„El Tinto“ – zweitgrößte Eisenerz-Mine Australiens

19.10.2010
Wieder war ich ganz früh wach – und habe beschlossen, noch einen Tag hier anzuhängen! Ich werde den Nachmittag zum Wäschewaschen, Blog schreiben und zum faul Rumhängen am Pool nutzen! Außerdem will ich in die Stadt fahren und im Internet Café versuchen, die nächsten Übernachtungen bei Couchsurfing zu klären! Für morgen habe ich leider von den Angeschriebenen noch nichts gehört – aber das waren junge Männer, die in den Minen arbeiten. Wahrscheinlich haben sie noch gar keine Zeit gehabt, ihre Mails zu checken…
Ganz gemütlich geht es heute beim Frühstück zu – wir treffen uns alle wieder von gestern abend. Die Teilnehmer für die Minen-Tour müssen ja erst um 9.45h in der Stadt sein!

Dann beim Treffen in der Touristen-Info geht es schon ziemlich zu – es haben sich insgesamt 18 Leute für die Minen-Tour angemeldet. Allen wird ein Schutzhelm und eine Schutzbrille verpasst, es wird kontrolliert, ob auch alle in hochgeschlossenen Schuhen erschienen sind und dann geht es in den bereitstehenden Bus! Schon beim Fahren durch die Stadt erzählt uns unser Guide Bob einiges über die Mine – die erste, die hier in WA geöffnet wurde! Der Name der Stadt ist übrigens der des Mannes, der die reichen Erzvorkommen hier festgestellt hat! Ein Amerikaner, der unmittelbar nach Registrierung der Mine am plötzlichen Herzversagen verstarb – war also nur eine kurze Freude für ihn, eine lange für seine Erben!
Langsam fahren wir in das Minengelände ein! Als erstes passieren wir die Werkstatt für die Fahrzeuge, die hier genutzt werden – die sieht eher aus wie ein Flugzeug-Hangar als eine Auto-Werkstatt.
Ist aber auch kein Wunder – allein die Reifen der LKW, die hier benutzt werden, sind fast genau so hoch wie unser Tourbus (3,80 im Durchmesser!!!). Einer der Reifen kostet etwa 4800A$! Und davon lagerten unzählige neben der Reifenwerkstatt!


Der Tank eines solchen Lasters fasst 4000 Liter Diesel – der Verbrauch von etwa zwei Tagen!

Ein Laster insgesamt kostet etwa 4,5 Mill.A$, 36 davon fahren hier auf dem Gelände herum!

Der Transport von 9 to Erzgestein ist mit jedem davon möglich – das sind gerade mal zwei Schaufeln der ebenso riesigen Schaufellader, die hier am Werk sind!

Mehr als die Hälfte der Fahrer sind überraschenderweise Fahrerinnen – die haben i.d.R. keine Probleme mit Alkohol am Steuer! In Australien gilt eine Grenze von 0,05 Promille, da wird streng kontrolliert, und die überschreiten Männer offenbar leichter mal… Es wird in 2 Schichten gearbeitet, jede dauert 12h mit einer Mittagspause von 1,5h! Es wird jedoch nicht unuterbrochen gefahren, es gibt ja viele Warte- und Standzeiten zwischendurch, aber hart ist das trotzdem! Die FahrerInnen müssen jedoch wirklich nur fahren – sobald irgendwas am Fahrzeug nicht in Ordnung ist, wird ein Service-Fahrzeug gerufen, das sofort an Ort und Stelle feststellt, was fehlt. Danach wird das Fahrzeug dann in die entsprechende Werkstatt gefahren oder auf einem riesigen Tieflader dahin transportiert! Die LKWs haben zusätzlich zu den zwei Motoren vorne auch in den hinteren Rädern auf jeder Seite noch je einen Motor – damit sind 1800 PS am Werk! Die Tieflader haben im Auflieger hinten in jedem der beiden hinteren Radpaare auf jeder Seite einen eigenen Motor!!!

Das Erz, das hier gefördert wird, gehört zum besten weltweit. Es hat einen Anteil von etwa 68% Metall im Gestein! Es werden jährlich etwa 1,9 Mrd.Tonnen gefördert und weltweit exportiert – nach Japan und China, aber auch nach Europa, dort vor allem nach Deutschland! Bob meinte übrigens, dass die Verlagerung von dieser Menge Gestein von der südlichen zur nördlichen Erdhalbkugel wahrscheinlich die wirkliche Ursache für den Klimawechsel wäre… 🙂
Wir werden danach noch an den ‚Sortieranlagen’ vorbei gefahren, in denen die unterschiedlichen Formate des Erzes getrennt werden.

Sehen die Verladestation für die wahnsinnig langen Güterzüge, die dann Richtung Hafen nach Port Hedland oder Dampier unterwegs sind, bekommen das Recycling des verwendeten Wassers erklärt (wegen der ungeheuren ständigen Staubentwicklung fahren hier fortwährend Wassersprenger durchs Gelände!)

und vieles mehr!




Die Güterzüge hier sind übrigens höchstens 230 Waggons lang – der lange, den ich gestern gesehen habe, stammte wohl von BHP in Newman, der ‚Konkurrenz’. Die haben normalerweise 380 Waggons in einem Zug und – soweit nötig und leer – auch mal mehr… Das erzählte mir einer der anderen Tourteilnehmer, dessen Sohn dort arbeitet!
Wirklich sehr beeindruckend das Ganze – ich weiß nur nicht, ob positiv oder negativ! Schließlich wird durch den Erzabbau eine der schönsten Gegenden hier stark in Mitleidenschaft gezogen!
Übrigens – der verantwortliche Koordinator, der den gesamten Verkehr hier in der Mine regelt, sitzt in einem Büro am Flughafen in Perth und hat alles auf dem Bildschirm im Blick!!!

Zurück in meinem ‚Zimmer’ erledige ich mein Programm für heute. Die Wäsche ist, kaum auf der Leine, auch schon wieder trocken – der heiße Wind (immerhin hat es heute wieder 37 Grad) tut ganze Arbeit. Lange halte ich es daher auch am Pool

nicht aus und flüchte bald in mein AC-gekühltes Zimmer, um dort ein paar Karten zu schreiben und auch an meinem Blog weiter zu arbeiten!
Am späten Nachmittag fahre ich schnell in die Stadt, um mein Abendessen, Getränke und Obst für unterwegs zu besorgen! Ein kurzer Blick ins Internet verrät mir dabei, dass ich von Sonntag bis Mittwoch (da kann ich dann hoffentlich die Zugfahrt nach Sydney starten!) wieder ein festes Quartier in Perth habe! Sehr beruhigend!
Es gibt heute Lammschnitzel, Nudeln und Salat! Lecker, lecker! Die Küche ist heute wieder ganz leer, also gehe ich gleich nach dem ‚Küchendienst’ ins Bett. Vielleicht werde ich morgen wieder so früh wach, dann könnte ich zeitig starten und vielleicht bis Mt. Magnet durchfahren. Dort gibt es drei ‚pastorals’, also riesige Schaf-Farmen, wo man übernachten kann – das würde ich schon mal gern machen…

2 Antworten zu „El Tinto“ – zweitgrößte Eisenerz-Mine Australiens

  1. achim tombers schreibt:

    Ein sehr interessanter Bericht, vielen Dank für die Informationen. Vielleicht könnten Sie mir eventuell weiter helfen und mir mitteilen wie die Adresse der Mine ist bzw. eine
    E-Mailadresse wohin ich mich wenden kann. Bin an einer Arbeit als Lkw-Fahrer
    interessiert. Für Ihre Bemühungen bedanke ich mich im voraus, und verbleibe
    mit freundlichem Gruß Achim Tombers

    • grannyontour schreibt:

      Hallo Herr Tombers,
      da kann ich Ihnen leider nicht weiterhelfen. Aber ich bin sicher, die Infos koennen Sie ueber Google mit „El Tinto + Tom Price“ oder „BHP + Newman“ heraus finden. Ich weiss nur, dass die Minen wohl nicht selbst einstellen, sondern mit entsprechende Agenturen zusammen arbeiten. Dort gibt es aber gerade fuer die Fahrer-Jobs offenbar Wartelisten – weiss ich von einem jungen Deutschen, den ich unterwegs traf und der die Registrierungsprozedur gerade hinter sich gebracht hatte. Aber vielleicht erfahren Sie da auch mehr ueber die jeweiligen Homepages.
      Viel Erfolg!

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