Zwei aufregende Tage „auf den Spuren des Wolkenzuges“ u.v.m.!

Mittwoch, 30.3.2011
Puh, war das ein schwieriges Aufstehen um 5.00h… Es wurde mir gestern sogar ein frühes Frühstück hier angeboten, darauf habe ich jedoch um den Preis von 15 Min. länger schlafen verzichtet!!!
Die Viertelstunde Fußweg zur Agentur ist easy – die Straßen noch so gut wie leer, ein wenig kühl, damit aber ganz angenehm! Von der Gruppe bin ich de Erste in der Agentur, wo schon pflichtbewußt eine junge Dame sitzt, die das ‘Frühstück’ bereit hält: Ein paar Kekse und Kaffee oder Tee aus dem Styropor-Becher (war als ‘beautiful breakfast will wait for you’ angeboten worden…). Aber Hauptsache etwas Warmes zu Trinken!
Auch in der Passage, wo das Reisebüro ist, gibt es schon einen fleißigen Mann – es werden die gefliesten Böden in den Gängen dort und sogar der Eingangsbereich und der Bürgersteig ordentlich gescheuert und gewischt! Es ist halt schon eine sehr saubere Stadt!
Langsam trudeln auch die anderen Gäste ein: Ein Paar aus Frankreich, ein junger Mann aus Deutschland, zwei junge Frauen aus Brasilien, ein Paar aus Österreich und zwei Argentinierinnen. Auch unser Guide Romiro steht bald ‘auf der Matte’ und dann hört man auch schon ein lautes Brummen draußen auf der Straße – unser Expeditions-Fahrzeug kommt!
Aber welche Enttäuschung: Statt des ‘oben ohne’ Fahrzeugs, das überall in den Prospekten abgebildet ist (und wegen dem mir gestern noch sehr intensiv zu richtig warmer Kleidung -like an onion- geraten wurde!) kommt ein geschlossenes! Wie wird das dann mit den Fotos werden? Aber was soll’s – es geht um 6.30h los und wir können nun sowieso nichts mehr ändern!
Im Dunkeln fahren wir durch Saltas Außenbezirke und dann auf die Autobahn. Langsam wird es Tag und wir finden uns in einer Umgebung mit dichtem Regenwald wieder! Der dauert jedoch nicht lange an, es wird lichter und wir befinden uns schon auf der Straße, die heute ein langes Stück parallel zur Zugstrecke führt, die ich am Samstag dann mit dem ‘Tren a las nubes’ befahren werde!
Die Berge sind nicht weit entfernt und kaum kriechen die ersten Sonnenstrahlen über die Spitzen, gibt es schon eine Pause für ein zweites Frühstück! Am Bahnhof von ‚Chorillos’ halten wir an – und aus allen Richtungen kommen sofort Hunde angelaufen, in Erwartung von etwas Futter! Für uns gibt es Kaffee und/oder Tee und dazu ‚medialunas’ – also die bewährten Hörnchen. Da einige von ihnen etwas sehr ‚braun’ gebacken sind, gibt es tatsächlich auch für unsere ‚Gäste’ ein leckeres Frühstück!

Chorillos ist die Bahnstation, wo der Zug einen ‚Zick-Zack’ fährt, um die große Steigung zu überwinden – zwei Mal werden die Weichen entsprechend umgestellt und dann sind fast 400 Höhenmeter auf kürzester Strecke überwunden! Wir haben Zeit genug, um ein wenig um den Bahnhof herum zu laufen. Es gibt einige verlassenen Häuser dort – zu jedem gehört ein gemauerter Backofen im Hof (schließllich müssen irgendwo die empanadas und medialunas gebacken werden!) und eine Außentoilette! In den verwilderten Gärten sind noch viele der Blumen zu finden und auch der eine oder andere ausgewachsene Kohl- oder Salatkopf! Zwischen den Geleisen gibt es auch noch den alten riesigen „Wasserhahn“ aus den Zeiten der Dampfloks auf dieser Strecke! Das einzige noch bewohnte Haus (zumindest während der ‚Zug-Saison’) ist der Bahnhof selbst – dort muß schließlich jemand sein, der die Weichen bedient und dafür sorgt, dass der Bahnhofsbereich sich ordentlich darstellt, wenn all die Touristen hier vorbei kommen :-)!


Die Schatten auf den Bergen ziehen sich langsam zurück! Wir kreuzen inzwischen mehrfach den Fluß, der für diesen Riesencanyon, durch den wir fahren, verantwortlich ist! Die Ausblicke, die sich jetzt bieten, sind wieder sehr beeindruckend – es ist nicht zu fassen, mit welchen Naturwundern dieses Argentinien in solch einer Vielzahl gesegnet ist!



Am späten Vormittag werden die ‚Cardones’, die Kandelaber-Kakteen, in der Umgebung immer zahlreicher und bald sind die Hänge übersät damit. Diese Kakteen sind auch so ein spezielles Naturwunder – wachsen nur etwa 1cm/Jahr und sind teilweise bis zu 4-5m hoch! Man kann sich kaum vorstellen, dass diese ein Alter von mehreren hundert Jahren haben – und es ist ja vor allem kaum Erde vorhanden, von der sie sich ernähren könnten!
In ‚Santa Rosa de Tastil’ machen wir unseren zweiten Stopp – einem Städtchen, in dem wir uns bereits auf 3.100 m Höhe befinden! Durch die schon ziemlich dünne Luft hier ist der Himmel strahlend blau und auch die Farben rings um uns leuchten förmlich! Am Ortseingang sitzen ein paar Einwohner und bieten „original einheimische“ Waren an – ich meine aber eher, dass es sich dabei um Importe aus China handelt! Es sind fast alles identische Sachen und für so viele Jacken, Schals, Mützen oder Ponchos müsste ‚eine Oma schon lange für stricken…’!
Beim Gang durchs Dorf fällt ein über und über bemaltes Haus auf – beim Näherkommen sehe ich, dass es sich um das örtliche ‚Museum’ handelt, leider fehlt die Zeit für einen Besuch! Die Vorgärten sind alle reichlich mit Blumen bepflanzt – die jedoch kommen mir sehr bekannt vor: Tagetes, Ringelblumen, Dahlien, Astern…

Bevor wir wieder weiterfahren, werden jetzt vorne über dem Fahrerhaus zwei große Fenster aufgemacht und wir können wechselweise von dort aus fotografieren! Das ist allerdings nur ein kleiner Ersatz für das versprochene offene Auto, aber immerhin! Das Fotografieren ist sowieso nicht so einfach – die Straßen hier und das etwas ‚hart’ bzw. fast gar nicht gefederte Auto erfordern schon eine mehr als ruhige Hand :-(!


Immer wieder kommen kleine Estancias in unser Blickfeld – viele davon verlassen und halb verfallen, manchmal sind auch Friedhöfe zu sehen und natürlich immer wieder die unvermeidlichen Altare für Gaucho Gil und Konsorten!
Bald schon winken uns die ersten schneebedeckten Bergspitzen zu – ein Zeichen, dass wir uns mit Riesenschritten dem Hochplateau nähern. Inzwischen ‚begleiten’ uns auch wieder die Bahnschienen – teilweise werden sie von Räumtrupps noch von Steinen und Erde befreit, die sich im Verlauf des vergangenen Sommers durch Erdrutsche oder vom Fluß mitgetragenen Sedimenten dort angesammelt haben! Ich hoffe doch, dass sie das alles noch schaffen bis Samstag, damit dem ersten Zug der Saison (und meiner Reise damit) nichts mehr im Wege steht bzw. liegt :-)!
Uns umgeben jetzt tief durch Canyons eingeschnittene Berge, man kann sich gut vorstellen, mit welcher Gewalt das Wasser sich in den Sommermonaten in die jeweiligen Täler ergießt! Manchmal sieht man auch relativ große grüne Flecken, sogenannte ‚Vegas’ – hier gibt es Quellen, die den Anbau von Alfalfa und Mais, manchmal sogar noch Obstbäumen auf windgeschützten Flächen möglich machen! Es sieht manchmal schon mehr als merkwürdig aus – blanker Fels ringsum und plötzlich eine kleine grüne Oase dazwischen…




Je höher wir kommen, desto mehr Bewunderung macht sich breit für die ungeheure Leistung, hier in dieser Umgebung eine Eisenbahn zu bauen – vor allem mit den Mitteln, die zu der Zeit nur zur Verfügung standen! Unzählige Brücken und Tunnels kommen immer wieder in unser Blickfeld – man fragt sich, wie damals überhaupt das Material dafür bis hierher transportiert werden konnte!

Auf den inzwischen mehr als kargen Flächen um uns herum sehen wir nun die ersten Lamaherden grasen – es ist erstaunlich, wie wenig sie als Nahrung brauchen! Man merkt halt doch, dass sie zur Familie der Kamele gehören!!!

Und dann liegt plötzlich ‚San Antonio de los Cobres’ vor und unter uns! Wie Spielzeughäuschen sehen die Siedlungen aus, die die Regierung vor allem für die Minenarbeiter hier hat bauen lassen. Es wird Borax gefördert, einer der Grundstoffe für die Herstellung von Lithium! Das ist überall weltweit begehrt, ist es doch der ‚Stoff, aus dem die Träume sind’ oder besser gesagt, der Stoff, der für die Herstellung von Chips benötigt wird! Eine der Förder- bzw.Verarbeitungsanlagen sehen wir auch direkt neben den Arbeiterhäusern!

Ansonsten ist das ein Ort, ‚wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen’ – ziemlich trostlos, extrem staubig und trocken! Der Zug während eines Teils des Jahres und die Boraxproduktion sorgt für das Ein- und Auskommen der Menschen hier – und manchmal noch ein paar Lamaherden mit Fleisch und Wolle! Hier machen wir wieder einmal halt, und auch ein wenig länger! Es reicht für einen kleinen Rundgang und für ein paar Einkäufe! Ich brauche neue Batterien – meine Akkus geben offenbar langsam alle den Geist auf :-)! Obwohl ich sie immer erst auflade, wenn sie ganz und gar leer sind und sie auch entsprechend der Zeit-Vorgaben lade, sind sie nach immer kürzerer Zeit leer. Wahrscheinlich muß ich mir doch mal ein paar neue zulegen! Was für ein Glück – in einem richtigen ‚Kolonialwarengeschäft’, das wirklich alles hat, bekomme ich ein paar ganz normale Batterien und das reicht jetzt erstmal für die beiden Ausflugstage! Als das Zeichen zum Aufbruch gegeben wird, ist keiner traurig – irgendwie fühlen wir uns hier ziemlich fehl am Platz!

Jetzt geht es auf der Hochebene entlang, an San Antonio vorbei, unserem Mittagessen-Rastplatz entgegen! Für uns sind Plätze einem kleinen ‚Restaurant’ mitten in der Einsamkeit reserviert! Es soll sehr ursprünglich sein und uns einen Eindruck vermitteln, wie die Bevölkerung hier so lebt und vor allem, was sie so an Speziellem isst!



Es ist wirklich ein winziges Dorf – wir sind uns nicht recht sicher, ob es nicht doch vielleicht nur eine Familie ist, die uns hier empfängt. Das Restaurant ist liebevoll gemacht – die Türen und Fenster aus dem Holz der ‚Cardones’ (ja wirklich, die trockenen Riesenkakteen haben ein sehr leichtes, aber festes Holz!), dessen unzählige kleine ‚Löcher’ (die Stellen, wo die Stacheln saßen) ein schönes Muster bilden! Die Tische sind aus Salzplatten gemacht!!! Die werden aus dem großen Salzsee geschnitten, den wir nach dem Mittagessen ansteuern werden! Das Essen besteht aus einem dicken Eintopf mit Lamafleisch, einer Gemüsesuppe mit Maisgries und eine Nachspeise. Der Eintopf war sehr lecker, die Suppe ‚danach’ war ein wenig ungewöhnlich – hat mich doch gleich ein wenig an China erinnert!
Nach dem Essen hatten wir noch Zeit, uns ein wenig umzuschauen – in einem witzigen und ungewöhnlichen Dörfchen! Hinter den Häusern fand ich mich in graue Vorzeiten zurück versetzt: Überall waren runde „Corrals“ aus Wurzeln, Holz und Zweigen aufgebaut, in denen gekocht wurde oder sich Werkstätten befanden, wo Vorräte gelagert wurden oder auch die Hühner gehalten! Die Corrals für die Schafe, Ziegen und Lamas waren aus Brocken aus Salz ’gemauert’, auf die dann jeweils der Mist gehäuft wird – das Salz saugt offenbar die Flüssigkeit auf und die ‚Mauern’ sind relativ trocken (stinken aber trotzdem :-))!
Dort in der „Altstadt“ traf ich auf eine alte Frau, die ich vorher schon mal kurz durchs Dorf habe huschen sehen. Sie hatte dort ihre ‚Küche’, wo sie eine Kaffeekanne und zwei Töpfe in der Glut eines offenen Feuers stehen hatte. Es gab auch eine große Steinplatte, die offenbar als Arbeitsplatte genutzt wird und in dem Holzgestrüpp waren überall irgendwelche Küchenutensilien untergebracht. Als ich fragte, ob ich sie fotografieren dürfte, bekam ich zur Antwort „nur, wenn Du bezahlst“ – dann verzichtete ich aber lieber. Als ich dann gerade den Schafstall anschauen war, kam sie auch wieder – sie ging melken! Als sie sich über ein Schaf beugte, konnte ich sie zumindest von hinten fotografieren!
Im Dorf gab es auch ein kleines Häuschen auf Stelzen aus ‚Salzsteinen’ mit einem feinmaschigen Fliegennetz davor. Dort wurde das frische Fleisch aufbewahrt und offenbar durch die salzhaltige Luft haltbar gemacht! Man muß sich nur zu helfen wissen… Mitten auf dem Dorfplatz waren Steinbänke um einen winzigen Baum angeordnet – offenbar haben die Dorfbewohner die Hoffnung, dass der sich mal zu einem guten Schattenspender entwickeln wird :-)! Selbst eine kleine eigene Kirche haben sie dort und sogar ein Museum – was sich allerdings in einem Raum erschöpft! Schön fand ich hier, daß alle Häuser aus luftgetrockneten handgeformten ‚Ziegeln‘ gebaut werden!

Bei der Weiterfahrt sehen wir am Horizont schon bald den weißen Salzsee blitzen, aber dahin ist es trotzdem noch eine gute Stunde über flaches Land zu fahren – mit wenigen Büschen, aber immer wieder mit Vikunjas, den kleineren Verwandten der Guanacos! Es hätte noch viele lohnenswerte Foto-Objekte gegeben, aber die mehrfache Bitte, doch mal kurz bei dem einen oder anderen zu stoppen, wurde stets abschlägig beschieden „keine Zeit“! Ich hätte es besser gefunden, die vielen vorgesehenen Stopps zu verkurzen oder vielleicht den einen oder anderen gleich zu lassen und dafür zwischendurch mal kurz für ein paar Fotos anzuhalten – an den beiden Frontfenstern können ja nicht alle gleichzeitig fotografieren…
Die Landschaft ist jetzt mit niedrigen Büschen gepflastert, dazwischen gibt es immer wieder große grüne Moos’inseln’- sehen ein wenig aus wie grüne Kuhfladen. Dazwischen immer mehr versalzte weiße Stellen und dann sehen wir auch schon „Las Salinas Grandes“ vor uns liegen: Eine unendliche gleißend weiße Fläche, wie ein Schneefeld glitzernd – wirklich ein wenig atemberaubend!

Beim Vorbeifahren sehen wir auf einem Teil des Sees Maschinen, erinnern fast ein wenig an Schneeräumer, die die dünne oberste Schicht von der Salzfläche abkratzen und zusammen schieben. Dieses ‚rohe’ Salz wird dann in einer daneben liegenden Fabrik gereinigt und in große Säcke für den Versand verpackt! Hier sieht man, dass der weiße Schein trügt – das abgekratzte Salz ist bräunlich, durchsetzt mit Sedimenten, die das Wasser aus den Bergen mitbringt oder die durch den Wind auf den See getragen werden.
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Am ‚Seeufer’ liegen auch große Brocken aufgehäuftes Salz – sieht aus, wie bei uns, wenn die schmutzigen Eisbrocken nach längerer Frostperiode an den Straßenrand geschoben werden! Aus der Oberfläche des Sees sind lange Bahnen von Salz herausgeschnitten – die entstandenen Lücken füllen sich sofort mit dem darunter befindlichen Wasser! Die Salzkruste liegt wie eine Eisfläche auf dem See und es läuft sich übrigens darauf wie auf einer Eisfläche bei tiefen Minusgraden – aber es ist heute hier brütend heiß! Während des Sommers regnet es häufig hier und dann ist der See mit einer Schicht Wasser bedeckt – er soll dann in einem klaren Türkis schimmern! Am Ufer haben Bewohner aus der Gegend kleine Stände aufgebaut, wo sie selbst’geschnitzte’ Salzartikel verkaufen: Vom Schachspiel bis zum Aschenbecher – alles aus Salz!
Bald heißt es jedoch wieder weiter fahren, wir haben noch die ‚Talfahrt’ vor uns – schließlich befinden wir uns immer noch auf über 3000 m Höhe! Gott sei Dank hat mir die Höhe nicht zu schaffen gemacht bzgl. Höhenkrankheit oder so! Allerdings habe ich mir heute früh auf Anraten unseres Guides auch Kokablätter gekauft und einige davon in meiner Wange ‚aufbewahrt’ – ein ekelhaft bitterer Saft sonderte sich da mit der Zeit ab, aber offenbar effektiv!
Über weite Serpentinen geht es noch einmal über einen Bergpass auf knapp über 4000m

und danach nur noch steil bergab ins Tal – 2000 Höhenmeter auf 20 km!!! Neben der Straße tun sich immer wieder tief eingeschnittene Canyonschluchten auf! Manchmal sieht man an deren höher gelegenen Rändern auch hier fruchtbares Land und kleine Bauernhöfe, die davon leben! Die Berge ringsum werden wieder äußerst farbenfroh und ich komme gar nicht mit dem Schauen und Fotografieren nach! Eine Haarnadelkurve reiht sich an die andere – manchmal können wir mehrere ‚Stockwerke’ unter uns erkennen!






Der Höhepunkt kommt jedoch kurz vor Purmamarca: Der ‚Berg der sieben Farben’! Es ist nicht zu fassen, was sich die Natur hier hat einfallen lassen!

Purmamarca ist mein heutiges Ziel – und auch das des jungen Mannes aus Deutschland. Wir bekommen noch einen Transfer nach Maimará, einem Örtchen ca. 30 km entfernt von hier, wo wir in einem kleinen Hotel angemeldet sind.
Der Ort hier besteht fast nur aus einem umfangreichen ‚Souvenirmarkt’ im gesamten Stadtzentrum! Auch hier werde ich in meiner Annahme bestätigt, dass das Meiste des hier Angebotenen aus China stammen muß – auch hier nämlich wieder die gleichen Artikel und selbst mit den gleichen Mustern wie überall! Zumindest ist das jedoch auch ein äußerst farbenfroher Anblick!
Rouven, so heißt mein ‚Begleiter’, möchte noch gern eine kleine Rundwanderung durch die farbigen Berge hier machen. Ich finde das auch eine gute Idee, wir können den Transfer auf ein wenig später legen und machen uns auf den Weg. Vorbei am örtlichen Friedhof voller kleiner ‚Totenhäuschen’ und voll mit vielfarbigen Dekorationen, geht es dann die Dorfstraße steil bergauf! Hier merke ich, dass wir immer noch auf über 2000m sind – ich bin extrem kurzatmig! Aber Ruven passt sich freundlicherweise meinem gezwungenermaßen jetzt sehr langsamen Tempo an und, vorbei an zahlreichen verschiedensten Hügeln und Felsformationen, kommen wir wohlbehalten auf dem höchsten Punkt des Wanderweges an! Rouven möchte noch einen kleinen Umweg über einen weiteren Berg machen – ich gehe schon mal voraus ins Dorf zurück! Abwärts geht es wie von alleine – es gibt einiges an dörflichem Leben zu sehen! Vorbei an einem überaus hübschen, der Landschaft hier angepasstem Hotel und der örtlichen Schule komme ich wieder wohlbehalten im Ortszentrum an! Ich habe noch Zeit, einigen Jungs beim ‚Schussern‘ zuzusehen, dann kommt Rouven auch schon hier an! Der Fahrer hat unser Gepäck schon mal vorsichtshalber in einem der örtlichen Hotels abgeladen – es macht zwar einen überaus netten Eindruck, aber wir wollen doch in das Haus in Maimará. Also alles wieder eingeladen und los – auf dem Weg fährt dann vor uns ein umgebauter Bully mit Berner Kennzeichen! Wohin es die Schweizer alle so verschlägt…

Bei der Ankunft großes Durcheinander – wir haben ‚Dinner included’ bezahlt, aber der Hotelbesitzer weiß davon nichts. Dummerweise hat auch die Köchin heute frei und wir scheinen die einzigen Gäste zu sein – zumindest die einzigen, die etwas zu essen möchten! Rouven verhandelt eine Weile (gut, dass er ziemlich gut Spanisch spricht!) und bekommt schon mal die Zusage, dass – im Falle, die Köchin kann nicht kommen – wir auch in einem anderen Restaurant essen könnten und wir den Preis dafür dann vom Hotel erstattet bekommen.
Aber Entwarnung – es soll um 8.30h Abendessen geben! Es ist dann eine Suppe aus der Schachtel, danach ein Lama-Schnitzel – sehr liebevoll dekoriert mit Tomatenscheiben und Salat, aber leider ziemlich zäh! Wir sind uns nicht sicher, ob der Wirt sich nicht selbst in die Küche gestellt hat und etwas überfordert war :-)!
Trotzdem haben wir einen sehr kurzweiligen Abend. Wie sich herausstellt, arbeitet Rouven für die LH in Frankfurt – da kann ich ihm gleich meine diversen Stories mit den LH- und Miles&More-Call Centern erzählen:-)! Aber darüber hinaus finden wir noch 1000 Dinge, über die wir uns austauschen können und im Nu ist es fast 11h! Der Wirt sitzt offenbar nur noch wegen uns vor dem Fernseher hier – also erlösen wir ihn und verschwinden in unsere Zimmer!

Donnerstag, 31.3.2011
Frühstück ist hier wie überall – zumindest gibt es aber frisch getoastetes Weißbrot und nicht nur Zwieback, wie sonst schon manchmal! Mal wieder ein „richtiges“ Frühstück haben – das ist eine der wenigen Sehnsüchte, die mich hin und wieder überfallen auf diesem Trip :-)!
Wir haben viel Zeit – wie sich herausstellt, soll unser Pickup erst um kurz nach 11h kommen und nicht, wie uns gesagt wurde, zwischen 10 und 10.30h. Wir beschließen daher, hier im Dorf noch einen kleinen Erkundungsgang einzulegen! Haben wir hier doch Gelegenheit, so richtig ins ‚Landleben’ reinzuschnuppern – Touristen und nach dazu ‚ausländische’ gibt es hier offenbar wirklich eher wenig! Um die Ecke von unserem Hotel ’stolpere‘ ich über einen R12 in dem gleichen Blau, wie unserer damals war – wer weiß, vielleicht ist er es sogar… Der ‚Felsenfriedhof’, der in vielen Reiseführern immer wieder erwähnt wird, steht heute Nachmittag auf unserem offiziellen Besichtiungsprogramm, daher verzichten wir jetzt darauf. Wir halten uns mal Richtung Fluß und können da schon so manches erleben, z.B. einen Straßenarbeiter, der mühsam mit Hacke und Schaufel ein Loch gegraben hat und jetzt Eimer für Eimer Wasser da heraus schöpft – ob da vielleicht ein Rohrbruch war? Am Fluß treffen wir schon einige Einheimische, die das Flussbett vom und zum Ort kreuzen. An seinem Ufer sind nämlich viele Felder angelegt – die angeschwemmten Sedimente sind offenbar ein fruchtbarer Boden! Es wird Gemüse angebaut, aber es gibt auch richtige ‚Blumenfelder’ hier! Die Bewässerung erinnert mich sehr an den Oman – auch hier wird das Wasser in kleinen Kanälen auf die einzelnen Felder verteilt!
Es finden sich auch jede Menge Ställe – für Ziegen (sogar eine mit ‚Maulkorb’ war da zu sehen!), Schweine, Esel und Pferde! Und sogar einen Friedhof finden wir – allerdings nur einen kleinen, direkt am Flussufer. Wir vermuten, dass das ein Familienfriedhof sein könnte. Beim Rückweg durch die kleinen Dorfstraßen sehen wir noch einen Papagei im Garten auf seiner Schaukel hängen und es kommen uns schon Schüler entgegen – haben wohl die erste Pause bereits verdient.
Auch durch diesen Ort ging früher eine Eisenbahn, Richtung Bolivien – den Bahnhof gibt es noch, auch noch einige alte Schienen, die heute als Wege und ‚Brückchen’ genutzt werden! Manchmal wird so eine Brücke über den Bach jedoch auch aus ganz einfachen Holzbohlen gelegt.
Nicht weit vom Bahnhof ist die „zentrale Markthalle“ von Maimará! Ein kleines Gebäude mit Platz für höchstens 2-3 Stände, aber es ist schon allerhand los hier. Daneben sind gleich die öffentlichen Duschen und Toiletten – eine wichtige Errungenschaft bei all den Häusern ohne besondere Sanitäranlagen! Vor der Markthalle haben sich zwei Frauen Stände aufgebaut, die allerhand für Haushalt und Vergnügen anbieten. Zu dem einen Stand gehören zwei kleine Mädchen, die inbrünstig mit ihrer ‚Baby Born’ (zumindest sieht die Puppe aus wie diese) spielen – ist wirklich süß, wie sie mit ihrem ‚Baby’ reden und spielen! In einem kleinen ‚Tante Emma Laden‘ nehme ich mir noch ein Wasser für den Tag mit – es ist wirklich erstaunlich, was hier alles im Angebot ist! Auch einen Blick in die örtliche „Spielhölle“ lassen wir uns nicht entgehen – alles voller Kinder und die Weihnachtsdeko noch an den Wänden…
Als wir um die letzte Ecke kommen, sehen wir, dass der Bus schon vor dem Hotel steht – es ist noch nicht einmal 11h! Schnell holen wir unser Gepäck, damit die anderen Gäste der Tour nicht zu lange warten müssen! Das französische Paar von gestern ist auch wieder dabei und dazu noch diverse andere Leute! Schnell haben wir das Dorf verlassen und befinden uns auf dem Weg durch die „Quebrada Humahuaca“, die Schlucht von Humahuaca! Auch sehr beeindruckend durch die vielen roten Felsformationen, aber nach dem Erlebnis von gestern nicht ganz so grandios wie ich mir es vorgestellt hatte! Viel interessanter finde ich die riesigen Flüsse, die die Straße kreuzen bzw. an deren Ufern wir entlang fahren! Wenn es regnet, muß hier die Hölle los sein – man kann das gut anhand der Größe der Flussbetten und der ausgespülten Uferränder erkennen! Ein kurzer Abstecher führt uns nach Tilcara – dort gibt es ein restauriertes Dorf einen Indio-Stammes zu sehen, der sich sehr erfolgreich über viele Jahrhunderte gegen die Vereinnahmung durch die Incas gewehrt hat – bis er sich dann der Übermacht der Spanier unterwerfen musste.

Tilcara ist ein hübsches, sauberes Städtchen – offenbar ein Ziel für viele Sommerurlauber! Es wimmelt nur so von Hotels und ‚Cabanas’-Anbietern sowie Restaurants! Als Eintrittspreis in den ‚Archäologischen Park’ wird mir ausnahmsweise nur das ‚Rentner-Ticket’ berechnet – und es gibt ein deutschsprachiges Faltblatt mit Erklärungen!!! Ich bin mehr als angenehm überrascht! Der Park ist jedoch etwas enttäuschend – alles neue Häuschen in kleinen ummauerten ‚Grundstücken’! Es gibt eine sog. ,Kirche’, was früher wohl eine Art Opferplatz war – Feinde wurden regelrecht ‚geschlachtet’ und dann, zur Erlangung von Kraft und Stärke, von den Stammesmitgliedern verzehrt – es gab wohl zahlreiche Knochenfunde davon, jedoch wurden keine Köpfe entdeckt! Was damit geschehen ist, weiß man bis jetzt noch nicht… Es gibt auch eine Pyramide auf dem Gipfel des Berges – die hat jedoch nur mittelbar mit der archäologischen Stätte zu tun! Sie ist zum Gedenken an die Männer aufgestellt worden, die diese Stätte hier wieder entdeckt haben und mit der Restaurierung anfingen! Im und rund um den Park haben sich zahllose ‚Cardones’ angesiedelt – überall ist man von den riesigen Kakteen umgeben!
Nicht mehr weit von Tilcara entfernt erreichen wir gegen Mittag schon Humahuaca! Auch das ein Städtchen, das eindeutig in der Hauptsache vom Tourismus lebt. Auf der Treppe zum Unabhängigkeitsdenkmal auf einem Hügel haben sich viele Stände mit Souvenirs angesiedelt, beim Aussteigen aus dem Bus werden wir gleich von ‚fliegenden Händlerinnen’ umringt, die hier vor allem Silberkettchen an die Frau oder den Mann bringen möchten! Auch rund um den typischen Dorfplatz mit seiner Grünanlage gibt es nichts anderes als Souvenirläden!
Wir werden von einem einheimischen Guide in Emfang genommen, der jedoch nur Spanisch spricht. Aber der erste Programmpunkt ist sowieso ‚Mittagessen’ in einem großen Touri-Lokal und das verstehe ich auch mit meinen rudimentären Spanisch-Kenntnissen! Das Lokal erinnert mich ein wenig an frühere ‚Butterfahrten’ – lange Tische, an denen die Gäste im Hauruck-Verfahren bedient werden! Das Essen ist nicht besonders gut, dafür aber ganz schön teuer!
An der anschließenden Führung nehme ich dann nicht teil, sondern entdecke das Städtchen auf eigene Faust! Viel gibt es nicht zu sehen, aber die kleinen Gassen sind ganz reizvoll und ich finde auch hier wieder einen Papagei! Als ich den fotografiert habe, kommt aus dem Laden die Besitzerin heraus geschossen und will 2 Pesos für das Fotografieren ihres Vogels haben!!! Ich zeige ihr nur einen Vogel und gehe weiter und sie verschwindet wieder in ihrem Laden. Gleich um die Ecke sehe ich von einer Einfahrt aus eine richtige Werkstatt, wo Wolle gesponnen und verwebt wird! Ich könnte mir einen Teppich aus Lamawolle nach meinen Mustervorstellungen und in den Farben, die ich möchte, anfertigen lassen – das würde eine Woche dauern! Hier gibt es witzigerweise keine der Farben, die sonst bei den ‚original’ Erzeugnissen so bleibt sind – es werden mehr Erdfarben neben Schwarz und Weiß angeboten!
Der zentrale Busbahnhof hier ist ein überraschend kleines Gebäude – das wundert mich ein wenig, fahren doch alle Busse aus Salta und Umgebung Richtung Bolivien über diesen Ort! Aber es steigen wahrscheinlich nicht so viele Leute hier ein oder aus. Gleich hinter dem Busbahnhof finde ich auch eine ‚Schule der Republik Bolivien’ – auf meine erstaunte Nachfrage erfahre ich jedoch, dass es sich schon um eine argentinische Schule handelt! Sie hat diesen Namen nur wegen „der Freundschaft mit unserem Nachbarstaat“! Direkt vor der Schule steht dann eine Art ‚Expeditionsfahrzeug’ mit Ulmer Kennzeichen (von einem Spezialanbieter für Südamerika-Reisen)…


Am vereinbarten Treffpunkt vor dem Rathaus schaue ich noch eine Weile dem Treiben um mich herum zu, ehe dann auch die übrigen Tour-Teilnehmer und unsere Reiseführerin wieder auftauchen und wir uns auf die Rückfahrt begeben! Leider ist es auch heute so wie gestern – „es wird nicht extra zum Fotografieren angehalten“! Das ist schon eine merkwürdige Einstellung den zahlenden Gästen gegenüber!
Auch am Felsenfriedhof soll eigentlich nur vorbei gefahren werden und auch am ‚Wendekreis des Steinbocks’, den ich ja schon in Namibia und Australien ‚überfahren’ habe! Gegen beides wird allerdings lautstark, auch von anderen Gästen, protestiert und wir erreichen damit zwei kurze Sonderstopps! Leider reichen die wirklich nur für ein schnelles Foto – wir haben keine Zeit, uns den Friedhof vielleicht ein wenig genauer anzuschauen! Rouven und ich sind ziemlich ärgerlich – wir hatten uns beide für diese hochpreisigen Touren bei Movitruck bzw. Tastil entschieden, weil wir uns da mehr ‚Entdecker’-Feeling versprochen hatten – versprochen wurde das auch in den Broschüren und den Anpreisungen dieses Unternehmens. Es war aber wahrscheinlich genau der gleiche ‚Schnelldurchlauf’ wie auch bei den billigen Anbietern…
Nach der steilen Abfahrt ‚ins Tal’ landeten wir bald in San Salvador de Jujuy, wo wieder ein längerer Stopp eingelegt wurde – Zeit für Guide und Fahrer, gemütlich einen Kaffee zu trinken, zu sehen gab es dort nämlich nichts weiter!
Danach wurde es dann schnell dunkel – einen phänomenalen Sonnenuntergang konnte ich dann vom Busfenster aus fotografieren! Zumindest wurden wir jeweils vor unserer Unterkunft abgesetzt und ich fiel nur noch todmüde ins Bett!

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