La Paz zum Zweiten!

Donnerstag, 21.4.2011
Gut ausgeruht und nach der kühlen Dusche gehe ich erfrischt zum Frühstücken in das gleiche Open-Air-Restaurant, wo ich gestern schon zum Abendessen war. Ich bin immer wieder hin und weg von den Preisen hier: „Tropical Breakfast“, was bedeutet Omelett mit Gemüse,frisch-gepreßter Saft, Müsli mit Joghurt und frischen Früchten, 1 Croissant und Toast nach Wunsch, Butter, Honig, Kaffee/Tee/Schokolade, kostet hier gerade mal 3€ umgerechnet (und das sind hier schon richtige Touristenpreise! Rurrenabaque ist so etwas wie Yangshou in Guilin vor etwa 25 Jahren – Lieblingsspot von vielen Travellern, an deren Wünsche sich die örtliche ‚Gastronomie’ schnell angepasst hat! Auch hier gibt es ‚the coldest beer in town’ und in fast jedem Restaurant ‚Müsli’ zum Frühstück :-)!
Jetzt aber zum Flugbüro, wo der Transfer-Bus auf mich warten soll! Dafür, dass der Flug früher gehen soll, haben alle ganz schön die Ruhe weg (aber es ist ja auch nicht wirklich weit zum Flughafen und hier haben sie ja weder Sicherheits- und Passkontrolle :-)). Kurz vor 10h (der Flug soll um 10h gehen) fahren wir dann los und im Flughafen stellt sich heraus, dass der Flug nun ‚delayed’ ist… Also ist noch Zeit, im ‚Flughafen-Restaurant’ – das ist ein kleiner Bretter-Kiosk mit ein paar Tischen und Stühlen im Schatten eines großen Baumes – etwas zu trinken! Während ich dort sitze, wuseln das Hausschwein und seine Jungen um mich herum und die Hühner scharren im Sand – was für eine Idylle und Fotomotive en gros! Endlich zeigt leises Brummen die Landung unserer Maschine an – diesmal rollt sie auf der Graspiste bis direkt vor das Flughafen-Gebäude (der Boden scheint jetzt trockener zu sein!). Nach relativ fixem Aussteigen und –laden wird erst unser Gepäck verstaut und dann wir (unsere Bordkarten gelten nicht – jeder kann sich hinsetzen, wo er was findet!) und mit etwa 1Stunde Verspätung starten wir dann endlich! Der arme Martin – ich hatte ihm gesagt, wann ich ankomme und er wird pflichtbewusst schon am Flughafen in La Paz auf mich warten! Heute sitze ich auf der anderen Seite des Flugzeugs, auch wieder in der ersten Reihe, außerdem ist die Scheibe diesmal sauber – und so kann ich die 6000er in voller Pracht fotografieren! Der kurze Flug ist im Nu vorbei und tatsächlich, als ich in die Ankunftshalle komme, steht mein ‚guter Geist’ auch schon wartend da!
Wir fahren kurz beim Hostel vorbei, meinen Rucksack ausladen und dann gleich weiter in die Agentur, wo ich den Flug nach Sucre noch buchen möchte! Die freuen sich alle sehr, dass ich so begeistert vom Camp zurück komme und geben mir mit auf den Weg, dass ich das vielen Leuten sagen soll – sie können jedes Marketing noch gut gebrauchen. Mein Ticket können sie leider nicht ausstellen, sie wollen die kommenden Ostertage nutzen und renovieren. Sie zeigen aber Martin, wo das ‚Aero Sur’-Office ist bzw. eine andere Agentur, die mir das Ticket auch ausstellen könnte. Die Reservierung ist auf jeden Fall schon mal gemacht!
Da es noch relativ früh am Nachmittag ist, frage ich Martin, ob er mich noch ins Moon Valley fahren könnte – etwa 10 km vom Zentrum entfernt soll sich eine zauberhafte Felsformation befinden. Ein kurzer Rückruf bei seiner Frau (sie hütet das Telefon für möglche Reservierungen) ergibt, dass nichts anderes anliegt und so sagt er mir gerne zu.

Durch nun ganz andere Stadtviertel von La Paz, als ich sie bisher gesehen habe, führt uns unser Weg – große, imposante Villen, absolute Luxushotels (in denen eine Nacht für Martin unvorstellbare 5000 BoBs kostet, etwa knapp 600€), verschiedene Botschaften und Privatkliniken säumen unseren Weg!
Das ‚Moon Valley’ hat wirklich was von einer Mondlandschaft! Ein Meer von dünnen grauen Felsspitzen, zwischen und über die ein Rundweg führt, der immer wieder grandiose und überraschende Ausblicke zulässt! Und jetzt, in der tiefer stehenden Nachmittagssonne sieht das alles noch märchenhafter aus, als wahrscheinlich am helllichten Tag! Ich bin froh, dass ich diesen Kurztrip schnell noch eingeschoben habe – es hat sich wirklich gelohnt!
Danach fahren wir bei Aero Sur vorbei – die residieren im Radisson-Hotel mitten im Stadtzentrum, haben aber leider schon geschlossen! Dann halt zu ‚Camel Tours’ (wie immer die hier zu diesem Namen kamen :-)) – wir gehen das relativ kurze Stück zu Fuß, weil Martin für das steile Altstadt-Zentrum keine Lizenz hat (durch die engen und steilen Altstadtstraßen darf immer nur eine bestimmte Zahl von Taxis fahren). Es ist nicht sehr weit und auch nicht besonders steil und die Ausstellung des Tickets geht total fix! Da wir uns hier schon um die Ecke von der Franziskus-Kirche befinden, sage ich Martin, dass er direkt nach Hause fahren kann – das kleine Stück ins Hotel gehe ich dann zu Fuß! „Wenn Du willst, aber sei vorsichtig – es ist heute am ‚Heiligen Donnerstag’ ziemlich viel los vor der Kirche!“ gibt er mir mit auf den Weg und dann verabschieden wir uns, nicht ohne noch schnell vereinbart zu haben, dass er mich am Samstag mittag ein letztes Mal zum Flughafen bringen soll!

Kaum ist er im Gewühl verschwunden, spüre ich plötzlich einen Schwall Wassertropfen von oben – ich, völlig perplex, schaue nach oben, wo der Regen plötzlich herkommt und ein paar Sekunden später bin ich meine Camera, die ich in der Vortasche meiner Bauchtasche hatte, auch schon los! Das kann doch gar nicht sein – die Camera mit all den Fotos der letzten Tage und heute aus dem Moon Valley!!!

Ich wende mich an einen der zahlreichen Polizisten in der Menge (glücklicherweise spricht der sogar ein wenig Englisch!), wo ich deswegen Anzeige erstatten könnte. Er ist zwar mitfühlend, aber macht mir unmissverständlich klar, dass solche Anzeigen überhaupt nicht mehr aufgenommen werden, weil die Täter sowieso nicht erwischt werden! Ich bin völlig durch den Wind – all die schönen Fotos und morgen ist auch noch Karfreitag, da haben auch hier alle Geschäfte geschlossen, ich habe also keine Gelegenheit mir für die nächsten Ziele eine Neue zu kaufen!
Da fällt mir ein, dass auf dem Weg zurück ins Hotel ein kleiner, eine Art Fotokiosk ist, wo ich vor kurzem Batterien gekauft hatte. Er hatte auch einige neue und viele gebrauchte Apparate in seinem kleinen Schaufenster. Also schnell dorthin, die Hand immer fest auf meiner Bauchtasche (an das Hauptfach mit Portemonaie, Telefon und Pass etc. kamen die Diebe nicht dran, da ich das mit einem Schloß abgesichert hatte – bei der Vortasche war nur der Reißverschluss geschlossen, weil ich immer wieder schnellen Zugriff auf die Camera zum Fotografieren haben wollte). Dort angekommen sitzt ein kleines Mädchen auf der Treppe, sieht mich mit großen Augen an und verschwindet sofort – ich höre währenddessen, wie einer der Männer zu einem anderen im Inneren des Kiosk etwas von Canon PowerShot sagt. Als er mich wahr nimmt, fragt er, ob ich was bestimmtes suche. Ja – eine Canaon PowerShot, ob er so eine hätte. Nein, leider – nicht im Angebot. Vielleicht gebraucht? Da wird er gleich ziemlich heftig – nein, ich sagte doch, wir haben so was nicht im Angebot! Ich gehe dann – bin aber überzeugt davon, dass die Kleine zu der Diebesbande gehörte und gerade in dem Laden meine Camera abgeliefert hatte. Sie kann mir natürlich nicht gleich weiter verkauft werden, da ja erst der Chip entfernt bzw. die Bilder gelöscht werden müssen…
Ich komme so niedergeschlagen im Hostel an, dass mir Ruben sogar eine kleine Flasche Wein spendiert, als er die Geschichte hört! Er ist richtig persönlich betroffen, dass mir das in ‚seiner Stadt’ passiert ist! Ich gehe dann bald ins Bett, bin völlig erledigt!

Freitag, 22.4.2011
Ich bleibe den ganzen Tag im Hostel – zum Einen, weil ich immer noch ganz fertig bin wegen Gestern, zum anderen aber auch, weil um 11h hier in der Straße schon die erste Karfreitags-Prozession anfängt. Die ist noch relativ klein – offenbar zieht sie zu einem zentralen Platz, es folgen dann aber bald noch weitere. Wie ich vom Hostel erfahre, sind es die Heiligtümer aus den einzelnen Stadtviertel-Kirchen, die zur Kathedrale getragen werden und sich dort dann ich die große Prozession einreihen. Die Heiligtümer sind viele kleine Heiligen-, vor allem Marien-Statuen, die teilweise offenbar so wertvoll sind, dass Sicherheitsbeamte direkt neben der Trägerin oder dem Träger mitmarschieren, aber auch riesige Christus-Kreuzweg-Figuren, die auf groben Holzbanken von jeweils 24 Männern getragen werden – alle mit ‚Ku-Klux-Khan-Kapuzen’ aus Seidenstoff in den unterschiedlichsten Farben (dunkelrot, lila, schwarz, weiß, dunkelgrün…) verhüllt! Die machen etwa alle 200 m eine Pause – die Figuren incl. Tragegestelle scheinen sehr schwer zu sein! Am Nachmittag zieht dann auch die große Prozession hier vorbei – jetzt sind die Christus-Figuren in der richtigen Reihefolge im großen Zug eingereiht! Wenn das immer die gleichen Männer sind, die sie so viele Stunden getragen haben, sind bestimmt alle Sünden abgebüßt damit. Ich hoffe inbrünstig, dass auch der Dieb meiner Camera darunter ist und er ordentlich schwitzen muß!!!

Ruben sagt mir später, dass ganz in der Nähe die Straße mit den ganzen Camera-Geschäften wäre. Ich würde doch erst mittags fliegen, da könnte ich vielleicht vormittags noch eine neue Camera besorgen – die meisten Geschäfte dort würden um 10h öffnen. Das ist vielleicht gar keine schlechte Idee. Ich rufe gleich bei Martin an, ob er morgen schon um 10h statt um 11.45h kommen könnte – ja, das geht! Wunderbar, so habe ich auch noch jemand Vertrauenswürdigen dabei, wenn ich auf Camera-Suche gehe.
In meinem Telefon kommt übrigens immer noch, inzwischen etwa stündlich, eine SMS vom Provider an, dass es spätestens am 25.4. gesperrt wird, wenn ich mich nicht registriere! Da das Guthaben sowieso total aufgebraucht ist, schmeiße ich die SimCard jetzt einfach weg!

Nun muß ich noch schnell mein Gepäck wieder umpacken, anschließend gibt es Empanadas vom Bäcker nebenan als Abendessen und hinterher ein Video mit anderen Hostelgästen!

2 Antworten zu La Paz zum Zweiten!

  1. Sohn #2 schreibt:

    Oh nein, wieder mal ein Fotoapperat weg, und dann auch noch geklaut.
    Wie ärgerlich!
    Da müssen wir uns mal was überlegen, was zusätzlich zum wasser- und staubdichtem Gehäuse noch dazu muß? 😉
    Wir werden Dir einfach ein Loch ins Knie bohren und die wasserdichte Kamera dort mit einer dicken, gehärteten Kette festmachen (ich hab noch eine für mein Moped, die ist von ABUS und wiegt etwa 4 kg)
    Evtl hättest Du einfach das Mädel als Geisel nehmen sollen und gegen die Kamera austauschen sollen?! 😉
    Wie dem auch sei, Hauptsache sie haben Deine Papiere nict mitgenommen und Dir ist nix weiter passiert!!

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