Kurzes Vergnügen in Washington State

WASHINGTON STATE, nicht zu verwechseln mit der Hauptstadt der USA – Washington D.C., ist der letzte US-Bundesstaat im Nordwesten vor der kanadischen Grenze, 42.Staat der US-Staaten-Föderation seit 1889. Seine Hauptstadt ist nicht Seattle, wie viel meinen, sondern das südwestlich davon gelegene Olympia! Der gesamte Staat hat 6,4 Mio. EW, von denen aber schon mehr als die Hälfte allein in der Metropol-Region rund um Seattle wohnen! Washington liegt von der Fläche des Landes wie auch der Bevölkerungszahl her im vorderen Drittel der 50 amerikanischen Bundesstaaten. Lt. einer Umfrage im Jahr 2001 fühlen sich 25% aller Einwohner keiner religiösen Gruppe zugehörig – die höchste Zahl in den sonst so reichlich mit Kirchen aller Art gesegneten USA. Wirtschaftlich sind hier am Bedeutendsten die Luftfahrt-Industrie (Boeing + Evergreen) und Software-Unternehmen (Microsoft!!) neben Holz- und Papierindustrie, Landwirtschaft, Maschinenbau und Chemische Industrie – die Arbeitslosenrate ist jedoch landesweit hoch! Der derzeitige ‚Governor‘ ist eine Gouverneurin: Chris Gregoire, Mitglied der Demokraten, geboren und aufgewachsen hier in ihrem Bundesstaat! Sie hat gerade ihre zweite Amtsperiode, zu der sie 2008 mit großer Mehrheit wieder gewählt wurde.

Mittwoch, 10.August 2011

Leider muß ich dieses schöne Haus hier in Portland heute schon wieder und diesmal endgültig verlassen! Mein Flieger nach Alaska geht schon am Samstag und ein wenig will ich ja auch von Washington und vor allem Seattle noch sehen!

Nach einer herzlichen Verabschiedung durch Sue, bei der sie mir noch erzählt hat, dass um die Ecke ein großes Outlet von Columbia Sportswear ist, mache ich mich auf den Weg. Natürlich mache ich erst den Schlenker zum Outlet! Ich will schauen, ob ich dort eine etwas dickere Wanderhose bekommen kann – ich weiß ja nicht, was mich in Alaska temperaturmäßig erwarten wird!

Ja, ich bin fündig geworden – eine Superhose für 29$ (statt Normalpreis 178$)! Und das Beste, in Oregon gibt es keine Steuern (bzw. nur auf Übernachtung und Essen), es ist also – ungewöhnlich hier in den USA – schon der Endpreis! Bei so viel Einsparung kann ich nicht widerstehen und kaufe noch zwei Fleece-Jacken für Anna :-)! Für Kinder gäbe es auch noch dicke Anoraks, sehr hübsche Regenjacken und dicke Hosen zu äußerst günstigen Preisen – aber das würde leider mein Gepäck-Volumen total sprengen! Ich habe ja noch einen Flug mit Continental vor mir – innerhalb der USA kostet das erste Gepäckstück dort 25$ Gebühren, jedes weitere dann jedoch 35$! Da müsste ich dann fast die Ersparnis hier für den Transport ausgeben 😦

In der nicht weit entfernten ‚Central Bakery’, die mir Sue empfohlen hat, hole ich mir noch einen Kaffee und zwei richtig schöne frische Semmeln für die Fahrt! Es ist wirklich erstaunlich, welche Verwandlung in den letzten 15 Jahren diesbezüglich hier in den USA, zumindest an der Westküste, stattgefunden hat! Habe ich die ersten Jahre zu Barbara noch original ‚Pfisterbrot’ geschmuggelt, damit immer wieder mal ‚richtiges Brot’ dort im Haus war, gibt es inzwischen sogar schon in den meisten Supermärkten ein Regal mit ‚european bread’. Und je weiter ich hier nach Norden gekommen bin, desto mehr kleine Bäckereien gibt es hier – manchmal gehören sie zu einer Kette, meist sind es jedoch wirklich ‚independent bakeries’, die so gut wie immer ein kleines Frühstücks- und Lunchangebot in einem angegliederten Café haben! Teilweise haben sie auch Kuchen zum Niederknien – den allerdings zu gesalzenen Preisen! Die Kunden sind aber offenbar auch hier mehr und mehr bereit, für gute Qualität auch mehr zu bezahlen!

Ich will noch auf den großen Friedhof fahren, den ich bei der Herfahrt gesehen habe. Er liegt total schön in einem riesigen Parkgelände über ein paar Hügel verstreut. Es ist zwar hier nicht üblich, dass man einen Friedhof als Naherholungsgebiet benutzt, wie z.B. in München den alten Nordfriedhof, aber Bänke stehen überall, so dass man das Gelände für Spaziergänge oder dgl. schon nutzen kann!

Nach dem Besuch hier heißt es endgültig „Good Bye Portland“ und auch Oregon!

Über einige der großen Brücken hier geht meine Fahrt auf dem Freeway # 5. Diesen Highway habe ich mit Unterbrechungen schon seit dem tiefen Süden Kaliforniens immer wieder mal benutzt. Ist ein gutes System hier mit der Straßennummerierung: Alle Straßen von Nord nach Süd (oder umgekehrt) haben ungerade, alle von Ost nach West (oder umgekehrt) gerade Nummern. Bei den Highways sind Nummern über 101 Nebenstraßen, bei den ‚Interstate Highways’ (die etwa unseren Autobahnen entsprechen) haben die dreistelligen Nummern eine andere Bedeutung. Eine 2 als erste Zahl zeigt, in welche Straßen-Richtung ein Interstate-Highway führt – also z.B. mündet die Interstate 271 in den Highway 71. Eine 4 als erste Zahl weist darauf hin, dass es sich hier um eine Art Umgehungs-/Entlastungsstraße handelt – also z.B. die I 405 führt in nord-östlicher(westlicher) Richtung von oder zur I 5.

Ein letzter Blick auf die Stadt und schon habe ich freies Land erreicht. Es ist gar nicht weit bis zu meinem ersten Ziel heute – dem Mt. St. Helens! Ein aktiver Vulkan, der 1980 das letzte Mal ausgebrochen ist – aber damals richtig. Er ist sozusagen ‚explodiert’, etwa 400m seiner damaligen 2950m Höhe lösten sich dabei in eine Rauch- und Aschewolke auf, die das Leben auf der ganzen Welt beeinträchtigte! Nicht nur hier im Umkreis von fast 200 km war noch Wochen danach alles mit einer mehrere Zentimeter dicken Ascheschicht bedeckt, bis in Europa und Asien fielen Aschepartikel zu Boden (und trübte das Sonnenlicht). Ich kann mich noch gut an die tagelangen Berichte in Radio und Fernsehen darüber erinnern, aber hatte natürlich keine richtige Vorstellung, wo sich dieser Berg befand. Heute also will ich zu ihm fahren – und hoffe, dass er sich ruhig verhalten wird :-)!
Eine lang gezogene Straße führt mich durch endlose Wälder von Douglasfichten. Sie alle wurden nach dem Vulkanausbruch neu angebaut und der Wald sieht entsprechend gesund aus – ein Baum wie der andere! In der kurzen Zeit hatte weder ein Borkenkäfer noch andere Schädlinge Zeit, sich hier gütlich zu tun, wahrscheinlich sind die sowieso durch die Asche erst mal grundlegend vernichtet worden! Auch schwere Stürme gab es in den letzen 20 Jahren hier nicht – es ist, als ob die Natur ein Einsehen nach der großen Katastrophe gehabt hätte.
Wobei – der größte Einzelschaden hat ‚Weyerhaeuser’ getroffen, eine ‚Holzfabrik’. Denen gehörte nämlich so gut wie alles an Wald im weiten Umkreis und die haben den Schaden damals ja über ihre Versicherung bezahlt bekommen. Andererseits ist es offenbar hauptsächlich dieser Firma zu verdanken, dass die Aufräumarbeiten in Windeseile in Gang kamen!

Durch den Wald ringsum kann ich den Berg gar nicht sehen, aber dann – um eine letzte Kurve steht er in aller Pracht vor mir! Er sieht wirklich gewaltig aus – wie mag er erst gewirkt haben, als er noch um etwa 400m höher war?

Auch hier gibt es inzwischen wieder viel Bäume, aber nicht so in Reih und Glied wie auf dem Weg bisher. In 1982 hat die amerikanische Regierung das unmittelbare Vulkangelände und einen Teil des angrenzenden Umfeldes als Nationalpark ausgerufen. Dort waren weitere Aufräumarbeiten und Baumpflanzungen verboten – die Natur sollte sich selbst regenerieren. Und wie man sieht, hat sie das auch prima hinbekommen :-)!



Auf halber Höhe ungefähr gibt es einen Parkplatz mit einer tollen Sicht direkt auf den Vulkan und auch das breite Flussbett, das sich an seinem Fuß entlang zieht! Eine grandiose Aussicht und richtig ein bisschen ‚outstanding’! Ein tolles Gefühl, hier zu sein!

Kurz vor Ende der Straße mache ich Mittagspause auf einem schönen Picknickplatz mitten im Wald! Was für ein schöner Tag – auch viele andere Leute, die hier unterwegs sind, denken offenbar so! Sie nutzen scheinbar schnell noch das letzte Wochenende vor Ferienende für einen Ausflug zum berühmtesten aller Vulkane bzw. Berge hier!

Beim Zurückfahren muß ich ganz oft anhalten, um all die herrlichen Blumen zu fotografieren, die es auch hier überall gibt, und die tollen Ausblicke weit über die Berge zu genießen!
Vor allem wachsen hier wieder die kleinen Lupinen, aber manchmal sind die Hänge übersät mit Fingerhut und dazwischen jede Menge anderer Blüten in gelb, rot und weiß – es ist eine Pracht!

Zwischendurch passiere ich auch die eine oder andere hohe Brücke, die schmale, aber manchmal umso tiefere Creeks überspannen.



Langsam komme ich dem Tal wieder näher – hier gibt es überraschenderweise fast nur noch ausschließlich Zedern. Ob die besonders schnell wachsen?

Es ist später Nachmittag geworden und ich halte nach einem Ort zum Übernachten Ausschau. In Centralia, einem kleinen Städtchen direkt am Highway, werde ich schließlich fündig. Ich bekomme ein Motelzimmer für kleines Geld und habe ein weiteres Outlet gegenüber. Das besuche ich noch schnell vor dem Abendessen – es gibt dort einen ‚Helly-Hansen-Shop’! Vielleicht sollte ich mir eine ordentliche Regenjacke kaufen für Alaska? Es ist äußerst ungewohnt für mich, wieder in Kriterien wie ‚kalt und regnerisch’ zu denken! Das hatte ich jetzt für viele Monate so gut wie gar nicht! Es gab zwar (selten) mal Regen zwischendurch, aber da war es immer auch warm dazu. Aber ich muß mich langsam ja auch wieder an deutsche Verhältnisse gewöhnen :-(!
Wegen der Jacke werde ich jedoch nicht fündig – sie sind mir alle zu teuer und irgendwie vertraue ich darauf, dass meine bewährte dünne Wind-/Regenjacke weiter ihre Dienste tut. Kann ja eine dicke Jacke darunterziehen, wenn nötig! Auf der anderen Seite des Highways geht das Outlet-Gelände weiter und hier finde ich jetzt doch ein paar Ballerinas bei EasySpirit (meiner zweitliebsten Schuhkette in den USA :-)), die meine ‚feinen’ Sandalen für abends und dgl. ersetzen werden! Die Zeit der offenen Schuhe scheint mir endgültig vorbei zu sein!
Zufrieden mit meinem Einkauf wandere ich zurück ins Hotel. Dort gibt es die ‚leftovers’ von heute Mittag als kleines Abendessen und dann ruft mich auch schon mein Bett!

Donnerstag, 11.August 2011

Ehe ich das ‚Dorf‘ verlasse, suche ich mir noch eine Post. Ich muß ein paar Postkarten abschicken, aber noch wichtiger, das große Kuvert mit Info-Broschüren von Oregon. Das soll an Conny und Rainer gehen – der Nordwesten der USA wäre auch mal ein tolles Urlaubsziel für diese beiden Globetrotter!

Es ist schwierig hier, das ‚U.S. Post Office’ zu finden! Normalerweise direkt irgendwo an den Haupt-Durchgangsstraßen gelegen, ist es hier die Universität angegliedert! Schon überraschend genug, dass sie in diesem kleinen Ort einen Ableger der ‚University of Washington’ haben, aber dass dort das Postamt ist – darauf wäre ich nie gekommen. Aber ein paar Mal nachfragen bringt mich und meine Post dann auf den richtigen Weg!

So, jetzt aber auf die Autobahn Richtung Seattle! Heute gibt es keine besonderen Ziele am Wegesrand – ich muß nur um 15h das Auto am Flughafen zurückgeben! Also lasse ich es ganz ruhig angehen – was allein schon dadurch gegeben ist, dass die Straßen picke-packe-voll sind. ‚Urlauberrückreise-Verkehr’ offenbar auch hier. Teilweise komme ich nur im Schritttempo voran. Kurz vor Tacoma verlasse ich deshalb die Autobahn und fahre Richtung Auburn. Dort soll es ein Outlet Center geben (nein, nein – nicht schon wieder was kaufen!), in dem auch ‚Naturelizer‘ einen Shop hat. Die Schuhe, die ich mir in Troutdale gekauft hatte, waren eine halbe Nummer kleiner, als ich eigentlich brauche und ich fürchte, dass mir die ein bisschen zu knapp sind, wenn ich dickere Socken brauche. Also werde ich schauen, ob es hier in dem Laden die Gleichen gibt und gegen eine andere Größe eintauschen.
Tatsächlich finde ich den Laden, der gewünschte Umtausch ist auch kein Problem und – welch Glückes Geschick – sie haben auch das gleiche Modell! Das ging ja mal schnell – darauf als ‚Belohnung’ einen Kaffee!

Auch der weitere Weg ist in dichtem Verkehr und ich komme gerade noch rechtzeitig am Seattle Airport an, um mein Auto ohne Zusatzgebühren abgeben zu können! Große Überraschung – mir wird gar keine extra ‚Drop-off-Gebühr’ in Rechnung gestellt – 300$ gespart. Dafür muß ich eine Tankfüllung bezahlen (die lt. FTI schon im Mietpreis enthalten war) – da halte ich mich jedoch schön still, das sind schließlich nur 45$… Der jungen Frau, die die Abnahme macht, überlasse ich meine fast neue Kühlbox – sie freut sich diebisch darüber und ich kann sie ja jetzt nicht mehr brauchen!

Zu meinen nächsten CS-Gastgebern in Seattle werde ich einen der hier am Flughafen angebotenen Shuttle-Services nutzen. Die fahren einen bis vors Haus und dort würde ich am Sonntag auch wieder abgeholt werden! Ich habe zwar eine genaue Beschreibung, wie ich zum anvisierten Ziel mit öffentlichem Nachverkehr kommen kann – das jedoch wäre mit 4x Umsteigen und zwischendurch immer noch ein paar Blocks laufen verbunden. Das werde ich mir heute mit meinem Gepäck erst mal sparen.
Das erfordert jedoch eine grundlegende ‚Re-Organisation’ meines Gepäcks! Es ist ja immer einfach, alles in den Kofferraum eines Autos zu packen – aber ohne Auto ist der Transport von diversen Plastiktüten neben dem normalen Gepäck schon etwas beschwerlich!
Ich suche mir also vor dem Haltepunkt des Shuttle-Services erst einmal eine Bank, wo ich meine ganzen Herrlichkeiten ausbreite und neu einpacken werde! Schlussendlich habe ich aber alles wieder in der bewährten Kombination ‚Kleiner Koffer, kleiner Rucksack und Reise-Handtasche’ verstaut und kann in den Shuttlebus einsteigen!

Trotz genauer Adress-Angabe finde ich mich nach dem Absetzen durch den Busfahrer vor einem ganz anderen Haus wieder. Aber ein kurzer Orientierungs-Rundblick (und Steven hatte mir schon geschrieben vom ‚brick house at the corner’) weiß ich aber, wo ich hin muß!
Am Gartentor werde ich freundlich begrüßt von ‚Inky’, dem Familienhund, ein schwarzer Neufundländer mit den grünsten Augen, die man sich nur vorstellen kann! Wie zwei Riesen-Smaragde leuchten die mir entgegen! Und dann kommt auch schon Linda die Gartentreppe herunter und heißt mich fröhlich willkommen! Nach einem (heiß ersehnten!) Begrüßungs-Kaffee werde ich von ihr ins Basement begleitet, wo ich meine ‚Lagerstatt’ vorfinde. Die beiden hatten schon bei einer anderen Anfrage von CS zwei Leuten zugesagt und so wurde ich auf einer Matratze im ‚Arbeitszimmer’ von Steven einquartiert! Ich teile das Zimmer mit 10 verschiedenen Gitarren – so was hatte ich auch noch nie :-)! Aber die Matratze ist gemütlich, ich habe ein eigenes Bad gleich nebenan – ich fühle mich sofort ‚sauwohl’!
Für heute Abend bin ich von den Beiden zum Essen ‚zum Thai’ eingeladen! Ein kleines Lokal in Zentrum von Ballard, in das meine Gastgeber gern gehen. Das Essen ist vorzüglich und die ‚Tom Ka Gai’ schmeckt wie selbst gemacht :-), aber auch alles andere, das wir bestellen, ist einfach köstlich! Natürlich schaffen wir gar nicht alles und schon werden, ordentlich in kleine Plastikschälchen verpackt, unsere ‚left overs’ zum Mitnehmen auf den Tisch gestellt.
Anschließend machen wir noch einen kleinen Rundgang durchs ‚Städtchen’.

Der Stadtteil hier hat, wie so viele in Seattle, ein absolutes Eigenleben. Er gilt ein wenig als ‚Künstlerkolonie’, die Bewohner sind auch entsprechend gemischt und es gibt viele Galerien, Kunstgewerbe- und auch Naturkostläden. Auch die Zahl der Bäckereien, meist mit angeschlossenem Café (mit sehr leckerem Kaffee), ist bemerkenswert – kein Wunder, dass hier ‚Starbucks’ erfunden wurde! Und es gibt ein paar Sehenswürdigkeiten hier im Zentrum, die sind noch mehr als bemerkenswert – z.B. ein Denkmal von Wladimir Iljitsch Lenin in voller Lebensgröße! Der große Kommunistenführer- hier mitten im Land der Erzkapitalisten? Die Bronze-Statue hat ein Ballard-Bewohner irgendwo auf einem osteuropäischen Hinterhof gefunden und war von der bildhauerischen und gießereitechnischen Arbeit so beeindruckt, dass er sie gekauft hat und in seine Heimatstadt transportieren ließ. Und nun steht der Lenin hier, unbehelligt und ist inzwischen fast ein Wahrzeichen vom Stadtteil geworden!

Eine andere Skulptur ist die einer wartenden Menschengruppe an einer imaginären Bushaltestelle. Einige der Gruppenmitglieder werden oft der Jahreszeit oder einem Anlaß angemessen bekleidet! So verändert sich die Skulptur im Lauf der Zeit immer wieder – was dem Künstler hoch willkommen ist!

Daheim gibt es noch einen leckeren Saft zur Nacht und ich sinke, ziemlich schlapp und müde, auf meine bequeme Matratze – mal sehen, was die nächsten Tage in Seattle mir bringen werden!

Freitag, 12.August 2011

Heute war ich schon sehr früh wach, aber im Haus herrscht noch tiefe Stille. Also warte ich, bis so gegen 7.30h erste Schritte und Geräusche aus dem Bad über mir zu hören sind! Als ich nach oben komme, ist das Frühstück schon fertig und wir sitzen draußen im Garten! Was für ein schöner Platz – unter einer Pergola sitzt man ausgesprochen gemütlich und kann den Sonnenschein ‚leicht gedimmt’ genießen und gegen die ‚frischen’ Temperaturen hilft meine gebrauchte Fleece-Jacke ausgezeichnet!
Während des Frühstücks überlegen meine Gastgeber mit mir zusammen, wie ich am besten mein Sightseeing-Programm einteile. Ich will ja gar nicht soooviel machen – je länger ich unterwegs bin, desto mehr genieße ich die immer andere Umgebung für sich und muß gar nicht mehr ‚alles’ gesehen haben, was eine Stadt oder Gegend zu bieten haben!
Ein Bummel über den ‚Pike Place Market’ gehört aber schon zu einem Seattle-Besuch! Das wird aber eine ganze Zeit in Anspruch nehmen – es ist immer ziemlich voll dort! Verbinden kann ich das gut mit einer Fährenfahrt nach Bainbridge Island – ein gemütliches Vergnügen und ein guter Ausblick auf die Skyline von Seattle eingeschlossen!
Der Bus in die Stadt ist nur zwei Blocks entfernt und kostet auch nur 75 Cent! In Seattle sind die Busse im Zentrum von 9-6h kostenlos, ich muß also nur den kleinen Betrag bis zum Rand des Zentrums bezahlen und dann auch nur den ‚Senior’-Tarif :-)!
Gesagt, getan – ich packe also meinen Fotoapparat und Ersatz-Batterien ein und mache mich auf den Weg! Es dauert eine ganze Weile, bis ich im Zentrum angekommen bin, aber die Fahrt ist abwechslungsreich und führt durch einige total unterschiedliche ‚neighborhoods’ der Stadt. Es geht auch an der ‚Space Needle’, dem modernen Wahrzeichen Seattles vorbei. Aber das werde ich mir erst auf dem Nachhauseweg genauer anschauen!
Der Weg vom Bus zum Pike Place ist leicht zu finden – immer nur den Menschenströmen hinterher! Obwohl es ziemlich zugeht, macht es trotzdem Spaß, so ziellos herum zu schlendern. Abgesehen von den vielen Ständen mit unterschiedlichen Angeboten, haben sich auch viele Musiker und Musikgruppen und andere Kleinkünstler eingefunden!




Überall kann man stehen bleiben und eine Weile zuschauen! Besonders interessant fand ich einen ‚Hütchenspieler’, der aber hier seine Fingerfertigkeit nur zur Belustigung der Zuschauer zur Schau stellt – hier gibt es keine Wetteinsätze, sondern er läßt im Anschluss nur seinen Zylinder herum gehen!

Besonders auffällig ist das riesige Angebot der vielen Blumenläden hier – und die wundervollen bunten Sträuße sind ausgesprochen billig! Auch farbenfrohe Gewürzkränze und –zöpfe werden angeboten, die allerdings nicht ganz so billig!
Bei den Fischhändlern schaue ich eine Weile den berühmten ‚fliegenden Fischen’ zu – eine besondere ‚Volksbelustigung’! Die angefragten Fische werden vom Zentrum des Standes über die breite Theke dem jeweiligen Verkäufer zugeworfen, der sie dann dem potentiellen Käufer zur Begutachtung vorlegt. Zwischendurch machen sich die Verkäufer einen Spaß daraus, auch jemand der Umstehenden als ‚Wurfpartner’ auszusuchen und deren Geschicklichkeit zu testen.

Hier an den Ständen gibt es aber auch alles andere aus dem Meer – auch die langen Beine der Riesenkrabben aus Alaska! Gut, dass die in großen Tiefen leben – so einem Ungetüm möchte ich ja nicht unbedingt mal begegnen! Aber das Fleisch schmeckt halt schon ziemlich gut! Die riesigen Krebse, Scampis und Jakobsmuscheln sehen äußerst appetitlich aus – und sind, gegenüber unserem Viktualienmarkt, spottbillig!


Mein weiterer Weg führt mich auch zur ‚Geburtsstätte’ von Starbucks – es gibt innerhalb dieses Cafés auch eine Art ‚Gedenkstein’ dafür. Aber es ist so voll, eine Riesenschlange wartet schon auf Einlaß, dass ich mich damit begnüge, nur die Hausnummer mit dem berühmten Emblem zu fotografieren! Obwohl die ganze Stadt voll ist von Cafés jeder Couleur, hat Starbucks es als einziger geschafft, auch international bekannt zu werden – ganz offenbar das bessere Marketing! Viele Amerikaner und auch ‚Seattleans’ bevorzugen allerdings andere Marken, Starbucks gilt für sie als ‚schlechter Kaffee’ (die Erfolgskurve neigt sich auch gerade stark nach unten…).

Auf dem Weg Richtung Fährhafen passiere ich dann noch ‚Uli’s Bierstube’, eine Lokal, wo ich „original“ Nürnberger Bratwürste oder Münchner Weißwürste essen könnte! So „original“, dass letztere mit Bratkartoffeln angeboten werden… Da verzichte ich doch leichten Herzens!

Der Weg hinunter zur Anlegestelle der Fähre führt durch die ‚Rubber Road’ (eigentlich Post Alley), die ihren Namen von den tausenden von Kaugummis hat, die dort an einen Teil der Fassaden der alten Häuser geklebt wurden! Kaugummis in allen Farben und Formen bilden hier inzwischen, dicht an dicht geklebt, ein riesiges ‚Mosaik’! Auf einer anderen Wand sind richtige kleine Botschaften untergebracht und ein junger Mann kaut gerade an einem neuen ‚Teilstück’ herum! Was einst als großes Ärgernis begann, ist heute eine große Touristen-Attraktion!

Auf der Hafenstraße ist auch allerhand los! Es sind eine Reihe von Souvenirläden, Cafés und Fast-Food-Läden dort angesiedelt und es ist inzwischen Mittagszeit! Ich gehe aber direkt zur Fähre und habe Glück – die nächste fährt in ein paar Minuten los! Hier kostet die Fähre zwar etwas, aber das ist ein billiges Vergnügen – und es ist darüber hinaus strahlendes Sommerwetter! Vom oberen Deck habe ich eine tolle Rundumsicht auf Hafen, Skyline, die beiden Football-Stadien und alles, was sich dazwischen befindet!



Die Fahrt dauert etwa 20 Minuten bis zum Anlegen auf der anderen Seite der Bucht! Als erstes dürfen die Fahrradfahrer (es gibt richtig viele hier in Seattle) die Fähre verlassen, dann die Motorradfahrer, dann die Autos! Die Fußgänger haben einen Extra-Ausgang und auch ich muß die Fähre verlassen (obwohl ich einen Rückfahrschein habe) und kann sie erst nach einer großen Runde durch das Fährgebäude wieder neu betreten!

Auf der Rückfahrt kann ich wieder einen Blick auf einen der hohen Berge hier werfen – auch weit entfernt und nur eine weiße ‚Haube’ erkennbar! Dieses ist der Mt.Rainier, etwa 90 km landeinwärts und mit ungefähr 4.400m der höchste Berg im Bundesstaat Washington!

Im Wasser schwimmen auch immer wieder ziemlich große ‚weiße Hauben’ vorbei – riesige Quallen sind hier unterwegs! Ist nur zu hoffen, dass die nicht zu gefährlich sind, denn es gibt auch unzählige Kanuten und Segler, die das Wasser bevölkern!
Überall ragen ringsum große Ladekräne in den Himmel – Seattle ist ein großer Pazifik-Hafen und Knotenpunkt für Schiffsladungen vor allem aus Korea und China für die USA.
Auch der Blick auf die beiden großen Stadien ist vom Wasser aus perfekt! Zum einen das Safeco Field’ des Baseball-Teams ‚Mariners’ und zum anderen das ‚Century Link Field’ der Seahawks-Footballer – die beiden Vereine haben ihre ‚Heimstätten’ unmittelbar nebeneinander! Beide mit aus- und einfahrbaren Dächern, so dass auch bei Regen (der hier relativ häufig sein soll) alle Zuschauer trocken sitzen!

Nach Verlassen der Fähre hole ich mir erst mal einen Kaffee – dieser nachmittägliche Becher ‚Latte’ ist so richtig Tradition geworden während meiner Reise, speziell jetzt hier auf dem nord-amerikanischen Kontinent! Vor dem Café in der Sonne sitzend, lasse ich ihn mir schmecken, während ich die Leute und das Geschehen um mich herum beobachte.
Zurück geht es zum Pikes Place, vorbei an einer der zahlreichen kleinen privaten Brauereien hier im Nordwesten. Bei dem der Pike Brewing Company angeschlossenen Pub sehe ich im Schaufenster plötzlich eine ‚alte Bekannte’ – eine BMW 600, die hier zum ‚Maskottchen’ geworden ist! Wunderbar in Schuss und mit extra Schautafel, damit man auch weiß, mit was man es hier zu tun hat :-)!


Auf dem Markt haben die meisten Stände inzwischen bereits geschlossen (17h ist offizielles Marktende). Ich nehme von einem der Blumenstände noch einen der letzten großen Blumensträuße für Linda mit (bekomme deshalb einen erklecklichen Discount!) und schlendere dann langsam zwei Blocks weiter bis zur Bushaltestelle. Dort habe ich Glück – mein Bus fährt gerade vor und ich bin ½ Stunde später wieder daheim!

Inzwischen sind die beiden anderen Gäste angekommen – Mutter und Tochter aus Fairbanks/Alaska! Wir bereiten alle zusammen das Abendessen zu und sitzen dann noch lange im Garten! Es gibt einfach soviel zu erzählen!

Samstag, 13.August 2011

Heute jährt sich der Mauerbau in Berlin zum 50. Mal! Ich muß daran denken, als ich zum Frühstück wieder in den Garten gerufen werde! Auch 1961 saß ich in einem Garten, damals gerade auf Ferien in Karlsruhe, als die Nachricht im Radio verbreitet wurde! Eine lange Zeit ist seit damals vergangen und „die Mauer“ inzwischen schon seit fast 20 Jahren wieder Geschichte, Gott sei Dank!

Heute wollen meine Gastgeber mich mitnehmen auf den ‚Farmer’s Market’ einen Straßenmarkt hier im Viertel! Sie machen dort ihren Wocheneinkauf. Die beiden anderen Gäste sind schon längst weg – sie wollen Freunden bei der Vorbereitung eines Art-Festivals helfen, dass ab heute Nachmittag bis morgen stattfinden soll!
Auf dem Markt gibt es richtig viele Stände – die meisten davon von ‚organic’ betriebenen Höfen! Es gibt von Obst und Gemüse über Eier, Butter und diversen selbstgebrauten Getränken bis zu Honig, Seife und sogar selbst gewebten Stoffen wirklich alles zu kaufen, was man sich so vorstellen kann!
Das Angebot an Obst und Gemüse allerdings ist erschlagend – ein Stand sieht schöner aus als der andere. Von dieser Vielfalt beeindruckt, beschließe ich, heute Abend ein Gemüsegericht für uns alle zu kochen! Meine Gastgeber sind begeistert von der Idee und ich kaufe alle möglichen Gemüsesorten (sogar Kohlrabi gibt es hier!), Eier und an einem der Stände ein überaus leckeres Ciabatta-Brot dafür ein. Meine Gastgeber haben ihre Körbe auch voll mit Obst und Gemüse, verschiedenen Broten und Cereals, Milch und Tofu! Auf dem Rückweg fahren wir erst noch bei einem sehr schönen kleinen Café vorbei, wo wir uns im Hinterhof einen Kaffee und ein leckeres kleines Kuchenstückchen als Dessert schmecken lassen!
Linda geht danach noch auf einen Sprung eine Kollegin besuchen, die sich kürzlich das Fußgelenk gebrochen hat und will ihr ein wenig Obst bringen. Steven und ich fahren inzwischen zu einem Weinladen – ich will für heute Abend noch einen Wein besorgen. Wie sich dann herausstellt, trinkt Steven keinen Wein Alkohol! Das fände ich ja blöd, wenn wir zwei Frauen Alkohol trinken würden und er sitzt auf dem Trockenen. In dem Weinladen (mit einer sehr guten Auswahl!) haben sie jedoch auch einen Traubensaft (allerdings den teuersten, den ich je in meinem Leben gekauft habe!), der wie Wein schmecken soll, aber kein Fünkchen Alkohol enthält. Davon nehme ich eine Flasche (zum Preis einer Flasche Wein!) mit – das muß zum Abendessen reichen!
Kaum zuhause angekommen, fahre ich mit dem Bus weiter in die Stadt – ich möchte mir am Nachmittag unbedingt noch das SAM anschauen (Seattle Art Museum). Ich habe schon soviel darüber gelesen – sie sollen auch eine islamische und afrikanische Abteilung haben neben einer großen ständigen Ausstellung über ‚Kunst und Kultur der Natives’.
Vor dem Museum angekommen, empfängt mich wieder mal ein ‚alter Bekannter’ – der ‚Hammer-Mann’, der vor der Messe in Frankfurt steht! Nein, nicht derselbe, aber eine 1:2-Abbildung davon!

Der Gang durchs Museum ist teilweise hoch erfreulich – die afrikanische Abteilung und die für moderne Kunst ist wirklich sehr sehenswert. Teilweise bin ich jedoch auch enttäuscht! Die ‚Islamische Abteilung’ besteht aus ein paar wenigen Fliesen mit Koran-Versen und einem Teil einer Gebetsnische aus Samarkand. Alles andere in der Abteilung sind Exponate aus Ägypten und die alle aus der Pharaonenzeit – also lange vor jeder Art von Islam!

Dafür erkunde ich umso intensiver die Ausstellungsstücke aus Afrika, vorwiegend West-Afrika! Sehr schön dargeboten die Masken und typischen Bekleidungsstücke in Form ganzen Gruppen, die zu besondern Gelegenheiten aufmarschieren! Wirklich richtig gut gemacht und eine Menge Erklärungen dazu!



Es gibt neben dem Raum mit der Kunst der Natives

auch einen mit einigen wenigen der typischen Bilder von australischen Aboriginies – „tausende von Farbpunkten ergeben ein Bild“! Wunderschön!

Es gibt im Moment auch gerade eine Sonderausstellung ‚Junge Künstler aus Deutschland“ – ebenfalls sehenswert und äußerst ansprechend!

In der Abteilung für moderne Kunst fallen zwei Exponate besonders auf! Beide überdimensioniert und vielleicht gerade deswegen auch besonders beeindruckend! Das erste ist ein Zwischending zwischen einer Art mittelalterlicher Krönungsmantel und Kettenhemd – das bei näherem Hinsehen jedoch nur aus Hundemarken der US-Armee zusammen gesetzt ist!


Das andere Kunstwerkt hängt an der Decke im Erdgeschoß: ‚Stage One’ von einem chinesischen Künstler! Fünf original Personenwagen, aus denen überall ‚Funken’ (in Form von Glasfiberstäben mit unterschiedlicher ‚Laufender’ Beleuchtung!) stieben! Versuch einer Darstellung von’Terrorangst’ – Ein äußerst bemerkenswertes Ausstellungsstück!

Bald aber muß ich weiter – auf dem Heimweg möchte ich mir ja die Space Needle noch anschauen. Aber da habe ich so richtig Pech – die ist am Samstag Nachmittag und Abend aus unerfindlichen Gründen geschlossen! Nur bei Reservierung für das Drehrestaurant darf man abends zumindest hinauf fahren – so ein Pech! Aber ich will ja schließlich noch kochen! Auf dem Weg zum Bus stelle ich mich schnell bei einer italienischen Eisdiele an und hole mir eine Waffel voll der Köstlichkeit für die Heimfahrt!
Das Essen kochen geht schnell – Linda hilft mir beim Schälen und Schnippeln! Dazu gibt es Rührei ‚wie in Lindenau’ (also im Backofen gestockt) und das frische Brot mit Olivenöl und Knoblauch.
Es schmeckt allen hervorragend (obwohl das Ei nicht so richtig fluffig geworden ist) und der Abend klingt wieder im Garten aus.
Auch Janice hat sich zum Essen zu uns gesellt, ihre Tochter ist noch mit Freunden unterwegs. Ich soll sie unbedingt in Fairbanks besuchen kommen, wenn ich in Alaska bin – aber 600 km einfache Distanz zu Anchorage sind wohl bloß für die ‚Alaskians’ ein Klacks :-)! Da mein Flieger morgen erst mittags geht, können wir den Abend so richtig ausgiebig genießen!

3 Antworten zu Kurzes Vergnügen in Washington State

  1. Sohn #1 schreibt:

    Aaaah, Seattle… 🙂
    da sind wir auch ‚demnächst‘ wieder… so in knapp 6 Monaten… *gg*

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