Buenos Aires

5.2.2011

Nach aufregender Anreise gut am Flughafen Ezaiza, etwa 35 km von Buenos Aires entfernt, endlich wohlbehalten angekommen!
Es war schon ein spezielles Abenteuer für sich, das ‚Abenteuer Südamerika’ zu beginnen: Aufgewacht an meinem letzten Tag in Southern California bei Rauhreif und -4 Grad!!! Los gefahren bin ich dann um 10h, nachdem die Sonne den Rauhreif ‚aufgeleckt‘ hatte.
Schon auf dem Freeway kurz hinter Oceanside war Stop-and-Go-Verkehr für etwa 30 km!!! Ich hatte schon die Befürchtung, daß ich meinen Flug nicht erreichen werde. Aber irgendjemand hat seine schützende Hand über mich gehalten – erstmal auf dem Tollway nach Irvine, den ich trotz Gebühren vorsichtshalber genommen habe, und dann auch weiter nach L.A. ging es sehr flüssig. Trotzdem war ich erst um 13h bei AVIS, mein Auto abgeben (mein Flug war um 15.15h!).
Dort der nächste Schreck – für die 20 Tage Auto wollten sie mir über 1800$!!! abknöpfen. Also mußte ich auch noch eine längere ‚Argumentationspause‘ einlegen – schließlich sind wir dann bei etwa 800$ gelandet (das hatte ich mir auch so ausgerechnet), diese Banditen!!! Schlußendlich war ich um kurz nach 2h beim Einchecken – nichts mehr los, das Zuspätkommen war da offensichtlich gar nicht so schlecht! Dann noch das Gepäck selbst zum X-Ray bringen (wie in alten Zeiten, war leider nicht das Internationale Terminal, wo das nicht mehr nötig ist – Canada ist offenbar nicht ‚international‘ genug…).
Gerade rechtzeitig zum Einsteigen war ich dann am Gate. Kurz nach dem Start wurde durchgesagt, daß wegen heftiger Schneefälle in Toronto evtl. ein anderer Zielflughafen angeflogen werden muß – na Bravo!
Ausnahmsweise hatte ich für diesen Flug einen Fensterplatz und war richtig froh darüber. Es war beeindruckend, die großen Stauseen (Lake Mead und Lake Powell) mal fast in ihren ganzen Ausmaßen zu sehen! Auch ein Blick auf den Grand Canyon und den ‚Riss‘, der am St.Andreas-Graben entlang geht, konnte ich werfen! Es war zwar ziemlich dunstig, aber trotzdem konnte ich gut erkennen, wo es lang ging!




Kurzweilig mit Essen und viel Kino verging der weitere Flug – bis wir dann über Chicago geflogen sind! Das war, entgegen der vielen Lichteransammlungen, die bisher schon zu sehen waren, eindeutig zu erkennen: Die Stadt am Ufer des Michigan-Sees!

Hier war uns auch schon gesagt worden, daß wir tatsächlich in Toronto, unserem Zielflughafen landen können – und nach 6,5h mit etwa 20 Min. Verspätung (ich hatte lt. Flugplan eine knappe Stunde zum Umsteigen!) kamen wir dort auch an.

Eigentlich muß man in Kanada bei Zwischenlandungen sein Gepäck erst ‚aufsammeln‘, damit durch den Zoll gehen und es danach wieder selbst aufgeben – das wurde mir an der Passkontrolle jedoch erlassen, mit dem Hinweis „Vielleicht schaffst Du dann Deinen Flieger noch“, na wunderbar:-(!
Der Flughafen war wie ausgestorben, keine Information mehr besetzt, alle Anzeigentafeln schon ausgeschaltet (es war kurz vor 24h!) – wie ein aufgescheuchtes Huhn rannte ich mal dahin und dorthin (dankenswerterweise waren die Laufstege noch an!), bis ich schließlich ein Air Canada Tor mit einer Weltkugel sah – das müßten die internationalen Gates sein! Sie waren es und ich kam mit hängender Zunge am Ende der Gates, aber wenigstens dann am Richtigen an, total durchgeschwitzt (das meiste vor Angst!) und dann war es in dem Flieger so heiß, das man fast keine Luft bekommen hat. Alle hatten ihre Ventilatoren deswegen auf Hochdruck laufen – genau das Richtige für meine Ohren…
Ich hatte aber einen sympathischen Sitznachbarn (der Flieger war pickepacke-voll!) aus Vancouver, die Sitze waren großzügig bemessen, das Essen war ganz ordentlich – und so habe ich die nächsten 10 Stunden Flug mit unterhalten, Filme gucken und immer wieder mal etwas wegdösen trotzdem ganz gut überstanden. Nach einem phänomenalen Farbenspiel beim Sonnenaufgang
landeten wir zu meiner Verwunderung jedoch in Santiago de Chile (ich dummes Huhn hatte Direktflug mit Non-Stop-Flug verwechselt:-().

Dort mußten allerdings auch alle, die nach Buenos Aires weiter wollten, den Flieger mit allen Habseligkeiten verlassen (auch ich mit meiner Wasserflasche, die ich mir in L.A. am Gate noch gekauft hatte) und durch eine Sicherheitskontrolle wieder zum gleichen Flieger zurückgehen! Natürlich war ich dann das Wasser los und bekam den Hinweis, ich könnte mir ja nach der Security wieder ein Neues kaufen. Ich hab diesen Flughafen sowieso im Verdacht, daß die Aus-/Einsteigerei nur dazu diente, durch die überraschend zahlreich vorhandenen und einigermaßen günstigen Shops gelotst zu werden, um dort die eine Stunde Aufenthalt für ordentlich Einkaufen zu nutzen! Ich habe zumindest bei Starbucks, den gab es natürlich dort auch, die letzte ‚Chile’-Tasse ergattert!
Anschließend waren es jedoch nur noch 2h bis Buenos Aires! Gleich nach Santiago ging es steil hoch über die Anden – ein mehr als beeindruckendes Erlebnis, so niedrig über diese riesigen Berge zu fliegen!!!


Angekommen endgültig in Buenos Aires dann gegen 4h Ortszeit (ich weiß jetzt gar nicht mehr, wie der Unterschied zu Deutschland ist vor lauter hin und her fliegen…) – und bin mehr oder weniger ‚tot‘ nach 30 Stunden unterwegs sein!

Das Beste und Überraschendste für mich war jedoch, daß mein aufgegebener Koffer und Rucksack wirklich zusammen mit mir hier angekommen sind – damit hatte ich ja überhaupt nicht gerechnet bei dem kurzfristigen Einchecken und der kurzen Umsteigezeit in Toronto! Leider hat die amerikanische TSA an meinem schönen Koffer das Schloss gewaltsam aufgebrochen (obwohl es sich um ein zertifiziertes TSA-Schloß handelte!!!) und nun ist der Koffer nicht mehr ‚einbruchsicher‘! Da muß ich jetzt im Internet nach einer e-Mail-Adresse von denen forschen und mich ordentlich beschweren – es wird wahrscheinlich nichts helfen, aber ich muß mir einfach Luft machen!!! Gestohlen wurde offenbar diesmal nichts, zumindest geht mir im Moment noch nichts Wichtiges ab!

Am Flughafen wurde ich vom „VIP“-Dienst, den die Schule für mich bestellt hatte, schon erwartet. Der Fahrer jedoch, der mich dann in sein Auto lud, war nicht unbedingt VIP! Er war zwar sehr nett, sprach aber kein Wort Englisch und kannte sich auch nicht so besonders aus! Aber ich habe ihm das alles nicht übel genommen – wir haben uns trotzdem ganz gut ‚unterhalten’ und bei dem herrlichen Sommerwetter, das mich empfing, war eine kleine zusätzliche ‚Stadtrundfahrt’ auch nicht so verkehrt und letztendlich hat er mich dann doch wohlbehalten bei meiner Gastgeberin Diana in ihrem „Haus“ abgeliefert!
Diana besitzt die obere Hälfte eines ‚Stadthauses’ in Cabrillo (‚Pferdchen’), einem der 48 Stadtteile von Buenos Aires. Er ist ganz und gar untouristisch, aber per U-Bahn (‚Subte’) nur etwa eine Viertelstunde vom Zentrum, der/dem(?) ‚Plaza del Mayo’, und meiner Schule entfernt und die U-Bahn ist um die Ecke!
Es ist eine riesige Wohnung mit einem kleinen Obergeschoß, in dem 2 Gästezimmer mit eigenem Bad liegen, die Diana immer an Schüler der Spanisch-Schule vermietet. Jetzt im Februar bin ich der einzige Gast, habe also ein richtiges Apartment, könnte auch jede Nacht wechselnd in beiden Zimmern schlafen und auch mal ‚naked’ rumlaufen (wie mir Diana augenzwinkernd erklärt!). Das schönste daran ist jedoch der direkte Zugang zur riesigen Dachterrasse, wo es einen Tisch und Stuhl für mich gibt, eine Liege mit Sonnenschirm, zahllose Töpfe mit Pflanzen, die mal zu Bäumchen oder Bäumen werden sollen und einen tollen Blick – zwar nur auf die umliegenden Häuser und Dächer, aber das ist nicht verkehrt! Es gibt auch einen Grill dort oben, aber den anzuzünden lohnt sich für uns beide wahrscheinlich nicht!

Das ist auch gar nicht nötig, denn Diana ist eine wunderbare Köchin! Sie hat zum Abendessen ‚Milanese’ (also das gute alte ‚Wiener Schnitzel’!) und ‚Torta Zucchini’ für mich vorbereitet – beides ein ganz typisches Essen für Buenos Aires (wie sie mir versichert und ich glaube ihr aufs Wort!). Danach gibt es frische Früchte! Überraschenderweise haben wir bei ihr schon um 8h Abendessen, eigentlich für argentinische Verhältnisse ‚viel zu früh’ – aber Diana ist, auch sehr untypisch, eine absolute Frühaufsteherin!
Wir haben uns wahnsinnig viel zu erzählen (sie spricht ziemlich gut Englisch – „aber nur noch heute und morgen“, wie sie mir androht!). Sie ist ein klein wenig jünger als ich, hat 4 erwachsene Kinder und 3 Enkeltöchter, die jüngste wurde gerade eine Woche nach Anna geboren, lebt auch seit vielen Jahren allein und hat, nachdem sie vor etwa 10 Jahren überraschend arbeitslos wurde, auch eine ganz neue Berufung gefunden (für die unter Euch, die des Spanischen mächtig sind: schaut mal bei Google unter „Diana Ines Christello“)!
Sie ist jedoch noch zu einer Geburtstagsfeier eingeladen und ich bin wirklich todmüde und werde umgehend ins Bett fallen – falls ich die schmale Wendeltreppe zu meiner ‚Wohnung’ nach oben noch schaffe…

6.2.2011

Ich habe gut geschlafen – das war aber auch keine Kunst nach etwa 30h mehr oder weniger ohne Schlaf! Gegen 11.30h bin ich dann endgültig wach geworden und nach einer ausgiebigen Dusche gab es dann mein versäumtes Frühstück zum Mittagessen. Das Wetter ist herrlich draußen – habe ich schon mal auf der Dachterrasse getestet: Sonnig mit einem kleinen Lüftchen! Was kann mir besseres für meinen ersten Tag hier passieren! Ich werde Dianas Rat, zuerst mal eine Stadtrundfahrt mit einem Bus zu machen, gleich heute beherzigen, damit ich zumindest mal einen ersten Eindruck von dieser Riesenstadt bekomme!
Die Abfahrtsstelle für diesen Bus ist gleich um die Ecke von meiner Schule, so daß ich den Weg dahin auch gleich mal testen kann! Ich fahre natürlich mit der ‚Subte‘, der U-Bahn von Buenos Aires. Es gibt 5 Linien davon – die ‚Linea A‘, die ich benutze, ist die älteste von allen, die erste auf dem süd-amerikanischen Kontinent! Es fahren noch die richtigen Holzwaggons von 1913 und entsprechend laut und rüttelnd geht es zu! Aber die Menschen in Buenos Aires lieben sie und es regt sich allenthalben Protest, weil sie mit dem Abschluß der Erweiterungsarbeiten auf diesem Streckenabschnitt verschwinden soll! Auch die Bahnhöfe sind noch alle im alten Stil – neu sind nur die neuen Durchgangsschranken, die mit Magnetkarten für 1x- oder Mehrfachfahrten funktionieren.

In der Innenstadt ist es heute am Sonntag wie ausgestorben – obwohl einige Läden geöffnet haben. Nur an der Abfahrtsstelle für die Sight Seeing Busse steht eine lange Schlange, also werde ich lieber erst mit dem nächsten fahren!
Inzwischen erkunde ich den Weg in die Schule (gerade mal um 2 Ecken) und suche mir einen Platz für einen Kaffee. Es gibt natürlich einen Starbucks gleich nebenan (wundert mich das wirklich?), wo ich ein wenig meine Broschüren studieren kann, ich ich von der Touristeninformation bekommen habe!
Im nächsten Bus bekomme ich einen schönen Platz auf dem offenen Oberdeck (es ist jedoch dankenswerterweise ein Sonnendach darüber gespannt!), so kann ich alles wunderbar sehen! Für die Erklärungen gibt es Kopfhörer, wo in 9 Sprachen durch die Stadt geführt wird!
Buenos Aires zeigt sich mir als eine Riesenportion Paris und Neapel, mit ein wenig Budapest und New York City vermischt und bestreut mit ein paar Bröseln Genua und Barcelona! Während dieser Tour durchfahren wir jedoch nur einige wenige Stadtvierteln von den vielen, aus denen diese Riesenstadt besteht:
Das ‚Microcentro‘ – das unmittelbare Stadtzentrum rund um die Plaza de Mayo, dem ‚Großen Platz‘, wo auch heute noch die Mütter tausender junger Leute, die in den 70er Jahren von der damaligen Militärdiktatur verschleppt wurden und nie wieder aufgetaucht sind, protestieren!
Hier befinden sich die „Casa Rosada“ – Residenz der Präsidenten Christina Kirchner; der ‚Cabildo‘ von 1725 – das erste Rathaus; das ‚Correo Central‘ – das Hauptpostamt; die ‚Manzana de las luces‘ – das frühere Jesuitenkloster mit der wunderbaren Barockkirche ‚San Ignacio‘ und auch die Haupteinkaufsstraße/Fußgängerzone von Buenos Aires, die ‚Florída‘ – auch die ist inzwischen leider größtenteils nur noch eine Ansammlung von Billigläden geworden, wo sie doch bis vor ein paar Jahren noch DIE Einkaufsstraße in Süd-Amerika war!
Zwischen all diesen sehenswerten Punkten reihen sich in den breiten Straßen entlang hochherrschaftliche sehr hohe Häuser mit reichhaltigen Stuckverzierungen, die vom ehemaligen Reichtum der Stadt künden!
Daran schließt sich das Viertel ‚Congreso‘ an, wo es nur so wimmelt von großen, aufwändig dekorierten Häusern mit den fast unvermeidlichen typischen ‚Zwiebeltürmen‘ – eine langgezogene Haube auf einer Ecke eines Hauses! Durch dieses Viertel führt die ‚Avenida Corrientes‘, der ‚Latin Broadway‘ mit ihren unzähligen Theatern und Cabarets, Kinos und Restaurants, Buchläden und Kaffeehäusern! Nicht weit von hier hat auch das legendäre ‚Teatro Colon‘ seinen Platz, ein „Juwel unter den Opernhäusern“, das Platz hat für 2600 Besucher!
Die Straße ‚Avenida 9 de Julio‘ führt ebenfalls durch dieses ‚barrio‘ – das soll weltweit die breiteste Straße sein (vielleicht von Stadtautobahnen in L.A. abgesehen :-))! Sie ist durchschnittlich etwa 110 m breit, an den Plätzen sogar bis 140 m!
Die ‚Avenida de Mayo‘, die an der ‚Plaza de Mayo‘ beginnt, endet am ‚Congreso‘, dem Parlament Argentiniens, einem imposanten Gebäude aus der Jahrhundertwende!

Langsam werden die Häuser dann niedriger, die Hinterhöfe ein wenig schmuddelig und die Straßen voller – wir nähern uns ‚La Boca‘ (die Mündung), dem Stadtviertel, in dem die ersten Einwanderer aus Italien, hauptsächlich aus Genua, ankamen – auch heute noch wird hier ein genuesischer Dialekt gesprochen! Es war bis Mitte des 19.Jh. eine Gegend, wo niemand wohnen wollte – ständig überschwemmt und mit ungesundem Klima! Dann wurde das Schwemmgebiet aufgeschüttet und es als Bauland für die armseligen Hütten der Einwanderer frei gegeben. Die nutzten das und bauten sich eine eigene kleine Stadt, die sogar mal kurz davor war, unabhängig zu werden :-)!

Als diese Einwanderer sich hochgearbeitet hatten und langsam reich wurden, bauten sie sich ihre deutlich größeren Häuser, und dazu auch schon die ersten Fabriken, im angrenzenden Stadtteil ‚San Telmo‘ – noch heute sind diese opulenten Stadthäuser zu sehen – wenn auch oft nicht mehr als solche zu erkennen. Sie wurden nämlich nach der Gelbfieber-Epidemie in 1871 nach und nach in sog. ‚conventillos‘ umgewandelt – heute würde man ‚Apartmenthäuser‘ dazu sagen. Aber damals waren das Massenquartiere für die den Italienern folgenden Spanier – unvorstellbare Zustände müssen dort geherrscht haben! Eine ganze Familie, zu der Zeit locker mal 10 Personen oder mehr, hauste in einem Raum, der meist nicht größer als vielleicht 20 qm war, die ehemalige Küche im früheren Herrschaftshaus mußte von allen Mieter-Familien gemeinsam genutzt werden und die Sanitäranlagen natürlich auch! Heute wandelt sich das Stadtviertel wieder ein wenig – der Tourismus hat sicher viel dazu beigetragen! Hier hat sich nämlich in den 20er und 30er Jahren die Bohéme angesiedelt, hier wurde der Tango ‚erfunden‘ und beibehalten und inzwischen gilt es für viele Leute in Buenos Aires als ‚chic‘, ein altes Townhaus wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurück zu versetzen und dort zu wohnen!
Es gibt aber auch heute noch den ‚Mercado San Telmo‘, den mehr als 100 Jahre alten Obst- und Gemüsemarkt des Viertels, und die ‚Basilica Nuestra Senora del Rosario‘ als Zeugen der alten Zeit. Und die Touristen von heute lieben die bucklige ‚Calle Defensa‘ mit ihrem Kopfsteinpflaster und kleinen, teilweise winzigen Häusern an deren Rand und dem riesigen Flohmarkt ‚Feria de San Telmo‘. An den Wochenenden ist ein Besuch eher nicht anzuraten, so voll ist es dann dort (und natürlich dann ein ‚Hauptbetätigungsfeld‘ für Taschendiebe!).
Die Italiener der ersten Einwandererwelle, die es zu etwas mehr gebracht hatten, bauten sich ihre neuen ‚Paläste‘ in den Stadtteilen ‚Retiro‘ und ‚Recoleta‘ – und da in der Zeit um die Jahrhundertwende ‚Paris‘ mehr als angesagt war, wirken diese in weiten Teilen auch ein wenig wie die französische Hauptstadt! Die ‚Avenida Libertador‘, die ‚Av.Grl. Las Heras‘ oder die ‚Av. Santa Fe‘ könnten auch ‚Av. de Champs Elysee‘, ‚Boulevard Haussman‘ oder ‚Av. Foch‘ heißen… Aber es gibt auch zahlreiche Straßen mit schmalen mehrgeschossigen Häusern, die auch am Montmartre stehen könnten! Auch der bekannteste und touristisch am meisten besuchte Platz in Recoleta, der ‚Cementerio de la Recoleta‘ ist fast ein Abbild des Friedhofs am Montmartre – aber sehr viel großzügiger! Hier ist statt dort ‚Marie Duplessis'(Kameliendame) die vergötterte ‚Evita Peron‘ begraben, statt so vieler Dichter und Denker in Paris gibt es hier mehr Politiker und Militärs…
Mittelpunkt von Retiro ist die ‚Plaza San Martin‘, umgeben von stolzen Palästen aus dem frühen 20.Jh., auf der neben einem massiven alten Feigenbaum viele, viele ungewöhnliche Bäume für diese Gegend wachsen (Jacarandas, Auricarien, Kapok etc.).

Der nächste Stadtteil ist die ‚Grüne Lunge‘ von Buenos Aires – ‚Palermo‘! Ein großer Park geht hier fast in den anderen über: Der Zoologische Garten, der Botanische Garten, der japanische Garten, die Plazas „Italia‘, ‚Alemana‘, ‚Holanda‘, die Pferderennbahn und der Argentinische Poloplatz, der städtische Golfplatz etc. etc. etc. – alles mehr als dicht beieinander! Und wie es sich für so einen grünen Stadtteil gehört, ist das eher das Wohngebiet für die ‚Haute Volée‘ von Buenos Aires! Wobei die vielen Parkanlagen an den Wochenenden für alle Einwohner eine willkommene ‚Sommerfrische‘ sind, wo Picknicks abgehalten werden, zahlreiche Kinderspielplätze vorhanden sind und auch dem Sonnenbaden gefrönt wird!
Von ‚Palermo‘ – der Stadtteil heißt deswegen so, weil die Avenida Palermo da durch führt, hat also mit Sizilien etc. garnichts zu tun! – geht es weiter nach Puerto Madero! Hier wurden aus und in den alten Dock-Anlagen exklusive Wohnungen geschaffen und dahinter und dazwischen eine gehäufte Ansammlung modernen Büro- und Wohnhochhäuser! Ein wenig so wie die ‚Docklands‘ in London oder auch ‚Hafencity‘ in Hamburg! Als ich den ersten ‚Schock‘ überwunden habe, kann ich dem ganzen sogar ein wenig Positives abgewinnen – hier ist es jetzt pieksauber und sicher wo bis vor nicht allzu langer Zeit hauptsächlich Ratten und zwielichtige Gestalten unterwegs waren!

Dieser ehemalige Hafen war nur etwa 15 Jahre in Betrieb (von 1910-1925), als Anlege- und Entlademöglichkeit für die großen Schiffe damals. Aber schon kurz nach seiner Eröffnung war abzusehen, daß er für die noch immer größer werdenden Schiffe bald zu klein werden würde und es wurde der ‚Puerto Nuevo‘ gebaut, der 1925 in Betrieb genommen wurde und heute noch genutzt werden kann!
Der ‚Puerto Madero‘, benannt nach dem Mann, der ihn damals entworfen hatte, war von 1925 bis 1990 ungenutzt – man stelle sich vor, wie das in den den 80er ausgesehen haben mag! Dann endlich wurde das 170 ha große Gelände ‚urbanisiert‘ – alte Speicherhäuser wurden zu Lofts und Einkaufspassagen umgebaut, neue Straßen angelegt bzw. alte in Ordnung gebracht, die Pläne für eine ganze Reihe neuer Hochhäuser eingereicht, eine moderne Brücke gebaut und ein ganz wunderbares Museum. Entwürfe dazu haben wohl alle namhaften Architekturbüros eingereicht! Darüber hinaus gibt es heute dort einige Hochschulen, alle Straßen sind nach berühmten Frauen benannt und die Restaurant-Dichte ist gewaltig – es ist das jüngste und das absolute ‚In-Viertel‘ in Buenos Aires!


Langsam geht es dann wieder zurück zum Stadtzentrum – das eine oder andere Viertel oder besondere Punkte darin werde ich mir in den nächsten Wochen auf jeden Fall noch einmal intensiver zu Gemüte führen! Für den ersten Eindruck war jedenfalls diese ‚Sightseeing Tour‘ optimal!
Rund um die Abfahrtsstelle macht sich langsam ein abendlicher Kunsthandwerker-Markt breit. Dort sehe ich auch diesen Jungen, der in Ermangelung eines richtigen Fußballs mit einer Kugel aus zusammen geklebten Plastikfolien spielt! Die Fußballbegeisterung ist dadurch ungebrochen (und damit können auch keine umliegenden Schaufenster eingeworfen werden :-))! Aber traurig ist das doch für mich…

Als ich nach Hause komme, ist Diana schon wieder beim Vorbereiten unseres Abendessens: ‚Paté de Calabazá y Carne de Cerdo‘ (Kürbispastete und Schweineschnitzel vom Grill), danach eine gemischte Obstplatte! Nach diesem ausgiebigen Abendessen schlafe ich völlig ‚genudelt‘ dem ersten Schultag entgegen!

8 Antworten zu Buenos Aires

  1. Verena schreibt:

    Danke für den Tipp. Werde den „ultimo viaje „mit etwas mehr Zeit lesen! Freu Dich an Lateinamerika und den Latinos,ich liebe sie. Liebe Grüße Verena

  2. Monika Werner schreibt:

    Hallo,liebe Christine, nach langer Zeit habe ich Deine letzten Berichte gelesen. Es ist für mich unvorstellbar, ich würde vor Angst unters Bett kriechen!!! Deshalb freue ich mich besonders,dass Du in Buenos Aires gut gelandet bist. Von meiner Freundin der Sohn kam jetzt nach einem Jahr aus Uruguay zurück, der dort als Lehrer arbeitete und hat viel interessantes erlebt und berichtet. Wir wünschen Dir ein shnelles Spanisch lernen und eine gute Zeit. Wir denken viel an Dich! Alles Gute, Monika und Conny

    • grannyontour schreibt:

      Danke Euch – aber „isch abe gar keine bett bei mir“ und schon garnicht da, wo es am Spannendsten war! Also wo sollte ich hinkriechen – dann doch besser durch durch’s Abenteuer :-)!

  3. Sohn #1 schreibt:

    🙂 das ist echt lustig, als ich angefangen habe, die beschreibung des museums zu lesen, hatte ich ebenfalls gleich ‚hearst castle‘ im kopf…
    dann drück ich mal die daumen, daß du deinen sprachkurs trotz der ganzen anstrengung durchhältst… aber du hast dann ja hinterh noch jede menge zeit, deine neu erworbenen kenntnisse zu nutzen und auszubauen (notfalls halt so, wie wir es damals in italien gelernt haben: mit allen zur verfügung stehenden händen und füßen!!)

    • Sohn #2 schreibt:

      Und nicht nur damals, das klappt immer noch, jedes Jahr, immer wieder.
      Wird schon gutgehen, Hauptsache Du kannst Dich verständigen.
      Grammatik wird eh überbewertet 😀

  4. Helga schreibt:

    hola Christine,
    mach Dir nichts draus, der Grundwortschatz hilft Dir schon weiter. Wir sind bereits mehrere Wochen, ausgestattet mit wackeligen Grundkenntnissen, durch Mexiko und Costa Rica gefahren- und dabei recht gut durchgekommen- natürlich wäre es fein, sich besser verständigen zu können. Ich gehe übrigens jetzt auch wieder in einen Spanischkurs aber etwas más despacio.
    queridos saludos y mucha diversión
    hasta pronto
    Helga

  5. rothacher ursula + fritz schreibt:

    Hallo Christine,
    lustig deine Reise von Nord-nach Südamerika… aber nur wenn man
    nicht selber reisen muss. Wir wünschen dir einen guten Start in die 2.Woche Spanischunterricht…aber nicht, dass du deine Reiseberichte plötzlich in spanisch schreibst, sonst haben wir zwei in der Schweiz ein Problem!!!
    Herzliche Grüsse Ursula + Fritz

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