Dar es Salam

10.8.2010
Halb fünf Uhr morgens ist schon sehr früh zum Aufstehen! Und Julius, mein namibischer Chauffeur steht schon um 5.15h vor der Tür… Also ganz fix in die Kleider und los! Die Kälte ist zurück – freue mich natürlich umso mehr auf mein nächstes warmes Ziel!
Natürlich war ich viel zu früh am Flughafen! Ab in den Coffeeshop, wenigstens einen heißen Tee zu trinken! Während meiner ‚Teepause’ wird gerade der vorher gehende Flug nach Johannesburg aufgerufen – kommt doch einer der Gate-Beamten tatsächlich zu mir und fragt, ob ich nicht auch auf diesem Flug wäre!! Das nenn ich mal Service!!! Aber leider – für mich heißt es noch warten!
War anschließend für ca. eine halbe Stunde völlig allein mit allen Serviceleuten, die es da so gab – eine gute Gelegenheit, in der leeren Business Lounge meine Post abzurufen bzw. wieder ein paar Bilder hoch zu laden!
Auch beim 4-stündigen Aufenthalt in Johannesburg nutzte ich die Zeit dafür – hier kostete es allerdings 25$, aber da war dann auch noch ein Super-Frühstück enthalten!
Der Flughafen ‚OR Tambo’ ist ansonsten eine einzige Shopping-Versuchung, vor allem souvenirmäßig. Zum wiederholten Mal war ich froh, dass ich nichts mitnehmen konnte – hätte das eine oder andere Mal schon schwach werden können, wären wirklich schöne Sachen dabei gewesen!
Zwischendurch musste ich am Wechselschalter auch noch US$ eintauschen – die Visumgebühr in Tanzania muß mit harter Währung bezahlt werden… Was ich ziemlich ulkig fand – in Namibia wurde überall der südafrikanische Rand gleichwertig neben dem namibischen Dollar akzeptiert bzw. war auch ganz normal überall mit im Umlauf. In Südafrika ging aber mit dem N$ gar nichts, obwohl beiden auch der gleiche Wechselkurs gegenüber Dollar oder Euro zugrunde liegt!?!
Im Flieger war es wieder eiskalt, wie schon zu Beginn meiner Reise auf dem Flug von Deutschland nach Johannesburg. Angeblich ließ sich die AC wieder nicht verstellen, aber auf diesem Flug gab es nicht mal Decken!
Die Ankunft in Daressalam war ziemlich chaotisch – nach dem Ausfüllen von Visa-Antrag und Einreisekarte war anstellen bei den Passbeamten angesagt! Die kontrollieren die Pässe, sammeln die Formblätter und das Geld ein, stapeln das ganze vor einer Glaswand, immer wieder fällt so ein Stapel runter, wird eingesammelt und wieder zusammen sortiert…
Eigentlich steht überall, dass Kreditkarten zur Bezahlung akzeptiert werden – aber alle Versuche schlagen leider fehl! Es waren eine Menge Leute unter den Wartenden, die sich auf die Kartenzahlung verlassen hatten und kein Bargeld dabei hatten – die durften dann ohne Pass und Visum schon mal rausgehen zum nächsten ATM! Immerhin menschelte es dann doch in der Bürokratie…
Hinter der Glaswand sitzen weitere Beamte, die das Ganze mühsam sortieren und ihre Stempel in die Pässe drücken! Die ganze Prozedur hat somit etwa 2 Stunden gedauert, ehe ich mein Gepäck abholen konnte und dann vor dem Flughafen stand!
WOW!
Eine völlig andere Welt empfing mich! Laut und quirlig ging es auf dem Airport-Vorplatz zu – und es war ordentlich warm und schwül! Schnell noch ein paar tausend Tanzanian Shilling am ATM holen – ist ein bisschen so wie früher beim Lira einwechseln! Dann zum Taxi-Dispatcher! Plötzlich ein Riesengeschrei und große Aufregung – zahlreiche Sicherheitsbeamte rennen völlig chaotisch durch die Gegend! Etwas eingeschüchtert ging ich dicht hinter dem mir zugeteilten Taxifahrer zum Auto. Der ‚beruhigte’ mich jedoch, es wären nur zwei ‚pickpockets’ gefangen worden, ganz normal…!
Im Hotel wurde ich schon erwartet – gut, dass ich im Vorfeld geschrieben hatte, sie sollten das Zimmer auf jeden Fall für mich halten, bis ich da bin! Ist ein Hotel direkt an der Hauptstraße und natürlich dem entspechend frequentiert!
Oh, oh – die Keycard funktioniert nicht, das Licht auch nicht, die Fernbedienungen für AC und Fernseher fehlen – also das Zimmer gleich mal wechseln! Danach wurde es jedoch eine erholsame und gute Nacht hoch oben über dem Verkehrsgewühl vor der Tür!

11.8.2010
Ohne besonderen Grund wurde ich sehr früh wach. Ein prüfender Blick hinaus, dicht bewölkt – aber unter meinem Fenster ist schon reges Treiben! Also schnell frühstücken und dann in die Stadt. Wie mir der Portier gesagt hatte, kann ich da zu Fuß gehen, soll aber alle meine Wertsachen noch beim Empfang in den Safe legen. Ich nehme nur ein wenig Bargeld mit und meinen Fotoapparat, beides in meiner Pacsafe-Tasche sicher verstaut! Draußen ist es trotz der frühen Stunde ziemlich schwül – und es riecht wie in China!
Am Straßenrand haben überall ‚fliegende Schuster’ ihre Stände aufgemacht und haben schon die ersten Reparaturen in Arbeit! Eine Reihe von mobilen ‚Frühstücksbars’ steht vor einem kleinen Park und wird eifrig frequentiert! Überall, wo ich entlang gehe, werde ich erstaunt gemustert. Ich sehe auch in der Tat keine weiteren Touristen weit und breit während meines Stadtbummels!
Zuerst will ich zur Fähre gehen, mein Ticket für morgen nach Sansibar kaufen! Auf dem Weg dahin treffe ich zufällig den Security-Mann, der gestern abend im Hotel Dienst hatte. Er begleitet mich ein Stück, zeigt mir einen Laden, wo ich eine SimCard kaufen kann und die Büros der Fährgesellschaft! Ich werde morgen Mittag mit der ‚slow ferry’ in etwa 3 Stunden nach Sansibar schippern und habe ein ‚open ticket’ für die ‚fast ferry’ (Katamaran), die mich in nur 1 Stunde wieder zurück bringt! In Sansibar habe ich mich erstmal in einem Guesthouse eingemietet – mal sehen, was sich weiter ergibt! Voraussichtlich am 21. werde ich wieder zurück in Daressalam sein und am 23. nach Singapur weiterfliegen – aber vielleicht auch erst später…
Nachdem ich das Wichtigste erledigt habe, kann ich ganz gemütlich am Wasser entlang weiter marschieren! Da die gegenüber der Fähre liegende katholische St.Josephs-Kirche aus der Zeit der letzten Jahrhundertwende nicht besucht werden kann, will ich mir die ‚Lutherkirche’, die Ende des 19.Jh. von den Deutschen gebaut worden ist, anschauen. Mit ihrem roten Ziegeldach und den vielen Holzverstrebungen sieht sie wirklich sehr ‚deutsch’ und ein wenig fremd in dieser Umgebung aus! Als ich dort im kühlen Inneren ein wenig ausruhe, fragt mich der Hausmeister, der gerade sauber macht, ob ich auf den Turm steigen möchte! Natürlich, das ist ja ein tolles Angebot! Also – vorbei am uralten Uhrwerk, das mit einem langen Gestänge die Kirchturmuhr antreibt, schnell ein Blick in den ‚Dachboden’ der Kirche werfen, und an den beiden Glocken vorbei, die übrigens aus Apolda/Thüringen stammen und damals per Schiff hierher transportiert worden sind! Eine tolle Aussicht über den Hafen und die Stadt ist die Belohnung für die steilen Treppenstufen! Beim Hinuntergehen wird mir dann die Orgel noch gezeigt – die stammt den Aufschriften auf den Tasten nach aus den Niederlanden, müsste dringend repariert werden, aber das Geld fehlt! Jetzt wird sie hinter einem violetten Samtvorhang verborgen! Nicht einmal Trinkgeld will der gute Mann für die Führung haben, wenn ich was geben will, soll ich es in den Opferstock für die Renovierung der Kirche stecken!
Das Nationalmuseum ist mein nächstes Ziel. Ursprünglich ein ganz im omanischen Stil von den Engländern bezahltes Gebäude, inzwischen um einen großen modernen Gebäudeteil ergänzt! Eine Menge interessanter Exponate aus der Frühgeschichte der Menschheit, über Lebensverhältnisse und Siedlungsgebiete der verschiedenen Ethnien in Tanzania mit Beispielen von Kleidung, Schmuck, Musikinstrumenten und Haushaltsgegenständen, die deutsche und englische Kolonialzeit und auch die Tierwelt des Landes und des Meeres rundherum. Die witzigsten Exponate sind neben 2 Holzfahrrädern, die so heute noch benutzt werden sollen (vor allem als Transportmittel für Brautpaare!) die 5 Autos, die der erste Präsident, Julius Nyerere, in seinem Leben genutzt hat. Diese sind in einem Wellblechverschlag abgestellt, völlig verstaubt und auch verrostet: 2 Mercedes-Benz, 2 Rolls Royce und zwei kleine Aston Martins. In diesem Museum traf ich auch die einzigen Touristen heute – 2 Reisegruppen!

Auf dem Rückweg zum Hotel wanderte ich an zahlreichen eigentlich sehr hübschen Architekturbeispielen vorbei, die jedoch meist ziemlich herunter gekommen sind! Einige Moscheen sind zu sehen und sogar ein Haus der Freimaurer.
Überall stehen so kurz nach der Mittagszeit noch kleine Grillwagen am Straßenrand, auf denen Maiskolben und Maniokstangen geröstet werden. Dazwischen haben sich allerhand Schuhhändler mit neuen und auch gebrauchten Schuhen auf dem Pflaster nieder gelassen! Unzählige Frauen mit Körben voller Lebensmitteln auf dem Kopf sind ebenfalls unterwegs! Auch ich merke jetzt, dass ich hungrig bin und setze mich in ein kleines Restaurant in einem (sehr bescheidenen) Einkaufscenter! Ein äthiopischer Rindfleischeintopf mit Brot ist mein Mittagessen, sehr lecker! Bepackt mit den im benachbarten Supermarkt gekauften Wasser- und Saftflaschen mache ich mich nun wieder auf den Heimweg! Die Stadt war eine aufregende und kurzweilige Mischung aus China, Indien und Afrika!
Ich wäre eigentlich gern abends noch in eine Bar gegangen, die in meinem Reiseführer sehr empfohlen wird – da soll heute, wie immer dienstags, afrikanische Musik auf dem Programm stehen. Aber nach der Erfahrung als absoluter Blickfang für alle heute in der Stadt lasse ich das lieber. Wird ja so was vielleicht auch auf Sansibar geben und da sind Touristen doch häufiger!
Internet fällt heute wieder aus – in der ganzen Stadt ist eine Störung!

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