3 Tage Camping in weltberühmten Landschaften!

7.12.2010

Schon kurz vor dem Weckerklingeln werde ich wach. Schnell ins Bad – Daryl wird mich zu dem Campingplatz fahren, wo ich vom Tourbus abgeholt werden soll. Er geht stets morgens um 6h zum Schwimmen in den ‚Public Pool’ und kann mich deswegen gleich mitnehmen. Ich habe nur meinen kleinen Rucksack für die 3 Tage gepackt, alles andere lasse ich hier stehen – ich bin ja übermorgen schon wieder zurück!
Die bei „WayOutBack“ gebuchte Tour ist eine ‚Safari’, d.h. zum einen wenig Teilnehmer und zum anderen abseits der üblichen Wege unterwegs sein – dafür war sie auch fast doppelt so teuer als die sonst üblichen Touren! Leider lässt mein ‚Abholer’ auf mich warten – erst kurz nach 6.30h kommt der 4WD-Bus um die Ecke gebogen! Es hatten sich zwei Gäste verspätet und er musste warten (das fängt ja schon wieder gut an mit meiner ‚Gruppenreise’!).

Wir sind insgesamt 10 Teilnehmer bzw. derzeit noch acht, zwei junge Damen werden wir erst am Flughafen vom Uluru-Gebiet abholen. Ich sitze auf der letzten Bank hinten neben zwei jungen Frauen aus Deutschland. Wie sich relativ schnell herausstellt, ist eine der beiden über Weihnachten ‚house sitter’ bei dem CouchSurfing-Gastgeber in Sydney, bei dem ich vielleicht die letzten Tage vor meinem Weiterflug sein werde – die Welt ist wirklich zu klein!

Auch die anderen Teilnehmer gefallen mir gut: Ein englisches Ehepaar, eine Australierin – beide nur etwas jünger als ich, eine junge Frau aus Frankreich und ein Mann, etwa um die dreißig, auch aus Deutschland. Dazu unser Tour Guide Tony – der ist altersmäßig schlecht zu schätzen, da er zaundürr ist und einen langen grauen Bart hat. Irgendwie ist meine erster Eindruck ‚Rumpelstilzchen‘ :-)!
Wie sich nach wenigen Kilometern herausstellt, funktioniert die Air Condition nicht! Es lassen sich aber die Fenster öffnen und jetzt am frühen Morgen ist es draußen noch einigermaßen kühl. Für die nächsten Tage wird der Veranstalter dann hoffentlich einen Ersatzbus schicken!

Wir haben bis zu unserem ersten Besichtigungspunkt ‚Uluru’, den meisten vielleicht besser bekannt als ‚Ayers Rock’, etwa 450 km zu fahren. Der erste Stop wird nach etwa 180 km eingelegt – mit Möglichkeit, einen Kamelritt mitzumachen! Naja, darauf kann ich gut verzichten :-), aber auch sonst hat keiner Lust, dafür noch mal extra Geld zu bezahlen! Beim Weiterfahren kommt bald in der Ferne ein Berg in Sicht und einzelne Rufe „Uluru“ werden laut! Das ist jedoch nur der Mt. O’Connor oder ‚Attila‘, wie er in der Aboriginal-Sprache heißt – einer der wenigen verbliebenen ‚Mesa-‚Berge hier! Der nächste Stop ist an einem Roadhouse mit angeschlossener Aboriginal-Galerie! Abgesehen davon, dass die Arbeiten dort sehr teuer sind (ein kleines DIN A 4 Bild kostet ab etwa 250$ aufwärts und für die Gemälde, die mir gefallen würden, wären mal locker ab 4000$ fällig…), kommt uns das Ganze irgendwie wie eine ‚Kaffeefahrt’ vor – anhalten und vielleicht noch ein kleines Geschäft nebenbei machen? Dafür war der Trip aber eigentlich zu teuer! Offenbar gehört das jedoch zum Programm aller Tourveranstalter – ich treffe hier meine neuen schweizerischen Bekannten aus dem Zug wieder. Sie machen allerdings ihre Tour mit einem großen (klimatisierten!!!) Tourbus!
Nachdem wir die beiden fehlenden Gäste – eine Chinesin aus Taiwan und eine junge Frau aus Luxemburg – am Flughafen abgeholt haben, geht es zu unserem heutigen Übernachtungs-Platz für die gemeinsame Zubereitung unser Lunch-Sandwiches! Eine Art Campingplatz mit vielen Freiflächen, die jeweils um einem großen Tisch mit Bänken sowie einer Spüle (das alles allerdings überdacht) angeordnet sind. Gut gelaunt übernimmt jeder eine kleine Aufgabe – vielleicht schmecken uns die Sandwiches danach so richtig gut?

Nur ein kurzes Stück vom Campingplatz weggefahren und „da isser, der Felsen“! Vor uns liegt er rot, groß und unübersehbar – der Uluru oder Ayers Rock!

Als erstes machen wir einen Rundgang durch das überaus informative ‚Cultural Center’ – hier wird auch noch mal ausdrücklich darauf hingewiesen, auf eine Besteigung des Berges zu verzichten! Aber das hat von uns sowieso keiner vor! Überdies hat es wieder einmal – na was wohl – angefangen zu regnen!

Es lässt sich offenbar nicht verhindern, dass immer wieder irgendwelche Touristen die Besteigung einfach machen ‚müssen’ (auch ohne zu bedenken, wie gefährlich das ist – es sind schon über 30 Menschen dabei tödlich verunglückt!) – und sich damit herausreden, dass die Aboriginals schließlich Geld damit verdienen, ansonsten würden sie es schon ‚richtig verbieten’ und nicht nur darum bitten, es nicht zu tun! Kurz zur Erklärung: Die Aboriginals haben erst 1985 das ganze Gebiet rund um und mit dem Uluru (und den Kata Tjuta-Bergen, manchen als ‚Olgas’ bekannt) erst vom australischen Staat wieder zurück bekommen. Diese Rückgabe war aber damit verbunden, dass sie das Ganze mit sofortiger Wirkung wieder an Australien auf 99 Jahre als ‚Nationalpark’ verpachten müssen! Und im Pachtvertrag ist enthalten, dass alle Teile des Parks jederzeit und immer zugänglich sein müssen! Das ist der wirkliche Grund dafür, dass keine Verbotstafeln aufgestellt werden (dürfen) und der ‚Weg’ auf den Berg existiert. Die Aboriginal-Guides, die diese Touren manchmal begleiten, sind Leute, die keinen Bezug mehr zu ihrer Kultur haben oder nicht zu den hier beheimateten Stämmen gehören – keiner von einem Stamm hier würde den Berg jemals betreten oder gar Stammesfremde da hinauf führen! Es gibt nur ein paar wenige Bereiche des Berges, die für zeremonielle Zwecke (meist von Frauen) genutzt werden können und müssen – alle anderen Bereiche sind absolut ‚tabu’! Inzwischen gibt es rund um den Berg aber schon kleine Gebiete, die eingezäunt sind und nicht mehr betreten werden können. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Aufstieg auch „richtig“ verboten sein wird – die Aboriginals kämpfen verstärkt darum!

Nachdem wir den heftigen Regenguss in und vor dem Cultural Center abgewartet haben (hier treffe ich die Schweizer wieder – inzwischen weiß ich auch, daß es sich um Ursula und Fritz handelt 🙂 – macht ein Teil unserer Gruppe einen kurzen Walk in eine kleine Schlucht (die beiden deutschen Mädels und ich haben diesen Weg als ‚Sondertour’, gemeinsam mit einer Aboriginal-Frau, gebucht und werden das später nachholen). Unsere Alternative ist ein kurzer Spaziergang am Fuß des Berges. Ich verzichte darauf und setze mich in den kleinen Unterstand vor der Schlucht und lasse – ohne irgendwelche Leute um mich herum – diesen grandiosen Berg einfach mal eine Weile auf mich wirken. Kurz bevor die Gruppe zurück kommt, mache ich die Bekanntschaft von einem jungen Israeli, der seine Freunde auch gehen lässt und das Ganze auch einfach mal „für sich“ haben möchte…
Tony holt meine beiden Begleiterinnen für unsere Tour vom vereinbarten Treffpunkt ab und bringt uns alle zum Treffpunkt mit Sarah, unserem einheimischen Guide und ihrer Übersetzerin, einer jungen Koreanerin! Das ist eine sehr erfreuliche Veranstaltung! Es sind zwar noch einige andere Leute neben uns dabei, aber es macht einfach Spaß, den Berg, die Höhlen und die Quelle dort im Zusammenhang mit der Kultur der Einheimischen erklärt zu bekommen – noch dazu von zwei Frauen, denen man wirklich sehr gern zuhören konnte und die auf alle Fragen von uns dezidiert eingingen!





Aber dann wurde es Zeit, wieder in den Bus zu steigen, der uns zum ‚Sunset with Sparkling Wine and Nibbles’ mit Blick auf den Uluru bringen soll! Auch das ist eine ‚Veranstaltung’, die auf allen Tourprogrammen steht – die Mengen von Bussen und Menschen, die uns dort schon erwarten, macht das mehr als deutlich!

Aber der Sonnenuntergang war eine Wucht – mehr noch der oder besser die spektakulären Regenbögen, die über dem Uluru standen, weil es in den sunset hinein wieder geregnet hatte! Aber das war in diesem Fall ein absoluter Glücksfall!!!









Das anschließende Abendessen war dann der erste ‚very special’ event – statt des versprochenen Barbecues sollte es leider nur wieder Toast geben! Ein offenes Feuer ist im Nationalpark nicht erlaubt, wenn die Tagestemperaturen über 40 Grad angestiegen waren, einfach zu trocken dann alles.


An einen Gasgrill hatte man natürlich für so einen Fall nicht gedacht – obwohl schon am Tag vorher für heute 42 Grad prognostiziert waren!
Auf meinen Vorschlag hin wurde dann aus dem vorhandenen Gemüse zumindest eine große Schüssel Salat gemacht – dazu gab es nach Wunsch Feta oder Thunfisch, dazu das Toastbrot!

Geschlafen wird in sogenannten ‚swags’ – eigentlich ein überdimensionaler Schlafsack aus imprägniertem Segeltuch mit Reissverschlüssen auf beiden Seiten, einer Schaumstoffmatratze innendrin und einem großen ‚lap’ (einem breiten Segeltuchstreifen) am Kopfende, den man sich bei Bedarf (also z.B. bei Regen oder unbotmäßigen Insekten) über den Kopf ziehen kann! Mir war das zu wenig ‚Schutz’ und ich hatte im Vorfeld schon das alternativ angebotene ‚tent’ geordert. Nach einigen hartnäckigen Hinweisen darauf rückte Tony dann auch mit drei kleinen Zelten heraus – einer Art selbstaufstellender ‚Knirps-Igluzelte’, allerdings ohne Regenplane… Jessica und die englische Dame nahmen die Aussicht, ohne Moskitos oder andere Insekten schlafen zu können, auch freudig an!

Aber der Sternenhimmel (übrigens genau so schön wie in der Wahiba!) war wolkenlos und nach dem gemeinsamen Aufsuchen der Sanitäreinrichtungen (die etwa 5 Minuten Fußmarsch durch stockdunklen Busch entfernt waren) krochen wir alle in unsere ‚Betten’!

8.12.2010

Das war eine Nacht…! Kurz nach dem Schlafengehen fing es tatsächlich kurz zu regnen an und durch die Gaze des Zelts war das auch hautnah zu spüren! Schnell habe ich mein Wimmerl in den Swag gepackt, beide Reissverschlüsse zugezogen, hurtig den ‚lap‘ übers Gesicht gezogen – und intensiv gebetet, dass der Regen nicht lange anhält! Der „Geruch“ im Swag erinnerte nämlich stark an alte ‚Burberry-Jacken’ :-)! Aber es war nur ein kurzer Schauer und ich konnte wieder richtig atmen und dann auch schnell wieder einschlafen – bis ich auf die Toilette musste! Den ganzen Weg allein und im Stockdunkeln – nein, das verkneife ich mir doch lieber. Aber an Schlafen war dann vorläufig auch nicht mehr zu denken. Schließlich ging ich todesmutig nur irgendwo ins benachbarte Gebüsch – stets gewärtig, dass ein Dingo oder Schlimmeres auftauchen würde! Aber alles ging gut, ich schlief wieder ein – wir wurden jedoch schon um kurz nach 4h geweckt, weil wir zum ‚Sunrise’ an den Kata Tjuta-Bergen sein müssen!
Das Frühstück war spartanisch – Tee/Kaffee mit Marmelade-/Vegimite-/Nutella-Toast! Aber auf die Weise dauerte es auch nicht lange und wir kamen – nach dem mühsamen und schweißtreibenden Zuammenwickeln der Swags – pünktlich weg (es war natürlich kein Ersatzbus geschickt worden!). Auch hier an dem aufgesuchten Aussichtspunkt waren schon massenhaft Menschen, die auf den Sonnenaufgang warteten. Trotzdem war es ein ganz besonderes Erlebnis, daran teilnehmen zu können!


Danach war unsere erste Wanderung angesagt – wir wollten in den Kata Tjutas das ‚Valley of the Winds’ auf einem Rundweg durchwandern! Mit Rücksicht auf die wieder angesagen hohen Temperaturen möchten wir die 4-stündige anspruchsvolle Wanderung bis spätestens 11h, vor Einsetzen der übelsten Mittagshitze, abgeschlossen haben.
Der Weg war einfach wundervoll! Zwar immer wieder sehr steil, viele lockere Felsstücke und sehr anstrengend, aber auch mit grandiosen Ausblicken auf und zwischen die ungewöhnlichen Felsformationen!




Mir als verwöhnter Oberbayerin fehlten bei manchen Auf-, aber mehr noch Abstiegen allerdings die an der Wand befestigten Stahlseile zum Festhalten. Manches Mal war es der blanke Fels ohne Schritt oder Tritt – ich war sooo froh über meine ‚Boxerschuhe’ mit den gut haftenden Gummisohlen und balancierte ganz gut über diese ‚Fußangeln’! Zweimal auf dem Weg kamen wir an Wasserbehältern vorbei, die Wasser enthielten, das mit Chemikalien keimfrei gehalten wird – entsprechend hat es auch geschmeckt, brrrr! Glücklicherweise hatte ich selbst 2 Liter in meinem Rucksack und musste nur zum Schluß der Wanderung auf dieses Wasser zurückgreifen – aber 2 Liter wären für die ganze Wanderung einfach zuwenig gewesen! Aber es war eine wunderschöne Wanderung – und wir trafen wirklich relativ wenige Leute heute!
Nach einem kurzen Zwischenstopp im Uluru Resort (wo wir im dazu gehörigen Supermarket noch schnell einkaufen konnten – frische Melone und eine Avocado für mich!) stand uns wieder eine lange Autofahrt bevor. Dieses Land ist einfach zu groß! Wir fuhren zu unserem heutigen Übernachtungslager nicht weit vom King’s Canyon, der morgen durchwandert werden soll.
Mittagessen gibt es auf dem Weg dahin als ‚bewährte’ Toasts Marke Eigenbau im Hinterhof eines ‚Roadhouse’ – so was ekliges und grottiges habe ich noch nie gesehen! Ein Tisch, auf dem überall die abblätternde Farbe hoch stand. Plastikstühle, die so schmutzig waren, dass man sie am liebsten erstmal geputzt hätte. Die Barbecue-Öfen total überzogen von Spinnweben – dieses ‚gemütliche’ Ambiente scheint (mit Recht!) lange nicht genutzt worden zu sein! Das ist aber wohl auch Teil des ‚Abenteuer-Trips’, Tony findet das alles ganz normal! Mir ist der Appetit auf Toast vergangen – ich esse nur meine Avocado und meine halbe Honigmelone.
Der weitere Weg wird 2x für spezielle Unternehmungen unterbrochen: Erstmal müssen wir Feuerholz für heute abend sammeln – es soll ein großes Lagerfeuer geben! Und dann biegen wir noch zu einem kleinen Salzsee ab, in dessen ‚Salzbrühe‘ wunderschöne „Weihnachtssterne“ aus verkrusteten Pflanzenteilen schwammen!

Unseren Weg queren im weiteren Verlauf immer wieder Sturzbäche, die sich über die Straße ergießen – irgendwo scheint es mehr als genug geregnet zu haben. Gott sei Dank bleiben wir (noch?) davon verschont, aber eine schwarze Wand begleitet uns bereits.
Angekommen an unserem heutigen Ziel gehen wir als erstes unter die Dusche und dann in den Pool – ist ja richtig luxuriös hier! Aber zu früh gefreut, das war nur ein kleiner ‚Aperitif’ – wir übernachten auf einer ‚remote camp area’ mitten im Busch!

Das hat den großen Vorteil, dass wir dort ein offenes Feuer machen dürfen! Aber den Nachteil, dass wir uns den Platz mit Milliarden von Ameisen teilen müssen, die das überhaupt nicht gut finden… Es gibt dort immerhin ein richtiges WC, kein Chemie- oder Plumpsklo, und eine sogenannte ‚donkey shower’ – eine Dusche, für die, ähnlich wie in den ‚shearer quarters’ in Western Australia, mit einem Holzofen heißes Wasser bereitet wird. Es gibt auch einen Unterstand, wo zwei große Tische mit Bänken, eine Spüle und ein paar Abstellgelegenheiten untergebracht sind. Um die Feuerstelle herum sind ein paar kleine Zelte platziert – sehen ein bisschen wie die italienischen Küchenzelte aus, haben aber Platz für 2 Swags. Sie sind aber aus einer schweren Gummiplane gemacht und wirken deswegen nicht so richtig einladend. Es muß brütend heiß darin werden, noch dazu, wo die Temperaturen auch jetzt am frühen Abend ziemlich hoch sind! Leider steht auch nur eins der insgesamt 4 Zelte aufrecht – irgendwas oder –wer hat die anderen eingerissen. Beim gemeinsamen Versuch, eins der Zelte aufzustellen, kriecht uns plötzlich eine riesige graue Spinne entgegen – mehr als handtellergroß mit behaarten Beinen! Das ist jetzt eine der ungiftigen ‚Hansman’-Spinnen, die ich eigentlich lieber nicht sehen wollte!

Wir alle haben einen mächtigen Schreck bekommen! Tony fängt sie und wirft sie ins Gebüsch – ich erinnere mich da an die Tarantel in unserem Zelt damals in Peschici „Spinnen kommen immer wieder an den gleichen Platz zurück“ und wir verzichten auf den weiteren Aufbau der eingefallenen Zelte…! Ich leuchte nur mit meiner Taschenlampe das eine aufrecht stehende gründlich aus, das ist aber spinnenfrei und wird das Nachtquartier für das englische Ehepaar!
Kurz vor dem Abendessen finden wir dann unter dem Tisch noch eine eklige und giftige ‚mouse spider’ mit einem Jungtier – ich entschließe mich daraufhin, heute im Bus zu schlafen!!! Ebenso Linda, eins der deutschen Mädchen und Jessica, die Taiwanesin! Von den Spinnen abgesehen, habe ich auch keine Lust, von den Ameisen die ganze Nacht gepiesackt zu werden und von den Moskitos zerstochen! Ich nehme mir eine Matratze aus einem Swag und lege mich in den Mittelgang, Linda schläft quer auf der Rückbank und Jessica quält sich auf einen Doppelsitz! Die übrigen kriechen in ihre swags, es regnet Gott sei Dank nicht, und hoffen auf eine ruhige Nacht! Kurz vor dem endgültigen ‚Zapfenstreich’ hören wir noch ganz in der Nähe ein Kamel laut blöken – ich denke, das ist der Übeltäter, der die Zelte umgestoßen hatte!
Zum Abendessen gab es heute Reis, Hühnchen und Gemüse. Tony hat zwar im offenen Feuer auch noch einen Kangaroo-Schwanz geröstet, aber der gehörte nicht zum Dinner-Angebot!

9.12.2010

Ich habe überraschend gut geschlafen – die anderen in ihren swags auch, ohne Zwischenfälle bzgl. Spinnen, Ameisen oder wilden Kamelen! Die Dusche im Busch war auch okay und auch die Toilette! Das Frühstück war wie immer und die Ameisen so früh am Morgen noch nicht zu ekelhaft. Die Nacht war heute ‚erst’ um 5h zu Ende und bis wir alles fertig hatten und aufbrechen, war es doch schon kurz vor 8h – eigentlich zu spät für den auch heute wieder sehr anstrengenden Wandertag!
Ich entschließe mich daher, nicht mitzugehen! Es ist schon jetzt ziemlich heiß und die Wanderung soll 4-5 Stunden dauern! Ich hatte gestern am Eingang zum Resort gefragt, wie es mit einem der angebotenen Helicopter-Flügen über den Canyon aussieht. Die finden nur statt, wenn sich mindestens 2 Leute melden. Leider war gestern niemand außer mir interessiert. Also will ich heute noch mal fragen, ob sich über Nacht noch jemand eingefunden hat. Aber Linda entschließt sich, mit mir zu fliegen und als wir beim Eingang ankommen, ist noch eine 3. junge Frau für den Flug vorgesehen! Also warten wir auf den ersten Flug des Tages, während unsere Gruppe zum Canyon fährt – vielleicht sehen wir sie ja von oben…
Der Helicopter ist winzig – gerade ausreichend für uns drei Passagiere und den (sehr) jungen Piloten. Ich frage vorsichtshalber, wie lange er das schon macht 🙂 – aber er beruhigt mich: Schon seit zwei Jahren ohne Zwischenfälle! Wir müssen uns anschnallen, bekommen alle drei Kopfhörer für die Gegensprechanlage und gegen den Lärm im Cockpit aufgesetzt, die Türen werden zum besseren Fotografieren entfernt und dann heben wir ab! Es ist ein überwältigendes Gefühl – solange man die Hand oder den Kopf nicht aus dem Hubschrauber hält! Dann fühlt man nämlich schmerzhaft den heftigen Luftwiderstand! Es ist eine atemberaubende Sicht von oben auf die Berge, die Landschaft und vor allem in die Schlucht! Wir sehen nur unseren Tourbus, unsere Gruppe scheint noch unterwegs zu sein – von der Zeit her auch nicht anders zu erwarten!












Wir haben 30 Minuten gebucht und bezahlt und sind dann letztendlich nach fast 45 Minuten erst wieder gelandet – ein Super-Event und ein schönes nachträgliches Geburtstagsgeschenk für mich selbst!

Die restliche (heiße) Zeit bis zur Rückkehr unserer Gruppe wird im kühlen Pool und unter dem Vordach des Restaurants verbracht! Sehr gemütlich für uns und wir denken voller Mitleid an die Strapazen bei dieser Hitze für unsere Gruppe.
Sie kommen auch ziemlich erschöpft und relativ spät zurück (ich hatte inzwischen bereits wieder Ursula und Fritz getroffen!)! Wir ziehen uns in einen der Küchenunterstände nahe des Eingangs zurück, wo es heute zum Abschluß des Trips Burger und Grillwürste zum Lunch geben soll! Anne, die junge Luxemburgerin, stellt sich bei der Hitze todesmutig an den Grill – bewundernswert! Wir anderen schneiden die Salatzutaten und decken den Tisch! Es schmeckt allen sehr gut – ob das vielleicht auch an der Aussicht liegt, dass wir heute abend wieder in einem richtigen Bett schlafen und ein richtiges Abendessen haben werden?
Die Fahrt zurück zieht sich ewig hin – es sind halt doch fast 500 km zurück nach Alice Springs! Wir machen 3x Pause auf dem Weg – 2x in Raststätten zum Kaffee trinken und einmal auf freier Strecke zum ‚in die Büsche gehen‘! Bei dieser Pause holt Tony auch den gebratenen Kangaroo-Schwanz von gestern abend aus der Proviantkiste und reicht ihn zum Probieren rum! Ziemlich skeptisch wagen sich einige Mutige daran – aber so richtige Begeisterung macht sich nicht breit – außer vielleicht bei Tony! Unsere angekündigte Ankunft um 5.30h werden wir wohl um einige Stunden überschreiten. Darüber hinaus steht ständig wieder eine Gewitterwand am Himmel parallel zu uns , die sich dann etwa 100 km vor Alice sturzbachartig über uns ergießt! Teilweise kann Tony nur im Schritttempo fahren – entweder weil die Straßen total überflutet sind oder die Scheibenwischer völlig überfordert!
Schlußendlich kommen wir erst um 8.30h im Dunkeln an – für alle, außer Andreas, den jungen Deutschen und Jessica, die beide in großen Hotels gebucht sind, zu spät: Die Hostels, für die sie eine Buchung haben, schließen um 8h und die Rezeptionen sind nicht mehr besetzt!

Auch ich bin in einer blöden Situation: Als sich mein Telefon nach 3 Tagen wieder ins Netz einbucht, finde ich eine SMS von Daryl vor, dass die Sepsis seiner Tochter auf ein Bakterium zurück zu führen ist. Deswegen haben die Ärzte geraten, dass sie vorläufig zur Verhinderung weiterer Ansteckung niemand in ihrem Haus aufnehmen sollen. Jetzt stehe ich ganz schön dumm da – abgesehen davon, dass ich kein Quartier habe, habe ich auch keinerlei frische Kleidung etc. Aber Daryl will meine Sachen morgen früh gleich bringen, ich soll ihm nur schreiben oder sagen, wo ich untergekommen bin.
Zum guten Schluß schafft es Tony dann doch, uns alle irgendwo unterzubringen – die beiden Mädels und mich in einem Hostel, was preislich sogar günstiger als das YHA ist, das die beiden vorgebucht hatten. Todmüde fallen wir nur noch ins Bett – inzwischen ist es schon nach 10h…

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3 Antworten zu 3 Tage Camping in weltberühmten Landschaften!

  1. Sohn #2 schreibt:

    Spinnen und das Dir, kaum zu glauben.
    Kam eigentlich die damals am Gargano zurück? Ich dachte nein, aber egal.
    Das war ja gemau das Richtige für Dich, diese Gruppenreise und dann auch noch die Verpflegungssache (Toast und Toast und etwas Toast à la Toast 😀 )
    Aber scheinbar war es auszuhalten (was ich mir nur schwer vorstellen kann)

  2. Helga schreibt:

    Unglaublich beeindruckende Bilder hast du geschossen !
    Liebe Christine, ich hätte bez. Oman ein paar Fragen an dich, wäre es möglich, mir deine E-mail-Adresse zukommen zu lassen?
    liebe Grüße aus dem eisig- kalten Österreich
    Helga

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