischending zwischen Halb- und Turnschuhen! Die sind mir die 49$ wert, die sie kosten sollen – auch meine Wander/Boxer-Stiefel sollte ich vermutlich auch bald aussortieren!

Der weitere Weg führt anfangs wieder durch Farmland, dann aber geht es relativ steil bergauf – und bald schon habe ich den ersten Aussichtspunkt erreicht, von wo man tief in den Anfang der Schlucht schauen kann! Oder besser eigentlich, schauen könnte – leider ist es heute ein wenig neblig und wolkig hier und die Sicht daher etwas eingeschränkt! Das tut der Begeisterung jedoch keinen Abbruch und auch nicht der Freude, hier weiter fahren zu können – es sieht einfach auch so zu beeindruckend aus! Die Rotunde, die ich von hier auf einer Art Klippe sehen kann, wird mein nächstes Ziel! Es reißt bei der Weiterfahrt ein wenig auf und so ist der Genuss dort schon um einiges größer! Der Parkplatz ist voll, obwohl Montag – bloß gut, dass ich gestern nicht losgefahren bin, was ich ursprünglich vorhatte! Auf der Straße verteilt sich der Verkehr ganz gut, aber an den Besichtigungsspots wuselt es natürlich stets ein wenig! Aber mit meinem kleinen Auto ergattere ich einen der ‚Compact-Parkplätze’, die meisten meiner Mit-Ausflügler fahren ja doch größere Autos :-)! Die Rotunde ist ein ‚Historical Landmark’ und sogar die Toiletten hier sind besonders sehenswert – alles aus weißem Marmor!


Auch die jetzt bald folgenden Wasserfälle am Straßenrand sind begehrte Halteplätze, wo es manchmal schon schwierig werden kann, ein Plätzchen für einen Stop zu finden…

Aber es gibt mehr als zahlreiche Parkplätze (dankenswerterweise auch so gut wie immer mit Toiletten!), wo kaum jemand stehen bleibt und die man dann allein für sich hat (weil es nichts Spektakuläres zu sehen gibt) oder nur mit zwei, drei anderen Leuten teilen muß. So einen suche ich mir für ein kleines Mittagessen aus und genieße die Stille um mich herum! Es ist ein kleines Dörfchen in der Nähe, durch das ich einen kurzen Bummel mache, ehe ich wieder dem Flusslauf weiter folge! Bald erreiche ich einen riesigen ‚Dam’, wo der Columbia River aufgestaut wird, um Strom für Oregon und Washington State zu erzeugen! Das Kraftwerk kann man anfahren und besichtigen – beeindruckend! Es gibt dort sogar eine ‚Fisch-Leiter’, damit die reichlichen Lachse zum Laichen neben dem Turbinen-Teil weiter den Fluß hoch schwimmen können! Im kleinen angeschlossenen Museum kann man im Keller durch dickes Fensterglas den Fischen beim Schwimmen zusehen!


Auch oberhalb des Kraftwerks ist der Columbia River schiffbar – früher war hier sogar eine riesige Schleusenanlage! Die ist heute aber nicht mehr in Betrieb, da die großen Schiffe längst durch die Eisenbahn oder heute noch mehr durch riesige LKWs ersetzt wurden! Die Eisenbahnschienen wie auch die Interstate-Autobahn verlaufen hier direkt am Flussufer entlang. Die Eisenbahn sogar auf beiden Seiten des Flusses, einmal hier in Oregon und auf der anderen Seite in Washington State – der Fluß ist nämlich auf eine längere Strecke die Grenze zwischen beiden Bundesstaaten!

Der Scenic Highway ist jetzt erst einmal zu Ende – ich muß auch auf der Interstate weiter fahren. Aber auch hier gibt es schöne Ausblicke auf die wunderbare Landschaft – Gott sei Dank fährt man in den Staaten nicht allzu schnell, so kann ich hin und wieder auch aus dem Auto heraus fotografieren!

Ein großes altes Hotel am Flußufer ist wie geschaffen für eine kleine Kaffeepause, ehe ich das kurze Stück weiter ins kleine Städtchen ‚Hood River’ fahre.
Hier geht inzwischen ein ordentlicher Wind – der Hauptgrund dafür, dass sich im breiten und tiefen Fluß eine mehr als aktive Windsurfer-Gemeinde angesiedelt hat. Von ganz Nord-Amerika kommen sie dafür angereist. Leider hat das auch den Nachteil, dass die Unterkünfte deutlich teurer sind als in den umliegenden Ortschaften! Ich entscheide mich also, zum Übernachten noch ein Stück weiter zu fahren! Das Wetter ist inzwischen ja traumhaft geworden und es bleibt hier im Sommer auch schon lange hell!
Ich kann aber hier wieder auf den ‚Scenic Highway’ fahren – und bin auf dem so gut wie alleine unterwegs! Ein wunderbares Teilstück ist das mit tollen Ausblicken – weit kann ich in beide Richtungen in die faszinierende Schlucht blicken!


Es kommen aber auch immer wieder kleinere Nebentäler, hübsche alte Gebäude und manchmal auch Tiere am Straßenrand in mein Blickfeld – letztere überraschend wenig scheu und lassen sich ohne Probleme fotografieren!





Kurz vor ‚The Dalles’ fahre ich wieder vom Highway auf die Autobahn, denn der geht hier oben in den Bergen weiter und ich will aber im Tal wegen eines Quartiers schauen! ‚The Dalles’ ist ein kleines Städtchen, dass jedoch ein Mittelpunkt für einen großen Teil der ländlichen Gegen hier ist! Hier gibt es auch ein paar Motels, die durchaus moderate Preise haben und ich finde auch ein Zimmer. Im örtlichen Supermarkt hole ich mir ein leckeres Won Ton Süppchen zum Abendessen und dankenswerterweise gibt es hier im Motel Münzwaschmaschinen – Wäschewaschen ist dringend mal wieder angesagt! Ein banaler Abschluss nach einem wieder randvoll gefüllten wunderschönen Tag!

Dienstag, 9.August 2011

Geschlafen habe ich letztendlich gut – nachdem ich die Düsenjäger-ähnliche AC ausgeschaltet und das Fenster ein Stück geöffnet habe (mit der ‚Einbruch-Sicherung‘ nach Connys Muster :-)!). Dadurch war ich aber früh wach, weil natürlich der Tageslärm von draußen mich geweckt hatte. Aber das macht auch nichts, will ich doch heute noch ein Stück weiter Richtung Osten fahren, ehe ich mich wieder zurück nach Portland begebe.

Schnell bügle ich noch meine paar Sachen von gestern und dann suche ich mir ein nettes Café zum Frühstücken! Gleich gegeüber ist ein Thrift Store und dort gebe ich gleich wieder ein paar Sachen ab, die ich nicht mehr brauche – die gute Tat zum Tage! Anschließend spaziere ich noch ein wenig durch den historischen Teil des Städtchens, um mich ein wenig umzusehen! Von einem Parkplatz ziemlich weit oben habe ich dann einen grandiosen Blick auf den Fluß und kann sehen, daß sich dieses beeindruckende Flußtal noch ganz schön weit Richtung Osten zieht! Es ist auch hier in The Dalles, wie so oft in den kleinen Städtchen bisher, daß es neben den kleinen alten Wohnhäuschen immer ein paar öffentliche Gebäude gibt, die geradezu kolossal aussehen. Vor allem die Gerichtsgebäude sollten wohl richtiggehend abschreckend wirken – oder die Macht der Obrigkeit richtig demonstrieren! An verschiedenen Hauswänden in der Stadt verteilt sind Szenen von den ‚Natives‘, der indianischen Urbevölkerung zu sehen – das macht aber die schlechte Behandlung nicht wett, die diese Volksstämme überall in den USA bis vor noch gar nicht allzu langer Zeit erleben mußten (und in manchen Bundesstaaten, wie z.B. den beiden Dakotas bis heute erleben).
Die Straße nach Osten zieht sich wieder am Fluß entlang, bis nach etwa 30 km ein Wasserkraftwerk auftaucht! Kurz davor ist auch eine Brücke ans andere Ufer, an dem entlang ich jetzt zurück fahren werde! Dafür verlasse ich Oregon – auf der anderen Seite des Flusses liegt bereits Washington State!
Hier auf dieser Seite des Flusses fahre ich etwas am Hang entlang und es ist im Moment eine total andere Landschaft – alles ‚blank‘ und ohne größeren Bewuchs von Sträuchern oder gar Bäumen! Weite Flächen, die wie Wüste aussehen – beim näheren Hinsehen stellt es sich jedoch als gelbe Grassteppe heraus! Zwischendurch liegen öfters ein paar riesige Felsbrocken!


Der Blick hinunter ans unmittelbare Flussufer zeigt jedoch, daß hier nur das Wasser fehlt – dort unten sind jede Menge Farmen, die von offenbar fruchtbarem Land umgeben sind! Felder mit Gemüse, Weingärten und Obstplantagen wechseln sich ab! Zwischen diesen Farmen und dem Wasser schlängeln sich die Eisenbahnschienen entlang – die hier hauptsächlich von Güterzügen befahren werden!

Hinter der anderen Flussseite ragen die Berge steil nach oben und von dort führt ein stetiger Wasserstrom, teilweise unterirdisch, in den Columbia River. Keine Wunder, daß es ‚dort drüben‘ deutlich grüner aussieht! Stets sehe ich den vertrauten ‚Mt. Hood‘ über der Landschaft „schwimmen“ – auf den will ich heute ja auch noch hinauf fahren!

Ich fahre hier ein Stück auf dem ‚Lewis & Clarke Trail‘ entlang, der in der Hauptstadt Washington D.C. beginnt und nach etwa 8000 km durch 15 US-Staaten (und vier Zeitzonen) an der Westküste in Oregons endet.

Er wurde benannt nacht zwei Freunden, beides ehemalige Militärangehörige, die von Präsident Thomas Jefferson 1792 beauftragt worden waren, das Land westlich des Mississippi zu erforschen, zu vermessen, Kontakt mit den divesen Indianerstämmen auf dem Weg aufzunehmen und möglichst einen Wasserweg an den Pazifik zu finden! 1802 starteten sie in St. Louis – der Rückweg von Oregon bis ins heutige St. Louis dauerte von März bis Ende September 1806. Diese beiden Abenteurer und Entdecker sind äußerst populär unter den US-Amerikanern – sind doch auf Basis von deren Vermessungen erstellte Karten bis noch Mitte des 20.Jh. in Benutzung gewesen!



Es ist ein schöner Weg hier entlang und vor allem sieht das gegemüber liegende Ufer aus dieser Perspektive wieder ein wenig anders aus! Erst aus diesem Blickwinkel wird so richtig deutlich, wie hoch und steil abfallend zum Fluß die Berge dort sind! Auch hier die Straße wird von zahlreichen Fahrradfahrern genutzt. Was ich besonders toll überall finde (auch in Kalifornien sah ich das schon!): Vor Brücken oder Tunnels gibt es immer einen Schalter, mit dem die Radler auf sich aufmerksam machen können! Es geht dann ein Blinklicht an, damit die Autofahrer wissen „aha, da sind auch Radler unterwegs“ und entsprechend vorsichtig fahren!

Kurz nach Bingen (nein, nicht am Rhein, am Columbia River) fahre ich wieder über den Fluß zurück – das dauert aber, denn auf der Brücke wird gebaut und der Verkehr immer nur in jeder Richtung abwechelnd über eine Spur geführt. So habe ich aber Zeit, den Windsurfern in Ruhe zuzuschauen – es ist ja geradezu DAS Mekka für die Amerikaner! Später auf dem Parkplatz kann ich Nummernschilder aus allen möglichen US-Staaten finden, aber auch aus Britsh Colmbia und Ost-Kanada oder sogar Florida und New Mexico sind welche zu sehen!

Jetzt nehme ich dann den direkten Weg Richtung Mt. Hood! Es geht stetig bergauf und bald grüßen mich schon die ersten Apfel- und Birnbäume, für die diese Gegend hier bekannt ist! Es muß wohl ein besonderes Klima hier herrschen, denn soweit das Auge reicht, sind Obstplantagen zu sehen. Neben den genannten gibt es auch noch Kirschen und selbst Aprikosen, Pfirsiche und Weintrauben werden hier reif! In den kleinen Ortschaften sehe ich überall große Lagerhäuser und Zufahrtsgleise für Güterzüge – von hier wird das ganze Obst direkt und auf kurzem Weg an seinen Bestimmungsort, hauptsächlich an der Westküste, gebracht!
Die Landschaft sieht richtig lieblich aus und über allem thront die weiße Kappe des Mt. Hood. Von hier aus kann ich aber jetzt auch sein ‚Gegenstück‘ im Norden schon sehen – Mt. St. Helens, der Vulkan, der 1989 seine obere Hälfte bei einem Ausbruch eingebüßt hat! Auch der Mt.Hood ist kein erloschener, sondern nur ein ’schlafender‘ Vulkan – es brodelt nach wie vor in der Tiefe!


Die Plantagen werden nach und nach von Waldstücken ersetzt und bald fahre ich durch dichte Baumreihen dem Gipfel des Berges entgegen. Einem Wegweiser folgend, finde ich mitten im Wald eine Grabstätte für eine der Pionierfrauen, die hier mit ihrem Baby begraben worden ist! Ist schon rührend, daß so eine über 100 Jahre alte Grabstätte, irgendwo im Nirgendwo auch heute noch geschützt wird!
Beim Weiterfahren sehe ich immer mehr Hinweise darauf, daß ich mich inzwischen in einem Skigebiet befinde und nach einem steilen letzten Stück mit engen Kurven finde ich mich auf dem mit 3.425m höchsten Berg Oregons und dort auf dem Parkplatz der ‚Timberline Lodge‘ wieder! Das war das im Film tief verschneite Hotel, das als Außrendrehort für den Film ‚Shining‘ mit Jack Nicholson genutzt wurde! Dadurch ist es zu einem richtigen Touristen-Magneten geworden, als es das sowieso schon vorher war. Hierher fuhr und fährt, wer immer etwas auf sich hält im Nordwesten der USA, zum Wintersport! Es wirkt auch innen mehr wie eine Skihütte in den Alpen – passenderweise wehen neben der amerikanischen Flagge dann auch die von Deutschland, Österreich und der Schweiz vor dem Eingang! Und im Haus gibt es in einem Schaukasten sogar eine Lederhose und einen Trachtenhut zu bestaunen!
Ich kann mich jedoch garnicht lange aufhalten – ich muß heute ja noch zurück nach Portland und es ist schon weit im Nachmittag! Also trete ich die Talfahrt an, sehe dabei viele kleine Wasserfälle und auch wieder jede Menge Blumen, vor allem eine ganz kleine Abart von Lupinen, die die Hänge mit ihrem Blaulila überziehen! Unten im Tal folge ich der Beschilderung Richtung Portland, die mich noch einmal durch ganz andere kleine Ortschaften bringt. Hier sehe ich einen Hinweis auf ein mexikanisches Restaurant, das ‚Borrego‘ heißt und sehe ein Einkaufszentrum mit Namen ‚Germantowne‘ – die Welt ist doch klein :-)!

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