Zurück in El Calafate – Abschied von Conny, Rainer und Patagonien!

Dienstag, 15.3.2011
Heute geht es nun endgültig zurück nach El Calafate. Beim Bezahlen habe ich den jungen Mann an der Rezeption gefragt, woher er so gut Deutsch kann – er arbeitet jedes Jahr einige Monate in Mönchen-Gladbach!!! Na dann…
Da wir heute nicht mehr so weit haben, beschließen wir, noch die Wanderung zu der Estancía zu machen, die wegen meines Sturzes vor ein paar Tagen ausgefallen war! Es ist richtig kalt heute morgen – die Scheiben am Auto waren gefroren! Auf dem Weg kommt uns ein Mann mit seinen drei Llamas entgegen – die lachen wahrscheinlich nur über solche Temperaturen!

Sobald die Sonne über die Berge kommt, wird es jedoch gleich wieder angenehm! Der Wanderweg geht jedoch die ganze Zeit im Schatten entlang und ich bereue schon, daß ich nicht wieder meine dicke Unterwäsche angezogen habe – es ist im wahrsten Sinne des Wortes richtig ’schattig‘! Aber andererseits ist es wunderschön, so langsam zu verfolgen, wie die Schatten immer kürzer werden und das Sonnenlicht sich ins Tal ergießt! Unterwegs neben und auf dem Weg wieder jede Menge Riesenboviste, die jedoch Wanderer oder auch Pferde schon zerstört haben.
Plötzlich ist der Weg zu Ende – überall Tore und Schilder mit ‚Privada‘! Wir schauen noch eine Weile rum, finden aber keinen Alternativ-Weg und drehen etwas enttäuscht wieder um. Ein älterer Wanderer, der uns begegnet, erzählt uns, daß die Estancía aus ‚politischen Gründen‘ geschlossen sei – was immer das bedeutet. Für uns bedeutet es leider, daß wir unsere Abschlußwanderung nicht beenden können! Kurzerhand beschließen wir, dafür auf einen der Aussichtsberge zu gehen, die am Ortseingang ausgeschildert waren! Das war eine gute Idee, denn der Weg dort hinauf geht stets in der prallen Sonne entlang und schon wird es uns wieder richtig warm! Aber es lohnt sich – von oben hat man einen grandiosen Blick auf den Ort, die beiden Flüsse und auch auf die großen Berge mit ihren Schneefeldern und dem Inlandeis im Hintergrund! Was für eine gute Idee, hier herauf zu gehen, auch wenn uns der Wind dort fast wieder wegbläst!

Lange halten wir es dann auch nicht aus und wir gehen zurück – schön langsam, es sind wieder ‚rutschige‘ Abschnitte dazwischen! Nach einem kurzen Besuch im Haus der Nationalparkverwaltung und dem angeschlossenen kleinen Museum steigen wir aber endgültig in unser Auto und verlassen diesen erholsamen Ort!
Wir wissen nicht, was uns ab Tres Lagos auf der Ruta 40 erwartet – ob sie von dort nach El Calafate auch noch Schotter ist? Aber andererseits würde es ja wenig Sinn machen, die Stichstraße nach El Chaltén zu asphaltieren, wo doch die meisten der Besucher wahrscheinlich aus El Calafate anreisen!
Und tatsächlich – die Straße ist geteert! Was für ein Glück und wir haben auch nur noch etwa 100 km zu fahren, da kommen wir schon am Nachmittag an und können die letzten Besorgungen vor der Abreise noch ganz in Ruhe machen!
Die Fahrt ist gewohnt kurzweilig – es ist immer wieder erstaunlich, wie vielfältig so ein karges Land doch sein kann! Und auf so einer tollen Straße macht das Fahren auch wieder richtig Spaß! Längs der Straße sehen wir immer wieder ‚Steinmännchen“ aufgehäuft, wir fragen uns, ob wohl die Straßenbauarbeiter manchmal ihre künstlerische Ader entdecken :-), denn per Hand kann das niemand aufeinander gestellt haben! Längere Zeit fahren wir am Rio Santa Cruz entlang, der uns aus dem Lago Argentino entgegen kommt. Es soll auch Bootstouren von El Calafate nach Puerto Santa Cruz geben, aber ein Schiff können wir nirgends entdecken! Dafür die große Estancía ‚La Leona‘ – hier in der Nähe soll es noch einen weiteren versteinerten Wald geben, aber dafür haben wir heute so gar keinen Sinn mehr!
Ein kurzes Stück weiter sehen wir dann eine andere Estancía nahe der Straße und wir beschließen, daß wir hier unser letztes gemeinsames ‚Mittagspicknick‘ veranstalten wollen. Es gibt vor der Tür einen Tisch mit Stühlen und wir hoffen, wir können uns dort gemütlich niederlassen! Im dazugehörigen kleinen Café gibt es neben Kaffee, Tee und heißer Schokolade auch selbst gebackene Kuchen und diverse salzige Pasteten. Aber wir haben noch genügend Reserven im Auto und bestellen nur Getränke. Conny und ich sind besonders mutig und wollen endlich mal das Nationalgetränk ‚Mate‘ probrieren! Gott sei Dank läßt uns der Wirt erstmal an seinem ‚Topf‘ probieren – igitt, ist das bitter!
Darauf verzichten wir dann doch und bestellen uns dafür heiße Schokolade – und das ist sie auch im wortwörtlichen Sinne: In ein Glas heiße Milch werden einfach zwei große Riegel Schokolade gesteckt! Kaum haben wir unsere Bestellung aufgegeben, fährt draußen ein Autobus vor und gleich noch einer und auch noch ein Auto! Wir scheinen uns als ‚idyllisches Plätzchen‘ wohl DIE Raststätte an diesem Teilstück der Straße ausgesucht zu haben! Aber wir können zumindest Tisch und Stühle in der Sonne nutzen und unser Picknick genießen!
Nicht mehr lange und wir kommen am Lago Argentino an und können am anderen Ufer schon ein wenig El Calafate erkennen. Wir müssen jedoch noch um den halben See herum fahren, ehe wir dann erst die Stadt sehen können und dann auch schon am Ziel sind

Im Hostel warten unsere drei Betten im Dorm schon auf uns. Wir laden schnell das Auto aus, denn wir möchten es heute gleich noch zurück geben! Wie immer nach so langen Autotouren sammelte sich auch diesmal wieder allerhand lose im Kofferrraum und übrigen Auto an – da müssen wir heute abend wahrschenlich mal großzügig ‚klären‘!
Nachdem wir glücklich eine Tankstelle gefunden hatten (die nächste zum Hostel bekam gerade Nachschub und ist für mindestens noch eine Stunde deswegen ‚out of order‘!), fallen wir noch in einen Supermarkt ein – die beiden Busreisenden brauchen noch Proviant für morgen. Außerdem wollen wir heute abend nochmal Spaghetti Aglio Olio machen, damit unser Öl und restlicher Knoblauch noch verbaucht wird – dafür kaufen wir noch ein bißchen Salat und das Wichtigste, die Flasche Rotwein dazu! Schade, daß es damit dann für mich erstmal wieder vorbei ist – eine ganze Flasche Wein für mich allein ist ziemlich illusorisch und aufheben geht meist nicht, weil ich oft schon nach einem Tag wieder weiterfahre.
Im Supermarkt wird gerade umgebaut – das hindert sie aber nicht daran, das Lager während der Baustelle weiter zu nutzen
Die Auto-Rückgabe ist ohne Probleme, der Daumen wird anerkennend nach oben gereckt, und wir marschieren nach Hause in die Küche! Vorher wird noch schnell das Gepäck der beiden soweit klar gemacht, damit morgen früh alles möglichst schnell geht!
Mit großem Genuß wird dann unser Abschiedsessen verspeist – ist einfach immer wieder ein herrliches Essen! Als Nachspeise gibt es endlich die eingeweckten Himbeeren, die wir schon seit Los Antiguos mit uns tragen – lecker mit Milch, schmeckte fast wie in Lindenau!
Mit Essen und Wein wird es dann doch ungewöhnlich spät für uns, erst um 10.30h sind wir im Bett. Unser Zimmergenosse, ein etwas maulfauler junger Mann, schläft beeits – oder tut zumindest so!

Mittwoch, 16.3.2011
Heute klingelt der Wecker wieder früh – Conny und Rainer müssen um 8h schon am Busbahnhof sein! Wir frühstücken nochmal zusammen und schon sind sie weg! Hoffentlich kommen sie wieder gut daheim an – es ist ja eine lange Reise: Erst mit dem Bus nach Puerto Natales, dann mit dem nächsten Bus weiter nach Punta Arenas, dort übernachten, weiter mit dem Flieger nach Santiago de Chile, dann nach Madrid und endlich nach München!
Was ich mache, weiß ich noch nicht so recht – eigentlich hätte ich große Lust, doch noch mit dem Schiff von Puerto Natales nach Puerto Montt in Chile zu fahren und dann von dort nach Bariloche über die Anden und dann weiter! Ich habe ja heute Zeit, alles zu recherchieren!
Unser Zimmergenosse, ein deutscher Lufthansa-Mitarbeiter, der sich dann doch als ganz redselig herausstellt, wiird noch eine weitere Nacht bleiben – er ist schon zum wiederholten Mal hier in Patagonien unterwegs.
Meine Recherchen ergeben eine Schifffahrt am Montag, könnte ich also morgen oder Freitag auch den Bus nach Puerto Natales nehmen. Ich kann jedoch im Internet merkwürdigerweise nicht gleich buchen, aber ich finde eine Adresse hier in Calafate, wo ich das machen kann. In die Stadt muß ich sowieso nochmal – mit der DKB telefonieren wegen meines Kontozugangs, da kann ich dann alles zusammen erledigen!
Leider war mein Weg eher enttäuschend, das Schiff am Montag fährt derzeit nicht wg. ‚technischer Probleme‘. Also fährt nur das Freitags-Schiff, das aber diese Woche ausfällt, weil es die Tour für das Montags-Schiff diese Woche gemacht hat – ziemlich kompliziert das alles. Aber letztendlich würde das bedeuten, daß ich jetzt noch über eine Woche hier in Patagonien bleiben müßte und die Zeit fehlt mir dann einfach für den Norden – heißt also schnell umdisponieren!
Als ich im Hostel ankomme, ist gerade auch eine Gruppe Biker aus Viktoria/AUS eingetrofffen! Alle mit BMW’s und schon älteren Semesters (schätzungsweise zwischen 40 und 65), auch einige Paare darunter. Sie sind offenbar auch Schotterstraßen gefahren, wie die Motorräder aussehen – aber sie haben ein ‚Begleitfahrzeug‘ dabei, das ordentlich Ersatzreifen geladen hat!
Mit dem Bus nach Bariloche will ich nicht fahren, weil das einen großen Teil wieder ‚Ruta 40 Schotter‘ bedeuten würde und wir haben gesehen, wie diese Busse gefahren sind!!! Ein Flug nach Bariloche würde 450€ kosten, weil man erst nach Buenos Aires geflogen wird und dort ‚umsteigt‘ in den Flieger wieder zurück! So ein Zirkus!!!
Also beschließe ich, jetzt doch schon nach Cordoba zu fliegen und den Norden Argentiniens zu ‚erforschen‘! Auch diese Verbindung geht über Buenos Aires, aber der Umweg ist offenbar nicht ganz so groß, der Flug kostet knapp 200€. Ich kann am Freitag fliegen und das paßt ganz gut. Den Tag morgen werde ich mir schon vertreiben können. Also schnell gebucht, nochmal ins Inernet-Café, um den Flugschein auszudrucken und anschließend in die Creperie für einen Kaffee (und als verfrühtes Abendessen einen leckeren ‚Pfannkuchen‘ mit Apfelmus, Frischkäse und Walnüssen!).
Nach einem kurzen Schwatz mit ein paar jungen Frauen aus Österreich in der Lobby bin ich heute schon um 9h im Bett! Zu dem Deutschen hier im Dorm ist inzwischen noch Bruno, ein junger Mann aus Peru gekommen!

Donnerstag, 17.3.2011
Wie gut, daß ich gestern so früh im Bett war! Mitten in der Nacht ging die Tür auf, das Licht an und einer vom Hostel kam mit einem verspäteten Gast! Bis der dann seine Siebensachen verstaut hatte und im Bett über mir gelandet war, verging eine Zeit! Danach war ich dann hellwach, aber bei dem niedrigen Bett konnte ich nicht mal lesen! Aber so ist das halt, wenn man im Mehrbett-Zimmer eines Hostels schläft. Wie ich heute gemerkt habe, ist der ‚Obermieter‘ auch wieder mit allem, was er an hatte (er aber ohne Schuhe) im Bett verschwunden – auch heute morgen reichte ihm ein kurzes Ausspülen des Mundes als Morgentoilette. Wie ich aber später erfahre, wollte er uns nur nicht noch mehr als nötig stören – es war bereits 2.30h heute nacht, der Bus aus Rio Gallegos hatte tierisch Verspätung! Jetzt machte er sein Bett richtig und nutzte die Zeit, die Bruno und ich beim Frühstück waren, offenbar für eine ausgiebige Morgentoilette – er und unser Zimmer riechen zumindest so! Von Bruno gibt es nach dem Frühstück eine ausführliche Anleitung für Peru incl. seiner E-Mail-Adresse, falls ich unterwegs nochmal Hilfe brauchen würde! Ganz wichtig ist ihm, daß ich weiß, was und wo ich in Peru am Besten essen kann „weil in Peru haben wir eine Ess-Kultur, da gibt es nicht nur Fleisch, Fleisch, Fleisch, wie hier in Argentinien!“ Er ist wirklich zu drollig in seinem Eifer!
Die Biker aus Australien haben sich schon ganz früh auf den Weg gemacht zum Perito Moreno Gletscher – allerdings nur mit Begleitfahrzeug ohne Anhänger, aber auch auf dem waren genügend Ersatzräder geladen!
Nachmittags bin ich nochmal in der Stadt, muß mir meinen Gabelflug von Buenos Aires über Bolivien, Peru, Mexiko nach New Orleans nochmal ausdrucken – ständig flattern mir von Opodo irgendwelche Flugplanänderungen ins ‚Haus‘, ich weiß schon garnicht mehr, was der aktuelle Stand ist! Es ist wirklich zu ärgerlich!
Der restliche Nachmittag vergeht ausnahmsweise mal mit Fernsehen – ist schon ungeheuerlich, was gerade in Japan alles so passiert und ich bin auch neugierig, wie es in Libyen so weitergehen wird. Ist ja schon irgendwie passend, daß gerade in einem Hochtechnologieland wie Japan die Natur mal so richtig zeigt, wer der ‚Herr im Haus‘ ist! Und wie schnell bei uns plötzlich ganz anders über den Atomausstieg geredet wird. Sollten sie in Japan das Ganze doch wider Erwarten wieder in den Griff bekommen, ist das alles in ein paar Wochen wieder vergessen…
Ebenso in Libyen – nachdem die westlichen Länder den Muhammar jahrelang hofiert haben, wird jetzt plötzlich die Opposition in dem Land gehört (als ob es die nicht schon seit langem geben würde!). Aber könnte ja sein, daß die gewinnen und dann muß man rechtzeitig wieder auf der ‚richtigen Seite‘ stehen! Hauptsache Öl – gute Nacht!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s