Unterwegs zu den Goldgräbern!

21.10.2010
Ich habe dann doch wieder überraschend gut geschlafen! Konnte zwar gestern abend nicht gleich eingeschlafen mit meiner ‚kühlen’ Decke – aber nur, weil ich immer wieder hochschauen musste, wenn sich ein Road Train durch tiefes Brummen ankündigte! Die sind nachts über und über mit roten Lämpchen beleuchtet – das sah jedes Mal so aus, als wenn ‚Santa Claus Truck’ aus der Coca-Cola-Werbung vorbei fahren würde! Daß passte dann auch genau zu meinem gestrigen Weihnachtslied!
Ich wurde gegen 5h wach, weil ich leicht fröstelte – die Decke war zwar längst trocken, aber draußen hatte es abgekühlt. So konnte ich mich bei noch relativer Dunkelheit wieder anziehen und schlief dann noch mal für eine Stunde ein, bevor mich ein grandioser Sonnenaufgang dann endgültig weckte! Also schnell raus aus dem Auto und die Waschsachen aus dem Koffer geholt und zur Tankstelle wg. duschen – das kostete überraschenderweise jetzt nur 4$! Die Tankstelle hat zwar gerade erst aufgemacht, aber vor mir sind offenbar schon alle Trucker, die auf dem großen Parkplatz standen, unter der Dusche gewesen – der Parkplatz war leer und in den Duschen stand das Wasser…
Aber irgendwie ging es dann doch und total erfrischt ging es nach einem schnellen Frühstück vor dem Kofferraum schon weiter!
So früh war ich noch nie auf der Straße – ein wunderschönes Licht und eine herrlich frische Luft umgab mich! Wie mir an der Tankstelle erzählt wurde, hatte es in der Nacht kurz und heftig geregnet – das muß ich dann doch total verschlafen haben!
Irgendwo ‚in the middle of nowhere‘ sah ich plötzlich eine verlassene alte Zapfsäule stehen – hier war offenbar mal eine Tankstelle…
Die erste Zeit war die Gegend um mich herum weiter ein wenig wüstenartig. Auch Geier sah ich heute das erste Mal am ‚Road Kill’ fressen.

Bisher hatte ich die noch nie gesehen – ob das an der Wüste ringsum lag oder an der ungewöhnlichen Tageszeit? Haben Geier vielleicht feste Frühstückszeiten???
Aber ganz langsam nahm der Bewuchs wieder zu! Auch die kleinen ‚Kürbisse’, die im Oman oft in den trockenen Wadis wachsen, gibt es hier – und inzwischen auch wieder die eine oder andere blühende Pflanze. Es ist auch nicht mehr ganz so heiß, das Thermometer zeigt nur 27 Grad an. Aber es ist ja auch erst Vormittag!
Plötzlich gibt es wieder Abraumhalden – diesmal in vielen Farbschattierungen!

Ich bin offenbar wieder in einem Minengebiet. Beim Vorbeifahren sehe ich dann, dass es sich hier um Goldminen handelt! Schade, dass ich keine Möglichkeit habe, ein wenig ‚mitzuschürfen’ – das hätte meiner Reisekasse absolut gut getan! Aber es ist trotzdem beeindruckend, wenn man ganz nahe dran ist…

Kurz danach komme ich in Meekatharra an. Ich dachte, es ist wieder ein Roadhouse, aber es ist ein richtiges kleines Städtchen (mit Goldgräbervergangenheit) und es gibt sogar ein Telefonnetz! Aber für einen Anruf daheim ist es noch viel zu früh, aber für einen bei einer der ‚pastorals’ hier in der Gegend gerade die richtige Zeit. Früher meist Schafzüchter, heute haben sie mehr Rinder (wobei ich immer staune, wo diese vielen Tiere hier überhaupt genügend zu Fressen finden!) und manchmal können sie nur existieren, wenn sich die Männer für 2-3 Monate im Jahr in irgendeiner Mine gegen viel Geld verdingen! Diese ‚pastorals‘ oder ’stations‘ können riesig sein – die größten sind etwa so groß wie Hessen! Die jedoch, auf der ich mich für zwei Nächte einquartieren möchte, ist eine von den kleineren. Sie bieten an, in den früheren Quartieren der Schafscherer übernachten zu können – das hört sich schon ganz interessant an. Das pastoral liegt jedoch noch etwa 300 km südlich von hier. Bei meinem Anruf erfahre ich, dass genug Platz ist und ich willkommen bin! Ich bin sehr gespannt…
Meine nächste Station ist erstmal Cue, ebenfalls ein kleines altes Goldgräberstädtchen – hier sind auch noch viele der alten Gebäude erhalten. D.h., soooo alt sind die Gebäude ja nicht. Die ältesten aus den ersten Jahren des 20.Jh., aber die meisten erst aus den 50er/60er Jahren – was für hier aber schon ‚historisch’ bedeutet! Sie haben dort auch einen riesigen Friedhof, das müssen gefährliche Zeiten gewesen sein, damals! Vor allem an Typhus und Austrocknung bzw. Hitzschlag sind viele gestorben. Natürlich war aber auch die Säuglingssterblichkeit ziemlich hoch! Dieser Friedhof ist der dritte von Cue, die ersten beiden haben für die vielen Toten nicht lange ausgereicht! Die meisten der Gräber sind nur noch an der Nummer zu erkennen – es gibt keine Grabsteine o.ä. mehr. Einige wenige neuere Gräber gibt es jedoch noch, aber das werden wohl bald die letzten sein.


Die meisten der Einwohner ziehen von dort weg – dahin, wo sie mehr Möglichkeiten haben, Geld zu verdienen. An vielen der alten Häuser stehen Schilder ‚For Sale’! Die, die bleiben werden, sind die Aboriginies – die damit ihre alte Heimat dann vielleicht wieder für sich haben. Manchmal muß man nur warten können…
Auf der Weiterfahrt nach Mt. Magnet komme ich an den ‚Granites’ vorbei, einer plötzlichen Ansammlung großer Granitblöcke. Das ist altes Aboriginie-Gebiet mit zahlreichen Felszeichnungen und –malereien. Es sollte als Touristen-Ziel ausgebaut werden, aber das lohnt für die wenigen Touristen, die hierher kommen offenbar nicht – die Arbeiten wurden eingestellt.

Auch in Mt. Magnet das gleiche Bild wie in Cue – mehr als kleinstädtisch verschlafen. Aber es gibt wenigstens einen kleinen Supermarkt, wo ich meine Vorräte auffüllen kann. Die nächsten Tage muß ich mich ja selbst versorgen! Alles, was ich brauche, finde ich jedoch. Fleisch kaufe ich keins, das wird es auf einer Tier-Station ja wohl zu kaufen geben!
Jetzt habe ich nicht mehr weit! Die Wegbeschreibung von Andrew am Telefon war sehr präzise – vom Highway aus (deutlich gekennzeichnet)

sind es noch etwa 15 km auf einer Piste, dann stehe ich vor dem Haupthaus!
Ich komme gar nicht zum Ausssteigen, so schnell steht eine junge Frau vor mir, die mich auf Deutsch bzw. Schweizerdeutsch begrüßt! Sie arbeitet hier im Rahmen von ‚Work & Travel’ und fährt mir voraus in die ‚shearer quarters’!
Buuuh – das ist wirklich mehr als basic! Die ‚Zimmer’ sind jeweils ein kleiner Raum in einem Container mit zwei schmalen Betten und einem Stuhl! Aber jeder Raum hat zumindest ein Fenster mit dichtem Mücken- bzw. Fliegennetz davor! Die Küche und der Aufenthaltsraum erinnern mich stark an die Hütten bei uns in den Bergen. Total urig, aber es ist alles da, was man so braucht. Das ist noch ein original Wellblech-Gebäude aus ganz frühen Tagen, was man an dem alten Herd, dem Kamin und vor allem dem unebenen Boden gut erkennen kann!
Die Duschen sind ein kleines Extra-Gebäude, ebenfalls aus Wellblech mit einem Zementboden. Jeweils 4 Duschkabinen und 4 große Wasch’tröge’ sind darin untergebracht! Es gibt allerdings fließend heißes Wasser – das wird über einen Holzofen beheizt! Der wird nachmittags angeheizt und erhitzt einen ganzen Container mit Wasser, das dann bis zum nächsten Tage nachmittags auch heiß bzw. warm bleiben soll! Die Toilettenhäuschen sind noch mal extra – riesig groß mit einem WC und einem Waschbecken darin!


Heute bin ich der einzige Gast, aber morgen soll noch ein Paar kommen. Falls ich irgendetwas brauche, soll ich einfach hupen!
Meine Frage nach Schlangen oder dgl. wurden mit ‚ist wahrscheinlich noch zu früh’ abgetan. Es gäbe nur die großen Lizards, aber die würden ja nichts tun und giftige Spinnen hätte sie hier noch keine gesehen. Ich könnte das Hoflicht brennen lassen, falls ich nachts mal auf die Toilette müsste, aber die Tiere würden sowieso nicht so nahe ans Haus kommen…
Na ja – sicher vor den sonstigen Gefahren der Welt bin ich hier jedenfalls!
Das Kochen in der Küche macht so richtig Spaß – es ist genau wie auf einer Hütte! Durch den Qualm des ‚Wasserheizers’ riecht es sogar genau so! Meine Nudeln mit Gemüse schmecken köstlich, nur die Mücken werden langsam lästig! Also noch schnell ein wenig aufgeräumt und dann ab in die Dusche!
Das Wasser ist wirklich fast kochend heiß – ich wurde vorher allerdings gewarnt! Danach in mein Zimmer und schnell die Tür zu. Einen Vorteil hat es, wenn ein Raum so klein ist – man ist schnell durch mit ‚Mücken suchen’! Eine musste dran glauben, dann konnte ich ungestört an meinem Tagebuch schreiben und hatte auch für den Rest der Nacht meine Ruhe. Der Raum hat sich erstaunlicherweise schön abgekühlt, das lässt für guten Schlaf hoffen! Es ist zwar Vollmond, aber es bewölkt sich gerade wieder ziemlich dicht!

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