Zurück nach/in Windhoek

1.8.2010
Das Schlafen in einem Bett, das leicht nach vorne hängt, ist naturgemäß nicht ganz einfach – aber irgendwie geht es dann doch! Schade, denn grundsätzlich ist der Desert Express für erholsamen Schlaf optimal geeignet – er wird schon während des Abendessens deutlich langsamer, bis er schließlich ganz stehen bleibt! Und das für den Großteil der Nacht! Damit fallen alle Bahngeräusche und -bewegungen weg, die ja viele Menschen vom Schlafen im Zug abhalten.
Erst gegen 4 Uhr morgens setzt er sich fast unmerklich wieder in Bewegung. Hier geht es dann offenbar auch auf neuen Gleisen entlang – es gibt fast kein Ruckeln und Schuckeln! Selbst die Fahrgeräusche sind stark gedämpft! Auf dem Bett sitzend lässt sich so ab 6 Uhr der langsam aufgehenden Sonne gemütlich zuschauen!
Ein faszinierendes Schauspiel wie immer hier in Namibia. Erst verfärbt sich der Himmel in allen möglichen Tönen von dunkelblau bis hellrosa und dann tastet sich ein zaghaftes Flämmchen über den Horizont! Ehe man sich versieht, wird daraus ein riesiger Feuerball – auch der Himmel ist glutrot angeleuchtet und die Landschaft liegt in einem zartrosa Licht! Das aber nur kurz – im Handumdrehen ist die Sonne jetzt vollständig da und strahlt wie immer vom blauen Himmel!
Jetzt ist die Steppe auch voller Leben bzw. nun kann man das Leben auch sehen: Große Gnuherden ziehen knapp neben dem Zug daher. Ein Stück entfernt sind Giraffen zu sehen! Unzählige Impalas kann man zwischen den Sträuchern erkennen und hier und da schauen auch mal ein paar Erdmännchen neugierig dem Zug hinterher!
Die Morgentoilette im Zug ist äußerst komfortabel: Das Bad ist zwar winzig, hat jedoch alles, was man so braucht! Duschkabine und Toilette und ein verschiebbares Waschbecken, das tagsüber in der Dusche hängt und beim Duschen über die Toilette geschoben werden kann. Sogar an eine Duschabtrennung ist gedacht und komfortable Einhebel-Mischbatterien!
Kaum in meinen Kleidern werde ich auch schon durch Klopfen daran erinnert, dass das Frühstück wartet! Ein ‚Programmpunkt’ jagt den anderen…
Das Frühstücksbüffet ist natürlich so, wie man es nach dem bisher Gebotenen auch erwartet! Man lässt uns Zeit, in den Tag zu starten. Erst um 9.30 Uhr gibt es erneut Entertainment: Wieder hält der Zug auf freier Strecke, draußen stehen bereits zwei ‚Game Drive’-Fahrzeuge für uns! Schnell auf die erhöhten Sitze geklettert und los geht’s. Leider sieht das spektakulärer aus, als es letztendlich ist. Wir werden zu einem Fütterplatz für Löwen gefahren, wo wir hinter dicken Holzbohlen zuschauen können, wie das morgendliche Stück Antilope vertilgt wird. Aber besser ist das so – vor zwei Jahren wurde ein Wildhüter von einem Löwenpärchen angefallen und vor den Augen der Zuschauer bereits angefressen, ehe jemand eingreifen konnte – gruselig!
Anschließend dürfen wir uns auf der in der Nähe liegenden Lodge umschauen und bekommen noch Kaffee und Tee serviert. Der Clou dabei sind die ebenfalls angebotenen Kekse – in einem absoluten Pinkrosa! Sieht statt appetitlich eher giftig aus!
Nach diesem kurzen Ausflug geht es zurück in den Zug – hier haben dienstbare Geister inzwischen die Abteile wieder ‚tagesfein’ gemacht. Mit geschätzten 50 km/h bewegen wir uns nun ganz langsam Richtung Windhoek weiter. Ich rufe schon mal ‚meinen’ Taxifahrer an, wann er mich etwa am Bahnhof abholen kann.
Fazit: Eine wunderschöne Reise in einem wirklich außergewöhnlichen Zug geht zu Ende. Es ist kein richtiger Luxuszug – schon die dadurch fehlende ‚Kleiderordnung’ erleichtert eine Reisende wie mich unendlich! Aber man wird trotzdem absolut verwöhnt vom offenbar hoch motivierten und überaus freundlichen Personal, der Ausstattung in den Abteilen (über das ‚hängende’ Bett schau ich mal großzügig hinweg) und dem Angebot ‚aus Küche und Keller’!
Ich hatte meine Fahrt übrigens einer 18-köpfigen Reisegruppe aus Berlin zu verdanken, die den Zug für die Fahrt von Windhoek nach Swakopmund relativ kurzfristig gechartert hatte! Meine bzw. auch die ersten Nachfragen von der netten und äußerst hilfsbereiten Heidrun Wenzel von SWA ergaben nämlich, dass dieser Termin abgesagt wäre. Überraschenderweise erfuhr ich ja dann bei persönlicher Nachfrage am Bahnhof, dass ich fahren könnte! Und im Zug heute Nacht erfuhr ich dann von der ‚Purserin’ die Auflösung des Rätsels!
Das Abholen durch das Taxi klappt wie erwartet, Julius war sehr erstaunt und überrascht über meine positiven Schilderungen der beiden Zugfahrten und hat sich vorgenommen, das jetzt doch auch mal zu riskieren! In der Pension OL-GA steht dann schon sonntäglicher Kaffee mit Bananen-Kuchen für mich bereit zu einem Schwätzchen mit Gesa, der Pensionsinhaberin!
Hier habe ich für die nächsten 3 Tage ein hübsches kleines ‚Häuschen’ mit Kitchenette, Bad und Terrasse! Nutzen werde ich das Ganze einfach mal nur zum Relaxen oder vielleicht besser gesagt ‚faul sein’ – am Mittwoch ganz früh geht es dann Richtung Norden zur Etosha-Pfanne! Dort steht dann 4 Tage lang Wildbeobachtung pur auf meinem Programm! Der Beschreibung von Joachim nach auch für eine Nacht eine der sagenhaften ‚Lodgen’!
Der Tag ging heute zu Ende mit einem Besuch im NICE, einem Maßstab setzenden Restaurant einer Kochschule hier in Windhoek. Sind zwar preislich etwa europäische Verhältnisse, aber das Essen war einfach ‚outstanding’!

2 Antworten zu Zurück nach/in Windhoek

  1. Siggi schreibt:

    Na dann „erhole“ Dich gut! Wirst schon wieder was finden, was Du auch noch unbedingt tun möchtest in Deiner „faul-sein-Zeit“ ;o)))

    Liebe Grüße
    Siggi

  2. Karin Holzer schreibt:

    Hallo Christine,
    Habe mir jetzt, wo ich Ferien habe, mal Zeit genommen deine bisherigen Aufzeichnungen durchzulesen. Aus allen spricht Zufriedenheit. Die wünsche ich dir weiterhin!
    Mutti geht es gut. Sie war eine Woche bei uns und hat es genossen.
    Erich und ich düsen in zwei Wochen ab an die Nordsee – Natur pur.
    Liebe Grüße, Karin

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