3. Schulwoche

22.2.2011

Der Himmel ist bedeckt – zumindest der Ausschnitt, den ich von meinem Fenster und vom Bad aus sehen kann! Aber ein kurzer Gang auf die Terrasse zeigt, dass es überall schon aufreißt – also wird es auch heute wieder ein heißer Tag! Es ist manchmal ganz schön schwierig, schon morgens das Richtige für den Tag anzuziehen! Manchmal weht da noch ein kühles Lüftchen und da wäre eine leichte Jacke ganz gut. Aber das heißt dann auch, sie den ganzen Tag mit mir herumtragen zu müssen! Also entscheide ich mich für etwas ganz sommerliches – ich möchte heute Nachmittag zum ‚Teatro Colon’ fahren und dort eine der Führungen mit machen!
Auf dem Weg zur Subte gebe ich schnell noch einen Beutel Wäsche in der Wäscherei ab – der Preis hier steigt von Woche zu Woche. Leider fehlen mir für eine handfeste Beschwerde aber noch die richtigen Worte! Andererseits ist es aber immer noch konkurrenzlos billig!

Meine Entscheidung, immer erst die Bahn kurz nach 9h zu nehmen, war goldrichtig. Es ist eine Wohltat, nicht mehr jeden Tag morgens schon total „verknautscht“ aus der Bahn aussteigen zu müssen, wenn man noch den ganzen Tag Unternehmungen vor sich hat!

Der Unterricht geht inzwischen solala – unsere Lehrerin beruhigt uns jedoch Tag für Tag, dass das alles schon werden wird. Hauptsache, wir haben alles schon mal gehört, dann käme es schon ‚ans Tageslicht’, wenn wir es später brauchen. Davon bin ich (und die meisten meiner KlassenkollegInnen) allerdings nicht so überzeugt – diese Woche wird hier ein Affentempo vorgelegt. Wir hatten ja letzte Woche nicht das ganze Buch fertig gemacht – wir haben den Eindruck, dass unsere Lehrerin einen entsprechenden Rüffel bekommen hat und jetzt alles dafür tut, damit der Rest des ersten und auch das zweite Buch vollständig bis zum Ende dieser Woche durchgehechelt worden ist. Ich bin inzwischen ziemlich gelassen und andererseits sehr erleichtert, dass es offenbar nicht nur mir viel zu schnell geht! Bin gespannt, wie mir die Hausaufgaben heute Abend von der Hand gehen werden!

Aber jetzt geht es erst einmal in die Subte, um die zwei Stationen zum Opernhaus zu fahren. Dort angekommen, hat sich vor dem Ticketschalter schon eine lange Schlange gebildet. Voller Erleichterung sehe ich meine Klassenkameradin Erni mit ihrem Mann ziemlich weit vorne stehen und stelle mich kurz entschlossen dazu – wir tun einfach so, als ob wir sowieso zusammen gehören würden! Der Einritt ist nicht gerade billig (etwa 10€), aber wir möchten dieses weltberühmte Opernhaus schon gern ein wenig genauer erkunden!
Gebaut von 1889 bis 1908 von 4 verschiedenen Architekten, die beiden ersten Italiener, die beiden letzten ein Franzose und ein Belgier (der erste starb schon kurz nach Beginn der Bauarbeiten altersmäßig, der zweite deutlich jüngere wurde vom Liebhaber seiner Frau erschossen!), gilt es bis heute als eines der schönsten und besten Opernhäuser der Welt!

Die Innenausstattung ist mit dunklem und weißem italienischen Marmor und rosafarbenem aus Portugal gestaltet, die Böden sind kunstvolle Mosaike! Die Wände sind alle mit Stuck in Marmortechnik verputzt! ‚Der goldene Saal’, der heute für Kammerkonzerte genutzt wird, war früher die ‚Kinderoper’ und hat als einziger Raum außerhalb des Theaterraumes selbst einen wunderschönen, künstlerisch gestalteten Parkettfußboden. Die Säulen und Stuckverzierungen sind mit 18-Kt.-Blattgold überzogen, es gibt riesige Kristall-Kandelaber und auf beiden Stirnseiten des Raums sind deckenhohe Spiegel angebracht – ein wenig hat es Ähnlichkeit mit Versailles!
Der Theaterraum selbst ist wunderschön im Barockstil gestaltet – leider war gerade eine Probe für die Oper, mit der die neue Spielsaison am 28. März eröffnet wird, daher konnten wir das Ganze nicht bei Licht sehen. Andererseits war es natürlich wunderbar, an der Probe für etwa 20 Min. teilnehmen zu können!
Das Theater wurde von 2003 bis 2009 grundlegend renoviert, dabei wurde auch eine Klimaanlage eingebaut, die ähnlich wie in der großen Moschee in Muscat, die kühle Luft aus großen Löchern – hier aus der Decke, nicht aus der Wand! – in die Innenräume bläst. Sie war jedoch sehr gut eingestellt, es war angenehm kühl! Leider konnten wir auch die Werkstätten im Keller nicht besichtigen, weil dort natürlich so kurz vor der neuen Spielzeit die Hölle los ist – dort könnten sie im Moment wahrscheinlich alles besser gebrauchen, als ein paar neugierige Touristen…

Als ich nach dieser Führung mit der U-Bahn nach Hause fahren will, ist die gesperrt. Die Haltestelle ist direkt unter dem Justizpalast (gegenüber vom Theater), vor dem heute eine große Demonstration mit einer Armee der berühmten ‚Bombos’, der Basstrommler, stattfindet. Erst dachte ich, dass das wieder ein Umzug der Trommler ist – wie es so viele im Moment (es ist Carneval!) hier in der Stadt gibt. Aber her geht es wohl um etwas Ernsteres – Mengen von Polizei steht überall herum und es werden hie und da auch Feuerwerkskörper in die Menge geworfen.

Also mache ich mich schnell auf den Weg auf die andere Seite des Platzes, um zu Fuß zur nächstgelegenen Haltestelle ‚meiner Linea A’ zu gehen. Auf dem Weg dahin überquere ich die ‚breiteste Straße der Welt’, das ist ziemlich beeindruckend – aber es dauert, bis ich die dann während drei notwendiger Ampelphasen überquert habe. Von dort geht es durch eine der kleineren Verbindungsstraßen von der ‚Diagonal Norte’ zur ‚Avenida de Mayo’. Ganz zufällig habe ich so offenbar DIE Straße entdeckt, wo sich die TangotänzerInnen von Bueno Aires er einkleiden. Ein Schuhgeschäft neben dem anderen mit den speziellen Schuhen – Damenschuhe immer mit Fesselriemchen und meist schwindelerregend hohen Absätzen, die Herrenschuhe aus vielfarbigem Leder fantasievoll zusammen gesetzt. Doch auch dem Trend der Zeit folgend, Sportschuhen nachempfunden, die jedoch aus Wild-, Schlangen- oder handschuhweichem Nappaleder gefertigt und mit weich gepolsterter Sohle! Hin und wieder in den gleichen Geschäften, manchmal in Geschäften daneben findet sich auch die entsprechende Kleidung und Kopfbedeckungen! Ich könnte hier stundenlang durchstöbern, auch wenn ich nichts kaufen kann (mein Gepäck!) – bei Preisen zwischen 40 und etwa 100 € wäre es allerdings verlockend!
Der weitere Verlauf der Straße führt mich an einer alten Kirche, zwei hübsch anzusehenden Hotels und einer winzigen ‚Casa Rosada’ vorbei und ich komme genau am Subte-Eingang an!

Der Rest des Nachmittags und Abends gehört den Hausaufgaben, dem Schreiben dieser Seite und dem gemeinsamen Abendessen mit Diana!

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