Archäologisches ‚Wunderland‘ im Norden

Montag, 23.Mai 2011

Heute geht es also zu den letzten Ruinen, die ich mir hier in Südamerika anschauen will – alle aus der Vor-Inka-Zeit und überwiegend der Moche-Kultur zugerechnet! Sie befinden sich rund um Chiclayo, Lambayeque und Tucumé im Norden von Peru! Ursprünglich wollte ich auch noch nach Cajamarca, nach Chan Chan und Huan Chaco – aber die liegen zu weit von Lima wie auch von Chiclayo entfernt und damit für meine nur noch begrenzte Zeit hier in Peru ‚zu weit vom Schuss’!

Chiclayo ist ziemlich genau 450 Jahre alt trägt den Beinamen ‚Ciudad de la Amistad’ (Stadt der Freundschaft). Schon seit dieser Zeit ist es der landwirtschaftliche Mittelpunkt der Region – obwohl es eigentlich eine trockene Gegend ist! Durch intensive Bewässerung mit Wasser aus den Anden (es gibt einen großen Staudamm im Randbezirk des Gebirges) wird hier sogar seit Jahrhunderten in großem Stil Mais und Baumwolle und selbst Reis angebaut! Die Stadt ist Standort unzähliger Mühlen, in denen Mais und Reis gereinigt und weiter verarbeitet wird! Seit Mitte des 19.Jh. entwickelte sich Chiclayo und seine Umgebung zusätzlich zum Zentrum des Zuckerrohr-Anbaus und der Zuckerproduktion! Auch gibt es drei große Molkereien, die hauptsächlich die Milch aus der kühleren und sehr fruchtbaren Region um Cajamarca verarbeiten – überall in Peru werden Butter und Joghurt aus Chiclayo angeboten!

In der Nähe von Chiclayo wurden im November 2007 bei Ausgrabungen die ältesten Wandmalereien Amerikas entdeckt – etwa 4000 Jahre alt! Die Umgebung der Hauptstadt der Region Lambayeque ist eine archäologische Fundstätte, die gerade erst am Anfang ihrer Entwicklung steht – hier ist noch einiges an spektakulären Entdeckungen zu erwarten!

Am Flughafen in Lima erfahre ich, dass die Abfertigung meines Fluges schon beendet ist! Wie bitte, ich bin doch 1 ½ Stunden früher dran? Ja, aber der Abflug wurde vorverlegt und jetzt hebt der Flieger schon in 20 Minuten ab! Das ist ja wohl das Allerletzte – ich habe den Flug ja erst vor ein paar Tagen gebucht (musste extra E-Mail und Telefonnummer bei der Buchung angeben, bin trotzdem nicht informiert worden)! Ich gehe zu der Supervisorin und frage da noch mal nach, ob es nicht noch eine Möglichkeit gibt, daß ich mit dem Flug noch mitkomme (der nächste Flug geht erst wieder morgen). Sie hat wohl ein bisschen ein schlechtes Gewissen und fertigt mich jetzt doch noch schnell ab (ich muß ja meinen kleinen Rucksack nicht unbedingt einchecken!) und gibt mir einen jungen Mann an die Seite, der mich zum Flieger bringen soll! Bei der Sicherheitskontrolle werde ich zu dem Durchgang geschickt, wo die kürzeste Schlange steht! Das war ein Fehler!! Das ist nämlich der Durchgang für die internationalen Gäste! Hier bekomme ich erst mal mein Wasser abgenommen und meine Nagelschere aus der Toilettentasche (beides ist bei Inlandsflügen normalerweise überhaupt kein Problem!). Gott sei Dank finden sie jedoch mein Taschenmesser nicht – sonst hätte ich da wieder mal eins eingebüßt! Es wird jedoch mein Akku-Etui ganz genau untersucht! Ich beteuere immer wieder (und zeige ihnen auch mehrfach mein Ticket!), dass ich nur einen Inlandsflug habe und dass der in wenigen Minuten starten wird – aber ungerührt machen sie in ihrem ‚Dienst nach Vorschrift’ weiter! Erst als der Vorgesetzte dazu kommt (von meinem ‚Begleiter’ inzwischen alarmiert!) und ihnen lautstark klar macht, dass sie hier ein ziemliches Theater veranstalten, hören sie damit auf und bitten kleinlaut um Entschuldigung! Ich flutsche gerade noch so in den Flieger, ehe die Tür geschlossen wird…
Bei der Ankunft am Abend in Chiclayo werde vom Airport Transfer des Hotels auch sofort in Empfang genommen – bin gespannt, was in dem gebuchten Hotel „Embajador“ (‚Botschafter’) auf mich zukommen wird, zumindest scheinen die MitarbeiterInnen dort sehr zuverlässig zu sein! Die Stadt selbst macht den erwarteten Eindruck einer (noch) völlig untouristischen Stadt – hier sind deren Bewohner und die überwiegend bäuerliche Bevölkerung aus der Umgebung noch ganz unter sich, die Häuser sehr einfach und die Überreste alter Kolonialbauten eher bescheiden bzw. gar keine vorhanden! Der Fahrer setzt mich vor dem Hotel ab – ein moderner Lichtblick in einer kleinen Straße mit ziemlich herunter gekommenen Häusern voller Werkstätten der unterschiedlichsten Art und kleiner Geschäfte! Das Gebäude hier scheint relativ neu zu sein, der Mitarbeiter an der Rezeption ist sehr kompetent und er spricht sogar Englisch! Ich bekomme einen Pisco Sour als Willkommensdrink und werde behandelt wie ein VIP :-)! Nachdem ich mit den wichtigsten Dingen vertraut gemacht worden bin (über Frühstück, Restaurant, Stadt) wird mir das Gepäck in mein Zimmer in der 1.Etage getragen! Ein hübscher Raum, pieksauber mit einem modernen Bad – alles in lindgrün und orange gehalten! Das Fenster geht zu einem Lichtschacht – die Belüftung funktioniert so optimal und der Straßenlärm ist damit weitestgehend abgeschottet. Es gibt herrliche bestickte Damastbettwäsche – sogar gemangelt, was für ein Luxus!

Ich richte mich ein wenig häuslich ein und rufe dann kurz in der Agentur an, die ich gestern noch wegen eines Ausflugs zu den archäologischen Stätten kontaktiert hatte. Sie haben mir ein gutes Angebot für einen Tagestrip gemacht, das ich gerne annehme! Hinterher gehe ich hinunter ins Restaurant wegen Abendessen! Da ich noch der einzige Gast bin, wird mir angeboten, dass ich das Essen auch aufs Zimmer bekommen könnte – natürlich akzeptiere ich das! Es gibt eine sehr leckere Reissuppe und ein Rinder-/Gemüse-Geschnetzeltes mit Reis und Salat! Schmeckt alles ganz vorzüglich (und ist mir auch gut bekommen)!
Morgen früh werde ich um 8.30 h abgeholt – ich bin sehr gespannt, was der Ausflug zum „Herrn von Sipan“ so bringen wird!

Dienstag, 24. Mai 2011

Es gibt ein leckeres Frühstück (sogar mit frisch gepresstem Saft, wahlweise Ananas, Orange, Papaya oder ‚lemonada’ aus Limonensaft): Rühreier mit Schinken, Toast, Butter und zwei verschiedene Marmeladen, Tee auf speziellen Wunsch. Eigentlich wird hier normalerweise Kaffee getrunken – dafür steht auf jedem Tisch ein kleines Glaskännchen mit starkem flüssigen Kaffee-Extrakt und dazu eine Thermoskanne mit heißem Wasser! Ich werde von der Chefin selbst bedient, die mich eins ums andere Mal fragt, ob ich sonst noch etwas möchte!
Der Abholer der Agentur verspätet sich ein wenig – so habe ich Gelegenheit, die junge Frau kennen zu lernen, die den Vormittagsdienst an der Rezeption hat. Sie spricht so gut wie kein Englisch, aber unsere Unterhaltung klappt trotzdem so einigermaßen!

Im Kleinbus der Agentur sitzen noch 8 andere Gäste – Brasilien, USA, Argentinien und Deutschland sind hier beieinander. Unser Guide Orlando wechselt also ständig von Englisch zu Spanisch und umgekehrt und gibt uns viele gute Informationen schon auf dem Weg zur ersten Ausgrabungsstätte heute.

Der „Herr von Sipan“ war ein Fürst aus dem Volk der Moche, die vom 2. bis 8.Jh. nach Christus im nördlichen Peru siedelten. Man geht davon aus, dass diese Kultur, die zur gleichen Zeit bestand, wie die der Nazca im Süden von Peru, durch Klimaveränderungen ausgelöscht worden ist – auch damals macht ‚El Nino’ den Menschen immer wieder zu schaffen! Große Überschwemmungen oder jahrelang anhaltende Dürren waren wohl schlussendlich verantwortlich für das Aussterben dieses Volkes.
Vielleicht aber auch – so die neuesten Theorien – gab es irgendwann einfach zu viel ‚Adel’ und zu wenig ‚Bauern’, auch dadurch könnten Hungersnöte o.ä. ausgelöst worden sein!
Oder es gab irgendwann einfach zu wenig junge Leute, da vielleicht „notwendige“ Menschenopfer durch Verlierer in Zweikämpfen gestellt wurden. Da die Mochicas keine Schrift kannten, sind alle Erkenntnisse darüber nur Vermutungen, die Archäologen an Hand der reichlichen Fundstücke in den Pyramiden, vor allem den Grabbeigaben, bisher dort angestellt haben.

Es geht aus der Stadt hinaus und eine Weile an ausgedehnten Zucerrohr-Pflanzungen und einfachsten Behausungen vorbei, bis wir am ersten Ausgrabungsort Huaca Rajada ankommen, wo erst 1987 das Grab des Herrn von Sipan entdeckt wurde.

Die Entdeckungsgeschichte hört sich spannend wie ein Krimi an: Anfang der 80er Jahre im letzten Jh. tauchten überall auf der Welt immer wieder äußerst kostbare Schmuckstücke und auch uralte Töpferwaren auf – sogar bei Sotheby’s in New York wurden immer wieder entsprechend kostbare Stücke angeboten. Der FBI wurde darauf aufmerksam und konnte die Spur bis nach Peru verfolgen. Die peruanische Polizei fand schnell heraus, aus welcher Gegend diese Fundstücke kommen könnten und beauftragte die Polizei von Chiclayo, dem nachzugehen. Es gab dort wohl inzwischen einen florierenden Handel mit Fundstücken aus Grabungen! Einem der Erfolgreichsten dabei wurde das Ganze wohl zu heiß, als er mitbekam, dass die Polizei in der Gegend aktiv wurde und lieferte alle Kostbarkeiten, die er noch gehortet hatte, schnell in der nächsten Polizeidienststelle ab, um keinen Ärger zu bekommen! Die hinzu gezogenen internationalen Koryphäen der Archäologie waren mehr als baff – woher konnten solche Mengen wohl stammen? Es wurde mit kontrollierten Grabungen unter Leitung des damaligen Direktors des nahe gelegenen ‚Brüning Museums’ begonnen (die jedoch über Jahre unter strengem Polizeischutz stattfinden mussten, weil immer wieder versucht wurde, Fundstücke zu entwenden)! 1987 wurden diese Grabungen dann zum ersten Mal richtig belohnt – man fand in einer der verfallenen Pyramiden ringsum die noch unbeschädigten Gräber einer ganzen Herrscher-Dynastie! Allem voran das Grab des ‚Herrn von Sipan’ – einem der Fürsten dieses Volkes! Er war hier in einer Pyramide in einem etwa fünf Meter tiefen Grab beigesetzt worden! Mit ihm zusammen auch 3 Frauen (man nimmt an, es waren die Ehefrau, eine Konkubine und eine Dienerin), ein Junge von etwa 10-12 Jahren, ein Diener, ein Grabwächter (dem waren die Füße abgetrennt worden, damit er auch immer an Ort und Stelle bleibt!), dazu noch ein Hund und ein Lama!
Da die Mochicas wohl an einen Übergang von einem Leben ins nächste glaubten, waren das die notwendigen Begleiter für diesen Schritt! Dazu gab es tausende von äußerst kunstvollen Keramikgefäßen, die teilweise noch unbeschädigt und mit Samen, Kernen und Früchten gefüllt waren, damit es im nächsten Leben auch etwas zu essen gab! Die ‚Begleiter’ des Toten waren vermutlich mit einer hohen Dosis einer halluzinogenen Droge vergiftet worden – man fand zumindest keinerlei Verletzungen an den Überresten! Der Fürst war in einem Holzsarg, seine Begleiter in Binsenkörben beigesetzt worden, der Wächter war in Hockstellung in einer Nische oberhalb der unmittelbaren Grabkammer untergebracht.
Die Toten waren kostbar bekleidet. So trug der Fürst mehrere Schmuckstücke übereinander, darunter mehrere große gewebte Kragen aus Muschelschalen, Korallen und Türkisen, Armbänder, riesige Ohrringe aus massivem Gold mit Türkisen, das Gesicht war bedeckt mit einer goldenen Maske, in der Nase war ein großer goldener ‚Nasenring‘, auf dem Kopf trug er einen großartigen goldenen Kopfschmuck, in der Hand hielt er einen Stab und ein Szepter, ebenfalls aus Gold mit Edelsteinen!


In dieser Pyramide wurden noch weitere Gräber gefunden – so auch das Grab des ‚Alten Herrn von Sipan’, vermutlich ein direkter Vorfahre des erstgenannten, und die Gräber eines Hohepriesters und eines Feldherrn – und es wird noch weiter gegraben!
Das alles kann man sehr gut erfassen, da das ursprüngliche Grab originalgetreu mit Kopien der Toten wie auch einer Reihe von Grabbeigaben „besetzt“ wurde – man kann also richtiggehend ins Grab hinein schauen! Nebenan gibt es ein neues kleines Museum zu den Ausgrabungen hier – sehr liebevoll gestaltet und mit tollen Artefakten!



Die kostbarsten Fundstücke und die Original-Überreste der Toten sind in einem extra dafür gebauten Museum in der Stadt untergebracht, wohin wir aber erst heute Nachmittag fahren werden! Jetzt geht es erst nach Lambayeque, wo wir in einem Restaurant zum Mittagessen bei Original-Speisen aus der Region erwartet werden.

überraschenderweise ist das ein sehr gepflegtes Lokal in einer eher ungepflegten Umgebung! Ein großer Tisch ist schon gedeckt und es gibt Lamm, Zicklein oder Fisch (das Meer ist hier nur knapp 20 km entfernt!) mit einer Art ‚risibisi’ (allerdings verschiedene Bohnenkerne und Reis gemischt mit verschiedenen Gewürzen)! Dazu Chicha, das Maisbier – das ist bei den ziemlich hohen Temperaturen hier sehr erfrischend! Ich hatte Ziege – war äußerst lecker!

Jetzt also weiter ins Tal von Túcume, wo die größte Pyramide der Welt auf uns wartet: 700 m lang, mit Vorbauten 350 m breit und heute immer noch 35 m hoch! Das muß ein, wenn nicht gar DAS Zentrum der Lambayeque-Kultur gewesen sein! Als wir dort ankommen, ist es erst einmal ernüchternd – diese Pyramide und auch die anderen ringsum sehen eher wie unscheinbare Sandhügel aus!


Die luftgetrockneten Lehmziegel sind unter dem Einfluss von Wind und Wetter in den letzten 1000 Jahren (oberflächlich) zu eher nichts sagenden Hügeln geworden :-(! Erst als wir auf einen der ‚Hügel’ hinauf gestiegen sind (wieder äußerst hohe Treppen!), bekommen wir von oben einen Eindruck der früheren Gestalt! Und wenn man genauer hinschaut, sieht man plötzlich, dass der Sand eindeutig Ziegelstrukturen aufweist!

Insgesamt sind in diesem Tal bis jetzt 26 Pyramiden ausgemacht worden, man rechnet insgesamt mit den Überresten von mehr als 200(!!!) weiteren, die noch überall im dichten Trockenurwald ringsum versteckt sind. Einen großen Anteil an den Ausgrabungen hatte übrigens Thor Heyerdahl (ja, der mit dem Kontiki-Binsenboot!) – er wollte beweisen, dass diese frühen Kulturen mit solchen Booten über den Pazifik gekommen waren!
Aus den bisher entdeckten und teilweise auch schon untersuchten bzw. geöffneten Pyramiden sind aus unzähligen Grabstätten bereits mehrere Tonnen Gold-, Silber-, Kupfer- und Keramik-Grabbeigaben gefördert worden! Da sind noch gar nicht eingerechnet alle die Schätze, die vermutlich seit hunderten von Jahren schon durch Grabräuber erbeutet worden sind. Auch die vielen, vielen Exponate im ‚Museo Larco’ in Lima stammen ja hier aus der Gegend!

Dieses Gebiet soll mittelfristig der größte archäologische Touristen-Magnet Perus werden – noch vor dem derzeitigen ‚Glanzstück’ Machu Picchu! Das bisher hier Gefundene kann einen davon auch sofort überzeugen! Es gibt bereits zwei sehr gute große Museen zum Thema hier – das ältere ‚Museo Bruening’ (das dem Deutschen Heinrich Bruening gewidmet ist, der überhaupt als erster in den Hügeln Pyramiden erkannte und hier die ersten Grabungen durchführte) und das ganz neue ‚Museo Tumbas Reales de Sipán’, das in Form einer Pyramide gebaut ist und nun die Nachbildungen des Fürstengrabes, des Priestergrabes und des Feldhernn-Grabes enthält, allerdings hier mit den Original-Inhalten! Dazu auf 3 Etagen Vitrinen mit Gold, Silber, Edelsteinen, Schmuckstücken, Kupfer- und Bronzeartikeln und Keramiken! Sehr beeindruckend und wirklich schön und informativ gemacht!

Der ‚Herr von Sipán’ ist übrigens nach seiner Auffindung erst einmal für mehrere Jahre nach Deutschland ‚gereist’ – er wurde im Germanischen Nationalmuseum in Mainz erst einmal restauriert! Ob er sich so sein „anderes Leben“ vorgestellt hatte?


Nach soviel Anschauen geht es jetzt zurück nach Chiclayo – und ich bin sehr froh darüber! Jede Menge Treppen, die Hitze, die vielen Informationen – ich bin einfach todmüde jetzt! Im Hotel gibt es noch einen großen Teller voller Nudeln für mich – eine Art ‚Spaghetti Carbonara’, aber mit Käsewürfeln statt mit Schinken! Lecker und gerade richtig, um danach gleich tief und fest einzuschlafen!

Mittwoch, 25.Mai 2011

Wunderbar geschlafen, aber sehr früh wach geworden! Wie schon gestern sind einige der anderen Gäste schon lange vor mir auf und denken sich wohl, ‚wenn ich, warum dann nicht die anderen’ – sie reden lautstark im Flur von Zimmer zu Zimmer, knallen die Türen und sind auch sonst so geräuschvoll, wie es nur immer geht! Aber ich muß ja sowieso aufstehen und geschlafen habe ich auch genug – was soll’s also!
Heute bin ich bei einer Tour dabei, die eine andere Pyramidenstätte besuchen wird, und zwar nahe dem benachbarten Städtchen Ferrenafe, tief im Trocken-Dschungel vorborgen und aus der Sicán-Zeit – das war das Zeitalter vom Verschwinden der Mochica bis zum Auftauchen der Inkas hier!
Der ‚Trockendschungel’ ist ein ausgedehntes Areal von überwiegend Johannisbrotbäumen – die haben extrem tief reichende Wurzeln und können so auch in diesem trockenen Umfeld existieren! Denn bewässert werden natürlich nur die Felder und nicht brachliegende Urwälder! Das Johannisbrot wird jedoch teilweise geerntet und zu Mehl vermahlen ist es eine Bereicherung für die einfache Küche der Landbewohner!

Bevor wir zu der Ausgrabungsstätte kommen, besuchen wir noch einmal ein Museum – das ‚Museo Nacional Sicán’ mitten in Ferrenafe! Hier wird sehr schön deutlich gemacht, wie sich die unterschiedlichen Kulturen in dieser Region abgewechselt haben – man bekommt ein Gefühl dafür, dass Süd-Amerika nicht erst mit dem Eindringen der Spanier angefangen hat, zu existieren!



Die Inkas erscheinen hier plötzlich in einem anderen Licht! Sie hatten zwar das größte Reich von allen aufgebaut, aber mehrere Jahrhunderte vorher gab es schon Kulturen, die auch hier in ihrer Zeit schon Handwerks- oder Bewässerungstechniken beherrschten, wie sie normalerweise erst den Inkas zugeschrieben wurden! Vor allem in der Metallbearbeitung waren sie große Meister (sie beherrschten damals schon die Technik von Legierungen aus unterschiedlichen Metallen!) und die Keramiken waren so kunstvoll hergestellt und verarbeitet, dass man sich heute nur wundern kann, wie das damals schon möglich war! Es wurden offenbar auch schon Modeln zur Herstellung großer Mengen der gleichen Formen benutzt – eine Vorstufe zur industriellen Herstellung am Fließband… Auch herrschten die Inkas gerade mal rund 300 Jahre – die Kulturen davor deutlich länger!


Zur Einfahrt in die Grabungsstätte müssen wir an den ländlichen Stadtrand von Ferrenafe fahren – hier laufen überall Ziegen und Kühe auf den Straßen herum und es gibt keine Souvenirshops weit und breit! Sehr viele Touristen scheinen sich hierher noch nicht zu verlaufen!
Wir müssen uns in einem Kontrollhäuschen alle mit Passnummer und Heimat-Adresse in ein Buch eintragen, einen kleinen Eintritt bezahlen und dann geht es auf einem Feldweg durch den Urwald! Bei einem uralten Johannisbrotbaum machen wir kurz Pause, um diesen ‚Methusalem’ (er ist etwa 400 Jahre alt) etwas genauer in Augenschein nehmen zu können! Unter der Last der Jahre hat er sich zwar schon ordentlich zu Boden gekrümmt – aber er ist ansonsten gesund und trägt überall frische grüne Blätter und auch Früchte!

Weiter geht es auf dem schmalen Weg, bis wir dann unter einem schattigen Baum einen Stand mit Erfrischungen sehen können – wir sind angekommen und die einzigen Gäste. Unser weiblicher guide führt uns nun durchs Gelände, wo wir den Archäologen und ihren Helfern sozusagen über die Schulter schauen können! Es sind überall deutlich die alten Mauern zu erkennen und auch viele Grabkammern – das waren jedoch bisher alles Gräber von einfachen Leuten mit relativ wenigen Grabbeigaben. Aber man arbeitet ja erst am äußeren unteren Rand der Pyramide – man vermutet Gräber von hochgestellten Familien erst inmitten der Pyramide!

Langsam wandern wir durchs Gelände – unter den umgebenden Bäumen ist es relativ schattig und nicht gar so heiß! Es ist bewundernswert, wie die Arbeiter es hier so aushalten – sie haben zwar meist Schattendächer über ihren Arbeitsplätzen, aber darunter geht überhaupt kein Lüftchen!

Auf dem Plateau der Pyramide angekommen haben wir einen traumhaften Blick über alle die ‚Hügel’, die eigentlich noch weitere Pyramiden sind! Was für eine Sysyphus-Arbeit – und wie kann dass ein so armes Land wie Peru überhaupt bezahlen? Es gibt zwar eine Reihe von Sponsoren, aber das sind ja unendliche Summen, die für das Freilegen weiterer Gräber notwendig wären und vor allem für die Konservierung danach! Mal sehen, was ich darüber in Zukunft noch alles lesen und hören werde!

Ein Problem ist auch das nach wie vor anhaltende Grabräubertum! Es gilt bei der Bevölkerung nach wie vor als Kavaliersdelikt. Es stehen zwar hohe Strafen darauf, aber die Polizei ist oft in das einträgliche Geschäft mit verwickelt! Es gibt auch immer wieder vereinzelt Archäologen, die sich besonders schöne Stücke mal so einstecken und im Diplomatengepäck sollen Jahr für Jahr unzählige Figuren und Schmuckstücke das Land verlassen! Auch die vielen Fundstücke im ‚Museo Larco’ in Lima stammen ja letztendlich auch von Grabräubern – aber zumindest sind sie weiter der Öffentlichkeit zugänglich!

Aber kann man es der armen Landbevölkerung verdenken, wenn sie mit den Hinterlassenschaften ‚ihrer Vorfahren’ ihr Leben ein wenig verbessern wollen, wenn es ja eine Nachfrage dafür gibt? Eigentlich wäre es ja Sache der Käufer, auf solche Angebote nicht einzugehen! Ich habe sehr zwiespältige Gefühle bei dem Ganzen!

Für mich ist die ‚Besichtigung’ hier zu Ende – ich werde mit einem Taxi zurück zum Hotel gefahren!
Der Rest der Gruppe fährt weiter nach Cajamarca, aber bleibt dann dort zwei Tage. Zurück im Hotel gibt es eine große Schüssel Salat für mich – mit allem, was so in einen guten Salat gehört! Die Köchin hier ist wirklich Gold wert – es schmeckt fast wie zu Hause :-)!

Am späteren Nachmittag gehe ich auf den großen Markt hier um die Ecke! Es soll auch einen ‚mercado brujas’ dort geben, also einen Hexenmarkt – bin mal gespannt! Aber erst bekomme ich Instruktionen von dem jungen Mann an der Rezeption – eigentlich will er mich gar nicht alleine gehen lassen, weil es „sooo gefährlich“ wäre! Aber ich habe nur ein wenig Kleingeld in einer meiner Hosentaschen, in der anderen das Telefon und eine Visitenkarte, den Gurt der Camera wickle ich mir fest ums Handgelenk – so kann sie mir eigentlich nicht gestohlen werden und mache mich auf den Weg! Der Markt ist zwar voller Leben, aber ein wenig enttäuschend! Es gibt hier von fliegenden Obsthändlern bis zu Schuhgeschäften und Schreibwarenläden, von Schneidereien über Scherenschleifer und kleine Imbissstände alles, was die Bevölkerung hier so braucht! Aber weder irgendwelche „Zaubereien“ noch anderes Interessante ist dort zu finden! Als einziges kaufe ich mir eine neue Nagelschere – sogar ‚made in Germany’ und gar nicht teuer!



Nach knapp zwei Stunden komme ich wieder wohlbehalten im Hotel an – Francisco ist erleichtert! Ich frage ich jedoch, woher seine Angst kam, denn ich fühlte mich auf dem ganzen Weg überhaupt nicht gefährdet! Im Gegenteil, viele Leute sprachen mich an, wo ich herkomme, wie lange ich bleiben werde, ob ich schon die Ausgrabungsstätten besucht hätte und hin und wieder bekam ich eine Mandarine geschenkt oder andere Kleinigkeiten angeboten – ich fühlte mich jedenfalls total sicher dort!

Es ist wirklich erstaunlich, wie früh am Abend hier im Hotel Ruhe einkehrt – deswegen sind sie wahrscheinlich am nächsten Morgen schon beim Morgengrauen so aktiv…

Donnerstag, 26.Mai 2011

Heute will ich auch mal das Städtchen ein wenig anschauen – mal sehen, ob es da auch noch etwas Spezielles zu entdecken gibt! Der Hauptplatz ist ja nicht sooo weit von hier und der Tag lädt auch ein zum Spazierengehen – sonnig, aber mit einem leichten Lüftchen!

Die kleinen Straßen lassen sich hier natürlich gar nicht mit denen in Lima vergleichen – nicht mal mit denen in Cusco! Man merkt hier deutlich, dass die spanischen ‚conquestadores’ hier nicht vorbei gekommen sind bzw. sich nicht länger hier aufgehalten haben! Sie hatten ja auch keine Ahnung, was für Kostbarkeiten sich hier unter der Erde befinden :-)! Irgendwelche ‚Kolonialbauten’ fehlen so gut wie völlig, aber es gibt ein paar ganz hübsche Häuschen aus nicht ganz so alten Zeiten, an denen aber ganz schön der ‚Zahn der Zeit’ nagt! Auf dem Hauptplatz sieht das ein wenig anders aus – hier gibt es neben der Kathedrale und dem Rathaus (beide wunderschön renoviert) noch ein paar andere ehemalige ‚Prunkbauten’, die teilweise sehr gut aussehen, teilweise auch ein wenig herunter gekommen! Man merkt hier deutlich, dass durch die im letzten Jahrhundert aufstrebende Zuckerindustrie einige Leute wohl sehr reich geworden waren!




Auch an der Hauptstraße, die von diesem Platz abgeht, gibt es zahlreiche große Häuser, die jedoch heute gepflastert sind mit Reklametafeln! Sobald man sich wieder mehr in die Seitenstraßen begibt, wird es gleich wieder sehr bescheiden!

Ich bin jetzt auf der Suche nach einem speziellen Lokal, das in meinem Reiseführer sehr nett beschrieben ist – und tatsächlich, ich werde auch fündig! Hier wollte ich eigentlich heute Abend essen gehen, aber – manchmal soll es eben nicht sein – gerade heute Abend ist geschlossen :-(! Aber jetzt haben sie noch geöffnet und ich bekomme hier einen guten Cappuccino und einen wirklich perfekten ‚lemon pie’! Das ist ein wirklich netter Platz – abends und am Wochenende zum Frühstück gibt es zum Essen live Jazz (erinnert alles hier sehr an das ‚Yorck-Schlößchen’ in Berlin :-)). Die Speisekarte sieht auch speziell gut aus – aber, leider nicht für mich!

Langsam wandere ich durch die Seitenstraßen wieder zurück! Es gibt wirklich sehr viele freundliche Leute hier – man merkt, dass die Stadt derzeit überhaupt noch keine touristische Stadt ist! Auch das Straßenbild läßt nicht vermuten, dass hier um Umkreis so viel Sehenswertes zu finden ist! Für mich äußerst angenehm – die mehr als zahlreich vorhandenen Souvenirshops in all den Plätzen bisher in Peru sind mir schon manchmal ganz schön auf den Senkel gegangen! Dies hier ist einfach eine ‚Stadt auf dem Land’ und (noch) nicht mehr! Deswegen gibt es auch sonst weiter nichts Besonderes zu sehen und ich komme bald wieder im Hotel an! Es gibt noch eine längere Unterhaltung mit der Hotelbesitzerin – die mit Recht stolz ist auf ihr kleines Hotel! Es ist zwar etwas hellhörig, aber für hiesige Verhältnisse ausgesprochen hübsch, sauber und liebevoll geführt!

Zum Abendessen gibt es heute Fisch – wieder gewohnt ansprechend zubereitet! Hier habe ich das Gefühl, dass die nette Köchin wirklich für jeden Gast das Beste gibt! Schade, dass es hier so gar nichts weiter zu tun gibt – das Hotel wäre für ein paar Tage mehr gut gewesen!

Freitag, 27.5.2011

Mein Flieger geht erst am späten Nachmittag! Ich darf sogar bis 15h in meinem Zimmer bleiben und nutze das, um meine vielen Fotos von den letzten Tagen zu sichten und meinen Blog weiter zu schreiben! Auch für die Weiterreise nach Yucatan ist einiges zu organisieren – vor allem die Buchung einer Unterkunft! Ich finde für die ersten Tage ein Hostel in Cancun, das sich von der Beschreibung her toll anhört („das ehemalige Haus eines Künstlers, das liebevoll in eine sehr familiäres Hostel umgewandelt wurde, wo es sich die Besitzer nicht nehmen lassen, für die Gäste Frühstück und Abendessen zuzubereiten“).Dann will ich eine kleine Rundreise machen und die letzten Tage buche ich mich in ein 4*-Strand-Hotel ‚all inclusive‘ ein (booking.com ist halt eine wunderbare Internet-Adresse für super-günstige Hotelschnäppchen auf der ganzen Welt!

Der Abschied fällt ausgesprochen herzlich aus – die ganze Belegschaft steht an der Rezeption! Nach vielen Küsschen links und rechts und der mehrfachen Aufforderung, ich sollte unbedingt wieder einmal kommen, werde ich ins bereitstehende Taxi gesetzt und auf geht’s zum Flughafen!
Der Flug ist auch pünktlich und so werde ich noch vor dem Dunkelwerden in Lima ankommen!

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