Auf den Spuren einer omanischen Prinzessin

18.8.2010
Heute also werde ich endlich ganz authentisch auf den Spuren der omanischen Prinzessin Sal(o)me wandeln, die vor allem der Liebe wegen dieses Paradies hier gegen den hohen kalten Norden Deutschlands eingetauscht hat! Die Memoiren von Emily Ruete, wie sie sich später nannte, gibt es in Buchform in Deutschland leider derzeit nur noch für horrendes Geld im modernen Antiquariat zu kaufen – sind aber sehr lesenswert!
Salme floh, gerade knapp über 20 Jahre alt, mit Hilfe eines englischen Arztes heimlich mit ihrem späteren Mann, Sohn einer Hamburger Kaufmannsfamilie, der in Stone Town die Dependance führte, aus Sansibar! Sie hatte drei Kinder mit ihrem Mann Heinrich, der jedoch kurz nach der Geburt des jüngsten schon Opfer eines Verkehrsunfalles wurde und sie damit, noch nicht einmal 30 Jahre alt, schon Witwe und noch dazu in einem solch fremden Land und zu der Zeit – es war gerade mal in den 70er Jahren des 19.Jh.! Zurück in den Sultanspalast konnte sie natürlich bei der Vorgeschichte nicht mehr! Sie starb erst mit über 70 Jahren, nach jahrzehntelangen Aufenthalten im Ausland, u.a. auch in Damaskus, wo sie als Lehrerin den Unterhalt für sich und ihre Kinder finanzierte, im Haus ihrer jüngsten Tochter in Jena, wo sie die letzten Jahre lebte. Sie wurde auch dort beerdigt, wie man sagt, mit einer Handvoll Sand vom Strand in Sansibar, das sie im fortgeschrittenen Alter noch einige Male besuchte! Das Grab der Familie Ruete ist dort heute noch zu besuchen!

Salme war die Lieblingstochter von Sayyed Bin Said al Busaid, dem Sultan von Sansibar und Oman (der Ururgroßvater des heute im Oman regierenden Quaboos bin Taimur al Bu Said) mit seiner Lieblingskonkubine, einer tscherkessischen, also hellhäutigen Prinzessin aus dem Kaukasus (er hatte insgesamt knapp 120 Kinder von 78 verschiedenen Frauen!). Salome wurde 1844 im Mtoni-Palast in der Nähe von Stone Town geboren, dessen Überreste heute als erstes auf dem Besichtigungsprogramm der Tour stehen. Teilnehmer der Tour sind neben mir noch 6 AmerikanerInnen aus New York State und City, die Mitglieder in einem Conservation Fund sind, der sich um die Erhaltung bzw. den Wiederaufbau der Zeugnisse aus der Sultanszeit kümmert. Diese 6 sind ein Ehepaar von schätzungsweise deutlich über 70, wenn nicht gar über 80 Jahren, ein etwas jüngeres, von dem die Frau mit einem eingegipsten gebrochenen Bein am Stock geht und noch zwei Personen, von denen eine Frau, vielleicht etwas jünger als ich, für die Deutsche Börse arbeitet – allerdings in Manhattan!
Der kurze Spaziergang zu den Ruinen der Palastanlage auf dem Nachbargrundstück ist mit Erklärungen unseres jungen Guides Said (‚no relationship to the Sultans family’!) gefüllt. Der Rundgang in der Palastruine ist nicht sehr ausgiebig – es sind wohl derzeit nicht alle vorhandenen Räumlichkeiten zugänglich bzw. werden restauriert. Von der trotzdem ungeheuer eindrucksvollen Palastanlage (in so einem Zustand stelle ich mir die Festungen im Oman vor vielleicht 20-30 Jahren vor) schlendern wir langsam wir zum Strand, wo schon das Beiboot einer kleinen Dhow auf uns wartet, um uns überzusetzen. Also alle die Schuhe ausziehen und Hosenbeine hochkrempeln und ab in das Boot – das geht mit 2 Bootsladungen einigermaßen zügig über die Bühne. Inzwischen sind noch zwei französische Männer zu uns gestoßen, eine Mutter mit halbwüchsiger Tochter aus New Jersey/USA und noch zwei zusätzliche einheimische Begleiter.
Schwieriger wird es schon, an der Dhow anzulegen, denn durch den Wind ist das Wasser doch ein wenig unruhig. Aber auch hier halten sich alle wacker – die Dame mit dem gebrochenen Bein wird mehr oder weniger von den starken Armen unserer einheimischen Begleiter von Boot zu Boot weiter gereicht! Jetzt wird der Wind aber zum Segen – kurz nach dem Anker einholen wird das typische dreieckige Segel aufgezogen und es weht uns Richtung ‚Bububu’, unserem nächsten Ziel!
Im vorletzten Jahrhundert gab es eine Eisenbahn, die von Stone Town 8 km bis zu diesem Platz gefahren ist! Nach dem typischen Geräusch der Dampflokomotive damals bekam der Ort seinen Namen!
Das Aussteigen aus dem Boot ist etwas komplizierter, der Wellengang ist deutlich höher geworden! Auch das Anlegen am Strand wird auf den ersten Blick sehr unangenehm werden, da eine dicke grüne Schicht von Seegras und Algen träge an bzw. über den Strand schwappt! Aber es ist weniger eklig, als gedacht und –schwupps- ist die erste Fuhre mit den nicht irgendwie Gehbehinderten auch schon am Strand. Mit der zweiten ist es schon ein wenig komplizierter, aber mit Hilfe aller und dem Muskeleinsatz unserer Guides und der Bootsbesatzung kommen auch die alle wohlbehalten wieder auf festem Boden an – mit viel Gelächter und Geschrei!
Ein kurzer Weg und eine Treppe hoch führt uns in das Haus im früheren Garten von Prinzessin Salme, offenbar eine Art Sommerpalast oder Palastgarten mit Sommerhäusern. Das von uns besuchte Haus war wohl ziemlich verfallen, wurde aber nach Ende der Revolution 1964 von einer arabisch-stämmigen Familie den Erben der Sultansfamilie abgekauft (vielleicht wurde es jedoch auch enteignet und dann dieser Familie übergeben), die es dann wieder einigermaßen instand gesetzt hat – natürlich nicht mehr als ‚Palast’. Statt der verrotteten großen Holzveranda wurde eine steinerne Loggia aufgesetzt, für die als Träger übrigens Schienenstücke der o.g. Eisenbahn (die längst schon außer Betrieb war und über Jahrzehnte als ‚Baustofflager’ von den Einheimischen genutzt wurde) verbaut wurden!
Eben auf dieser neuen Loggia war ein Tisch und eine große Matte auf dem Boden gedeckt für eine Kaffeepause mit ‚Omani Coffee’ und ‚Arabic Sweets’ (u.a. auch original Halva)! Von dort oben hatte man einen wunderbaren Blick zu einem anderen Haus, das früher mit einer Holzbrücke mit dem verbunden war, wo wir gerade saßen! Die noch zu diesem Komplex gehörige kleine Moschee wird gerade grundlegend restauriert und war deshalb nicht zugänglich!
Beide Häuser mit dem umliegenden Gelände und der Moschee können übrigens angemietet werden – für 1800 $ monatlich! Die Lage ist traumhaft und ich denke, es wird sich bald ein Investor finden, der daraus eine kleine aber feine Hotelanlage machen wird!

Durch ein Tor in der alten Festungsmauer geht es auf einen kleinen Zufahrtsweg, wo schon zwei Minibusse auf uns warten, die uns auf eine Gewürzplantage bringen sollen!
Diese beiden Fahrzeuge, die gleiche Marke wie vorgestern auf der Spice Tour, waren übrigens nur für je 9 Personen zugelassen (man erinnere sich – letztes Mal waren es 15 Personen!!!), was wohl auch wirklich der werksseitig vorgesehenen Anzahl der Sitzplätze entspricht!

Damit fahren wir nun durch das Örtchen Bububu auf den ‚Sansibar Kilimanjaro’, eine Erhebung von etwa 300 m, von der aber trotzdem ein wunderbarer Blick bis aufs Meer möglich ist!
An der Einfahrt zur Plantage wartet schon ein blumengeschmückter ‚donkey cart’ auf uns, mit dem es jetzt ordentlich rumpelnd über den Feldweg bis zum Haupthaus geht – „the massage will not be charged extra“ wie unser Fahrzeuglenker uns zuruft!
Die Plantage war bis in die 50er Jahre des 20.Jh. Eigentum der Sultansfamilie und schon Prinzessin Salme hat dort viel Zeit in der freien Natur verbracht
Dort empfängt uns unser guide, der mit uns etwa 1 ½ Stunden durchs Gelände wandert, die einzelnen Gewürze zeigt und auf die verschiedenen Besonderheiten hinweist! So werden z.B vom Zimtbaum nicht nur die Rinde als Zimtstange verwendet, sondern die Blätter von den Einheimischen auch als Tee bei Magenbeschwerden aufgebrüht und aus den Wurzeln wird ein ätherisches Öl gewonnen, das u.a. in Erkältungsmitteln wie z.B. Wick zum Einsatz kommt! Und die Blüten des Kardamom-Strauches wachsen aus den Wurzeln und nicht am Strauch! Obwohl ich die Gewürze ja schon von der Tour vorher kannte, habe ich heute trotzdem noch viel Neues darüber erfahren! Während des Rundgangs gab es für alle frisch gepflückte (von einem einheimischen absoluten Kletterartisten!) junge Kokosnüsse, die noch unter der Palme aufgeschlagen und an alle weitergereicht wurden! Natürlich gab es auch wieder ‚Bananenblatt-Kunstwerke‘, diesmal Hüte gegen die Sonne! Der besondere Clou bei den Damenhüten war eine wunderschöne Hibiskusblüte, wie ich sie nie vorher gesehen hatte!
Nach Beendigung der Tour wartete dann das Mittagessen im Haus der Plantagen-Besitzers auf uns! Ein köstliches Mahl aus Pilaw-Reis (mit fast allen Gewürzen, die wir eben gesehen hatten), Beef Stew (ebenfalls mit Zimt und Nelken gewürzt), Bohnenkerne, gemischtes Gemüse, Salat aus Paprika, Tomaten, Sternfrucht und Ananas, eine leckere Kokosmilch-Sauce und Hefe-Pfannkuchen – alles mehr als lecker! Dazu Saft aus Orangen, gemischt mit ‚rubber fruit’-Saft und frischer Kokosmilch, alles frisch gepresst aus den Früchten der Bäume vor der Tür!
Witzig war auch die Einrichtung des ‚majlis’, des Empfangsraums, wo wir uns als Besucher alle aufhielten – hier gab es keine Matten mehr auf dem Boden mit den dazugehörigen Polstern, sondern an den Wänden waren Business Class Sitze aus einer DC 9 der ehemaligen East African Airline aufgereiht! Dort saßen wir sehr bequem konnten und von den vor uns aufgestellten kleinen Tischchen essen!
Yussuf, der heutige Besitzer der Plantage, hat sie von seinem Vater geerbt, der sie damals der Sultansfamilie abgekauft hatte! Die heutigen Besitzer stammen aus dem Oman, die großmütterliche Familie von Yussuf aus Rustaq, die großväterliche aus Alaya, was heute zu Sur gehört! Er freute sich sehr, einen Gast bei sich zu haben, der sich dort auskennt und mit dem er in Erinnerungen schwelgen konnte!
Die gesamte Rückfahrt wurde mit dem Minibus angetreten, was für uns alle – inzwischen müde und satt – natürlich sehr bequem war! Unterwegs besuchten wir noch die alten Bäder der Sultansfamilie und kamen an einer winzigkleinen alten katholischen Kirche vorbei – eigentlich eher ein Bet-Raum – die jedoch nach wie vor von den Bewohnern in Bububu jeden Sonntag für Gottesdienste genutzt wird! Aber da in Sansibar etwa 95% der Bevölkerung muslimisch sind, werden sich dort wohl nicht allzu viele Christen einfinden!
Der Rest des Nachmittags gehört dem Strand und – des aufgefrischten Windes wegen – dem Abendessen heute unter dem Dach! Ich hasse es, Sand zwischen den Zähnen zu spüren!
Für einen Absacker treffe ich mich mit den AmerikanerInnen später in der Sports Bar, wo ich dem allgemeinen Trend zum ‚Kili’ folge, dem einheimischen Bier! – und das passierte mir als bekennender Nicht-Biertrinkerin! Zum Abschied werde ich mit Adresse, Telefonnummer und E-Mail der Mitarbeiterin der Deutschen Börse in Manhattan versorgt – ich soll mich unbedingt melden, ehe ich nächstes Jahr von NYC wieder zurück nach Deutschland starte ‚at least for dinner’!

Eine Antwort zu Auf den Spuren einer omanischen Prinzessin

  1. Sohn #2 schreibt:

    Yo Mum
    da werden wir dann wohl auch „at least for dinner“ mit dabei sein, bevor wir Dich wieder „mit heim bringen“, denn das lass ich mir nicht entgehen 😉
    Oh mann ist dann wieder klasse zu lesen.
    Gott sei Dank hab ich ja die Fotos von Laura gesehen, so konnte ich mich überzeugen, dass es Dir auch optisch scheinbar saugut geht.
    Ich freu mich für Dich
    der Sohn #2

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