Große und kleine Kunst

4.12.2010
Heute nacht war es ziemlich heiß – es gibt hier im Haus keine Klimanlage. Ich wollte die Tür zu meinem Zimmer aber über Nacht nicht auflassen – die Spinnen…
Heute sind alle schon unterwegs, als ich aufstehe und mein Frühstück mache. Dann verschwinde ich aber auch gleich in die Stadt! Ich möchte heute am Samstag den ‚Central Market‘ besuchen und vielleicht ein Museum – es soll sehr heiß werden heute und da ist es wohl besser, irgendwo drinnen zu sein! Die Busfahrt ist wieder kostenlos – für australische Rentner zwischen 9 und 4h täglich und an den Wochenenden. Ich frage diesmal einfach gleich nach einer Gratisfahrkarte und bekomme sie auch ohne Ausweis vorzeigen zu müssen.
Ich bin total überrascht, aber in der Stadt ist es wie ausgestorben – an einem Samstagmorgen?!? Aber vielleicht ist es nur zu früh? Im Central Market geht es allerdings schon ziemlich zu. Ein wunderbarer Ort, ein wenig wie die Kleinmarkthalle in Frankfurt. Und es gibt hier alles, was der Europäerin Herz begehrt: Leckeren Käse aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich (gibt es sonst so gut wie nirgends!) und dazu das passende Brot! Schade, dass ich morgen schon weiter muß, also verkneife ich mir den Käse. Aber ich nehme 5 Walnußsemmeln mit – 3 für uns morgen zum Frühstück und 2 als Lunch für die Bahnfahrt. Die Obst- und Gemüseauslagen sind wirklich überaus appetitanregend aufgebaut und vor allem ist das hier deutlich billiger als in den Supermärkten.


Ich decke mich auch damit für morgen noch ein und lasse mir zum Abschluß meines ‚Marktbummels’ einen italienischen Kaffee und dazu russische Piroschki schmecken – ist schon eine ziemlich internationale Gesellschaft hier!
Mein Weg zum Hauptpostamt war nutzlos – die Post hat samstags und sonntags geschlossen! Auch viele Läden haben heute zu – in Europa für einen Samstagmorgen undenkbar! In den Straßen ist noch nicht soviel mehr los, irgendwie scheinen die Weihnachtseinkäufer hier wohl mehr unter der Woche unterwegs zu sein. Aber auch da schließen die Geschäfte (bis auf die großen Supermärkte) meist schon spätestens um 18h! Auch der Schuster, den ich gestern gesehen habe, hat heute geschlossen. Aber ich frage in einem Schuhgeschäft, ob sie wissen, wo es vielleicht noch einen gibt. Und tatsächlich – ich erfahre, dass in der ‚Adelaide Arcade’


sogar zwei Schnellreparaturen sind! Also schnell dorthin, ehe die vielleicht wieder schließen. Auch die Arcade – eine Ansammlung von verschiedensten kleinen Geschäften – ist so gut wie leer. Beim Schuster habe ich Glück – ich kann in einer Stunde meine Schuhe wieder abholen! Ich schaue mir derweil die Geschäfte dort an und esse in einem kleinen italienischen Restaurant (der Besitzer scheint noch ein ‚richtiger‘ Italiener zu sein!) einen kleinen Salat als Mittagessen und dann sind meine Schuhe auch schon fertig!


Auf meinem Weg durch die Fußgängerzone und Haupteinkaufsstraße von Adelaide ‚Rundle Mall’ treffe ich auf ein ‚living’ Krippenspiel: Die Heilige Familie in einer kleinen Hütte (‚Betlehem Inn’), eine dunkelhäutige Maria mit ebensolchem Kind, jede Menge kleine Engelchen und sage und schreibe ‚6 Heilige Könige’ – die Geschichte wurde offenbar umgeschrieben! Im Hintergrund spielte die Kapelle der Heilsarmee die passenden Weihnachtslieder ‚White Christmas’, ‚Let it snow, let it snow’, ‚Jingle Bells’ etc. und ein Kirchenchor daneben sang, meist auch passend zur Musik, die entsprechenden Texte dazu! Ein etwas seltsames Schauspiel für mich – vor allem, da es inzwischen bereits 37 Grad hat!





Diese Straße ist auch überall sehr weihnachtlich geschmückt, was sonst in der Stadt wirklich nur sehr bescheiden der Fall ist.

An einer Herde ‚freilaufender Schweine’ vorbei



führt mich mein Weg dann zur ‚Arts Gallery of South Australia’. Dort findet gerade eine Ausstellung von Aboriginal Kunst statt, aber sie haben auch eine große ständige Ausstellung australischer Künstler. Und welche Überraschung – heute ist um 3h eine Ausstellungseröffnung http://www.artgallery.sa.gov.au/agsa/home/Exhibitions/AES_F.html, daran kann ich mit meiner Eintrittskarte auch noch teilnehmen.

Die Bilder der Aboriginals sind sehr ‚flächendeckend’ – und mehr als beeindruckend. Ich bin froh, dass ich keine so großen Wände habe (um genau zu sein, ich habe ja derzeit überhaupt keine!), um solche Kunstwerke aufhängen zu können – gute Aboriginal Kunst ist nämlich sehr, sehr teuer! Selbst in den ‚Art Centers’ der Aboriginal Communities gibt es kaum Bilder (und die sind deutlich kleiner von den Abmessungen und meist lange nicht so beeindruckend wie das, was ich hier heute sehe) unter 1500$. Das Besondere ist daran, dass die Darstellungen immer aus Millionen von kleinen und kleinsten Punkten bestehen. Aus der Ferne kann man das oft gar nicht erkennen und es wirkt wie Striche oder Flächen! Alleine, dass diese zahllosen einzelnen Punkte bei den guten Bildern wirklich fast identisch zueinander sind und welche Zeit das erfordert hat, die alle aufzutragen, ist den Preis schon wert – aber für mich zu teuer und ich habe auch keine Möglichkeit, so etwas zu transportieren! Aber ich habe bei einem Preisausschreiben teilgenommen, wo man so ein großes Bild gewinnen kann – die schicken das dann hoffentlich zur Gewinnerin :-)!
Auch die Ausstellung australischer Künstler vom 18.-20.Jh. ist ziemlich beeindruckend. Erstaunlich, was in dieser Zeit – die doch in weiten Teilen nur von den ersten Siedlern bestimmt wurde – schon an Kunstwerken geschaffen wurde (und vor allem auch schon in Auftrag gegeben!).
Zu Anfang sind neben mir nur ein paar vereinzelte andere Besucher hier. Um kurz vor 3h füllt sich das Gebäude aber und ich bekomme sogar ein Glas Wein zur Vernissage! Es wird eine Video-Installation einer russischen Künstlergruppe vorgestellt! Nach einigen Reden und ein paar erklärenden Worten begibt sich die ganze Gesellschaft dann in einen der Ausstellungsräume, wo das Ganze jetzt ablaufen wird. Die ‚Aufführung’ wird 57 Min. dauern und es wird uns freigestellt, ob wir die ganze Zeit oder nur einen Teil davon anschauen möchten. Da ich einen bequemen Platz auf einer der wenigen Bänke ergattert habe (viele der Gäste stehen oder sitzen auf dem Fußboden), schaue ich mir das Ganze bis zum Schluß an. Sehr ‚strange’, aber trotzdem in weiten Teilen überaus amüsant – ein wirklich gelungener Nachmittag in einer fremden Stadt!

Anschließend mache ich noch einen kurzen Abstecher in die ‚Food Mall’ eines großen Kaufhauses, um mir ein Abendessen zu kaufen. Ich habe Glück und bekomme gerade noch etwas – die Geschäfte schließen samstags um 17h! Dabei wird mir bewusst, dass das ja vor gar nicht soooo langer Zeit auch in Deutschland noch so war – inzwischen völlig unglaublich für mich!
Im Bus nehme ich mir einfach frech eine von den grünen Gratisfahrkarten und überhöre geflissentlich das ‚Concession Card?’ des Busfahrers, stempel die Karte ab und setze mich – es kommt aber auch nichts nach :-)! Wenn schon für Touristen fast überall hier in Australien höhere Preise gelten, dann nutze ich die Gelegenheit, einmal eine Vergünstigung zu erhalten – schließlich bin ich ja Rentnerin (wenn auch keine australische, deren Renten aber deutlich höher sind als meine!).
Daheim wärme ich mir mein Falafel in der Microwave auf und esse schön gemütlich. Im Haus ist es überraschend kühl – es ist eben ein altes Ziegelhaus und offenbar gut isoliert! Als ich gerade die letzten Handgriffe mit meinem Gepäck erledige, kommen Ian und Rosalie von ihrem Samstagsausflug nach Hause. Wir sitzen noch bei einem Glas Wein eine Weile zusammen, ehe wir dann in unsere Zimmer gehen. Vorher verabschiede ich mich noch von Ian – er wird morgen früh gegen 6h zu einer längeren Fahrradtour starten und da schlafe ich dann doch noch!

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