Ab in den Süden – der Sonne hinterher!

18.11.2010
Habe schlecht geschlafen! Ist etwas ungewöhnlich, aber offenbar immer so, bevor ich ein neues größeres Teilstück meiner Reise antrete. Vielleicht doch noch immer ein bisschen Reisefieber? Obwohl es hier in Australien eigentlich nicht viel Grund dafür gibt – die Umstände des Reisens sind ja nicht so unterschiedlich wie in Europa. Aber was soll’s, trotzdem war ich ganz frisch, habe schnell meine restlichen Sachen gepackt und ins Auto verstaut. Als ich gerade frühstücke, kommt Zsolt aus seinem Zimmer. Der Arme muß aufstehen, weil ich gestern auf seinem Parkplatz geparkt hatte und er sich deswegen direkt hinter mich stellen musste – und jetzt natürlich sein Auto wegfahren muß! Aber mit seinem gewohnt charmanten Lächeln gibt er mir so gar nicht das Gefühl, ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Mario schläft noch, also nur Grüße an ihn ausgerichtet, eine letzte Umarmung und kleine Wegbeschreibung aus der Stadt hinaus – weg bin ich!
Da mich mein Weg grobe Richtung Flughafen führt, ist es natürlich überhaupt kein Problem, den auch zu finden – alles super ausgeschildert! Der Verkehr ist natürlich um Welten dichter als an der Westküste, aber einmal aus dem Großraum Sydney hinaus, geht es dann wieder. Ich habe mir für heute die gesamte Strecke bis Canberra vorgenommen. Eigentlich wollte ich ja über die Blue Mountains fahren und dort noch ein oder zwei Nächte bleiben, Dort regnete es jedoch in den vergangenen Tagen auch und die Spazierwege sind ziemlich schlüpfrig, also lasse ich das jetzt lieber sein – auch, weil die Wettervorhersage erneute Regenfälle androht!
Die Fahrt als solches verläuft sehr unspektakulär. Es ist nur ein ganz anderes Fahren als in Western Australia – ständig fährt man durch kleine Städte oder Ortschaften. So gut wie immer gibt es mindestens eine Ampel, aber auf jeden Fall ist dort die Höchstgeschwindigkeit nur 50 km/h! Also lassen sich genaue Fahrtzeiten hier überhaupt nicht sagen.
Ich habe es aber nicht eilig – für Canberra habe ich bisher weder von den Couchsurfern noch von den SERVAS Membern was gehört. Ich werde mir dort wohl ein Hotelzimmer suchen müssen.
Das Wetter ist ganz schön und ich genieße die Fahrt! Hin und wieder tolle Ausblicke machen sie ganz kurzweilig.
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Schade, dass ich hier nicht immer einfach so zum Fotografieren stehen bleiben kann – wenn dann Parkplätze kommen, ist oft nicht besonders viel zu sehen. Aber manchmal liegen sie auch so, dass sich ein langer Küstenstreifen wie auf dem Präsentierteller zeigt!

Mir scheint, daß dieses Stück Küste ein bevorzugtes Ziel von italienischen Einwanderern war. Ortsnamen wie ‚Parma’ oder ‚Como’ und Firmennamen wie ‚Brescia’, ‚Danelli’ oder ‚Mirandola’ u.a. sprechen eindeutig dafür – und ‚Engadina’ wäre soweit weg ja auch nicht…
Etwa 150 km weiter südlich lässt dann Griechenland grüßen! Nicht nur eine orthodoxe Kirche,

sondern auch das Angebot im Supermarkt weisen eindeutig darauf hin. Nirgendwo sonst gab es bisher ein ganzes Regal voller typisch griechischer Spezialitäten – vom Brot angefangen bis zu den gefüllten Weinblättern war alles da, was man sich so vorstellen kann.
Aber auch ‚Aldi’ ist hier jetzt flächendeckend vertreten – ich könnte mich also mit Lebkuchen, Stollen und Dominosteinen ordentlich eindecken, wenn ich denn wollte :-)!

An einem der ausgewiesenen Parkplätze (stets mit Toiletten, Tischen, Bänken und Grillplätzen ausgestattet, mache ich dann ein kleine Mittagspause: Cup Noodles, Avocado und als Nachspeise dann frische Heidelbeeren! Dabei leistet mir ein wunderschöner bunter Papagei Gesellschaft

– zumindest solange ich sitzen bleibe. Als ich nämlich aufstehe, um ihn noch besser sehen zu können, ist er ‚schwupps’ auch schon weggeflogen!
Beim Einsteigen ins Auto sehe ich dann, dass mehrere Anrufe auf meinem Mobile eingegangen waren: Ein SERVAS-Gastgeber in Canberra hat sich gemeldet, ich kann heute kommen! Schnell rufe ich zurück, um ihm zu sagen, wann ich ungefähr eintreffen werde. Ich habe noch etwa 150 km auf der Küstenstraße zu fahren und dann lt. Karte noch mal ca. 150 km landeinwärts. Also vorsichtshalber veranschlage ich noch etwa 4 Stunden. Das passt gut, er ist heute bei Freunden zum Abendessen eingeladen und da könnte ich dann gleich mitkommen. Das ist doch wieder eine tolle Aussicht!
Aber die Fahrt zieht sich… Der ‚Princess Highway’ wird jetzt nämlich zu einer relativ kleinen Landstraße, wo zu allem Überfluß auch fast durchgehend Überholverbot herrscht. Als ich dann endlich in Batemans Bay angekommen bin, habe ich für diese 150 km schon mehr als 2 Stunden gebraucht.
Und der weitere Straßenverlauf Richtung Hauptstadt macht es nicht viel einfacher! Es ist zwar eine herrliche Straße hoch in die Berge (etwa wie die Kesselbergstraße, nur noch um einiges länger!) und ich bin mit all den Kurven wahrlich in meinem Element! Aber da ist natürlich eine besonders hohe Geschwindigkeit nicht möglich! Dazu kommen einige Baustellen -Strecken, wo der ‚bewährte Mann mit dem STOP/SLOW Schild’ steht und „selbstverständlich“ jeweils gerade in meine Richtung STOP befiehlt! Ich rufe vorsichtshalber bei Adam an und sage Bescheid, dass es statt 6h wohl eher ½ 7h oder gar noch später wird, aber er meint, das wäre schon okay! Es ist ein bisschen schade, dass ich so gar keine Pause mehr machen kann – die Landschaft ist wunderschön um mich herum. Auch dann auf der Hochebene (Canberra liegt auf etwa 800 m) sieht es wieder mal ziemlich malerisch aus! Aber ich fahre auch über ein Stück ‚gravel’ (ist aber nur ein Teilstück, das gerade ‚aufgerüstet’ wird). Die relative Nähe der Hauptstadt macht sich auch dadurch bemerkbar, dass mir statt der üblichen asiatischen ungewöhnlich viele europäische Automarken entgegen kommen – allen voran der ‚gute Stern auf allen Straßen’ in allen Größen und Ausführungen…

Endlich bin ich in Canberra angekommen und halte mich an Adams Wegbeschreibung. Dummerweise ist jedoch eine Abzweigung gesperrt – ich sehe das Stadtviertel, wo ich hin muß, aber fahre eine Weile immer nur darum herum! Also noch mal ein Anruf, noch mal eine andere Beschreibung und dann klappt es. Inzwischen ist es jedoch bereits 7h und ich habe keine Zeit, mich irgendwie frisch zu machen oder gar umzuziehen – ich werde gleich ins andere Auto ‚umgeladen’ und weiter geht es!
Unsere Gastgeber warten schon auf uns, aber das vorbereitete ‚Jambalaya’ konnte gut warm gehalten werden! Es ist ein schöner Abend mit diesen für mich ja total fremden Menschen und erst gegen 10h machen wir uns auf den Heimweg! In meinem kleinen Zimmer (ich hatte 3 zur Auswahl – die ‚Kinder’ sind beide nicht mehr daheim und neben dem Gästezimmer standen mir auch die zur Verfügung!) ist es ganz gemütlich und ich schlafe nach dem langen Tag schnell ein!

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2 Antworten zu Ab in den Süden – der Sonne hinterher!

  1. Siggi schreibt:

    Ach meine Liebe – schön all das Interessante zu lesen und auf Fotos zu sehen. Ich denke oft an Dich und frage mich, was Du wohl gerade in den Momenten tust und was Du erlebst; so z.B. heute, als ich morgens um 5Uhr vor dem Weg ins Büro Schnee schieben mußte bei heftigstem Schneegestöber …. Kurze Zeit später erfahren wir ja immer genauestens, was Du so erlebst. Schön, dass es Dir gut geht.
    Möge es immer weiter so bleiben auf Deiner Reise und darüber hinaus!

    In Gedanken drücke ich Dich fest!
    Deine Freundin Siggi

  2. Pia Dahlem schreibt:

    Liebe Christine,
    hatte Dich seit der letzten Mail leider ganz aus den Augen verloren. Umso größer die Freude über Deine Karte aus down under (man sieht mal wieder, Print wirkt 😉
    Hat mich auch gleich animiert, in Deinem Blog zu stöbern. Tolle Geschichten! Ganz unsere unabhängige, kontaktfreudige und weltoffene Christine, wie wir sie kennen und schätzen.
    Wir wünschen Dir noch viele spannende Eindrücke und viele liebe Menschen als „Zwischenstationen“ auf Deinem fantastischen Trip rund um den Globus,
    Wir umarmen Dich,
    Pia + Bernhard

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