2. Schulwoche

Montag, 14.2.2011
Heute ist Valentinstag! Nicht zu übersehen, denn überall – am U-Bahn-Eingang, in den Eingängen zu Banken oder Cafés und in der Fußgängerzone in Richtung meiner Schule – stehen ‚fliegende VerkäuferInnen‘ mit ihrem Blumenangebot! Und selbst zu der frühen Stunde sind schon einige Männer mit Blumen unterwegs!

In der Schule dann eine Überraschung – ich bin in einer ganz kleinen Klasse! Mit mir zusammen sind nur zwei junge Männer aus Deutschland, beide auch absolut auf dem untersten Level. Unsere Lehrerin Marcela geht zwar auch zügig voran, aber sie erklärt sehr gut (manchmal sogar in Deutsch, wenn etwas nur ein ’siebtes Siegel‘ für uns ist)! Das macht sehr viel mehr Spaß und auf einmal scheint Spanisch doch nicht sooo schwer zu sein! Für mich ist nur das Italienisch immer wieder ein ‚Störfaktor‘ – manchmal ist es ganz ähnlich und manchmal eben doch ganz anders…

Der Vormittag vergeht so ganz fix und gut gelaunt mache ich mich auf den Weg zum Zoo, meinem heutigen Sightseeing Ziel! Vom Bus aus sah das ein wenig wie Disneyland aus, aber mit ganz alten Gebäuden. Das möchte ich mir heute mal genauer ansehen! Der ‚Jardino Zoologico‘ liegt mitten im ‚grünen Herz‘ von Palermo, gleich neben dem ‚Jardino Botanico‘ und nicht weit vom ‚Jardino Japonais‘. 18 ha (das ist eigentlich garnicht soviel!) Grünfläche, die auf allen vier Seiten von breiten, viel frequentierten Straßen eingegrenzt werden und auf einer Seite auch von großen Wohnhochhäusern (von denen aus muß man einen herrlichen Blick auf den Zoologischen Garten haben!).
Der Zoo beherbergt insgesamt etwa 90 verschiedene Säugetierarten und ca. 50 verschiedene Reptilien und eine Reihe von verschiedenen Vögeln! Alles zusammen sollen das über 2500 Tiere sein! Es werden relativ viele Jungtiere hier geboren, was mich anhand der manchmal sehr kleinen Gehege und nach heutigen Maßstäben eigentlich nicht unbedingt ‚tiergerechten‘ Unterbringung etwas wundert! Aber vielleicht finden die Tiere es ja garnicht so ‚ungerecht‘ hier?
Der Zoo wurde schon 1875 eröffnet, seine heutige Form erhielt er jedoch erst 1888 und aus der Zeit sind auch fast alle der teilweise wirklich sehr hübschen kleinen und größeren Gebäude. Die sind oft erstaunlich genau den Gebäuden aus der Heimat der jeweiligen Tiere nachempfunden!
Es gibt darüber hinaus ein ‚Tropical Rainforest House‘, ein ‚Aquarium‘ und ein ‚Reptile House‘, nicht zu vergessen natürlich die ‚Zoo Farm‘, was bei uns etwa dem ‚Streichelzoo‘ entspricht!

Die Fahrt mit dem Bus ist wieder abenteuerlich, aber inzwischen macht mir das großen Spaß – man sieht halt viel, wenn man so einmal fast durch die ganze Stadt fährt! Es ist wirklich phänomenal, wieviele alte prachtvolle Häuser es hier gibt! Manchmal riesengroße, manchmal auch kleine und oft das alles wild nebeneinander! An der Plaza Italia angekommen muß ich mich wie üblich erst wieder in eine lange Schlange einreihen, um an die Eintrittskarte zu kommen! Es ist für hiesige Verhältnisse relativ teuer – 27$=ca. 5-6€ – aber Familien zahlen den gleichen Preis, egal wieviel Kinder sie dabei haben!
Und das ist wohl auch ein Grund, daß hier soviele Kinder versammelt sind! Ich habe mich in der letzten Woche oft gewundert, daß ich weder in der Subte noch in den Bussen Mütter mit Kinderwägen und ganz, ganz selten mal überhaupt Mütter mit kleinen Kindern gesehen habe! Aber es gibt sie offenbar!!! Hier ist ein Großteil davon heute versammelt – ob das auch mit dem Valentinstag zusammen hängt?
Gleich gegenüber dem Eingang empfängt mich ein großes Wasserbassin mit einem Pavillon in der Mitte. Im Wasser tummeln sich diverse Enten und (schwarze) Gänse und Schwäne. Aber vor allem die ebenfalls dort herumschwirrenden Nutrias und Schildkröten haben es den Kindern angetan! Überall kann man nämlich in kleinen Eimerchen Futter kaufen und diese Tiere fressen fast aus der Hand! Der Pavillon am Rand des Sees hat jedoch seine besten Zeiten bereits hinter sich – ob er irgendwann repariert werden wird?

Weiter geht es zum Affenhaus, wo jedoch nur ein paar kleine Kapuzenäffchen zu sehen sind! Das ist vielleicht auch besser so, denn das Haus ist ziemlich klein und für größere Affen eigentlich nicht so richtig geeignet! Vorbei an einem alten Haus, das heute für diverse Kinder-Aktionen genutzt wird, führt mich mein Weg nun zu dem ersten der beiden alten 2-stöckigen Kinder-Karrussels hier im Park! Die Kinder lieben es – vielleicht auch deshalb, weil man auch während der Fahrt dort herumlaufen und von einem Fahrzeug in das andere wechseln kann oder weil eine Fahrt für ‚deutsche Verhältnisse‘ unendlich lange dauert? Alle Altersgruppen sind dort vertreten und der eine oder andere Junge übt dort auf stoischen Holzpferden die Kunststücke, die ich am Samstag bei dem Gaucho auf Bonanza gesehen habe!

Dann versperrt mir ein riesiger uralter Baum den Weg – es ist ein Ficus von der gleichen Sorte, wie sie auch in dem Fledermauspark in New South Wales in Australien wuchsen! In den Wurzeln könnte man sich fast verlaufen :-),
so ausufernd groß sind sie! Kurz danach laufe ich an zwei klitzekleinen Häuschen vorbei, die aussehen wie eine kleine gotische Kapelle oder ein mittelalterlicher Burgturm – sie sind jedoch leer! Wahrscheinlich könnte man darin nur Meeerschweinchen o.ä. unterbringen :-)! Danach kommt mir jedoch ein Gebäude ins Blickfeld, das wirklich nach wie vor bestens für seine ‚Bewohner‘ geeignet ist – ein Taubenhaus! Es ist ganz aus Holz und alle Pfosten und Verstrebungen sind aus unbehandelten Bäumen gemacht – es sieht ein wenig aus, als ob es direkt so aus der Erde gewachsen wäre!


Ein ‚griechischer Tempel‘ beherbergt die Wasserversorgung für den Park, rund um eine ‚chinesische Pagode‘ tummeln sich Lemuren.
Dann komme ich jedoch zu einem blauen ‚Schlößchen‘, das die Nilpferde beherbergt – das Wasserbecken dort ist jedoch gerade mal so groß wie das darin befindliche Nilpferd! Da wäre eine Vergrößerung vielleicht doch angeraten?
Das Giraffenhaus ist einem afrikanischen Haus nachempfungen – dort halten sich neben den Giraffen auch noch die kleinen Zwergrehe auf, die ich in Namibia gesehen hatte!

Neben dem ‚Rain Forest House‘ ist das zweite der alten Kinderkarrussells und eine Art ‚Biergarten‘, wo ich eine kleine Pause für ein Wasser und ein Eis am Stiel mache! Es ist wirklich amüsant, den Kindern auf dem Karrussel zuzuschauen und wie wichtig sie es teilweise haben :-)!
Um das Regenwaldhaus herum geht es dann, an der Condor-Voliere vorbei (sie ist leer und ich kann oder will mir nicht vorstellen, daß darin wirklich mal diese riesige Adlerart aus den Anden, mit bis zu 3m Flügespannweite, gehalten worden sein soll!) schnurstracks zu den Kamelen und Dromedaren! Deren Haus sah mir doch sehr vertraut aus – wie ein arabisches Haus im Oman! Was aber die Kamele wohl dazu sagen, die ja eigentlich in Asien beheimatet sind und eher an Jurten gewöhnt wären :-)?
Nicht weit entfernt sehe ich dann schon einen ‚alten Inkatempel‘, das Zuhause für Lamas und Vikunjas!
Ein Haus, das ein Mittelding zwischen mittelalterlichem Schloß und mitteleuropäischem Gutshof sein könnte, ist die Heimat für die Auerochsen, die hier auch nachgezüchtet werden!
Rund um eine größere ‚chinesische Pagode‘ herum sind die Quartiere für verschiedene Tierarten, u.a. auch für einen „roten Panda“ (oder auch „kleiner Panda“) einer Art, die auf der ‚roten Liste der gefährdeten Arten der Weltnaturschutzbehörde‘ steht. Leider konnte ich den nicht fotografieren, weil er eingerollt fest schlief – aber ein wirklich schönes Tierchen!
Der Tapir lebt in einer Art deutschem ‚Forsthaus‘ und die Papageien sind in einer Art ‚Lustschlößchen‘ untergebracht! Es gibt sie in allen Farben und Größen, gelbe, blaue, orangefarbene – am Besten haben mir die roten gefallen! Sie haben, in Reih und Glied auf einer Stange sitzend, stets den Platz für ihren „Kumpel“ frei gehalten :-)!

Ein kleiner ‚ägyptischer Isis-Tempel‘ ist die Heimat für die Schlangen hier im Tierpark – er scheint vor nicht allzu langer Zeit erst renoviert worden zu sein, zumindest sieht sein Anstrich noch relativ neu aus! Sehr beeindruckend ist dann nicht weit entfernt ein Nachbau eines ‚Maharadscha-Palastes‘ oder ‚Hindu-Tempels‘ – ja richtig, das ist die Wohnstätte für die Elefanten!
Es ist erstaunlich, wie akribisch alle die kleinen ‚Gottheiten‘ am Sims und auf dem Dach des Palastes ausgearbeitet sind!
Die Löwen sind in einem relativ kleinen Gelände untergebracht, es ist aber nur einer zu sehen! Vielleicht haben es sich die anderen aber im Schatten des Hauses gemütlich gemacht?
Langsam geht mein Rundgang nun dem Ende zu. Das Aquarium würde extra Eintritt kosten, das verkneife ich mir deswegen. Die (neue) Anlage für die Eisbären sieht so ähnlich aus wie in Hellabrunn, ist aber (noch?) leer, vielleicht ist aber der Eisbär wegen der hohen Temperaturen auch irgendwo „on holiday“? Eine kurze Zeit werde ich ‚begleitet‘ von einer ‚Frau Pfau‘, die ihr Kleines spazieren führt! Es gibt hier eine Reihe von Tieren, neben Bisams und Pfauen, die auch noch frei im Gelände herum spazieren. Das ist schon eine ganz spezielle Erfahrung! Auf einer Insel in dem zentralen Wassergelände gibt es auch Affen, die dort frei herumlaufen bzw. sich durch die Büsche und Bäume hangeln!
Direkt vor dem Ausgang dann ein Denkmal für einen der Zoo-Direktoren der Vergangenheit – hier auch wieder ein Beispiel für das beliebte Spiel in Argentinien „Wir sind die Größten“*)! Der Herr Zoodirektor hat einen Skorpion auf seinem Arm sitzen, der gut und gerne ein ganzes Regiment töten könnte :-)!

*) Dieses „Spiel“ habe ich wunderbar beschrieben gefunden im herrlich zu lesenden Buch von Christian Thiele „Gebrauchsanweisung für Argentinien“ – vielleicht auch amüsant und informativ für die unter Euch, die nicht gerade in Argentinien unterwegs sind oder das demnächst vor haben!
…“Die meisten Steaks/Kopf, der höchste Pro-Kopf-Verbrauch an Seife und Deodorants, die größten Wasserfälle, der größte Gletscher, die meisten Psychiater/Einwohner, die meisten Schlafstörungen/Kopf, die schönsten Frauen, der größte Staatsbankrott in der Geschichte, der höchste außerasiatische Berg, das schönste Tor in der Geschichte des Fußballs…, der sinnloseste Krieg…, die breiteste Straße der Welt…, die längste Straße der Welt…, der beste aller Auto-Rennfahrer…, die schlimmste aller Militärdiktaturen, die gößten Sojaanbauflächen, die erste U-Bahn Südamerikas, die südlichste Stadt der Welt, die meisten Taxis/Einwohner, die höchsten Dezibel-Werte….
Argentinier können über Argentinien eigentlich nur im Superlativ sprechen. Ob der dann immer so stimmt, ist eigentlich egal, aber in Bezug auf das eigene Land tut’s der Argentinier nicht unter GrößtesHöchstesWeitestesErstes! Dass der erste Mann auf dem Mond kein Argentinier war – es muß ein Versehen sein, ein Irrtum der Geschichte. Aber es gibt ja noch den Mars, da läßt sich das korrigieren. Und der Mars ist ja auch größer.“…
🙂

Dienstag, 15.2.2011
Unterricht war heute wie immer – mühsam, mühsamer, am Mühsamsten!!! Aber der Nachmittag wird spannend. Ich habe mich bei einem Rundgang, der von der Schule veranstaltet wird, angemeldet: Ein Spaziergang durch ein Stadtviertel, das so garnicht dem Tourismus zugeneigt ist, sondern auch heute noch überwiegend ein typisches ‚Arbeiterviertel‘!
Barracas, zwar ein Teil von San Telmo, einem der absoluten ‚Touristen-Hochburgen‘ hier und Nachbar-Stadtteil von La Boca, ist voller Überraschungen – aber ganz der Reihe nach!

Vor dem Rundgang ist erstmal Kleingeld gefragt! Wir – die Gruppe umfaßt etwa 10 Personen – wird unter der Leitung von ‚Maribel‘. einer jungen einheimischen Stadtführerin, per Bus die erste Strecke zurück legen. Und im Bus kann man nur mit Münzen bezahlen – Münzen sind aber stets Mangelware in Buenos Aires. In manchen Geschäften bekommt man eher zuviel in Form von Geldscheinen heraus, ehe sie die ‚kostbaren‘ Münzen heraus rücken.
Wir haben Glück – alle sind mit Münzen im Wert von 2,50 Pesos versorgt! 1,25$ kostet die Hin- und genau soviel auch die Rückfahrt (etwa 25Cent). In den Bussen sind Automaten, in die man – nach Mitteilung des Fahrtziels an den Fahrer – die von ihm eingestellte Summe einwerfen muß und der Fahrschein danach ausgedruckt wird! Gewechselt wird vom Automaten nur ‚großes‘ Geld, das ist aber max. 1$, größere Münzen gibt es hier nicht! Auch der Busfahrer kann nicht wechseln – er kommt mit dem Inhalt des Automaten überhaupt nicht in Berührung. Es gibt allerdings auch keine Wochen- oder Monatskarten – in Buenos Aires decken zahllose unterschiedliche private Busunternehmen die Busstrecken ab und die arbeiten bis jetzt eher gegeneinander als miteinander. Es wird aber gerade von der Stadtverwaltung mit ihnen verhandelt, daß doch irgendwann zumindest Mehrfach-Karten in Magnetkarten-Form verwendet werden können – die entsprechendene Lesegeräte hängen teilweise auch schon in den neueren Bussen, aber sie funktionieren nicht! Und die ‚portenos‘, also die angestammten Einwohner von Buenos Aires, glauben auch nicht so recht daran, daß das wirklich mal Wahrheit werden wird :-(!
Der Bus ’spuckt‘ uns mitten in Las Barracas aus und wir machen uns, nach einer kurzen Einführung von Maribel, weiter zu Fuß auf den Weg!

Las Barracas hat seinen Namen von den Baracken, die Ende des 18.Jh. am Ufer des ‚Rio Riachuelo‘ für Sklaven und erste „Fabriken“, überwiegend Schlachthäuser und Lederverarbeitung, gebaut wurden. Mitte des 19.Jh., nach der Niederschlagung der britischen ‚Besitzergreifungs-Ambitionen‘ auf das Gebiet rund um den Rio de la Plata, wurde es die Heimat der reich gewordenen Immigranten-Familien, vornehmlich Italiener! Ab der Zeit wurden dort dann eine Reihe herrlicher Stadthäuser gebaut, eine Synagoge für den wachsenden jüdischen Anteil der Bevölkerung und die ersten ‚richtigen‘ Fabriken! Für diese Fabriken wurde eine Eisen(Tram-)bahn durch das Stadtviertel gebaut (die witzigerweise wieder von den Engländern – wie die meisten Zustrecken und auch die erste U-Bahn-Strecke in Buenos Aires – deswegen fahren die Züge auch heute noch alle links)! Diese Bahn wurde benötigt, um Rohstoffe aus dem Hafen zu den Fabriken und die fertigen Produkte wieder in den Hafen, zur Verschiffung in die ganze Welt, zu bringen! Noch heute kann man in einer der Straßen dort die letzten Überreste der Trambahnschienen im Kopfsteinpflaster finden!
Nach der großen Gelbfieber-Epidemie zogen sich die Reichen und Schönen aus diesem Stadtviertel zurück und bauten sich ihre neuen Paläste in Retiro und Recoleta – beides auch heute noch Stadtteile, wo überwiegend die Haute Volée zuhause ist!
Die große Kirche mitten im Stadtviertel, der „Heiligen“ Felicitas gewidmet, wurde von einer der reichen Familien ursprünglich auf einem Teil deren Grundstücks gebaut – in Gedenken an die wunderschöne Tochter, die einem Verbrechen zum Opfer gefallen war! Der Rest des „Grundstücks“ ist heute ein großer Park, der intensiv von den Bewohnern rundherum als ‚2.Wohnzimmer‘ genutzt wird!
Unser Spaziergang führt uns an der noch bestehenden Eisenbahnstrecke vorbei (eine der stark frequentierten zu den Außenbezirken und nach La Plata), an alten Fabriken – u.a. der Schokoladenfabrik ‚Aquila’/Adler, die zwar nicht mehr dort fabriziert, die es aber immer noch gibt und vorbei an einer früheren Stoff-Fabrik, die sich heute zu einem der angesagten Wohngebäude (die ganze Fabrik in Lofts unterteilt und mit modernster Technik ausgestattet!) geworden ist!

Der Spaziergang durch die ‚Calle Lanin‘, einer Straße mit Original-Kopfsteinpflaster und den alten Häusern am Rand ist der Höhepunkt des Nachmittags. Die Häuser (heute wirken sie auf uns eher klein, aber zu ihrer Zeit waren sie jedes wie ein kleiner Palast) sind jetzt alle kunstvoll bemalt (der argentinische Künstler Marino Santa María hatte die künstlerische Leitung dafür) oder auch mit Mosaiken aus allerhand verschiedenen ‚Abfällen‘ (Keramik, Glas oder auch Kieselsteine) verziert. Überall an der Straße wie auch in den Innenhöfen der Häuser, genau so wie an den Häusern selbst, gibt es viel Grün in Form von Bäumen oder anderen Pflanzen! Und selbst um die Bäume herum und auf den Fußwegen an den Hauswänden entlang läuft ein ‚Fliesenband‘!






Am Ende der Straße schaut man dann auf eine der heutigen Stadtautobahnen auf der einen Seite und eine alte Fabrik (die heute als Parkhaus genutzt wird) auf der anderen Seite – das gibt einen Eindruck, wie nach Schließung der meisten Fabriken in den 80er Jahren des 20.Jh. ohne Rücksicht auf gewachsene Verbindungen die großen Straßen durch dieses Viertel geführt wurden.
Ein kleines, fast rührendes Detail: Neben dem Parkhaus hat sich eine/r(?) der vielen Obdachlosen in dieser großen Stadt ein kleines ‚Apartment‘ eingerichtet – mit Bett und Tisch und Stuhl! Selbst die Rose vom gestrigen Valentinstag fehlt hier nicht :-)!

Auf dem Weg zum Bus kommen wir durch zwei der Straße, die Mitte des 20.Jh. zu den schönsten Einkaufsstraßen in Buenos Aires gehörten – ein wenig kann man das anhand der noch vorhandenen Gebäude erahnen!

Ein überaus interesssanter und äußerst kurzweiliger Nachmittag ist zu Ende – aber es gäbe ja noch soviel zu sehen! Ich fürchte, für alles ist meine Zeit hier sowieso viel zu kurz!

Mittwoch,16. und Donnerstag, 17.2.2011
Es gibt nichts weiter zu berichten – ich liege mit Fieber und dickem Schnupfen im Bett! Diese vermaledeiten Klima-Anlagen! In meinem ‚Dachstübchen‘ hat es 32 Grad – und das bei Fieber! Also muß das alte Hausmittel ‚Wadenwickel‘ her… Diana versorgt mich mit Getränken und frischem Obst, damit ich nicht noch die steile Treppe hinunter falle :-)!

Freitag, 18.2.2011
Das Fieber ist weg, aber ich fühle mch noch kränklich. Trotzdem beschließe ich heute, wieder in die Schule zu gehen – versäume ja sonst zu viel bei dem Tempo dort! Wie sollte ich das sonst wieder aufholen!
Praktischerweise regnet es in Strömen – also hole ich heute mal meine Regenjacke aus dem Koffer und nehme von Diana noch einen Schirm mit! In der Subte ist es kaum zum Aushalten – um mich herum dampft es nur so! Als ich jedoch wieder ans Tageslicht komme, hat der Regen nachgelassen, es tröpfelt nur noch!
Marcela, meine Lehrerin beschäftigt die anderen der Klasse mit ‚escrivano una storia!‘ und gibt mir für eine Stunde etwas ‚Nachhilfeunterricht‘ wegen der letzten beiden Tage! Ich hoffe, daß das alles auch hängen bleibt in meinem noch etwas ‚benebelten‘ Kopf! Nach der Schule begebe ich mich gleich wieder auf den Heimweg! Unterwegs beschließe ich jedoch, eine Haltestelle vorher auszusteigen und eins der ganz berühmten Cafès hier zu besuchen „Los Violetas“ . Ein wunderschönes Kaffeehaus, könnte auch in Wien stehen!


Hier trinke ich einen ‚Café Cortado‘ (ist sowas wie ein Espresso Macchiato) und möchte dazu eine der Spezialitäten hier – eine ‚Deutsche Kuchenplatte‘! Das ist ein Teller mit lauter winzigen Kuchenteilen, wie Krapfen, Eclairs, Windbeutel, Linzer Torte etc., alles in etwa Pralinengröße! Leider gibt es das heute nicht, wie schade – hätte ich mir sozusagen als ‚Rekonvalseszenten-Essen‘ gut vorgestellt! Also dann eben den Kaffee alleine! Weil ich gar so enttäuscht bin, bekomme ich dazu gratis 3 kleine andere ‚Kuchen-Pralinés von dem netten Ober gratis dazu :-)! Meine bescheidenen Spanisch-Versuche haben sich ausgezahlt!!!

‚Las Violetas‘ gibt es bereits seit 1884 und ist hier in diesem Haus seit 1920! Das Gebäude war damals, weitab vom Zentrum, inmitten einer neuen ‚Siedlung‘ für sehr reiche Familien gebaut worden! Heute ist die Rivadavia, in der das Gebäude liegt, die längste Straße der Welt! ‚Las Violetas‘ hat die Hausnummer 3899 und das ist noch nicht einmal die Hälfte!
Sich an dieser (und auch ein paar anderen superlangen) Straßen in Buenos Aires zurecht zu finden, ist ganz einfach, wenn dort eine ‚Subte‘ entlang führt! Die Haltestellen sind immer nach Querstraßen (oder markanten Plätzen) benannt und am Bahnsteig wird jeweils angezeigt, auf Höhe welcher Hausnummer, hier z.B. der Rivadavia, man sich gerade befindet!

Nach diesem kleinen Ausflug geht es mir doch gleich viel besser – also sehe ich meinem großen Ausflug morgen über den Rio de la Plata nach Uruguay auch äußerst positiv entgegen!

Samstag, 19.2.2011
Da mein heutiger Ausflug ja ins ‚Ausland‘ geht, muß ich auch bei der Fähre 1 1/ 2 Stunden vor Abfahrt schon im Hafen sein! Diana hat mir ein Taxi bestellt, das mich um 7.30h abholt – mein Schiff geht um 9.30h.
Im ‚Bahnhof‘ der Buquebus, dem argentinischen Fährunternehmen ist schon reger Betrieb! Viele, viele Menschen, manchmal mit Bergen von Gepäck, warten auf das Einchecken! Es ist Wochenende und dazu eins der letzte Ferienwochenenden, am 1.März fängt die Schule nach fast 3 Monaten Ferien wieder an!
Aber es ist eine überraschend schnelle Abfertigung – die beiden Immigration-Beamtinnen sitzen im gleichen „Kabäuschen“ und reichen die Pässe einfach weiter! Die Sicherheitskontrolle ist jedoch streng – es wird vor allem auf Flüssigkeiten und Obst etc. geachtet! Eines sicherlich wegen möglichen terroristischen Anschlägen, das andere wegen der überall großen Angst, daß irgendwelche Schädlinge unbewußt eingeschleppt werden!
Der Himmel verspricht für die Überfahrt nicht viel Gutes – es ist dick bewölkt und es scheint, als ob es bald wieder anfangen wollte zu schütten :-(! Aber noch ist es trocken und so kann man vom oberen Deck schön beim Ablegen zusehen und die Fahrt aus dem Hafen mit Blick auf die unendlich lange Pier und die Skyline von Buenos Aires genießen!




Die Überfahrt über den Rio de la Plata wird 3 Stunden dauern, es sind hier etwa 120 km zurück zu legen! Der ‚Fluß‘ ist eigentlich der gemeinsame Mündungstrichter der beiden großen südamerikanischen Flüsse Paraná und Uruguay, ist etwa 290 km lang und bis zu 220 km breit! Er sieht durch seine lehmbraune Farbe nicht sehr appetittlich aus! Die Farbe kommt jedoch von den großen Sediment-Mengen, dier er mit sich führt! Durch die großen Wassermengen kommt es trotz Ebbe und Flug an der Mündung ins Meer nur auf einer extrem kurzen Distanz zu Vermischung von Salz- und Süßwasser – auf Höhe der Städte Buenos Aires und Montevideo ist es noch reines Süßwasser!
Bei dem Regen bleibe ich dann doch in den bequemen Sitzen der ‚Spezial-Klasse‘, die ich gebucht hatte, weil in der 3.+2.Klasse keine Passagen mehr verfügbar waren (der Unterschied war jedoch nur etwa 12€) – hier lese ich erst ein wenig und verschlafe den Rest der Fahrt!
Eine Lautsprecher-Durchsage weckt mich. Ein Blick nach draußen zeigt, daß die Sonne inzwischen wieder scheint! Schnell gehe ich auf das Außendeck – gerade rechtzeitig, als wir am Leuchtturm von ‚Colonia de Sacramento‘, der alten portugiesischen Stadt, die mein heutiges Ziel ist, vorbei fahren!

‚Colomia de Sacramento‘ wurde bereits Anfang 1680 im Auftrag von Pedro III gegründet und ist damit die älteste Stadt in Uruguay und eine er ältesten in ganz Südamerika! Die Altstadt, fast noch komplett in ihrer alten Form erhalten, gehört zum ‚Weltkulturerbe der UNESCO‘. Dort gibt es noch das Stadttor und Reste der Stadtmauer, die uralten Straßen mit Kopfsteinpflaster und zahlreiche ebenso uralte Original-Häuser! Zu Anfang des 18.Jh. hat Spanien Colonia dauerhaft besetzt – auch aus der Zeit danach gibt es zahlreiche alte Häuser in einem ganz anderen Stil! Schon in 1968 wurde von staatlichen Stellen umfangreiche Verordnungen im Stile unseres Denkmalschutzes erlassen, so daß die Altstadt bis heute in einem sehr guten Zustand ist und durchgehend auch bewohnt wird. Ausgesprochen hübsche Geschäfte, Cafés und Restaurants gibt es dort ebenfalls!
Überall in der alten Stadt sind die Namen der Plätze und Straßen in portugiesischen ‚Azulejos‘ ausgeführt, den typischen Fliesen’bildern‘, für die Portugal berühmt ist! Selbst die Hinweisschilder auf Vereine etc. sind so gestaltet!

Ein Spaziergang durch das Örtchen führt mich schließlich an einem Haus vorbei, in dem ein wunderschöner Innenhof einladend als ‚Café‘ winkt! Genau – hier werde ich einen Kaffee trinken und ein wenig ausruhen!

Bald ist es Zeit, auf die Hauptstraße zurück zu gehen – in dem Preis meiner Schiffspassage ist auch eine Stadtrundfahrt durchs ’neue‘ Colonia enthalten und eine Führung durch einen guide zu besonderen Pünkten der Altstadt!

Die Stadtrundfahrt zeigt, daß es selbst im neuen Colonia noch ‚alte‘ Relikte zu finden sind, aber doch nur aus dem letzten Jahrhundert. z.B. wurde von den Spaniern eine Stierkampf-Arena gebaut. Die wurde jedoch kaum in Anspruch genommen – die überwiegend portugiesisch-stämmige Bevölkerung machte sich nichts aus dem blutigen Sport. Sie bevorzugen mehr die spielerischen Bullenkämpfe – bei dem Bulle gegen Bulle kämpft, zwar auch zuweilen Blut fließt, aber zum Schluß beide Gegner am Leben bleiben :-)! Also verfällt die Arena jetzt langsame, inzwischen gibt es jedoch Pläne, das Gebäude als Veranstaltungsort für Konzerte oder dgl. auszubauen! Auch ein Eisenbahn-Museum ist gerade gebaut worden es war jedoch leider noch nicht eröffnet.
An den Stränden von Colonia entlang ist rege Bautätigkeit zu verzeichnen – viele Familien aus Buenos Aires bauen sich hier Wochenendhäuser! Hier ist das Leben viel günstiger als in Argentinien und mit dem Motorboot oder dem Schnellboot ist es nur etwa eine Stunde entfernt. Dazu müssen aber auch die Straßen ausgebaut werden
bzw. neue Kanalisation verlegt! Die Strände dort sind ein Traum und (noch) menschenleer!

Eigentlich hätte ich nach all dem jetzt tierischen Hunger. Aber da gibt es keine Gnade – es geht zu Fuß durch den alten Stadtteil! Der weibliche ‚guide‘ erzählt uns kleiner Gruppe, die sich dazu eingefunden hat, eine Menge Wissenswertes! Auch, wie man die alten portugiesischen von den später gebauten spanischen Häusern unterscheiden kann: Erstere sind immer nur ebenerdig mit niedrigen Giebeldächern, während letztere oft ein oder sogar 2 Stockwerke auf das Erdgeschoß gesetzt bekamen und immer Flachdächer (als Terrassen geuntzt) hatten. Auch die alten Straßen sind unterschiedlich angelegt. Die portugiesischen fallen zur Mitte hin leicht ab, damit bei Regenfällen das Wasser von den Häusern weg, gleich ins Meer laufen konnte – und auch aller Abfall gleich mit weggeschwemmt wurde! Die Straßen sind mit groben Felsbrocken unregelmäßig gepflastert! Die Spanier bauten schon Straßen aus Kopfsteinpflaster und mit Gehsteigen zu beiden Seiten. Die Straßen waren in der Mitte leicht gewölbt und das Wasser floß am Gehsteig entlang weg (und manchmal auch schon in vorhandene unterirdische Kanäle!).

Nach soviel Wissen und mit einem leeren Magen freue ich mich jetzt auf die Schifffahrt zurück! Vorher kaufe ich jedoch in einem der Geschäfte zwei kleine runde Käselaibe als kleine ‚Wegzehr‘ für meine Zeit in Patagonien!
Die Prozedur im Hafen ist die Gleiche wie heute morgen. Hier gibt es jedoch für die ‚Spezial‘-Gäste einen Extra-Schalter zum Einchecken – da spaziere ich einfach mal an der ganzen Schlange vorbei… Die Immigration geht schnell, obwohl sich drei lange Schlangen vor den Schaltern gebildet haben und so finde ich mich bald auf dem Schiff wieder. Hier gibt es endlich ein Sandwich und nochmal einen Kaffee gegen den ärgsten Hunger!
Als wir wieder am Leuchtturm vorbei fahren, fängt gerade der Sonnenuntergang an und nicht weit danach gibt es dann einen ‚Feuerzauber‘ am abendlichen Himmel! Und in der jetzt klaren Luft kann man im Gegenlicht ganz deutlich die höchsten Gebäude von Buenos Aires schon erkunden!

Sonntag, 21.02.2011
Erst kurz nach Mitternacht bin ich gestern nach Hause gekommen – gegen 11h legte die Fähre wieder an, aber ehe alle Leute vom Schiff waren, durch die Immigration und Zollkontrolle und ehe ich mir dann ein Taxi fangen konnte, um damit nach Hause zu fahren, verging eben doch über eine Stunde!
Also habe ich heue bis kurz nach 9h geschlafen, aber dann hat mich die strahlende Sonne draußen daraus vertrieben! Ich beschließe nach dem Frühstück, nach Recoleta zu fahren und mir den Friedhof endlich anzuschauen und gemütlich über den davor sonntags stattfindenden ‚Künstlermarkt‘ zu schlendern!
Von Diana bekomme ich den Tip, schon ein paar Haltestellen früher aus dem Bus auszusteigen, um mir die prächtigen alten Häuser in den Avenidas Alvear und Quintana anschauen zu können!
Das war wirklich ein guter Tipp – Recoleta ist das Wohnviertel der Reichen und Schönen von Buenos Aires. Dort hatten sich die reichen Familien der Stadt Mitte des 19.Jh. angesiedelt, als sich nach der Gelbfieber-Epidemie San Telmo und La Boca verlassen hatten! Und dieser Reichtum ist auch heute noch überall zu sehen! Einschließlich der Geschäfte, wo sich Gucci, Yves Saint Lauren etc. abwechseln! Auch hier, wie überall in dieser Stadt, sind große und ‚kleine‘ Häuser bunt gemischt – aber selbst die ‚kleinen‘ sind einige Stockwerke hoch und würden in Deutschland gut und gerne als ‚Hochhäuser‘ durchgehen :-)!

An der ‚Plaza Francia‘ angekommen, würdige ich den Markt hier erst einmal keines Blickes, sondern gehe schnurstracks zur ‚Iglesia Nuestra Señora del Pilar‘, der alten Kirche aus der Mitte des 18.Jh., die von Mönchen des angrenzenden Klosters gebaut wurde.
Die Kirche ist wirklich hübsch – wenn man sie betritt, wirkt sie im ersten Augenblick auch äußerst bescheiden! Geht man jedoch wenige Schritte hinein, sieht man, daß es seitliche Nischen gibt, in denen sich prächtige Seitenaltäre befinden! Auch der Hauptaltar ist verschwenderisch geschmückt und der Altartisch ist mit einer massiven silbernen Stirnplatte versehen. Dazu passend auch die silberne Platte am Stehpult! Was für ein Gegensatz, wenn man an die bettelnden Frauen vor der Kirche denkt!


Durch die Kirche kann man auch einige Räume des alten Klosters besuchen! Kleine roh gemauerte Räume beherbergen heute ein kleines Muesum und die Werkstatt eines Künstlers, der Souvenirs nach alten Mustern herstellt. b An einigen der Fenster dort sind als Fensterscheiben noch die ursprünglich in Ermangelung von Glas verwendeten Achat- oder Alabaster-Scheiben zu sehen!

Durch die offenen Fenster hat man einen herrlichen Blick in die ‚Totenstadt‘, die übergangslos in die angrenzende Häuserflucht überzugehen scheint!

Früher war das der Obstgarten des Klosters – das kann man sich heute überhaupt nicht mehr vorstellen! Zum einen ist das ganze Grundstück nun eng begrenzt von der Großstadt Buenos Aires und zum anderen gibt es auf dem Friedhof kein unbebautes Fleckchen mehr! Zwar noch einige Bäume, aber weit und breit keine mehr mit Obst.

Der freundliche Sicherheitsbeamte am Eingang zum Friedhof versorgt mich mit einem ‚Stadtplan‘, aber die meisten ‚Bewohner‘ der darauf verzeichneten Grabstätten sagen wahrscheinlich nur Argentiniern etwas. Also beschließe ich, mich einfach treiben zu lassen und zu schauen, was ich so zu sehen bekomme. Auf den ersten Blick ist der Friedhof ein Abbild von Buenos Aires: Schmale neben breiten, hohe neben niedrigen ‚Häusern‘ und ziemlich bombatische neben sehr bescheidenen Grabstätten.



In einer der Gassen sah ich plötzlich vielfarbiges Licht auf dem Boden, verursacht durch eine Glaskuppel im Dach der Grabstätte eines der früheren Präsidenten von Argentinien! So ’schmückt‘ dieses Grab auch noch die angrenzenden.

Manchmal ist es für eine Mitteleuropäerin auch etwas makaber, welcher Totenkult hier betrieben wird. Eine Grabstätte war z.B. komplett aus Glas und im Inneren standen die Särge auf ‚Regalen‘. Darüber die Silberrahmen mit den Fotos der Verblichenen und davor ein paar Stühle, wo die Hinterbliebenen dann für Zwiesprache o.ä. Platz nehmen konnten. Die Grabstätten in Recoleta werden für 100 Jahre verkauft und die entsprechende Familie hat sich dann um deren Erhaltung so lange zu kümmern. Wenn es also irgendwann keine Nachfahren mehr gibt oder die in alle Welt verstreut sind, läßt der Zustand der ‚Häuser‘ manchmal ganz schön zu wünschen übrig! Da sind schon mal Löcher in der Gruft oder gar ganze Wandteile fehlen und die Särge, manchmal selbst die schon beschädigt, stehen dann teilweise oder ganz im Freien!
Aber einmal gab es sogar ein ‚freies Grundstück‘ (das einzige derzeit, wie ich später erfahre!) An zwei Grabstätten sah ich aber auch ein Schild „Vende“, also “ zu Verkaufen“ – hier haben wohl irgendwelche Nachkommen einfach keine Lust mehr, für die Gräber von Verwandten sorgen zu müssen, die schon 100 Jahre oder mehr tot sind und die sie nie gekannt haben!



Nach vielen Wegen kreuz und quer (und meist ganz allein) treffe ich zwei junge Männer, die von mir wissen möchten, wo wohl das Grab von ‚Evita‘, der „Nationalheiligen“ Eva Peron zu finden ist! Ich habe keine Ahnung und wir schauen gemeinsam auf meinem Plan nach! Es ist nicht weit (und ich wollte mir das natürlich auch anschauen) und wir gehen den Rest des Weges gemeinsam. Als wir dann in die entsprechende ‚Straße‘ einbiegen wollen, ist die voller Menschen! Ich glaube, das ist der einzige Platz hier, wo sich Menschengruppen aufhalten (außer vielleicht bei Beisetzungen). Das relativ schmucklose ‚Totenhaus‘ der Familie Duarte, dessen Tor offenbar regelmäßig mit vielen frischen Blumen geschmückt wird, ist an den Seitenmauern geschmückt mit unzähligen Bronzetafeln, die zu den Jahrestagen von allen möglichen Leuten und Organisationen gestiftet werden!

Ein wenig befremdlich für mich war nur, daß sich viele – vor allem sehr junge Menschen – in ausgesprochen lasziven Posen und teilweise mehr als freizügig bekleidet, an die Tür oder die Wand gelehnt fotografieren ließen! Ich glaube, die haben das Grab von Evita Peron mit Madonna verwechselt, die ja diese Rolle im Film übernommen hatte…

Erinnerungs- bzw. Gedenk-Plaketten gibt es auch an vielen anderen Gruften, mehr oder weniger geschmackvoll, aber bestimmt nie besonders preiswert! Aber wenn ‚es sich so gehört‘, dann macht man es eben auch :-)!

Es gibt auch ein paar wenige Gruften, die eher ein wenig „romantisch“ angehaucht aussehen

im Großen und Ganzen jedoch ist wohl auch hier das Motto „größer, höher, weiter“! Mit möglichst vielen Türmchen, Statuen und diversen anderen Zutaten soll das jeweilige Familiengrab die anderen übertrumpfen!

Jetzt ist aber höchste Zeit, daß ich diesen Ort wieder verlasse – ich höre schon drinnen, daß das Leben draußen mehr als vibriert! Direkt vor dem Friedhof spielt eine Dixieland-Kapelle auf und der Künstler-Markt lädt auch zu einem Bummel ein – bloß gut, daß hier Sommer ist und damit die Tage auch schön lang sind! Als letzte Reminiszenz an das ‚Reich der Toten‘ kann vielleicht noch der weiß gekleidete Pantomime gelten, der als leibhaftiges Denkmal an der Friedhofsmauer steht!

Auch auf dem Markt bedaure ich sehr, daß ich keine Souvenirs einkaufen kann, es gibt ein paar wirklich hübsche Sachen zu kaufen, incl. ein paar schöner Bilder! Ich erstehe jedoch für Diana 2 Paar Babyschuhe für ihre Enkeltochter – einmal in rot und ein paar ‚Sandalen‘ in weiß! So nett gemacht und kosten gerade mal ein paar Pfennige! Auch für Anna finde ich noch eine Kleinigkeit dort! Jetzt aber führt mich mein Weg über die ‚Plaza Francia‘ zur nächsten ‚Heladeria‘ – ein richtig gutes Buenos-Aires-Eis habe ich mir nach dem langen Tag im Reich der Toten wirklich verdient! Auch im Eisladen muß man sich jedoch erst an der Kasse anstellen, um das Eis zu bekommen. Manche meinen, besonders schlau sein und es stellt sich nur eine Person einer Gruppe oder eines Paares an der Kasse an und der/die andere gleich an der Eisausgabe. Aber die Kassenbons sind mit Zahlen versehen und es wird strikt nach den Zahlen bedient – also, das finde ich mal sehr gerecht :-)!

Ein kleiner Bummel über den Platz schließt sich noch an, vorbei an einem der größten Bäume, die ich je gesehen habe. Ein riesiger Ficus breitet seine Äste soweit aus, daß diese schon überall mit Stelzen abgestützt werden müssen. Um den Stamm ist eine große Bank montiert, auf der die alten Männer sitzen und dem Treiben auf dem Platz zuschauen.

Als ich mich schon auf den Heimweg machen möchte, fkann ich noch bei einer ganz privaten ‚Tango-Vorführung‘ zuschauen! Fünf junge Menschen haben eine kleine Tanzfläche auf dem Pflaster markiert, eine Musik-Anlage nebst notwendigem Kompressor aufgestellt und tanzen der umstehenden Menge etwas vor! Sie sind wirklich gut und bekommen reichlich in den immer wieder mal kreisenden Hut gelegt! Was für eine schöner Abschluß für diesen interessanten und kurzweiligen Tag!



Advertisements

4 Antworten zu 2. Schulwoche

  1. TinkaC schreibt:

    Aber es ist und bleibt wirklich die schönste Stadt der Welt! Ich liebe Buenos Aires und habe gerade ziemliches Fernweh… 🙂

  2. Sohn #2 schreibt:

    Lernstress?
    Schaut ganz danach aus, weil hier nix passiert.
    Sind denn Deine Spanischen Sprachschätze schon gehoben worden oder haut immer noch das Italienische durch?
    Liebe Grüße aus München
    der Sohn #2

    • grannyontour schreibt:

      Der ‚Lernstreß‘ ist vorbei, war heute mein letzter Tag! Kann zumindest schon nach dem Weg fragen und Essen bestellen, meine Wäsche in der Wäscherei für ‚brauche ich unbedingt noch heute Abend‘ abgeben und dem Taxifahrer erklären (!!!) wo ich in Buenos Aires genau wohne!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s