Reise nach und erste Tage in El Calafate

Samstag, 26.2.2011
Also heute geht es endlich Richtung Patagonien. Mein Gepäck ist wieder auf die ursprüngliche Größe von einem kleinen Rollkoffer plus einem kleinen Rucksack zusammen geschmolzen (bei Diana habe ich eine Umhängetasche mit Büchern, dickem Wörterbuch, einem zweiten Paar Flipflops und anderen Kleinigkeiten zurück gelassen – ich werde von Buenos Aires am Ende meiner Entdeckungstour durch Argentinien weiter nach Bolivien fliegen und kann sie dann dort wieder abholen).
Eine Tüte mit Mitbringseln für meine Familie habe ich in meinem Koffer untergebracht – ich hoffe, Conny und Rainer können die nach unserem gemeinsamen Trip mitnehmen nach Hause!
Diana hat mir ein Taxi bestellt – es ist samstagmorgens 7.30h und menschenleer auf den Straßen. In knapp einer halben Stunde bin ich dann auf dem Flughafen ‚Aeroparque Jorge Newberry’ von Buenos Aires, wo die inner-argentinischen und viele Flüge innerhalb Süd-Amerikas abfliegen. Beim Bezahlen des Taxis werde ich dann das erste Mal in den letzten drei Wochen hier richtiggehend betrogen: Ich gab dem Taxifahrer für eine Fahrt von 38 Pesos meinen letzten 50-Peso-Schein (ich habe ansonsten nur ein paar Hunderter und drei 10-Peso-Scheine in meinem Geldbeutel und ich weiß ja, wie schwierig es ist, Hunderter zu wechseln). Nachdem er eine Weile in seiner Brieftasche gekramt hatte, hält er mir plötzlich einen 10-Peso-Schein vor die Nase und meinte, es würde da noch was fehlen für den Fahrpreis. Dass ich ihm 50 Peso gegeben hätte, streitet er rundheraus ab. Wir diskutierten noch eine Weile, aber wie soll ich irgendetwas beweisen? Also gebe ich ihm letztendlich noch meine drei 10-Peso-Scheine – es war für mich ein Verlust von nicht ganz 10 Euro, das kann ich dann doch verschmerzen! Was lerne ich daraus? Einen größeren Geldschein immer in der Hand behalten, bis das Wechselgeld zurückgekommen ist oder deutlich auf den Wert des Geldscheins hinweisen, den man übergibt!!!
Im Flughafen erwartet mich das absolute Chaos. Die ganze Abflughalle ist voller Menschenschlangen und keiner kann mir sagen, welche Schlange für den Flug nach El Calafate die Richtige ist. Die Frage an einen der Flughafen-Mitarbeiter, der wichtig inmitten dieser Schlangen umher wuselt, wird mit einem lapidaren ‚keine Ahnung’ beantwortet. An den Eincheck-Automaten ist auch niemand, der mit dem aufzugebenden Gepäck behilflich sein könnte. Also stelle ich mich nach Rückfrage bei den umstehenden Fluggästen einfach bei einer der Schlangen an und hoffe, dass das die Richtige ist. Ich habe etwa 2 Stunden Zeit bis zu meinem Abflug und hoffe, dass ich bis dahin die Eincheck-Prozedur hinter mich gebracht haben werde!
Die Schlange bewegt sich überraschend schnell voran – viele der vor mir Stehenden sind auf deutlich frühere Flüge gebucht und werden von Flughafen-Mitarbeitern immer wieder einmal ‚heraus gefischt’ und an einen Extra-Schalter verwiesen! Wie ich beim Einchecken erfahre, ist für diesen Flug nur ein Gepäckstück mit 15 kg erlaubt – mein Koffer hat 19 kg:-)! Der freundliche junge Mann beim Einchecken beruhigt mich jedoch und meint mit einem Augenzwinkern, ich sollte beim nächsten Mal darauf achten, dass ich das vorgeschriebene Gewicht nicht überschreite. Dieses Mal hat es mich nichts gekostet – habe also den betrügerischen Taxifahrer damit schon wieder verschmerzt:-)!
Die Maschine ist voll ausgebucht – es sind drei größere Reisegruppen an Bord! Eine aus Deutschland (jedoch mit der Mehrheit der Reisenden aus Österreich), eine aus Frankreich und eine aus Portugal, wie ich später erfahre. Ich habe einen Fensterplatz und da die Sicht einigermaßen klar ist, wird der Flug ausgesprochen kurzweilig für mich! Auch hier jedoch bin ich wieder auf den „Direktflug“ herein gefallen – wir werden einen Zwischenlandung in ‚San Carlos di Bariloche’ einlegen und damit keinen ‚Nonstop-Flug’ haben!
Wir starten über die Stadt und ich kann noch einen letzten Blick auf all die Stadtviertel werfen, die ich in den vergangenen 3 Wochen besucht und durchstreift habe: La Boca, San Telmo, Puerto Madero, Caballito etc. Von oben sieht das alles so klein aus, was in natura viele, viele Stunden zu Fuß bedeutet hatte!

Es dauert eine Weile, bis unser Mittagessen serviert wird – vorher gibt es leider auch nichts tu trinken! Zwei Flugbegleiterinnen kümmern sich darum, aber es stehen 3 zusätzliche (incl. der Purserin) herum, aber keine/r kommt auf die Idee, vielleicht mal mit einem Tablett mit Getränken herum zu gehen! Ich bin heilfroh, dass ich mir auf dem Flughafen noch eine Flasche Wasser gekauft hatte, denn die Luft ist ziemlich trocken in dem Flieger!
Nach einem Flug über die Pampa, wo es unzählige schon ganz oder fast ausgetrocknete Seen zu sehen gibt, wandelt sich das Bild plötzlich und Flusstäler und kleinere Gebirge kommen in meinen Blick! Ganz schnell werden die Flusstäler zu regelrechten Canyons und die kleinen Hügel zu massiven Gebirgen! Als wir die ersten größeren Seen und die ersten Berge mit Schneekappen überfliegen, dauert es nicht mehr lange und wir landen auf dem Flugplatz von Bariloche, unserer Zwischenstation!

Es steigen nur die Fluggäste aus, die hier am Ziel ihrer Reise angekommen sind! Alle anderen müssen etwa eine Stunde im Flugzeug warten! Gepäck wird aus- und eingeladen, das Flugzeug betankt und es ist Zeit, ein wenig mit den anderen Fluggästen zu plaudern. Da erfahre ich auch, dass alle die Damen mit den kurz geschnittenen Haaren nicht aus Brasilien sind, wie ich erst vermutet hatte, sondern aus Portugal kommen. Ich hatte mich schon gewundert, denn in Buenos Aires hatte ich nur in der Subte mal eine Frau mit kurzen Haaren gesehen, alle anderen – jung und alt – hatten lange Haare oder sie zu einem Knoten aufgesteckt! Eigentlich wäre nämlich ein Haarschnitt für mich fällig gewesen, aber ich hatte mich nicht getraut zum Friseur zu gehen – vielleicht hätte ich einen Herren-Friseur wählen sollen?
Der restliche Flug ist mehr als beeindruckend! Schon der Start von Bariloche mit Blick auf den ‚Lago Nahuel Huapí‘ und die umliegenden Andenberge war gigantisch – eine wunderschöne Landschaft! Die Berge (mit unzähligen türkisfarbenen kleinen Bergseen) nehmen kein Ende mehr, und beim Anflug auf El Calafate ist der ‚Lago Argentino‘ schon von weitem zu sehen und auch die überraschend großen Zu- und Abflüsse! Die fehlende Farbe der Landschaft (es ist alles mehr oder weniger braun) macht deren Vielfältigkeit wieder wett! Hier kann ich auch schon einen ersten Blick auf die berühmte „Ruta Cuaranta“, die Nationalstraße 40, werfen!

Nach der Landung auf dem kleinen Flughafen geht es über das Vorfeld zu Fuß zur Ankunftshalle! Das Gepäck geht schnell und ich kann gleich zum Shuttle-Bus vor dem Flughafen gehen, in dem schon einige andere Fahrgäste warten. Es dauert auch nicht lange und wir fahren ab – nachdem der Fahrer von uns allen die Ziel-Adressen erfragt hat! Wir werden nämlich alle direkt vor unseren Unterkünften abgeliefert!
Der Empfang im Hostel ‚Del Glaciar Libertador“ ist überaus herzlich und ich bekomme ein Bett in einem Raum zusammen mit 2 jungen Schwedinnen und einer jungen Frau aus Spanien! Der Raum ist zwar winzig, aber wir haben ein eigenes Bad und Toilette und irgendwie kommen wir ganz gut mit dem Platz zurecht!
Die Drei werden nur 2 Nächte hier sein und sind den ganzen Nachmittag damit beschäftigt, ihre Gletscher-Tour für morgen und die Weiterfahrt für Übermorgen zu organisieren! Ich flaniere ganz gemütlich ins und durchs Städtchen – kann ganz in Ruhe erst einmal ‚ankommen’! Die ganze Stadt ist natürlich vom Tourismus geprägt. An jeder Ecke gibt es entweder Andenken-Läden oder Tour-Veranstalter oder Restaurants! Ich lasse die alle heute links liegen und kaufe mir nur im örtlichen ‚Super Mercado‘ ein paar wenige Lebensmittel für die nächsten beiden Tage (ich habe allerdings von Buenos Aires schon einen großen Beutel mit Obst, Tomaten und einer Auswahl von Käse mitgebracht!). Beim Heimweg komme ich bei der örtlichen ‚Feuerwehrzentrale‘ vorbei und muß schmunzeln – neben einigen Feuerlöschern steht auch eine große Marienstatue im Vorgarten – sicher ist sicher und man kann nie wissen…
Am Abend gibt es ein wenig ‚Nachschub’ für meinen Blog – er ist längst nicht mehr aktuell :-(, aber ich hoffe, dass sich das in den nächsten Tagen wieder ändert! Bald bin ich jedoch auch im Bett, zusammen mit meinen Zimmergenossinnen, die morgen sehr früh aufstehen müssen!

Sonntag, 27.2.2011
Eine gute Nacht liegt hinter mir, als ich durch das geschäftige Treiben um mich herum wach werde! Ich kann, in meinem Bett liegend, gemütlich abwarten, bis die drei Anderen fertig sind und das Zimmer verlassen haben, ehe ich in Ruhe ins Bad verschwinde. Frühstück gibt es bis 9.30h, also auch das ist noch bequem zu schaffen (wobei es auch ein Frühstück ist, das ich gut hätte versäumen können!).
Ich mache danach einen kurzen Spaziergang durchs Dorf, um mir den Weg zum Busbahnhof anzuschauen – will ich doch morgen Conny und Rainer dort abholen! Das Wetter ist grau in grau und verlockt nicht zu größeren Taten – auf dem Heimweg fängt es an zu regnen und ich beschließe, den restlichen Tag in der Lounge im Hostel zu verbringen, mein Blog wird es mir danken!
Dank der gemütlichen Sofas in der Lounge schaffe ich auch relativ viel meiner ‚Nacharbeit’, bis dann der erste Gast kommt und auf dem Riesenbildschirm die erste DVD läuft – „Joe Black“. Natürlich ist dann an konzentriertes Arbeiten nicht mehr zu denken. Erst versuche ich, im Zimmer auf meinem Bett weiter zu arbeiten, aber dort kann ich nicht mal sitzen! Das obere Bett ist so nahe, dass man sich gerade ein wenig aufrichten könnte… Auch frühere Gäste haben schon entsprechende ‚Vermerke’ darüber am Lattenrost hinterlassen!

Also beschließe ich, doch wieder nach vorn zu gehen. Ich schaue mir den Film bis zum Ende mit an und dann verschwinden alle wieder und ich kann in Ruhe weiter machen.
Mitten in der Arbeit fängt der Hund des Hostels vor der Tür plötzlich irrsinnig zu jaulen und quieken an. Wir stürzen alle nach draußen und finden ihn mit zwei riesigen Wunden am Rücken auf dem Boden liegend vor. An zwei Stellen ist ihm das Fell großflächig abgerissen worden. Fabri, die junge Frau von der Rezeption, der der Hund gehört, ist in Tränen aufgelöst! Jemand vom Hostel bringt einen 1.-Hilfe-Kasten mit Jod etc., aber das verschreckt das Tier noch mehr und es läuft weiter vom Haus weg, statt hier sitzen zu bleiben. Ich schicke sie ans Telefon, damit sie einen Tierarzt anrufen kann und kümmere mich um das Tier! Das Fell ist am Nacken und kurz über dem Steiß in Flächen von etwa 15-15 cm bis auf kleine ‚Brücken’ total vom Körper abgerissen. Fabri vermutet einen anderen Hund als Übeltäter – aber es soll hier ja auch Pumas geben… Sie hat keinen Tierarzt erreicht – es ist sonntagnachmittags! Ich versuche, auch sie ein wenig zu beruhigen. Ein deutsches Paar, das zufällig vorbei kommt (sie ist Medizinerin) rät uns, die Haare rund um die Wunde zu verknoten, dann würde das Fell wieder anwachsen. Aber wie bei dem völlig verstörten Tier überhaupt in die Nähe dieser Wunden kommen? Wir schaffen es zumindest mit gemeinsamen Anstrengungen, den Hund ins Haus zu locken, damit er erst einmal irgendwo liegen kann, wo er nicht weiter gefährdet ist. Später ankommende Gäste kennen einen der Tierärzte und rufen auf seinem Privathandy an. Er ist gerade beim Fischen, will aber gegen 5h vorbei kommen und das Tier abholen! Ich pendel die Zeit bis dahin immer zwischen Besitzerin und Hund hin und her und versuche, beide ein wenig zu beruhigen. Der Hund schläft dann auch irgendwann ein, aber bei Fabri schaffe ich es nicht, die Tränen zu stoppen – sie hat eine riesige Angst, dass ihre ‚Freundin’ sterben muss!
Als beide dann endlich abgeholt sind, komme ich dazu, noch ein wenig meine Fotos zu sortieren, ehe ich mir Abendessen mache und dann bald ins Bett gehe – ich bin todmüde und weiß eigentlich gar nicht so rech, woher! Vor dem Einschlafen haben meine Zimmergenossinnen jedoch noch viel von ihrer Gletschertour zu erzählen – es muss ganz großartig gewesen sein und sie sind hellauf begeistert. Ich freue mich sehr darauf, übermorgen die gleiche Tour machen zu können

Montag, 28.2.2011
Der Hund ist gestern operiert worden und hat noch bis in den Abend hinein seine Narkose in der Veterinärpraxis ausgeschlafen. Wie ich heute Morgen erfahre, geht es ihm (und Fabri!) jedoch wieder ganz gut. Er bleibt die nächsten Tage noch daheim, bis die Wunden so einigermaßen verheilt sind und darf erst dann wieder mit hierher ins Hostel kommen – also werde ich ihn erst nach meiner Rückkehr von unserer ‚Kleingruppen-Reise’ wieder sehen!

Heute Mittag kommen Conny und Rainer an! Ich freue mich sehr auf die 2 gemeinsamen Wochen und alles, was wir zusammen entdecken und erleben werden! Die Ankunft ist für ungefähr 1h vorgesehen! Da es eine Reise von etwa 5 Stunden vom Torres del Paine Nationalpark sein wird, werde ich vorsichtshalber ein wenig früher am Busbahnhof sein, damit ich sie nicht etwa verpasse. Gemütlich schlendere ich durch die Stadt und bin kurz vor 1h dort, aber von diesem Bus noch keine Spur! Dafür eine ganze Reihe, die abfahrtsbereit auf die letzten Fahrgäste warten – manche von denen kommen mit hängender Zunge die Treppen herauf gestolpert. Der Busbahnhof liegt nämlich hoch über dem Ort und ist nur über viiieeeele Treppenstufen erreichbar! Leider gibt es von dort oben keine schöne Aussicht (was ich gestern eigentlich erartet hatte!), weil als Windschutz wie überall im Ort, schnell wachsende Pappeln gepflanzt wurden, die die gesamte Aussicht auf Städtchen und See verdecken!
Auch vom Hostel ist ein junger Mann da, der einige Gäste auflesen soll – mit Auto! Ich frage schon mal, ob er vielleicht das Gepäck von ‚meinen’ beiden Gästen mitnehmen würde, dann könnten wir nämlich zu Fuß durch die Stadt gehen. Klar – kein Problem, aber er meint, der Bus würde schon noch ein wenig auf sich warten lassen :-(! Aber es gibt eine Art ‚Bahnhofsgaststätte’, wo ich mir in der Zwischenzeit einen Kaffee hole – ‚Café con leche y un poco di leche frio extra’! Der Kaffee ist nämlich stets zum Zunge verbrühen und daher muss immer noch ein Extra-Schuß kalte Milch dazu! Ich werde auch auf Anhieb verstanden, was mich sehr erleichtert – die Basics zumindest scheinen einigermaßen bei mir verankert zu sein! Die drei Wochen Spanisch-Unterricht waren ansonsten nicht besonders erfolgreich – ich habe zwar einen immensen Wortschatz – aber leider nur sehr passiv! Das merke ich, weil ich relativ viel lesen und verstehen kann – z.B. bei den zahlreichen Broschüren und Beschreibungen. Aber Sprechen ist ganz schlecht – hier in El Calafate kann ich es auch nicht weiter üben, da so gut wie alle hier, mit denen ich bisher in Berührung kam, gut bis sehr gut Englisch sprechen! Da ist der Wirt hier eine willkommene Ausnahme und ich freue mich doppelt, dass meine Bestellung und mein Extra-Wunsch offenbar klar bei ihm angekommen sind!
Vor dem Bahnhof warten auch ein paar Schulkinder in ihren ‚Schuluniformen’, die bei den größeren Kindern und Jugendlichen aus weißen Kitteln bestehen (ähnlich denen, die früher in den Büros getragen wurden!) – bei Buben ist es ein schmuckloser, für die Mädchen gibt es welche, die im Vorderteil mit Biesen verziert sind. Die Kindergarten- und Grundschulkinder tragen rosa- oder hellblau karierte Kittelchen mit kleinen ‚Bubi-Kragen’, die hinten geknöpft sind. Irgendwie sieht das ziemlich ulkig aus, aber die Kinder tragen es voller Stolz – vor allem im Moment noch, hat doch die Schule nach den großen Ferien für alle ein Schuljahr weiter wieder angefangen! Hier in diesem weiten Land sind es oft 2-3 Stunden, die die Kinder einfach im Bus unterwegs sind, um zur Schule zu kommen. Aber das ist hier gar nicht sooo weit – liegt halt alles ein wenig weiter auseinander als bei uns.
Auch viele andere Fahrgäste finden sich langsam ein – einige vertreiben sich die Zeit mit Flöten- oder Kartenspiel, die Touristen unter ihnen mit nervösem Hin- und Hergehen und ihren Reiseleiter nervend :-)! Inzwischen ist der Bus schon deutlich eine halbe Stunde verspätet und das ist für die Europäer schon ein wenig viel!
Aber endlich kommt er dann kurz vor 2h um die Ecke – was ist schon eine Stunde? Conny und Rainer sitzen ganz hinten und winken mir schon zu! Es dauert aber dann, bis sie auch aussteigen können – sind halt eine Menge Leute in so einem Bus und die haben auch eine Menge diverses Gepäck, was erst so nach und nach zusammen geklaubt werden muss!

Eine herzliche Begrüßung und dann schnell das Gepäck ins Hostel-Auto und wir machen uns auf den Weg zu Fuß durch die Stadt.
Von der Größe des örtlichen Casinos sind sie genau so überrascht wie ich – wir wissen nicht so genau, ob das für die Touristen gedacht ist oder ob die Bewohner hier das Geld, was sie mit den Touristen verdienen, wieder gewinnbringend anlegen wollen.
Das Wetter ist herrlich und wir beschließen, unterwegs noch einen Kaffee zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen – wir hatten schließlich alle noch kein Mittagessen. In einem kleinen Gasthaus bekommen wir leckere Crepes, die wir sogar draußen essen können!
Später im Hostel richten sie sich erstmal in ihrem reservierten Doppelzimmer gemütlich ein und packen ihre Rucksäcke aus. Da kommen auch die Wanderschuhe ans Licht, die sie für mich aus München mitgebracht haben. Leider sind beide Paare zu klein – ich könnte auf keinen Fall mehr etwas dickere Socken darin anziehen. Also werde ich doch in den sauren Apfel beißen müssen und mir ein paar feste Schuhe kaufen. Ich habe als Wanderschuhe nur meine dünnen ‚Boxerstiefelchen’ dabei, die mir in den vergangenen Monaten gute Dienste geleistet haben. Sie sind super, weil sie bis fast zur Hälfte der Wade geschnürt werden können und damit dem Fuß stabilen Halt geben, aber das Leder ist so fein und dünn, dass sie bestimmt nicht für Wanderungen im kalten Nass rund um den Gletscher geeignet sind :-(!
Nachdem wir an der Rezeption des Hostels unsere Gletscher-Tour für morgen gebucht haben, gehen wir noch einmal in die Stadt – ich wegen Schuhen, Rainer wegen einer evtl. etwas dickeren Windjacke und Conny, um die Essensvorräte aufzufüllen!
Ich werde fündig – aber ganz anders als gedacht! Man kann sich nämlich in einem Geschäft hier Wanderschuhe leihen! Es kostet etwa 7€/Tag und das mache ich dann auch. Bequeme, gut eingelaufene Goretex-Schuhe – besser hätte ich es gar nicht treffen können. Es tut mir nur Leid, dass meine beiden Begleiter sich mit ein Paar Wanderschuhen extra beschleppt haben, ohne dass es schlussendlich einen Nutzen hatte (das zweite Paar trägt Conny während der Zeit hier!

Rainer findet eine Jacke, die ihm gefällt und auch gut passt. Sie ist aber nicht ganz billig und so will er das Ganze erstmal überschlafen. Im Supermarkt erstehen wir dann die Zutaten für ein einfaches Abendessen und gehen langsam wieder nach Hause – es ist zwar inzwischen schon fast 9h, aber noch taghell!


Beim gemeinsamen Abendessen werden die Augen aber schnell klein und morgen müssen wir zwischen 6 und halb 7h aufstehen, also gehen wir dann bald ins Bett!

Dienstag, 1.3.2011
Der Wecker klingelt und ich stehe schnell auf. Auch meine Zimmergenossinnen müssen heute früh los und so könnte es etwas eng im Bad werden! Die beiden Schwedinnen fahren weiter zum Torres del Paine Nationalpark, die Spanierin fliegt nach Santiago de Chile und will dann Richtung Norden weiterziehen. Erstere haben noch 1 Monat (von insgesamt 3) vor sich, letztere nur noch 10 Tage (von insgesamt 20)! Ich bin glücklich, dass ich noch ohne Nachdenken über Zeit und Raum unterwegs sein kann!
Conny und Rainer frühstücken in einem Extra-Frühstücksraum für ‚privates’ – da gibt es zum ‚normalen’ Frühstück (Toast, Mischbrot, Margarine und Marmelade, die ein einziger Zuckerbatzen ist :-(, Kaffee oder Tee) noch Cornflakes und Joghurt. Wenn ich dort mit frühstücken wollte, hätte ich 27 Pesos für ein ‚full breakfast’ zu bezahlen, also etwa 5€! Da mache ich mir doch zum Basis-Frühstück lieber noch ein Rührei – auch um den Preis, dass wir getrennt frühstücken müssen.
Dick angezogen (die Schwedinnen haben erzählt, dass es am Gletscher sehr kalt war und es auf dem Weg dorthin geregnet hat!) treffen wir uns dann im Foyer, wo wir vom Bus abgeholt werden. Eigentlich haben wir eine ‚Individual Tour’ gebucht, wo es abseits der üblichen Straße quer durch die Pampa gehen soll, aber es fährt dann trotzdem ein ganz normaler Reisebus vor. Wir sind jedoch insgesamt nur 10 Gäste, also eine kleine Gruppe, und haben eine äußerst sachkundige und nette Begleiterin, die uns schon auf dem Weg mit vielem um uns herum vertraut macht. Wir fahren nur ein kurzes Stück auf der geteerten Straße, dann geht es – Reisebus hin oder her – quer durchs Land auf einer teilweise äußerst holprigen Piste. Aber der Fahrer versteht sein Handwerk und es ist herrlich, so ganz andere Aus- und Einblicke zu haben wie von der Hauptstraße aus! Immer wieder können wir einen Blick auf den See werfen und die großartigen Berge dahinter! Die Piste geht mal endlos gerade aus und dann schlängelt sie sich wieder in engen Kurven in ein Flusstal hinab und wieder hinauf. Zwei Estancias liegen am Weg und auf einer davon machen wir eine kurze Toiletten- und Kaffeepause! Es gibt hier ein ganz junges Guanaco, das natürlich entsprechend bewundert und fotografiert wird – zart und unbeschreiblich weich ist sein Fell.
Schon kurz nach der Weiterfahrt müssen wir abermals anhalten – unser Fahrer hat mit seinen Adleraugen auf einem Hügel eine größere Anzahl Kondore entdeckt und einige von uns, natürlich u.a. wir drei, stapfen hinter unserer ‚guide’ her, um ein wenig näher zu kommen und fotografieren zu können! Es ist wirklich erstaunlich, wie viele es dort auf einem Platz gibt. Normalerweise sind sie nur in Paaren unterwegs. Hier scheint es sich um eine Familie mit mehreren Jungtieren zu handeln, die jedoch schon fast ausgewachsen sind. Einige davon lassen sich in die Höhe ‚tragen’ und wir bekommen einen Eindruck von der Größe und Eleganz dieser Vögel. Sie sehen allerdings näher betrachtet überhaupt nicht ‚schön’ aus – eher wie Geier als Adler!



Noch ein kurzes Stück des Wegs, dann biegen wir in die Hauptstraße ein, um in den Nationalpark ‚Los Glaciares’ einzufahren und dort unsere Eintrittsgebühren zu bezahlen (100 Pesos). Nicht weit danach geht plötzlich das Autoradio an und es wird die Titelmelodie von ‚Star Wars“ gespielt und um die nächste Kurve – tatatataaaa: können wir den ersten Blick auf den gigantischen Gletscher werfen! Ein atemberaubender Anblick – das blau schimmernde Eis über dem dunkeltürkis scheinenden Wasser und oben die weißen Schneeflächen!

Bald danach stoppt der Bus, lädt uns alle aus und wir starten zu unserer Wanderung am See entlang. Teilweise durch morastige Gegend, teilweise auf Kieselsteinen wandern wir Richtung Gletscher und haben ihn stets vor Augen! Überall können wir – trotz des Spätsommers – noch blühende Pflanzen sehen und manchmal auch noch letzte Überreste der ‚Calafate-Beeren’, dem Äquivalent für unsere Blaubeeren. Sie sehen fast so aus und schmecken auch ähnlich, aber die Sträucher können mehr als mannshoch werden und haben verteufelt viele Stacheln! Die Leute, die die pflücken, sind nicht zu beneiden. Es muss jedoch eine Menge davon geben, denn überall wird Calafate-Marmelade und –Likör verkauft!
Bald schon können wir einen Blick auf die Bootsanlegestelle werfen, von wo wir am Nachmittag zu unserer Fahrt an die Gletscherzunge starten wollen! Wir müssen jedoch erst den steilen Abhang zur Straße hinauf, wo uns unser Bus wieder aufsammelt und zum Gasthaus an den Aussichtsterrassen fährt! Wir haben 2 Stunden Zeit, uns den Gletscher in Ruhe anschauen zu können, aber auch für ein kleines Mittagessen! Im Gasthaus besorge ich 3 Becher heiße Suppe zu unseren vorbereiteten belegten Semmeln und 3 Becher heißen Kakao und ein paar Kekse als Nachtisch! Dann steigen wir eine der rund um den Abhang führenden Holztreppen hinab, um eine einigermaßen geschützte Aussichtsterrasse zu finden. Es geht ein kalter Wind und wir sind froh, dass wir uns mit Ski-Unterwäsche und dicken Fleece-Pullis unter unseren Windjacken ausgestattet haben – und ich bin besonders froh, dass ich gestern die Wanderschuhe ausgeliehen habe, die noch Platz für ganz dicke Socken haben – meine Füße sind superwarm!


Von der Terrasse aus hat man einen wunderbaren Blick auf den blau schimmernden Gletscher. Leider haben wir nicht das Glück, dass eine der riesigen Eissäulen vor unseren Augen ins Wasser stürzt. Es kracht und knirscht ziemlich viel und laut, aber es fallen nur ein paar kleinere Eisstücke ins Wasser. In dem von vorne verglasten Aussichtspunkt kann man es eine Weile aushalten, von dort haben wir auch eine wunderbare Sicht auf den ‚Gletscherfluß’, der sich von weit oben aus den Bergen herab windet! Er ‚fließt’ 2 Meter pro Tag und hat bis jetzt durch die Klimaveränderung offenbar noch keinen Schaden genommen.


Die Schneemassen, die durch die aufsteigenden Wolken vom Pazifik auf die Anden niedergehen, sorgen nach wie vor dafür, dass der Gletscher in seiner Masse ausgeglichen bleibt!
Mit eine wenig Bedauern machen wir uns wieder auf den Rückweg – wir müssen pünktlich wieder am Treffpunkt sein, da der Bus nur kurz zum Ein- und Aussteigen dort halten darf! Jetzt geht es endlich zu dem Boot, das uns direkt vor den Gletscher bringen wird! Erst hier bekommt man den richtigen Eindruck, wie hoch diese Eismasse wirklich ist! Bis zu 60m ragt sie über uns hinweg und ist durchzogen von Rissen, Spalten und richtigen Höhlen! Immer wieder sieht man auch Verunreinigungen, die durch die Erde am Rand des Gletschers verursacht werden. Die Gletscher-Ränder fließen nämlich langsamer und so ‚saugt’ der mittlere Fluß die Eismassen vom Rand, mitsamt den Erdablagerungen dort, immer wieder Richtung Mitte!
Etwa eine Stunde dümpeln wir so vor dem ‚Eisgebirge’ hin und her, ehe die Sonne hinter den Bergen verschwindet und es dann empfindlich kühl wird! Auch jetzt bin ich wieder heilfroh über meine ‚Winterausstattung’!


Zurück geht es dann per Bus auf der Hauptstraße und wir werden nach etwas mehr als einer Stunde in unserem Hotel abgeliefert!

Da es hier bis kurz vor 10h abends noch hell ist und viele Geschäfte auch bis 9h geöffnet haben, wandern wir noch mal in die Stadt, um meine geliehenen Schuhe wieder zurück zu bringen, das Auto für unsere morgen beginnende Rundfahrt zu bestellen, noch ein paar Sachen dafür einzukaufen und vor allem, um unsere Barschaft aufzufüllen! Es gibt pro Abhebung am ATM oft nur 700 Pesos, manchmal aber auch den absoluten Höchstbetrag von 1000 Pesos! Das sind gerade mal 120-230€ – das reicht natürlich nicht sehr lange (es werden äußerst selten Kreditkarten akzeptiert und wenn doch, meist mit ordentlichen Zusatzgebühren!). Leider ist auch heute wieder mal ein ATM nicht mehr ‚zahlungswillig’ – Gott sei Dank gibt es aber noch einen, den wir dann ordentlich ‚ausplündern’!
Im Hostel gibt es noch ein leckeres Abendessen mit frischen Gnocchi und Ravioli, die wir uns aus dem örtlichen Supermarkt mitgebracht haben, ehe wir todmüde ins Bett fallen – morgen wollen wir um 8h das Auto bei Avis abholen!

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3 Antworten zu Reise nach und erste Tage in El Calafate

  1. Michelle schreibt:

    Dein Titel ist schon sehr versprechend…. jetzt warten wir!
    Ich bin am Sonntagfrüh eine eifrige Blog Leserin ! Dann fragen mich alle was du machst und wo du bist.
    Viele liebe Grüße von den Katzenbacher!

  2. Conny schreibt:

    Hi Christine,
    ja so war´s. Nur ein ganz kleiner Fehler hat sich eingeschlichen: wir waren im Torres del Paine und nicht Torres del Panne Nationalpark.
    Liebe Grüße
    Conny

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