Auf nach Norden – das Segelboot ruft!

26.12.2010

Um 7.30h klingelt der Wecker! Obwohl ich mich die letzten Tage hier wie auch bei Karens Familie außerordentlich wohl gefühlt habe, freue ich mich sehr, dass es wieder ‚auf die Straße’ geht! Heute fahre ich bis nach Paihia im Norden der Insel, in der ‚Bay of Islands’, bleibe dort 2 Nächte und dann geht es wieder Richtung Süden!
Rose zeigt mir noch eine Route, die zum einen landschaftlich viel schöner sein soll, als die Hauptroute, auf der ich aber auch dem wahrscheinlich ziemlich dichten Ferienverkehr von Auckland Richtung Norden einigermaßen entgehen kann! Ein herzlicher Abschied und dann bin ich schon unterwegs zu Karen zum Aufwiedersehen sagen!
Nachdem sie mir das Versprechen abgenommen haben, dass ich bald wieder mal kommen soll, werde ich mit vielen Umarmungen und einem Küsschen von Scheelilah in mein nächstes Abenteuer entlassen!

Schon kurz nach Ranui muß ich das erste Mal anhalten – eine traumhafte Sicht bis zur Skyline von Auckland kann ich mir auf keinen Fall entgehen lassen! Und so geht es weiter – ständig muß ich Stops einlegen, weil eine Aussicht schöner als die Nächste ist! Rose hat mir den richtigen Tipp gegeben und nicht zuviel versprochen – diese Straße ist ein Traum! Und Ihr werdet es nicht glauben – ich fahre sogar an der ‚Hallertau’ vorbei :-)!

Die Straßengräben sind verschwenderisch gefüllt mit (weißblauen und anderen) Sommerblumen

und in jeder kleinen Ortschaft gibt es mindestens ein schönes altes Gebäude zu entdecken, manchmal auch ein schönes neues! Die Ortsnamen machen deutlich, dass hier traditionelles Maori-Land ist!

Als ich nach einem kurzen Spaziergang in einer der kleinen Städtchen weiterfahre, überholt mich kurz vor dem Ortsausgangsschild ein Auto ziemlich schnell! Plötzlich ist dann hinter mir ein Polizeiauto mit allerhand blinkenden Lichtern. Ich fahre zur Seite und will ihm Platz machen, aber er bleibt hinter mir stehen. Ja, was ist denn da los??? Der freundliche Polizist, etwa in meinem Alter, teilt mir dann mit, dass ich wohl etwas zu schnell gefahren wäre. Zu schnell, das geht doch garnicht – wie viel zu schnell? So etwa 20 km/h, genau könnte er das nicht sagen, weil bei der Messung gerade ein noch schnelleres Auto dazwischen gekommen wäre. Wie bitte??? Ich frage ihn, warum er dieses Auto nicht angehalten hat – ‚das war zu schnell für mich’! Ich kann es nicht fassen – in Deutschland hätte ich ihn dafür nur ausgelacht, aber wie soll ich mich hier als Touristin mit einem Polizisten herumstreiten.
Ich sage ihm, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass ich zu schnell war, weil ich ja kurz vorher erst losgefahren bin und noch gar keine Gelegenheit hatte, eine hohe Geschwindigkeit aufzunehmen. Ja, wenn ich den Strafzettel nicht akzeptieren würde, dann müsste er eine Anzeige machen! Na bravo – das würde mir gerade noch fehlen! Vielleicht hier bei der Ausreise festgehalten werden wegen einem etwas merkwürdigen Polizisten. Also akzeptiere ich den Strafzettel und werde das Geld in den nächsten Tagen einzahlen! 120$ für Nichts! Wahrscheinlich war der tolle Gesetzeshüter sauer, dass er am ‚Boxing Day’ Dienst hatte und ihm ein Verkehrssünder durch die Lappen gegangen ist. Da habe ich wohl für die Statistik herhalten müssen! Manchmal frage ich mich schon…

Langsam, ganz langsam nähere ich mich jetzt ‚Hobbitland’ – hier in New Zealand sind ja die Filme nach dem Buch ‚Herr der Ringe’ gedreht worden! Die meisten Außenaufnahmen fanden zwar auf der Südinsel statt, aber einige eben auch hier! Und Hobbingen hatte ich mir wirklich immer so vorgestellt, wie das, was ich jetzt sehe und durchfahre!

Zwischendurch erhasche ich immer wieder mal einen Blick aufs Meer – die Straße führt ziemlich parallel dazu auf den Hügeln entlang! Es ist hier deutlich zu sehen, dass die Inseln von Neuseeland noch relativ ‚junges’ Land sind – viele Berge ringsum sind erloschene oder zumindest ‚schlafende’ Vulkane! Eine große Vielfalt von Pflanzen, Büschen und Bäumen hat sich auf diesen ‚Hügeln’ angesiedelt. Auch die riesigen ‚Windschutzhecken’ oder besser ‚-bäume’ gibt es hier, manchmal schützen sie sogar eine Olivenplantage…

Aber selbst Bambus und vor allem die riesigen Kauri-Bäume sind links und rechts der Straße zu sehen! Es gibt sogar ein ‚Kauri-Museum’, von dem ich schon einiges gelesen habe. Dort mache ich Mittagspause und schaue mir das an! Eine sehr liebevoll zusammen gestellte Sammlung von alten Siedler-Zeugnissen, Informationen und viele, viele Bilder über die Kauri-Holz-Industrie und vor allem die Ernte und Bearbeitung von ‚Kauri Gum’, dem Harz dieser Bäume, dass unserem Bernstein sehr ähnlich ist! Ganze Sägewerke sind dort aufgebaut (hier hat wohl auch mal ein alter Bekannter gearbeitet 🙂 , schön gemachte Räume zeigen das Leben in dieser Zeit und werden der Jahreszeit entsprechend dekoriert – jetzt ist gerade alles auf Christmas abgestimmt!

Neben dem Museum gibt es noch die originale alte Schule und Kirche! Auch ein hübsches Café ist auf dem Gelände, wo ich mich – wieder mal bei bezaubernder Aussicht – mit einem Salat und einem Kaffee für die Weiterfahrt stärke!
Die ‚Farnbäume’, die ich schon in Australien gesehen habe, sind hier zahlreich im mich jetzt umgebenden Wald vertreten. Während der Weiterfahrt wird die Straße dann bald sehr eng, Brücken können nur noch einspurig befahren werden

und einmal stehen zwei alte Kauribäume so nahe zusammen, dass auch hier der Verkehr nur einspurig durch die Lücke geführt wird!

Dafür werden die Flüsse immer breiter und die Bäche immer tiefer!
Nach einer relativ langen Fahrt durch dichten Regenwald tut sich mir nach einer Kurve plötzlich eine traumhafte Aussicht auf: Unter mir liegt eine große Bucht und gegenüber sehe ich eine riesige Sanddüne, deren Gelb das Türkis des Meeres noch verstärkt! Dort an der Bucht entlang geht es dann weiter Richtung Osten. Ich muß ja auf die andere Seite der Insel, die hier im Norden allerdings ziemlich schmal ist!

Auf einer wieder breiteren Straße lege ich die letzten Kilometer schnell zurück und komme durch Kawakawa. Dieser Ort ist inzwischen berühmt dafür, dass Friedensreich Hundertwasser die öffentlichen Toiletten entworfen und unter seiner Aufsicht hat bauen lassen! Ich erhasche beim Durchfahren des Ortszentrums nur einen Blick darauf, aber die möchte ich mir bei der Rückfahrt übermorgen schon gern genauer anschauen! Noch über ein paar Hügel und schon komme ich in Paihia, einem der größeren Orte in der ‚Bay of Islands’ an. Dort allerdings muß ich erst im YHA anrufen, weil ich zwar die Adresse habe, aber keine Wegbeschreibung habe. Aber die nette ‚Herbergsmutter’ Rangi lotst mich per Telefon bis vor die Haustür!
Ich bin hier in einem 8-Bett-Dormitory untergebracht. Das war billig und ich brauche es ja nur für die beiden Nächte. Schlafen kann ich bestimmt gut, denn so ein ganzer Tag Fahren strengt doch immer ein bisschen an und der morgige Tag auf dem Wasser wird mich auch müde machen!
Zum Essen leiste ich mir heute mal wieder Fisch – es ist wirklich bemerkenswert, dass es den hier so selten gibt. Ich finde ein Restaurant direkt am Wasser und bekomme auch einen schönen Tisch am Fenster und lasse mir zu meinem Essen ein Glas Wein schmecken!

27.12.2010

Es ist doch einigermaßen unruhig in diesem Zimmer gewesen – und dann mussten die ersten schon um 5h aufstehen, um einen Bus zu erwischen. Da ich um 8.45h am Steg sein muß, wo ich für den Segeltörn abgeholt werde, stehe ich dann auch schon um kurz vor 7h auf, um in Ruhe frühstücken zu können und noch meinen Rucksack für den heutigen Tag zu packen. Draußen sieht es ziemlich grau aus, also ist es bestimmt nicht verkehrt, auch noch die Regenjacke neben dem Sonnenschutz einzupacken!
Als ich schon fast am Treffpunkt bin, fällt mir siedendheiß ein, dass ich zwar Ersatzbatterien eingepackt, aber leider meinen Fotoapparat in der anderen Tasche vergessen habe. Zum Zurückgehen ist es zu spät, also versuche ich, im Souvenirshop im Hafen eine Einmal-Camera zu bekommen. Aber leider haben die so was nicht! Es ist wirklich zu ärgerlich – da habe ich wieder mal einen richtigen Höhepunkt meiner Reise vor mir und keine Camera, um das in Bildern festhalten zu können :-(! Besonders ärgerlich ist aber, dass es dann am Hafen noch ziemlich lange dauert, bis wir mit einem großen Katamaran-Motorboot ablegen , das uns zur anderen Seite der Bucht, nach Russell bringen wird. Wir fahren erst kurz vor ½ 10h los – ich hätte also noch locker zurückgehen können und meinen Apparat holen! Wir Deutschen mit unserer Pünktlichkeit…
Neben mir sind noch ein älteres schweizerisches Ehepaar, das jetzt in Australien lebt, für den Törn angemeldet (die haben sich diesen Tag zur Feier ihrer Goldenen Hochzeit geleistet!) und ein älterer und ein sehr junger Neuseeländer! Wir können erst in Russell an Bord des Segelboots gehen, weil der Hafen in Paihia zu flach ist für den Tiefgang der ‚Lion New Zealand’! Als wir auf dem Steg auf unser Boot warten, gibt es noch eine Tanz-Vorführung zweier kleiner Maori-Buben – ziemlich gut die Beiden! Wenn jemand von Euch den Film ‚Whale Rider’ gesehen hat, weiß er oder sie, wovon ich hier schreibe!
Das Boot ist schön groß – 80 ft, also etwa 25 m lang und im ‚Bauch’ ganz spartanisch eingerichtet. Die Bordküche ist nicht größer als auf einem der Boote, die ich von meinem jährlichen Törn auf dem Ijsselmeer kenne. Statt Kojen gibt es nur schmale 2-stöckige Betten innen an der Bordwand, die mit Segeltuch bespannt sind. In der Mitte des Raums läuft ein schmaler Tisch mit Bänken entlang! Es sind bei Rennen 20 Mann an Bord, die sich in 2 Schichten in allen Tätigkeiten abwechseln, die während dieser Zeit nötig sind. Leider ist das Boot jedoch ungewöhnlich schwer und deshalb hat es nicht so richtig viele Rennen gewonnen…

Für uns heute waren 3 junge Männer mit an Bord – 2 Skipper und ein ‚Leichtmatrose’, der vor allem für das Wohl und Wehe der zahlenden Gäste zuständig war!
Das Wetter wurde gleich nach dem Ablegen ganz wunderbar – guter Wind und nur noch vereinzelte Wolken am blauen Himmel! Ich habe die Schweizer und die beiden Männer gebeten, mir ein paar ihrer Fotos per Email zu schicken und sie haben mir das auch versprochen – mal sehen! Wir müssen immer wieder tatkräftig an der „Mehrfach-Winch“ mit anpacken – erst das Großsegel hoch- und die Fock rausziehen und dann bei diversen Halsen und Wenden natürlich auch! Wir sind zwar bei weitem nicht so perfekt, wie das immer im Film zu sehen ist, wo sportlich gestählte, braun gebrannte junge Männer das in einem Affentempo machen, aber wir haben mindestens soviel Spaß dabei, wenn nicht sogar mehr und immerhin hat alles auch bestens geklappt! Dem Herrn aus der Schweiz, einem passionierten Segler, wurde sogar das Steuer für den Vormittag anvertraut!
So verging die erste Hälfte des Törns wie im Flug und bald schon erreichen wir unser Ziel zum Mittagessen – die Pakapuka-Insel (nicht TakaTukaLand!). Wir werden mit dem Schlauchboot an Land gebracht und müssen dann über einen ziemlich steilen Hügel auf die andere Seite der Insel, wo schon das Barbecue auf uns wartet! Leider knickt die Schweizerin auf dem steilen Weg um und verletzt sich beim Sturz am Knie – hoffentlich ist das nichts Schlimmeres passiert!
Für das Mittagessen wird ordentlich aufgefahren – massenhaft verschiedene Salate, Fleisch, Würstchen und Schinken. Uns allen schmeckt es großartig. Zu uns hat sich noch eine Gruppe junger Leute mit einem Mitarbeiter der Agentur gesellt, die mit uns den Nachmittag an Bord verbringen werden. Sie haben eine Kombination aus Delphintour und Segeltörn gebucht und damit werden wir insgesamt also 29 Personen an Bord sein! Zum Boot zurück werden wir nun mit einem richtigen Motorboot gebracht, das ‚Umsteigen’ dann ist für Franziska, die Schweizerin, ziemlich mühsam. Sie hat starke Schmerzen im Knie und die hohe Bordwand ist eine große Herausforderung für sie – auch wenn sie von 4 Paar Armen unserer Crew tatkräftig unterstützt wird!
Es ist jetzt ganz schön eng an Bord! Vor allem, wenn die Winches bedient werden müssen! Deren näherer Umkreis muß dann für die 5 „Arbeiter“ freigehalten werden, es darf sich aber bei Segelmanövern aus Sicherheitsgründen auch niemand auf dem Vorschiff aufhalten!
Witzigerweise ist es ziemlich schwierig, unter den 15 neuen Gästen immer wieder 5 Freiwillige zu finden, die die Winch bedienen! Irgendwie ist der Spaßfaktor für die jungen Leute offenbar bei weitem nicht so groß wie bei uns ‚Alten’! Der Nachmittag vergeht also für uns ähnlich wie der Vormittag – viel Faulenzen und in der Sonne sitzen, manchmal die Füße „eintunken“ (wenn das Boot steil genug im Wasser liegt!) und hin und wieder an die „Arbeit“, wenn ein Segelmanöver angesagt wird!
Schade, dass der Spaß dann doch viel zu schnell vorbei ist! Kurz vor dem Anlegen gebe ich noch meine e-Mail-Adresse an die Fotografen – mal sehen, wie viel Fotos ich erhalten werde!

Eigentlich wollte ich heute noch mal Fisch essen gehen. Aber ich bin so müde und angestrengt von der Sonne, dass ich mir im Laden beim Vorbeigehen nur ein paar Nudeln und Gorgonzola mitnehmen und mir Spaghetti mit Käsesauce mache! Um 9h liege ich bereits im Bett!

6 Antworten zu Auf nach Norden – das Segelboot ruft!

  1. Siggi schreibt:

    ohhhh – einfach wunderbar dieses „Hobbitland“ – ist schon ulkig, erst kürzlich sah ich einen Bericht darüber und fand es einfach traumhaft schön und nun warst Du selber dort und hast es gesehen :o))))) Ich freue mich für Dich!!! …. Die Fotos anzuschauen macht mir so viel Freude. Auf den Segeltörn hätte ich freiwillig verzichtet und wäre lieber in dieser traumhaften Bucht entlanggelaufen …. ;o))

    Dann hab heute einen guten Jahreswechsel meine Liebe!
    Herzlichst Siggi

  2. Sohn #2 schreibt:

    eventuell war das ja auch Glück mit der vergessenen Kamera.
    Was vergessen wird, kann auch nicht ins Wasser fallen 😉
    Toller Törn, da wär ich gern dabei gewesen.
    Rutsch gut nach 2011, sollte ja baldbei Dir soweit sein?!
    Wir sehen uns dann „drüben“
    der Sohn#2

  3. mike schreibt:

    liebe christine,
    schon wieder ein tolles abenteuer für dich.
    na ja,das mit der kamera kommt mir irgendwie bekannt vor.
    da denke ich doch mit sehnsucht an unsere tour nach sea world.
    eintrittskarte vergessen, für dich alles kein problem.
    du löst, wie immer, alles im handumdrehen, mit ruhe u.
    gelassenheit.
    für das neue jahr alles alles gute und beste gesundheit.daß wir noch
    viele interessante berichte lesen können.
    lb. gruß mike

  4. Norbert schreibt:

    Liebe Christine,
    tolle Eindrücke die Du wieder gibst. Da bekommt man schon Lust auf Reisen zu gehen.

    Man merkt auch das Du eine erfahrene Seglerin bist. War immer sehr schön mit Dir in Holland.
    Ich wünsche Dir eine schöne Reise.
    Pass auf Dich auf
    Liebe Grüße aus Düsseldorf
    Norbert

    • grannyontour schreibt:

      Hallo Norbrt!
      Danke Dir fuer die „erfahrene Seglerin“ – dank Euch netten crew members war es auch fuer mich immer schoen in Holland – und ich hoffe, dass ich im naechsten Jahr wieder dabei sein werde!
      Liebe Gruesse zurueck aus dem wundervollen Rarotonga!
      Christine

  5. deanmagic schreibt:

    Mir gefällt die Bambushecke auf dieser Seite… Auf der Suche nach einer geeigneten Hecke sind wir über Google-Bilder hier gelandet…:) Aber auch sonst ganz interessant, deine Reiseberichte. In Neuseeland waren wir auch schon!

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