Daressalam – zum zweiten!

21.8.2010
In aller Herrgottsfrühe bin ich schon unterwegs zum nächsten ATM! Heute nacht fiel mir siedendheiß ein, dass hier im Guesthouse keine Kreditkarten akzeptiert werden und ich will doch nicht als Zechprellerin dastehen!
Der erste ATM ist offenbar leer, also noch ein Stück weiter – beim nächsten gelingt mir endlich, das Geld zu ziehen!
Mein letztes Frühstück auf der schönen Terrasse! Ich werde versuchen, dieses kleine Guesthouse an einige Reiseführer zu empfehlen! Es ist billiger, als das schon sehr einfache Haven Guesthouse und um Welten besser und vor allem auch schöner!
Der kurze Weg zur Fähre geht gut zu Fuß, auch über die teilweise sehr holprige Straße! In ein paar Minuten bin ich dort und winke allen mir schon entgegen kommenden ‚Porters’ ab – keine Lust, wieder ein Vermögen für das Tragen von meinem Koffer auszugeben, der ja fast von alleine fährt!
Die Ausreise-Prozedur geht fix und ich habe noch fast eine Stunde Zeit, die Leute um mich herum ein wenig zu beobachten! Offenbar wird das anstehende Wochenende genutzt, um einen Ausflug aufs Festland zu machen – natürlich in den schönsten Kleidern!
Die ‚Fast Ferry’ ist den Aufpreis von umgerechnet 5Euro auf jeden Fall wert! Nicht nur, weil sie nicht mal die Hälfte der Zeit braucht als die, mit der ich vor ein paar Tagen gekommen bin! Es ist auch um Welten bequemer auf diesem relativ neuen Schiff, auch viel sauberer (vor allem die Toiletten!) und der Katamaran gleitet fast lautlos durchs Wasser! In der ‚Business Class’ ist auch hier der unvermeidliche Fernseher an. Während aber auf der Herfahrt nur vier verschiedene Imame gesprochen haben (vermutlich wegen des Ramadan-Beginns), läuft jetzt ein sehr gut gemachter Dokumentar-Film über die Serengeti – auf englisch mit Suaheli-Untertiteln!
Ich sitze eine ganze Weile draußen auf dem Vorschiff – es ist so ein schöner Tag und ich kann die Insel noch mal vom Meer aus betrachten! Später wird es dann ordentlich windig und die Fahrt ist auch nicht mehr ganz so ruhig – es werden haufenweise schwarze Plastiktüten verteilt…
In Daressalam steht natürlich wieder das Spießrutenlaufen durch die versammelten ‚Porter’ an – man muß sein Gepäck richtig festhalten, trotz eindeutigem NEIN würden sie einem am liebsten die Gepäckstücke aus der Hand nehmen! Dann noch so Ansagen wie ‚you’re an old lady, you need help!’ – und das mir mit meinem Mini-Gepäck! Aber ‚Fast Ferry’ und dann noch ‚Business Class’, das verspricht natürlich ordentlich Einnahmen!
Vor dem Hafengebäude suche ich meinen Gastgeber Mona, kann aber weder jemand sehen, der dem Foto auf der Couchsurfing-Seite ähnlich sieht noch jemand, dessen Augen vielleicht suchend auf mich fallen. Ich rufe ihn an und sage Bescheid, dass ich da bin – er will in 10 Minuten am Hafen sein bzw. mich vor der gegenüberliegenden St.-Josephs-Kirche treffen (ich habe keine Lust, noch länger in dem Gewühl stehen zu bleiben!).
Auf den Treppenstufen der Kirche kann ich das aus sicherer Entfernung betrachten, aber selbst hierher kommen welche, um mir zu ‚helfen’ bzw. Taxi anzubieten…
Nach einer Stunde Warten ist meine Geduld jedoch zu Ende – ich gehe einem Hostel gleich neben der nicht weit entfernten Lutherkirche. Dort haben sie auch noch ein Zimmer frei und kurz entschlossen nehme ich das! Gerade, als ich bezahle, klingelt mein Telefon: Mona – wo ich bin? Schnell kommt er im Taxi noch hierher gefahren, aber jetzt kann ich das Zimmer nicht mehr canceln. Er hatte mir wohl zwei SMS geschickt, dass er sich verspätet, weil er im dichten Verkehrsstau steht – heute fing in Daressalam der Wahlkampf für das im Oktober anstehende Referendum statt! Es ist mir zwar beim Warten aufgefallen, dass ständig Busladungen voll mit Fahnen schwingenden Menschen an mir vorbei fuhren – das habe ich jedoch nicht mit Verkehrsstau in Verbindung gebracht (die beiden SMS bekam ich übrigens erst am nächsten Tag – so schade!!!). Etwas enttäuscht zog er dann ab, wir haben uns aber für morgen abend zum Iftar-Essen verabredet!
Mein Zimmer ist klein, hat aber ein eigenes Bad und ist sauber – vor allem Bettwäsche und Handtücher! Die AC macht zwar einen Lärm wie ein Formel-1-Rennen, aber ich lasse sie nur solange laufen, bis ich ins Bett gehe. Und es gibt Mücken – das erste Mal auf dieser Reise vor allem richtig viel! Vor den Fenstern sind keine Mückengitter und so haben sie ‚freien Eintritt’ – auch durch die wohl in Afrika, wie auch in Asien, unvermeidlichen Zwischenräume bei den in die Fassade eingelassenen AC-Kästen! Aber ich habe ein Moskitonetz und verkrieche mich eben darunter.
Ich weiß nur nicht, wer auf die Idee gekommen ist „Mücken gehen nicht auf helle Kleidung“! Ich habe den Eindruck, das gefällt ihnen gerade! Nachdem alle Fenster geschlossen und die Schlitze um den AC-Kasten mit meiner Windjacke dicht gemacht wurden, mache ich mich mit meinem Autan-Spay auf die Jagd! Ein kurzer Sprühstoß genügt und sie taumeln auf den Boden, wo ihnen dann ein gezielter Fußtritt den Rest gibt! Der Abend und die Nacht sind mückenfrei!
Am Nachmittag bin ich noch ein wenig auf der Uferstraße entlang gebummelt, habe im Kempinski-Hotel ‚Kilimandjaro’ Kaffee getrunken und meine Mails abgerufen. Gleichzeitig auch ein paar CS-Leute in Singapur angeschrieben und endlich meine Flüge nach Bali und zurück gebucht! Weder die Rückbestätigung meiner Flüge nach Johannesburg und Singapur oder gar eine Platzreservierung klappte, obwohl ich von Travel Overland per Mail die gültigen Buchungscodes bekommen habe. Die Rezeption im Kempinski rief dann am Flughafen für mich an und konnte zumindest die Bestätigung loswerden!
Der Abend gehörte einer indischen Soap-Opera im Fernsehen (ich habe einen Fernseher im kleinen Zimmer!) – zum totlachen!

Eine Antwort zu Daressalam – zum zweiten!

  1. TinkaC schreibt:

    Hallöchen aus dem mückenfreien München,

    ich gebe es zu – ich habe selten so gelacht bei der Vorstellung wie Du erfolgreich den Viechern den Garaus machst!
    Deine Beiträge sind wirklich herzerfrischend, vielen Dank, dass Du uns alle so anschaulich daran teilhaben lässt.
    Eine weiterhin gute Reise wünsche ich.

    Alles Liebe

    Tinka

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