Wieder aktiv!

12.1.2011

Ich habe beschlossen, dass ich mir für die letzten Tage auch einen der kleinen Scooter leihen werde. Ein bisschen was möchte ich von der Insel ja doch noch erkunden. Meinem Hals geht es wieder gut und ich will mir eigentlich den ersten Bus schnappen. Aber heute ist ‚Servicetag’ hier im Hostel – die beiden ‚cleaning women’ kommen vorbei, es gibt frische Bettwäsche und Handdücher und das Appartment wird gründlich durchgesaugt. Ansonsten ist ja nichts weiter zu tun, weil wir ja jeden Tag selbst für ein angenehmes Ambiente sorgen! Aber ich muß halt warten, bis die beiden fertig sind und kann erst den nächsten Bus nehmen.

Wenn man sich irgendein ‚motor vehicle’ leihen will hier auf den Inseln, reicht weder der Euro- noch der internationale Führerschein – hier wird nach einem von den Cook Islands gefragt! Also heißt es erst einmal zum Polizei-Hauptquartier fahren und dort den Führerschein ausstellen lassen. Nicht, dass irgendeine Prüfung damit verbunden wäre – man legt seinen nationalen und internationalen Führerschein vor, bezahlt 20 NZ$ (wahrscheinlich der Hauptgrund für diese Regelung :-)) und bekommt im Handumdrehen eine ‚Cook Islands Drivers License’ im Scheckkarten-Format und mit Foto! D.h. heute geht es scheinbar etwas langsamer, weil offenbar viele Neuankömmlinge das Gleiche vorhaben. Also reihe ich mich in die Warteschlange ein und harre der Dinge, die da kommen. Während des Wartens studiere ich die zahlreich an den Wänden vorhandenen Plakate mit den unterschiedlichsten Hinweisen – u.a. eines, das das Fehlen von Kugelschreibern zum Ausfüllen der Formulare entschuldigt „die wurden in großen Mengen gestohlen“ und eines, das zur „Vorsicht im Paradies“ aufruft!
Nach etwas mehr als einer Stunde verlasse ich das Präsidium mit meiner nagelneuen License, die jetzt bis zu meinem 66.Geburtstag gültig ist :-)!
Gleich nebenan gibt von Budget ein Motorcycle Rental und lasse mir ein entsprechendes Gefährt und einen Helm (kostet 1$ extra pro Tag) geben. Im Hof versuche ich dann die ersten Runden zu drehen, gebe aber nach etwa 10 Minuten doch lieber auf – ich fühle mich einfach zu unsicher auf so einem ‚heißen Stuhl’! Es ist aber kein Problem, den gegen ein kleines Auto einzutauschen – da fühle ich mich doch bedeutend sicherer, vor allem hier, wo die Einheimischen wie die Berserker unterwegs sind! Wie mir später David sagte, hätte ich wohl besser die ersten paar Meter auf einer geraden Straße fahren sollen, um eine Gefühl für das Gefährt zu bekommen und mich nicht gleich an engen Kurven zu versuchen – na ja, vielleicht beim nächsten Mal :-)!

Die Fahrt geht erst ins Hotel zurück – ich habe ein wenig eingekauft und das sollte gleich in den Kühlschrank. Aber schon auf diesem kurze Stück halte ich mehrfach an, weil ich endlich ein paar Plätze in Ruhe anschauen möchte, anstatt immer nur mit dem Bus vorbei zu fahren. Der erste Stop ist am ‚International Airport‘ – heute bei Tag kann ich mich da mal umschauen. Es ist so gut wie menschenleer überall – soviele Flugzeuge kommen ja dort auch nicht an bzw. fliegen weg. Drei Mal die Woche von und nach Auckland und Sydney und einmal nach Los Angeles, dazu ein paar kleinere Maschinen je nach Bedarf auf eine der anderen Inseln, hauptsächlich Aitutaki oder Atiu – das war es dann schon!
Auf dem Weg um den Flughafen herum warnen große Schilder vor dem ‚Jet Blast‘ und sogar der Bus und die wenigen Lastwägen bleiben schön brav stehen, wenn sich ein Flieger zur Landung nähert oder starten will.
Danach inspiziere ich einen der größeren Friedhöfe hier – es ist eine wahre Pracht, wie farbenfroh das alles ist. Nicht nur die überreich vorhandenen Plastikblumen, auch die Grabstätten selbst sind oft bunt gestrichen oder mit farbigen Fliesen belegt! . Manchmal sieht man jedoch auch völlig zerfallene Grabstätten – das ist immer ein Zeichen, daß niemand mehr von der Familie auf Rarotonga – wahrscheinlich aber überhaupt noch lebt. Denn selbst die Familienangehörigen, die weit weg gezogen sind, kommen zumindest alle paar Jahre, um die Gräber zu pflegen oder die Pächter der Grundstücke (Grund und Boden kann nicht verkauft werden, das bleibt immer im Besitz der Familie oder geht in das Allgemeinvermögen über!) übernehmen das. Ansonsten werden aber auch die Gräber von den Vorfahren immer gut in Schuß gehalten!
Zurück im Hotel gibt es einen großen Teller mit frischem Obst – oh, wie werde ich das vermissen: Diese köstlichen reifen Früchte und diese lieben Nachbarn, die mir das oft fast ‚mundgerecht‘ servieren…

Danach brechen wir auf getrennten Wegen wieder auf – meine Freunde zum Schnorcheln und ich zur weiteren Rundfahrt auf der von unzähligen Flame Trees gesäumten Bäumen! Aber auch einen anderen Baum finde ich – mit einem Wespennest an einem der Äste und ganz eigenartigen, aber wunderschönen Blüten!

Garnicht so weit entfernt fällt mir dann ein ungeheuer gepflegtes Grundstück auf, auf dem ein total zerfallens Haus steht. Beim neugierigen Nähergehen kommt mir ein älterer Einheimischer freundlich entgegen. Meine Verwunderung über dieses ‚Mißverhältnis‘ in meinen Augen läßt ihn schmunzeln und er erklärt mir, daß er bis vor nicht allzu langer Zeit in Neuseeland gelebt hat. Jetzt, nach seiner ‚Heimkehr‘ auf die Insel wird er an und um die alte Ruine (das Haus seiner Großeltern und Eltern) sein Haus bauen – deswegen ist es für ihn so wichtig, das Grundstück schon mal in einem gepflegten Zustand zu erhalten. Wir unterhalten uns noch lange über alles Mögliche und zum Abschied bekomme ich von ihm einen großen Plastikbeutel voll mit diversem Obst! Manchmal sind die Häuschen, die über die Grabstätten gebaut wurden, viel schöner, als die Häuser der Bewohner – und manchmal sind letztere sehr den früheren Hütten nachempfunden!

Mein weiterer Weg führt mich an zahllosen kleinen Buchten vorbei und auch an der Residenz des ‚Gouverneurs Ihrer Majestät, der Queen‘ – äußerst bescheiden, aber auch die in einem wundervollen Garten gelegen!


Ein gutes Stück weiter liegt der Straße entlang ein Gelände, das mich ein wenig an vom Urwald überwucherte Tempelanlagen in Asien erinnert! Es ist auch sowas wie ein „Tempel“, aber der ganz besonderen Art! Es ist die Bauruine eines ursprünglich als Sheraton- und später Hilton-Resort geplantes Großprojektes! Das erste Mal sollen die Geldgeber die italienische Mafia gewesen sein, aber gerade mal die Rohbauten waren gebaut, da soll das ganze Geld auf wunderbare Weise verschwunden gewesen sein! Einige Zeit später wollte die Hilton-Gruppe das Ganze für sich ‚wiederbeleben‘, aber leider, leider – auch diese Investitionssummen versickerten offenbar irgendwo im nahen Meer! Wäre es wirklich fertig gestellt worden, gäbe es auf der Insel heute etwa 400 Betten mehr – wahrscheinlich hätten die kleineren Hotels inzwischen alle aufgeben müssen! Ganz abgesehen davon, was an zusätzlichen Belastungen bzgl. Abfall und Abwasser auf die Insel zugekommen wäre!
Darüber hinaus war geplant, daß die Hauptstraße verlegt werden sollte und die einzelnen Baukörper der Anlage mit Kanälen verbunden werden sollten – á la ‚Madinat Jumeirah‘ in Dubai – und der Strand nur für Hotelgäste nutzbar sein sollte! Bis jetzt ist die gesamte Küste rund um die Insel für jedermann zugänglich – nirgendwo gibt es Schilder oder gar Abgrenzungen von Hotelstränden! Man könnte also, wenn man wollte einen mehrstündigen „Strandspaziergang“ machen, um am Ende dort anzukommen, wo man gestartet war!
Die Natur hat inzwischen die Freiräume zwischen den einzelnen Bauwerken längst wieder mit Beschlag belegt und es ist zu hoffen, daß niemand mehr auf die Idee kommt, das Ganze wiederzubeleben! Es wäre wirklich mehr als ein Unglück für diese Insel! Aber es gibt ja überall Beispiele, wie schnell die Natur vergessen machen kann, was sich unter einem grünen ‚Hügel‘ verbirgt, wie z.B. auch hier bei diesem LKW

Angekommen wieder in Avarua, dem Hauptort auf Rarotonga, fahre ich an diversen Regierungsgebäuden (wohltuend bescheiden!!)
und viel landwirtschaftlich genutzten Flächen vorbei zurück zum Hotel – vorher empfängt mich auf einem der Grundstücke am Straßenrand ein vertrauter Anblick

Im ‚Resort‘ gibt es eine Überraschung – Paul der ‚Chef‘ hat ein Barbecue organisiert! Am Rand des Swimming Pools ist der große Grill aufgebaut, es werden Salate und Toast aufgetragen und bald brutzeln (sehr leckerer) Thunfisch und (nicht besonders leckere) Würstchen ihrer Vertilgung entgegen! Aber die jungen Leute aus den Dormitories lassen sich die Würstchen voller Wohlbehagen schmecken – ich als Deutsche bin offenbar zu sehr verwöhnt, was Würstchen betrifft:-)!


Mit einem Wein auf der Terrasse von Suzanne und David findet, gemeinsam mit Elizabeth, dieser wieder so schöne Tag seinen Abschluß!

13.1.2011

Suzanne entführt mich nach dem Frühstück zu einem Laden in der Nähe, der Sarongs, aber auch sehr schöne Anhänger aus geschnitzten Muschelschalen verkauft. Ich möchte versuchen, ob ich dort auch ein paar Knöpfe für das Jäckchen finde, das ich gerade für die kleine Anna stricke!
Nein, es gibt leider keine Knöpfe – aber wo ist das Problem? Es werden einfach welche für mich gemacht! Kleine Stücke aus den Muschelschalen werden rund geschliffen, und nach einem prüfenden Blick noch zwei Löcher durchgebohrt und – voilá, schon habe ich drei wunderschöne blau-schimmernde Knöpfe, Spezialanfertigung für Anna:-)!
Suzanne findet wieder zwei wunderschöne Pareos/Sarongs, zusätzlich zu den schon zahlreichen, die sie in den vergangenen Tagen gekauft hat! Nach einem ausführlichen Schwatz mit der jungen Ladeninhaberin, die uns für morgen einlädt, beim Bedrucken der Sarong-Stoffbahnen zuzuschauen, fahren wir wieder zurück zum Hotel, holen unsere Schnorchel- und Badesachen und fahren zu einer nicht weit entfernten kleinen Bucht. Ein Traum! Es ist Flut, das Wasser hier auch deutlich tiefer als vor unseren Hütten und voll von den wunderschönsten Fischen! Schade, daß wir natürlich wieder mal keinen Fotoapparat dabei hatten – aber wir haben nur das Nötigste mitgenommen, weil das ja dann unbeaufsichtigt am Strand lag, während wir im Wasser waren. Überall in den großen Korallen (die selbst schon in den unterschiedlichsten Farben vertreten waren) gab es Höhlen, in denen sich hier auch größere Fische versteckten. Wenn man lange genug unbeweglich im Wasser lag, kamen sie dann auch aus ihrem Versteck und schwammen ganz nahe an uns vorbei! Blaue, rote, gestreifte, gepunktete, mit großen Rückenflossen und kleinen – sogar einen kleineren Mondfisch (zumindest sah er so aus, wie die im Aquarium in Montery, nur viel kleiner) haben wir gesehen! Herrlich! Wir gingen erst aus dem Wasser, als ich bemerkte, daß mein Rücken trotz Sonnenschutz ziemlich rot geworden war :-(! Als wir zurück kamen, hatte David schon wieder Obst und Kokosnüsse für uns vorbereitet für einen erfrischenden Lunch!
Die beiden fuhren danach wieder zum Schnorcheln, ich will heute noch die „Back Road“, also die Parallelstraße zur Küstenstraße im Hinterland, die auch fast um die ganze Insel geht, erkunden!
Kaum bin ich ein wenig von der Küste entfernt, tauche ich in eine komplett andere Welt ein! Fast ausschließlich landwirtschaftlich genutzte Flächen begleiten mich – Papaya-, Mango-, Jackfrucht-, Noni- und Lotusplantagen wechseln sich mit kleinen Handwerksbetrieben und Bauernhäusern ab. Dazwischen immer wieder uralte Kirchen mit ebenso alten Grabstätten um sie herum.

Die Papayas, Mangos und Jackfrüchte werden hier auf der Insel verkauft und nach Neuseeland verschifft. Aus den Nonifrüchten wird Saft gewonnen, der in alle Welt exportiert wird – soll für alles gut sein und gegen jedes Zipperlein helfen…
Mein Weg führt mich auch am Inselgefängnis vorbei – es scheinen nicht allzu ’schwere Jungs‘ einzusitzen, wenn man die rudimentären Sicherheitsmaßnahmen so sieht! Ein einfacher Stacheldrahtzaun und ein ungesicherter Schlagbaum… Dann ein Hinweisschild zum Hospital! Nicht daß ich das bräuchte, aber Elizabeth hat mir von dem grandiosen Ausblick von dort oben vorgeschwärmt – also die steile Staße hinauf! Und wirklich, man kann bis zum Meer hinunter sehen! Leider ist die Straße weiter auf den Berg hinauf nur ein besserer Feldweg – ich wünschte mir jetzt „mein“ Auto aus dem Oman hierher… Aber was solls, es gibt wahrscheinlich noch massenhaft schöne Dinge zu sehen, wenn ich einfach auf der Back Road weiterfahre. Und wirklich, bald nach der Rückkehr auf diese Straße sehe ich schon eine Holzwerkstatt, wo die originalen Auslegerboote aus einem einzigen Baumstamm ‚geschnitzt‘ werden. Das harte Teakholz muß sehr schwer zu bearbeiten sein – aber mit viel Hingabe wird auch an den Verzierungen für das Boot gearbeitet.
Ein Stück weiter liegt mir ein „Stein im Weg“ – auch er kunstvoll bearbeitet nach alter Maori-Tradition Auf der engen Landstraße geht es weiter, an alten und neuen Häusern vorbei! Vor manchen stehen ganze Batterien von Blumentöpfen mit allerlei verschiedenen Pflanzen darin! Warum die in einzelne Töpfe gepflanzt werden, kann ich nicht ergründen – hier, wo es überall nur fruchtbare Erde gibt und auch Wasser kein Problem ist…

Der weitere Straßenverlauf läßt zahlreiche schöne Ausblicke zu,



es bleibt jedoch stets sehr ländlich – bis auf das Flugzeug der Air New Zealand von der ‚Rückseite‘ des Flughafens gesehen! Das wirkt etwas deplaziert neben dem kleinen Tower!

Die älteste Kirche auf Rarotonga ist mein letztes Ziel, ehe ich wieder zum Resort zurück fahre! Hier ist auch der erste Staatspräsident mit seiner Frau begraben!


Er muß sehr beliebt gewesen sein, so wie das Grab bzw. seine Büste geschmückt ist. Aber auch ein hochrangiger Häuptling ist hier begraben – sehr ungewöhnlich, da Häuptlinge normalerweise auf einem Stammesgrundstück begraben werden.

Zuhause angekommen sind meine Freunde schon mit dem Abendessen beschäftigt – wir sind heute früh dran, da wir abends noch in eine Maori-Show gehen möchten. Aber vorher ist gemütliches gemeinsames Essen angesagt, zu dem auch Elizabeth vorbei kommt. Nach einem wieder grandiosen Abendrot machen wir uns auf den Weg.

Da ich das Auto habe, bin ich heute die großzügige ‚Chauffeurin‘ – auch wenn es klein ist, haben wir doch alle 4 gut Platz und außer mir können dann alle von den köstlichen Cocktails probieren…

Die Show war mehr als großartig – zur Einstimmung wurden einige Paare aus dem Publikum zum Tanzen aufgefordert und Suzanne und David gehörten dazu!

Dann ging es aber richtig los: Ein älterer Maori von der Insel hat vor ein paar Jahren eine Initiative gegründet – zum einen sollten die alten Tänze und die Musik nicht in Vergessenheit geraten, zum anderen sollten junge Leute sinnvoll beschäftigt werden. Heute ist das eine Gruppe von etwa 25 Trommlern (zwischen 10 und 28 Jahren!), Tänzerinnen und Tänzern, die eine atemberaubende Show vorführen. Sie treten auch international auf, die „Reisekasse“ wird mit den Eintrittsgeldern zu den Shows gefüllt (die allerdings wirklich niedrig sind!). Die Reisen sind natürlich Bestätigung und Belohnung und damit bleiben alle mit Feuereifer bei der Sache!. Wir haben noch jeder eine CD mit Musik und Gesang zum Abschied gekauft und der Leiter der Gruppe hat sich unsere E-Mail-Adressen aufgeschrieben – in 2012 ist wieder eine Europa-Reise geplant und da soll es u.a. auch nach GB und D gehen. Wir werden dann erfahren, wann und wo wir sie wiedersehen können!


Wie gut sie waren, kann man mit Worten garnicht beschreiben – wir waren uns einig, daß wir noch nie so furiose Tänze gesehen hatten!!!

14.1.2011

Ganz schlecht geschlafen heute – hatte tierische Ohrenschmerzen! Entweder ist meine Erkältung vom Montag zurück gekommen oder ich habe mir das gestern beim Schnorcheln eingefangen! Thanks God habe ich von unserem Hausarzt Antibiotika für den Notfall mitbekommen – da habe ich heute nacht schon die erste Tablette genommen. Ich hoffe, daß ich das bis Samstag Nacht wieder in Griff bekommen, denn mit einer Mittelohrentzündung Start und Landung – das stelle ich mir nicht so prickelnd vor!
Heute muß ich leider mein kleines Auto schon wieder zurück geben :-(! Ich mache noch einen kleinen Ausflug um Avarua und fahre dann zum Tanken. Plötzlich geht eine Sirene los – ähnlich wie vor Jahren bei uns die ‚Atom-Sirenen‘. In meinen Ohren ein furchterregendes Geräusch. Als ich beim Tankwart nachfrage, sagt der nur lapidar „Tsunami“. Ich bin wie elektrisiert – Tsunami und dann kümmert sich keiner wirklich darum??? Die Frau an der Kasse beruhigt mich aber, daß das nur ein Probealarm ist, wenn es ernst wäre, würde es auch im Radio durchgesagt und Lautsprecherwagen durch die Straßen fahren (und das Radio war tatsächlich auch an!). Nun doch wieder beruhigt liefere ich das Auto pünktlich um 12h ab. Zu Fuß gehe ich weiter Richtung Markt, wo auch heute schon einige wenige Stände aufgebaut sind – es gibt vor allem die Dinge, die die Einheimischen kaufen und jede Menge Essensstände! Überraschenderweise auch einen Stand mit Crèpes! Die junge Frau dort erzählt mir auf meine erstaunte Frage, wie denn sowas typisch Französisches auf die Cook Islands kommt, ihre Geschichte: Sie hat das Crèpe-Backen bei ihrer Großmutter in London gelernt, wo die Familie seit langer Zeit gewohnt hat. Aber sie dachte sich, damit kann sie sich auch auf Rarotonga, woher die Familie ursprünglich stammte, über Wasser halten und gab ihr geregeltes Leben in UK auf, um wieder zurück in ‚ihre Heimat‘ zu gehen! Die Crèpes kommen auch bei den Einheimischen gut an und sie ist glücklich, jetzt hier im ewigen Sommer sein zu können! Ich habe mir dann bei ihr ein Galette mit Gemüse und geräuchertem Fisch gefüllt, zum Mittagessen gekauft und das, zusammen mit dem Saft einer frischen Kokosnuss, mit großem Appetit im Schatten eines Flame Tree verspeist.
Dann aber ‚ruft‘ der Bus – ich möchte ja heute mit Suzanne beim „Sarong bedrucken“ zuschauen! Überdies sieht der Himmel furchterregend dunkel aus, da braut sich offenbar was Größeres zusammen!


Nach einem kleinen gemeinsamen Lunch machen wir uns zu Fuß auf den Weg in den Sarongladen – anstrengend, weil es ziemlich schwül ist , aber nicht allzu weit entfernt. Leider haben wir die junge Frau gestern wohl mißverstanden – sie war mit ihrer Arbeit schon fertig und wollte eben nach Hause fahren. Aber für uns hat sie zumindest den Laden nochmal aufgesperrt und wir haben uns aus den gerade fertig gestellten Sarongs die schönsten ausgesucht und als Mitbringsel eingepackt.
Dadurch, daß wir ausnahmsweise zu Fuß unterwegs sind, lernen wir heute noch ein paar neue Geschäfte kennen und machen interessante Entdeckungen, was ‚food‘ und ‚drinks‘ betrifft, sehen aber auch, wie man hierzulande Dächer vor heftigem Sturm sichert: Ein langes Drahtseil über das Haus ‚geworfen‘, an dem an beiden Seiten dicke Betongewichte hängen…
Kaum in unserer Unterkunft angekommen, bricht das Unwetter dann endlich los! Es ist zwar deutlich heftiger als die Tropenregen an den Tagen zuvor, aber es dauert nicht soviel länger! Trotzdem steht minutenlang danach noch alles unter Wasser… Nach dem äußerst schwülen Vormittag wird das von uns allen jedoch als wahrer Segen empfunden – nur nicht von ‚unseren‘ Hunden, die sich beleidigt unter die Hütten zurück gezogen haben aber auch dort nicht wirklich vor dem Wasser geschützt waren. Unser Haus- und Hofhund hat intelligenterweise unter meinem Terrassendach vor meiner Tür Schutz gesucht – – dort blieb er auch vorsichtshalber liegen, als die Sonne wieder zum Vorschein kam!
Kaum hat es aufgehört zu regnen, schnappt sich David seine Liebste wieder zum Schnorcheln und ich fange an, schon mal meinen Koffer zu packen – morgen ist es wieder vorbei mit der Südsee! Da unser Flieger morgen erst gegen Mitternacht geht, haben wir uns entschlossen, mein Zimmer noch für den ganzen Tag und die halbe Nacht zu behalten und uns die Kosten dafür zu teilen.
Heute abend gibt es ein großes Abschiedsessen – Fisch mit ordentlich Beilagen, einen Fruchtsalat als Nachtisch und dazu eisgekühlten Sekt! Wir sitzen noch ewig vor unserer Hütte, verpassen den Sunset über den Unterhaltungen – aber wozu gibt es denn den Mond…

15.1.2011

In Windeseile sind die 10 Tage, auf die ich mich so gefreut hatte, nun schon wieder fast Vergangenheit geworden! Aber heute ist wieder Markt und den lassen wir uns natürlich an unserem letzten Tag nicht entgehen! Elizabeth (die Taylor mit Nachnamen heißt, wie sie uns gestern abend verraten hat :-)!) hat für uns alle Blütenkränze zum Abschied besorgt – sie ist ein wenig traurig, hat sie jetzt ja noch 3 „einsame“ Wochen vor sich!
Selbst manche Tische hier sind heute mit „Blumenkränzen“ geschmückt – wie sich bei näherem Hinsehen jedoch zeigt, sind das nur vom gestrigen heftigen Regen abgerissene Blütenranken! Auch sonst ist der Boden überall bedeckt mit abgefallenen und abgerissenen Blüten – als ob eine große Hochzeit hier stattgefunden hätte
Wir finden noch ein paar lose hübsche Perlen als Souvenirs und eins der sehr leckeren französischen Baguettes, kaufen aber ansonsten nichts mehr ein – das limitierte Freigepäck begrenzt uns in unseren Wünschen… Nach Hause geht es per Fahrrad (Beth), auf dem Scooter (David + Suzanne) und im Bus (ich). Der ist heute rappelvoll – das erste Mal, daß ich den ganzen Weg zurück stehen muß, was ist da los???
Da es heute durch den Regen und Sturm draußen auf dem Meer gestern riesige Wellen gibt, ist das Riff auch von deutlich mehr Wasser überflutet, als die Tage vorher. Meine beiden Schnorchler müssen das natürlich nochmal ausgiebig nutzen! Mir geht es zwar besser nach meinen Antibiotika-Gaben, aber ich traue mich dann doch nicht mitzugehen! Ich mache es mir aber in den Hängematten unter den Hütten im Schatten gemütlich und freue mich an den riesigen Wellen!
Am Nachmittag gönnen wir uns alle einen letzten Kaffee und ein paar Kekse, die wir noch aufgespart hatten. Zusätzlich gibt es von mir ein paar mit Olivenöl beträufelte und Tomatenscheiben belegte Baguettescheiben und den restlichen Sekt von gestern! Elizabeth hat beschlossen, die Nacht heute hier direkt am Meer zu verbringen (das Zimmer ist schließlich bis morgen vormittag bezahlt!) und sich um das Geschirr und die restlichen ‚left overs‘ zu kümmern.
Der letzte Sunset hier im Paradies läßt uns alle eine wenig melancholisch werden, aber das hält nicht lange an – wir versprechen uns, in Kontakt zu bleiben und wollen uns auf jeden Fall irgendwo und irgendwann wiedersehen!

Dann wird es das erste Mal hier (und auch nur kurzzeitig!) etwas hektisch – 4 Personen müssen sich nach und nach eine Dusche teilen! Aber auch das wird gut gemeistert und pünktlich um 22h stehen wir mit all unseren ‚belongings‘ vor dem Bus, mit dem uns Kiti wieder zum Airport bringen wird. Eine letzte Umarmung von Elizabeth und das ‚Rarotonga Backpackers‘ verschwindet in der Dunkelheit!
Am Flughafen empfängt uns eine lange Schlange zum Einchecken. Da ich gestern schon bei der örtlichen Bank meine Ausreisegebühr bezahlt hatte, kann ich mich hier einreihen, während die Freunde sich am Bankschalter anstellen (der immer nur für während Departure-Zeiten geöffnet hat!). Glücklicherweise bekommen wir Plätze an Bord nicht weit auseinander, wir könnten uns also hin und wieder sprechen auf dem langen Flug, falls es uns zu langweilig würde!
Die Sicherheitskontrolle ist einigermaßen überraschend mehr als streng! Die Boden-Hostessen werden schon ganz ungeduldig, weil sich der geplante Abflugtermin immer mehr nähert. Ständig hören wir ‚letzte Aufrufe für die Passagiere nach L.A.‘, aber das kümmert nicht die Sicherheitsbeamten und auch nicht wirklich die Passagiere – es ist der einzige Flieger, der jetzt hier abfliegt und der wird nicht starten, solange noch mehr als die Hälfte der Passagiere an der Sicherheitskontrolle warten muss… Uns so ist es dann auch – mit über einer halben Stunde Verspätung hebt der Flieger erst ab und wir befinden uns für etwa 9 Stunden nur noch über dem offenen Meer!
E noho rá Rarotonga – hello California!

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4 Antworten zu Wieder aktiv!

  1. rothacher ursula + fritz schreibt:

    Hallo Christine,
    wunderschön deine Fotos!! Ich kenne dich ja noch nicht so lange, aber irgendwie dachte ich’s mir doch, dass irgend etwas nicht in Ordnung ist…hoffe deine Mittelohren-
    entzündung ist gut ausgeheilt und du bist fit für Südamerika. Wir wünschen Dir
    morgen einen guten Flug und einen guten Start für die nächste Etappe!!
    Wir freuen uns natürlich auf weitere Reiseberichte mit so farbenfrohen Fotos.
    Ganz liebe Grüsse aus der Schweiz, Ursula + Fritz

    • grannyontour schreibt:

      Ich danke Euch – leider laborier ich immer noch damit herum und stehe nach wie vor ‚unter Drogen‘ :-)! Aber ich hoffe für morgen das Beste und die Wärme in Buenos Aires wird das Übrige dazu tun, daß es dann alles wieder gut wird. Hier in Süd-Kalifornien ist es winterlich kalt, in der Nacht war es stets nahe am Gefrierpunkt und heute soll es sogar Frost geben! Tagsüber ist es zwar in der Sonne ganz angenehm, aber man unterschätzt, daß es trotzdem halt nur um die 15-20 Grad hat…

  2. Helga schreibt:

    liebe Christine,
    jeden Tag verfolge ich Deine Berichte und bewundere Deine Superfotos- viel viel schöner als jede Tageszeitung !! Jetzt möchte ich Dir gute Besserung und viel Energie für die weiteren Etappen wünschen – verbunden mit viel Sonne und Wärme und schönen Begegnungen
    Alles Liebe
    Helga

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