Sansibar

12.8.2010
Nach einem leckeren Cappuccino im hoteleigenen Coffee Shop geht es des Gepäcks wegen diesmal mit dem Taxi zum Fährhafen. Der Taxifahrer übergibt mich an einen der Träger, der mein Gepäck und mich an Bord bringt und mir meinen Platz in der VIP-Lounge zeigt – eine etwas herunter gekommene Ansammlung von zahlreichen dicken Kunstleder-Polstersesseln! Immerhin gibt es Schwimmwesten für jeden…
Der Träger fordert dann 20.000 Tsh!!! Dafür, dass ich ihn nicht beauftragt hatte und vor allem, dass der durchschnittliche Monatslohn für einfache Arbeiter bei ca. 600.000 Tsh (etwa 300€) liegt, ein stolzer Preis. Ich gebe ihm die Hälfte, das ist sicher mehr, als es wirklich kostet und er trollt sich dann auch!
Die Überfahrt ist für mich problemlos, einige der anderen VIP-Passagiere haben jedoch gut mit Seekrankheit zu kämpfen! Es geht ziemlicher Wind und dementsprechend unruhig ist die See! Ich lese eine Weile und gehe dann auf das Economy-Außendeck, um etwas vom Leben zu sehen. Aber hier schläft die Hälfte der Fahrgäste in den unmöglichsten Stellungen und von denen, die nicht schlafen, sind auch viele ziemlich blass…
Bei der Ankunft im Stone Town gehen erst die vielen Lastenträger mit ihren unglaublich großen und schweren Gepäckstücken von Bord! Auch das erinnert mich sehr an China! Dann die Eco-Passagiere, dann zum Schluß die VIPs! Aber auf diese Art müssen wir an den Einreiseschaltern dann nicht lange warten!
Ja – es gibt extra Einreiseschalter, obwohl Sansibar inzwischen ein Teil von Tanzania ist, aber eben ein autonomer! Aber hier geht es m Gegensatz zum Flughafen in Dar ganz fix – am rechteckigen Loch in der Plexiglasscheibe wird der Pass und die ausgefüllten Formulare reingereicht, aus dem runden Loch kommt der Pass dann mit Stempel gleich wieder heraus!
Eine junge Französin, die im Schiff neben mir saß, und ich teilen uns ein Taxi zu unseren Unterkünften, liegen beide auf einem Weg! Der sehr nette Taxifahrer Mushin Ali weist uns schon auf einiges Sehenswerte hin, ehe er uns mit seiner Telefonnummer versieht und uns in unseren Quartieren abliefert!
In Stone Town fühl ich mich wie fast in den Oman versetzt! Die ursprünglich weißen Häuser sind aber fast alle merkwürdig grau und schwarz angelaufen. Einige wenige sind hergerichtet und zu Hotels umgebaut (oft von omanischen Investoren finanziert!) . Auf den Straßen sieht man viele Frauen in schwarzen Abbayas. Die Männer tragen fast alle das bestickte Käppchen – das im Oman Kummah, hier Kofiah heißt! Die Türen der Häuser sind ebenfalls mit kunstvollen Schnitzereien versehen! Und in den engen Gassen fühle ich mich wie nach Manah oder Al Hamra versetzt!

Absoluter Zufall ist jedoch, dass mein Guesthouse an der ‚Ahmed-al-Mughairi-Street’ gegenüber der Omanischen Botschaft liegt!
Da hier überwiegend Muslims leben, wird das mir immer wieder versehentlich herausrutschende „As Salam Aleikum“ breit lächelnd akzeptiert und erwidert! Ansonsten werde ich von allen freundlich mit dem üblichen ‚Jamba’/Hallo oder ‚Karibu’/willkommen gegrüßt, oft in Verbindung mit ‚Mama’/ehrenwerte Mutter – auch das erinnert mich sehr an den Oman und vor allem an Abdallah!
Mein Zimmer ist sehr viel bescheidener, als ich es nach der Beschreibung im Reiseführer erwartet hatte – über eine Art Hühnerleiter erreichbar und Dusche/Toilette auf dem Flur (nach italienischer Art die Dusche über der Toilette), im Zimmer nur ein Bett und ein Kofferregal, sonst nichts (einen Gartenstuhl organisiere ich mir noch). Ist ansonsten jedoch okay – zwar klein, aber sauber, das Fliegenfenster ist ohne Löcher und das Moskitonetz auch und es kostet nur 14Euro/Nacht! Eine ‚Küche’ mit einem zweiflammigen Gasherd, ein paar verbeulten Töpfen, Geschirr und Besteck ist im Erdgeschoß – da wird es wohl heute abend und vor allem morgen früh eng werden! Ich habe nämlich total übersehen, dass heute der erste Tag des diesjährigen Ramadan ist – zumindest hier in Sansibar! Das heißt nach Sonnenauf- und vor Sonnenuntergang darf in der Öffentlichkeit nicht gegessen werden! Also entweder in ein Restaurant gehen (da wird es heute ziemlich voll sein) oder selber kochen!
Bei einem kleinen Stadtbummel entdecke ich ein Internet Café – aber das reicht gerade mal, um mühsam meine Mails abrufen zu können! Afrika scheint noch ein weites Feld für Kommunikationstechnik in jeder Form zu sein – auch mein Telefon geht mal und mal nicht!
Ganz zufällig komme ich dann am Meer, direkt vor dem ‚Africa House’ heraus, wo ich die Terrasse – wie unzählige andere auch, vor allem italienische Reisegruppen – für einen Sundowner nutze! Der Blick am Meer entlang läßt mich plötzlich an den Gardasee denken, ist aber auch zu ähnlich! Das jetzt als Hotel genutzte Haus gehörte früher dem britischen Hochkommissar und wurde erst vor ein paar Jahren von einem omanischen Geldgeber restauriert und zum Hotel umgebaut!
Zwei kleine ‚bush babies’, eine Lemurenart, wollen sich schnell mein Glas schnappen, ich rette es gerade so, aber das kleinste Äffchen will dann partout nicht von meinem Arm weichen! Ein großes Hallo allerorten, ich möchte nicht wissen, auf wie vielen italienischen Urlaubsfotos ich nun zu sehen bin! Erst eine der Angestellten kann die beiden dann verjagen. Inzwischen war Sonnenuntergang und ich bleibe noch zum Abendessen!
Die schönen Häuser mit ihren dekorativen Türen sehen beim kurzen Heimweg durch die nächtlichen Gassen besonders romantisch aus!

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