Erste Etappe bis „Jurien Bay“

5.10.2010
Ich hatte mir den Wecker auf halb sieben gestellt, aber kurz nach 6h war ich schon putzmunter. Also gleich in die Dusche – um diese Zeit muß ich nicht warten und sie ist auch noch ganz sauber bzw. trocken. Leider ist der Duschkopf so undicht, dass man beim Duschen jedes Mal das ganze Bad unter Wasser setzt!
Danach bringe ich die ersten Sachen ins Auto. Mein Frühstück ist heute mal so richtig balinesisch: gebratener Tempeh mit Tomaten, lecker! Ich koche noch die restlichen Eier für unterwegs, packe meine übrigen Lebensmittel aus dem Kühlschrank in eine Plastiktüte und fülle die Thermosflasche mit heißem Wasser. Alles zusammen kommt in einen Karton und wird, zusammen mit meinen Einkäufen von gestern im Kofferraum verstaut. Da ich noch ein kleines Guthaben auf meinem Internet-Konto habe, schaue ich schnell noch meine Mails nach – wieder zwei CS-Zusagen für die nächsten 3 Wochen! Da brauche ich ja so gut wie gar nicht nach bezahlten Unterkünften schauen :-)!
Langsam kommen die ersten der anderen Gäste aus ihren Zimmern, als ich mich auf den Weg mache! Leider ist die Rezeption noch nicht besetzt, um meine 4 A$ ‚Schulden’ noch bezahlen zu können. Ich schreibe aber einen kleinen Zettel und stecke ihn mit dem Schlüssel in den Briefkasten – ich bezahle dann, wenn ich wieder zurück bin!

Das größte Problem beim Autofahren hier ist nicht der Linksverkehr, sondern die extrem schlechte Ausschilderung der Ausfallstraßen. Der Stadtplan, den ich habe, geht leider nicht über die innerste Innenstadt hinaus. Ich sehe zwar den Highway immer, aber ich finde keine Auffahrt Richtung Norden. Aber zumindest einen großen Coles-Laden, wo ich mir gleich noch die Kühlbox, einen großen Wasservorrat und Eiswürfel besorge! Die Thermosflasche gestern war der Witz des Jahrhunderts – ich hatte mich schon gewundert, dass sie außen so heiß geworden ist, als ich das kochende Wasser eingefüllt habe. Aber jetzt, etwa eine Stunde danach, ist das Wasser gerade noch ein wenig heiß! Leider können sie mir hier nicht helfen, das muß ich in dem Laden reklamieren, wo ich die Flasche gekauft habe! Na ja, ob das in drei Wochen noch Sinn macht? Die junge Frau dort beruhigt mich, das wäre bestimmt kein Problem. Na ja, wäre ja nicht schlecht, wenn ich das Geld dafür dann wiederbekäme! Wenn ich da an meine tolle Flasche im Oman denke – ich hätte sie doch mitnehmen sollen…
Aber dort in dem Laden können sie mir eine Beschreibung geben, wie ich auf den Highway komme und damit bin ich in wenigen Minuten auf dem richtigen Weg.
Noch ist relativ viel Verkehr auf der Straße, aber das ändert sich ganz schnell, als ich den Großraum Perth verlasse. Die Autobahn wird zur besseren Landstraße, die PKWs nehmen ab und der eine oder andere ‚road train’ ist zu sehen!

Ich habe Glück – die dürfen hier in WA „nur“ höchstens 37,5 m lang sein! Die Jungs gestern bei der Autovermietung sagten mir, dass es bis zu 2,5 km dauern kann, bis man so einen road train überholt hat – also lieber lassen. ‚Die fahren sowieso meist viel schneller, als erlaubt’! Ist schon beeindruckend, wenn einem so ein Gefährt entgegen kommt – vor allem auch der Luftzug, der davon ausgeht!
Die Straße führt durch ländliches Gebiet – große Farmen sind zu sehen mit Rinder- wie auch Schafherden auf den ausgedehnten Weiden! Viele Obstplantagen mit rosa blühenden Bäumen – sehen fast aus wie Kirschblüten, aber das Laub ist ganz anders.

Und die ersten ‚kangoroo crossing’-Schilder sind zu sehen, aber leider noch keine Kangoroos.
Nach etwa 2 Stunden Fahrt kommt das erste ‚Roadhouse’ in Sicht: Tankstelle, Restaurant, manchmal Motel in einem. Auch das war ein wichtiger Rat der beiden Jungs von Europcar: Bei jeder Tankstelle tanken!!! Erstens weiß man nicht, wann die nächste kommt (das könne manchmal dauern!) und zweitens weiß man nicht, ob die nächste nicht gerade ‚sold out’ wäre! Also tanke ich natürlich – will ja nicht unbedingt irgendwo unterwegs wegen Benzinmangel liegen bleiben.
Mittags erreiche ich dann die Abzweigung zum Nambung Nationalpark, das Gebiet der ‚Pinnacles’! Es ist überraschenderweise fast nichts los auf dieser Straße, die durch hügeliges Gebiet führt. Auf einem der Hügel ist ein großer Windpark zu sehen. Das ist hier noch eine Sensation – es gibt extra bezahlte Tagesausflüge zu den ‚Wind Farms’!
Die Straße wird links und rechts gesäumt von blühenden Mimosensträuchern – ‚Wattles’ werden sie hier in Australien genannt, und die Luft ist voll von dem süßlichen Duft! Ein wenig erinnert mich die Landschaft an die Kalahari, auch viel roter und weißer Sand überall.
Kurz vor dem NP gibt es dann einen großen Stau – die Straße wird erneuert und verbreitert, deshalb ist derzeit nur eine Fahrbahn zu benutzen!

Die Autos werden immer nur portionsweise je Richtung durchgewunken, das dauert! Erst nach fast einer Stunde bin ich dann am Parkeingang. Eintritt für ein Auto 11 A$, ‚with any concession 5 A$’. Ich frage, ob der DJH- bzw. YHI-Ausweis was bringt – leider nein, nur ‚australian retired or handicapped people’. Ich will schon in den sauren Apfel beißen und sage eher zum Scherz, dass ich zwar ‚retired’ wäre, aber nicht ‚australian’. Da meint der nette Herr am Schalter ‚okay, give me 5 bucks’! Na also, geht doch!
Dieser Nationalpark ist zwar klein, aber höchst beeindruckend. Wie von Riesenkindern auf einem Spielplatz verteilte Hütchen sieht das ganze aus!

Man kann mit dem Auto einen etwa 4 km langen loop fahren oder zu Fuß einen etwa 1,2 km langen Wanderweg nutzen.

Wie diese Steinformationen entstanden sind, weiß man noch nicht genau. Manche Wissenschaftler sagen, es sind versteinerte Bäume, andere sagen, es handelt sich um versteinerte Wurzeln von Mangroven. Einig ist man sich offenbar nur, dass sie etwa 300 000 Jahre alt sein sollen!
Von einem hohen Aussichtsdeck sieht man bis Meer – ein wunderschöner Gegensatz: Das blaue Wasser, die schneeweißen Dünen und das sattgelbe Sandgebiet, in dem die ‚Pinnacles’ stehen!
Hinterher schaue ich mir noch das sehr gut gemachte Dokumentationszentrum an, dann muß ich jedoch weiter. Inzwischen ist es fast 4h geworden und ich will noch nach Jurien kommen.
Tagsüber hatte ich mal daran gedacht, gleich bis zu meinem nächsten Etappenziel Geraldton zu fahren, aber das schaffe ich jetzt keinesfalls mehr! Denn – auch ein wichtiger Rat von Europcar – auf keinen Fall in der Dämmerung oder im Dunkeln unterwegs sein! Dann sind nämlich auch die Kangoroos unterwegs – und das sind hier die großen, die bis zu zwei Metern groß werden können! Wenn dann so eins vor oder aufs Auto springt…
Ich würde ja zu gern so eins sehen, aber das Risiko ist es mir dann doch nicht wert!
Hier in Jurian bin ich bei einer Couchsurfing-Frau, die auch ein Backpacker-Hostel betreibt. Es scheint aber nicht viel los zu sein – ich bekomme eins der Drei-Bett-Zimmer zugeteilt. Früher war das ein Feriencamp für Schulkinder – die verschiedenen Häuschen sind eigentlich Container. Aber ich habe Toilette und Dusche über den Flur und „einem geschenkten Gaul…“! Ich fahre noch schnell auf die Post und dann gibt es Abendessen: ‚stir fried chicken and veggies’. Margaret schaut Fernsehen, ich schreibe mein Tagebuch – 10h ist Feierabend, gute Nacht!

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