Von einem Traumhaus in ein „eigenes“ Häuschen!

21.11.2010
Heute ist Sonntag und auch hier im Haus ist noch sonntägliche Ruhe. Die Nacht war super – es kühlt immer noch ganz schön ab und so habe ich die Daunendecke richtig genießen können! Also kuschle ich mich noch mal ein wenig ein und warte, bis irgendwelche Stimmen mir verraten, dass Aufstehen angesagt ist!

Die Ruhe hat mich noch mal tief einschlafen lassen! Um kurz vor 9h werde ich wach, aber ich höre immer noch nichts. Also gehe ich erstmal in das traumhafte Bad, um mich für den Tag zu rüsten. Da sehe ich aber, dass Kim und Mark schon auf dem großen Sofa auf dem hinteren Deck sitzen und das Frühstück bei dem schönen Wetter draußen hatten. Das mache ich dann nach dem Duschen auch gleich so! Es ist wirklich manchmal verblüffend bei CouchSurfing – es gibt Gastgeber, da fühlt man sich vom ersten Augenblick an gleich wie bei alten Freunden und nicht wie bei wildfremden Menschen! Auch hier ist das wieder so! Als ich dann gerade mit meinem Frühstück beschäftigt bin, kommen zwei Arbeitskollegen von Kim (sie ist Rettungssanitäterin) vorbei – sie werden mir kurz vorgestellt und schon bin ich mitten in ihre Gespräche mit einbezogen!
Leider muß ich aber heute schon wieder weiter – die Zeit ist halt manchmal zu kurz… Die beiden möchten, wenn das Haus soweit fertig renoviert ist, ein Bed&Breakfast aufmachen und laden mich ein, unbedingt vorher noch mal vorbei zu kommen, um das kostenlos zu testen :-)! Ich werde mein Bestes tun, bin aber überzeugt, dass das nicht nötig wäre. Die beiden schaffen es bestimmt, die Atmosphäre für die Gäste genau so angenehm und gemütlich zu machen, wie sie das mit ihrer Familie, ihren Freunden und den Couchsurfern tun!
Von Bombala geht es auf dem Princess Highway weiter – ich will heute etwa bis Lakes Entrance fahren und mir dort irgendwo ein günstiges Hotel suchen. Ich denke, das wird nicht so schwer sein, da die Wochenend-Gäste heute wieder gefahren sind und die Urlaubszeit eigentlich noch nicht so richtig eingesetzt hat!
Eine Weile geht es noch an Felder und Wiesen vorbei, dann aber geht es deutlich bergab! Durch dichten Wald begebe ich mich offensichtlich wieder auf Meereshöhe hinunter! , es wird auch vor umkippenden Lastwagen gewarnt oder so ähnlich 🙂
Wie mir Kim sagte, habe ich Glück, dass es in diesem Jahr solange geregnet hat (naja, Glück??). Denn normalerweise würde es um diese Zeit hier schon aussehen, wie in Spanien im September – alles gelb und braun! Aber das ist es jetzt wirklich nicht. Ein sattes Grün begleitet mich und so sehe ich den Regen, den ich immer wieder mal hatte, eben doch positiv! Zeitweise sieht es auch aus, wie bei der Laubverfärbung im Herbst – die jungen Eukalyptusblätter sind nämlich blutrot, ehe sie dann grün bzw. grau werden!
Plötzlich tut sich vor mir ein Bergrücken auf, der so aussieht, als ob ein ordentlicher Sturm den Wald umgemäht hätte! Aber hier ist das ‚handgemacht’ – die Forstleute säbeln hier immer gleich ganze Waldstücke um und nicht nur einzelne Bäume! Anschließend wird dann flächendeckend wieder neu angepflanzt!
Mitten im Wald kommt dann kurz danach eine Hühnerfarm in meinen Blick – soweit ich sehen kann, überall freilaufende Hühner in Gehegen aus dichtem Maschendraht! Es ist ordentlich Platz zum Herumlaufen und –scharren! Es werden auch Eier verkauft, aber das ist mir eine doch zu sensible Fracht!
Langsam wird die Straße wieder ebener, aber bleibt weiter kurvig – was ja nicht das Schlechteste ist. So macht Autofahren richtig Spaß! Gerade um eine Ecke gebogen, denke ich, ich träume – mitten auf einer Waldwiese steht ein roter Eisenbahnwaggon! Irgendwie ziemlich unwirklich, aber ich träume nicht! Es gibt zwar keine Schienen, aber er steht da im hohen Gras. Daneben, das sehe ich jedoch erst beim Näherkommen, ist auch ein kleines, sehr neu aussehendes Haus. Vielleicht haben die Bewohner erst in dem Waggon gelebt? Vielleicht auch ein Überbleibsel der ehemaligen Bahnstrecke? Alles ziemlich merkwürdig!
Inzwischen bin ich endgültig in der Ebene angekommen – und auch im Bundesstaat Viktoria! Es wurde auch Zeit, mein Benzin neigt sich dem Ende zu! Die nächste Tankstelle in Cann River wird also gleich angefahren! Leider ist das keine, wo ich mit meinen Coles- bzw. Woolworth-Gutscheinen einen Nachlass bekommen würde (derzeit sind das immerhin 8Cent/Liter!!!). Da ich jedoch nicht weiß, wann eine solche kommen wird, muß ich eben in den sauren Apfel beißen!
Weiter geht es durch dichten Wald! Eigentlich ist er derzeit gar nicht so dicht – hier in diesem Gebiet haben 2008 und 2009 üble Buschfeuer gewütet! Aber die meisten der total verkohlt aussehenden Bäume treiben schon wieder ein wenig Grün und im Unterholz wächst, grünt und blüht schon allerhand! Die Natur ist doch ein einziges ‚ewiges Leben’!

In den letzten 6 Jahren hat es so gut wie nie geregnet hier im Osten Australiens (oha!!!), es war alles total vertrocknet und das Wasser überall bereits mehr als knapp! Dieses Jahr ist jedoch alles anders – soviel Regen (und in den Bergen Schnee), alles bis weit in den Frühsommer hinein noch grün, die Wasserreservoirs sind durchschnittlich bereits zu 90,3% gefüllt (wird überall an den Straßen durch große aktuell geführte elektrische Anzeigentafeln verraten!) – es erscheint vielen wie ein Wunder! Leider konnten unzählige Farmer diese lange Zeit nicht überstehen. Unterwegs sah und sehe ich hier im Osten immer wieder entweder leer- oder zum Verkauf stehende Farmen, auch große Stationen! Das ist dann schon entsetzlich und ich komme mir ziemlich albern vor mit meinem Gehadere über die paar Regentage…
Bald sehe ich von der ein wenig erhöht geführten Küstenstraße durchs Gebüsch immer wieder mal kurz das Meer! Man kann aber nur auf Trekkingpfaden dahin kommen, aber dafür ist es leider zu spät! Ich habe ja keine Unterkunft für heute reserviert und ich möchte nicht tief in den Abend hinein kommen!
In Orbost laufen neben der Straße eine ganze Weile alte Schienen auf einem erhöhten hölzernen Train Track entlang! Wie mir mein schlaues Buch verrät, ist diese „alte“ Bahnlinie seit 1988 nicht mehr in Betrieb. Es ist jedoch inzwischen ein gern gegangener Wanderpfad daraus geworden. Ein paar Kilometer weiter gibt es am Straßenrand einen Hinweis auf eine ‚Historic Trestle Bridge’, eine alte sog. ‚Bockbrücke‘ – da kann ich natürlich nicht widerstehen, das muß ich sehen! Etwa 4 km auf einer schmalen, aber sehr guten ‚gravel road’ und dann stehe ich vor dieser beeindruckenden Konstruktion! In 1980 ist sie einem Buschfeuer zum Opfer gefallen, wurde wieder aufgebaut und war eben auch bis 1988 in Betrieb – bis dann die Straßen besser ausgebaut wurden und die Busverbindungen schneller waren (bzw. die Zahl der privaten Autos zunahm).
Überall im Wald sehe ich Termitenhügel, die hier wieder ganz anders aussehen, als überall zuvor! Bevorzugt suchen sich die Tiere hier frei liegende Baumwurzeln (und die gibt es hier überall zur Genüge – auch besonders malerische Expemplare!) zur Anlage ihres Baus aus, manchmal ziehen sie ihn jedoch auch rund um einen lebenden Baum hoch. Faszinierend…
Jetzt bin ich nicht mehr weit von ‚Lakes Entrance’ entfernt, das Meer ist schon fast in Greifweite! Der Name der kleinen Stadt kommt nicht von ungefähr – hier ist die einzige Stelle, wo die zahlreich vorhandenen Seen des Hinterlandes eine Verbindung zum Meer haben, also die Seen (lakes) einen Eingang (entrance) zum Meer fanden! Ein kleines malerisches Städtchen mit einem quirligen winzigen Hafen (hier fahren auch viele Boote zu Rundfahrten auf den Flüssen und Seen ab) und unzähligen Motels und Tourist Parks! Wenn ich jetzt wieder ein großes Auto hätte, könnte ich für kleines Geld überall einen Standplatz zum Übernachten erhalten. Mit Hotelzimmern sieht es jedoch ziemlich düster aus: Die bezahlbaren sind voll belegt (ist offenbar doch irgendeine vorweihnachtliche Urlaubszeit hier), die freien Kapazitäten unverschämt teuer (ein Zimmer in der 1.Etage mit ‚Blick’ auf den Müllhof sollte 140$ kosten, ein anderes in einem großen Hotel, 3.Etage, mit Aussicht immerhin auf einen Spielplatz 159$, dazu obligatorisch 19$ fürs Frühstück!)! In meinen Infos, die mir die freundliche Hertz-Dame mitgegeben hat, finde ich eine Übersicht über ziemlich vieleBed & Breakfasts hier in der Gegend, die ein wenig günstiger sein könnten. Ich rufe bei einigen an und frage nach den Preisen – aber die meisten sind auch voll belegt. In einem habe ich jedoch „Glück“, aber es ist erst im nächsten Ort und ein Stück vom Meer entfernt. Es soll 120$, also ca. 90€ kosten, dafür hat mein einen eigenen kleinen Bungalow. Kurz entschlossen sage ich zu und fahre noch das Stück weiter! Die Umgebung ist ländlich, aber sehr hübsch! Nach ein bisschen Suchen finde ich auch die Zufahrt zu den ‚Stringybark Cottages’ und bin begeistert. Auf einer großen Waldlichtung stehen 4 kleine Häuschen, jedes mit einer großen Veranda – dazwischen ist überall Rasen mit vielerlei blühenden Pflanzen. Die Besitzer, Lois und Neill Triggs, wohnen gleich daneben in einem größeren Holzhaus! Dorthin gehe ich erstmal, um mich anzumelden! Neil begleitet mich danach, zusammen mit Pip, dem Familienhund, zu meinem Häuschen – er hat ein kleines Körbchen dabei mit allem, was man so fürs Frühstück brauchen könnte: Frischen Saft, Milch, Eier von eigenen Hühnern, Schinken, Tomaten, Champignon, selbst gemachte Marmelade, Butter, Toast etc. etc.! Das wird alles von ihm in meinem Kühlschrank verstaut! Dazu hat er mir ein kleines Fläschchen Portwein mitgebracht „for the evening…“
Ich habe das günstigste Häuschen – das ‚family cottage’- bekommen. Die anderen 3 sind für Paare – mit tollen doppeltbreiten Badewannen, Doppelduschen und sehr hübsch eingerichtet, aber auch deutlich teurer. Und ich bin mit meinem total zufrieden – eine kleine Küche mit allem, was man so brauchen könnte, einem Schlafzimmer mit einem großen Bett, einem Kinderzimmer, einem großen Bad und einem gemütlichen Wohnraum, der gleich an die Küche anschließt! Dort ist das Schönste – ein Kaminofen und draußen, gleich neben der Tür gestapelt das entsprechende Holz! Da es abends noch empfindlich abkühlt, will Neill für mich Feuer machen, aber das möchte ich doch selbst tun!

Das war wirklich ein Glücksgriff und da ich für Melbourne schon die Zusage für 3 Nächte von einem CS habe, leiste ich mir das einfach mal ganz ohne schlechtes Gewissen!
Es wird ein sehr gemütlicher Abend! Ich habe noch Tomaten, Avocado und Käse in meiner Kühltasche, dazu auch noch gutes Körnerbrot – das wird mein Abendessen. Das Feuer ist schnell angezündet und brennt auch sofort ‚vorschriftsmäßig’. Beim Knacken der Flammen schaue ich heute ausnahmsweise mal Nachrichten im Fernsehen, nehme mir aber bald ein Buch, ehe ich dann in meinem molligen Bett verschwinde!

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