Rundreise durch Santa Cruz – nur eine Provinz im riesigen Patagonien!

Erster Teil von El Calafate Richtung Osten bis an den Atlantik, dort hoch bis nach Pico Truncado!

Mittwoch, 2.3.2011
Pünktlich um 8h stehen wir vor der Tür von AVIS, aber leider ist da noch niemand – aber die „süd-amerikanische Pünktlichkeit“ sollten wir inzwischen kennen… Wir nutzen die Zeit, um noch mal schnell zum Geldautomaten zu gehen! Falls es Geld gibt, wollen wir ein wenig ‚auf Vorrat’ mitnehmen – wir wissen ja nicht, wo und wann wir den nächsten ‚schröpfen’ können :-)! Außerdem buchen Conny und Rainer am Busbahnhof gleich noch ihre Fahrt nach Puerto Natales, von wo aus sie beim Ende unserer Rundfahrt nach Punta Arenas weiterfahren werden, um von dort den Flug nach Santiago de Chile und dann zurück nach Deutschland zu nehmen!
Mit Geld und Busfahrkarten waren wir also erfolgreich – danach ist auch das Autovermiet-Büro besetzt! Heute sind gleich noch 3 zusätzliche Kollegen zu der Dame von gestern anwesend! Das Auto steht noch am Flughafen, aber wir sollen einen ‚shuttle’ bekommen (und der Flughafen liegt ja auf unserem Weg!). Wir mieten uns mutig nur einen normalen PKW und werden auch von den Leuten dort bestätigt, dass das kein Problem sei. Nur von der geplanten Quer-Verbindung von El Calafate gleich zum Nationalpark Monte Leon wird uns abgeraten, da das eine ‚non-paved’ Straße wäre – bei Regen extrem schlammig und bei trockenem Wetter mit entsprechend tiefen Spuren und Löchern! Also werden wir den Umweg über Los Gallegos auf der asphaltierten Straße nehmen – mehr Zeit werden wir damit wohl auch nicht brauchen! Und 14.000 km von daheim ist Zeit sowieso relativ…

Den ‚shuttle’ soll ein Mitarbeiter mit einem VW’Gol’ (also etwa Polo-Größe) machen. Nachdem wir ihm aber sagen, dass wir im Hostel noch unser Gepäck aufpicken möchten, fährt der Chef selbst noch mit einem Golf zusätzlich mit! Der Kofferraum wäre sonst eindeutig zu knapp geworden. Aber so bringen wir alles unter, am Flughafen wartet unser ‚treuer Begleiter’ für die nächsten 2 Wochen, ein VW Suran, schon auf uns. Er hat zwar bereits einen Sprung in der Scheibe, aber ‚no problem’, wie uns unsere beiden Chauffeure zu verstehen geben. Na ja…!?
Conny ist die erste Fahrerin, ich darf vorne sitzen wg. Fotos, Rainer macht es sich hinten bequem und das Gepäck haben wir alles locker im Kofferraum untergebracht! Nur die beiden kleinen Rucksäcke der beiden (ein ‚grüner’ und ein ‚blauer’ – ich kann den farblichen Unterschied anfangs nicht so recht sehen!) bleiben auf dem Rücksitz, Wörterbuch, Fernglas, Taschentücher, Wasserflaschen etc .etc. sollen ja stets griffbereit sein!
Wir haben heute etwa 500km vor uns – unsere gesamte Rundreise soll uns an der Atlantik-Küste ein Stück Richtung Norden führen, dann durch tiefstes Patagonien wieder zurück nach Westen, um dann über El Chaltén durch das Gletschergebiet wieder El Calafate zu erreichen. Wir wissen nicht so recht, was uns alles erwartet, sind aber voller Vorfreude und Spannung – vor allem, da auch das Wetter weiter mitmacht. Wir alle sind angenehm überrascht davon – hatten wir uns doch auf richtig Wind, Kälte und auch mehrmals Regen eingerichtet! Es ist zwar nicht strahlend schön heute, aber trocken und auch nicht besonders kühl!


Eine Weile begleiten uns am Wegesrand noch die Berge, auch eine Estancia sieht man hin und wieder von der Straße aus! Dann wird es jedoch schnell flach und „weit“ – aber schon kommen die ersten Guanacos und Nandus in unser Blickfeld! Nun weiß ich endlich, warum die Nandus als ‚südamerikanische Laufvögel’ in Kreuzworträtseln gesucht werden – sie laufen immer gleich weg, wenn sich ein Auto nähert bzw. langsamer fährt oder gar stehen bleibt! Auch die Guanacos sind äußerst scheu, da heißt es immer schnell sein und hoffen, dass die Fotos auch scharf werden :-)! Auch einen der großen Greifvögel – ein Mittelding zwischen Adler und Falke – sehen wir wieder. Schon gestern waren wir auf unserem Gletscherausflug darauf aufmerksam gemacht worden! Diese Vögel ‚öffnen’ für die Kondore die ‚Beute’, da deren Schnäbel dafür nicht scharf genug sind, müssen sich dann aber erst einmal zurückziehen und bekommen nur den Rest, den die Geier übrig lassen. Da wird sich der Vogel, den wir gerade gesehen haben, gefreut haben, dass kein hungriger ‚Verwandter’ in der Nähe war…
Andere Fahrzeuge überholen uns äußerst selten und es kommen uns auch nur ganz wenige entgegen – ist schon ein wenig wie im australischen Outback! Auch der überbreite Transport, der uns gegen Mittag zum großräumigen ‚Ausweichen’ zwingt, kommt mir sehr bekannt vor :-)!
Langsam wird es jedoch Zeit zur Mittagpause und wir fahren auf einem Zufahrtsweg zu einer ‚Estancia’ von der Straße ab, um nicht direkt am Straßenrand stehen zu müssen! Als wir jedoch aussteigen wollen, empfängt uns draußen ein so starker Wind, dass wir von unserem geplanten ‚Picknick im Freien’ schnell wieder Abstand nehmen!
Wir holen unsere Vorräte ins Auto und essen dort, damit uns nicht alles weggeweht wird. Conny meint zwar, wir ‚Weicheier’ sollten einfach in eine der kleinen Senken gehen und dort essen, aber Rainer und ich können uns nicht vorstellen, dass es dort wirklich gemütlich sein würde!

Trotz viel ‚Weite’ und nicht allzu viel Abwechslung vergeht die Fahrt überraschend schnell. Einige der ‚Altare’ für die argentinischen ‚Privat-Heiligen’ (sind nicht von der Kirche anerkannt!) „Gaucho Gil“ und „Difunta Correa“ sehen wir immer wieder am Weg stehen – die für „Gaucho Gil“ stets mit roten Fähnchen markiert! In diesen kleinen Häuschen liegen allerhand Gaben für die beiden, für „Gil“ meist Zigaretten, natürlich mit Feuerzeugen, und Bier oder Colaflaschen! Dieser Heilige muß so etwas wie ein argentinischer Robin Hood gewesen sein und wird hier außerordentlich verehrt!
Wir tanken unterwegs mal (eingedenk der Mahnungen von Australien „immer und an jeder Tankstelle die Gelegenheit nutzen“!), obwohl Conny nicht so ganz überzeugt ist, dass das auch hier wirklich nötig ist :-)! Als ich im Rasthaus einen Kaffee holen möchte, stehe ich eine ganze Weile an der Theke (obwohl 3 Bedienungen dahinter stehen und so tun, als ob ich aus Luft wäre!), um meine Bestellung aufgeben zu können. Dann kommt ein Mann herein und sie schießen gleich zu dritt auf ihn zu, um seine Wünsche zu erfragen! Ich mache mich dann entsprechend bemerkbar, aber der argentinische ‚machismo’ ist wohl auch in den Frauen hier tief verankert – sie kümmern sich alle drei um ihn und ich werde etwas unwirsch zum Warten aufgefordert. Na danke – da verzichte ich dann doch lieber auf den Kaffee und gehe wieder nach draußen! Conny und Rainer können es auch nicht fassen, aber wir sind sicher, wir werden noch eine andere Raststätte finden!
Tatsächlich, eine Stunde später sehen wir wieder ein Schild zu einer Tankstelle und Raststätte. Die Tankstelle ist zwar nicht mehr in Betrieb, aber die Raststätte scheint kürzlich grundlegend renoviert worden zu sein! Als wir gerade gemütlich unseren Kaffee trinken, hält draußen doch tatsächlich ein ‚Rotel-Bus’ aus Deutschland und dessen Fahrgäste stürmen die Raststätte! Sie sind auf dem Weg von Santiago de Chile zur ‚Cueva de las Manos’ und weiter zur Insel Valdés, haben also ein straffes Programm abzusolvieren! Immer gerade genug Zeit, um die bekanntesten der Plätze hier in dieser riesigen Provinz von Argentinien kurz zu streifen! Wir drei freuen uns da umso mehr, dass wir uns Zeit nehmen können – auch wenn wir dann nicht ‚alles gemacht’ haben werden! Wir sind jedoch überzeugt, wir werden dann mehr ‚gesehen’ und erlebt haben auf unserer ganz individuellen Reise!
Ein kurzer Blick auf unsere Karte zeigt uns, dass wir nun gar nicht mehr sehr weit vom ‚Parque Nacional Monte Leon’ entfernt sind, den wir „zwengs“ Pinguinen, Kormoranen, Seelöwen, aber auch der tollen Landschaft wegen in unser Programm aufgenommen hatten. In unseren diversen Reiseführern finden wir ein paar Übernachtungsvorschläge dort, u.a. auch die Beschreibung einer ‚Estancia’, die uns sehr gut gefällt – wir beschließen, uns das Haus mal anzuschauen! Eine Übernachtung in einer dieser ‚Besucher-Estancias’ hatten wir uns sowieso für diesen Trip vorgenommen – wir wollen schließlich auch mal das Feeling eines argentinischen Großgrundbesitzers haben :-)!
Bald schon sehen wir die Häuser der Ranger-Station und biegen dort ein! Eine sehr freundliche junge Frau erklärt uns das Wichtigste auf Spanisch (und wir verstehen sie überraschend gut!) und wir weiter zu der nur etwa 2 km entfernten Estancia, um uns die mal ‚anzuschauen‘! Um es genau zu sagen, wir hatten wohl schon jeder für sich beschlossen, dort zu übernachten – es sei denn, sie hätte sich den Beschreibungen gegenüber total verändert dargestellt!

Aber wir waren schon beim ersten Blick davon begeistert – ein hübsches weiß gestrichenes altes Holzhaus mit rotem Dach ‚winkte’ uns aus der Ferne zu! Dieses Estancia gehörte einer englisch-russisch-stämmigen Familie, die Ende des 19.Jh. hier ihr Glück bzw. ihr Geld mit dem Export von Wolle gemacht hat! Dadurch reich geworden, wurde dieses schöne Anwesen gebaut und mit wunderbaren Möbeln und der damals neuesten Technik (fließendes Wasser, Heizung etc.) ausgestattet! Heute gehört es einem ausländischen Besitzer, aber die Nachfahrin der ursprünglichen Besitzer, Sonja, führt das Haus heute als Gäste-Estancia – zusammen mit ihrem Mann und ihrem Sohn!
Als wir in den Hof einfahren, hören wir erschrocken ein merkwürdiges Geräusch an unserem Auto – na bravo, vielleicht haben wir jetzt ein Problem? Aber wir steigen erst einmal aus, da uns der Sohn schon über den Hof entgegen kommt. Ihn fragen wir, ob wir wohl eine Übernachtung haben könnten und er holt sofort seine Mutter dazu. Es gibt ein Doppelzimmer und ein Einzelzimmer (das das Bad es DZ mit benutzen muß) und soll 260 und 150 $ kosten (incl. Frühstück und Abendessen). Wir schauen uns die Zimmer und das Haus an und sagen sofort begeistert zu – überlegen sogar, 2 Nächte hier zu bleiben!
Nachdem wir unser Gepäck in unsere Zimmer gebracht haben, wird schon der Tee draußen im Garten serviert! Inzwischen ist strahlendes Wetter und wir lassen uns begeistert in den bequemen Sesseln nieder! Conny zieht bald los, begleitet von den beiden jungen Hunden der Familie – sie will auf den Berg neben dem Haus steigen und ‚das Meer sehen’! Rainer geht dann doch hinterher und ich informiere mich einstweilen im Wintergarten mit Hilfe einiger der dort ausliegenden Bücher über das Haus, die Familie und den Nationalpark um uns herum!

Als die beiden dann zurück kommen, stößt unsere Vermieterin zu uns und meint, dass sie sehr erleichtert gewesen wäre, dass die Hunde dabei waren. Am späten Nachmittag sind nämlich auf dem Berg auch Pumas unterwegs – Himmel, an so was hatte ja niemand von uns gedacht! Conny wird es noch im Nachhinein ganz flau im Magen… Aber auch noch aus einem anderen Grund – wir hatten nämlich bei den Zimmerpreisen bei „$“ an Peso gedacht (der wird hier umgangssprachlich ganz oft ‚Dollar’ genannt!), aber es sind wirklich US-$ gemeint! Die zweite Übernachtung wird dann gleich in unserer Vorstellung gestrichen, aber heute Nacht bleiben wir auf jeden Fall hier – es ist wirklich ein äußerst luxuriöses, gemütliches und ansprechendes Plätzchen!

Nachdem wir alle eine ausführlich Dusche im riesigen Badezimmer genommen haben, wird bald das Abendessen serviert – das am großen Esstisch im Wohnzimmer!
Das ganze Haus ist ein einziges ‚lebendes Museum’. Im Wintergarten gibt es neben den alten Möbeln Unmengen von Haushalts- und anderen antiken Gegenständen und viele, viele herrliche Bücher! Dazwischen überall noch Fundstücke von Meer und Landschaft ringsherum! Das Wohnzimmer ist sehr gemütlich mit einer Sitzgruppe um den offenen Kamin und ebenfalls schönen alten Möbeln eingerichtet.
Bedient werden wir vom Sohn, der extra deswegen in eine Art ‚Livree’ gekleidet ist: schwarze Hose, weißes Hemd, schwarz-weiß gestreifte Weste und ein ebensolches Tuch um die Haare! Wir bekommen eine Suppe mit köstlichem selbst gebackenen Brot, eine riesige Schüssel mit Salat aus dem eigenen Garten (der beste Salat, den wir bisher hier in Südamerika bekommen haben!), ordentliche Steaks mit Mohrrüben-Gemüse und wunderbar schmeckenden Salzkartoffeln! Zum Nachtisch gibt es noch Rhabarber-Kompott mit Sahne – auch der Rhabarber aus dem eigenen Garten! Zu all diesen Köstlichkeiten bestellen wir uns noch eine leckere Flasche Rotwein! Alles das wird auf ‚eigenem’ Porzellan serviert, weiß mit dem stilisierten ehemaligen Brandzeichen der früheren Schafs-Estancia – ein schwarzes ML für Monte Leon!
Ziemlich ‚genudelt’ und ein wenig ‚bedudelt’ verschwinden wir dann in unseren wundervollen Schlafzimmern! Conny und Rainer haben zwei riesige alte Holzbetten in ihrem Zimmer (dazu die passenden Beistellmöbel und einen offenen Kamin!), bei mir sind es alte Messingbetten – die Bettwäsche ist aus besticktem Batist und wir schlafen unter echten Daunendecken und auf entsprechenden Kopfkissen! Auch die Handtücher sind mit Borten verziert und selbst der Duschvorhand ist auf der Stoffseite bestickt!!!
Hier in dieser Umgebung sollten wir schlafen wie die königlich schlafen können…

Donnerstag, 3.3.2011
Ja, wir haben alle drei toll geschlafen! Und beim Aufwachen empfängt uns ein strahlendblauer Himmel – das lässt einiges für den heutigen Tag hoffen!
Der Frühstückstisch ist bereits gedeckt und wir essen wieder mit großem Appetit! Es gibt erneut selbstgebackenes Brot – diesmal getoastet, dazu Cereals, frisches Obst, selbst gemachte Marmelade und Eier nach Wunsch!

Danach sind wir noch eingeladen, mit unserer Gastgeberin ihren Garten und das Gewächshaus zu besichtigen! Sie hat dort jede Menge Salat, eigene Kartoffeln, rote Rüben, Zwiebeln, Knoblauch, Mohrrüben und sogar Meerrettich angebaut – letzteren kannte sie jedoch gar nicht mehr, er wächst ‚einfach so’. Sie hat sich dann ausführlich von Conny und mir erklären lassen, wie man ihn verwendet und zubereitet. Auch viele Josta-Beerensträucher, Apfel- und Quittenbäume gibt es hier – erfrischend säuerliche Jostabeerenmarmelade und Quittengelee (lange nicht so süß, wie die Marmelade hierzulande normalerweise ist!) gab es schon zum Frühstück! Zwischen den Gemüsepflanzen ist jeweils eine Reihe irgendwelcher Kräuter ausgesät, um Schädlinge abzuhalten – oft ist es Flax, an dem noch die letzten Blüten und schon erste Samenkerne hängen, das scheint besonders gut zu wirken! In einem kleinen Gewächshaus gibt es Tomaten und noch mal Salat, hauptsächlich Rucola. Ein kleines Paradies ist das hier, obwohl es nur während einem Teil des Jahres gepflegt wird. Die Familie lebt hier nur von Oktober bis Mai/Juni, den Rest des Jahres wohnen sie in Buenos Aires, wo auch der Sohn studiert. Er ist nur während der Semesterferien hier, um die Mutter mit den Gästen zu unterstützen! Wir sind erstaunt, dass er bereits studiert – wir haben ihn eher für 15 oder 16 gehalten. Noch mehr erstaunt sind wir darüber, dass er voller Begeisterung hier bei der Sache ist – trotz ‚machismo’ hat er offenbar keine Probleme, die Gäste liebevoll zu bedienen! Seinen Vater bekommen wir nur ganz kurz mal aus der Ferne zu Gesicht – er sieht aus wie ein spanischer ‚Grande’: Schlohweißes langes Haar und ein ebenso weißer Bart, schlank und groß!
Neben dem alten Herrenhaus gibt es auch noch die ehemaligen Nebengebäude, wo sich die Familie wohnlich eingerichtet hat. Dazu steht noch ein ‚Gaucho-Wagen’ auf dem Grundstück, der manchmal für private Besucher genutzt wird. Der sieht ein wenig aus, wie ein zu groß geratener ‚Schäferwagen’, wie es sie früher bei uns auf dem Land auch gab! Der Kompressor für den elektrischen Strom steht hinter dem Gemüsegarten, so dass wir davon überhaupt nichts gehört hatten. Strom gibt es nur von 8-12h abends, für die Nacht sind 12-Volt-Notlichter in den Schlafzimmern und im Bad installiert!
Wir sind alle drei richtig froh, dass wir gestern gar nicht weiter über den Preis nachgedacht und uns einfach hier einquartiert haben – es war ein einprägendes, erfrischendes Erlebnis! Nach einem herzlichen Abschied machen wir uns dann jedoch auf den Weg – wir wollen ja den Nationalpark auch noch besuchen!
In der Rangerstation ist heute ein Ranger, der auch ein wenig Englisch spricht. Er gibt uns noch ein paar Tipps mit auf den Weg, warnt nachdrücklich vor den Pumas und beschreibt uns den Weg in den Park – wir müssen wieder ein paar Kilometer zurück fahren zum Haupteingang!
Der Park ist seit einigen Jahren installiert und ein Refugium für zahlreiche Tiere, vor allem Magellan Pinguine – ich bin sehr gespannt auf diese kleinen schwarz-weißen Gesellen! Aber schon die Anfahrt zur Küste ist mehr als beeindruckend. Es begegnen uns immer wieder große Guanaco-Herden
in den vielfältigen Landschaftsformen – tiefe Canyons wechseln sich ab mit weiten Ausblicken. Immer wieder kommen Warnschilder für die hier üblichen Tiere ins Bild:
Bald können wir schon den ‚Löwenberg’ sehen, der dem Nationalpark den Namen gab!

Unser Auto müssen wir auf einem Parkplatz abstellen, wo wir auf großen Schildern aufs Neue mit Puma-Warnungen vertraut gemacht werden! Dann marschieren wir über sich durchs niedrige Gebüsch schlängelnden kleine Pfade etwa 1 Stunde ans Meer. In einer tiefen Kuhle überraschen wir ein Gürteltier bei der Suche nach Nahrung, Hasen nehmen vor uns Reißaus und von den umliegenden Hügeln schauen uns Guanacos (und Pumas?) bei unserer Wanderung zu. Kurz vor dem Meer werden die Büsche dann höher und wir ‚riechen’ die Pinguine schon bevor wir sie sehen. Gut getarnt in den dichten Büschen sitzen sie und beäugen uns neugierig.
Direkt oberhalb der Steilküste, von wo wir einen grandiosen Blick auf die tief unter uns liegende Küste zu beiden Seiten haben, ist eine Aussichts-Plattform aus Holz gebaut. Unter dieser Plattform sitzt eine große Gruppe von Jungtieren, die sich gerade ihres grauen ‚Kinderkleids’ entledigen und die ‚vornehme Uniform’ der Erwachsenen bekommen. Ganz mutig watscheln einige auf uns zu, andere bleiben lieber unter der Plattform in Sicherheit!


Wir sind voller Bewunderung für die Eltern, die mehrmals täglich den extrem steilen Pfad zur Futterbeschaffung bewältigen müssen! Was die Tiere bewegt hat, sich gerade hier oben ihre Nistplätze zu bauen, ist uns rätselhaft. Da waren diejenigen, die sich direkt unten am Strand niedergelassen haben, schon um einiges schlauer :-)! Relativ große Kolonien gibt es auch jetzt dort noch, obwohl die Brutsaison schon dem Ende zu geht.
Weit draußen im Meer sehen wir Seelöwen spielen und überall fliegen die schwarzen Kormorane mit ihren rot umrandeten Augen herum! Wir könnten ewig hier sitzen und dem Treiben zuschauen! Irgendwann müssen wir jedoch zurück, denn der Park bietet noch mehr!

Vom Parkplatz aus fahren wir erst zum ‚Löwenkopf’, den man auch besteigen kann. Von dort haben wir den Blick auf die glatten Felsen unter uns, wo sich die Seelöwen in der Sonne aalen!
Vor uns liegt eine kleine Insel, auf der bis vor ein paar Jahren Guano ‚abgebaut’ worden ist – also der meterdick übereinander liegende Kot der Kormorane und anderer Seevögel! Die Transport-Seilbahn ist noch zu sehen und ein paar Überreste von alten Gebäuden. Inzwischen lohnt sich das wohl nicht mehr so sehr und die Tiere, die nach wie vor auf der Insel nisten (und deren Bestände seitdem wieder wachsen) haben ihre Ruhe!
Nicht weit von hier gibt es eine Art ‚Strandcafé’, eigentlich mehr die Rezeption für den daneben liegenden Campingplatz, in das wir nach einem kurzen Strandspaziergang dann ziemlich durchfroren einfallen. Ein heißer ‚Cafe con Leche’ wärmt uns auf und wir fahren zurück zur Straße, unserem nächsten Ziel entgegen!



Wir schaffen es bis Puerto Santa Cruz, wo wir übernachten möchten. Auch hier, wie in El Calafate, müssen wir am Ortseingang erst eine Polizeikontrolle passieren, ehe wir weiterfahren können. Ein etwas unbehagliches Gefühl beschleicht uns, als wir beim Weiterfahren immer wieder Polizisten mit schusssicheren Westen durch die Straßen patrouillieren sehen! An der Touristeninformation erfahren wir von einer freundlichen Mitarbeiterin, dass es jedoch auch hier 2 Hotels gibt und als wir das ‚Hotel Municipal’ aufsuchen (also das Gemeinde-Hotel), sind wir ganz zufrieden mit dem Zimmer (und auch mit dem Preis dafür!). Bei unserem Rundgang stellen wir fest, dass wir offenbar in einem ziemlich armen Ort gelandet sind (oder wie Conny sagte, in einer ‚Räuberstadt’) – die Häuser sehen meist ziemlich abgerissen aus, viele Läden stehen leer oder das Angebot erinnert an die Geschäfte früher in der DDR. Man sieht zwar, dass es mal ganz andere Zeiten gegeben haben muß, aber davon ist fast nichts mehr übrig! Die Leute begegnen uns jedoch sehr freundlich, man merkt deutlich, dass sich offenbar nur äußerst selten Touristen hierher verlaufen. Was für ein Gegensatz zu unserer letzten Nacht!
Die Attraktion im Ort ist die alte Kirche, die üppig mit wundervollen alten Bleiglasfenstern ausgestattet ist. Diese, wie auch das große Kruzifix über dem Altar, wurden vor etwas mehr als 100 Jahren aus Genua eingeführt! Damals muß die Gemeinde wohl ziemlich reich gewesen sein!

Mit dem Abendessen im Hotelrestaurant sind wir äußerst zufrieden, das Auto ist direkt vor unserem Fenster geparkt, Conny baut noch eine ‚Einbrecher-Abschreck-Anlage’ aus leeren Flaschen auf der Fensterbank auf (wir sind im Erdgeschoß und möchten gern bei offenem Fenster schlafen) und so können wir satt und ganz beruhigt auch hier zu Bett gehen – auch wenn es das totale Kontrastprogramm zu unserer gestrigen Unterkunft ist!

Freitag, 4.3.2011
Wir haben sehr gut geschlafen – Räuberstadt hin oder her! Unser Frühstück ist typisch argentinisch, eingenommen in einem kleinen Café ein paar Straßen weiter. Der Besitzer war offenbar mehr als stolz, dass er Ausländer zu Gast hatte und ausgesprochen aufmerksam. Zu den bestellten ‚medialunas’ (kleine dünne leckere Hörnchen) brachte er uns noch jede Menge anderen Kuchen und auch Orangensaft – ich hätte mich zwar mehr über ein Käsebrot gefreut – aber würde ich Argentinier total überfordern. In meiner Schule in Buenos Aires waren sie schon immer regelrecht schockiert, daß ich Mohrrüben oder rote Paprika für vormittags dabei hatte 🙂
Bevor wir wieder weiterfahren, wird im örtlichen Supermarkt noch eingekauft und wir finden eine Bäckerei, wo es das beste Brot gibt, was wir hier in Argentinien bisher gegessen haben – und jede Menge ‚Kekserl’ für meine beiden Süßschnäbel! Danach können wir noch einmal etwas ausführlicher die Kirche besichtigen gehen – gestern war nur ein kurzer Blick möglich, weil gerade ein paar Mönche mit einigen Schülern gebetet hatten! Aber dann geht es zum Ortsende in den Industriehafen – dort soll es in der Nähe noch eine Pinguinkolonie geben, der Grund, warum wir überhaupt hier Station gemacht haben!
Auch hier wieder eine Polizeikontrolle mit Pass herzeigen und allem drum und dran. Dann aber können wir das Auto einfach irgendwo abstellen (dankenswerterweise finden wir einen Parkplatz im Schatten einiger Sträucher!) und uns den Weg Richtung Halbinsel suchen! Es ist ein etwa 1-stündiger Spaziergang immer am Wasser entlang – etwas anstrengend, weil wir entweder über ein tiefes Kiesbett laufen müssen oder zwischen riesigen Steinen hindurch! Aber ansonsten, wieder einmal mehr als beeindruckend, verläuft der Weg unterhalb einer hohen, fast senkrecht aufsteigenden Felswand!


Conny hatte eine Anmutung von „da fehlen da oben nur noch die Indianer, die uns dann mit Pfeile beschießen“! Vorgelagert vor diesem Felsmassiv erstreckt sich eine weite flache Halbinsel, die total mit Gebüsch bedeckt ist. Schon beim Näherkommen sehen wir einige tote Pinguine dazwischen liegen – entweder sind deren Eltern bei der Futtersuche umgekommen odere sie sind Opfer von irgendwelchen anderen Tieren geworden. Aber sogar tote Schafe oder die ausgebleichten Knochen anderer Tiere sehen wir dort am Strand.

Und dann auch schon die ersten Pinguine – auch hier tief im Gebüsch versteckt, aber auch am Strand entlang! Sie lassen uns auch relativ nahe herankommen, ehe sie im Wasser verschwinden. Wir setzen uns bald in den Sand und schauen ihnen einfach nur zu! Es ist zu nett, diese lustige Bande länger zu beobachten! Conny versucht, sich ihnen in einem pinguin-ähnlichen Watschelgang in der Hocke doch etwas weiter zu nähern, aber auch so lassen sie sich nicht täuschen! Am Ende der Halbinsel stehen einige (vielleicht wilde?) Pferde am Strand und es gibt nicht zu weit entfernt noch eine Kormoran-Kolonie. Wir bleiben jedoch hier sitzen und leisten den Pinguinen noch eine Weile Gesellschaft!
Auch der Rückweg ist noch voller Überraschungen – von einem ‚versteinerten‘ Pinguin-Fußabdruck bis zu riesenhaften ‚Urwelt-Krebsen‘ liegt noch allerhand im Kies und Sand herum!

Zurück können wir dann ganz easy auf dem festen feuchten Sand gehen und damit einiges vom Weg abkürzen – es ist Ebbe und das Wasser weit zurückgegangen! Der Unterschied zwischen Ebbe und Flut beträgt hier bis zu 8m!
Das Boot der ‚prefectura’, das bei unserem Losgehen auf gleicher Höhe am Pier festgemacht hatte, war nun tief darunter und nur noch mit Hilfe einer langen Metallleiter zu erreichen!

Unser Auto steht immer noch im Schatten und wir nutzen die Gelegenheit, dort auch gleich unser Mittagspicknick zu veranstalten! Hier ist es windstill und sonnig- fast ein wenig zu heiß, und das in Süd-Patagonien!!!
Hinterher gibt es noch einen kleinen Rundgang durch den Ort – jetzt am frühen Morgen sieht es auch nicht mehr ganz so bedrohlich aus :-)! Es gibt sogar ein hübsches winziges ‚Pionier Museum’, wo in einem original erhaltenen Häuschen aus der Zeit zahllose Exponate an frühere Zeiten erinnern.

Aber dann war es auch genug hier – wir wollen heute noch bis Puerto San Julian weiterfahren!
Bei der ‚Ausreise’ auch wieder Kontrolle, der obligate ‚Gaucho Gil Altar’ am Wegesrand, auch einer für Difunta Correa, vor allem eine Tankstelle und dann erst mal wieder viel ‚Weite’.

Ich genieße das Leben als Beifahrerin und nutze die Zeit für einen kleinen Mittagsschlaf auf der Rückbank. Gerade als ich mich wieder aufsetze überqueren wir einen breiten Fluß, an dessen Ufer sich ein kleines Städtchen ausbreitet. Wie wir auf der Karte sehen, ist das der ‚Rio Santa Cruz‘ und die Ortschaft ‚Pietra Buena‘ und wir machen einen kurzen Abstecher dahin, um eine „Künstlerstraße“, die wir von der Brücke aus gesehen haben, genauer zu inspizieren!

Eine ganze Reihe Kunstwerke im gleichen Stil erwartet uns hier, alle von einer Kooperative von Künstlern aus dem Städtchen hier und der Hauptstadt Buenos Aires gemacht. Was der Sinn dahinter ist, können wir allerding nicht ergründen! Am Straßenrand sind zur ‚Einrahmung’ der Kunstwerke jede Menge hölzerner Blumentröge aufgestellt, die dicht gefüllt sind mit künstlichen Petunien in allen Farben und das ganze steht auch noch auf Kunstrasen – „Kunst total“!



Es ist jetzt gar nicht mehr weit bis zu unserem nächsten Stop! Unterwegs sehen wir plötzlich von der Straße aus in ein tiefes Tal – ‚Gran Bajo de San Julian’! Das ist die tiefste Stelle auf dem Kontinent – 100 m unter dem Meeresspiegel! Ein beeindruckender Anblick!

Späer, bei der Einfahrt in die Stadt, auch hier eine Polizei-Kontrolle, aber ansonsten empfängt uns eine total andere Atmosphäre! Zwar sind auch hier viele Häuser ziemlich herunter gekommen, aber andere dafür richtig schön hergerichtet.
In der ‚Touristen-Information’ (ein winziges Häuschen auf dem Mittelstreifen der Straße) wollen wir wegen Unterkunft fragen. Die „diensthabende Dame“ dort fordert uns in einem mehr als harschen Ton auf, uns hinzusetzen! Auf unsere Fragen gibt sie in einem ebensolchen Ton Antwort – was ist das denn? Als sie jedoch hört, dass wir Deutsche sind, wird sie deutlich freundlicher und erzählt uns, dass ihre Mutter auch aus Deutschland war (eine Frau Hoffmann!!!). Sie kann jedoch überhaupt kein Deutsch, aber wir können ihr Spanisch doch einigermaßen verstehen! Wir fragen uns allerdings, wie viele Touristen sich von ihr mehr abschrecken lassen als sich willkommen zu fühlen…
Unsere erste Frage nach einem Zimmer im ‚hotel municipal’ wird mit ‚completo’, also ‚alles voll’ beantwortet! Auch beim nächsten haben wir kein Glück – wir sind mehr als erstaunt! Dort haben sie jedoch noch ein altes kleines Häuschen daneben mit nicht ganz so komfortablen Zimmern, da wäre noch ein 3-Bett-Zimmer frei! Nach einer kurzen Besichtigung nehmen wir das auch – ein winziges Zimmer mit einem Doppel- und einem Einzelbett, aber ansonsten das ganze Häuschen sehr gemütlich!
Ein kurzer Spaziergang durch den Ort führt uns u.a. an einem prächtigen Haus vorbei, das jedoch komplett leer steht – ich vermute, dass es ein Theater oder dgl. war. Der Weg an die Strandpromenade führt uns dann an den beiden Attraktionen des Ortes vorbei – einem alten Segelschiff (oder einem alten nachgebaut), das als ‚Museums-Schiff’ aus der Zeit von Magellan besichtigt werden kann, und das Mirage-Kampfflugzeug, das von hier als erstes in den ‚Malvinas-Krieg’, also den Krieg um die Falkland-Inseln gestartet war!

Ein Stück weiter gibt es eine Hütte, wo sie Bootsfahrten zu einer vorgelagerten Insel anbieten, zu Pinguinen, Kormoranen und Seelöwen! Das haben wir zwar schon genug gesehen, aber die junge Frau dort am Tresen spricht ein so gutes Englisch, dass wir uns gerne eine Weile mit ihr unterhalten! Dort erfahren wir auch, warum hier alles ausgebucht ist – auch in Argentinien gibt es ‚Faschings-Ferien’! Offiziell sind hier Rosenmontag und Faschingsdienstag sog. ‚Bank Holidays’ und das verlängerte Wochenende nutzen viele, um an die Küste zu fahren! Auch für das geheimnisvolle große leer stehende Haus gibt es hier die Erklärung – es war das Kaufhaus am Ort, bis die Betreiberfamilie vor einigen Jahren weggezogen ist und es seitdem leer steht. Es wurde wohl kürzlich vom örtlichen ‚Horse Racing Club’ gekauft, aber es ist noch fraglich, was und wann daraus gemacht werden wird!
Bei unserem Weg zurück zum Hotel kommen wir an einem Restaurant vorbei, das äußerst einladend aussieht, aber leider noch geschlossen hat (erst um 8h wird es geöffnet!). Das wird das Ziel für unser Abendessen werden!
Das Restaurant war eine ausgesprochen gute Wahl! Rainer und ich lassen uns jeweils ‚einen Fetzen Fleisch’ schmecken, dazu gibt es ein köstliches Kartoffel-Kürbis-Pürree (für mich) und ‚papas espagnol’ (Bratkartoffeln – für Rainer). Conny wählt den Fisch, ist aber damit nicht so richtig glücklich – er hat Unmengen von Gräten!
Der Heimweg ist wegen nur spärlicher Straßenbeleuchtung nicht ganz einfach – der getrunkene Wein macht es nicht besser. Aber wir erreichen wohlbehalten unser Zimmer und fallen nur noch ins Bett! Trotz wieder Erdgeschoß wird heute auf ‚Einbrecher-Alarm’ verzichtet! Uns stört nur ein Kompressor, der in unmittelbarer Nachbarschaft noch läuft – nach einem lauten ‚A Ruah is!’ von Conny wird der aber auch abgeschaltet, Argentinier verstehen offenbar auch Bayrisch!

Samstag, 5.3.2011
Wir beschließen schon beim Frühstück „hier bleiben wir noch eine Nacht länger“! Es ist ein gemütliches Hotel und ein hübscher Ort, um ein wenig ‚Urlaub’ zu machen! Für mich bedeutet das, ein bisschen Zeit und Muße zu haben, um an meinem Blog weiter zu schreiben. Das hat in den letzten Tagen ziemlich gelitten. Es gab nirgendwo Internet und auch der Strom war manchmal Mangelware. Hier sind jetzt alle Steckdosen belegt, um Laptop, Telefone und Akkus wieder aufzuladen!
Das schöne Wetter lädt sogar zu einem Sonnenbad im Badeanzug am Strand ein – wer hätte das von Süd-Patagonien im März gedacht! Wir hatten uns alle drei eigentlich auf stürmisches, regnerisches und kühles Wetter (so spät im Sommer:-() eingestellt. Aber so ist es uns umso lieber und wir genießen es!


Zum Abendessen gehen wir wieder in ‚unser’ Restaurant von gestern – heute, am Samstag Abend gibt es ‚Parilla’, eine argentinische Spezialiät. Wir greifen mutig zu, bestellen aber vorsichtshalber nur 2 Portionen davon und dazu 3 Beilagen und Salat – die Portionen hier lassen uns einiges befürchten! Wir bekommen dann eine Art Schlachtplatte mit ein paar gebratenen Fleischteilen vom Rind, einer Hühnerbrust, einer riesigen Blutwurst und 4 kleinen Bratwürstchen und einigen etwas fremdartig aussehenden Teilen! Rainer probiert ein wenig von einem – es ist aber nur Haut und Fett. Die anderen sehen ein bisschen wie riesige Scampi aus, haben jedoch ein ganz anderes Innenleben – das stellen wir schon beim Anschneiden fest und probieren erst gar nicht. An den Tischen ringsherum scheint das das Beste der ‚parilla’ zu sein – es wird jedenfalls überall als erstes vom kleinen Warmhalte-Öfchen gefischt! Als unsere Bedienung dann zum Abräumen kommt (die Blutwurst und diese ‚Spezialitäten’ blieben bei uns fast komplett übrig), fragen wir sie, was das denn alles wäre. „Blutwurst, Pansen und gegrillter Dünndarm“ ist die Antwort!!! Was sind wir froh, dass wir das erst gar nicht probiert haben – auch die Bedienung zeigt uns, dass das auch nicht unbedingt ihre erste Wahl wäre! Den meisten Leuten hier scheint es jedoch zu schmecken…
Mit wieder einer Flasche Wein haben wir das etwas ungute Gefühl im Magen schnell ‚ertränkt’ – den Weg zurück fanden unsere Füße heute schon alleine! Das Abendessen war die richtige ‚Aufregung’ an dem ansonsten heute faulen und ereignislosen Tag!

Sonntag, 6.3.2011
Eine ausgesprochen erholsame Nacht liegt hinter uns und wir sind bereit zu neuen Taten! Relativ früh machen wir uns auf den Weg, denn unser nächstes Ziel ist das ‚Monumento Nacional Bosques Petrificados’, das aber etwa 50 km ‚gravel road’ abseits der Hauptstraße liegt! Je nachdem, wie lange wir für diese Strecke hin und zurück brauchen, müssen wir uns dann dort irgendwo eine Übernachtung suchen. Hier in Puerto San Julián decken wir uns noch schnell mit Proviant ein – die Geschäfte für unsere „Standard-Ausrüstung“ frisches Brot, Avocado, Tomaten, Käse, Schinken und Wasser sind heute am Sonntag dankenswerterweise hier auch geöffnet.
Bei der Weiterfahrt ‚winken’ uns noch kleine spitzgiebelige Häuschen zu – sehen aber aus wie eine Zwergenversammlung!

Auf unserer Karte war kurz vor dem versteinerten Wald eine Tankstelle ‚Tres Cerros’ verzeichnet, wo man auch übernachten können soll (in einem unserer Reiseführer stand jedoch etwas von ‚schrägen Zimmern’). Wir wollen uns das mal beim Vorbeifahren anschauen und evtl. dorthin zurück fahren zum Schlafen. Als wir das dann erreichen, ist ziemlich klar, das das auf keinen Fall für uns in Frage kommt! ‚Schräg’ ist sehr positiv formuliert – ein ziemlich verkommenes Rasthaus, in dem sich offenbar der Schmutz seit seiner Gründung in mehreren Lagen festgesetzt hatte, die Toiletten total verdreckt und auch die Besitzerin sah nicht gerade vertrauenerweckend aus – hatte ein wenig von einer ‚Hexe’! Auch gegenüber auf der Straße klebte die Zäune voller Plastikmüll! Aber hier fanden sich Postkarten, die wir bisher überall vergeblich gesucht hatten. Zumindest da nahmen wir einige mit, obwohl auch sie nicht einer gewissen ‚Patina’ entbehrten:-)! Aber für eine Übernachtung müssen wir uns auf jeden Fall etwas anderes suchen. Es fehlte aber nicht der ‚Gaucho Gil‘ – war hier wohl auch besonder nötig!


Kaum dort weggefahren, kamen wir an einer noch viel abenteuerlicheren Tankstelle vorbei – offenbar noch die Vorgängerin der eben gesehenen. Als wir langsam hinfuhren, um das zu fotografieren, kam uns der dortige Besitzer entgegen und fragte nach Zigaretten – na, da kam er bei uns gerade an die Richtigen! Muß ja für einen Raucher ziemlich öde sein, so weltabgeschieden eine Tankstelle mit nur einer Zapfsäule zu betreiben und dann nicht mal Zigaretten zu haben.

Wieder nur ein paar Kilometer weiter kommt dann allerdings eine moderne Tankstelle und hier sieht es auch aus, als ob das dazu gehörige Motel erst kürzlich gebaut worden wäre. Wir schauen uns das aber gar nicht mehr an, sondern fahren gleich weiter – selbst aufs Tanken verzichten wir, da der Tank noch fast voll ist! Laut Beschreibung soll es auf halbem Weg zum versteinerten Wald eine ‚Estancia Paloma’ mit Campingplatz geben, wo man auch Hütten zum Übernachten anmieten kann!
Die Einfahrt in die Gravel Road sieht noch ganz gut aus, aber schon nach einigen hundert Metern wird das ganz anders: Dicke Schottersteine bedecken die Straße – Conny meint, das wäre wie auf einem Gleisbett zu fahren! Uns wird ganz blümerant bei dem Gedanken an unseren linken Vorderreifen – der hat nämlich so gut wie kein Profil mehr (wie wir leider erst zu spät gesehen haben!), sieht eher aus wie ein ‚slick’! Die herrliche Landschaft, durch die wir fahren, nimmt uns aber bald so gefangen, dass wir darüber gar nicht weiter nachdenken!

Auch die ‚Estancia Paloma’ ist ein einziger Reinfall – eine winzige Angelegenheit, der Campingplatz (oder das, was mal einer gewesen sein sollte) geschlossen, die übrigen Räume stehen alle offen (darin sieht es aus wie bei irgendjemand „unterm Sofa“!) , in ihnen auf dem Tisch und auf dem Boden große Bratpfannen, in denen noch die Sauce vom letzten Essen steht, Hühner mit Küken, Hunde und diverse Katzen streunen darin herum.
Es gibt allerdings noch die ‚banos’, die Waschräume und Toiletten vom Campingplatz, die für diese Umgebung einigermaßen reinlich sind und uns gerade recht kommen! Vor den Gebäuden ist ein Trupp Bauarbeiter unterwegs, die offenbar für irgendetwas Probebohrungen unternehmen – vielleicht nutzen die die Estancia noch zum Duschen und für ihre ‚parillas’? Aber auch hier Fehlanzeige für uns zum Übernachten…
Der versteinerte Wald allerdings hielt weit mehr, als wir uns von ihm versprochen hatten! Hier in der Einöde hat de Ranger sogar eine Beschreibung in Deutsch (was wir bisher noch nirgends bekommen hatten!), erklärt uns alles genau und wir marschieren auf dem markierten Weg los – aber erst nachdem wir die Sitzgruppe vor dem Rangerhaus zum Brotzeitmachen genutzt haben (es ist schließlich schon fast ½ 3h!).
Die riesigen „Baumstämme“ sind wirklich faszinierend. Man kann noch ganz genau Astlöcher erkennen und auch die Jahresringe! Manche Stämme liegen in voller Länge auf dem Boden, manche ragen nur zu einem Teil heraus, von manchen gibt es nur noch Fragmente! Aber auch die ganz langen sind in ‚handliche’ Stücke ‚zersägt’ – es ist schon erstaunlich, was die Natur so zustande bringt! Um die Stämme herum liegen kleine Felsstückchen, die aussehen wie kleine „Holzspreissel“ – obwohl es ausdrücklich verboten wurde, irgend etwas hier anzufassen, können wir da nicht widerstehen! Aber sie sind tatsächlich aus Stein und wir legen sie natürlich wieder dahin zurück, wo wir sie aufgehoben haben! Auch hier sind, wie bisher überall auf unseren Exkursionen, sehr wenig andere Touristen unterwegs! Es ist für uns manchmal ein Gefühl, als ob wir selbst etwas ‚entdeckt’ hätten – sehr schön!




In der Rangerhütte gibt es ein kleines Museum mit einer „Zeitraffer-Erdentwicklung“ an der Wand – so können wir gut nachvollziehen, wann und wie diese Stämme entstanden sind! Daneben ist der Flora und Fauna der Gegend eine interessante Abteilung gewidmet und es gibt auch ein paar verschiedene Ausstellungsstücke extra zum Anfassen, damit man ein Gefühl dafür bekommt, wie unterschiedlich sich Gestein anfühlen kann!
Nach diesen interessanten Ausführungen kommt uns der Weg zurück gar nicht mehr so lang vor! Bei der Rückfahrt sehen wir auch die vielen Tafelberge am Rand der Straße deutlicher als beider Hinfahrt!



Wir überlegen uns, dass wir doch noch bis zur nächsten größeren Stadt ‚Pico Truncado’ fahren wollen, noch ca. 160km entfernt, um dort zu übernachten. Wir haben gelesen, dass es dort 5 Hotels geben soll (was wir etwas verwunderlich fimdem) und da sollte etwas für uns dabei sein!
Schon weit vor der Stadt sehen wir etwas Ähnliches wie die ‚Skyline’ einer Großstadt am Horizont, was kann das wohl sein? Es sind die Umrisse der Schornsteine einer Raffinerie und eines daneben liegenden riesigen Betonwerkes! Auf den Flächen neben der Straße sind dann nahe der Stadt überall Erdölpumpen im Gange! Und wir hatten uns gefragt, warum es in dieser abgelegenen Stadt so viele Hotels gibt! Mir schwant Fürchterliches – sollten die Preise hier, analog zu den Minenstädten in Australien, auch horrend sein???
Aber erst einmal müssen wir ja ankommen – auch hier an einem Polizeiposten vorbei. Die wollen jedoch ausnahmsweise gar nichts von uns wissen! Hier scheinen die vielen versiegelten Autos, die um den Posten herum ‚versammelt’ sind, die Hauptrolle zu spielen. Wär ja schon mal interessant, was das zu bedeuten hat!
Wir fahren die nächstgrößere Straße Richtung „Stadtzentrum“ oder was man dafür halten könnte, hinein! Auch hier eine ähnliche Straßenführung wie überall in Argentinien – Einbahnstraßen, wohin man auch fährt! Das erste der notierten Hotels sehen wir vom Auto aus – ‚Namasté’! Irgendwie sieht es für uns nicht besonders einladend aus und wir fahren erstmal weiter! Mit viel Glück kommen wir dann genau vor dem nächsten an – ‚La Paz’, das sieht ein wenig einladender aus. Hier werden allerdings meine Befürchtungen wahr – das Zimmer hier soll tatsächlich 600 Pesos kosten! Das sind immerhin etwa 110€ und das scheint uns dann doch unverschämt und wir wollen erstmal unser Glück weiter versuchen! Das nächste Hotel – ‚Crisan’ ist von den Preisen her moderat (350 Pesos die Nacht), aber es gibt im Moment kein Wasser und die junge Frau an der Rezeption weiß auch nicht, ob es in der Nacht oder morgen früh wieder welches gibt. Na Bravo – und dann nicht mal einen Preisnachlass! Wir sind einigermaßen verunsichert, es ist ja schon ziemlich spät. Nun überlegen wir uns doch, noch einmal bei dem ‚Namasté’ vorbei zu fahren! Tatsächlich ist dort auch was frei und das Zimmer kostet nur 200 Pesos incl. Frühstück! Wir lassen uns zwei Zimmer zeigen und nehmen das Größere von Beiden – da es hier auch Wasser gibt und die Bettwäsche sauber aussieht, war das keine große Frage! Als wir dann das Gepäck aus dem Auto holen, stellen wir jedoch fest, dass in diesem Zimmer gar kein Fenster ist. Die nette junge Inderin an der Rezeption stellt uns jedoch frei, doch in das andere Zimmer zu wechseln – dort ist zwar ein Fenster, aber es lässt sich auch nicht öffnen. Also doch im ersten (größeren) Zimmer geblieben und gehofft, dass die Nacht nicht allzu schlimm werden wird!
Als wir nach unserer ‚Restauration’ eine Empfehlung für ein Lokal zum Abendessen haben möchten, ist die Rezeption mit einem jungen Paar besetzt, die beide sehr gut Englisch sprechen. Sie empfehlen uns das Restaurant zum ‚Roten Hirschen’ (wirklich!) und ansonsten sollten wir nur sagen, falls wir noch irgendetwas brauchen – soviel Service hätten wir gerade hier nicht erwartet!
Als wir das Haus verlassen, steht der Himmel in Flammen – ein sagenhafter Sonnenuntergang entschädigt uns für all die Aufregungen heute!

Das Wirtshaus wird gerade geöffnet, als wir ankommen – im Restaurant wurde jedoch gerade noch gegen oder für irgendetwas ausgiebig gesprüht. Wir hoffen, dass das nicht wirklich gesundheitsschädlich war! Das bestellte Essen war allerdings ganz gut – beim Bezahlen allerdings bekommen wir nur mündlich einen Betrag genannt. Der kommt uns, im Vergleich zu all den Abendessen-Rechnungen bisher, sehr hoch vor und wir bitten um eine genaue Rechnung! Das junge Mädchen bringt uns die auch und wir sehen, dass auf alle Preise ordentlich auf die Preise der Karte aufgeschlagen wurde. Wir lassen uns die Karte noch mal bringen und zeigen das der Bedienung, die große Augen macht!. Sie verschwindet unter vielen Entschuldigungen und es dauert eine Weile, bis sie wieder zurückkommt – mit einer neuen Rechnung, die jetzt korrekt – und etwa 70 Pesos niedriger ist! Offenbar hat sich der Wirt gedacht, bei den Touristen kann er es machen. Der jungen Frau war das furchtbar peinlich und wir waren froh, dass wir nachgefragt bzw. uns einigermaßen an die Preise auf der Karte erinnert haben!
Obwohl auch diese Stadt nicht gerade besonders ansprechend wirkt, kommen wir sicher zu unserem Hotel zurück!
Die Luft im Zimmer war bei unserer Rückkehr überhaupt nicht stickig und wir beschließen, auch hier wieder gut zu schlafen!

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