Der Norden – plötzlich ein ganz anderes Kalifornien!

Samstag, 29.Juli 2011

Heute geht also meine Fahrt durch den ‚unentdeckten’ Nordwesten der USA für mich richtig los! Nach einem schnellen Frühstück mit Basti bringe ich meine paar Sachen ins Auto und auf geht’s. Unterwegs halte ich schnell noch bei einem Supermarkt an und kaufe eine kleine Kühlbox und einen größeren Wasservorrat. Dann folge ich Bastis Instruktionen quer durch San Francisco – ich hatte ein wenig Bedenken, wie es verkehrsmäßig sein wird. Aber es geht alles glatt und bald schon bin ich auf der ‚Golden Gate‘ angelangt!

Ich halte gleich nach der Brücke auf dem großen Parkplatz an, um ein Foto von der Brücke (natürlich im Nebel!!) zu machen!


Kurz hinter Sausalito zweigt der Coast Highway #1 schon vom State Highway 101 ab und ich befinde mich plötzlich auf einer äußerst malerischen schmalen Straße, aber verständlicherweise mit relativ viel Verkehr! Wer von den zahlreichen Urlauben hier will schon auf einer Autobahn entlang fahren, wenn es soviel schöner geht?

Schon kurz nach der Abzweigung finden sich alte Farmen am Wegesrand, aber auch das eine oder andere besonders hübsch gelegene Bed&Breakfast! Manchmal kann man von der Straße aus gar nicht erkennen, wie viele Farmen und Häuser sich in den Hügeln verstecken – aber es gibt ja die Briefkästen überall! Daran kann man sehen, dass es gar nicht so menschenleer hier ist, wie es einem manchmal vorkommt!

Auf dem Weg zur Küste fahre ich einige tief eingeschnittene Buchten entlang – absolutes ‚deja vu’! wie auf dem Weg nach Camerota kurz vor Pisciotta :-)!

Im Moment ist es noch überall neblig, aber es wird langsam heller und als ich mich dann nur ein klein wenig von der Küste entferne, ist der Himmel strahlendblau – man sieht nur die Nebelwand über dem Wasser stehen!

Immer wieder komme ich durch kleine Ortschaften, wo heute überall emsiges Treiben herrscht – fast jede hat einen eigenen ‚Farmers Market’, wo natürlich fürs Wochenende eingekauft wird, von den vielen Touristen, die überall unterwegs sind, mal ganz abgesehen! Auch ich halte an einem dieser Märkte an und decke mich mit Obst, frischem Brot und Käse ein – die nächsten Tage sollen ja schließlich für meine Lunch-Picknicks gesorgt sein :-)!
Als ich wieder losfahre, geht plötzlich die gelbe Öl-Lampe an – na bravo, typisch Autoverleiher, sich um nichts kümmern!!! Da es aber nur die gelbe Lampe ist, fahre ich nur an der nächsten Tankstelle mal ran und lasse den Ölstand kontrollieren – alles bestens, auch das Öl ist klar und sauber! So werde ich halt einfach weiterfahren und – falls es wirklich ‚ernst’ werden sollte, habe ich ja eine Notfallnummer von Alamo!

Ich freue mich sehr auf dieses Teilstück meiner Reise – und es sieht so aus, als ob ich dazu allen Grund hätte! Es ist eine äußerst abwechslungsreiche Landschaft, durch die ich fahre! Manchmal geht es durch ein Flusstal, manchmal an einem See entlang und immer wieder zurück an die Küste! Überwältigend schön sind die Straßenränder, die flächendeckend in ein dunkles Pink getaucht sind – ‚sweet peas’(süße Erbsen) wachsen hier in Massen wild (sehen fast so aus wie die Wicken bei uns, ist ja auch die gleiche Familie).


An einer Kirche ‚St. Theresia’ halte ich natürlich mal an – aber leider ist sie geschlossen :-(!
Während meines weiteren Weges komme ich an einem der Bauernhöfe vorbei, die für meinen bevorzugten Joghurt-Produzenten hier in den USA wirtschaften – ‚wallaby’ mit einem Känguru als Markenzeichen – woher immer das kommen mag, hier so weit weg von Australien!

Plötzlich sehe ich an der Küste, nicht weit von der Straße entfernt, eine Holzkirche mit dem typischen russischen Kreuz auf der Spitze – das muß dann wohl schon ‚Fort Ross’ sein! Hier werde ich mein verspätetes Mittagessen einnehmen und mir das Fort-Gelände etwas ausführlicher anschauen!

Wie überall hier in den Staaten sind auch gleich neben dem Parkplatz eine Reihe von Tischen und Bänken montiert, so dass stets für eine Sitzgelegenheit zum Picknicken gesorgt ist! An der Information hole ich mir einen Plan von der Anlage hier und während des Essens studiere ich erst einmal, was mich erwartet!

Fort Ross war die südlichste Station Russlands auf dem amerikanischen Kontinent! Gegründet wurde es 1812 von der RAC (Russian American Company) als Handelsbasis vor allem für Pelzhändler. Aufgebaut wurde es mit Hilfe der Alutiiq-Indiander, die an diesem Platz ihr ‚Sommerdorf’ Metini unterhielten, von dem aus sie zum Fischen gingen, ein wenig Ackerbau betrieben und vor allem Salz ‚ernteten’, das sie für sich selbst brauchten, mit dem sie aber auch schon handelten. Ein wichtiger Handelszweig für die Natives waren auch damals schon ihre kunstvoll geflochtenen Körbe und Taschen aus Gras und Baumrinde – einige davon sind übrigens heute noch im Kunstmuseum ‚Peter der Große’ in St. Petersburg zu sehen.
Der Bau des Forts und der Gebäude darin war einfach – lag der Platz doch inmitten von ausgedehnten Redwood-Wäldern! Für Baumaterial in Hülle und Fülle war also gesorgt! Der Platz war auch gut gewählt im Hinblick auf die spanischen Aktivitäten im Süden Kaliforniens – er war zur damaligen Zeit relativ unerreichbar von Süden her und damit vor deren Übergriffen sicher.
Die ersten ‚Bewohner’ waren 25 Russen und 80 ‚Alaskans’, zusammen mit einigem Vieh, was erstere mitgebracht hatten. Es wurden zwei Wehrtürme gebaut, die mit Kanonen bestückt waren, einen Glockenturm und eine kleine orthodoxe Kirche, das 2-stöckige Wohnhaus des Kommandanten (renoviert für den letzten Kommandanten Rotchev ist es das einzige Haus, das noch original erhalten ist!), ein Wohnhaus für die Angestellten im Ford, einige Werkstätten, das Handelshaus und Baracken für das nachfolgende Militär. Das Fort und vor allem seine unmittelbare Umgebung entwickelte sich schnell zu einem multikulturellen Mittelpunkt für den ganzen Nordwesten der heutigen USA – es gab Russen, Amerikaner, einheimische Indianerstämme, welche aus Alaska, einige Europäer und unzählige ‚Kreolen’ (Mischlinge zwischen Weißen und Indianern).
Die russischen Aktivitäten hier waren hauptsächlich auf Pelztierjäger zurück zu führen – schon 1742 verließen die ersten auf der Suche der begehrten Seeotter Sibirien und gründeten 1784 die Siedlung ‚Kodiak’ auf der gleichnamigen Insel im heutigen Alaska. Später kam noch eine Siedlung in Sitka dazu (heute auch Alaska) und einige kleinere sogar auf den hawaiianischen Inseln! Das damalige „Joint Venture“ zwischen Russland und Amerika auf Basis von Otterpelzen lief sehr gut und machte beide Vertragspartner ziemlich schnell reich, vor allem einige der adeligen Familien im damaligen Russland.

Der Rundgang zum und im Gelände kommt als Verdauungsspaziergang gerade recht! Das Fort liegt auf einer Klippe direkt am Meer – die Bucht ist ein fast perfekter Halbkreis und war ein wunderbarer natürlicher Hafen, wo es auch einige Bootsbauwerften gab! Heute ist davon leider gar nichts mehr zu sehen!
Wirklich sehr interessant, was ich hier alles erfahre und noch interessanter, dass eine Zusammenarbeit zwischen diesen ‚feindlichen Brüdern’ ddamals möglich war und durchaus erfolgreich verlaufen ist…


Im Dezember 1841 wurde das Fort und alles, was dazu gehörte, von der RAC an Hans Sutter verkauft (genau – das war der, der das Gold in Ostkalifornien dann 1849 entdeckte!). Der ließ alle bewegliche Habe, die er brauchen konnte, nach Sacramento bringen, wo er gerade ein eigenes Fort gebaut hatte. Fort Ross wurde aber noch von einem von ihm eingesetzten Verwalter weiter bewirtschaftet. Dann war es eine Weile Eigentum einer großen Holzfirma. 1873 wurde das alles von einer Familie Call gekauft, die eine riesige Ranch auf dem Gelände etablierte. Das Vieh wurde jeweils gleich im eigenen ‚Hafen‘ in der Bucht auf Schiffe verladen und so in den Süden von Kalifornien gebracht! Hundert Jahre wurde das Gelände von dieser Familie bewirtschaftet. Schon 1903 hat aber das ‚Kalifornische Kommitte zur Erhaltung historischer Stätten’ das eigentliche Fortgelände von dieser Familie gekauft und es unter Denkmalschutz gestellt. Im Verlauf der folgenden Jahrzehnte wurde es rekonstruiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht!
Heute ist es ein viel besuchtes ‚National Landmark’, wo einige Picknickplätze zu längeren Pausen verleiten und ein schöner Wanderweg am Meer entlang führt und auch bis zum etwas entfernten russischen Friedhof des Forts.

Jetzt muß ich langsam überlegen, wo ich übernachten kann! Einige schöne Motels oder B&Bs habe ich schon gesehen – aber überall Schilder ‚no vacancy’! Bin gespannt, wo ich heute landen werde! Hier in Kalifornien und den anderen US-Staaten ist es ja mitten in den großen Ferien und so wird es nicht einfach werden. Aber ich gehe jetzt mal davon aus, dass irgendwas klappen wird! Ich werde einfach so lange fahren, bis ich irgendwo ein Schild ‚vacancy’ sehe! Und noch macht das Fahren Spaß – es ist richtig schön, nach so langer Zeit wieder mal auf ‚eigenen Rädern’ unterwegs zu sein und überall dort halten zu können, wo ich möchte! Das lohnt sich im Moment gerade zwei Mal! Das erste Mal halte ich am ‚letzten Café vor Hawaii’ – es steht auf der westlichsten Spitze der USA an der Pazifikküste! Und dann muß ich natürlich anhalten, als ich am ‚Aloysius Friedhof’ vorbei komme (habe ihn aber nicht ‚Hosianna singen’ gehört ! Dafür waren dort noch Gräber bis zurück zum Anfang des 19.Jh. vorhanden – was die Leute zu der Zeit wohl hat bis hierher wandern lassen…
Als ich in das nächste Örtchen ‚Little River’ einfahre, fällt mir ein hübsches Bed&Breakfast ins Auge – mit vielen Blumen vor und am Haus sieht es sehr einladend aus! Es hat auch ein vacancy-Schild am Tor hängen und ich bekomme in der Tat das letzte Zimmer und das ist auch noch ein Einzelzimmer. Und weil es das Letzte ist, bekomme ich auch noch einen Discount – wie nett ist das denn! Während ich mit der Herrin des Hauses alle Formalitäten erledige, hat sie schon mal ihren Mann beauftragt, meinen Kamin herzurichten. Als ich dann in mein Zimmer komme, eher ein kleines Reihenhäuschen, ist alles vorbereitet – ich muß nur noch anzünden! Wie schön, gemütlich im Schaukelstuhl vor dem Kamin zu sitzen und in die Flammen zu schauen! Ein herrlicher Ausklang eines kurzweiligen und interessanten Tages!

Sonntag, 30. Juli 2011

Ich habe sehr gut geschlafen – im Bett ist eine Heizdecke, die mir der ‚gute Hausgeist’ auch eingeschaltet hatte! So konnte ich in ein vorgewärmtes Bett kriechen, habe die Decke dann ausgeschaltet und das Fenster ein Stückchen geöffnet – und so war alles für eine gute Nacht wie geschaffen! Das Beste aber kam knapp nach dem Aufstehen – mir wurde das Frühstück ins Zimmer serviert!
So konnte ich das ganz in Ruhe und noch im Schlafanzug genießen – was für ein Luxus! Als ich nach dem Frühstück das Zimmer noch ein wenig inspiziere, sehe ich, dass eins der Bilder an der Wand eine Frau in Dachauer(!!!) Tracht zeigt! Beim Verabschieden frage ich die Besitzerin, ob das ein Hinweis auf deutsche Vorfahren wäre. Aber nein, das Bild haben sie vor Jahren mal bei einem ‚garage sale’ gesehen und fanden es einfach schön passend für das Zimmer! Na, wie passend auch gerade für mich :-)!

Heute will ich einen Schlenker in die Berge im Inland machen – vielleicht komme ich ja am Nachmittag wieder vorbei und bleibe noch eine Nacht hier!
Es soll eine schöne Straße sein und es soll auch ein paar ‚wineries’ dort geben! Aber erst einmal fahre ich noch ein Stück an der Küste entlang – die Abzweigung Richtung Comptche/Ukiah ist ein paar Kilometer entfernt! Und das lohnt sich aber auch – wieder ein paar schöne Strandabschnitte und viele alte Häuser und manchmal sind sogar die Briefkästen dem Stil der Häuser angepasst :-)!

Aber dann geht es auf einer schmalen Straße in vielen Kehren steil hinauf durch dichten Wald, nur manchmal kurz für ein paar Ausblicke unterbrochen! Aber es ist überraschenderweise gar nichts los hier (obwohl Samstag) und so macht die Fahrt großen Spaß! Ich fahre an ein paar großen Ranches vorbei und finde am Straßenrand immer wieder dichte Brombeerhecken, die voller Beeren hängen! Schnell ist der große Kaffeebecher, den ich noch im Auto habe, gefüllt – ein leckerer Unterwegs-Snack

Viele Häuser sind hier ganz und gar aus Holz – es gibt ja hier in der Umgebung genügend! Auf der Passhöhe angekommen, habe ich einen weiten Blick über die Berge! Ich wundere mich, an welch abgelegenen Stellen dort immer wieder Häuser zu erkennen sind!


Bald geht es jedoch hinab ins ‚Anderson Valley‘, ein Hochtal ringum von Bergen eingeschlossen! Hier ist es richtig heiß – in der größten Ortschaft hier, Ukiah, kehre ich erstmal bei Safeway ein und kaufe mir ein Eis zu meinen Brombeeren :-)! Es ist nicht zu fassen, wie warm es hier ist und welch tiefblauer Himmel sich über mir spannt – gerade mal ein paar Kilometer von der Küste entfernt!
Kein Wunder, dass sie hier Wein anbauen können! Aber nicht nur das, auch Obstplantagen ziehen sich kilometerweit an der Straße entlang – Birnen, Äpfel, Pfirsiche, Pflaumen, Kirschen…

Bei einem der Straßenverkäufe vor den Plantagen hole ich mir frisch gepreßten Apfelsaft und mache auf dem danebenliegenden Picknickplatz Mittagspause!

Leider habe ich meine Brombeeren schon unterwegs gegessen – Nachspeise fällt also aus :-(, aber ich hatte ja vorhin schon Eis! Während ich hier gemütlich sitze, startet nebenan ein Hubschrauber. Ich kann nicht erkennen, was er transportiert – vielleicht brennt es irgendwo?
Langsam fahre ich nun wieder zurück Richtung Küstenstraße!
Schon von weitem kann ich wieder den Nebel über dem Meer stehen sehen! Es ist wirklich erstaunlich, wie unterschiedlich das Wetter in ein paar Kilometer Distanz ist!
Ich werde doch nicht in das kleine B&B zurück fahren – Mendocino ist nicht weit und das möchte ich mir heute doch gern noch anschauen! Ich bin sehr gespannt auf das Traumziel meiner Jugend – was wird mich dort erwarten?

Ein wunderschöner Ort mit zahlreichen alten ganz kleinen, aber auch ganz großen Häusern, überall Blumen in Massen, jede Menge kleine Cafés und Restaurants und natürlich Künsterateliers! Kein Wunder, dass sich die Hippies unserer Zeit dorthin gezogen fühlten! Offenbar ist das auch heute noch so – überall sind sehr alternativ aussehende Menschen jeden Alters unterwegs!






Langsam geht es wieder durch den Ort hinaus, durch den Randbezirk, wo jede Menge ‚celebrities‘ wohnen sollen (macht garnicht so den Eindruck!).

Einen kleinen Schlenker mache ich noch über den malerisch über dem Ort in einem lichten Buchenhain gelegenen Friedhof mit seinen teilweise uralten und auch ganz neuen Gräbern – das macht hier aber garnicht viel Unterschied!

In Mendocino war natürlich kein Quartier zu bekommen – ist vielleicht auch besser so, denn die Preise sind der Berühmtheit des Ortes angemessen:-(! Aber der nächste Ort Fort Bragg ist nicht weit entfernt
und hier finde ich ein hübsches Zimmer in einem Motel, bekomme sogar AAA- UND Senior Discount und bin damit höchst zufrieden!
Nach einem kurzen Strandspaziergang mache ich es mir in meinem gemütlichen Bett mit meinem Buch bequem und bin mit mir und der Welt äußerst zufrieden!

Sonntag, 31.Juli 2011

Ich habe sehr gut geschlafen und beschlossen, noch eine weitere Nacht hier zu bleiben! Es gibt viel zu entdecken ringsum und ich habe ja Zeit genug!
Heute werde ich auf Empfehlung des Motel-Eigentümers den „Mendocino Coast Botanical Garden‘ hier kurz vor dem Ort besuchen – eine schöne Gelegenheit, mal einen Tag ohne längere Autofahrten zu haben!

Das war wirklich eine richtig gute Idee! Das Wetter ist zwar gewohnt neblig trüb, aber die vielen farbenprächtigen Blumen hier machen das wieder wett. Es gibt auch gerade eine Ausstellung von Vogelhäuschen – Privatleute haben die gemacht und stellen sie für eine Versteigerung zugunsten des Botanischen garten zur Verfügung! Was für witzige Einfälle da zutage kommen – aber es sind eigentlich mehr Schmuckgegenstände, denn richtige Vogelhäuschen! Ich glaube, für Vögel sind einige davon eindeutig zu erschreckend :-)!

Dieser Botanische Garten wurde von einem Privatmann angelegt. Er kaufte jede Menge Land hier auf und wollte eigentlich nur ein Naturschutzgebiet daraus machen – ihn störte, dass immer mehr der ursprünglichen Landschaft verschwand, durch Holzeinschlag oder um Platz zu machen für Landwirtschaft und Bebauung. Da er Landschaftsgärtner war, blieb natürlich eine gewisse eigene Betätigung nicht aus. So ist über die Jahre dieser wunderschöne Park entstanden – ein großer Teil ursprüngliche Küstenvegetation und ein angelegter kleinerer Teil. Es gibt hier einen traumhaften Dahliengarten,




einen richtigen ‚Küchengarten’,




einige Gewächshäuser mit Fuchsien in so vielen Sorten, wie ich es nie für möglich gehalten hätte!),


wunderschöne Sukkulenten-Gärten

und noch vieles andere mehr! Auch an die Kinder ist gedacht – ein großer Bereich ist zum Spielen mit natürlichen Materialien frei gegeben!

Der ursprüngliche Parkbereich ist teilweise wie ein Urwald, durch den kreuz und quer Spazierwege führen. Unmittelbar an der Küste entlang ist er jedoch sehr weitläufig mit schönen Aussichten, nur manchmal einigen ‚Alleen’ von Kiefern – windgepeitscht alle nach einer Seite wachsend!




Es ist wirklich sehr anerkennenswert, dass es immer wieder Privatleute gibt, die ihr Geld in solche Projekte stecken und nicht nur auf der Bank horten!


Der Gründer ist inzwischen längst verstorben, aber seine Familie führt das Ganze in Form einer Stiftung in seinem Sinne weiter!

Nach einem gemütlichen Kaffee mit hausgebackenem Kuchen im kleinen ‚Garden Café’ fahre ich langsam wieder zurück. Ein kurzer Umweg führt mich noch zu einem der zahlreichen alten Leuchttürme hier in der Gegend. Da es schon so spät ist, darf ich bis zum Turm mit dem Auto fahren – anstelle vom normalerweise 1-stündigen Fußweg! Es ist herrlich, so ganz allein hier herum zu spazieren – als ob mir das alles gehören würde! Es ist nur schade, dass der Leuchtturm selbst natürlich geschlossen ist – aber viel mehr zu sehen wäre wahrscheinlich von oben auch nicht! Es gibt auch noch die Häuser vom Leuchtturmwärter und seinen beiden Assistenten – ersteres wird an Feriengäste vermietet und die beiden anderen sind in privatem Besitz und werden auch als Wochenendhäuser genutzt!

Was für ein schöner entspannender Tag! Im Motelzimmer mache ich mir aus meinen ‚left overs’ der vergangenen Tage noch ein kleines Abendessen und dann gehe ich ins Bett – Meeresluft macht müde :-)!

Montag, 1.August 2011

Zu meinem nächsten Ziel Arcata fahre ich ein großes Stück im Inland entlang – ich will mir die riesigen ‚Redwood Giants’ im Humboldt Redwoods State Park anschauen! Eigentlich hatte ich mir überlegt, eine kleine Tour mit der ‚Skunk Rail’,einem historischen Zug hier von Fort Bragg aus, zu machen, aber die fährt heute nur mit einer Diesellok – und ich hatte mich so auf ein Dampflok-Abenteuer gefreut :-(! Aber ich fahre trotzdem zum Bahnhof und schaue mir die ganzen Vorbereitungen für die Fahrt an!


So habe ich Gelegenheit, auch noch ein wenig durchs Städtchen zu bummeln.

An einer Autowaschanlage sehe ich einen uralten Ford stehen – als ich den Besitzer (mit einem langen weißen Bart) frage, wie alt das Auto ist, sagt er mir „genau so alt wie ich – ich habe ihn von meinem Großvater geerbt“. Damit weiß ich zwar nichts genaues, kann mir aber ungefähr vorstellen, dass das Gefährt irgendwann aus den 20-30er Jahren sein müsste! Auf meine Frage, ob der mit dem heutigen Kraftstoff überhaupt fährt, meint er, den Motor hätte er ausgetauscht und auch sonst einiges verändern müssen „the police pushed me to do it“!



Dann aber weiter auf meinem heutigen Weg – unterwegs treffe ich wieder auf zahlreiche Fahrradfahrer. Das ist wirklich bemerkenswert, wie viele hier mit dem Fahrrad auf Tour sind! Das können nicht alles ‚Japaner oder Deutsche’ sein – offenbar sind auch die Amerikaner selbst hier begeisterte Fahrrad-Urlauber!
Der Weg führt mich noch ein ganzes Stück an der Küste entlang, bevor die Straße sich dann ins Landesinnere begibt! Noch steht der Nebel hier überall, aber ich weiß, daß die Sonne schon auf mich wartet!

Bald geht es jedoch durch dichte Wälder eine lange, ungeheuer ‚geschlängelte‘ Straße entlang bis nach Leggett, wo ich den Wegweiser finde zum „Drive-Thru-Park“, den Park mit den dicken Bäumen, durch die man mit dem Auto fahren kann! Man muß natürlich Eintritt bezahlen und dann geht es, immer schön langsam und einer nach dem anderen durch den Stamm des Baumes hindurch! Es ist schon ein besonderes Gefühl, sich im Auto mitten in einem Baum zu befinden :-)!


Natürlich ist hier auch wieder ein unvermeidbarer Gift Shop – kommt mir aber recht, brauche schließlich Aufkleber für meinen Koffer 🙂 und Ansichtskarten! Es scheint hier auch ein beliebter Treffpunkt für Motorradfahrer zu sein – jede Menge (hauptsächlich großer) Maschinen stehen auf dem Parkplatz!
Wie ich in den vergangenen Wochen festgestellt habe, sind sicherlich 80-90% der Motorrad-Fahrer hier eindeutig in meinem Alter oder darüber (sehen zumindest so aus!), die Beifahrerinnen sind jedoch meist deutlich jünger. Ganz selten mal sehe ich jüngere Fahrer! Den Traum vom Harley (oder sonstwas) fahren erfüllt man sich offenbar schnell noch im Rentenalter!
In einem örtlichen Post Office hole ich mir schnell noch Briefmarken für meine Postkarten. Das ist auch hier, wie so oft, das Kommunikationszentrum des Ortes bzw. der Umgebung! Natürlich werde ich gleich gefragt, woher ich komme und was ich hier mache und wo ich noch hinfahren werde! Im Nu kommen noch ein paar andere Einwohner dazu und es ist eine rege Unterhaltung im Gange! Die Einladung auf ein Bier in der Kneipe nebenan muß ich leider ablehnen – ich muß schließlich noch fahren!
Ein Stück geht es durch ein enges und hohes Flusstal, ich komme durch einige kleine Ortschaften,

ehe die Straße dann immer wieder denFluß überquert, an dem ich schon eine ganze Weile entlang fahre!

Bald aber bin ich dann auf der Straße durch den Wald mit den riesigen Sequoias – sie heißen lateinisch ‚Sequoia Sempervirens’ (‚Sequoias mit dem immerwährenden Leben’!) – wobei der Name einen Cherokee-Häuptling Sequoyah ehrt, der dem Wissenschaftler Archibald Menzies die ersten dieser Bäume Ende des 18.Jh. gezeigt hat!

In Pepperwood beginnt die schmale ‚Avenue of the Giants‘ – sie führt direkt durch diesen Wald von reisigen Säulen! Wie beeindruckend das ist – manchmal kann ich die Kronen der Bäume nicht erkennen! Sie stehen teilweise so eng beieinander, dass nicht zu sehen ist, wie weit sie nach den Ästen nach oben noch weitergehen!





Im unteren Bereich wachsen aus dicken ‚Pickeln’ teilweise neue Schösslinge! Aber auch aus den Samen wachsen neue Bäume oder werden sogar in extra ’nurseries‘ gezogen!

Einer der Bäume hier ist bekannt als der ‚unsterbliche Baum‘ – Feuersbrünste, Überschwemmungen, Blitzeinschläge haben ihn nicht fällen können! Nicht mal den ‚Loggern‘ ist das gelungen – sie scheiterten damals an der überraschend harten Rinde! Sowas muß belohnt werden – er ist heute ein vielbesuchtes ‚Denkmal‘!

Die Zapfen dieser Riesenbäume sind allerdings nur etwa so groß wie eine etwas größere Olive und die Samen entsprechen nur der Größe von Tomatensamen – das ist doch kaum zu glauben, oder? Diese Bäume hier sind sog. ‚Coast Redwoods’ im Gegensatz zu den ‚Giant Sequoias’, die es jedoch nur im Westen der Sierra Nevada gibt. Deren Zapfen sind etwa so groß wie ein Hühnerei, der Samen so groß wie eine Haferflocke! Erstere werden etwa 130 m hoch, letztere nur etwa 100 m, dafür haben die einen Durchmesser am Fuß des Baumes von etwa 12-15 m und werden bis zu 3.200 Jahre alt (zumindest war der älteste bis jetzt bekannte so alt) – im Gegensatz zu den ‚Küstenbäumen’, die „nur“ etwa 2000 Jahre alt werden und nur einen Durchmesser von etwa 6-8m haben! So ein Baum kann bis zu 500 to wiegen! Die Rinde ist etwa 30 cm bzw. 80 cm dick, was beide Sorten extrem widerstandsfähig gegenüber Feuer, Krankheiten und Schädlingen macht. So sind beispielsweise Häuser, die aus diesem Holz gebaut sind, absolut sicher vor Termiten! Das ‚Logging’, also das gewerbliche Schlagen dieser Bäume in ist jedoch inzwischen in den drei kalifornischen Redwood State Parks ‚Prairie Creek’, ‚Del Norte’ und ‚Jedediah Smith’ (sie zusammen bilden heute den ‚Redwood National Park’) nicht mehr erlaubt – sie stehen dort unter strengem Schutz! Jahrhunderte lang hat man sich keine Gedanken darüber gemacht, wie lange es dauert, bis der Ersatz für einen geschlagenen Baum wieder nachwächst und munter drauf los gefällt – mit dem Ergebnis, dass es diese wunderbaren Bäume jetzt nur noch in einem relativ kleinen Bereich gibt! Ursprünglich war die Küstenregion von San Francisco bis hoch nach Vancouver in einem breiten Streifen damit bewachsen!
Der ‚Redwood National Park’ steht auch auf der Liste der UNESCO als „Welt-Naturerbe“!

Es gibt aber inzwischen ein paar Flächen, die gewerblich genutzt werden. Hier werden Redwood-Bäume abwechselnd mit Douglas Fichten und auch Laubbäumen (vorwiegend Buchen und Eichen) „angebaut“. Dadurch sind die Fichten besser vor Befall von Schädlingen geschützt und können regelmäßig geerntet werden. Die so gewachsenen Redwoods werden schon als sehr junge Bäume geschlagen und hauptsächlich zum Hausbau und für Brückenbauwerke verwendet. Die Laubbäume ebenfalls, die werden hauptsächlich zum Möbelbau genutzt! Überall im Land sieht man große Sägewerke, die aus dem Abfall bei der Holzausbeute zusätzlich noch riesige Mengen an Holz’chips’ machen, die in die ganze Welt verkauft werden (verwendet zur Papierherstellung, bei der Weinkelterung, als Räucherchips für Fisch und Fleisch u.v.m.).

Meine Fahrt durch diesen beeindruckenden Nationalpark ist in Elinor zu Ende, hier war früher eins der Zentren der Logging-Industrie. Man kann das noch gut an den alten Gebäuden sehen, die komplett aus Redwood-Holz gebaut sind. Sogar die Town Hall und andere wichtige Gebäude wurden damals als Blockhäuser errichtet! An den anderen Häusern erkennt man deutlich, daß es sich damals durch das Holz zu einer reichen Stadt entwickelt hatte. Heute jedoch gibt es nur noch ein kleines Überbleibsel der Holzverarbeitung und es ist schwierig für die Bewohner, eine Arbeit zu fnden!

Es ist höchste Zeit, dass ich hier ankomme – mein Benzintank ist fast leer… Nach dem Tanken finde ich auch noch ein kleines Lokal, wo ein gemütlicher Garten zur verspäteten Mittagspause verlockt! Diese kleine Ruhepause tut mir gut – das viele Autofahren ist manchmal doch anstrengend (was ich meist erst abends merke, wenn ich wie ein Stein ins Bett falle :-(!

Von hier ist es allerdings auch nicht mehr allzu weit nach Arcata, meiner Station für die nächsten beiden Nächte. Hier habe ich Unterkunft bei einem SERVAS-Gastgeber-Ehepaar gefunden. SERVAS habe ich während meiner Reise ja nur selten genutzt – Couchsurfing war eindeutig einfacher zu managen! Hier in den USA mußte ich jedoch keine Kopien des Gastgeber-Verzeichnisses kaufen. Hier habe ich auch meine entsprechende Mail zumindest ein pdf-Verzeichnis bekommen, das ich mir auf der Festplatte abspeichern konnte und bei Bedarf dort nachschauen.
Vorher mache ich aber noch einen kleinen Schlenker nach ‚Ferndale’ – wurde mir sehr empfohlen! Dort soll es ein gut erhaltenes Stadtzentrum im viktorianischen Stil geben!

Das war wirklich eine gute Empfehlung – es ist nur schade, dass das Wetter hier, nahe der Küste, natürlich wieder trüb ist! Aber es ist eine Freude, durch das Städtchen zu laufen und all die wunderbar erhaltenen Häuser zu bestaunen! Welche Liebe zum Detail bei den Besitzern vorhanden sein muß – bis manchmal hin zu den Vorhängen ist alles so, wie es wohl vor etwa 100-150 Jahren mal gebaut worden ist. Ein bisschen fühle ich mich wie in eine andere Zeit versetzt – wenn nicht die Autos wären (aber selbst die gibt es hier überraschenderweise in einer relativ kleinen Anzahl!)










Das ist für mich außerordentlich erstaunlich: Hier im Nordwesten fühle ich mich irgendwie gar nicht wie in Amerika! Wenn nicht hin und wieder mal ein großer Supermarkt von ‚Fred Mayer’ (eigentlich ursprünglich Alfred Grubmayer!!) stehen würde (mit dem unvermeidlichen „Starbucks inside“), könnte ich meinen, ich bin irgendwo in Skandinavien oder in Australien. Das hat hier so gar nichts vom üblichen ‚Amerika-Bild’ – fast ausschließlich kleine Ortschaften mit oftmals alten, malerischen Häusern, die so gut wie immer mit farbenfrohem Blumenschmuck. Immer wieder kleine Brauereien und alles voll mit kleinen privaten Geschäften! Richtig schnuckelig!!!

Jetzt aber endlich Richtung Arcata – Phyllis und ihr Mann erwarten mich zum Dinner! Dank ihrer guten Beschreibung finde ich ihr Haus, etwas außerhalb der Stadt, auch ohne Probleme! Ich freue mich, dass das hier geklappt hat, hatte ich doch bisher auf meiner Reise eher selten eine SERVAS-Unterkunft! Phyllis ist einer der SERVAS-Interviewer in Nord-Kalifornien und innerhalb der Gruppe hier sehr aktiv. Sie ist seit kurzem auch pensioniert und genießt ihr Dasein. Sobald das ihr Mann ebenfalls sein wird, wollen sie ein paar größere Reisen machen. Auch Deutschland steht auf ihrem Programm – dort waren sie vor vielen Jahren schon einmal und es hat ihnen ausnehmend gut gefallen!
Das Dinner ist köstlich – bei einer chinesischen Familie gibt es natürlich auch chinesisches Essen, sehr lecker! Und als Nachtisch hat Daryl auch noch ‚Flan’ zubereitet (sieht so aus und schmeckt auch wie eine Creme Caramel) – göttlich!
Nach dem Essen mache ich mit Phyllis einen ausgedehnten Spaziergang im bergigen Umfeld – leider kann man von der Umgebung kaum etwas sehen, denn es herrscht bereits wieder dicker Nebel. Aber die Bewegung tut mir gut nach dem ganzen Tag Auto fahren (mit nur kurzen Unterbrechungen).
Als wir zurückkommen, ist das Haus voller Gäste – Phyllis’ Mann spielt in einer Tango-Kapelle und heute ist Übungsabend hier! Eine schöne Überraschung und eine gute Untermalung für unsere Unterhaltung.
Beide Kinder der Familie sind übrigens Künstler – die Tochter ist eine inzwischen schon ziemlich gefragte Sopranistin http://www.youtube.com/watch?v=1Zzx7i50Seg und der Sohn hat eine Band. Sie leben an der Ostküste bzw. sind viel auf Tournee – so müssen die Eltern ihnen immer hinterher reisen, wenn sie sie mal sehen möchten. Aber sie sind sehr stolz auf ihre Beiden und tun das gern!
Wir sitzen noch lange beieinander, aber irgendwann verschwinde ich doch todmüde ins Gästezimmer im oberen Stockwerk und in dem bequemen Bett schlafe ich auch sofort ein!

Dienstag, 2.August 2011

Eine wunderbare Nacht – bei weit offenem Fenster konnte ich herrlich schlafen. Die Moskitos, die es hier gibt, wurden dank eines Mückengitters ausgesperrt!
Heute will ich mir Eureka anschauen, die nächstgrößere Stadt! Es soll im Hafen ein uraltes Fährschiff (aus den 20er Jahren) geben, winzig klein, die heute noch als Boot für Rundfahrten genutzt wird – das war ein spezieller Tipp meiner Gastgeber. So eine Rundfahrt werde ich auf jeden Fall machen. Es gibt aber auch noch ein paar bemerkenswerte Gebäude in der Stadt, die ich mir unbedingt anschauen muß!

Über eine lang gezogene Straße und anschließende Brücke geht es jedoch erst einmal hinein in die Stadt! Da gerade Ebbe ist, kann ich sehen, dass es erstaunlicherweise hier auch so etwas wie ein ‚Watt’ gibt – Schlicklandschaft, soweit das Auge reicht und darin überall kleine ‚Priel’, Ablaufkanäle für das Wasser! Es hat zwar bei weitem nicht die Ausdehnung des Nordsee-Watts, aber es sieht ansonsten genau so aus.

In der Stadt ist es einfach, einen Parkplatz zu finden – obwohl gerade ein Farmers Market im Zentrum stattfindet. Es ist ein Jammer, dass ich den ganzen Tag unterwegs sein werde – es gäbe soviel schönes Gemüse, Obst und auch Blumen! Es ist zwar heute herrliches Wetter – ein wenig kühl, aber strahlender Sonnenschein – im Auto jedoch wird es natürlich trotzdem sofort unerträglich heiß, das würde das alles nicht gut überstehen!

Auch die Häuser hier im Zentrum sind durchaus sehenswert – viele offenbar auch aus der ‚guten, alten Zeit’! Und überall gibt es bunte Bepflanzungen! Die Rückseite des großen Konzert- und Opernhauses ist sogar komplett mit einem großen Bild bemalt!




Nach einem Kaffee in einem gemütlichen Laden, der Book Shop und Café in einem ist, mache ich mich auf den Weg zu den beiden berühmtesten Häusern der Stadt. Sie sehen wirklich beeindruckend aus – sehr viel größer, als ich sie mir nach den Erzählungen vorgestellt hatte.
Das wäre zum einen das Märchenschloß ‚Carson Mansion‘ – das Wohnhaus von William Carson und seiner Familie, einer der ganz großen ‚Holzbarone’ hier Mitte des 19.Jh. Es ist komplett aus Holz gebaut und eigentlich dem Umstand zu verdanken, dass damals ein ziemlicher Einbruch im Holzgeschäft stattgefunden hatte. Mister Carson hat damit zum einen ein wenig ‚Umsatz’ gemacht, aber vor allem konnte er mit dem Bau seine Arbeiter beschäftigen, die sonst kein Einkommen gehabt hätten und vielleicht abgewandert wären! Als das Haus eingeweiht wurde, ging es mit dem Holzgeschäft wieder ordentlich aufwärts und sein Unternehmen konnte, ohne erst mühsam wieder Leute suchen zu müssen, sofort voll loslegen! Heute ist in dem Gebäude ein privater Club untergebracht.

Das andere, genannt ‚Pink Lady’, gegenüber von Carson Mansion, gehörte auch dieser Familie – der Vater ließ es für seinen ältesten Sohn Milton als Hochzeitsgeschenk bauen! Es wurde von der Familie Mitte des letzten Jahrhunderts aufgegeben, war lange Zeit ein Bordell und verfiel danach zusehends! 1963 kaufte es der frühere Bürgermeister von Eureka und renovierte es mit Unterstützung seiner Familie wieder zur ursprünglichen Schönheit. Die rosarote Farbe ist die Originalfarbe seiner Entstehung – sie wurde damals bewusst als Kontrast zum Dunkelgrün des gegenüberliegende Elternhauses gewählt!

Schade, dass man keines von beiden von innen besichtigen kann! Das grüne ist ‚strictly only for members’ und das rosarote ist inzwischen an Privatleute vermietet…

Von dort ist es nicht weit Richtung Hafen – die Fahrkarte für die Fähre kann ich in einem Süßwarenladen kaufen! Ein schöner Fußweg an der Kaimauer entlang bringt mich dann zur Anlegestelle des Bootes!

Der freundliche junge Kapitän macht netterweise schnell ein Foto von mir auf dem Schiff, ehe die anderen MitfahrerInnen einsteigen können. Mit 10 Erwachsenen und zwei kleinen Jungs, von denen der eine heute Geburtstag hat, ist das Boot auch ‚randvoll’ :-)! Bei dem schönen Wetter können wir alle draußen sitzen. Das Geburtstagskind darf sogar mal eine Weile ans Steuer!
Die Fahrt ist sehr interessant – an Inseln vorbei und unter Brücken hindurch, quer durch den alten ‚Holzhafen’ und den neuen Fischereihafen, erfahren wir eine Menge über die Geschichte des Hafens und auch der Stadt! Interessant war besonders, dass diese alte Fähre hier den gesamten Verkehr auf die vorgelagerte Insel abwickelte, ehe die große Brücke als Verbindung gebaut wurde. Die Fähre ging immer nur bis abends 8h – wer später kam, mußte sich irgendwo ein Nachtquartier suchen…

Es gibt auch einige Tiere zu beobachten – Pelikane, die stets von einer Möwe begleitet werden! Symbyose – die Möwe lebt von den Abfällen, die der Pelikan auswürgt und muß nicht selbst auf Fischfang gehen oder einen ‚harbor seal’/Seehund, der immer wieder seinen Kopf neugierig aus dem Wasser steckt neben allerhand anderen Vogelarten.

Zurück an der Anlegestelle gehe ich für ein spätes Mittagessen in eins der Restaurants – ein Mittelding zwischen Japanisch und Chinesisch! Ich lasse mir ein paar Sushis schmecken und die Nachspeise vor allem war köstlich – vier verschiedene Sorten Eis in einer Hülle aus Reisteig!

Ein kurzer Einkaufsbummel schließt sich an – ich habe heute Vormittag ein paar Sachen gesehen, die ich noch besorge.
Ein weiterer bekannter Besichtigungspunkt ist das alte Fort von Eureka. Dort angekommen, stellt sich aber heraus, daß das derzeit wegen Renovierung geschlossen ist! Mitten in der Hochsaison…
Aber gegenüber ist ein großes Einkaufscentrum – dort finde ich zwei leichte Pullis für mich (die Zeit der hochsommerlichen Kleidung it offenbar endgültig vorbei!) für 5,95$ und 7,95$, ‚End-of-Season-Sale‘!
Daneben ist noch ‚Clearing Sale‘ bei Borders, dem großen Buchhändler. Hier finde ich einen München-Reiseführer auf Englisch und sogar Lindt-Schokolade! Das wird mein ‚Dankeschön‘ für die beiden – sie wollen ja in den nächsten Jahren nach Deutschland bzw. München kommen und Schokolade essen sie sehr gern! Irgendwie möchte ich mich schließlich für Kost und Logis erkenntlich zeigen!
Langsam mache ich mich aber auf den Heimweg. Phyllis und Daryl warten sicher schon auf mich – es gibt heute etwas früher Abendessen, weil sie beide heute ihre Tangostunde haben! Ich finde das sehr amüsant, dass Chinesen so begeisterte Tango-Anhänger sind. Ihr Angebot, dass ich mitkommen kann und zuschauen, schlage ich jedoch aus. Sie haben sich beide so in Schale geworfen, dass ich in keinem Fall mithalten könnte – außerdem muß ich etwas für meinen Blog tun!
Als die beiden nach Hause kommen, sind sie ein wenig gedrückter Stimmung – irgendwie lief heute alles nicht so gut. Aber so ist das halt manchmal bei Übungsstunden! Nach ein paar Worten hin und her und viel Gelächter gehe ich hoch in mein Zimmer. Das Klavierspiel von Daryl ist mir eine gute Schlafmusik!

Mittwoch, 3.August 2011

Phyllis hat mir gestern noch einen ‚Folgeaufenthalt’ organisiert. Sie hat per E-Mail Freunde in der Nähe von Crescent City angeschrieben, ob ich nicht eine Nacht bei ihnen bleiben könnte und sie haben spontan zugesagt. Das ist schon etwas ganz Besonderes hier – diese große Gastfreundschaft und Freundlichkeit der Menschen. Ich konnte das schon so oft erleben, aber so ausgeprägt wie das jetzt ist, doch noch nie! Don hat mir per E-Mail eine detaillierte Wegbeschreibung geschickt und dazu geschrieben, dass sie ab etwa 7.30h abends zu Hause sind. Sollte ich früher da sein – der Zugang zu dem Apartment für mich wäre offen! Was für ein grundlegendes Vertrauen!!

Nach dem Frühstück und sehr netter Verabschiedung und dem gegenseitigen Versprechen, sich bald wieder zu sehen, fahre ich schnell noch mal Richtung Eureka – ich hatte gestern so ein schönes Plakat gesehen, das jetzt schon auf Weihnachten hinweist, das muß ich unbedingt schnell noch fotografieren!

Danach geht es wieder an der Küste entlang weiter Richtung Norden!

Das wird heute mein letztes Teilstück in Kalifornien sein – morgen geht es dann über die „Grenze“ nach Oregon! In einer der vielen Buchten hier mache ich einen kleinen Morgenspaziergang und finde ein einsames gelbes Spielzeugauto! Da wird es bestimmt bei irgendwem Tränen gegeben haben, als bemerkt wurde, dass es verschwunden ist! Ich nehme es mit und schenke es auf dem Weg zurück zum Auto zwei kleinen Jungs, die gerade mit ihren Eltern auf dem Weg zum Strand sind – totale Begeisterung bei den beiden! Wie schön, diese Freude über ein so kleines Geschenk zu erleben!

Kurz danach folge ich der Abzweigung nach Trinidad – interessant :-)! Der Name macht mich neugierig! Ich finde ein hübsches kleines Örtchen, auch wieder mit einem Leuchtturm.



Die Küste hier im Nordwesten ist reich gesegnet damit – insgesamt soll es in Nord-Kalifornien, Oregon und Washington State etwa 35 davon geben. Etwas mehr als die Hälfte sollen mehr als 100 Jahre alt sein – heute allerdings ohne Leuchtturmwärter, die Lichtzeichen werden alle elektronisch gesteuert. Die meisten davon sind zur Besichtigung zugänglich, einige liegen auf irgendwelchen vorgelagerten Felsen und daher nicht für die Öffentlichkeit zugänglich und ein paar wenige sind inzwischen in Privatbesitz.
Sie haben ja schon eine besondere Faszination für mich – meist ziemlich abseits gelegen auf irgendwelchen weit ins Meer hinaus ragenden hohen Klippen. Daneben oft noch das einsame Leuchtturmwärterhaus, manchmal auch das zu besichtigen! Außer der normalerweise grandiosen Aussicht war das zu früheren Zeiten wohl ein mehr als harter Job – bei Wind und Wetter im Einsatz sein, meist weit ab von jeder Besiedelung (es gab ja noch keine Autos, mit denen man schnell mal ins nächste Dorf fahren konnte) und immer im Dienst!

Hier allerdings steht der Leuchtturm direkt am Rand des kleinen Dorfes, das insgesamt auf einer hohen Klippe angesiedelt ist. Dem rauen Klima angemessen gibt es nicht so viele blühende Blumen hier in den Vorgärten, dafür jede Menge Gräser und kleine Büsche in den aufregendsten Farben – und natürlich auch die Häuser bunt! Das einzige richtig gute Mittel gegen den so hartnäckigen Küstennebel hier!
Auf dem Parkplatz zum Leuchtturm finde ich hier sogar einen RV aus Ontario im weit entfernten Osten von Kanada – sie sind schon hart im nehmen, die Nord-Amerikaner, was Entfernungen betrifft…

Meine nächste Station ist der ‚Patrick Points State Park’, den mir meine Gastgeber extra ans Herz gelegt haben! Ein relativ wild belassenes Gelände auf einer hohen Steilküste, in dem sich Sumeg befindet – ein Dorf des Yurok-Stammes. Das bewohnte Dorf als solches ist relativ unspektakulär, aber es wurde vor etwa 20 Jahren ein Traum der Bewohner erfüllt – ein ‚Zeremoniendorf’ wurde nach altem Brauch neu gebaut! Es gibt jetzt drei typische ‚family houses’ für Familienversammlungen (die haben keine Fenster, sondern nur ein relativ kleines rundes Loch als Eingang (schließlich gibt es hier überall Bären, denen der Zugang dadurch verwehrt wurde/wird), drei ‚changing houses’ für das Umziehen vor und nach den Reinigungszeremonien (es werden aber auch spezielle ‚Heilungs-Zeremonien’ darin abgehalten), ein ‚Schwitzhaus’ für die zeremoniellen Reinigungen (das ist in den Boden eingelassen und nur das Holzdach und der mit dicken Steinen ausgelegte Eingangsbereich sind sichtbar), ein auch tief in den Boden gegrabener Tanzplatz (mit vielen Bänken wie bei einem Amphitheater ringsherum) und zwei Kanus, die jeweils aus einem ganzen Baumstamm heraus gearbeitet wurden. Alle diese Strukturen sind aus lokalen Steinen und Redwood-Holz gebaut, mit Hilfe von Bindern aus dünnen Haselgerten zusammen gehalten – kein Metall oder Zement ist dafür verwendet worden! Faszinierend sind vor allem die Dächer, die nur aus übereinander gelegten Brettern bestehen. Über dem Rauchabzugsloch im Dach werden die Bretter so gelegt, dass sie zwar den Rauch hinaus lassen, aber keinen Regen hinein!
Man kann alle Gebäude von außen besichtigen, man darf sie jedoch nicht betreten – trotzdem ist das ein sehr interessanter Rundgang!



Der weitere Weg durch den State Park führt auch an einem ‚Campingplatz’ vorbei – jedoch überhaupt nicht zu vergleichen mit unseren Campingplätzen. Es gibt eine zentrale Dumping- und Frischwasser-Station für Wohnmobile, einige Häuschen im Gelände verteilt mit Toiletten und Duschen und ansonsten nur ins Gebüsch geschlagene Plätze, denen jeweils ein fest gefügter Tisch und zwei Bänke zugeordnet sind. Man bezahlt bei der Zufahrt zum State Park entweder eine Tageskarte oder eben einen längeren Aufenthalt! Es ist interessant, hier hindurch zu fahren – von großen RV’s bis hin zu kleinen Igluzelten ist alles vorhanden – manchmal wird auch nur im Auto hier geschlafen!

Es gibt auch einen Zugang von hier oben zum ‚Agate’/Achat-Strand – aber das sind etwas mehr als 250 in den Fels gehauene ungleichmäßige Treppen und das spare ich mir doch lieber!

Zurück auf der Hauptstraße quert plötzlich eine Herde ‚elks’ die Straße – das sind keine Elche, sondern eher ein Zwischending zwischen Rentieren und Rehwild. Ich wurde schon gewarnt, dass ich hier besonders vorsichtig fahren soll, da sie oft völlig unvermutet aus dem Gebüsch auf die Straße treten und sich durch Hupen nicht weiter stören lassen! Das erinnert mich doch irgendwie an die Rentiere in Schweden :-)! Ich befinde mich übrigens wieder mal in einem Tsunami-gefährdeten Bereich! Immer, wenn die Straße an der flachen Küste entlang führt, sieht man diese Schilder, die zu schnellem Ausweichen in höhere Bereiche bzw. weiter ins Inland auffordern. Von dem Erdbeben in Japan im Frühjahr war die gesamte Küste im Nordwesten ziemlich betroffen, manchmal kann man noch Schäden an den Häusern sehen!

Aber manchmal braucht es keinen Tsunami – mitten in einem weiten Waldstück taucht plötzlich die Ruine eines abgebrannten Hauses auf! Der intensiv orange blühenden Kapuzinerkresse in der ehemaligen Zufahrt hat das jedoch nicht geschadet!

Weiter geht es – vorbei an schönen alten ländlichen Gebäuden und immer wieder durch Redwood-Wälder! Wieder stehen zwei elks am Straßenrand – es sind zwei Böcke, bei denen sich gerade der ‚Bast’ vom Geweih löst! Lange Fetzen blutiger Haut hängen überall herunter – ob das wohl schmerzhaft ist oder ob es eher nur juckt, wie uns Moskitostiche? Sie reiben sich nämlich ständig an irgendwelchen Holzzäunen oder Bäumen!

Kurz danach fahre ich in eins der Indianer-Reservate hier im Norden ein!
Vor der großen Brücke über den Klamath River stehen zwei Polizeiautos und auf der Brücke eine ziemliche Menschenmenge – das macht mich neugierig. Ich suche mir am anderen Ende der Brücke einen Parkplatz und gehe schauen, was es da gibt! Tief unter uns im Klamath-River schwimmt ein…



Wie mir die Frau neben mir erzählt, ist das ein weiblicher Grauwal, der bis vor einigen Wochen noch von einem Jungtier begleitet war – sie haben sich wohl vom hier etwa 10 km entfernten offenen Meer in den Fluß ‚verschwommen’ und das Jungtier hat den Weg hinaus wieder gefunden, nur die Mutter nicht! Ich kann das gar nicht glauben – Wale können sich doch verständigen und ein Walbaby schwimmt doch nicht weit von der Mutter weg. Die Mutter unter uns schwimmt immer in weiten Kreisen über der gleichen Stelle – ich vermute eher, dass das Junge gestorben ist und die Mutter deswegen hier weiter aushält. Für mich ist es wie ein Wunder, dass Wale überhaupt solange in Süßwasser überleben können – der Klamath River ist immerhin ganz schön groß und hier schon soweit vom Meer entfernt, dass auch Wasseraustausch durch Ebbe und Flut nicht mehr sehr gravierend sein kann! Es ist so deprimierend, dem Wal bei seinen traurigen Runden zuzusehen! Aber offenbar wartet man darauf, dass er sich von selbst wieder auf den Weg zurück ins Meer macht!

Neben der Brücke sehe ich ein Casino – hier haben die Natives wohl auch ihre Chance wahrgenommen und in ihrem Reservat eine Spielbank eingerichtet. Kurz danach komme ich in das dazu gehörige Dorf, wo es auch eine große, moderne Tankstelle gibt – ich muß dringend tanken! Hinterher fahre ich eine kleine Runde durch die Ortschaft und freue mich an den vielen neuen Häusern und auch einer offenbar ganz neuen, modernen Krankenstation. Was sich mit dem Geld aus dem Spielbank-Betrieb doch alles positiv verändern läßt…


Es gibt auch ein kleines Museum nahebei, wo ich viele interessante Informationen erhalte! Besonders witzig fand ich allerdings einen alten Umhang eines Häuptlings dort, der über und über mit silbernen schweizerischen 10-Rappen-Stücken behängt war!!! Wo die wohl mal herkamen???

Noch ein kurzes Stück geht es an der Küste entlang – hier überall mit großen Felsbrocken übersät, ehe ich in Crescent City ankomme!

Schnell steuere ich noch einen ‚Fred Mayer’ an, um für meine heutigen Gastgeber noch 2 Flaschen Wein zu besorgen, ehe ich der Wegbeschreibung Richtung ‚Stout Grove’ folge. Erst geht es noch auf einem Freeway Richtung Osten entlang, dann gibt es eine Abzweigung auf einen State Highway. Der schlängelt sich in vielen Kehren die Berge hinauf und ich fahre immer am Ufer des Smith River entlang! Von dort geht dann noch mal eine Abzweigung über eine ziemlich hohe Brücke in die kleine Siedlung hinein, wo meine heutigen Gastgeber wohnen. Eine richtig malerische Gegend – sogar eine ‚covered bridge’ gibt es hier! Die einzelnen Häuser liegen überall im Wald weit verstreut, aber es gibt immerhin Straßennamen und so habe ich auch bald das richtige Haus gefunden! Als ich aussteige und etwas fragend herum schaue (Hausnummern gibt es nämlich nicht und gerade hier sind mal drei Häuser auf einem Platz), kommt aber Don schon aus dem Haus und auf mich zu „Du bist bestimmt Christine – herzlich willkommen!“, nimmt mich am Arm und schon stehe ich mitten in der riesigen Wohnküche, wo mich seine Frau Martha herzlich in den Arm nimmt und ebenfalls willkommen heißt! Auch die beiden Hunde schließen schnell Freundschaft mit mir und schon gehöre ich zur Familie. Da gibt es gar kein langes Fremdeln, ich werde gleich in die Vorbereitung des Abendessens mit einbezogen und im Nu ist eine eifrige Unterhaltung im Gange – über meine bisherige Reise, über die kürzliche Hochzeit einer der Töchter, über unsere jeweiligen Familien etc. etc. Der Hausherr ist für die Nudeln zuständig, inzwischen zeigt Martha mir schnell mein Appartment! Es liegt direkt zum Fluß hin, quasi im ‚Untergeschoß’. Es hat einen eigenen Eingang, ein Schlafzimmer, ein Wohnzimmer und ein Bad. Es gibt einen Kühlschrank, eine Mikrowelle und natürlich die unvermeidliche Kaffeemaschine! Hier werde ich mich sicherlich wohl fühlen! Ich bekomme später beim Abendessen einen Schlüssel ausgehändigt und das Angebot, doch ruhig ein paar Tage länger zu bleiben! Das würde ich ja gerne, aber langsam läuft mir die Zeit davon – ich habe ja noch einiges vor in den nächsten Tagen. Ich mache es einfach mal davon abhängig, wie ich morgen früh Lust habe – ob ich einen ‚Urlaubstag’ einlegen möchte oder doch lieber weiterfahre!
Da die beiden schon um 7h aus dem Haus gehen, verschwinden wir alle bald im Bett! Beim Rauschen des Flusses schlafe ich auch schnell ein!

Donnerstag, 4.August 2011

Als ich wach werde, ist es bereits kurz vor 8h – tiefe Stille im Haus. Ich gehe nach oben, wo schon alles für mein Frühstück aufgebaut ist: verschiedene Cereals, Milch und Joghurt, Toast, Butter, Eier, leckerer Käse und Salami (!!!). Ich muß mich jetzt nur noch entscheiden :-)! Als ich gerade mit bestem Appetit esse, kommt völlig verschlafen der jüngste Sohn aus seinem Zimmer – er hat ein paar Tage frei und auch länger geschlafen.
Ich beschließe, doch noch einen Tag länger zu bleiben und mache heute mal eine kleine Wanderung – der Fluß und der Redwood-Wald gleich hinter dem Haus sind zu verlockend! Brombeeren en masse, die ich unterwegs immer wieder finde, werden sofort vernascht! An einem Strauch hängen Beeren wie appetitliche Himbeeren aussehen, aber die Blätter sind eher wie von einer Zimmerlinde – also lasse ich lieber die Finger davon! Es gibt jede Menge von verschiedenen Farnen – einen ganz zierlichen finde ich besonders schön. Ich sehe zahlreiche verschiedene Vögel und auch ein paar ‚A- und B-hörnchen’ 🙂! Und immer wieder gibt es Ausblicke auf den tief unter mir plätschernden Fluß! Wie schön das ist, hier im kühlen Schatten einfach so dahin zu schlendern. Es begegnet mir kein Mensch, nur hin und wieder fährt ein Auto vorbei. Das ist der einzige Wermutstropfen – der Weg ist nicht asphaltiert und total trocken, entsprechend eingestaubt werde ich dann stets! Also gehe ich langsam wieder zurück ins Haus, wo mich die Hunde schon schwanzwedelnd begrüßen! Ich bleibe aber nicht lange, sondern fahre mit dem Auto ein Stück weiter den Berg hinauf! Was für eine traumhafte Straße – und alles voll mit Hinweisen auf Wanderwege! Der Nordwesten ist wirklich ein Traum für alle, die outdoor-Sportarten lieben! Aber sogar für mich – ich genieße die kurzen Wanderungen ab und an und ansonsten freue ich mich an den vielen grandiosen Aus- und Anblicken hier überall!

Der restliche Nachmittag gehört dann wieder einmal ein wenig meinem Blog. Als ich später nach oben komme, sind die Beiden schon daheim und zusätzlich ist noch ein befreundetes Ehepaar zu Besuch. Don ist gerade bei der Vorbereitung für eine Pizza. Sie freuen sich, dass ich ihr Angebot angenommen habe, ratzfatz steht ein Gin Tonic vor mir („jeder Mensch braucht als Einstimmug auf einen schönen Abend einen guten Gin Tonic“) und schon läuft wieder eine rege Unterhaltung! Dabei erfahre ich so ganz nebenbei, dass die letzten Wochen immer wieder Schwarzbären den Gartenzaun einreißen wollten – na bravo, das hätte mir gerade noch gefehlt, dass mir heute bei meiner Wanderung welche begegnet wären! Die roten Beeren sind zwar nicht giftig, würde aber nach nichts schmecken – gut, daß ich sie verschmäht habe :-)!
Die beiden anderen Gäste haben früher hier in der Gemeinde gewohnt, leben aber jetzt schon seit einigen Jahren in San Francisco. Sie haben aber noch ein Ferienhaus hier in der Nähe, wo sie einen Teil des Sommers verbringen – morgen aber müssen sie wieder zurück, die Arbeit ruft! Auch ich mache deutlich, dass ich zu gern länger bleiben würde, aber das beim besten Willen nicht geht. Als die Gäste gehen, gehen auch wir andern bald ins Bett – ich werde morgen früh rechtzeitig aufstehen, damit ich mich noch persönlich von diesen beiden lieben Menschen verabschieden kann!

Ich schreibe noch schnell etwas in das in ‚meinem’ Wohnzimmer ausliegende Gästebuch und bin dann auch bald eingeschlafen!

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