Schulzeit!

14.10.2010
Heute bin ich seit genau 3 Monaten unterwegs! Es ist unglaublich, wie schnell diese Zeit vergangen ist – aber es ist ja auch noch nicht soviel im Vergleich zur gesamten veranschlagten Dauer meiner Reise!

Für mich wird es heute besonders spannend – ich bin sehr neugierig, wie es in der Schule sein wird. Jenny bringt mich um kurz vor 8h rüber, sie will mich ja auch dem übrigen Kollegium noch vorstellen. Vor allem Karla, bei der ich nach der Pause hospitieren werde. Karla hat deutsche Großeltern aus der Nähe von Hannover. Sie war letztes Jahr in Deutschland – hat Berlin und München besucht in ganzen 4 Tagen!!! Sie ist eine junge, sehr ambitionierte Lehrerin und ich freue mich auf sie!
Das ganze Kollegium ist übrigens weiß, bis auf einen dunkelhäutigen Kollegen, der aus den USA kommt und halb schwarz und halb Cherokee ist uund mit einer Australierin verheiratet. Die meisten davon haben sich extra für diesen Standort beworben, weil sie entweder ‚den Busch’ mal hautnah erleben möchten oder weil sie ihn und seine Freizeitmöglichkeiten sehr schätzen. Ein paar ganz junge KollegInnen sind zum Schluß ihrer Ausbildung hierher geschickt worden. Viele der Kollegen bleiben allerdings letztendlich nicht sehr lange, wie mir Jenny erzählte. Es ist halt doch ein ganz anderes Leben hier. Sie sind zwar ‚nur’ 170 km von Broome entfernt (was immer wieder für einen Ausflug in Theater, Kino oder Konzert gut ist!), aber der Alltag spielt sich halt doch sehr isoliert ab. Die Lehrerwohnungen sind übrigens auch alle in einem extra-Teil des Dorfes – abgetrennt von denen der Einheimischen. Die meisten Lehrkräfte bewerben sich nach 2 Jahren für eine andere Stelle und bekommen sie wohl auch.
Mein Einstand bei Lauren ist wirklich nett – alle Kinder werden mir vorgestellt, nachdem sie ein lautes gemeinsames ‚good morning Christine’ geschmettert hatten. Danach haben sie etwa eine halbe Stunde ‚freies Spielen’, was die Mädchen hauptsächlich für Verkleiden und ‚Erwachsene spielen’ nutzen und einige der Jungs, um sich von mir etwas vorlesen zu lassen! Danach wird ‚gearbeitet’: Es gibt Papier und Farben für Bilder, Knete zum Ausformen und gestern gefertigte Tiermasken, die heute mit Wollresten fertig gemacht werden. Die Kinder sind mit Feuereifer bei der Sache – dazwischen werden immer wieder kleine Pausen angesagt, in denen gesungen und getanzt wird. In dieser Gruppe sind 20 Kinder, Lauren wird täglich von einer Hilfskraft und einem stetig wechselnden Elternteil unterstützt.
Nach etwa 1,5h klingelt es zur Pause, was für die Kleinen für heute auch ‚Schul’schluß bedeutet – Donnerstag ist der ‚kleine Tag’ der Woche! Ich gehe mit Lauren ins Lehrerzimmer für einen schnellen Kaffee und dann nimmt mich Karla unter ihre Fittiche.
Die ‚Großen’ von ihr sind natürlich schon neugierig, wer da heute zu Gast sein wird – Karla hatte ihnen morgens erzählt, dass ich komme, aber nicht, wer oder was ich bin! Ich bekomme also eine kleines Micro umgehängt und stelle mich vor: Wer ich bin (ich habe ein paar Fotos mitgebracht), woher ich komme (Karla hat eine Landkarte an die Wand gehängt), was ich hier mache. Sie stellen viele Fragen und kriegen sich bald nicht mehr ein vor Lachen, als ich ihnen erzähle, dass in Deutschland bald der Winter anfängt und dass wir an Weihnachten manchmal Schnee haben! Schnee können sie sich überhaupt nicht vorstellen und dass es an Weihnachten sehr kalt sein kann, ist für sie unbegreiflich – wo das doch hier die heißeste Zeit des Jahres bedeutet! Danach wird noch viel nach deutschen Worten gefragt – was sagt mal anstatt ‚hello’ oder ‚good morning’ etc., wie heißen die Zahlen von 1-10, wie die Wochentage. Voller Überraschung stellen einige fest, dass vieles sehr ähnlich zum Englischen ist! Englisch ist für die meisten der Kinder auch mehr oder weniger eine Fremdsprache, da daheim meist die sich auch der Mischung Englisch mit dem jeweils eigenen Dialekt im Lauf der Jahrzehnte gebildet hat!
Karla fand es sehr wichtig, dass ich mich selbst vorstelle und die Kinder dadurch erfahren, dass es neben Englisch noch andere Sprachen und ‚Akzente’ gibt!

Nach dieser Vorstellungsrunde geht es an den normalen Schulalltag. Die Kinder basteln jeweils zu zwei an einer Uhr! Für mich sehr überraschend, da sie immerhin 3.+4. Jahrgangsstufe sind! Sie machen das aber überwiegend sehr gut – und der Spaß kommt auch nicht zu kurz!
Danach geht es gemeinsam in den Computerraum, wo erst ein Lernprogramm zum ‚10-Finger-Tipp-System’ auf dem Plan steht und hinterher am Computer Rechenaufgaben gelöst werden.
Da die Kinder in den Familien oft schon ganz früh mit Computerspielen und Internet in Kontakt kommen, werden sie eben auch am Computer unterrichtet!
Beim Schreiben gibt es große Unterschiede – manche sind mit höchster Konzentation beim 10-Finger-System und machen das auch ziemlich gut. Für andere ist das eine einzige Qual – es geht eben viel schneller mit dem gewohnten ‚1-Finger-Suchsystem! Die Rechenaufgaben sind ziemlich tricky gemacht – nach einer Reihe richtig gelöster Aufgaben gibt es immer wieder einen Schritt in einem Computerspiel zu spielen. Da versuchen natürlich die meisten, die Aufgaben konzentriert zu lösen! Aber obwohl es sehr einfache Aufgaben sind – bei uns etwa Stoff der 1.+ 2.Klasse – wirken einige dabei sehr angestrengt und denen gelingt es auch kaum, die Stunde konzentriert zu Ende zu bringen!
Ich habe viele Fotos gemacht und verspreche ihnen, die an Karla weiter zu geben, damit sie sie dann gemeinsam anschauen können!
Dann klingelt es und es geht zum Mittagessen – nachmittags geht es für die Großen weiter! Für mich war sehr erschreckend, dass in dieser Klasse schon Kinder gab, die sich mit Rasierklingen selbst Wunden beibringen! Der Schuletat lässt aber einen Psychologen nicht zu! Es gibt zwar eine Art ‚Poliklinik’ hier im Ort, aber die behandeln eben nur ‚sichtbare’ Krankheiten! Es ist ein Jammer – diese Kinder sind doch noch so klein!

Mit Rücksicht auf die Privatsphäre der Kinder habe ich hier bewußt nur Fotos eingestellt, auf denen keine Gesichter zu erkennen sind! Alle anderen Fotos, die ich gemacht habe, sind nur für die Kinder und für meinen privaten Gebrauch!

Mich holt Jenny ab und wir gehen zurück ins Haus. Unser Lunch besteht aus den Resten von gestern abend, dann muß Jenny wieder zurück. Es steht heute noch eine größere Konferenz mit Administratoren aus Perth an, bei der sie einige Präsentationen machen muß. Sie arbeitet neben 3 Tagen pro Woche im Kindergarten noch 1 Tag/Woche als ‚Lehrplan-Entwicklerin’ an er Schule.
Der Nachmittag wird für mich sehr gemütlich – ich schreibe meine Texte für den Blog, schmeiße die Wasch- und Spülmaschine zwischendurch an und halte einen kleinen Mittagsschlaf- Die ungewohnte Hitze macht mich ganz schön fertig!

Abends gibt es einen leckeren Kangoroo-Braten – von einem der Aboriginie vorbei gebracht und selbst geschossen! Nicht etwa ‚road kill’… Es ist ein sehr proteinreiches und fast fettfreies Fleisch – von Geschmack her ein wenig wie Straußenfleisch. Dazu lassen wir uns einen Wein aus Jennys Vorräten schmecken! Die Lehrer dürfen sich nämlich Alkohol mitbringen und ihn in ihren Häusern auch trinken!

Danach sitzen wir noch lange auf der Terrasse – mit Hilfe von Moscito Coils und einigen Zigaretten läßt sich das ganz gut aushalten!

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Eine Antwort zu Schulzeit!

  1. Sohn #2 schreibt:

    witzig ist, dass Ritterrüstungen scheinbar weltweit Kinder aller Couleur faszinieren.
    Genau so ein Helm gab es bei meinen Kindern im KiGa auch und der war mehr als begehrt 🙂

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