Chinesischer Zaubertrank

15.9.2010
Es ist ein sonniger Tag – der wird heute auf jeden Fall zu einer Fahrt auf den Peak genutzt! Schnell auf den Weg gemacht, damit ich noch vor dem großen Ansturm an der Peak-Tram-Station ankomme! Es steht zwar schon eine große Schlange vor dem Ticketschalter, aber ich habe ja eine Octopus-Card!! Das ist eine sehr praktische Geldkarte, die ich mir gleich bei der Ankunft am Flughafen gekauft hatte! Sie kostete 150 HK$, das sind gerade mal ca. 15Euro! Davon bekomme ich 50 HK$ ‚Deposit’ für die Karte wieder zurück, wenn ich sie beim Abflug zurückgebe und bekam noch einen Bonus von 50 HK$. Abgesehen von dem günstigen Preis muß ich damit nicht anstehen, sondern kann sofort durch das Drehkreuz zum bereit stehenden Wagen! Und ich könnte mit dieser Karte auch Parkgebühren bezahlen und in manchen Geschäften auch damit einkaufen…
Es ist immer wieder ein ganz spezielles Erlebnis, die steile Strecke hoch auf den Berg! Man möchte es gar nicht glauben, dass die Bahn nur an einem Stahlseil hängt. Aber es gab in den 122 Jahren seit Inbetriebnahme keinen einzigen Unfall damit! Langsam bewegen wir uns aus dem umgebenden Grün und haben den Blick frei auf das Häusermeer unter uns – immer wieder atemberaubend!
Auf dem Gipfel ist nichts mehr so, wie ich es in Erinnerung hatte. Eine riesige neue Bergstation ist inzwischen gebaut worden – voll mit Souvenirshops und anderen Attraktionen, die Touristen wohl so brauchen (Wachsfigurenkabinett, McDonalds…)!
http://www.thepeak.com.hk/en/home.asp
Es sind sehr viele Festlandschinesen unterwegs und die kaufen voller Begeisterung den ganzen Andenken-Kram, der wahrscheinlich in China hergestellt wurde! Vom obersten Stockwerk hat man natürlich eine tolle Aussicht, das kostet aber noch mal extra – Octopus sei Dank ist auch das kein Problem für mich! Ich habe nämlich kaum noch Bargeld und der ATM, den es lt. Auskunft der Bahnbeamten dort oben gibt, ist leider außer Betrieb! Die Aussicht ist schon ziemlich gigantisch!
Leider ist es ein wenig dunstig zum Fotografieren, aber für das Auge alles wunderbar zu sehen!

Ehe ich wieder zur Talfahrt aufbreche, mache ich noch einen kleinen Spaziergang rund um die Gebäude auf dem Gipfel. Es gibt zwar das uralte Fachwerkhaus noch
,
das historische Hotel und Restaurant auf dem Peak! Aber gegenüber von den riesigen neuen Bauwerken und total eingewachsen in Grün kann man sich kaum noch vorstellen, dass das einmal das bestimmende Bauwerk dort oben war! Der kleine chinesische Tempel ist offenbar frisch renoviert worden und die Spazierwege sind alle sehr gepflegt. Kein Wunder, stehen doch einige der teuersten Häuser der Welt auch dort oben!

Als ich wieder unten angekommen bin, führt mich der nächste Weg zum Main Post Office – ich muß Verpackungsmaterial und gefütterte Kuverts besorgen, damit ich meine Postsendungen nach Hause noch auf den Weg bringen kann! Bei der ‚Abkürzung‘ durch das HSBC-Gebäude erlebe ich etwas ganz aberwitziges – mitten im Bankgebäude wird gegen eben diese Bank demonstriert! Die Sicherheitsleute und die Polizei stehen in gehörigem Abstand, lassen die Demonstranten im Übrigen gewähren! Sogar eine der Steckdosen dort dürfen die für ihre Verstärker benutzen – bemerkenswert!
Wo ich schon mal in der Stadt bin, laufe ich durch Central Richtung Western District – ich möchte doch die längste überdachte Rolltreppe der Welt noch benutzen: 800 m lang meistert sie etwa 135 m Höhenunterschied. Es ist jedoch keine durchgehende Rolltreppe, sondern teilt sich auf in 20 Rolltreppen und 3 Rollsteige – schließlich muß ja immer wieder Gelegenheit sein, sie auch zu verlassen!
Durch Central zu gehen, ist ein wenig haarsträubend. Da mitten durch dieses Viertel zwei große Schnellstraßen verlaufen, muß man ständig irgendwelche Überwege benutzen – also Treppen rauf, Treppen runter. Man kann zwar auch die Rolltreppen in den angrenzenden Gebäuden benutzen. Aber dort drin ist es dermaßen kalt, dass ich das soweit wie möglich vermeide. Vor allem heute, weil ich merke, dass sich sowieso schon eine Erkältung anbahnt!
Der „Escalator“ ist eine feine Sache!

Die steilen Straßen und Treppen zu den ‚Mid Levels’ können damit bequem umgangen werden. Morgens bis 10h geht es abwärts für die vielen Berufstätigen der Stadt! Dann bis abends aufwärts – für alle, die die ‚oberen Bezirke‘ aufsuchen wollen oder müssen! Bei jeder Querstraße gibt es eine Unterbrechung, so dass man gut die umgebenden Sehenswürdigkeiten, aber auch die vielen Restaurants, Cafés und Bars aufsuchen kann! Oder wie in meinem Fall, auch einen Friseur! Ich habe den Salon im 2.Stock eines Hauses von der Rolltreppe aus gesehen und bin kurz entschlossen dahin. Sie konnten mich auch gleich dran nehmen und mein Haarschnitt ist überraschend gut geworden – sah ja nach fast 10 Wochen seit dem letzten Friseurbesuch in München schon etwas zauselig aus!
Vom Escalator aus hat man aber auch einen guten Blick hinter die Fassaden und wird auf Dinge aufmerksam, die man sonst sicherlich übersehen würde!



Oben angekommen, bin ich dann zu Fuß quer zu meinem Hotel marschiert! Eine schweißtreibende Angelegenheit bei über 90% Luftfeuchtigkeit und über 30 Grad! Als mein Hotel bereits in Sichtweite war, stellte ich fest, dass es über die letzte zu überquerende Straße keinen Überweg gibt. Ich sollte wieder etwa 300 m steil bergab gehen, dort eine Überführung benutzen und auf der anderen Seite den gleichen Weg wieder steil bergauf! Das war mir dann doch zuviel – kurz entschlossen stieg ich über die Leitplanke! Der Verkehr war zu der Zeit noch nicht so dicht!
Jetzt war eine Dusche dringend angesagt und ein Kaffee zur Belohnung!
Meine Päckchen konnte ich gut erledigen – alles untergebracht und gut verpackt. Morgen geht das dann auf die Post.
Eigentlich wollte ich heute abend zum Pferderennen ins Happy Valley fahren – eine Empfehlung von Jo und seiner Frau. Aber ich fühle mich immer schlechter – die Erkältung lässt sich nicht mehr unterdrücken. Ich hole mir im kleinen Laden nebenan ein paar ‚Pülverchen’ zum Auflösen in heißem Wasser und lege mich dann doch lieber ins Bett!
Nachdem der ‚Zaubertrank’ ganz gut geholfen hat, fahre ich aber abends doch noch schnell mit dem Taxi zur Beachfront – die Farblichtspiele auf der Kowloon-Seite wenigstens mal anschauen!

Und das hat sich doch gelohnt – ist wirklich ein einziges Spektakel! Mit den aberwitzigsten bewegten farbigen Beleuchtungen der Hochhäuser über Laserkanonen und die mit bunten Lampen geschmückten Star Ferries! Ich stand vor dem Convention Centre bei der ‚Bauhinia’, dem großen goldenen Blumenstandbild, das an die Rückgabe Hongkongs an China erinnert, und um mich herum ungefähr 1000 von der Milliarde Festlandschinesen! Alle im besten Sonntagsstaat für ihren Ausflug in die große weite Welt! Man kann sich vorstellen, was da so los war!

Leider hat die Wirkung des ‚Zaubertranks’ nicht mehr lange angehalten und ich habe mir nur noch schnell ein Taxi für die Heimfahrt gesucht…

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