Durch die Kalahari

20.07.10
Der erste richtig aufregende Steckenabschnitt steht heute bevor – ca. 300 km nur auf ‚gravel pads’ in und durch die Kalahari! Meine Gastgeber hatten mir zwar davon abgeraten, aber die nette Familie aus Hessen kam gestern auf diesem Weg hier an und hatten keine Bedenken. Und da man hier die Mietwagen ausdrücklich auch auf solchen Straßen fahren darf, werde ich es auch tun!
Nach Volltanken und Versorgung mit ordentlich Wasser geht es auf den ersten Kilometern noch etwas verhalten los, ob der vielen Steine, die deutlich hörbar in die Radkästen geschleudert werden. Nach einem kurzen Check, ob da auch etwas am Lack zu sehen ist, fahre ich jedoch beruhigt weiter. Die Geschwindigkeit ist auf 100 km begrenzt – ich fahre zwischen 60 und 80, muß ja auch ständig schauen und immer wieder Fotostopps einlegen! Das erste Teilstück der Strecke geht durch eine überraschend grüne Landschaft: Im Flusstal des Auob (von dem man aber nichts sieht) gibt es offenbar reichlich Grundwasser! Zahlreiche große Farmen sind immer wieder zu entdecken – teilweise sehen sie aus, wie große Güter in der Toskana! Man lebt dort immer noch, und das offenbar nicht schlecht, von den Karakul-Schafen! Da das Tragen von ‚Persianer’ inzwischen Gott sei Dank nicht mehr modern ist, werden die Schafe nun nur noch geschoren und aus der Wolle herrliche Teppiche hergestellt oder eben das Fleisch verkauft!
Die Straße ist in einem sehr wechselhaften Zustand. Dank eines Straßenhobels, der etwa 1x/Monat dafür sorgt, dass zu tiefe Spurrinnen bzw. zu hohe Schotterstreifen beseitigt werden, kann sie – wenn er gerade oder erst kürzlich unterwegs war – fast so gut befahrbar sein, wie eine Asphaltstraße. Dann wieder gibt es Stücke, wo der Monat offenbar fast um war und da wurde ich dann gleich ganz langsam, denn die Schotterstreifen zwischen den ‚Fahrbahnen’ sollte man tunlichst nicht über-/durchfahren! Verkehr ist allerdings so gut wie keiner bzw. lange vorher schon zu sehen, so dass ich zwischendurch – wo nötig – auch mal auf der rechten Fahrspur fahren kann.
Aus dem Auob-Tal geht es dann in einer weiten Steilkurve auf die angrenzende Hochebene, wo immer wieder schon die rotsandigen Ausläufer der Kalahari zu sehen sind! Und dann macht die Straße einen Schlenker und plötzlich windet sich ein schneeweißes Straßenband in stetem Auf und Ab durch die jetzt zu durchquerenden roten Sand-Dünen mit ihrem derzeit noch reichlichen Bewuchs aus grünen und gelben Gräsern und Sträuchern! Ich – vermeintlich Wüsten gewöhnt – halte schnell am Straßenrand, um ein Foto zu machen und stelle anschließend fest, dass mein kleines Auto mit den noch kleineren Rädern und noch dazu Frontantrieb überhaupt keine Anstalten macht, aus dem Sandbett heraus zu wollen ! Alles Sand vor den Rädern wegschieben (nach Wahiba-Manier) und im 2.Gang anfahren führt immer wieder nur zum Festfahren! Gott sei Dank kommt nach wenigen Minuten ein Geländewagen mit 4 deutschen Touristen des Wegs, die ich stoppen kann. Sie haben zwar kein Abschleppseil dabei, ‚aber 8 starke Arme’ und mit deren Hilfe und dem 1.Gang wurde mein kleines Auto schnell wieder ‚auf Spur’ gebracht! Die Kalahari sollte als Wüste eben tunlichst nur mit 4-Rad-Antrieb befahren werden, auch noch so kleine Teilstücke unmittelbar neben dem ‚gravel’!
Mein heutiges Tagesziel ist das „Mesosaurus Fossil Camp“ kurz vor Keetmanshoop, wo ich am Nachmittag gut ankomme und vom Juniorchef Hendrik Steenkamp, einem ‚namibischen Cowboy’ hoch zu Ross empfangen und zu meiner Behausung für die nächsten beiden Nächte gebracht werde. Meine Hütte ist klein, aber gemütlich (noch ist es warm!), der Senior der Farm kommt kurz danach, um mir – als einzigem Gast – ein Abendessen in Form eines „BRAI“, eines namibischen Grills, zuzubereiten! Ein wunderbar zartes ‚Lammkotlett’, etwa so groß wie ein kleines T-Bone-Steak (als Lämmer gelten hier Tiere bis zu 12 Monaten!) und eine Grillwurst aus Rind und Kudu mit herrlichen Gewürzen, eine Riesenschüssel Salat und dazu extra noch ‚Rote-Bete-Salat’ und ein auf dem Grill frisch gebackenes Brot werden mir serviert. Dazu die kurzweilige Unterhaltung mit Giel Steenkamp, dessen Vorfahren bereits im 18.Jh. aus Südafrika eingewandert sind und ursprünglich aus den Niederlanden stammen. Es ist ein herrlich-unkonventionelles Sprachgemisch aus Englisch, Afrikaans und Deutsch, aber mit viel interessanten Einzelheiten übers Land und speziell seine bzw. jetzt der Farm seines Sohnes!
Nach dem Essen – das Grillfeuer ist aus, die Sonne längst untergegangen – bleibt wieder nur schnell ins Bett zu schlüpfen, die Kälte fordert ihren Tribut! Bericht schreiben geht sowieso nicht – weder Strom noch Internet noch Mobilfunk sind vorhanden! Mit Hilfe meiner Stirnlampe lese ich noch ein paar wenige Minuten und mache um 19h, gefühlt mind. 23h, das Licht aus!

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Eine Antwort zu Durch die Kalahari

  1. mike schreibt:

    hi liebe christine,
    gespannt lese ich schon wieder deinen nächsten bericht.
    wie ich so vernehme, geht´s dir bestens und du hast glück mit deinen gastgebern.
    deine geländewagentour liest sich wie die rally paris-dakar.
    da denke ich schon wieder an unsere fahrt ( ureinwohner ). sandpiste vom feinsten. unser essen damals, war ja nur ein mitgebrachtes grillhendel vom supermarkt. da ist so ein leckeres grillgericht schon etwas ganz anderes.
    dann deine behausung, ich muss sagen, die kann sich sehen lassen. auch wenn es etwas fröstlich ist. doch habe ich bei dir habe gar keine bedenken, daß es mal zu kalt ist, denn du bist in jeder hinsicht erfinderisch. liebe grüsse m.th.

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