Farmleben

19.7.10
Das war eine Nacht! Wirklich eiskalt auch im Zimmer – gut, dass ich ein DZ hatte! Die zweite Bettdecke und noch eine Wolldecke brauchte ich, um richtig warm zu werden! Aber trotz Kälte gab es dann doch Mücken – das Moskitonetz war also nicht nur Zierde…
Die Dusche war zwar schön heiß, aber danach das eiskalte Bad brrrrh!
Im Haupthaus war es nicht deutlich wärmer, also saß ich mit (neu gekauftem) Fleecepullover + Fleecejacke am Tisch! Nach einem mehr als ‚continental’, aber zumindest mit einem Spiegelei!, Frühstück ging es dann aber los zum Farmdrive und die Sonne tat das ihre!
Als erstes ein überraschendes Bild für mich: Kohlköpfe, so weit das Auge reicht!!! Aber noch eigenartiger waren die Palmen dazwischen! Die Kohlköpfe waren um ca. 9.30h alle noch mit einer dünnen Eisschicht überzogen, die letzten Spuren von den auch letzte Nacht wieder deutlichen Minusgraden!
Neben Kohl gab es auch felderweise Tomaten und Salat – beides jedoch dem Frost ganz + gar zum Opfer gefallen! Jede Menge Melonen, die wie die Kohlköpfe den Frost einigermaßen überstanden haben, sind für den Export nach Süd-Afrika, aber auch Europa bestimmt! Für mich genau so erstaunlich, wie der Export von Rindfleisch nach Europa, wie ich das in Windhoek erfahren hatte!
Was mich etwas befremdet hat, war der Umgang mit den ‚Schwarzen’ (das ist hier übrigens politisch ganz korrekt, denn es gibt offiziell auch noch ‚Farbige’ und ‚Weiße’)! Auf den Farmen sind sie fast so etwas wie Leibeigene, die auf Zuruf, manchmal auch auf Pfiff reagieren müssen und alle Anweisungen und Befehle mit einem ‚Ja, Mijnherr’ quittieren! Unwirklich das, heutzutage…
Ähnlich befremdlich auch der Besuch in einer großen Molkerei und Metzgerei! Dort war immerhin eine junge schwarze Frau die Chefin der Käseherstellung – ein herrlicher Schnittkäse wird dort gemacht: mit unterschiedlichsten Gewürzen, länger und kürzer gelagert, dadurch mehr oder weniger würzig! Sie hat das Käsemachen bei Frico, einem großen niederländischen Käsehersteller, gelernt! In der Metzgerei werden Rinder, Schafe und Wild (Kudu, Springbok, Oryx, Strauß etc.) zerlegt und teilweise verwurstet. Alle Erzeugnisse gehen jedoch streng kontrolliert nur an die Lodges der hochpreisigen Gondwana-Kette! Weder die Leute aus der Umgegend, noch die, die die Arbeit dort verrichten, können sich etwas davon kaufen!
Bei der Rückkehr war das Mittagessen bereits fertig: Kudu Chops mit Spinat und Pommes – das Wild selbst geschossen, das Gemüse aus dem eigenen Garten und die Pommes aus echten Kartoffeln geschnitten! Zum Salatteller als Vorspeise gab es ein selbst gebackenes Hörnchen aus Süßkartoffel-Mehl – wirklich sehr lecker, das alles!
Der Nachmittag war dann ein Ausflug in die deutsche Vergangenheit – gemeinsam mit einer Familie aus Hessen, die inzwischen noch eingetroffen war. Ein relativ großer Soldaten-Friedhof aus der Zeit um 1900, der immer noch von der Deutschen Kriegsgräber-Fürsorge gepflegt wird, war unser erstes Ziel. Drumherum waren auch noch die Reste der damaligen Unterkünfte und des Lazaretts zu sehen – eingebettet in einen regelrechten ‚Wald’ von Akazien! Und hier und da noch Einzelgräber bzw. Gedenksteine für spezielle Kampf-Areale. Auch das für mich erstaunlich – dass diese Stätten nicht längst dem Erdboden gleich gemacht worden sind?
Beim Einsetzen der ja leider sehr frühen Dämmerung (und damit auch Kälte) geht es zurück! Einige Tiere begegnen uns – Antilopen und ein riesiger Vogel. Was immer das war, ich habe so ein Tier noch nie gesehen: Der Körper + Kopf etwa wie von einer sehr großen schweren Gans, aber auf langen Beinen wie ein Storch und mit grauem Gefieder – nach Auskunft unseres Gastgebers ‚gut zu essen’! Schade, dass die Dämmerung so schnell vorbei ist, ist einfach eine tolle Zeit, um wilde Tiere zu sehen und auch einen grandiosen Sonnenuntergang!

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5 Antworten zu Farmleben

  1. Sohn #2 schreibt:

    Muaterl,
    toller Bericht, ich bin ganz hin und weg (vorallem das“gut-zu-essen-Tier“ würde mich interessieren, was da ist)
    Am besten finde ich das letzte Foto mit dem Auto im Sonnenuntergang, einfach Klasse!!
    der Sohn#2

    • grannyontour schreibt:

      Das Tier ist eine ‚Riesentrappe“ – habe ich heute auf dem Schiff erfahren (und gestern nochmal eine gesehen, dies allerdings nur eine ’normale‘ Trappe!) Sobald ich wieder einen einigermassen funktionierenden Internetanschluss finde, gibt es mehr! Das Internet ist in diesem Land wirklich ein Problem…

  2. mike schreibt:

    mein kommentar für heute, was ist kälte, wenn bei uns so heiss?
    bericht wieder grandios ; klasse fotos. m.th.

  3. Valeska schreibt:

    Hammer Fotos!!! 🙂

  4. Rosi schreibt:

    Hallo Christine
    Endlich komme ich dazu Deinen Bericht von Deinen Erlebnissen aus Namibia zu lesen.
    Vor vier Jahren waren wir ja auch dort zwar als Touri aber ich habe gerade die Reise nochmal erlebt dank Deiner interessanten Schilderung. Das Capricorn-Schild.die kerzengeraden Straßen,Sonnenuntergänge, Sesriem, die Namib, Lüderitz, Kolmankop
    und und … Vielen Dank für das erneute wunderbare Erleben Namibias. Ich freue mich schon aud die Etosha.

    rosi und Georg

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