„Geraldton“ – zweites Ziel

6.10.2010
Ich bin schon sehr früh wach, weil vor meinem Fenster ein „Twenty eight“-Vogel sitzt und ständig vor sich hin plappert! Er heißt wirklich so und nach seinem eindeutigen ‚Zwitschern’ benannt. Aber macht ja nichts, der Tag kann ja ruhig früh anfangen. Nach einer ausgiebigen und richtig schönen heißen Dusche packe ich meine Sachen wieder ins Auto und gehe ins ‚Küchenhaus’, wo schon das Frühstück auf mich wartet. Ich kann zwischen Müsli und Omelett wählen und Tee oder Kaffee! Beim gemeinsamen Müsli erzählt mir Margaret, dass bei ihr überwiegend Familien mit nicht so großem Einkommen Budget-Urlaub machen, darunter viele Aboriginie-Familien! Als wir gerade darüber sprechen, kommt eine dieser Familien in den Frühstücksraum. Die beiden kleinen Mädchen sind ganz begeistert von dem Müsli – ist aber auch lecker, mit vielen Nüssen und getrocknete Früchten!
Ich mach mich nach dem Frühstück gleich auf den Weg – erst ins Internet-Café, dann noch mal auf die Post und dann weiter Richtung Geraldton, meiner nächsten Station!
Es ist wirklich überwältigend und hilfsbereit hier die Menschen überall sind! Wahrscheinlich liegt das daran, dass es eigentlich ziemlich wenige sind – obwohl eine Kinderzahl von 3 pro Familie das Normale ist, aber auch 4 oder 5 sind nicht so selten! Die meisten ‚Städte’ hier würden bei uns als größeres Dorf oder vielleicht Gemeinde durchgehen! Von den relativ wenigen Einwohnern leben viele ziemlich außerhalb der Stadtgrenzen auf den weit verstreuten Farmen!
Meine Fahrt führt auch bald fast nur noch durch Farmland – das Hauptprodukt der Gegend hier ist Weizen! Überraschenderweise sind hier die Felder schon überwiegend abgeerntet, während südlich von Perth noch Frühling war! Die ‚Felder’ sind teilweise riesige Landflächen, auf denen natürlich entsprechend große Maschinen eingesetzt werden.
Das Getreide kommt dann erst in große Silos, die man überall sehen kann. Aus diesen Silos werden dann die Anhänger für die Road Trains befüllt und die befördern das Getreide in den nächstgrößeren Hafen!
Übrigens zeigt heute das Thermometer das erste Mal 30 Grad an!
Ich habe von der Touristeninformation gestern eine neue Broschüre bekommen, die sich mit den historischen Plätzen – ja, davon gibt es durchaus ein paar wenige! – auseinander setzt. Darin ist sehr schön eine Route von Geraldton Richtung Süden beschrieben. Die will ich heute Richtung Norden abfahren! Es soll einen alten heiligen Platz der Aboriginies zu sehen geben, eine Aboriginie-Farm, eine Wind-Farm, eine alte ‚Tavern’, einen uralten ‚Siedler-Friedhof’, ein Railway Museum und ein Pioneer-Museum!
Es macht Spaß, auf diesen kleinen Nebenstraßen zu fahren. Es gibt dort auch wieder ganz andere ‚Wild Flowers’ zu sehen! Am leichtesten ist die Wind-Farm zu finden – unübersehbar die riesigen (sollen die größten weltweit sein) Windräder auf den Hügeln ringsumher. Besonders schön sehen die aus, die auf weiten blauen Blumenwiesen stehen!
An den Straßen entlang überall uralte Eukalyptus- und Banksia-Bäume mit wunderschönem Astgewirr! Und im Unterholz – wie bei uns die Buschwindröschen – verschwenderisch viele große weiße Calla-Blüten!
Nach vielem Auf und Ab und durch unzählige kleine gewundene Kurven dann das Schild zum ‚Ellendale Pool’, einem tiefen, mit Wasser gefülltem Loch, das von steilen Felsen begrenzt wird.
Hier war früher ein heiliger Platz der Aboriginies – heute wird die Wiese davor als Kurzzeit-Campingplatz und Ausflugsziel für die umliegenden Farmen benutzt. Es sind aber nicht allzu viel Besucher da und so ist das Ganze schon ziemlich idyllisch! Und ich kann sogar einen „Bobtail Skink“ fotografieren – leider nur im Gebüsch!

Er hat mich offenbar früher gesehen als ich ihn und so konnte er sich schnell noch verstecken!
Weiter geht es durch die Hügellandschaft, bis ich plötzlich von einer Schafherde gestoppt werde. Offenbar gerade frisch geschoren, werden sie von der Halle auf einer Seite der Straße zurück auf die Weide auf der anderen Seite getrieben! Die Schafhirten von heute gehen jedoch nicht mehr zu Fuß oder reiten auf einem Pferd, sondern fahren auf einem Quad ! Aber immerhin haben sie auch heute noch einen Hund dabei! Beim Weiterfahren komme ich durch ein schmales Tal, durch das ein kleiner Bach fließt. Offenbar kann der sich zu einem reißenden Fluß verwandeln, wie Schilder und Messlatten verraten!
Im Dörfchen „Walkaway“ finde ich eine alte Taverne, aber das ist nicht die, die ich suche. Die ist noch etwa 20 km weiter. Ein wirklich schönes altes Gasthaus – mit allem, was die weit verstreute Dorfgemeinschaft früher so brauchte: Einem großen Saal, einem langen Bartresen, mehreren Billardtischen und natürlich den entsprechenden Spucknäpfen überall. Leider koennen weder die Gäste noch die Bedienung mir weiterhelfen – ich suche den ‚Siedler-Friedhof‘, für den fand ich nirgends eine Beschilderung. Ich habe wohl etwas überrascht geschaut, denn normalerweise wissen Einheimische doch Bescheid über solche eher versteckten Kleinode. Die nette Bedienung ruft deshalb kurz entschlossen ihre Chefin an – die erklärt mir, dass der Friedhof auf ‚private property’ liegen würde, die Kirche (und damit auch der Friedhof) wäre vor Jahren an einen Farmer verkauft worden, der jetzt dort wohnt. Das ist ja stark – das Tourismusbüro gibt Informationen über Plätze heraus, die man dann nicht besuchen kann?
Ich bin ja etwas skeptisch, fahre dann aber weiter Richtung Pionier-Museum. Unterwegs komme ich da an einer alten, aufgelassenen Kirche vorbei, die offensichtlich bewohnt ist. Aber leider ist da niemand zu finden. Aber aus der Einfahrt über der Straße kommt gerade eine junge Frau gefahren, die halte ich schnell an. Sie weiß von dem Friedhof, weil sie mal ein Hinweisschild dahin gesehen hat. Aber das hat in der Zwischenzeit wohl jemand ‚stolen’, vielleicht der jetzige Besitzer der Kirche? Ist ja vielleicht auch nicht so witzig, wenn immer wieder Touristen kommen und in seinem privaten Hof herum spazieren… Aber freumdlicher-weise verrät mir die junge Frau noch, dass ich mir den Weg zum Pionier-Museum sparen kann – die schließen schon um 4 p.m. und es ist bereits 10 vor!
Also dann eben auf direktem Weg nach Geraldton – ich hatte Gregg, meinem CS-Gastgeber von heute ja gesagt, dass ich gegen 5h kommen würde. Das wird dann ganz genau hinkommen!
Ich rufe ihn an, als ich die Stadtgrenze passiere und er beschreibt mir den leicht zu findenden Weg zu seinem Haus! Unterwegs komme ich dann doch wirklich an einer überraschenden Straße vorbei – sollten ein paar Einwohner der badischen Residenzstadt bis nach Western Australia gekommen sein???
Gregg und ich kommen fast gleichzeitig vor seinem Haus an – er kam gerade von der Arbeit! Eine kleine Führung macht mich mit den Mitbewohnern bekannt: 6 Hühner und ein Hahn in einem Stall hinter dem Haus, drei Enten in einem kleinen Pferch im Garten und ein Bienenvolk! Frische Eier und Honig sind also keine Mangelware hier!
Wir machen uns beide ein wenig frisch und dann geht es zu einem Spaziergang in die Stadt – erstmal für einen Kaffee, aber dann wollen wir vielleicht auch dort zu Abend essen! Gregg erwartet noch eine Couch-Surferin, die aber erst später eintreffen will.
Im Hof eines sehr gemütlichen Cafés gibt es dann einen ‚Flat White’ (die australische Version vom Milchkaffee) und einen Espresso für Gregg. Bei unserer Unterhaltung merken wir gar nicht, wie die Zeit vergeht – zwischendurch haben wir noch ein leckere Meeresfrücht-Pizza geordert. Gregg spricht überraschenderweise sehr gut Deutsch – er war mit einer jungen Frau aus Wuppertal verheiratet und hat einige Jahre in Schkopau bei Dow Chemical gearbeitet. Er ist Vater von zwei kleinen Mädchen, die jetzt mit ihrer Mutter nur ein paar Häuser von ihm entfernt wohnen und 3 Nächte pro Woche bei ihm sind.
Als dann Isa, der andere Gast, anruft und Bescheid sagt, dass sie jetzt in der Stadt ist, schlendern wir langsam zum Treffpunkt, den Gregg ihr gesagt hatte.
Isa ist eine junge Polin und jetzt per ‚hitch hiking’ hier in W.A. unterwegs, davor hat sie einige Monate als Praktikantin in Melbourne gearbeit. Sie reist – backpacker-konform – natürlich mit einem großen Rucksack und mehreren kleinen und noch Umhängetaschen. Aber tapfer trabt sie mit dem schweren Gepäck mit uns nach Hause.
Dort werden die Schlafgelegenheiten verteilt. Ich schlafe in dem kleinen Zimmer, wo sonst die Kinder übernachten. Leider habe ich in Greggs Profilbeschreibung übersehen, dass ein eigener Schlafsack nötig ist und so einen habe ich nicht mehr (meinen in Namibia gekauften habe ich ja aus Platzgründen dort gelassen!). Leider hat Gregg weder ein Kopfkissen für mich noch eine Decke o.ä. Nur einen Bettbezug kann er mir zum zudecken geben (nachts ist es ja noch überraschend kalt). Also ziehe ich wieder die bewährte Skiunterwäsche an und meine Socken, krabbel in meinen dünnen Seidenschalfsack und decke mich mit dem Bettbezug und meinen Handtüchern notdürftig zu. Ein wenig unheimlich ist mir noch dazu – im Bad habe ich eben beim Zähenputzen eine wirklich sehr große schwarze Spinne mit einem ganzen Schwarm ihrer Jungen gesehen. Aber Gregg beruhigt mich, die wäre nicht giftig, gehört sozusagen zu seinen Haustieren und bewegt sich nicht aus ihrem Netz weg!
Das kann ja eine heitere Nacht werden…

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