Wiedersehen mit San Francisco und mit Basti!

Samstag, 23.Juli 2011

Heute heißt es Abschied nehmen von Barbara – sie bringt mich wieder zum Zug nach Oceanside, von wo ich nach San Francisco erst den ‚Pacific Surfliner‘ bis nach Los Angeles nehmen werde und dann den ‚Coast Starlight‘ wieder mal in ein San José, aber diesmal das amerikanische! Dort wird mich Basti abholen und zu seinem neuen Haus in der Bay Area bringen!

Dafür heißt es ausnahmsweise hier früh aufstehen – schon um 7h geht mein Zug und bei der Riesen-Straßenbaustelle zwischen Fallbrook und Oceanside weiß man ja nie… Wir haben uns also die Wecker auf 5h gestellt, damit wir noch in Ruhe unser Müsli essen können und fahren um 6h pünktlich los! Schon eine knappe halbe Stunde später sind wir dann allerdings am Bahnhof – jetzt heißt es also warten!

Trotzdem ich keine Sitzplatz-Reservierung habe, finde ich einen schönen Platz! Eine letzte Umarmung und ein kurzes Winken und schon schließen sich die Zugtüren! Die Strecke bis nach L.A. ist kurz

und wir kommen pünktlich in der ‚Union Station‘ an! Dort habe ich mehr als eine Stunde Aufenthalt, aber ich möchte für die restliche Fahrt auch meinen Koffer aufgeben und das dauert! Als ich endlich dran bin, höre ich vom Beamten ein ‚Hast Du nur Ziegelsteine in Deinem Koffer oder auch noch etwas anderes?‘ Ich weiß garnicht, was die immer haben – schon ganz oft wurde ich in ähnlicher Art gefragt :-)! Ich glaube, das Problem ist nur, daß der Koffer so klein ist und da rechnet wohl keiner mit richtig Gewicht – denn schließlich ist er stets unter den erlaubten 23 kg (auch bei Amtrak sind es 50 lb., also knapp 23kg!)! Aber mein treuer Wegbegleiter bekommt ein großes gelbes Schild angehängt „Heavy“, wohl als Warnung für die Kollegen am Zug bzw. bei der Gepäckausgabe in San José!
Ich decke mich danach noch mit ein wenig Proviant ein, ich habe schließlich 11 Stunden Fahrt vor mir – die gleiche Zeit, in der ich sonst von München nach L.A. fliege :-)!  Langsam gehe ich dann zurück zum Bahnsteig – heute fahre ich von Bahnsteig 9 ab! Dort stehen beide Züge traulich vereint und wir dürfen in den Coast Starlight schon einsteigen. Hier habe ich zwar einen reservierten Sitzplatz, aber da sitzt schon jemand mit derselben Sitznummer. Als ich den Schaffner auf dem Bahnsteig frage, wie das sein kann und was ich jetzt machen soll, rät er mir nur ganz lapidar „Such Dir einfach einen anderen“. Na bitte, bin ja gespannt, was die Leute sagen werden, auf deren Platz ich dann sitze!

Es dauert ein wenig, bis wir aus dem Großraum Los Angeles heraus sind, aber danach  wird es schnell schön anzuschauen! Ich habe zwar Lesestoff mit und könnte auch ein wenig an meinem Blog „arbeiten“, aber ich schaue doch lieber zumm Fenster hinaus! Bald erreichen wir nach Burbank aber auch schon Santa Barbara – auch hier ist es nett, die ganze Szenerie mal vom Zugfenster aus zu genießen :-)! 

Nach Santa Barbara fahren wir dann eine für Weile wieder direkt an der Küste entlang – wunderschöne Ausblicke!
Bald aber biegen wir ab ins Landesinnere und es wird sehr wüstenähnlich!

Nach San Luis Obispo windet sich der Zug steil in die Höhe, auch an einem großen Gefängnis vorbei und wir landen mehr oder weniger komplett in der Wüste! Eine Gegend, nur gelb und braun (von ganz seltenen grünen Farbtupfen durchsetzt). Manchmal sind ein paar riesige Felsen zu sehen – liegen einfach so in der Landschaft, wo die wohl herkommen? Manchmal sind auch riesige Einschnitte, wie Narben, in den Hängen zu erkennen – hier waren wohl irgendwelche Wasserkräfte am Werk!

Weiter auf der Hochebene entlang fangen auch hier allerdings bald künstlich bewässerte Felder an! Anfangs soweit man sehen kann, nur Erdbeerfelder – da wird gerade überall geerntet! Später kommt hier schon der erste Wein dazu und manchmal sind auch km-weite Artischocken-Felder zu sehen! Überall sind jetzt am späten Nachmittag die Sprinkler am Werk – aber es ist noch ganz schön heiß draußen! Ein Großteil des Wassers verdunstet wahrscheinlich, ehe es überhaupt den Boden berühren kann!

Immer, wenn keine Bewässerung stattfindet, ist sofort wieder Wüste zu sehen! In so einer Landschaft kann man gut sehen, wo der parallele Highway verläuft – nichts stört das Auge bei der Aussicht!
Bald dämmert es und das Ende meiner Reise ist nicht mehr weit. Jetzt sieht man vor dem Zugfenster eine ganze Weile Ölförderpumpen – „Kleinvieh macht auch Mist“ .
Pünktlich laufen wir in San Josè ein!
Basti ist schon da, aber ich muß noch auf mein Gepäck warten! Als ich nach etwa 15 Minuten mal nachfrage, wie lange es wohl noch dauern wird, werde ich ziemlich angepfiffen „Am Airport wartet Ihr doch auch, bis das Gepäck da ist!“ Oh mein Gott, was ist das denn für ein ungewohntes Verhalten von AmTrak-Mitarbeitern… Endlich kommt dann der Gepäck-Wagen angefahren! Aber erst wird uns allen befohlen, uns in einer Reihe aufzustellen, dann müssen wir warten, bis alle Gepäckstücke auch in einer Reihe vor uns aufgestellt sind und dann sollen wir einzeln vortreten und auf unsere Gepäckstücke zeigen, damit man sie uns aushändigen kann! Das ist mir dann doch zu albern – hier will offenbar ein früherer Armeeangehöriger, der sich jetzt als (schon ziemlich alter) ‚volounteer‘, also Freiwilliger, hier am Bahnhof betätigt, deutlich machen, was Diszplin und Ordnung bedeuten! Ich gehe einfach vor und zu meinem Koffer, sage, daß ich meinen Flug am San Francisco Airport erreichen müßte und wenn ich den versäumen würde, ihn für die Kosten haftbar machen! So bekomme ich meinen Koffer sofort – inzwischen ist mehr als eine halbe Stunde nach meiner Ankunft vergangen!

Basti freut sich, daß ich so wenig Gepäck habe – er hatte im Vorfeld schon Bedenken, ob er alles in seinem kleinen ‚Rennwagen‘ unterbringen könnte :-). Aber das ist natürlich überhaupt kein Problem und bald schon sausen wir mit offenem Dach – es ist ein wunderbar milder Sommerabend – über den Highway nach San Mateo!

Vor einem hübschen Häuschen, nur durch einen Deich und ein kleines Stück ‚Entwässerungswiese‘ von der Bay getrennt, halten wir dann an!

Das Haus hat zwei Stockwerke und das Gästezimmer ist, wie auch das Schlafzimmer, ein weiteres Zimmer und die beiden Bäder im oberen Stockwerk! Unten sind Wohn-/Esszimmer, große Küche, eine Toilette und ein Hausarbeitsraum. Der Garten sieht fast ein wenig wie in Los Gatos aus und Basti legt gleich nach unserer Ankunft das Fleisch auf den Grill :-)!

Mit viel Erzählen vergeht der restliche Abend – morgen will Basti mit mir eine kleine Rundfahrt in die San Josè Berge machen! Ich freue mich!

Sonntag, 24.Juli 2011

Frühstück gibt es heute in San Mateo – dort ist heute ein ‚Farmer’s Market‘ und wir wollen ein wenig einkaufen und dann hinterher irgendwo zum Frühstücken einkehren!
Schnell geht’s ins Auto und ab die Post! Das Wetter ist zwar noch ein wenig ‚bedeckt‘, aber das ist auch hier nur der allmorgendliche Nebel – kaum sind wir ein Stück gefahren, kommt schon die Sonne durch!
Der Markt sieht wirklich sehr einladend aus – auch leckeres Brot gibt es dort und reichlich Beeren und Gemüse! Nach einer kurzen Einkaufsrunde legen wir alles ins Auto und suchen uns dann ein Frühstücks-Café. Das ist garnicht so einfach, diesen Gedanken hatten offenbar viele andere heute auch :-)! Aber dank der in den USA üblichen Gepflogenheit, sofort nach dem letzten Bissen schon die Rechnung präsentiert zu bekommen, wird im von Basti ausgesuchten Café auch bald nach unserem Eintreffen ein Tiscch frei! Und dann lassen wir uns einen herrlichen Brunch schmecken – ein Riesenteller voll, der aber jetzt am Vormittag auch komplett geleert wird! Satt und zufrieden geht es dann zurück ans Auto und hinaus aus der Stadt. Im Vorbeifahren schauen wir uns noch eine russisch-orthodoxe Kirche an – was es hier alles gibt!

Die weitere Fahrt ist wunderschön – die Straße schlängelt sich durch Waldgebiete und ein Stückchen an einem See entlang! Wir passieren einige farbenprächtige Blumenfelder (in eine dieser Gärtnereien werden wir auf dem Heimweg noch einfallen!) und hübsche Häuschen und landen dann an unserem ersten Haltepunkt, einem großzügigen Strand-Resort, wo aber auch Nicht-Gäste den Spazierweg an der Küste entlang nutzen können! Eine Stunde Wanderung am Meer entlang – erst oberhalb der Steilküste und dann auch ein Stück am Wasser! Es ist ein herrlicher Sommertag, aber es weht ein kühler Wind, der jedoch gerade angenehm ist!


Nach unserem Spaziergang an der frischen Luft dürstet es uns nach Kaffee. Dafür fahren wir aber noch ein Stück und wollen in den Bergen in einer kleinen ‚Hütte‘ einkehren! Der Weg geht jetzt auf Serpentinen durch dichten Wald und dann landen wir wirklich vor einer kleinen Holzhütte, die offenbar auch ein beliebter ‚Biker-Einkehrpunkt‘ ist! Zum Kaffee haben wir uns einen leckeren Pie verdient und auf der Terrasse sitzend sind wir uns beide einig „Das Leben ist schön!“ 🙂

Für die anschließende Weiterfahrt müssen wir jedoch leider das Verdeck schließen – wir haben uns beide einen tollen Sonnenbrand eingefangen (natürlich haben wir heute morgen bei der Abfahrt im Nebel nicht an Sonnenschutz gedacht…)! Aber das tut der Freude keinen Abbruch – wir lassen halt die Fenster offen! Bei einer der Gärtnereien finden wir ein paar Pflanzen für den neuen Garten! Die Entscheidung fällt bei dem riesigen Angebot nicht gerade leicht – und der reduzierte Kofferraum läßt einiges an Entscheidung dann letztendlich gar nicht zu :-(!

An einem schönen Aussichtspunkt halten wir dann ein letztes Mal an – von dort kann man auf einer Seite gaaaanz entfernt Downtown San Francisco erkennen und auf der anderen bis nach San Mateo blicken!


Zu Hause angekommen wird der (Gas-)Grill wieder angeworfen, es gibt einen leckeren Salat zu Würstchen und Fleisch und dazu das leckere frische Brot vom Markt! Was für ein schöner Sonntag!

Montag, 25.Juli 2011

Heute habe ich frei 🙂 – Tagebuch schreiben ist angesagt und ansonsten nur faul sein! Das macht hier im Garten auch richtig Spaß und das Wetter spielt mit!
Nachmittags mache ich einen kurzen Ausflug über den Deich – brrrr, da pfeift der Wind ganz schön und im Nu bin ich total durchgefroren. Als ich nach Hause komme, muß ich mich erstmal unter die heiße Dusche stellen, damit ich wieder ein wenig warm werde!
Als Basti nach Hause kommt, fahren wir schnell noch in die Stadt zum Einkaufen – ein bisschen Käse, leckeres Brot, Obst und Wein! Ein würdiger Abschluss für meinen „Urlaubstag“ :-)!

Dienstag, 26.Juli 2011

Heute ist aber endlich Sight Seeing in San Francisco angesagt! Mit Basti fahre ich gleich in die Stadt, er muß noch ein paar Schlüssel nachmachen lassen – die er letzte Woche machen ließ, passen leider nicht :-(! Er will mir dann gleich einen mit geben, aber ich warte erst mal ab, ob diese heute Abend überhaupt passen! Er lädt mich anschließend direkt am Bahnhof aus und der Zug bringt mich fast bis ins Zentrum von S.F.! Gerade mal 20 Minuten dauert das – mit dem Auto zu fahren, wäre hier wirklich mehr als unnötig! Abgesehen davon, dass es Stunden dauern würde, dort einen Parkplatz zu finden bzw. die Parkdauer ja auch fast überall auf eine Stunde begrenzt ist!

Dummerweise habe ich jedoch keinen Plan von der Stadt – ich hatte mit irgendwas Info-Ähnlichem am Bahnhof gerechnet. In einem nicht weit entfernten Radl-Shop finde ich zumindest eine Radel-Karte – besser als nichts. Gegenüber das Bahnhofs ist ein Café, dort falle ich erstmal ein und studiere die Karte bzw. schaue mir an, welche Ecke ich heute besuchen will!
Ich bin gar nicht weit entfernt vom Zentrum rund um den Union Square, also werde ich mir heute das mal wieder anschauen und dann nach und durch Chinatown bummeln, Richtung Telegraph Hill weiter laufen und dann noch North Beach/Little Italy aufsuchen, ehe ich am Nachmittag wieder zurück zum Bahnhof gehe! Guter Plan! Ich überlege noch, den Bus zu nehmen, aber dann entscheide ich mich doch für ‚per pedes’.

Im Moment ist das Wetter noch der übliche vormittägliche ‚fog’ in der Stadt, aber ich bin sicher, das wird sich bald ändern. Das nutze ich, um mir bei ‚Old Navy‘ schnell ein paar neue Flip Flops zu kaufen und ein langärmeliges T-Shirt! Irgendwie scheinen die richtig heißen Tage während meiner Reise vorbei zu sein :-(! Selbst wenn hier die Sonne scheint, werden es nicht mehr als vielleicht 25 Grad – und das kommt mir im Moment doch noch richtig kühl vor…

Den ersten Vorgeschmack auf die steilen „Straßen von San Francisco“ bekomme ich gleich danach – entlang der ‚Cable Car’-Schienen laufe ich ein Stück Richtung Chinatown. Am Endpunkt der Bahn steht eine ellenlange Schlange an – bloß gut, dass ich damit schon mal gefahren bin und mich heute hier nicht noch mal einreihen muß! Kurz vor meinem ersten Ziel sehe ich einen Anschlag an einer Kirche, daß heute freies Konzert ist – das ist eine gute Gelegenheit, mich ein wenig von meinem ‚Bergsteigen‘ zu erholen!

Bald bin ich auch am ‚Tor’ zu China Town gelandet und kann ganz in Ruhe überall hier durchbummeln. Es geht ziemlich zu – erst in den eher touristischen Straßen, dann aber auch in den Nebenstraßen, wo sich die Geschäfte für die Einheimischen befinden! Hier ist es wirklich wie in China: Gerüche, Töne, Angebote und Leute – als ob ich mich irgendwo mitten in Hongkong befinden würde!

Fast automatisch lande ich danach im ‚Historic Quarter’ Telegraph Hill! Ein Stadtviertel voll mit richtig alten Häusern! Es ist ein großes Vergnügen, durch die steilen schmalen Straßen zu laufen und immer wieder noch schönere alte Gebäude, kleine Details daran und vor allem die Aussichten von dort auf verschiedenste Teile der Stadt zu entdecken! Auffallend sind die vielen kleinen und großen Blumenkästen, Bepflanzungen rund um die Bäume an der Straße entlang und in den Innenhöfen!

Vom Telegraph Hill aus lande ich wie von selbst beim ‚Coit Tower’, von wo man einen Blick über die Stadt und bis zur Golden Gate Bridge hat – wenn sie nicht gerade, so wie heute, in dichten Nebel gehüllt ist (man kann gerade mal schwach die unteren Teile erkennen)!



Ein kleiner Spaziergang dort oben, eine kurze Erholungspause und dann langsam auf der Rückseite den Berg hinunter. Von diesem Weg aus kann man in der Ferne gut die Lombard Street entdecken – die berühmte Zick-Zack-Straße der Stadt, wohl die bekannteste von allen hier!

Jetzt ist es auch nicht mehr weit bis zum italienischen Viertel, wo ich mir im ‚Café Roma’ einen leckeren Cappuccino gönne und eine ‚Sfogliatelle’, die typische neapolitanische Blätterteig-Muschel! Lecker, lecker – ich fühle mich fast nach Camerota in den Hafen versetzt :-)!
Ein kurzer Bummel schließt sich hier an – auch hier passiert das Gleiche wie in NYC, in das italienische Viertel breitet sich immer mehr das benachbarte Chinatown aus…


Dort lande ich dann auch bald wieder, gehe aber jetzt durch ein paar andere Straßen wieder Richtung Market Street und Bahnhof! Hier fällt mir ein Wandgemälde auf, daß auf die ‚Urahnen‘ von Chinatown hinweist – die riesige Schar Helfer beim Eisenbahnbau!

Im Crate&Barrell-Laden direkt an der Bushaltestelle finde ich noch ein schönes Windlicht für Bastis neue Terrasse – das wird mein Hochzeitsgeschenk für ihn und Mimi und schwer bepackt falle ich dann aus Zeitgründen in ein Taxi, das mich genau rechtzeitig am Bahnhof abliefert. Ich versuche, vom Zug aus Basti anzurufen, wann er mich abholen kann, kann ihn aber nicht erreichen! Na ja – wahrscheinlich ist er noch in einem Meeting und kann nicht ans Telefon gehen! Eine schwache Hoffnung keimt auf, dass er vielleicht schon am Bahnhof steht – so ungefähr hatte ich ja gesagt, wann ich kommen werde!
Nein, am Bahnhof ist kein Basti 😦 und mein erneuter Anruf-Versuch läuft wieder ins Leere. Das ist schon komisch – vor allem, weil er auch keine VoiceMail eingeschaltet hat. Aber was soll’s, ich werde jetzt einfach nach Hause fahren – vielleicht ist er ja schon dort und nur im Garten. Passenderweise steht auch noch ein Taxi am Bahnhof, das ich mir gleich schnappe und nach ein paar Minuten werde ich bereits vor der Haustür abgeliefert. Aber Pustekuchen – die Mülltonnen stehen noch auf der Straße, also ist noch niemand zu Hause! Gott sei Dank ist das Gartentor zum Öffnen, so kann ich mich wenigstens in den Garten setzen. Erstmal rolle ich aber die riesigen Mülltonnen rein – Basti hatte mir erzählt, es hätte schon Beschwerden von der lieben Nahbarschaft gegeben, dass seine Tonnen am Leerungstag immer so lange draußen stehen bleiben würden! Wieder versuche ich, ihn anzurufen – erfolglos! Ich setze mir jetzt eine Frist bis 8h und wenn er dann nicht da ist, werde ich in die Stadt zurück fahren und dort irgendwo auf ihn warten. Er hat ja meine Telefonnummer und wird bestimmt anrufen, wenn er im Büro fertig ist. Kurz vor 8h höre ich dann sein Auto und er ist total erstaunt, mich hier bereits im Garten vorzufinden – er hat keinen Anruf von mir erhalten und dachte, ich wäre doch länger in der Stadt unterwegs. Das ist ja sehr eigenartig – wie sich später aber herausstellt, habe ich nur seine alte Nummer von San Francisco eingespeichert (nur seine Post-Adresse geändert) und die gibt es schon nicht mehr!
Aber so hat sich alles in Wohlgefallen aufgelöst und nach einem kleinen Barbecue im Garten, bei dem gleich das neue Windlicht eingeweiht wird, falle ich todmüde in mein Bett!

Mittwoch, 27. Juli 2011

Auch heute geht es noch mal „in die Stadt“ (die übliche Umschreibung für einen Besuch in S.F.!) – Basti nimmt mich wieder mit zum Bahnhof und ich habe jetzt auch einen Schlüssel dabei :-)! Leider muß ich am Bahnhof erstmal ziemlich lange warten – zwei der fahrplanmäßigen Züge fallen heute aus. Auch die Fahrkarten-Automaten sind alle außer Betrieb und im Zug kann man hier nicht nachlösen! Also rufe ich erstmal bei der Hotline-Nummer an, die auf den Automaten angegeben ist. Sie wissen bereits von dem Problem – die gesamte Strecke hatte heute Morgen einen Stromausfall und die Automaten müssen alle erst wieder hochgefahren werden. Die Schaffner wüssten aber von dem Problem und wir könnten alle jetzt ohne Bezahlen mitfahren! Ich gebe diese Information an die Umstehenden auf dem Bahnsteig weiter – großes Hallo und „what a great day!“ Ich freue mich, dass gerade ich als Touristin den Einheimischen so einen schönen Anfang des Tages bereiten kann :-)!

Heute will ich mal einige ganz ‚neue’ Stadtviertel erkunden: ‚Mission District‘ und ‚Castro‘! Die liegen jetzt nicht so richtig auf den üblichen touristischen Wegen, aber ich habe ja überall auf meiner Reise auch immer wieder Ecken angeschaut, die man normalerweise bei einem kurzen Besuch nicht unbedingt zu sehen bekommt! Für mich gibt es jedoch auch einen konkreten Grund für den Ausflug – im Mission District soll es einen Buchladen geben!!!
Es ist mir nämlich gestern nicht gelungen, einen zu finden – bis vor kurzem gab es downtown S.F. noch einige ‚Border’ Buchläden, aber dieses Unternehmen ist in Konkurs gegangen und alle Läden sind daher kürzlich endgültig geschlossen worden. In einer Info-Schrift habe ich nun von diesem Buchladen hier im Viertel gelesen – Bücher und Café in einem, das hört sich gut an! Ich brauche dringend einen Reiseführer für Alaska – Jim hat mich angefragt, was ich denn in Alaska unbedingt sehen möchte! Gute Frage – ich habe doch bis jetzt überhaupt keine Ahnung, was es dort so zu sehen gäbe, außer vielleicht Bären, Elche und Eisberge :-)!

Vom Bahnhof nehme ich mir ein Taxi zu der angegebenen Straße – nirgendwo ist ein Übersichtsplan der öffentlichen Verkehrsmittel zu finden! Aber ich habe wieder mal einen äußerst kommunikationsfreudigen Taxifahrer erwischt und so ist die Taxifahrt schon ein höchst kurzweiliger und amüsanter Anfang des heutigen Tages!

Leider hat der Buchladen gerade heute geschlossen – na Bravo, hat sich die weite Anreise ja richtig gelohnt! Aber wie ich durchs Schaufenster erkennen kann, handelt es sich auch wohl mehr um ein Antiquariat – ob die überhaupt Reiseführer gehabt hätten? Aber ansonsten sieht es sehr gemütlich darin aus – alles im alten Stil eingerichtet mit vielen Sesseln und Sofas! Schade, dass ich das nicht genießen kann. In einem kleinen Laden nebenan frage ich, ob es noch einen Buchladen in der Nähe gibt! So ganz in der Nähe nicht, aber etwa 15-20 Minuten Fußweg entfernt ist noch einmal einer. Na, das paßt doch – so weit weg ist das ja nicht gerade und das liegt mehr oder weniger in Castro! Castro ist zwar das angesagte Schwulen- und Lesbenviertel, aber normalerweise sind die ja tolerant :-)!





Es gibt wieder mal hübsche und auch etwas ungewöhnliche Gebäude zu entdecken, das eine oder andere Witzige in den Schaufenstern und ich komme an einem „Thrift Store“ vorbei! Thrift Stores sind Läden, die gebrauchte Kleidung und Hausrat etc. annehmen und dann billig verkaufen, zugunsten von caritativen Zwecken, i.d.R. immer für irgendein Vorhaben in der unmittelbaren Nachbarschaft! Da ich mir für den Norden und speziell für Alaska noch eine Fleecejacke oder so was Ähnliches wie einen Windbreaker kaufen wollte, schaue ich hier mal, ob sie so was haben!
Bei der Damenbekleidung gibt es leider nichts Derartiges, aber bei der Männermode werde ich fündig – eine Columbia Fleece Jacke für 8$! Damit hat sich der Ausflug hierher schon bezahlt gemacht!

Beim Buchladen angekommen, sehe ich, dass das auch ein Laden für gebrauchte Bücher ist! Mit Hilfe der beiden sehr hilfsbereiten Inhaber (ich wußte immer, das Schwule besonders nette Männer sind!) finde den gewünschten Reiseführer – passenderweise heißt er ‚Alaska for Dummies’:-) und zusätzlich noch einen so gut wie neuen kleinen für Seattle mit einigen ‚Spaziergängen’ durch die Stadt, den nehme ich auch gleich noch mit!
So erfolgreich in allen Belangen habe ich mir nun ein Mittagessen verdient – dafür finde ich ein kleines mexikanisches Restaurant und dort herrliche Burritos! Auch die dazu gereichte Salsa ist perfekt – gerade die richtige Schärfe und Fruchtigkeit! Ich bin ja in den vergangenen Monaten eine richtige Freundin von scharfem Essen geworden – die Saucen und Salsas dort sind ja nicht nur scharf, sondern i.d.R. ausgesprochen fruchtig und leckere!

Nach dem Essen will ich mir ein Taxi fangen, um den Tag in der ‚California Academy of Sciences‘ im Golden Gate Park ausklingen zu lassen! In dem kleinen Restaurant können sie keins rufen, weil sie angeblich keine Telefonnummer einer Taxizentrale haben. Über mein Handy geht auch nichts, weil bei telefonischer Bestellung stets eine Adresse hinterlegt sein muß. Also warte ich am Straßenrand! Es kommen auch immer wieder Wagen, aber keiner hält auf mein Zeichen hin an! Mache ich irgendwas verkehrt – falsche Handbewegung etc.? Ich frage nach einer ganzen Weile eine Passantin – nein, ist eigentlich alles okay, aber „so sind halt die Taxifahrer in S.F.“. Nachdem ich mehr als 1 ½ Std. so vertan habe, gehe ich doch in das kleine Restaurant zurück. Ich habe mir von einigen Cab’s die Telefonnummern aufgeschrieben, die auf den Türen angebracht waren und lasse jetzt eine davon anrufen und es wird auch ein paar Minuten später schon ein Wagen geschickt. Die Fahrerin informiert mich jetzt, dass das ‚Nicht-Anhalten’ wahrscheinlich damit zusammen hing, das gerade jetzt in dieser Zeitspanne überall Schichtwechsel für die Fahrer wäre – und auf dem Weg ins Depot halten sie nicht mehr gerne an, weil sie möglichst pünktlich Feierabend machen möchten! Na, das nenne ich doch mal Kundenorientierung!

An der Academy angekommen, stelle ich fest, dass nur noch knapp ½ Std. geöffnet sein wird – und dafür ist mir der Eintritt von 27$ doch zu hoch (es gibt hier erst ab 65 Jahren einen Senior-Discount!). Ich spaziere also ein wenig durch den umliegenden Park – sehe dort voller Erstaunen ein großes Denkmal der berühmtesten beiden deutschen Dichter stehen!

Das hätte ich hier ja nun gerade nicht erwartet… Der Golden Gate Park ist riesig, man könnte gut und gerne einen oder gar mehrere Tage hier verbringen!

Da es sich aber ziemlich schwarz bewölkt, nehme ich doch bald den Bus zurück zum Bahnhof! Hier gibt es nämlich an der Haltestelle einen Busplan und ich kann mir anschauen, wie ich am Besten dorthin komme!

Dummerweise habe ich nur Dollarscheine bei mir und damit kann man keine Busfahrt bezahlen bzw. man kann immer nur mit passendem Geld bezahlen! Selbst wenn man auf das Wechselgeld verzichten würde, geht das nicht! Passendes Geld in den Automaten beim Fahrer oder keine Fahrt – normalerweise! Der Fahrer hier hat jedoch Mitleid mit mir (es gibt auch rundherum keine Gelegenheit, Geld zu wechseln) und nimmt mich kostenlos bis zu der Haltestelle mit, wo ich umsteigen muß. Dort gibt es dann Läden zum Wechseln und ich soll beim Kollegen dann bezahlen! Also wirklich – wo würde man so jemanden in München treffen???
In einem kleinen Supermarkt kaufe ich mir eine Flasche Wasser und ein wenig Gemüse für das Abendessen heute und habe danach genügend Kleingeld, um in die Stadt zurück zu fahren. In der Market Street muß ich noch mal umsteigen, aber ich erreiche den Anschlußbus um die Ecke ganz genau! Und der Busfahrer dort fragt dann noch, wer zu welchem Zug muß! Nimmt darufhin eine Abkürzung und ich komme am Bahnhof so an, dass ich gerade noch einen Fahrschein aus dem Automaten ziehen kann, auf den Bahnsteig sprinten und in den Zug springen – auf den nächsten hätte jetzt am Abend ich mehr als 2 Stunden warten müssen!

Als ich daheim ankomme, ist Basti heute schon da und arbeitet. Er hatte hier in der Nähe zu tun und es lohnte sich wohl nicht, extra noch mal ins Büro zu fahren. Eigentlich wollte er mit mir heute zum Essen gehen. Aber ich mache schnell eine Gemüsesauce und Nudeln und wir verschieben das Essengehen auf morgen – das ist dann mein Abschiedsessen!
Mit Pasta und Wein und Schildern meiner diversen Missgeschicke von heute klingt der Tag dann aus!

Freitag, 28.Juli 2011

Heute ist noch mal ‚Haushaltstag’ angesetzt! Ich muß dringend Wäsche waschen, damit ich alle meine Sachen sauber für die nächsten beiden Wochen einpacken kann! Danach ist Bügeln angesagt, es wird ein wenig geschrieben und gelesen und zwischendurch ist auch noch Zeit für einen kurzen Deichspaziergang!

Arbeitsamer und trotzdem äußerst gemütlicher Tag – nachmittags um 4h muß ich dann mein Auto am S.F. Airport abholen! Zum Bahnhof ist es gute 20 Minuten zu laufen, von dort sind es aber nur 5 Minuten bis Millbrae, wo ich in den Anschlusszug zum Airport umsteige! Dann ist es allerdings ein ganzes Stück quer durch den ganzen Flughafen bis zu den Verleihstationen!

Dort ist für mich schon alles vorbereitet – es wird übrigens weder ein Weiterflugticket noch sonst was bei Alamo verlangt, wie es FTI so dringend gemacht hat! Nur der Führerschein und die Kreditkarte waren wichtig – wie eben immer, wenn man in den Staaten ein Auto mietet! Ich bekomme das letzte der ‚economy’-Fahrzeuge – einen Chevrolet Avera! Grundsätzlich ist das nicht schlecht, aber bald merke ich, dass es wirklich das einfachste vom einfachen ist – nicht mal elektrische Fensterheber oder Zentralverriegelung, von USB-Anschluß etc. mal gar nicht zu sprechen!!! Ich wusste gar nicht, dass es so was überhaupt noch gibt hier in den Staaten…

Die Heimfahrt geht äußerst fix – es sind wirklich gerade mal 10 Minuten von den Autovermietern bis zu Bastis Haustür! Als ich ankomme, ist er auch schon zu Hause. Nach einem kurzen Plausch geht es dann zum Essen nach „downtown San Mateo“ – ein ‚Chinese’ ist unser Ziel, der Basti von Freunden empfohlen worden ist!

Ein ‚richtiger’ Chinese – der Raum mit dem Charme einer Bahnhofshalle, mehr als gut durch diverse Neonröhren ausgeleuchtet, die Tische mit Plastiktischdecken, überall rundum nur chinesische Gäste und das Essen einfach göttlich! Ich komme mir vor, wie damals irgendwo in Beijing oder sonst wo in China – nur, die Essensreste auf den Tisch bzw. auf den Boden schmeißen, das geht hier natürlich nicht :-)!
Die riesigen Portionen schaffen wir gar nicht ganz und so bekommen wir noch eine Styropor-Schale für ein ‚doggy bag’ geliefert! Das ist hier übrigens überall gang und gäbe – meist werden schon automatisch solche Schalen an den Tisch gebracht oder man wird gefragt, ob man eine haben möchte! Einfach Essen zurückgehen lassen, weil man die (normalerweise) riesigen Portionen nicht schafft – das gibt es hier nur äußerst selten! Man hat also zum Preis von einer noch eine zweite Mahlzeit später zu Hause!
Nach ein bisschen Fernsehen verschwinden wir dann im Bett – morgen möchte ich nicht allzu spät losfahren!

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Eine Antwort zu Wiedersehen mit San Francisco und mit Basti!

  1. Bin in’s stöbern gekommen. Fernweh!
    LG, nochmal Ursula

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