Entdeckungsreise in faszinierender Natur

Mittwoch, 29.Juni 2011

Arturo fährt mich heute früh schnell zum Hotel am Eingang dieses Stadtviertels – dort wird mich der von ihm organisierte Transfer nach Fortuna abholen. Von diesem kleinen Örtchen nahe des Arenal Vulkans muß ich dann mit dem Taxi in die ‚Arenal Observatory Lodge‘,mein erstes Quartier ‚in der Wildnis‘ weiter fahren.
Der Kleinbus kommt pünktlich und mir steht eine etwa 3-stündige Fahrt bevor! Wir fahren hier auf einem Teilstück der ‚PanAmericana‘ – das ist für mich die dritte Teilstrecke dieser berühmten Nord-Süd-Verbindung, nach der ‚Routa Quaranta‘ in Argentinien und der PanAmericana in Nord-Peru. In den USA werde ich dann noch den amerikanischen Highway 1 von Süden nach Norden bis zur kanadichen Grenze, der auch zur PanAmericana gehört, befahren!

Wir sind relativ schnell aus dem Stadtgebiet heraus und fahren durch viel Grün – zu Anfang noch Zuckerrohrfelder, dann mehr und mehr Kaffeeplantagen und Bananenfelder. Zwischendurch gibt es immer wieder weite Flächen, die von Planen überspannt bzw. manchmal richtig eingehüllt sind! Hier werden die „Drachenbäume“ und „Yuccapalmen“ gezogen, die dann zu Millionen in deutsche Haushalte und Geschäftshäuser gestellt werden :-)! Wir überholen unterwegs auch immer mal Kleintransporter, deren Ladeflächen voll mit jungen Schößlingen sind – da wird wieder irgendwo ein neues Feld angelegt.
Wir durchqueren einige Dörfer und Städtchen – überall ist reger Betrieb, es ist schließlich für alle Werktag, außer für uns ‚faule‘ Touristen.




Kurz vor Fortuna halten wir an, um einen ersten Blick auf ‚El Arenal‘ werfen zu können – seine Spitze ist zwar durch Wolken verhüllt, aber er sieht trotzdem beeindruckend aus!

Im Ort selbst werde ich am Hot-Springs-Resort abgesetzt – die übrigen MitfahrerInnen haben nur einen Tagesausflug dahin gebucht. Es gibt hier überall heiße Quellen in der Gegend – aber wozu soll ich mir das antun, hier ist es gut warm und feucht schon um mich herum! Der freundliche Security-Mensch des Resorts ruft mir ein Taxi und es geht noch einmal etwa eine halbe Stunde weiter! Mein Hotel ist von hier aus gesehen genau hinter dem Vulkan und auf einer kleinen Anhöhe – nach Meinung vieler Experten der sicherste Ort im Falle eines Ausbruchs. Ich hoffe trotzdem, daß das nicht passiert, denn mein Taxifahrer erzählt mir, daß der Berg jetzt schon mehr als ein Jahr überhaupt kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben hat und daß deswegen eine größere Eruption befürchtet wird! Und ob man dann wirklich in fast unmittelbarer Nähe am ’sichersten Ort‘ wäre…

Nach einem kurzen Stück Asphaltstraße biegen wir in einen rumpeligen Feldweg ab – das geht jetzt so weiter bis zur Lodge. Nur die ganz steilen Teilstücke haben einen Betonbelag wegen der starken Regenfälle. Normalerweise wäre hier eigentlich ein Geländefahrzeug angebracht – aber die Costa Ricaner sehen das nicht so eng (ihre Pkws offenbar auch nicht!). Während der Fahrt halten wir plötzlich an – mein Fahrer hat im Wipfel eines Baumes das erste Faultier entdeckt! Ich hatte zwar schon mal eins in Bolivien gesehen, aber das hier ist viel deutlicher auszumachen!
Bei der Weiterfahrt bekomme ich immer wieder Hinweise auf Pflanzen oder Vögel – das läßt sich gut an hier!
An der Rezeption ist dieser gute Eindruck fast wieder weg – keiner weiß was von einer Reservierung, obwohl ich einen Voucher vorweisen kann. Aber ein Zimmer im ‚Casona‘, dem ehemaligen Kochhaus, als die Lodge noch ein Forschungsinstitut vom Smithonian Institut war, ist auch noch frei (so eins hatte ich ja auch gebucht!)! Leider ist das wieder etwa 700m bergabwärts, wir sind eben dran vorbei gefahren! Ich bekomme den Schlüssel für mein Zimmer in die Hand gedrückt und noch ein paar Verhaltensregeln mit auf den weg – das war’s. Auf meine Frage, ob irgendjemand vielleicht mein Gepäck dahin bringen könnte, erhalte ich nur einen fragenden Blick! Ich bestätige nochmal – ja, ich möchte mein Gepäck aufs Zimmer gebracht bekommen! Jetzt wird eine Mitarbeiterin mit einem winzigen Kleinbus gerufen, der normalerweise für den Transport von Wäsche etc. benutzt wird und dort wird mein Gepäck eingeladen. Ich mache mich zu Fuß auf den Weg, aber ein paar Meter von der Rezeption entfernt hält die junge Frau an und sagt, ich solle einsteigen – ich könnte auch mitfahren! Was für eine hilfreiche Seele!
Das Zimmer ist klein, hat überhaupt keine Möglichkeiten, etwas auszupacken oder gar aufzuhängen. Aber es gibt einen Sessel direkt vor dem Fenster und von dort habe ich wiederum den direkten Blick auf den Arenal! Was für eine Aussicht – jetzt wäre es doch ganz schön, wenn er ein kleines bißchen Lava spucken würde :-)! Der Anblick bei Nacht müßte gigantisch sein! Aber vorläufig passiert garnichts – im Gegenteil, selbst die Wolken, die vorhin noch um sein ‚Haupt‘ schwebten, sind inzwischen verschwunden!

Von der Eingangsterrasse aus hat man den Blick direkt auf den Lake Arenal – einen großen Stausee inmitten der Berge, auch das keine so schlechte Aussicht!

Ich mache ein kurzes Mittagsschläfchen und begebe mich dann wieder ’nach oben‘ zu einem kleinen Lunch und vor allem Kaffee!

Der Spazierweg jetzt ist wirklich schön – ich hoffe nur, daß wir in den nächsten Tagen keine Niederschläge haben. Schon frühmorgens durch Regen zu waten und triefend naß am Frühstückstisch zu sitzen, stelle ich mir nicht eben prickelnd vor! Aber warum mache ich mir solche Gedanken, es ist total weiß-blauer Himmel über mir!

So im strahlenden Sonnenschein sind die unzähligen verschiedenen Pflanzen überall am Wegesrand einfach atemberaubend! Viele sind darunter, die ich von Deutschland aus Blumengeschäften kenne – aber nicht in der farblichen Vielfalt, die hier zu finden ist. Und immer wieder sehe ich Schmetterlinge und auch Vögel! Es hat doch sein Gutes, so einen Fuweg zu gehen – es ist außer mir kein Mensch unterweg, meine Schuhe haben leise Gummisohlen und so kann ich einigen Vögeln relativ nahe kommen, ehe sie dann doch wegfliegen! Was für ein Überfluß in Flora und Fauna!




Im Restaurant ist kaum noch etwas los und so hat der Ober ein wenig Zeit für mich. Er erklärt mir, wo man i.d.R. morgens beim Frühstück diverse Affen bei ihren morgendlichen Turnübungen in den Bäumen am Besten beobachten kann! Er macht mich auf die ‚Futterstellen‘ für die Vögel aufmerksam, wo Obststücke auf lange Stangen gesteckt werden, die unten von einer Art ‚Blechpilz‘ eingefaßt sind, damit die Affen und Waschbären da nicht drankommen und den Vögeln alles wegfressen! Es gibt viele blühende Büsche, wo sich Kolibris tummeln! Die sind hier in unterschiedlichsten Größen und Farben zu sehen!

Nach all diesen Erklärungen und meinem kleinen Lunch (es gibt schon von 18-20.30h wieder Abendessen!) geht es zurück in mein Zimmer – auch jetzt wieder gibt es auf dem Weg einiges an Pflanzen und Tieren zu entdecken und zu fotografieren! Der Himmel fängt jedoch an, sich jetzt mit Wolken zu beziehen und über dem See sieht bedrohlich nach Regen aus!

Auf der Terrasse vor dem Haus genieße ich noch eine ganze Weile die wunderbare Aussicht auf den ‚Lake Arenal‘ – vor allem jetzt, wo sich ein Gewitter über dem Wasser entlädt! Es schlagen ständig Blitze in das Wasser ein! Aber bald kann man davon nichts mehr sehen, weil eine einzige ‚Wasserwand‘ die Sicht langsam versperrt – und sie kommt genau hier auf die Gegend zu! Als die ersten Tropfen niedergehen, ziehe ich mich in mein Zimmer zurück und beobachte von dort das weitere Schauspiel: Ein mehr als dichter ‚Regenvorhang‘ macht die Aussicht von meinem Fenster auf den Vulkan und selbst auf die blühenden Sträucher nahe dem Haus einfach unmöglich!

So etwas habe ich ja noch nie erlebt!!! Vor allem ist es diesmal nicht nur ein kurzer Regenguß sondern ein endlos scheinendes Gewitter! Blitz und Donner wechseln sich fast ohne Pause ab und die Donnerschläge sind laut wie Explosionen! Erst als es schon dunkel wird, verzieht sich das Gewitter, aber der heftige Regen dauert weiter an! Abendessen muß heute ausfallen – ein wenig läßt der ‚Wasserfall‘ zwar nach, aber das Rauschen vor dem Haus begleitet mich noch in den Schlaf! Das kann ja heiter werden – norgen soll mein ‚White Water Rafting Abenteuer‘ stattfinden! Aber da wird es eigentlich egal sein, ob ich von unten oder auch noch von oben nass werde…

Donnerstag, 30.Juni 2011

Beim Aufwachen kann ich den Vulkan wieder sehen – während der Nacht bin ich allerdings noch ein paar Mal wach geworden, weil sich immer wieder mit Macht Gewitter „über mir“ entladen hatten! Die Bewölkung reißt auch langsam wieder auf!

Ich packe einen Satz trockene Sachen in meinen Rucksack, meinen Fotoapparat in den wasserdichten Fotobeutel – zusammen mit ein paar Ersatz-Batterien, meine in San Jose noch ‚last-minute‘ erworbenen ‚Wasserschuhe‘ dazu und ein Handtuch! Ich bin ja schon sooo gespannt auf diesen Ausflug heute.

Aber erst einmal steht mir mein tägliches ‚exercise‘ bevor – einmal hoch zum Restaurant wandern und (als Belohnung :-)) frühstücken! Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, so früh und ganz allein durch den Wald zu wandern – es gibt soviel um mich herum zu sehen!

Das Frühstücksbüffet ist reichlich – aber ich habe gar keinen Blick dafür. Heute ist noch viel mehr ‚los‘ im mich um gebenden Urwald wie gestern – der Regen hat hier offenbar sehr positive Wirkung, aber vielleicht auch die inzwischen wieder hervor gekommene Sonne! Beim Frühstück kann ich den Blick garnicht vom Fenster wenden – soviele Affen turnen draußen herum und Vögel tummeln sich überall im Geäst der Bäume!

Aber ich muß mich los reißen – mein ‚Aufklauber‘ für die Tour ist angekommen! Mit mir im Kleinbus sind noch eine Familie aus Texas (Vater, Mutter, (fast erwachsene) Sohn und Tochter) und ein junges Paar aus Montana – Costa Rica scheint eins der bevorzugten Urlaubsländer für Amerikaner zu sein! Wir sind fast zwei Stunden unterwegs, weil wir zu einem anderen Fluß als ursprünglich vorgesehen gefahren werden – der Rio Toro führt derzeit zu wenig Wasser! Das kann man sich eigentlich nicht vorstellen, nach diesen sintflutartigen Niederschlägen gestern abend und heute Nacht, aber die Gewitter gingen wohl nur sehr partiell nieder! Wir fahren statt dessen zum Rio Sarapiqui – der aber statt der angebenen Schwierigkeitsstufe 2-3 auf dem Level 4 gefahren werden muß! Wir alle hier im Bus haben keinerlei Erfahrung mit Rafting, die Texaner waren aber zumindest schon einige Male mit Kanus unterwegs – und ich kann gut schwimmen :-)! Wir wurden während der Fahrt zwar schon gefragt, ob wir uns das zutrauen – aber da wir uns alle schon sehr auf dieses Abenteuer gefreut haben, hat auch keiner den Trip abgesagt (was wir bei vollem Ersatz des Preises hätten tun können).

An der ‚Einstiegsstelle‘ angekommen tausche ich meine Sandalen schnell gegen meine ‚fancy‘ Gummi-Wasserschuhe (krachend pink mit einer Schmuckblume und ‚Brilliant‘ als Verzierung – dafür haben sie nur 1.50$ gekostet!), zippe meine langen Hosenbeine ab und verstaue beides in meinem Rucksack. Der bleibt im Auto und wird zur ‚Ausstiegsstelle‘ gefahren! Auch meine Camera lasse ich im Auto – so, wie die Tour jetzt beschrieben wurde, werde ich kaum Gelegenheit haben, zu fotografieren aber umso mehr, sie wieder in den Fluten zu verlieren :-(!

Jetzt geht es an die Verteilung von Schutzhelmen und Schwimmwesten, die jedem genau angepaßt werden! Zum Schluß wird jedem ein Paddel ausgehändigt, ein Gemeinschaftsfoto von allen TeilnehmerInnen heute gemacht (vorher – nachher?)

und dann geht es an die Verteilung auf die einzelnen Boote! Ich bin ja mal gespannt – alles Gruppen oder Paar und ich als Einzige (und mit Abstand Älteste!) alleine! Aber meine texanischen Begleiter fragen sofort, ob ich nicht bei ihnen mit ins Boot wollte, unser ‚Skipper‘ Pablo hat auch nichts dagegen und so sind wir dann eine 5er-Gruppe – ich bin neugierig! Kathie, der Mutter der Familie, ist das alles ein wenig unheimlich – die Stromschnellen sehen auch einigermaßen respekteinflößend aus. Pablo gibt uns aber vor dem Start noch genaue Anweisungen, wie wir uns verhalten sollen bzw. welche Kommandos wir zu beachten haben, ihre Familie redet ihr gut zu und sie läßt sich dann auch auf das Abenteuer ein!

Alle auf dem äußeren Wulst des Schlauchbootes sitzend, die Füße fest verkeilt unter dem Randwulst bzw. unter den ‚Stabilisierungsstegen‘ innerhalb des Bootes, sind wir das erste Boot, das sich nach ein paar praktischen Übungen in einer Ausbuchtung des Flusses auf den Weg macht und es geht auch gleich richtig ‚in die Vollen‘!

Schon bei der ersten Stromschnelle ist das gesamte Boot bis obenhin mit Wasser gefüllt – und wir entsprechend völlig durchnäßt! Was bin ich froh, daß meine Camera in Sicherheit ist :-)! Und so geht es weiter – kurze Stücke „ebenes“ Wasser (wenn auch mit starker Strömung!) und dann wieder um irgendwelche Felsen manövrieren und tief in Stromschnellen eintauchen! Ständig hören wir die Befehle von hinten „row left, row right, row both, left back, right forward, INSIDE (dann müssen wir alle sofort INS Boot hineinrutschen), OUTSIDE (ganz fix wieder zurück auf den Wulst)“! Es ist zwar tierisch anstrengend aber auch ein Riesenspaß! Immer wieder werden wir von Riesenwellen komplett überschwappt, in kürzester Zeit nach dem Ablegen sind wir schon komplett durchnäßt! Manchmal sieht es aus, als ob wir gleich umkippen wollten, aber unser Steuermann Pablo hat alles sicher im Griff! Teilweise rutschen wir gerade so über die unter dem Wasserspiegel verborgenen riesigen ‚boulders‘ hinweg, manchmal fahren wir nach einer großen Stromschnelle auch voll gegen so einen großen Felsen und müssen uns mühsam wieder in die richtige Fahrtrichtung zurück manövrieren! Pablo ist total begeistert von uns und unsere Paddel (sind übrigens vom Hersteller „WERNER“!) treffen uns nach jeder etwas schwierigeren Phase in der Luft mit einem lauten „Pura Vida“ Schrei!




Die anderen Boote sind weit hinter uns, nur ein kleines Wildwasser-Kajak begleitet uns in Sichtnähe – ein ‚life guard‘ für den äußersten Notfall! Ein zweites kleines Kajak ist mit einem Fotograf unterwegs – der ist entweder ein Stück vor uns, um immer wieder mal Fotos von unserem Boot zu machen oder er bleibt zurück, damit er die anderen Boote auch aufnehmen kann! Nach etwa einer Stunde (uns kommt es vor, als ob vielleicht 20 Minuten vergangen wären!) steuern wir das Ufer an – eine Kiesbank ist als Pausenstelle für einen „Energy Snack“ vorgesehen! Da wir die ersten sind, wird unser Boot als „Tisch für das Büffet“ auserkoren. Wir schaffen es aus dem Wasser und drehen es um, Pablo zaubert aus seinem Packsack zwei große Ananas und eine riesige Wassermelone und fängt an, die zu ’schlachten‘. Nach und nach legen jetzt auch die anderen Boote an und auch von denen wird noch Obst nachgeliefert und in kürzester Zeit ist unser ganzer Boots-Boden ein einziges Ananas- und Wassermelonen-„Meer“ – genügend ‚Kraftnahrung‘ für alle TeilnehmerInnen!

Wir sind alle klatschnaß und auch ziemlich schmutzig – das Wasser ist gelbbraun von all den Sedimenten, die darin gelöst sind! Da es aber ein Gebirgsfluß ist, in den noch nirgendwo irgend etwas eingeleitet oder eingesickert ist, tangiert es uns nicht besonders – der große Spaß steht für die meisten im Vordergrund. Auch Kathie ist inzwischen locker geworden und kann den Trip genießen – es gibt aber ein paar Teilnehmer in anderen Booten, denen der Spaß irgendwie schon vergangen ist…

Nach dem kurzen Stop geht es weiter – frisch gestärkt und voller Unternehmungsgeist! Und es wird auch nicht weniger Spaß – im Gegenteil, jetzt kommen jede Menge der richtig ‚guten‘ Stromschnellen! Einmal geht es so steil in die Tiefe, daß wir fast aufrecht im Boot stehen (einigermaßen ‚atemberaubend‘!)!

Nach diesem anstrengendsten und aufregendsten Teilstück halten wir an einem Wasserfall, der von einer Quelle gespeist wird, um ausgiebig zu trinken und in der ausgespülten Bucht dort ein wenig schwimmen zu gehen!
Leider bricht jetzt schon das letzte Teilstück an! Es gibt zwar hier noch ein paar ordentlich anspruchsvolle Stellen, aber größtenteils geht es nur rasendschnell dahin, ohne daß wir überhaupt paddeln müßten! Nach etwas mehr als 4 Stunden (über 3 Stunden durch Wasser und Gischt) legen wir dann unter einer Brücke an, wo die Begleitfahrzeuge schon auf uns warten! Leider geht es hier auf dem Fluß nicht mehr weiter – er wird breiter und fließt träger und von ‚White Water‘ ist nichts mehr zu sehen! Vor der Mündung in die Karibik (viiiele Meilen weiter) gibt es dann sogar Krokodile!

Die Autos bringen uns zu einer früheren Ferienhaussiedlung, deren winzige Häuschen jetzt jedoch überwiegend als Umkleidekabinen für die Rafter genutzt werden – es gibt auch Duschen darin und die sind jetzt dringend nötig! Frisch gewaschen und angezogen treffen wir uns alle im nebenan gelegenen Restaurant zu einem wirklich guten, original costa-rikanischen Mittagessen! Alle reden hier durcheinander – jedermann und -frau will seiner Begeisterung lautstark Ausdruck geben! Wir fünf sind miteinander und auch mit unserem Skipper hochzufrieden und selbst Kathie kann garnicht genug schwärmen von dem tollen ‚adventure‘!

Müde und glücklich sitzen wir dann alle wieder im Auto und es geht zurück. Die meisten schlafen während der Fahrt – ich schau mir die Landschaft vor dem Fenster an! Ausgedehnte Ananas- und Papaya-Plantagen ziehen draußen vorbei, immer wieder unterbrochen von Feldern voller Yucca (deren Wurzeln, ähnlich wie Süß-Kartoffeln und Reis, zu den Grundnahrungsmittel hier gehören) und auch ‚Drachenbäumen‘ für den Export! Manchmal fahren wir durch kleine Dörfer, wo sich das Leben vor dem Haus – sprich, auf der Straße, abspielt und unser Fahrer immer wieder mal eine Vollbremsung wegen Kindern, Hunden oder auch Schweinen oder Kälbern auf der Fahrbahn einlegen muß!

In La Fortuna werde ich ‚umgeladen‘ in ein Taxi, das mich wieder hinauf auf ‚meinen Berg‘ bringt. Der Taxifahrer hält unterwegs kurz an einem Supermarkt, wo ich mich mit Avocado, Tomaten und Brot eindecke – das wird heute mein Abendessen, das ich in meinem Zimmer einnehmen werde! Für den Auf- und Abstieg zum Restaurant bin ich einfach zu kaputt! In meinem Zimmer wartet eine Überraschung auf mich – ein Schwan hat sich auf meinem Bett nieder gelassen :-)!

Mein Abendessen auf der Terrasse ist traumhaft – wie geschmolzenes Silber liegt der Arenal-See heute zu meinen Füßen! Was für ein Leben!

Freitag, 1.Juli 2011

Oh mein Gott! Keine Ahnung gehabt bisher, was für und wo ich im Rücken überall Muskeln habe… Heute fühle ich mich so richtig wie eine alte Frau und sehe wahrscheinlich auch so aus – ziemlich ‚gebückt‘ schleiche ich herum! Viel werde ich heute nicht zerreißen!

Gaaaanz langsam gehe ich zum Frühstücken – es ist übrigens wieder tolles Wetter draußen! Ich sehe aber mehr den Fußweg-Belag, manchmal gibt es dort aber auch was zu entdecken…!
Vorsichtig lasse ich mich im Restaurant auf dem Stuhl nieder und möchte am liebsten nie mehr wieder aufstehen! Aber leider, leider – das Frühstück muß man sich am Büffet abholen! Ich bestelle erstmal einen Cappuccino, der ist im Frühstück zwar nicht enthalten, aber er wird mir von dem netten Ober an den Tisch gebracht! Als ich ihm auf seine Nachfrage meinen Zustand erkläre, lacht er sich halbtot – aber er stellt mir einen Teller nach meinen Wünschen am Büffet zusammen und bringt ihn mir! Ist halt doch ein Netter!


Heute war ich schlau und habe mein Notebook mit herauf gebracht – in meinem Zimmer gibt es nämlich keine Internet-Verbindung. Ich setze mich also einigermaßen verträglich auf eins der Ledersofas und kontrolliere wenigstens mal meine Mails und beantworte auch einige. Arturo hat mir geschrieben, daß er mir die Voucher für meine nächsten Unternehmungen gefaxt hat – leider hat mir niemand was dergleichen gegeben, muß ich dann gleich mal an der Rezeption nachfragen. Morgen soll es nämlich in mein nächstes Quartier in Monteverde gehen!

Lange halte ich es jedoch in dieser Haltung hier nicht aus. Meine Nachfrage an der Rezeption hat kein Ergebnis – also schnell eine Mail an meine ‚private tour agency‘ zurück geschrieben! Dann wandere ich langsam wieder den Weg zurück – unter mehr und mehr Wolken, die sich schon wieder zusammen ballen! Aber ich schaffe es, genau mit den ersten Regentropfen in meinem Zimmer anzukommen! Bei dem Wetter beschließe ich, den Tag mit ein paar Aspirin vorläufig im Bett zu verbringen – ich versäume ja auch nichts!
Es regnet den ganzen Nachmittag leicht vor sich hin! Leider kann ich nicht mal lesen im Bett, weil das natürlich eine extrem blöde Haltung für meinen Rücken wäre! Mein Muskelkater ist zwar langsam ein wenig besser geworden, aber noch immer zwackt es ganz schön! Ich beschließe, eine Weile heiß zu duschen, um ihm endgültig den Garaus zu machen!
Und tatsächlich – nach der ausgiebigen Dusche ist es deutlich besser und ich mache eine kurze Wanderung hier in der Umgebung! Es ist zwar überall noch feucht, aber es gibt auch wieder einiges zu sehen.
Kurz vor 18h wandere ich wieder Richtung Restaurant, das Abendessen wartet – und ich habe inzwischen auch richtig Hunger! Ein großer Salat und eine Portion gebratene Kochbananen (ist eine meiner absoluten Lieblingsspeisen in den letzten Monaten geworden) bekämpft den sehr erfolgreich und heute leiste ich mir danach mal eine leckere ‚Strawberry Margarita‘!

Leider wartet aber der Heimweg noch auf mich – das erste Mal total im Dunkeln! Die Solar-Lämpchen leuchten mir zwar den Weg, aber ansonsten gibt es ringsumher nichts zu sehen. Es regnet zwar nicht mehr, aber der Himmel ist noch ziemlich stark bewölkt und entsprechend finster ist es. Ich habe keine Bedenken wegen irgendwelcher Gefahren um mich herum – ich gehe jedoch äußerst vorsichtig, um nicht auszurutschen oder zu stolpern! Ein Sturz im Finstern hier auf dem Fußweg, von der Straße aus durch eine Hecke überhaupt nicht einsichtig, würde mir gerade noch fehlen… Aber es geht alles bestens und ich bin heute ganz schnell und früh (es ist gerade mal 9.00h!) im Bett!

Samstag, 2.Juli 2011

Gestern abend habe ich doch meine Voucher noch ausgehändigt bekommen für meine heutige Weiterreise – der ‚Abhol-Bus‘ soll um 7.30h an der Rezeption auf mich warten!

Nach einem sehr frühen Wecken (das Handy klingelt schon um 5.30h, weil ich mein Gepäck noch richten muß) trete ich meinen ‚Wanderweg‘ schon um 6.30 an! Es geht mir heute wieder bestens – der Muskelkater hat sich, bis auf ein leichtes Ziehen bei bestimmten Bewegungen, völlig verzogen! Ich lasse jedoch mein Gepäck fertig in meinem Zimmer stehen, meine Handtasche im Safe, und sperre nicht ab – mein Transfer-Bus muß ja auf dem Weg ins Tal hier wieder vorbei fahren und ich kann dann schnell alles noch einladen! So muß ich nicht alles erst den steilen Weg nach oben schleppen!
Beim Frühstücken bin ich heute die Erste und alle erkundigen sich teilnahmsvoll nach meinem Rücken und freuen sich, daß wieder fast alles okay ist! Das Team hier im Restaurant ist wirklich sehr nett, im Gegensatz zur Rezeption, wo eher mufflige Männer Dienst tun… Dort bezahle ich schnell meine kleine Rechnung (gebe aber hier wirklich kein Trinkgeld!) und schon hält pünktlich zur vereinbarten Zeit der Bus vor der Tür! Der Transfer geht erst hinunter ins Tal und dann zur Anlegestelle am See.
Der Fahrer macht den kurzen Stop am Haus, um mein Gepäck aufzunehmen – heute sind jedoch beide Zugangstüren geschlossen, die sonst immer weit offen stehen! Da habe ich natürlich keine Chance, ins Haus und damit in mein Zimmer zu kommen. Also noch einmal nach oben zur Rezeption, um einen Schlüssel zu holen und es heißt endgültig Abschied nehmen vom Vulkan gegenüber :-)!

Auf dem (Stau-)See „Lake Arenal“ entlang geht es bis zu einer Anlegestelle auf der anderen Seite, wo wieder ein Kleinbus auf mich warten soll! Eigentlich steht auf dem Voucher „Transportation Jeep-Boat-Jeep“ und nicht „Van-Boat-Van“, aber so genau wird das hier dann doch nicht genommen :-)!

Wir durchqueren noch einmal das Dorf unten im Tal und dann fahren wir über ein kurzes Stück steile Zufahrtsstrße zur Anlegestelle am Seeufer. Dort liegen eine Reihe von Booten, die auf Passagiere warten – leider werde ich zum Größten geschickt! So ein kleiner ‚Fast-Privat-Transfer‘ hätte mir schon gut gefallen… Aber ich will nicht meckern – es ist strahlender Sonnenschein, ich sitze auf der Schattenseite des Schiffes und habe einen tollen Ausblick auf den See, den Uferbereich und auch auf die umgebende Landschaft!

Hier bei der Überfahrt bekomme ich nun einen eindeutigen Beweis dafür, warum Costa Rica auch die ‚Schweiz Mittel-Amerikas‘ genannt wird – überall oberhalb der Ufer ziehen sich hochgelegene „Almwiesen“ entlang mit teilweise richtig stattlichen Bauernhöfen, wie sie auch im Appenzeller Land oder in Thurgau stehen könnten :-)!

Ansonsten aber gibt es auch wieder allerhand aus der Tierwelt zu sehen und die Fahrt ist keine Sekunde langweilig!

Beinahe schade, daß sie nach einer guten Stunde schon zu Ende ist – am anvisierten Ufer warten schon die Busse, die die Schiffs-Passagiere aufnehmen sollen!

Je nachdem, wo oder was unser Ziel ist, werden wir auf die diversen Fahrzeuge verteilt – die danach alle gut besetzt sind! Ich habe den Platz neben dem Fahrer ergattert, der zum einen der bequemste ist (unser Bus ist bis auf den letzten Platz besetzt) und zum anderen schöne Ausblicke möglich macht!
Beim Anlassen sind zwar einige Versuche nötig, bis der Motor anspringt, aber dann setzen wir uns doch in Bewegung. An winzigen Dörfern und zahlreichen einzelstehenden Gehöften vorbei, geht es auf einer abenteuerlichen Straße, oder besser eigentlich Feldweg, in engen Kehren steil nach oben! Die Aussichten sind immer wieder phänomenal, auch wenn ich leider kaum fotografieren kann, weil der Bus so rumpelt, daß ich mich manchmal mit beiden Händen festhalten muß, um nicht von einer Seite auf die andere ‚geworfen‘ zu werden.


Nach etwa einer halben Stunde Fahrt wird das Auto plötzlich langsamer und langsamer und bleibt dann ganz stehen – tot! Alle Versuche, es wieder anzulassen, scheitern kläglich! Da wir mitten auf dem Weg stehen, kann natürlich keiner der folgenden Kleinbusse vorbei und in kürzester Zeit hat sich eine Traube von anderen Fahrern rund um unsere offene Motorhaube gebildet! Alle guten Ratschläge und Versuche sind jedoch zwecklos und endlich wird pragmatisch entschieden, daß wir Fahrgäste alle auf die anderen Busse verteilt werden, damit wir weiterkommen. Erst einmal muß jedoch unser Bus irgendwie zur Seite „geräumt“ werden! Alle packen mit an und schieben und ‚heben‘ ihn ein wenig die Böschung hinauf, wo er gut verkeilt stehen bleibt und die anderen gaaanz vorsichtig (ohne Fahrgäste!!) und langsam fast auf Tuchfühlung an ihm vorbei gefahren werden – an einem steilen Abgrund entlang!
Nun herrscht aber ein ziemliches Gedränge in den Bussen – ich sitze zwar wieder vorn, aber jetzt sind wir zwei neben dem Fahrer und das ist eher ‚ungemütlich‘! Aber wie heißt es so schön – besser schlecht gefahren als gut gelaufen! Wir sind schließlich noch über 20 km bergige Strecke von unserem Ziel Santa Elena entfernt! Das junge Mädchen neben mir fängt ein Gespräch auf Spanisch mit mir an – Gott sei Dank nur die einfachen und üblichen Sätze zum Kennenlernen! Nach einer Weile etwas mühsamer und ‚kurz angebundener‘ Kommunikation stellt sich jedoch heraus, daß sie Amerikanerin ist und auch gerade mal 3 Wochen Sprachkurs hinter sich hat – die weitere Unterhaltung auf Englisch ist dann deutlich einfach für uns beide!
Wir werden alle wohlbehalten an unseren Unterkünften abgeliefert – nach einer heißen und mühsamen Fahrt! Ich bin sehr neugierig auf mein Hostel, hat es doch supergute Bewertungen und ist trotzdem mehr als günstig!

Andres, der sehr junge Eigentümer (gerade mal 24 Jahre alt), begrüßt mich herzlich und führt mich in sein einziges Einzelzimmer – winzig klein, aber mit eigenem Bad (und Fernseher :-))! Er führt mich anschließend durchs Haus und zeigt mir alles voller Stolz! Mir hat es vor allem die herrliche verglaste Terrasse angetan. Hier kann man bei Regen gemütlich sitzen und bei klarem Wetter hat man einen traumhaften Blick – weit über die grünen Berge, bis hin zur pazifischen Küste! Es gibt noch eine kleine Küche und auch eine Waschküche (wo die Wäsche der Gäste mitgewaschen wird), ein paar Doppel- und zwei Mehrbett-Zimmer. Überall ist es penibel sauber und auch überall gibt es WLan! Ich bin sehr angetan – auch über das große Glas frisch gepreßten Saft zur Begrüßung!
Zwei Häuser weiter finde ich einen kleinen Supermarkt, wo ich mich mit dem Nötigsten eindecken kann Ich brauche nur ein paar Sachen für einen Salat heute Abend – Frühstück ist im Preis inbegriffen und soll auch grandios sein! Der Rest des Tages vergeht mit Lesen auf der Terrasse!
Ich gehe nicht zu spät ins Bett, weil ich morgen den ‚Sky Walk‘ in den Baumwipfeln vor habe! Leider kann ich jedoch lange nicht schlafen, weil irgendjemand oder -etwas einen tierischen Lärm an der Außenwand meines Zimmers vollführt. Als ich Licht mache und zum Fenster hinaus schaue, kann ich jedoch nichts erkennen. Kaum liege ich wieder im Bett, geht es über mir auf dem Dachboden weiter! Sollte es hier auch ‚Siebenschläfer‘ geben? Irgendwann jedoch kehrt Ruhe ein und ich schlafe ein!

Sonntag, 3.Juli 2011

Heute heißt es schon wieder früh aufstehen – um 7h werde ich zum „Sky Walk“ abgeholt! Aus diesem Grund habe ich gestern nach einem sehr frühen Frühstück gefragt. Tatsächlich – es ist möglich! Schon um 6h fängt die junge Frau, die hier das Mädchen für alles ist, mit den Vorbereitungen an und um 6.30h steht alles wunschgemäß für mich bereit! Und was es alles geben könnte: Pancakes, mehrere Sorten frisches Obst, Cereals, Eier in beliebiger Form, das nationale Frühstück Reis mit schwarzen Bohnen, Käse, Wurst, frischen Toast und auch Graubrot – ein Traum! Ich entscheide mich jedoch nur für zwei Rühreier mit Toast und einen Riesenteller frische Früchte hinterher! Fast pünktlich (15 Min. Verspätung sind hier nicht der Rede wert…) hält der Zubringer vor der Tür und lädt mich ein!

Eine ganze Familie (wieder aus Texas!), mit denen ich im Bus ins Gespräch komme, hat sich sogar für den Nervenkitzel ‚Sky Ride’ angemeldet – an zehn verschiedenen Drahtseilen geht es fast 3 km in etwa 40 bis 130 m Höhe über den Nebelwald hinweg! Man bekommt eine Art ‚Geschirr’ angelegt, das mit zwei Karabinern in das Seil eingehängt wird und man hält sich (mit dick behandschuhten Händen) an zwei Handgriffen fest, die auf dem Seil mitlaufen und mit denen man ‚bremsen‘ kann, wenn es zu schnell wird!
Es ist angeblich die längste und höchste ‚Zip Line’ (wie so was im Fach-Englisch heißt) der Welt… Nein danke – ich verlaß mich da doch lieber auf meine Füße :-)!


Der ‚Einstieg’ dafür und Beginn des ‚Sky Walk‘ ist ein modernes, offenbar ziemlich neues Gebäude, etwa 7 km von Santa Elena entfernt. Dort werden wir den verschiedenen Guides zugeordnet und schon geht es los!
Drei Stunden soll es jetzt durch den ‚Cloud Forest’ gehen und das zum größten Teil auf ’Canopy Walkways’ in 30-50m Höhe über dem Grund!

Der ‚Cloud Forest’ (oder auch ‚Nebelwald’) ist sehr speziell hier in Costa Rica! Vom kalten Pazifik steigt der Dunst an der warmen Landmasse empor und verursacht dadurch eine ständige Feuchtigkeit, die aber kühler (weil auf etwa 1000-1200m) als die im ‚Regenwald’ (oder Dschungel) ist. In diesem speziellen Klima wachsen unzählige Pflanzen und Bäume, letztere mit Unmengen von Epiphitien und langem zotteligen Moos reichlich „geschmückt“!

Ich bin in einer Gruppe mit ein paar älteren Japanern und drei jungen Leuten, einer davon ein Deutscher! Schon unmittelbar nach dem Start werden wir auf die erste winzige Orchideenart hier aufmerksam gemacht und so geht es den gesamten Weg weiter. Fast jeder Schritt bringt etwas Neues – ob es Pflanzen oder Blüten, Vögel, deren unterschiedliche Nester, verschiedenste Eidechsen/’Iguanas‘, eine Schlange oder die Höhlen von großen Vogelspinnen sind – ständig müssen wir stehen bleiben, weil irgendwo wieder etwas für uns Ungewöhnliches ins Blickfeld kommt.

Da wir doch relativ viele sind, dauert es auch immer eine Weile, bis auf den langen ‚Walkways‘ alle ruhig stehen und sich das wackelige ‚Gebilde‘ beruhigt hat – vorher ist ja kein vernünftiges Foto möglich! Mit den Japanern ist das ein wenig schwierig, weil die Hinweise ja möglichst leise gegeben werden müssen, um die Tiere nicht zu verschrecken – und sie sind oft schon ein ganzes Stück voraus! Man hat das Gefühl, für die ist dieser Walk ein Wettbewerb „wer schafft es am Schnellsten“!
Sie haben es ein wenig eilig, denn auch sie haben eine Zipline-Fahrt gebucht, aber schon in einer Stunde (der Skywalk ist für 2-3 Stunden angesetzt…). Also kehrt unser Guide bald mit denen um und wir 4 anderen gehen alleine weiter!
Das ist zwar geruhsamer aber natürlich nur halb so interessant – abgesehen davon, dass wir die Pflanzen und Tiere hier nicht kennen, wir sehen einfach auch nichts! In all dem Grün kann eben nur ein geschultes Auge richtig was erkennen.

Als ich fast am Ende des Weges angekommen bin, kommt mir unser Guide mit einer Familie aus Neuseeland entgegen und ich kann die Tour noch einmal zurück mit ihm machen. Die drei jungen Leute waren ein Stück hinter mir, wollen dann aber doch lieber zum Ende weiter gehen – die nächste ‚Zipline-Fahrt‘ wartet!

Das ist jetzt richtig schön – diese Familie (Eltern und zwei halbwüchsige Kinder) ist äußerst interessiert an allem und sie freuen sich mit mir über die vielen Besonderheiten, die wir zu sehen bekommen! Unser Guide findet z.B. ein verlassenes Kolibri-Nest – es besteht aus Moos und kleinen Blütenblättern, aber zum größten Teil aus Spinnweben! Diese sind kaum zerreißbar und äußerst elastisch – so ist gewährleistet, dass erst die winzigen Eier gut geborgen sind, später die kleinen Küken alle genügend Platz haben und das Nest auch weiter mit ihnen ‚wachsen’ kann, bis sie flügge werden! Wie die Natur alles so schön einrichtet!
Ein anderes Vogelnest ist in eine kleine ‚Höhle’ in das ‚Steilufer’ direkt neben dem Weg gebaut – die Eltern fliegen ganz aufgeregt über unseren Köpfen herum!
Ein Papageien-Pärchen hat eine richtige ‚Burg’ aus Lehm auf einen dicken Ast gesetzt – das ist ziemlich stabil und in das kleine Flugloch passen ihre Feinde nicht wirklich!

Auch eine grüne Baumschlange zeigt uns unser Julio im Geäst – nie und nimmer hätten wir die selbst sehen können! Hier sind wir aber ziemlich froh, dass wir auf dem ‚Skywalk’ ein Stück entfernt und sicher sind! Zwischendurch finden wir immer wieder verschiedene kleinen Insekten – einen „Walking Stick“ z.B., der zur Familie der Gottesanbeterinnen gehört! Er sieht auf den ersten Blick wirklich aus wie ein Stückchen von einem gelben Halm oder Stöckchen – wenn man näher hinschaut, sieht man die dünnen Beinchen und er hat sogar hauchdünne, klein zusammenfaltbare Flügel! Damit kann er jedoch nicht richtig fliegen, aber er kann zumindest von einem Baum oder Ast zu Boden ‚segeln’!
Wir sehen Unmengen von Orchideen in allen Größen! Winzige, die teilweise direkt aus den Blättern wachsen und keine Stiele haben, große, die nur einen Vormittag blühen und zahlreiche, die in großen Rispen an den Bäumen hängen!

Die Bäume sind ein Phänomen für sich – über und über mit Moos bedeckt, sehen die Stämme manchmal aus, wie in einen grünen Teppich eingehüllt. Und überall haben sich Epiphiten angesiedelt – manchmal ist der Baum selbst gar nicht mehr zu sehen, vor lauter verschiedenen Bromelien, Farnen, Orchideen, Philodendrons und Moosen! Die meisten dieser ‚Gastpflanzen‘ sind jedoch keine Parasiten, wie das bei uns oft geglaubt wird – im Gegenteil, durch sie wird immer genügend Feuchtigkeit für den Baum gesorgt, was beiden (‚Wirt‘ und ‚Gast‘) zu gute kommt. Manchmal jedoch sind die vielen ‚Gäste‘ auch das Verderben des Baumes – bis zu 1,5 Tonnen zusätzliches Gewicht können durch diese Pflanzen (und deren Wasserspeicher) entstehen und das schmeißt dann manchmal den kräftigsten Baum um (vor allem, wenn reichhaltige Regenfälle den Boden um die Wurzeln herum aufweichen odere heftige Stürme toben!). Wir sehen aber auch eine Reihe von Bäumen, die schon allein für sich sehr ‚malerisch‘ aussehen!

Es gibt auch jede Menge verschiedene Sträucher, wovon ausgesprochen viele zur Familie der Kaffeepflanzen gehören! Das kann man gar nicht glauben, denn sie haben alle ganz verschiedenartige Blüten!
Einer davon hat man wegen ihrer Form den Namen „Angelina Jolies Lippen“ gegeben – und das finde ich ziemlich passend :-)!

Costa Rica ist übrigens das einzige Land, wo nur Original-Kaffeepflanzen bzw. deren ‚Nachkommen‘ aus Äthiopien zum Ernten angebaut werden! Ist schon erstaunlich, daß hier nicht auf südamerikanische Sorten zurück gegriffen wird… Und alle locals hier sind überzeugt davon, daß Kaffee aus Costa Rica der beste von allen ist :-)!

Der Blick von den Metallnetz-Brücken hinunter in die Tiefe ist mehr als beeindruckend – manchmal jedoch kann man gar keine ‚Tiefe’ sehen, so dicht stehen die Bäume bzw. es sind so ausladende Baumkronen unter uns, teilweise geradezu verschwenderisch mit Blüten geschmückt!

Wir bedauern es alle sehr, als wir am Ende angekommen sind – das hätte ich noch ewig weitermachen können!

Als Belohnung dafür, dass man den SkyWalk gemacht hat :-), bekommen wir jetzt noch einen ‚fruit punch’! Dazu gibt es homemade ‚Sky-Plätzchen’ – was für eine nette Idee!
Dann aber muß ich zum Transfer-Bus, um zurück nach Santa Elena zu fahren – ich brauche eine Kleinigkeit zum Mittagessen und will mich ein wenig ausruhen vom Vormittag, heute Abend steht mir nämlich noch ein ‚Night Walk’ bevor!
Der Bus steht schon bereit – die Texaner sind auch wieder dabei. Die Mutter der Familie ist etwas bleich im Gesicht und meint, sie müsste das nicht noch mal haben! Das kann ich gut verstehen – obwohl ich das Ganze ja nur eine Weile von unten beobachtet hatte.

In einem kleinen Restaurant im „Stadtzentrum“ – eigentlich ist das nur ein kurzer Abschnitt der Hauptstraße mit ein paar Restaurants, Souvenirshops, einer Bäckerei und mehreren Tour-Veranstaltern – esse ich einen Costa-Rica-Eintopf mit Knoblauchbrot! Das ganze Zentrum ist schön übersichtlich und gemütlich! Die Mehrheit der Einwohner will auch gar nicht mehr – das ist einer der Gründe, warum auch die Zufahrtsstraßen aus allen Richtungen nur ‚dirt roads’ sind! Das Geld zur Asphaltierung wäre nicht das Problem, aber mit besseren Straßen kämen viel mehr Touristen, es würde mehr Lärm entstehen, es gäbe deutlich mehr Unfälle, weil die Leute schneller fahren würden und auch allerhand noch gar nicht absehbare andere Probleme würden auf die Bevölkerung hier wahrscheinlich zukommen! Das möchten sie lieber alles nicht – wer hierher kommt, soll sich das ‚verdienen’ müssen und die wunderbare Natur hier dadurch auch richtig genießen und achten!

„Daheim“ ist Andres, mein Hostelwirt, schon ganz neugierig, wie es war! Er freut sich mit mir, dass ich soviel Tiere sehen konnte – das ist ja immer eine ganz schöne Glückssache, das kann man halt nicht ‚bestellen’! Es kommt natürlich immer auch ein wenig auf den guide an – es gibt gute und sehr gute und letztere haben offenbar ein spezielles Auge, auch für noch so versteckte Objekte!

Um 6h werde ich für den Night Walk abgeholt! Mit mir zusammen sind noch 14 (!!!) andere Teilnehmer unterwegs. Für einen Nachtmarsch finde ich das ganz schön viel – ich bin gespannt, wie viel man da zu sehen bekommt!
Nach den Instruktionen unseres Guides Antonio und der Versorgung aller TeilnehmerInnen mit Taschenlampen geht es los. Leider hat es bis vor einer Stunde noch geregnet – die Wege sind daher einigermaßen ‚slippery’! Das macht es nicht leichter mit so vielen Leuten!
Ehe wir vom Treffpunkt aus losgehen, werden wir auf ein Faultier aufmerksam gemacht, das in einem großen Baum sitzt. Man kann es gut sehen (es schläft den Schlaf des Gerechten), aber für ein Foto auf diese Entfernung ist es schon zu dunkel!
Schon kurz nach dem Start bleiben wir vor einem ziemlichen Ungetüm von Ameisenhaufen stehen – es sind auch riesige Ameisen, die dort ‚wohnen‘: Die Königin, die allerdings tief unten im Bau sitzt (etwa 50cm unterhalb des Bodens, also etwa 1m oder mehr unter der Spitze des Haufens) wird bis zu 10cm groß! Es gibt dann noch ‚Soldaten‘, etwa 2cm lang und ‚Arbeiter‘, die etwa so groß sind wie unsere schwarzen Waldameisen. Die Soldaten haben große und unbeschreiblich starke Beißwerkzeuge! Unser Guide packt einen vorsichtig im Genick und hält ihm ein kleines Ästchen hin, das der trotz Hin- und Herschütteln nicht los läßt!
Beim Weitergehen zeigt uns Antonio einen etwa 10cm langen Skorpion, der an einem Baumstamm sitzt! Der ist zwar nicht tödlich giftig, ein Stich soll jedoch sehr schmerzhaft sein – na danke!

Vor der Höhle einer Tarantel bleiben wir stehen und unser Guide weist uns an, unsere Cameras bereit zu halten! Er stochert vorsichtig mit einem dünnen Stock in die Höhle hinein und schon kommt die riesige Bewohnerin heraus geschossen – eine ‚Orange Knee Tarantula‘, sehr auffällig gemustert! Die Spinne hat etwa die Größe einer Männerhand – vor Schreck aber auch Begeisterung vergessen die meisten abzudrücken und schon ist sie wieder in ihrer Höhle verschwunden. Vorsichtig wird sie nach einer Weile nochmals heraus gelockt und jetzt haben auch alle das Foto von ihr ‚im Kasten‘!
Ziemlich ‚respektvoll‘ wandern wir vorsichtig weiter. Uns allen wird mehr als unheimlich, als Antonio uns bittet, daß wir alle unsere Taschenlampen ausschalten sollen – was nicht alles an Getier um uns herum sitzen mag! Aber als es dann ganz dunkel ist, können wir plötzlich ‚magic mushrooms‘ 🙂 im Dunkeln hellblau leuchten sehen! Sehr überraschend – und trotzdem sind wir heilfroh, als wir unsere Taschenlampen wieder einschalten dürfen! Um uns herum gibt es zahllose ‚fire flys‘, also Glühwürmchen, die hier allerdings eher ‚Glühwürmer‘ sind – auch sie deutlich größer, als die in Deutschland anzutreffenden!
Noch eine Baumschlange sehen wir im Kegel der starken Taschenlampe, aber die Nachtvögel, die Antonio mit täuschend echten Rufen anlocken möchte, lassen sich nicht blicken! Ich habe das Gefühl, daß wir jedoch alle einigermaßen froh sind, als wir plötzlich wieder auf der Lichtung stehen, von der wir vor etwa einer Stunde aufgebrochen sind! Ist schon auch ein wenig unheimlich, so ein ‚Nebelwald‘ bei Nacht!

Montag, 4.Juli 2001

Heute ist Unabhängigkeitstag in den USA – da wird in Fallbrook wieder allerhand geboten sein! Das habe ich vielleicht ein wenig schlecht geplant 🙂

Hier gibt es für mich auch heute wieder eine Wanderung – es soll durch das Reservat Monteverde gehen! Dieses Naturschutzgebiet war ursprünglich von Quäkern besiedelt worden und denen gehört das Land auch heute noch. Sie haben im Lauf der Zeit zahlreiche große Waldflächen dazu gekauft, damit diese nicht der Holzindustrie zum Opfer fallen konnten! Heute ist das ein richtiger ‚Urwald’ – es wird hier alles sich selbst überlassen und entsprechend vielfältig soll die Tier- und Pflanzenwelt sein!
Heute habe ich Glück mit der Gruppe – mich begleiten nur eine Ehepaar mittleren Alters mit zwei Kindern im Grundschulalter aus Maryland (aus diesem amerkanischen Bundesstaat hatte ich noch nie ‚Begleiter‘:-))! Die beiden Kids sind ungeheuer aufgeregt, was sie wohl so zu sehen bekommen! Ich habe ihnen meine Fotos von der riesigen Tarantel und dem Skorpion von gestern abend gezeigt – so was heute zu finden, das wäre ganz toll! Aber unser Guide muß ihnen leider sagen, dass so was am helllichten Tag eher nicht zu erwarten ist!
Wir finden jedoch gleich zu Anfang wieder einen Walking Stick – diesmal aber eine ganz andere Sorte, dafür jedoch richtig groß! Eigentlich ‚finden’ wir ihn erst nach längerem Suchen – Marco, unser Guide hat ihn gesehen und uns aufgefordert, mal im ‚Grün’ zu versuchen, ihn zu sehen! Das dauert ewig, bis wir schließlich doch ‚fündig werden’ – ist schon eine absolut perfekte Tarnung, die diese Tiere so drauf haben!

Beim Weiterwandern werden wir auf die unterschiedlichsten Sorten von Baumpilzen aufmerksam gemacht, die eine oder andere Raupe oder auch ein paar Vögel!

Es gibt winzige wilde Tomaten und riesige Wurzeln, die imer wieder aus der Erde ragen. Ein ‚Baum‘ fesselt uns ganz besonders – und aus der Nähe betrachtet ist das gar keiner – es sind nur Luftwurzeln von irgendwelchen Schlingpflanzen, die jedoch so dicht stehen, daß es inzwischen wie ein Baum aussieht! Wir finden auch einen ‚Costa Rica Lady Bug‘, also den hiesigen Marienkäfer – hier ist er dunkelblau und mit nur einem roten Punkt!

Den Abschluß bildet ein Besuch in der ‚Hummingbird Feeding Station‘ am Rand des Parks. Eigentlich sollen Kolibris ja nicht gefüttert werden, weil sie bei der Fütterung mit Zuckerwasser leicht Pilzkrankheiten bekommen können. Hier wird es trotzdem gemacht – vielleicht füttern sie mit etwas anderem? Auf jeden Fall ist es für die beiden Kids ein tolles Erlebnis, diese Vögel und vor allem in solch einer Farben- und Größen-Vielfalt mal so aus der Nähe sehen zu können! Dazwischen hat sich noch ein kleiner Fink nieder gelassen, dem offenbar das Kolibri-Futter auch schmeckt!

Beim Verabschieden bietet Marco mir an, dass er mit mir noch eine ‚private tour’ machen könnte – er hat heute Nachmittag frei. Sie würde nochmal 30$ kosten und wir müssten ein ganzes Stück mit dem Auto fahren – dann könnte er mir jedoch etwas ganz Besonderes zeigen! Der Preis ist der gleiche, wie jetzt für die Tour (das bleibt natürlich dann alles bei ihm, aber dafür bin ich der einzige Gast und die Autofahrt ist auch noch mit dabei!). Ganz begeistert sage ich zu – ich müsste allerdings noch drei Stunden warten, weil er noch eine Tour machen muß! Wir einigen uns darauf, dass ich ins Städtchen zurück fahre und dort auf ihn warte – da muß er sowieso durch und mein Transfer zurück ist ja schon bezahlt.

In Santa Elena gehe ich schnell eine Kleinigkeit im Café von Andres‘ Tante essen. Es ist zwar winzig, aber sehr liebevoll eingerichtet! Das Witzigste sind die Lampen – dafür wurden einfach Tassen und Untertassen als Lampenschirme an der Decke befestigt!

Das Essen ist auch gut und vor allem der typische Kaffee, aber kaum bin ich fertig, steht auch schon mein ‚special guide’ in der Tür, um mich abzuholen.

Ich bin sehr gespannt – er macht das alles auch sehr geheimnisvoll „Du wirst begeistert sein“! Wir sind über zwei Stunden unterwegs und es geht ständig bergab (es wird auch deutlich wärmer hier) – wo wir jedoch genau sind, davon habe ich keine Ahnung. Aber irgendwann halten wir an, steigen aus und gehen ein Stück durch den ziemlich dichten, feuchten Wald! Ich bin froh, dass ich einen Fachmann dabei habe – hier gibt es bestimmt auch jede Menge Getier, dass ich zwar nicht sehen kann, aber vielleicht auch lieber gar nicht sehen will! Bald führt der schmale Weg etwas aufwärts auf eine Holzbrücke über einen träge dahin fließenden kleinen Fluß! Und dann sehe ich es – eine ganze Krokodil-Familie oder besser ein ausgewachsenes Tier mit vielen kleineren am Flussufer!

Ich hatte keine Ahnung, dass die solange zusammen bleiben – ich dachte, das ist so wie bei den Schildkröten: Die Eierschale abstreifen und das Weite suchen! Aber Krokodile (oder besser Kaimane, das sind die hier nämlich) bleiben nahe dem Nest, bis die Jungen schlüpfen und ‚hüten‘ ihre Brut, bis die selbständig leben können. Das heißt, sie gehen mit den Jungen das erste Mal ins Wasser, bringen ihnen bei, daß man Schnecken und kleine Insekten fressen kann (das ist nämlich die ‚Säuglingskost‘ bei Kaimans) und lehren sie, später auch größere Tiere zu jagen (z.B. Eidechsen und Leguane). Erst wenn die Jungen eigenständig auf Futtersuche gehen können und damit richtig ‚überlebensfähig‘ sind, zieht sich das Muttertier zurück und die Jungen suchen jedes für sich das Weite! So eine Kaiman-Familie so von Nahem zu sehen – das ist wirklich etwas ganz Besonderes und hier von der Brücke auch gut zu beobachten.

Auf einem der Steine am Fluß entdecken wir später noch einen gelbgrünen Leguan, der sich todesmutig in die Fluten stürzt und mit schnellen Zügen davon schwimmt – Glück gehabt, daß die Kaiman-Familie ihn nicht entdeckt hat! Wir machen eine kurze Wanderung, bei der ich wieder Vögel gezeigt bekomme, die ich bisher noch nicht gesehen hatte – vor allem auch eine ganze Nesterkolonie von Reihern. Hier im Tiefland – zwischen dem Arenal-Gebiet und Monteverde – leben etwa 600 der ungefähr 850 verschiedenen Vogelsorten, die es in Costa Rica insgesamt gibt!


Da habe ich ja doch ganz viele noch nicht gesehen :-(!
Wir finden auch noch einmal eine Schlange – diesmal aber eine (angeblich) ungiftige, eine ‚false coral snake‘ oder ‚Pacific Longtail Snake‘! Was für ein Glück – wie mir Marco erzählt, ist Costa Rica auch ein Paradies für Schlangen, unter anderem sollen hier hier einige der giftigsten weltweit leben…

Bald jedoch müssen wir wieder zum Auto, es ist ja wieder ein langer Weg zurück. Auf der Fahrt erfahre ich dann, daß ich wieder am Sarapiqui war – dem Fluß, auf dessen Oberlauf ich vor 3 Tagen mit dem Rafting-Boot dahin geschossen bin!
Was für ein Ausflug – das hat sich wirklich ganz und gar gelohnt! Was bin ich froh, daß ich auf Marcos Angebot eingegangen bin!

Erschöpft, aber mehr als zufrieden komme ich im Hostel an – Andres hatte sich schon gewundert, wo ich bleibe! Als er jedoch hört, was ich alles gesehen habe, ist er auch ganz hyppy! Vor allem freut er sich darüber, daß ich solches Glück mit meinen diversen Ausflügen gehabt habe und soviele verschiedene Tiere beobachten konnte.
Zum Abendessen gehe ich nach nebenan in ein kleines ‚Soda‘, wie hier die winzigen Familienrestaurants heißen. Es gibt ein vorzügliches Essen an nur 3 kleinen Tischen zu ebenso kleinem Preis! Am Tisch neben mir sitzt ein Paar auch aus ‚meinem‘ Hostel aus Kanada – ganz schnell sind wir in ein intensives Gespräch vertieft, bis uns die Besitzerin hier mit dem Servieren von selbstgebackenem Kuchen als (kostenlosem) Nachtisch zu verstehen gibt, daß danach dann endgültig Schluß ist! Ist aber auch schon spät und ich merke, wie müde ich eigentlich bin!

Dienstag, 5.Juli 2011

Heute ist die schöne Zeit hier in der ‚Wildnis‘ leider zu Ende! Ohne irgendwelche speziellen Trips kann ich wieder einmal ein wenig länger schlafen – mein Gepäck ist schnell zusammen gepackt, da ich sowieso nur ein paar Sachen gebaucht und nur oben aus dem Koffer genommen hatte. Ich habe aber ein paar Sachen für die Wäsche – vor allem die, die ich während der Rafting-Tour an hatte. Bei dem feuchten Klima hier ist das garnicht richtig getrocknet und es ‚müffelt‘ inzwischen ziemlich stark in der Wäschetüte! Aber mir wird alles noch für heute mittag zugesagt, ehe ich losfahre. Fürs Frühstück kann ich mir jetzt gemütlich Zeit lassen und es ist auch Raum für ein ausführlicheres Gespräch mit Andres! Er hat Hotel-Management studiert und dieses Hostel hier aus (und auf) dem früheren Wohnhaus der Familie konzipiert! Dabei scheint er ein glückliches Händchen gehabt zu haben – das Hostel läuft sehr gut! Daran hat bestimmt sein sehr professioneller und trotzdem äußerst herzlicher Umgang mit den Gästen wie auch die absolute Sauberkeit überall den größten Anteil. Das Haus an der Hauptstraße neben dem Café seiner Tante gehört der Familie ebenso – dort gibt es ein Restaurant und einen Souvenir Shop mit Tourist-Information! Der Vater hat erst vor ein paar Monaten bei einem Unfall beide Beine verloren, aber so ist das Einkommen der Familie gesichert, sein Vater kann an der Tourist Information sein großes Wissen über die Gegend hier weitergeben und hat so eine wirkliche neue Aufgabe! Ich bin voller Hochachtung für die große Verantwortung, die mein junger Gesprächspartner auf sich genommen hat! Aber mindestens so beeindruckt bin ich von seinem Auftreten und seiner mehr als positiven Ausstrahlung!

Mein Transfer zurück nach San José kommt erst am frühen Nachmittag, so kann ich den halben Tag hier noch für einen Spaziergang durchs Städtchen nutzen. Mich begleitet die 11-jährige Tochter des Hausmädchens, Valeska, die gerade Ferien hat und mit der ich mich ein wenig angefreundet habe. Sie hat mir immer das Frühstück serviert und ich ihr dafür – zum großen Vergnügen von uns beiden, aber auch ihrer Mutter in der Küche – ein paar Worte Deutsch und Englisch beigebracht!
Die „Warnungen“ in San José, ja nicht allein herum zu marschieren, kann ich damit ignorieren – aber so sicher wie hier in Santa Elena habe ich mich sowieso kaum irgendwo gefühlt. Es ist ein so kleiner Ort und, obwohl ich ja nur knapp 3 Tage hier war, gibt es bereits ein paar Leute, die mich kennen und begrüßen unterwegs – und auch noch einige tolle Vorschläge haben, wo ich noch überall hingehen könnte. Es ist schon alles sehr familiär hier – wahrscheinlich auch ein schöner Nebeneffekt der fehlenden „richtigen“ Straßenverbindungen :-)!

Meine Wäsche bekomme ich nach unserer Rückkehr gewaschen und getrocknet zurück und packe sie schnell in meinem Koffer und dann steht auch das Transfer-Auto schon vorder Tür! Nach einem herzlichen Abschied von Valeska und ihrer Mutter und einer festen Umarmung von Andres – auch hier werde ich aufgefordert, bald wieder einmal zu kommen – geht es auch schon los! Noch lange winken sie mir alle drei nach und auch aus dem kleinen Supermarkt werden mir noch gute Wünsche zugerufen, aber dann ist auch Santa Elena wieder Vergangenheit für mich :-(!

Die Straße, die wir jetzt befahren, ist wieder einmal völliges Neuland für mich – es geht nämlich Richtung Pazifik! Als der Fahrer merkt, daß ich auf der Rückbank immer wieder fotografiere, hält er unaufgefordert an vielen Kehren und kleinen Ausbuchtungen mit besonders schönen Aussichten an! Hier kann ich auch meine wenigen Spanisch-Kenntnisse gut anwenden – er spricht nämlich auch kaum Englisch! Aber wie eigentlich fast überall in den letzten Monaten bringen wir eine äußerst amüsante und kurzweilige Unterhaltung zustande :-)!


Ein langes Teilstück der Straße, die steil in die Ebene hinab führt, ist auch hier nur Piste und geht durch absolutes Bauernland. Überall sehen wir Rinder und treffen sie auch immer wieder auf den Straßen an! Auch die dazu gehörigen „Cowboys“ reiten uns hin und wieder über den Weg und es gibt sogar manchmal die alten traditionellen 2-rädrigen Karren zu sehen, einige wenige richtig farbenfroh bemalt!

Nach etwa einer Stunde holpriger Fahrt landen wir auf Asphalt und tatsächlich – wir fahren deutlich schneller! Es dauert dann gar nicht mehr lange, bis wir auf der Küstenstraße angekommen sind und das Meer vor uns liegt. Jetzt ist plötzlich auch zu sehen, daß sich wieder ein ordentliches Gewitter im Nordwesten zusammen braut – eine bedrohliche Wolkenwand steht über dem Wasser! Die Leute, die überall am Strand zu sehen sind, lassen sich jedoch bisher noch nicht davon stören – es wird gegrillt, Musik gemacht und manchmal sogar getanzt!
Nach einem kleinen Hafen schlängelt sich die Straße wieder ins Landesinnere. Sie ist offenbar relativ neu, denn die zahlreichen Felsdurchbrüche sehen noch sehr ‚frisch‘ aus und die Büsche und Bäume auf den Abhängen neben der Straße sind augenscheinlich erst vor kurzem gepflanzt worden.
An der Ausfahrt Richtung ‚Jaco‘ biegen wir ab – ich bin etwas erstaunt, weil das eigentlich wieder zurück zur Küste geht! Wir müssen Jaco jedoch noch ein paar andere Touristen ‚aufgabeln‘ und mit nach San José nehmen. An einem großen Restaurant mit integriertem Souvenirshop halten wir deswegen an – ich kann die Toilette benutzen und einen Kaffee trinken, ehe zwei andere Kleinbusse ankommen, die meine künftigen Mitfahrer bringen. Sechs Leute mit Gepäck wechseln das Gefährt und weiter geht die Reise! Schade, daß ich von Vanessa nichts gehört habe – vielleicht ist sie ja gerade in ihrem Haus in Jaco, dann hätte ich hier gleich aussteigen können!
Inzwischen hat es angefangen zu regnen, aber lange nicht so heftig, wie es den Anschein hatte – das Schlimmste bekommt wohl der Landstrich an der Küste ab! Leider erreichen wir die Randbezirke der Hauptstadt mitten während der Rush Hour und so dauert es ein wenig, bis wir nahe dem Zentrum angekommen sind.
Alle meine Mit-Passagiere müssen in Hotels oder Hostels im zentrumsnahen Bereich und so geht das ‚Ausladen‘ dann schnell! Mein Hostel am Parque Nacional wird als letztes angefahren und als ich dem Fahrer ein Trinkgeld geben will, nimmt er es nicht an! Es wäre auch für ihn ein Vergnügen gewesen und er freut sich, daß ihm sein Land so gut gefällt – ist das nicht nett?

Um den Hostel ist ein hoher Gitterzaun – das Haus ist auch hier das alte Wohnhaus der Familie! Aber welch ein Unterschied, nicht nur von außen! Als mir Federico, der Besitzer, öffnet und ich eintrete, bin ich völlig überrascht. Nach dem Eingang steht man in einer riesigen ‚Lounge‘, wo tiefe Sessel und Sofas stehen, jede Menge alte Regale an der Wand enthalten Bücher und Bildbände über Costa Rica und San José im speziellen. Auf dem riesigen Glastisch ist eine große Vase mit einem ausladenden Gesteck aus den exotischen Blüten der Gegend plaziert! Von diesem ‚Foyer‘ aus komme ich in mein Zimmer, ebenfalls ein riesiger Raum – eigentlich zwei ineinander übergehende Räume! In einem steht ein Doppelbett, im anderen eine gemütliche Couch (aber leider auch noch 3 Einzelbetten) – offenbar habe ich die ‚family suite‘ hier erhalten!
Im Erdgeschoß gibt es noch einen anheimelnden Patio mit Springbrunnen und daneben ist das kleine gemütliche ‚Fernsehzimmer‘. Es gibt dann noch zwei Doppelzimmer hier, die waren mir aber zu teuer – das eigene Bad macht sich natürlich im Preis bemerkbar (ich muß das Gemeinschaftsbad im Obergeschoß mit benutzen! Eine große Küche und das Büro von Federico sind die beiden letzten Räume, an die sich jeweils auch nochmal ein großer Patio anschließt!
Eine weit geschwungene Freitreppe führt ins Obergeschoss, wo ursprünglich 3 ineinander gehende Räume heute das große ‚dormitory‘, also den Schlafsaal, bilden!
Wunderschön – hier werde ich mich bestimmt wohlfühlen bis zu meiner Abreise am kommenden Samstag!
Ins Stadtzentrum sind es 10 Minuten zu laufen, ein kleiner Supermarkt ist ein paar Häuser weiter und der schöne Park liegt vor der Tür. Hier allerdings nehme ich die Hinweise von Federico ernst: Tagsüber alles easy, nach Einbruch der Dunkelheit jedoch nicht mehr allein herum laufen, sondern lieber ein (mehr als billiges) Taxi aus dem Zentrum oder von/zu irgendwelchen Restaurants rufen lassen!

Heute gehe ich aber nirgends mehr hin – ich hole mir Brot, Käse und ein Bier fürs Abendessen im Supermarkt und bin ziehe mich dann in mein Zimmer zurück! Meine Mails (hier gibt es überall WLan) und vor allem mein Buch warten auf mich!

Eine Antwort zu Entdeckungsreise in faszinierender Natur

  1. Barbara schreibt:

    Hallo Christine!
    Toll dein Bericht über Costa Rica und faszinierend vor allem die Tier- und Pflanzenwelt. Das Rafting-Abenteuer hat dir sichtlich Spass gemacht! Beneidenswert 🙂
    Freu mich auf die Berichte aus Kanada und Alaska! Weiterhin viel Freude und Energie für deine Unternehmungen wünscht dir
    Barbara

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