Auf Kangoroo-Suche :-)

22.10.2010
Das war eine äußerst erholsame und ungestörte Nachtruhe! Als ich wach werde, ist es gerade kurz vor 7h – schnell vorsichtig aus dem Fenster geschaut, ob vielleicht noch das eine oder andere Tier draußen unterwegs ist. Nein, leider nicht!
Auf dem Weg zur Dusche merke ich, dass es erstaunlich kühl ist. Aber umso besser – ich möchte heute eine kleine Rundfahrt durchs Gelände machen. Sonja, die junge Schweizerin, hat mir gestern zwei Routen empfohlen, die man gut fahren kann, auch wenn man sich hier nicht auskennt!
Mein Frühstück besteht ausnahmsweise mal aus Spiegeleiern – das hatte ich lange nicht! Mein leckeres Kürbiskern-Brot hat jedoch leider Schimmel angesetzt – warum schimmelt eigentlich das fürchterliche Watte-Toastbrot nicht??? Aber ich hatte gestern noch Sauerteig-‚Toasties’ gekauft – in einer Pfanne getoastet tun die es dann halt auch!
Leider sind auch hier schon am frühen Morgen die Fliegen unterwegs – wie man es mit dieser Plage hier überhaupt ständig aushalten kann, ist für unbegreiflich. Und das soll ja im Sommer noch schlimmer sein… So muß ich mein Frühstück statt im Freien doch in der Küche einnehmen, obwohl das Wetter geradezu einlädt, draußen zu sitzen! Plötzlich geht hinter dem Hause in Riesengepolter los – was ist das? Jemand vom Haus hätte sich bestimmt erst bei mir gemeldet, ehe er anfängt, so einen Radau zu machen! Vorsichtig gehe ich ums Eck und traue meinen Augen nicht! Drei ‚parrots’ sitzen oben auf dem Küchenschornstein aus Blech und streiten sich um die ‚besten Plätze’ – Natur pur…

Bei Beginn meiner kleinen Tour sehe ich auf dem Autothermometer, dass es heute nur 24 Grad hat. Ein wirklich frischer, aber sehr angenehmer Tag! Im Schritttempo geht es das erste Stück durch dichten Busch. Ich schaue angestrengt unter jeden Baum, ob wohl irgendwo ein Kangoroo rumliegt – leider Fehlanzeige! Auf der folgenden freien Fläche würde ich sie schon von weitem sehen, wenn es welche geben würde! Plötzlich ist jedoch rechts vor mir ein riesiger ‚lizard’ zu sehen, von der Größe her eher ein Waran! Er gräbt gerade an einem Loch – entweder soll das ein neuer Bau werden oder er ist auf der Suche nach Frühstück!
Ich halte an und schaue ihm eine Weile zu – er ist davon völlig unberührt! Erst als ich beim Weiterfahren ein wenig Gas gebe, macht er einen erschrockenen Sprung zur Seite! Immerhin – einen der sagenhaften ‚giant lizards‘ habe ich ja nun wenigstens gesehen!

Mein Weg führt mich zu dem größten Hügel hier im Gebiet, von dessen Gipfel man einen weiten Rundblick haben soll! Das ist eigentlich mehr ein riesiger Granitblock bzw. das, was die Erosion davon noch übrig gelassen hat.

Am unteren Rand gibt es relativ viele einzelne Steine, weiter oben dann ist es fast nur glatter Fels mit einzelnen Platten, die sich bereits gelöst haben oder nur noch zum Teil am darunter liegenden Gestein fest hängen. Überall um mich herum sehe ich kleine ‚Kunstwerke’ – jedes Jahr kommt die Kunsthochschule von Perth mit einigen von den Erst-Semestern auf die Wogarno Station. Die Aufgabe ist stets, ein Kunstwerk nur aus dem zu machen, was sich hier so ‚unnütz’ findet – also nichts extra mitgebrachtes oder Dinge, die noch brauchbar wären, dürfen verwendet werden!

Hier am Berg sind es vor allem Gesteinsstückchen und alte Äste und Zweige! Wunderschöne Gebilde sind daraus entstanden! Das herumliegende Holz sieht aus wie durchgebrannt, obwohl es offenbar nicht gebrannt hat, und ist federleicht!

Sonja erklärt mir später, dass es hier im Sommer – also schon bald! – bis zu 50 Grad heiß wird! Auf der Station wird dann so gut wie nicht mehr draußen gearbeitet, man hält sich dann nur noch im Haus auf! Es gab aber schon Japaner, die wollten unbedingt (trotz ernsthafter Warnungen) während dieser Zeit in den Scherer-Quartieren Station machen – einige hatten dann auch einen Hitzekollaps! Klimaanlagen haben diese Quartiere natuerlich nicht – die wuerde wahrscheinlich auch bald den Geist aufgeben bei den duennen Holzwaenden der Haeuschen!
Bei diesen Temperaturen und der geringen Luftfeuchtigkeit trocknet alles Holz, ebenso wie Gras etc., so aus, als ob es verbrannt wäre – was es ja mehr oder weniger auch fast ist! Zahlreiche vertrocknete Baeume stehen wie Fabelwesen ueberall im Grasland herum.

Der etwas schweisstreibende Aufstieg hat sich unbeding gelohnt: Oben vom Gipfel hat man wirklich eine wunderbare Rundsicht! Ich kann sogar Wogarno ganz tief im Busch erkennen.

Der Aufstieg war nicht so sehr anstrengend wegen der Höhe, sondern eher, weil ich ständig nach Schlangen Ausschau halten musste (aber natürlich keine gesehen habe – aber vielleicht sie mich?). Und die vielen herumliegenden Äste und Ästchen sahen manchmal schon sehr ähnlich aus und mit meinem Fliegennetz über dem Hut hatte ich schon ein ziemlich eingeschränktes Gesichtsfeld!

Beim Abstieg probierte ich es dann ohne – keine Chance! Diese Fliegen sind einfach zu lästig – vor allem auf Augen, Nase, Ohrlöcher und Mund haben sie es abgesehen! Also bis zum Auto das Netz wieder auf! Dieses Netz war eindeutig die beste Investition, die ich hier getätigt habe…
bem Losfahren sehe ich dann plötzlich ein Toilettenhäuschen mitten in der Landschaft – ist das nun echt oder auch Kunst???

Es ist ein wirklich schönes Fahren so ganz langsam durch die Landschaft. Vor mir springen plötzlich zwei gut genährte Ziegen aus dem Gebüsch!

Wie mir später erklärt wird, sind das wilde Ziegen oder besser, verwilderte! Die ersten Siedler aus Europa brachten sie mit, weil sie leicht zu ernähren waren, das Klima hier gut aushielten und vor allem wichtige Milch- und Fleischlieferanten waren! Und irgendwann sind wohl die ersten ausgebüchst und haben irgendwo im Busch überlebt bzw. sich fleißig fortgepflanzt.

Ähnlich war es ja auch mit den Kamelen bzw. Dromedaren: Ursprünglich wurden sie als willkommene Arbeitstiere für die schwere Arbeit beim Minen-, Straßen- und Eisenbahnbau in diesem heißen Klima in Australiens Outback aus Afghanistan eingeführt. Als sie beim Einsatz entsprechender Maschinen nicht mehr gebraucht wurden, wurden sie freigelassen und auch sie haben sich in den für sie vorbildlichen Verhältnissen fleißig vermehrt! Inzwischen ist Australien das einzige Land auf der Welt, wo es noch Kamele gibt, die niemandem gehören – überall sonst sind sie vollständig domestiziert! Das hat aber heute auch die Auswirkung, dass aus den Wüstenstaaten Arabiens immer wieder Kamele aus Australien aufgekauft werden, um frisches Blut in ihre Herden zu bekommen. Deswegen gibt es hier den gut bezahlten Job des ‚Camel Catchers’, also der Leute, die wilde Kamele auf Bestellung einfangen und sie soweit zähmen, dass sie exportiert werden können! Aber es wurde auch schon begonnen, Kamele hier für die arabischen Länder als Rennkamele zu trainieren – die bringen natürlich um das Vielfache an Erlösen!

Inzwischen bin ich wieder im ‚Lager’ angekommen. Mein Rest vom gestrigen Abendessen ist genau die richtige Menge für meinen Lunch heute. Wie ich hinterher sehe, hat die ‚gute Fee’ Sonja meine Wäsche fertig in meinen Raum gelegt. Ich hatte ihr gestern einen ganzen Berg voll für die Waschmaschine im Haupthaus übergeben. Aber da kommt sie auch schon selbst über den Hof gefahren – sie will mir das bestellte ‚barbeque pack’ für heute Abend bringen. Aber das sind zwei Riesensteaks und noch zwei Grillwürste – das ist eindeutig viel zu viel für mich. Das hat sie sich schon gedacht und sie hat noch zwei ‚Fleischpflanzl’ vom Mittagessen aufgehoben, die könnte ich auch grillen! Das ist doch ein Angebot!

Kaum ist sie weg, kommt Andrew mit den beiden neuen Gästen angefahren. Ein älteres schweizerisches Ehepaar – er im Golfdress! Ich bin einigermaßen erstaunt, wie die sich hierher verlaufen haben, aber sind vielleicht auch Liebhaber von Überraschungen? Die Frau ist ganz angetan von allem hier, ihm scheint es nicht so gut zu gefallen – es ist ihm vor allem ‚zu schmutzig’! Das stimmt schon ein wenig – aber mitten im Sand, bei immer wieder auffrischenden Windböen, dazu alte Fenster und Türen, die nicht ganz dicht schließen!?! Zu allem Überfluß stellt sich dann, als er seinen Wein kühl stellen will, heraus, dass der Strom weg ist! Das geht ja gar nicht und er packt alles wieder in sein Auto, ruft seine Frau an seine Seite und weg sind sie wieder! Sie wollen weiterfahren bis zur nächsten Station, wo sie eigentlich erst morgen in den dortigen ‚shearers quarters’ übernachten wollten. Na, ob es da soviel anders aussehen wird? Die Schafscherer haben ja überall nicht gerade im Luxus gelebt! Und das Doppelzimmer, das für die beiden hier gedacht war, ist wirklich ganz schnuckelig! Aber bei ‚shearers quarters’ Gästezimmer nach europäischen Maßstäben zu erwarten ist etwa so, als bei ‚uriger Berghütte’ ein Resort in St.Moritz…
Andrew und sein Freund machen sich sofort an die Behebung des Elektroschadens. Das ist gar nicht so einfach bei den abenteuerlichen Konstruktionen hier. Vor allem muß der Schaden erstmal gefunden werden – bis heute morgen ging ja alles einwandfrei. Irgendwann gegen Mittag muß der Strom erst ausgefallen sein – meine ‚Eisflaschen’ im TK-Abteil waren noch ganz gefroren, als ich von meiner Tour zurückkam. Aber sollten sie den Schaden nicht finden, bringen sie mir für heute Nacht einen kleinen Kompressor für das Licht – ich werde also in keinem Fall im Dunkeln sitzen müssen!
Kochen kann ich sowieso, das geht alles mit Gas und Zündhölzern. Und das warme Wasser geht auch ohne Pumpe, nur mit Schwerkraft! Sonja hat noch eine Kühlbox mit Eisbrocken und einer Flasche kaltem Trinkwasser mit, als sie mir die Fleischpflanzl vorbei bringt! Also die Nacht werde ich auf jeden Fall überstehen. Andrew hat mir außerdem angekündigt, dass er oder sein Freund mit mir und Sonja heute nach Dunkelwerden noch ‚Kangoroo schauen’ fahren wollen. Sie werden mit dem Suchscheinwerfer schon welche für mich finden! Das geht nämlich gar nicht, dass ich hier auf seiner Station zu Gast war und keine ‚roos’ gesehen habe…
Wo doch gerade vor kurzem hier ein offizieller ‚Kangoroo-Jäger’ war, der jede Menge zum Abschießen gefunden hatte. Das wird von der Regierung genau geregelt: Wer das machen darf, wie hoch die jährlich wechselnde Abschußquote liegt, welche der vielen Arten überhaupt geschossen werden darf, ob die Tiere fachgerecht erschossen wurden etc. etc. Es gibt einfach zu viele von denen (scheinbar nur nicht hier…), die fressen mit ihrem Riesenappetit das spärliche Grün weg, das die Tiere der Stationen dringend brauchen!

Der Grund für den Stromausfall wurde schlussendlich gefunden – die ‚parrots’ haben ein Kabel durchgeknabbert! Sie sind ja schon niedlich, diese grau-rosa Papageien, aber sie können in diesen Massen, in denen es sie hier gibt, offenbar auch ziemlich lästig werden! Nachdem die Ursache gefunden war, war die Behebung des Schadens schnell gemacht! Es war ziemlich ‚just-in-time’, denn der Sonnenuntergang stand kurz bevor und danach wird es ratzfatz dunkel!
Kurz danach holen mich Andrews Freund und Sonja mit dem Pickup ab. Erst ist es ja noch einigermaßen hell – ein herrlicher Sonnenuntergang begleitet uns!
Wir gleich einige ‚roos’, obwohl sie fast die gleiche Farbe haben, wie die großen Steine überall. Man sieht sie meist erst, wenn weghopsen! Und das machen sie so schnell, dass man keine Chance hat, sie zu fotografieren! Auch eine große Herde Ziegen galoppiert vor uns davon – sie kamen plötzlich wie aus dem Nichts! Als es dann dunkel ist, ist es mit Hilfe des Suchscheinwerfers relativ einfach, die Kangoroos zu sehen – aber nicht viel einfacher, sie zu fotografieren! Einmal gelingt mir jedoch wenigstens, wenn auch unscharf, ein Foto von einem der kleineren Sorte!
Aber das Erlebnis, so viele verschiedene Tiere in solcher Nähe zu sehen, war auch viel wichtiger, als jedes Tier fotografieren zu können!
Trotz der Dunkelheit finden meine beiden Begleiter ohne Probleme zurück zur Station, wo sie mich vor der Küche absetzen. Mein Abendessen ist schnell gemacht – während die Fleischpflanzl in der Pfanne schmurgeln, mache ich mir schnell einen kleinen Salat dazu und fertig ist ein köstliches Mahl!
Danach ist noch ein wenig Lesen angesagt, die ‚Badezeremonie’ und dann wartet schon das Bett! Vor dem Schlafcontainer sehe ich dann eine breite Spur eines großen Lizards – also es gibt also auch welche hier zwischen den Häusern…

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3 Antworten zu Auf Kangoroo-Suche :-)

  1. Sohn #1 und Frau schreibt:

    …KangoRoos Super Shoes… 🙂

    Das hört sich alles ziemlich genial an, die ‚gravel roads‘ wären bestimmt genau mein ding, und die ganzen viecher sowieso…

    fahr weiterhin schön vorsichtig und stell mal ein foto von deinem legendären 4WD rein…

    bis bald
    s+m

  2. Sonja von Wogarno Station schreibt:

    Liebe Christine,
    ich habe soeben deine Erzählung vom Aufenthalt bei uns auf Wogarno Station gelesen. Es ist etwas ganz Spezielles einen Bericht zu lesen wo man selber drin vorkommt! Es freut mich dass es dir bei uns so gut gefallen hat. Inzwischen bin ich wieder in der Schweiz, werde aber bald nach Australien zurückgehen.
    Alles Gute und viele Grüsse, Sonja

    • grannyontour schreibt:

      Hallo Sonja,
      ja – warum hast Du denn den weiten Weg erst zurück gemacht, wenn Du doch schon bald wieder hier bist? Wolltest mal wieder Schnee erleben :-)???
      Ja, es hat mir wirklich sehr gut gefallen bei Euch, gerade habe ich wieder hier in Adelaide meinen neuen Couchsurfer-Gastgebern davon vorgeschwärmt! Aber Western Australia insgesamt war für mich eh das Schönste während meines Australien-Trips! Vielleicht komme ich ja auch nochmal wieder zurück (und dann auch wieder nach Wogarno)!
      Dir ganz schöne Weihnachten und eine gute Rückkehr hierher, sobald es soweit ist!
      Liebe Grüße! Christine

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