Alaska – weit, wild, wunderbar!

ALASKA – auf diesen abgelegenen Staat in den USA bin ich am meisten gespannt! Er ist der größte unter seinen 50 Bundesgenossen. Bis zur Aufnahme als 49.Staat war das Texas – und die ‚Alaskians‘ sind stolz darauf, damals die Texaner weit hinter sich gelassen zu haben! Es ist ein weitestgehend ‚empty’/leeres Land. Auf den 1,7 Mio.qkm leben nur ein wenig mehr als 700 Tsd. EW! Zum Vergleich: In Deutschland sind es knapp 82 Mio.EW auf gerade mal einem Fünftel der Fläche! Dazu kommt, daß die meisten der Bewohner in den wenigen Städten zu finden sind, davon allein schon in der größten Stadt Anchorage etwa 300.000! Die Hauptstadt ist Juneau – wohl die einzige Landeshauptstadt der Welt, die nicht über Straßen zu erreichen ist! Juneau findet man nur per Boot oder Flugzeug!
Vielleicht ist das der Grund dafür, daß man in Alaska den Führerschein zwar erst mit 16 Jahren machen darf, seine Fluglizenz aber bereits mit 14 Jahren :-)! Alaska hat weltweit die größte Flugzeugdichte und viele der Familien dort haben neben Auto und Boot eben auch ein oder zwei kleine (Wasser-)flugzeuge auf/an dem Grundstück stehen! Überhaupt ist das gesamte Straßennetz in Alaska nicht einmal so groß, wie das im kleinsten amerikanischen Bundesstaat Rhode Island! Es gibt aber auch noch zwei Eisenbahnlininen und den ‚Alaska Marine Highway“, die ‚Wasser-Autobahn‘, die durch zahlreiche Fährverbindungen zwischen Alaska und Bellingham im nördlichsten Zipfel des Staates Washington bedient wird! Alaska hat 8 Nationalparks und 16 ‚Wildlife Refuges‘ und nennt 8 ‚National Monuments‘ sein eigen! 17 der 20 höchsten Berge der USA befinden sich hier. Es gibt reiche Vorkommen von Jade, Öl und auch Kohle – letztere wird vor allem nach Korea und Japan zur Stromerzeugung exportiert! Der derzeitige Gouveneur von Alaska ist der Republikaner Sean Parnel, geboren in Kalifornien, aber schon mit 10 Jahren nach Alaska gezogen (worden), er ist seit 2009 als Nachfolger von Sarah Palin im Amt!
Ich bin ziemlich neugierig auf die kommenden 10 Tage in diesem fremden Land!

Sonntag, 14.August 2011

Heute bin ich genau seit 13 Monaten unterwegs – unglaublich, wie schnell diese lange Zeit vergangen ist! Und auch heute werde ich wieder einmal ‚unterwegs’ sein – mein Flug nach Alaska geht mittags und der Airport Shuttle holt mich um 10.30h ab.

Vorher sitzen Linda, Janice und ich jedoch noch bei einem ausgiebigen Frühstück im Garten zusammen! Linda hat aus dem übrig gebliebenen Gemüse 3 herrliche Gemüse-Omeletts gezaubert und wir lassen uns die und hinterher leckeres frisches Obst schmecken!
Der Shuttlebus steht dann doch schon um 10h vor der Tür – also schnell mein Gepäck aus dem Keller geholt und in den Kofferraum damit! Zwei schnelle Umarmungen und schwupps!, ist die schöne Zeit hier bei den Corbins auch schon wieder vorbei!
Auf dem Weg zum Flughafen holt der Shuttle noch ein Ehepaar aus Ohio in ihrem Hotel ab – sie sind gestern von einer Kreuzfahrt aus Alaska zurückgekommen (hatten überwiegend Regen!) und fliegen heute wieder in ihre hitzegeplagte Heimat! Sie fanden den Regen und das kühle Wetter im Norden ausgesprochen erholsam! Ich hoffe allerdings, dass es jetzt dort erst einmal schön sein wird!
Zwischen Stadt und Flughafen lacht mir über den Dächern plötzlich eine grüne Meerjungfrau entgegen – das scheint eindeutig das Hauptquartier von ‚Starbucks‘ zu sein!

Das Einchecken bei Continental geht heute -oh Wunder!- ohne irgendwelche Vorkommnisse über die Bühne – leider hatte ich gestern die Online-Eincheckfrist übersehen und als ich abends daran gedacht habe, waren keine Plätze zum Vorreservieren mehr frei! Jetzt habe ich einen Mittelplatz – aber es sind ja nur ein wenig mehr als 3 Stunden Flug! Mein Gepäck hatte ich gestern so gepackt, dass ich nur meinen Koffer aufgeben muß – bei Inlandsflügen kostet schon das erste Gepäckstück 25$, jedes weitere würde zusätzlich je 35$ kosten!

Auf dem Weg zum Gate fallen mir hier im Fußboden eingelassene Bronzefische auf! Ob die überall sind oder ob man damit schon einen Vorgeschmack auf die Lachse in Alaska bekommen soll?

Da der Flug total ausgebucht ist, wird am Abflug-Gate durchgegeben, dass man evtl. Gepäckstücke, die man an Bord nicht braucht, noch kurz vor dem Einsteigen abgeben kann – und das ist kostenlos! Schnell gebe ich meinen Rucksack noch ab und muß mich so nur um meine ‚Reise-Handtasche’ kümmern – 35$ gespart!
Der Flug vergeht ansonsten ganz gut – ich hatte nur mit Essen gerechnet, aber diesmal wieder Fehlanzeige, aber zumindest gab es zu trinken! Der Flug dauerte dann doch etwas mehr als 4 Stunden – Alaska liegt zeitmäßig eine Stunde hinter Seattle und der übrigen Westküste zurück :-)!
Beim Landeanflug in Anchorage kann ich sogar an meinem Sitznachbarn vorbei schnell ein paar Aufnahmen machen und schon setzen wir auf dem Rollfeld es ‚International Airport Anchorage’ auf. Der ist doch um einiges größer als ich dachte – neben seiner Bedeutung als Verkehrsflughafen ist er auch ein riesiger „hub“ für Transportflugzeuge wie UPS, FedEx und LHS von Asien zum amerikanischen Kontinent!

Wir sind etwas verspätet abgeflogen und hier auch angekommen – als ich aus dem Flughafen komme, steht mein ‚Abholer’ nicht wie vereinbart vor dem Ausgang. Da er mir aber geschrieben hat, dass er sich im Internet die aktuellen Flugzeiten anschauen will, weil die Flüge oft verspätet ankommen, gehe ich davon aus, dass er nicht lange auf sich warten läßt! Ich werde also die nächsten 9 Tage bei Jim Werner zu Gast sein – mit unserer Familie weder verwandt noch verschwägert, aber mehrmals als SERVAS-Gast schon bei uns in München gewesen. Seit seinem ersten Besuch bei uns lädt er uns regelmäßig ein, ihn doch auch einmal in Alaska zu besuchen – und voilá, hier bin ich nun :-)!

Jetzt biegt er auch schon um die Ecke – wie angekündigt, ein großer schwarzer Geländewagen mit einem großen roten ‚W’ an der Beifahrer-Tür! Auch von ihm erst ein erstauntes ‚ist das Dein ganzes Gepäck?’ und dann geht es bereits aus dem Airport-Gelände hinaus Richtung Osten!
Ich bin überrascht über die vielen Wasserflugzeuge hier – aber ist es ein Wunder bei den wenigen Straßen?

Das Auto wird dann vor seiner Garagentür geparkt – in die Garage kann man während der schneefreien Monate nicht hineinfahren, das ist nämlich Jims ‚Bierkeller’! Seit vielen Jahren braut er sein Bier selbst – „nach dem bayerischen Reinheitsgebot“! Inzwischen hat er fünf Sorten: Lager, Bayerisches Dunkel, Weißbier, Kölsch und Pils. Im ‚Keller’ sind an großen Kühlschränken anstelle der üblichen Wasser- und Eisspendern Zapfhähne angebracht und so müssen von den Gästen nur noch Wünsche geäußert werden…


Ich lege schnell mein Gepäck im Gästezimmer ab – ich werde im „Polar Bear Room“ schlafen! Ein Zimmer, ganz in hellblau und weiß gehalten und überall mit Eisbären versehen, sogar auf dem Bett liegt einer lang ausgestreckt!

Anschließend fahren wir gleich ein wenig hoch in die unmittelbar benachbarten Berge für einen kleinen Ausflug – das Wetter sieht gerade ein bißchen freundlich aus! Der Blick von dort oben ist wirklich beeindruckend – ganz Anchorage liegt mir zu Füßen :-)!

Wir beschließen, eine kurze Wanderung hinunter in ein Tal zu einem kleinen Bach und zurück zu machen – das Wetter ist einfach zu verlockend! Wir sind noch gar nicht weit gelaufen, da sehen wir einen Elchbullen am Waldes- (oder besser Gebüsch-)rand gemütlich grasen! Nicht zu fassen – kaum angekommen und schon ein Elch, in Schweden damals haben wir in 5 Wochen nicht einen zu Gesicht bekommen!

Von hier gäbe es unendlich viele verschiedene Wanderwege – entweder durch das ganze Kar langsam über den Gebirgspass bis nach Indian, einer kleinen Native-Siedlung am Fjord oder auf einen der zahlreichen Gipfel um uns herum! Überall sieht man die schmalen Pfade sich die Berge entlang ziehen! Aber es ist Abend, es ziehen sich jetzt auch schwarze Wolken zusammen (das Wetter kann hier rasend schnell wechseln!) und wir gehen langsam wieder zum Parkplatz zurück! Und jetzt sind an der Stelle von vorhin zwei Elchbullen zu sehen – der jüngere von vorhin und ein etwas älterer mit noch ausladenderem Geweih!

Sie sind jetzt nur etwa 50 m von uns entfernt, lassen sich aber überhaupt nicht weiter stören! Wir machen schnell ein paar Fotos und trollen uns dann auch wieder. Jim ist total begeistert – so vielen anderen seiner Gäste ging es ähnlich wie uns in Schweden, manche habe während des ganzen Aufenthalts gerade mal einen Elch gesehen und ich in den ersten zwei Stunden gleich zwei – unglaublich! Jetzt hoffe ich nur, dass ich auch noch ein paar Bären zu sehen bekommen werde!

Zuhause angekommen setzen wir und in die Küche und während ich erzählen muß, backt Jim frisches ‚Bierbrot’! Zum Teig gibt er einen ordentlichen Teil der Gerstenkörner, die beim Bierbrauen abfallen und auch ein wenig der Bierhefe! Das wird immer frisch nach jedem Braugang gebacken und dann eingefroren, damit er eine Weile Vorrat hat!

Zum Abendessen gibt es davon einige Scheiben – was für ein leckerer Genuß! Dazu tischt Jim eine luftgetrocknete Bergziegen-Salami auf, die ein Freund von ihm gemacht hat, und ein paar Käsesorten aus Wisconsin, die nach alten deutschen Rezepten hergestellt werden. Ich fühle mich fast ein wenig wie daheim an meinem Abendbrot-Tisch! Das Beste jedoch ist ein Stück geräucherter Lachs – so was Leckeres habe ich ja noch nie gegessen. Das kann man mit dem Lachs, den es bei uns gibt, überhaupt nicht vergleichen! Der hier wird erst ‚luftgetrocknet’, dann mit einer Honigmarinade eingestrichen und dann kalt geräuchert! Es ist ziemlich festes Fleisch, aber mit einem so wunderbaren Geschmack! Als Hauptgang gibt es ‚Moose-Steak’ – ebenfalls nur super! Und dazu ein Glas selbst gebrautes Hefe-Weißbier nach Weihenstephaner Rezept – bleibt hinter dem Original kaum zurück! Danach aber bin ich redlich müde und will nur noch in mein Bett – ein Blick auf die Uhr zeigt, dass es ja auch schon deutlich nach 10h ist (und draußen scheint noch die Sonne!)…

Montag, 15.August 2011

Heute ist Feiertag in München – und ich lege wieder mal einen ‚Faultag’ ein! Je länger ich unterwegs bin, desto öfter brauche ich so was – meine ‚Festplatte’ ist offenbar ganz schön voll geworden in den vergangenen Monaten!

Jim muß erst mittags in seine Praxis, also können wir noch gemütlich frühstücken und erzählen – und ich bekomme viele, viele Fotos zu sehen von seinen diversen Besuchen bei uns, aber auch sonst in Deutschland! Es ist ein sehr entspannter und gemütlicher Morgen, ehe sich Jim an seinen Schreibtisch setzt und ich an mein Notebook – ganz faul bin ich ja dann doch nicht! Mittags verschwindet Jim zu seiner Arbeit und für mich gibt es wieder mal ein kleines Mittagsschläfchen. Anschließend wandere ich mal zu meinem Freund ‚Fred Mayer’, wo es ja hoffentlich auch einen Starbucks geben wird – denn wo Starbucks ist, ist auch kostenloses W-Lan nicht weit 🙂 (Jim hat nämlich keins!). Ich kontrolliere schnell meine Mails und schreibe ein paar kurze Nachrichten, dann ist dieses Intermezzo hier auch schon wieder beendet!

Während ich so bei meinem Kaffee saß, kam mir die Idee, heute Abend mal zu kochen – Jim meinte heute Mittag, dass er erst so gegen 7.30h wieder da sein wird und da ist es ja nicht nötig, dass er dann erst wieder zu kochen anfangen muß! Ich habe plötzlich so richtig Lust auf Fleischpflanz’l! Da Jim alles gerne isst, was aus Deutschland kommt, vor allem die richtig deftigen Sachen, kann ich davon ausgehen, dass ihm das auch schmecken wird!

Ist ja eine ‚kleinere Übung’ für mich 🙂 – dachte ich! Gemischtes Hackfleisch gibt es nämlich nicht, also kaufe ich Rinderhack (vom Angus-Rind – man gönnt sich ja sonst nichts…), aber Schweinefleisch gibt es in seiner Naturform auch gerade nicht, um es durchdrehen zu lassen. Also greife ich kurz entschlossen auf ein paar rohe Bratwürste zurück, die aus Schweinehack gemacht sind! Auch das mit der Semmel ist nicht so einfach – die ‚rolls’ hier kann man vergessen – die sind für die gewollte ‚Auflockerung’ wirklich nicht geeignet. Sobald man sie in Wasser einweichen würde, lösen sie sich fast komplett darin auf! Also kauf ich hier noch eine grüne Gurke für richtigen Gurkensalat und ein paar Zweige Dill. Jim hat mir von einer holländischen Bäckerei ganz in der Nähe des Supermarktes erzählt und dort bekomme ich auch eine richtige Semmel – ich werde zwar etwas erstaunt gemustert, wegen der Einzahl, aber da stehe ich einfach mal drüber!

Jetzt nach Hause mit meinen Schätzen – auch während des kurzen Weges folgen mir immer wieder verstohlene Blicke! Zwei offenbar etwas schwerere Taschen und dann zu Fuß unterwegs – so ganz traut man so einer Person hier nicht über den Weg :-)!

Daheim bereite ich alles vor, so dass ich, wenn Jim dann ankommt, nur noch die Fleischpflanz’l braten muß und den Salat mischen. Bis er kommt, mache ich noch einen kleinen Rundgang durch seinen Garten – alles sieht proper aus und ist mehr oder weniger erntereif (die Äpfel brauchen vielleicht noch 1-2 Wochen, ehe sie reif zum Essen sind!


Jim freut sich sehr, dass er sich so völlig unvorbereitet an den gedeckten Tisch setzen kann und wie erwartet, schmeckt es ihm auch so richtig gut! Der Gurkensalat schmeckt wie bei seiner deutschen Oma selig…:-) Nach dem Essen muß ich seine zahlreichen Kochbücher mit deutschen Gerichten durchforsten nach dem Rezept für Fleischpflanz’l und werde auch wirklich fündig – zwar nicht als ‚Fleischpflanz’l’ sondern unter ‚Frikadelle’! Die Machart ist ja die gleiche und Jim ist das gerade recht – fiel ihm doch die Aussprache des bayerischen Schmankerls nicht gerade leicht :-)!

Heute mussten wir drin essen, weil es angefangen hat zu regnen – und so bleiben wir dann gleich am Esstisch sitzen für unsere abendliche Plauderei. Morgen hat Jim frei und eigentlich wollten wir mit seinem Freund Mike einen Ausflug zum Fischen machen – aber das Boot seines Freundes muß zur Reparatur. Bei dem Wetter wäre das ja auch nicht gerade kurzweilig gewesen – schon gar nicht für mich! Also beschließen wir, das Wetter morgen abzuwarten und dann zu entscheiden, was wir mit dem Tag anfangen werden! Ich bin überzeugt davon, dass es morgen schön sein wird (wie ja fast immer während meiner langen Reise) und Jim meint, wenn das der Fall wäre, würde er mit mir nach Seward fahren – soll eine ganz besonders schöne Strecke sein!

Der prächtige Sonnenuntergang sieht gut aus für morgen! Also schnell in unsere Betten – früh aufstehen ist morgen angesagt!

Dienstag, 16.August 2011

Als ich aufwache und zum Fenster hinaus schaue, lacht mich strahlend blauer Himmel an! Ich wusste es – es wird schönes Wetter heute! Schnell unter die Dusche und in meine Wanderhose – Jim hat oben schon meinen Tee aufgebrüht und Obst für mein Müsli klein geschnitten! Er ist wirklich ein rührend besorgter Gastgeber!
Er hadert aber ein wenig mit seinem ‚Schicksal’ – das wäre doch ein idealer Tag zum Fischen gewesen :-(! Ich bin klammheimlich ein wenig froh darüber, dass das Boot anderweitig ‚vergeben’ ist – den ganzen Tag im Boot sitzen oder in taillenhohen Gummistiefeln im Wasser herum stapfen (und wahrscheinlich nicht mal was zu fangen), das wäre vielleicht doch nicht so kurzweilig für mich gewesen (von den evtl. Moskitos mal ganz abgesehen)!
Vor der Abfahrt muß ich schnell noch von der Stehleiter aus einen Blick auf den Mount McKinley werfen,den mit knapp 6200m höchsten Berg Nordamerikas – dessen Spitze kann man heute bei dem klaren Wetter über den Dächern von Anchorage ganz gut erkennen!

Noch schnell ein paar Flaschen Wasser und Saft ins Auto und ab geht die Post. Wir wollen bis nach Seward im Süden der Kenai-Halbinsel und wieder zurück fahren – ein paar Abstecher von der Straße sind zusätzlich eingeplant! Ich habe keine Ahnung, wie lange wir unterwegs sein werden, aber eigentlich ist mir das auch egal – es ist so eine abwechslungsreiche Strecke, dass die Zeit gut vergehen wird!

Bei der Ausfahrt aus Anchorage kommen wir an einem riesigen Zelt vorbei, das ganz mit Bergen etc. bemalt ist! Das ist die große Driving Range der örtlichen Golf Clubs für den Winter – der dauert hier ja sehr lange! Ich habe mit August gerade noch die richtige Zeit erwischt – noch einigermaßen warm! Die Hauptsaison und damit der Sommer dauert hier von Ende Juni bis Ende August! Davor und danach ist es ein bis zwei Wochen Frühling bzw. Herbst – die Natur explodiert in einem einzigen Farbenrausch und der Rest ist Winter! Hier in Anchorage fällt über die ganzen 8 Monate gerechnet etwa 4 m Schnee – aber mit Taupausen dazwischen! Vom Meer gibt es immer wieder mal warme Stürme, ein bisschen wie in München der Föhn, und da taut schon zwischendurch immer mal einiges weg! Im Inland noch weiter im Norden sind es dann schon 8-10 m! Und die Eisbären kommen selbst hier in Anchorage bei strengen Wintern bis in die Stadt – die anderen Bären halten dann ja Winterschlaf! Während Herbst und Frühjahr aber verirrt sich schon auch mal der eine oder andere von denen in städtische Gefilde! Elche und Karibous dagegen laufen hier immer mal rum – Jim hatte deswegen seinen Garten eingezäunt, weil ihm diese ‚Monster’ immer seine kostbaren Kohlköpfe weg gefressen haben, die er jedes Jahr für Sauerkraut anbaut :-(! Inzwischen sind aber ringsum Häuser gebaut und da kommen sie nicht mehr so ohne weiteres an den Garten ran!
Das Zelt für die Driving Range ist deswegen bemalt, damit sie nicht ganz so störend wirkt hier – ein netter Ansatz und von weitem ist das Ganze wirklich nicht gleich als Zelt zu erkennen!

Weiter geht es an der Küste entlang! Auch hier gibt es überall Hinweisschilder „Tsunami Hazardous Zone“ – auch Alaska liegt ja am ‚Pazifischen Feuerring’ und die Erdbebengefahr ist hier genau so groß wie in Kalifornien oder Chile, wie in Japan oder Neuseeland! Das letzte große Erdbeben war 1964 und hat das damalige Anchorage fast vollständig zerstört! Ich hoffe nur, dass auch mein Aufenthalt hier ohne weitere Probleme verläuft…

Schon von Küstenstraße aus kann man immer wieder mal einen Blick auf die hohen Berge der ‚Alaska Range’ erhaschen, die komplett mit Schnee bzw. Gletschern bedeckt sind. Die werden heute nicht unser Ziel sein – dazu sind sie zu weit weg. Aber auch die näher gelegenen tragen noch Schneehäubchen (obwohl sie alle nur zwischen 1600 und 1800 m hoch sind) und zwei Gletscher wollen wir heute auch anfahren!

Das Wasser im tief eingeschnittenen Fjord, an dem wir entlang fahren, scheint zu kochen – die Flut kommt und das mit Macht! Der Höhenunterschied zwischen Ebbe und Flut beträgt hier bis zu 10 Meter – einer der höchsten der Welt! Wenn es auf dem offenen Meer richtig stürmisch ist, kann die Flut hier in dem relativ schmalen Fjord eine bis zu 4 m hohe Welle vor sich herschieben, wie ein kleiner Tsunami!

Am anderen Ufer können wir bald die wenigen Häuser von ‚Hope’ erkennen, einer kleinen Siedlung, die per Straße etwa 150 km von Anchorage entfernt ist, obwohl der Fjord hier nur etwa 2 km breit ist. Da es jedoch keine Brücke gibt, muß man fast um den gesamten Fjord herum fahren, um dorthin zu gelangen!
Es gibt immer wieder schwere Zwischenfälle, weil manche bei Ebbe versuchen, zu Fuß über die „trocken liegende“ Bucht hinüber zu marschieren, dann einsinken und sich nicht mehr selbst befreien können. Wenn es ihnen gelingt, Hilfe herbei zu rufen oder sie zufällig jemand bemerkt, werden sie per Hubschrauber befreit – aber es gibt jedes Jahr wieder Todesfälle, weil es manche einfach nicht kapieren wollen oder können, dass es sich bei dem Boden hier um Schlick und nicht relativ festen Sandboden handelt und dass sich Schlick verhält wie Moor – je mehr man arbeitet, um sich zu befreien, desto tiefer wird man hinein gezogen!

An Rainbow und Indian vorbei, fast nicht zu erkennenden kleinen Siedlungen, erreichen wir bald Girdwood, wo wir eine erste kleine Pause einlegen! Von hier sind die schneebedeckten Berge schon sehr gut zu erkennen.

Kurz danach passieren wir den 20-Mile-River,der hier in den Fjord mündet – das wäre eigentlich das für heute vorgesehene Ziel zum Fischen gewesen! Wir aber fahren weiter, bis Portrage noch am Fjord entlang – dort gibt es eine Kaffeepause – und dann geht es ins Landesinnere! Die Straße windet sich in weiten Kehren die Berge hinauf.

An der Abzweigung nach Hope gibt es oberhalb eines (jetzt) kleinen plätschernden Flusses einen Aussichtsparkplatz. Wie reißend dieser Fluß im Frühjahr bzw. Anfang des Sommers sein mag, zeigen die zahlreichen großen Baumstämme, die überall am Flussufer bzw. Hang entlang liegen!
Auf dem Parkplatz gibt es einige Tafeln mit Erklärungen – das war früher für etwa 10 Jahre ein gefragtes Goldschürfer-Gebiet! Hierher hat es mehr Goldwäscher und –gräber gezogen als ins berühmte Klondike im hohen Norden Alaskas! Auch ein paar wenige Frauen waren darunter – eine davon kam mit 16 mit ihrem Ehemann hierher, half dem beim Goldschürfen, führte den Haushalt und zog drei Kinder groß! Man muß sich das vorstellen – in diesen Verhältnissen damals und das Klima war ja nicht anders und Mücken ohne Zahl, dazu die Umgebung von rauen Goldgräbern… Die Familie hat allerdings damals ihr Glück gemacht und gehörte schon nach wenigen Jahren zur Oberschicht! Trotz all dieser Strapazen hat diese Frau doch das (für damalige Verhältnisse) gesegnete Alter von fast 70 Jahren erreicht! Was für ein Leben!
Neben der jetzigen Straße sieht man auch noch die Brücke der alten Straße – ein äußerst schmaler Überweg, der jedoch noch bis vor etwa 1o Jahren in Betrieb war, ehe die heutige Straße gebaut wurde. Beim Weiterfahren kann man sich ständig in neue Ausblicke verlieren! Immer wieder kommen neue Berge ins Blickfeld, aber auch an viele Seen fahren wir entlang!

Vom Seward Highway biegen wir nach einigen Meilen ab zu einem kurzen Ausflug an den ‚Kenai Lake’! Ein See, der in einem unglaublichen Türkis leuchtet – es sieht aus, als ob jemand Farbe in das Wasser geschüttet hätte! In der kleinen Siedlung ‚Cooper Landing‘ machen wir eine kurze Pause und schauen den Fischern und Raftern in ihren Booten zu! Danach fahren wir wieder zurück auf den Highway, immer wieder schimmert dieses unglaubliche Türkis durch die Bäume und kommen neue Berge in Sicht! Der ‚Moose Pass’ wird überquert und dann geht es langsam wieder hinunter, bis wir am frühen Nachmittag in Seward, der kleinen Hafenstadt am Golf von Alaska ankommen!


Hier machen wir einen Spaziergang durchs Örtchen und bummeln durch einen großen Andenken-Laden – schließlich brauche ich einen Aufkleber für meinen Koffer :-)! Am Strand entlang gehen wir bis zum anderen Ende der Ortschaft und dann wieder zurück zum Auto! Es gibt überall was zu sehen und zu entdecken – und wenn es nur Segelboote vor schneebedeckten Bergen sind!
Anschließend fahren wir nur ein kurzes Stück bis zu einer Lodge mitten im Wald, wo wir uns in dem angeschlossenen gemütlichen Restaurant ein kleines Mittagessen gönnen: Eine Schale ‚Chowder’ (eine dicke Fischsuppe) und einen kleinen Salat! So gestärkt fällt uns die kurze Fahrt zum ‚Exit Gletscher‘ und der Wanderweg von vielleicht 2 km ziemlich leicht!
Jetzt bin ich also sozusagen in Greifweite zu einem Gletscher – er ist zwar lange nicht so groß, wie die Patagonien waren, aber es ist ein erhebendes Gefühl, so nahe an diesem uralten Eisbrocken zu stehen! In den Gletscherspalten sprudeln zahlreiche Bäche mit Schmelzwasser – durch den intensiven Sonneschein heute sind sie wahrscheinlich noch ein wenig mehr angewachsen!
Auf dem Wanderweg hierher haben wir uns über immer wieder am Straßenrand aufgestellte Täfelchen gewundert – jetzt finden wir auf einer der großem Schautafeln am Wegesrand die Erklärung: Das sind die Punkte, wie weit der Gletscher sich in bestimmten Jahren zurück gezogen hat, in den letzten 10 Jahren fast soviel wie in den 40 Jahren davor!!!

Langsam gehen wir jetzt den steilen Weg hinunter und fahren von dieser kleinen Abzweigung zurück auf den Seward Highway! Auf dem Rückweg sieht die Gegend plötzlich wieder ganz anders aus und ich komme aus dem Schauen nicht heraus! In Primrose halten wir für eine Riesenportion Eis an (das war je eine ‚single’ Portion – da hätte normalerweise eine für zwei gereicht)! Aber Jim ist ein großer Eisfreund vor dem Herrn und er hat seine Portion längst vertilgt, als ich noch mit der ‚Schmelzsoße’ zu kämpfen habe :-)! Jetzt soll es ohne Stop zurück bis nach Hause gehen! Aber es dauert gar nicht lange, dann halten wir noch mal an – der ganze Straßenrand ist voller lilafarbenem‚Fireweed’ („Feuer-Unkraut“), bei uns Weidenröschen! Sie sind schon fast verblüht – ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Sommer bald wieder zu Ende sein wird. Aber im Moment sieht dieses rotlila Meer einfach zu schön aus!
Kurz vor Portage beschließt Jim, dass wir noch einen Schlenker zum gleichnamigen Gletscher machen – zumindest zu dem vorgelagerten See, vielleicht sehen wir ein paar Eisberge (der eigentliche Gletscher ist hinter einem Berg, aber für den Wanderweg dahin ist es einfach schon zu spät)! Tatsächlich schwimmt ein einzelner kleiner Eisberg am Seeufer entlang, aber am weit entfernten Seeufer nahe dem Gletscher schwimmen noch zahlreiche andere herum! Das Besucherzentrum hier hat heute schon geschlossen! Wir können jedoch auf den Treppen dahin sehen, dass dieser See nur äußerst selten so ruhig da liegt wie im Moment! Wie Jim mir erzählt, geht hier meist ein ordentlicher Sturm und dann fegt das Wasser über die Treppen hoch – die Überbleibsel davon liegen jetzt noch in den Treppenecken!

Auf dem Rückweg halten wir noch kurz an einem ‚Fish View’ an – einem Punkt, wo man die Lachse im glasklaren Wasser beobachten kann! Vor allem die intensiv himbeerroten ‚Sockeye Salmons’ sind gut zu erkennen – ich wusste bis heute nicht, dass diese Lachse auch außen rot sind!!!
Jetzt reißen wir uns aber wirklich los und legen das restliche Teilstück ohne weitere Pause zurück! Ich wundere mich, dass Jim noch so fit ist – wir haben immerhin die ‚Kleinigkeit’ von etwa 600 km hinter uns! Aber was für ein Tag – immer um die 25 Grad, total unüblich für diese Jahreszeit, und ständig strahlender Sonnenschein! Jim murmelt was von ‚wenn Engel reisen’ in seinen (nicht mehr vorhandenen) Bart und wir kommen zwar müde, aber gut gelaunt wieder zu Hause an! Hier gibt es nur noch schnell die Überbleibsel von den letzten beiden Tagen zum Abendessen – mit Jims herrlichem selbstgebackenen ‚Bierbrot’, wir schauen noch einem grandiosen Sonnenuntergang zu (um ½ 11 Uhr nachts!) und dann fallen wir todmüde in unsere Betten!

Mittwoch, 17.August 2011

Ich werde von lautem Geplätscher geweckt – es regnet draußen wie aus Kübeln! Jim muß heute Vormittag zur Arbeit fahren, er hat einige ‚apointments’ im Lauf des Tages! Ich beschließe, den ganzen Tag daheim zu bleiben – bei so einem Wetter schickt man ja keinen Hund vor die Tür!

Mittags hört es jedoch zu regnen auf und es läßt sich sogar ein wenig blauer Himmel sehen! Ich packe also mein Notebook und wandere das kurze Stück zu ‚Fred’ bzw. zu Starbucks – Kaffee trinken und Blog auffrischen. Ich mach es mir gemütlich und lade endlich wieder ein paar die dazu gehörigen Fotos in meine Webseite hoch. Ein richtig schlechtes Gewissen habe ich manchmal, dass ich soweit zurück bin – aber es gibt halt immer soviel zu tun und zu sehen! Und wenn ich privat unterkomme, will ich halt auch nicht abends hinter dem Computer verschwinden, sondern mich lieber mit meinen Gastgebern unterhalten!

Ich kaufe danach noch zwei Flaschen Wein für uns (muß auch meinen Ausweis hier vorlegen – unter viel Gelächter – ‚it’s law’!) und schlendere wieder nach Hause. Der Himmel sieht so schlecht nicht aus, vielleicht ist es ja morgen wieder schönes Wetter!

Kurz nach mir kommt Jim auch nach Hause und fängt an, das Abendessen vorzubereiten. Er legt zwei Bearburger auf den Grill, ein paar dünne Zwiebelringe darauf und oben drüber eine Scheibe Käse. Während das im Grill gart, bereitet er noch eine große Schüssel Salat zu und schnippelt ein paar Kartoffeln klein für Bratkartoffeln! Was für ein köstliches Essen – und das erste Mal ein ‚Pflanz’l’ aus Bärenfleisch für mich! Hätte nie gedacht, dass das so gut schmeckt!

Dem Abendbrot angemessen zeigt mir Jim dann noch ein paar Fotos einer DVD, die er vor kurzem gemacht hat, als seine Schwester und Mann ihn besucht haben. Es gibt, etwa 1 Flugstunde entfernt, den McNeill-River. Dort finden sich jedes Jahr Massen von Bären ein, weil dieser Fluss mehr als dicht von Lachsen bevölkert ist – eine willkommene Gelegenheit für die Bären, ordentlich Winterspeck anzusetzen! Und das geht wie von selbst – manchmal stellen sie sich nur oberhalb einer Stromschnelle mit offenem Maul hin und schwupps, springt ein unvorsichtiger Lachs auf seiner Wanderung flussaufwärts da hinein! Muß das Schlaraffenland für Bären sein dort!
Dort können Menschen (eben auch Touristen) völlig unbehelligt bis fast auf Greifnähe an die Bären herankommen – Bären mögen Lachs offenbar lieber als Menschenfleisch und der ist im Übermaß vorhanden! Es sind herrliche Fotos, die Lust darauf machen, noch mal hierher zu kommen und dann aber schon im Juni oder Juli!

Das war ja trotz allem ein richtig schöner Tag heute und hoch zufrieden schlafe ich in meinem gemütlichen Bett ein!

Donnerstag, 18.August 2011

Das Wetter sieht zwar nicht gerade viel versprechend aus, aber ich beschließe trotzdem, den Tag im ‚Heritage Center’ zu verbringen.
Ich mische mir schnell mein bereits wieder vorbereitetes Müsli und mach mir einen Tee, denn Jim muß heute schon vormittags arbeiten und kann mich im Vorbeifahren am Heritage Center ausladen.
Auch hier bekomme ich wieder einen Senior Discount – immerhin sind es hier 7$ weniger! Das läppert sich doch mit der Zeit!
Es gibt einige Vorführungen von verschiedenen Stämmen hier aus der Gegend in einem ‚Amphitheater’ im Inneren des großen Gebäudes. Dann eine kleine Ausstellung mit ein paar typischen Eigenheiten jeden Stammes. Es gibt einen großen Theater- und Kinosaal, wo manchmal Dokumentarfilme gezeigt werden – leider gibt es dafür heute überhaupt keinen Programmpunkt! Aber das Wichtigste sind einige ganz typische Häuser der Stämme, die vor dem großen Gebäude rund um einen kleinen See gebaut worden sind!
Ich schaue erst mal bei einigen Vorführungen zu – es werden ein paar besondere Sportarten der Natives gezeigt – die stets etwas mit Gleichgewicht halten können und Gelenkigkeit zu tun hatten. Beides unabdingbar für das Fischen mit kleinen Booten oder von Eisschollen aus! Auch einige traditionelle Tänze und Lieder kommen zur Darbietung. Die Kleidung der Natives ist interessant – sie sieht schon ein wenig nach Inuit-/Eskimo-Art aus!
Da es draußen noch trocken ist, will ich erst einmal meinen Rundgang durch die verschiedenen Häuser machen – wer weiß, wie lange das Wetter noch hält.
Das erste der Häuser ist ein ‚Clan House’ oder ‚Longhouse’. Das waren Versammlungshäuser, in denen der Rat des Stammes zusammen kam oder wo wichtige Zeremonien abgehalten wurden. Diese Häuser waren in der Regel aus Zedernstämmen gebaut (was man auch sofort riecht, wenn man so ein Haus betritt!) und hatten einen Eingangspfosten, an dem eindeutig zu erkennen war, welcher Stamm hier residierte! Die Stämme in Alaska haben alle einen Adler oder einen Raben in ihrem Identifizierungszeichen, nur ein Stamm hat noch den Orca oder den Wolf im Stammeszeichen.
Diese Stämme hier waren (und sind es teilweise noch heute) matriarchalisch orientiert – d.h. die Stammesabzeichen waren immer die des mütterlichem Stammes! Auch die Unterrichtung der Kinder erfolgte durch die Mütter, auch was das Jagen oder Fischen betraf! Dann als halbwüchsige Jugendliche begleiteten sie die Väter (und andere Männer des Stammes) bei der Jagd.
Vor diesem Haus liegen einige typische Kajaks, an denen man gut den Aufbau erkennen kann: Ein zierliches Gerüst aus Holz, das von einer Fischhaut umspannt war – leicht und wasserdicht! Auch Regenjacken wurden aus Fischhaut genäht und sogar die Fenster in den Häusern waren daraus – ähnlich wie in Europa früher Tierhäute/Pergament dafür verwendet wurden.

Das nächste ist eine Winter-Wohnhütte, die mich stark an die Hütten der Samen im Winterlager Arvidsjaur/Lappland erinnerte. Halb in den Boden gebaut und mit Erde und Grassoden bedeckt – das hält hier in den strengen Wintern gut warm. In diesen Häusern gab es übrigens keine Fenster – wäre ja auch unnötig, da es im Winter sowieso nicht lange hell ist. Außerdem wurden die kurzen Tage genutzt, um auf Fischfang und dgl. zu gehen, da war man sowieso draußen! Es gab jedoch ein Stück Fischhaut, das über den Rauchabzug gespannt wurde, um die ärgsten Regen- oder Schneefälle abzuhalten.
Vor diesem Haus liegt das Gerippe eines Grauwals und es ist eine Art Bogen aus zwei Rippen eines Buckelwals aufgebaut.


Das nächste Haus, das ich ansteuere, ist ein Gemeindehaus der Yupiks. Ein Haus, das gut für das Eindringen von Bären eingerichtet war: Es hatte nämlich einen Notausgang, der zu schmal für Bären war. Die Menschen konnten das Haus durch den verlassen, aber der Bär konnte ihnen nicht folgen, sondern war im Haus wie in einer Falle gefangen und war dann ein willkommenes Opfer für den Speisezettel – „wie Du mir, so ich Dir“!
Das nächste Haus ist ein Männerhaus eines anderen Stammes. Dort wohnten die Männer zusammen mit den ‚Ältesten’ und den Buben, die dem Kinderalter (meist zwischen 8 und 10 Jahren) entwachsen waren. Die Frauen und Mädchen hatten ein eigenes Haus. Beide Häuser wurden nach dem gleichen Prinzip gebaut – um einen zentralen dicken Baumstamm wurde aus Schwemmholz und Gestrüpp eine Art Hausdach gebaut, das dann mit Grassoden, Heu und Erde abgedichtet und mit einer dicken Schicht davon bedeckt wurde! Rings um das Haus der Frauen waren nach dem gleichen Muster mehrere kleinere solche Häuser gebaut, die als Vorratsräume dienten.
Auch bei diesen Häusern hier dienten abgeschabte Seehundhaut oder auch die gereinigten Innereien von Walrössern als Abdichtung für die Tageslicht-Öffnungen.
Der Athabascan-Stamm nutzte richtige Blockhäuser, die zwischen den einzelnen Stämmen mit Moos und Schlamm abgedichtet wurden! Hier war neben dem Familienhaus ein kleines Häuschen auf einer Art Hochstand als Vorratshaus gebaut, das jedoch keine Abdichtung zwischen den einzelnen Balken hatte! Zum einen waren dort die Vorräte vor Tieren sicher, zum anderen war alles kühl und durch die Zwischenräume der Balken konnte immer Luft zirkulieren, was für die Haltbarkeit von Fleisch und Fisch wichtig war!

Alle diese Häuser hier waren Winterhäuser! Im Sommer waren die Familien mit Zelten aus Robbenhaut unterwegs, um Beeren, Körner und dgl. zu sammeln, zu jagen und zu fischen – für die Ernährung des Stammes und für die Wintervorräte. Es wurden auch bestimmte Kräuter, Wurzeln, Beeren und Blätter zusammen getragen, die gegen mannigfaltige Krankheiten zum Einsatz kamen. Aus Gräsern und Rinden wurden kunstvoll Körbe geflochten, die zum Transport und zur Aufbewahrung dieser Vorräte dienten. Es gab auch eine sog. ‚Fisch-Mühle’ – ein Gerät aus einem Holzrahmen und ursprünglich Binsengeflecht (später wurde dafür feiner Maschendraht verwendet) wurde während der Lachswanderung in einen Fluß gestellt und gedreht und damit die Fische einfach aus dem Wasser in einen bereit gestellten Korb befördert! Praktisch, oder?

Hinter dem kleinen ‚Dorf’ ist das Zelt des mehrmaligen Siegers des alljährlichen Wettbewerbs „Iditarod“, des großen Schlittenhunde-Rennens quer durch Alaska, aufgebaut. Darin und davor sind diverse Schlitten und Ausrüstungsgegenstände zu sehen, aber auch jede Menge Trophäen!

Um dieses Zelt herum ist jedoch eine riesige Anzahl von Schlittenhunden zugange. Manche in großen Maschendraht-Käfigen, ganz junge in einem Extra-Käfig und ein Gespann von 15 Hunden vor einem Wagen anstelle eines Schlittens.



Man kann solche Fahrten hier buchen. Offenbar ist das aber zu wenig für die Hunde – sie hängen in den Seilen, als wollten sie sagen „wann geht’s denn endlich los?“ Da sich offenbar keine Gäste einfinden, muß einer von dem Team eben alleine mit dem Wagen los – die Tiere brauchen ihre regelmäßige Bewegung!
Die jungen Hunde sind ausgesprochen reizend – die meisten zwischen 6 und 10 Wochen alt, spielen sie noch miteinander und sind absolut zutraulich zu fremden Menschen. Das sind die erwachsenen Tiere dann nämlich nicht mehr – sie sind absolut nur auf ihren ‚musher’ gepolt!

Zum Abschluss mache ich noch einen Rundgang durch das kleine angeschlossene Museum und dann will ich den Shuttlebus in die Stadt nehmen. Leider kommt der letzte für heute erst in 2 Stunden und der vorherige ist gerade weg. Also lasse ich mir ein Taxi rufen und bei der Fahrt in die Stadt bekomme ich von der netten Fahrerin gleich wieder ein paar zusätzliche Informationen über Stadt und Gepflogenheiten. Ich lasse mich am Bahnhof absetzen, da ich wegen einer Zugfahrt in den Denali Nationalpark fragen möchte.
Die gibt es zwar, ist aber relativ teuer. Der nette Beamte am Schalter gibt mir den Rat, lieber abzuwarten, wie das Wetter sich entwickelt. Jetzt ist fast schon Ende der Saison und die Züge nicht mehr ausgebucht – da kann ich auch kurzfristig noch ein Ticket kaufen.
Vom Bahnhof laufe ich in die Stadt und nehme von dort den Bus nach Hause! Als ich dort ankomme, ist der ‚Braumeister’ gerade damit beschäftigt, die letzten beiden Biere aus den Gärbehältern abzufüllen: Kölsch und Münchner Dunkel!

Danach gibt es Abendessen – Karibu-Steak vom Grill und Kartoffeln und Broccoli, lecker!!!

Jetzt habe ich wohl schon alle Spezialitäten Alaskas durchprobiert – bin gespannt, was sonst noch so auf den Tisch kommt!

Heute Abend sitzen wir noch eine ganze Weile zusammen und beratschlagen, wie meine nächsten Tage aussehen könnten. Leider ist die Wettervorhersage alles andere als gut – es soll noch bis Montag weiterregnen. Dann kann ich mir das Geld für die Zugfahrt in den Nationalpark sparen – so schade ich das finde! Ich hätte einfach zu gerne auch einen Bären aus nächster Nähe gesehen. Aber Jim rät mir auch ab – ich brauche ja auch noch zusätzlich eine Übernachtung im Park, weil der Zug zurück erst am nächsten Morgen fährt. Ich muß einfach noch mal kommen und so einen Ausflug dann machen! Außerdem habe ich auch gar nicht mehr soviel Zeit – am Samstagabend bin ich bei Freunden mit eingeladen zum großen ‚Salmon Contest’ (welcher schmeckt besser?) und am Montag geht ja schon meine Fähre nach Vancouver. Jim rät mir, dann lieber mit dem Zug nach Whittier, dem Fährhafen zu fahren und dort erst die „26-Glacier-Cruise“ mit dem Schiff zu machen, ehe ich spät abends auf der Fähre einchecke.
Genau, das ist ein guter Tipp – dann bin ich morgen, Samstag und Sonntag noch hier und habe noch ein wenig Zeit mit Jim zusammen.

Ziemlich müde verschwinde ich bald im Bett – es ist zwar noch ziemlich hell draußen (trotz inzwischen wieder beständigem Regen :-(), aber es ist doch schon wieder kurz vor 10h.

Freitag, 19.August 2011

Heute Morgen hat Jim schon zum Frühstück Kuchen gebacken! Trotz meiner Abneigung für ‚süßes Frühstück’ muss ich hier natürlich zugreifen :-)!
Gleich danach steige ich mit ihm ins Auto – auf dem Weg zur Arbeit nimmt er mich mit in die Stadt und setzt mich vor dem ‚Alaska Experience Theatre‘ ab. Dort gibt es eine Dokumentation über ‚Nordlichter’. Leider ist für eine ‚Live Vorführung‘ im Moment die falsche Jahreszeit – es ist zu lange hell hier. Aber Jim meint, diese Dokumentation wäre zumindest ein kleiner Ersatz!
Wirklich toll gemacht – einigermaßen beeindruckt verlasse ich den Kinosaal. Aber eigentlich bin ich jetzt noch mehr enttäuscht, dass ich es nicht in natura sehen kann – es muß einfach gigantisch sein!

Nach diesem schönen Erlebnis gehe ich durch die Stadt zum Besucherzentrum. Überall sind verschwenderisch Blumen angepflanzt. In Hängeampeln, in Blumenkübeln und auf Freiflächen – alles ist voller Farbe! Wahrscheinlich braucht man das hier auch – bei dem vielen Regen!




Vor dem Visitor Center fährt eine kleine Sightseeing-Tram ab. Da es inzwischen wieder regnet, werde ich das für ein wenig „Stadt anschauen im Trockenen“ nutzen. Von unserer Chauffeurin (und gleichzeitig guide) bekommen wir auch viele Informationen über das schwere Erdbeben 1986, bei dem fast die ganze Stadt komplett zerstört wurde. Wie durch ein Wunder kamen dabei nur 131 Menschen ums Leben. Das hing zum größten Teil damit zusammen, dass das Beben am Karfreitag nachmittag stattfand und alle Büros und Schulen leer standen. Es war z.B. das jährliche große Schüler-Basketball-Turnier in einem der Schulzentren angesagt. Dazu wurden normalerweise in der großen Sporthalle immer 800-1000 Zuschauer erwartet. Der örtliche Pfarrer hatte dagegen gewettert, weil sich so was für einen Karfreitag nicht gehört. Widerstrebend wurde dem nachgegeben und das große Spiel auf den folgenden Montag verlegt. Die Sporthalle ist komplett mit einem Riesen-Erdrutsch ins Meer gerutscht – viele Überlebende hätte es da nicht gegeben…
Es gab aber auch Dramen in den Siedlungen mit kleinen Häusern. So hatte z.B. eine Nachbarin unserer Fahrerin ihre drei kleinen Kinder (ein paar Wochen alte Zwillinge und einen 2-jährigen) unter der Aufsicht ihres 12-jährigen Sohnes gelassen, um schnell in den benachbarten Laden zum Einkaufen zu gehen. Als das Erdbeben begann, hat sich der Junge je einen Zwilling unter den Arm geklemmt und hat sie der Mutter übergeben, die natürlich aus dem Geschäft geschossen kam! Er lief zurück, um den kleinen Bruder zu holen. In dem Moment tat sich die Erde auf, das Haus mitsamt den beiden Kindern verschwand in einem tiefen Spalt und die Erde schloss sich über ihnen wieder! Zahlreiche Opfer sind so ums Leben gekommen oder wurden durch Erdlawinen in ihren Häusern begraben. Ich bin ja immer erstaunt, dass die Menschen an so einem Ort unverzagt an den Wiederaufbau gehen und weiter dort leben…

Wir erfahren auch, dass Anchorage ursprünglich zum größten Teil von Immigranten aus Minnesota, viele davon deutschstämmig, besiedelt wurde. Sie bekamen nach einer Hungersnot in ihrem Bundesstaat hier von der amerikanischen Regierung Land geschenkt, um überleben zu können. Das haben sie sehr erfolgreich urbar gemacht und gute Erträge erwirtschaftet.
So haben die einflussreichsten (und auch sonst reichsten) Familien hier in Anchorage fast alle ihre Wurzeln im Mittelwesten der USA.

Alaska fördert übrigens einen großen Teil der Kohle, die zur Stromerzeugung in Japan und Süd-Korea genutzt wird. Das ist einer der wichtigsten Einnahmequellen hier.

Nach diesem langen Vormittag mit einer Menge Hintergrundinformationen habe ich mir einen Lunch verdient. Ich gehe in ein kleines Bistro und dort gibt es Königskrabben-Beine! Die muß ich unbedingt auch mal versuchen! Das Fleisch darin schmeckt wie Hummer oder Languste und ist mit dem dazu servierten Salat ein schönes leichtes Mittagessen!

Nach dem Essen überlege ich, ob ich gleich nach Hause fahre (es regnet immer noch ziemlich heftig!) oder noch ins ‚Anchorage Museum‘ gehe – es soll sehr schöne Ausstellungen dort haben. Na gut – Jim hat mir ja einen Schirm mitgegeben – also auf ins Museum, dort ist es zumindest trocken. Leider ist der Eintritt ziemlich hoch und es ist nur noch eine gute halbe Stunde geöffnet. Das muß dann doch nicht sein – ich falle also nur in den Museumsshop ein. Es gibt viele sehr schöne Dinge dort – ich beherrsche mich jedoch schweren Herzens. Zum einen habe ich keinen Platz in meinem Gepäck, zum anderen ist alles hier ziemlich teuer.

Auf dem Weg zurück zum Bus gehe ich schnell noch durch das Warenhaus von JC Penny – ich habe das Gefühl, ich brauche dringend noch einen wärmeren Pullover. Leider werde ich jedoch nicht fündig – na ja, vielleicht woanders.
Ich habe Glück, der Bus kommt gerade um die Ecke, als ich die Haltestelle erreiche. Es kostet für mich als Senior nur 75 Cent bis zu Jim, obwohl das doch eine ganze Zeit zu fahren ist.

Zuhause erwarten mich schon Käsecracker mit Wein als Aperitif und der Lachs wartet, dass er auf den Grill kann! Lecker, lecker – mit Bohnen und Wildreis! Ich werde hier verköstigt wie in einem Super-Restaurant!

Nach dem Essen sitzen wir heute noch lange vor dem Fernseher. Jim hat ein paar alte VHS-Kassetten digitalisieren lassen und jetzt schauen wir und gemeinsam das Ergebnis an: Jim mit Freunden bei stets strömendem Regen voller Begeisterung auf der der Karibu-Jagd! Es gibt halt kein schlechtes Wetter, Hauptsache, man hat die richtige Kleidung und den entsprechenden Spaß! Einfach köstlich – 4 erwachsene Männer wie kleine Jungs!

Samstag, 20.August 2011

Es regnet…! Werde heute den Tag also wohl wieder irgendwo in einem Museum oder dgl. verbringen:-(! Aber nach einem leckeren Frühstück, heute mit allem, was zu so einem Wochenend-Frühstück dazu gehört, fahren wir erst einmal in einen Laden für ‚Brauerei-Bedarf’ – Jim hat einiges dort zu besorgen! Sein ganz privates ‚Oktoberfest’, oder besser gesagt, das von seinem „Werner Bräu“ wirft seine Schatten voraus: Es müssen noch einige Sorten Bier angesetzt werden!
Es ist wirklich erstaunlich, wie er sich seine kleine ‚Brauerei’ eingerichtet hat! Sogar einen kleinen ‚Eiskeller’ unter dem Haus gibt es – dort herrscht sommers wie winters eine Temperatur zwischen 8 und 14 Grad! Es ist einfach ein Loch im Boden, zu dem er eine Art ‚Flaschenzug’ gebaut hat, mit dem er die großen Glasballons mit der angesetzten Maische hinunter läßt!
In dem riesigen Geschäft gibt es wirklich alles, was man sich nur vorstellen kann – was ich mir aber nie vorgestellt hätte! Verschiedene Getreidesorten, diverse Hefen aus aller Welt, Hopfenpellets (natürlich auch welche aus der Hallertau!) und natürlich alles Werkzeug, was ein richtiger Bierbrauer so braucht zum Brauen! Nicht zu vergessen natürlich, die Flaschen, Aufkleber, Verschlüsse etc. für das fertige Erzeugnis! Herrlich!


Der Regen hat während des Einkaufs aufgehört und Jim fährt hinterher mit mir zum samstäglichen Markt in der Stadt. Das ist ein Mittelding zwischen Farmers Market und großer ‚Fressmeile’! Es gibt von Obst und Gemüse über Honig und Backwaren hinaus auch noch jede Menge Kunsthandwerk und ähnliches in jeder Ausführung! Natürlich fehlen auch die diversen Souvenirs nicht – der Markt ist auch eine der Touristen-Attraktionen hier! Eine der Straßen ist nur mit Essensständen gepflastert und hier kann man sehen, woher die Bevölkerung von Anchorage so stammen mag – fast kein Land der Welt ist hier nicht vertreten mit irgendwelchen Spezialitäten!

Danach will ich mir eine Dokumentation über das große Erdbeben 1964 im ‚Federal Building’ anschauen! Leider komme ich dafür ein wenig zu spät – es laufen gerade die letzten Minuten! Dann halt nicht! Das Museum an sich ist auch interessant anzuschauen und zwei andere Dokumentationen erwarten mich: Einmal über die so abwechslungsreiche Tierwelt Alaskas und eine über den Goldrush und seine „Hauptdarsteller“! Beides sehr gut gemachte und spannende kleine Filme!
Für ein kleines Mittagessen falle ich bei Starbucks ein – es hat inzwischen wieder heftig angefangen zu regnen! Da macht auch das Herumlaufen keinen Spaß mehr und ich beschließe, doch wieder nach Hause zu fahren!
Leider haben die Busse samstags einen sehr ausgedünnten Fahrplan – ich muß fast eine Stunde am Busbahnhof warten :-(! Ich könnte Jim auch anrufen, aber er ist ja heute fest mit ‚Brauen’ beschäftigt! Eine Haltestelle früher steige ich aber aus und schaue bei ‚Fred’ nach einer kleinen Reisetasche – mein Gepäck wird langsam mehr! Und tatsächlich, ich finde eine passende – kann man auch auf den Koffer ‚aufsetzen’, so läßt sich das ganze leichter transportieren!

Als ich nach Hause komme, duftet es im ganzen Haus nach Kuchen – zwei Pies warten im Ofen darauf, dass sie fertig gebacken sind: Apple Rhubarb und Apple Peach! Rhabarber und Äpfel aus dem eigenen Garten!
Gerade, als sie aus dem Ofen geholt werden, kommt Besuch: Mike (der, mit dem der Angelausflug eigentlich geplant war) und seine Frau Florence stehen vor der Tür und wollen Lachs „liefern“! Wir probieren zusammen ein paar kleine ‚leftover pies’ zum Kaffee, dann verschwinden sie wieder – wir werden uns aber heute Abend alle wieder sehen! Wir sind nämlich alle bei Rick und Annie eingeladen – dort findet ein ‚Salmon Contest’ statt! Welche Sorte Lachs und in welcher Zubereitung (Rick und Mike konkurrieren hier!) findet die meiste Begeisterung bei den Gästen!

Wir haben auch Glück – kurz bevor wir aufbrechen, hört es zu regnen auf und kurz nachdem wir bei unseren Gastgebern ankommen, sind schon erste blaue Flecken am Himmel zu sehen! Wäre auch zu schade gewesen – bietet sich das Haus mit Umgebung doch geradezu für eine Gartenparty an! Es liegt ziemlich in der Wildnis an einem kleinen See (der mit 4 anderen Anliegern ‚geteilt’ wird! Sie haben es vor einigen Jahren gebraucht gekauft und sind gerade mitten im Umbau! Annie war deshalb etwas ‚afraid’, mich als total Fremde zu Gast zu haben – was sollte ich denken ob der Unordnung :-)!!! Aber zum einen ist es gar nicht so schlimm, wie die ‚Hausfrau’ einem weismachen will (wie eigentlich immer!) und zum anderen bin ich ja nicht hier, um eine Inspektion zu machen! „Aber die Deutschen sind doch immer sooo ordentlich!“ Aha, daher weht der Wind – ja, da bin ich aber froh, dass ich trotzdem mitkommen durfte :-)!

Auf der Terrasse stehen schon zwei Riesengrills bereit und Rick hat auch den im Wintergarten noch mal angefeuert! Das wird heute das letzte Mal sein – der kommt raus, weil die Entlüftung nicht gescheit funktioniert! Es gibt zwar einen Riesenabzug darüber, der ins Freie führt aber trotzdem ist das ganze Haus immer verqualmt, wenn der Grill benutzt wird!
Vorläufig halten wir alle uns erstmal an die köstlichen Vorspeisen, die anderen Besucher mitgebracht haben. Es sind inzwischen noch zwei Cousinen von Annie mit ihren Männern gekommen! Eine äußerst amüsante und kurzweilige Gesellschaft!

Der Garten ist eigentlich mehr ‚geordnete Wildnis’ mit Wald ringsum – deswegen gehören Schwarz-Bären und Elche zu den häufigen Besuchern, von Waschbären und Squirrels mal ganz abgesehen, die regelmäßig schauen kommen, ob etwas für sie abfällt! Ich bin offenbar im falschen Haus gelandet – obwohl, bei Jim haben ja früher auch Elche in seinem Garten gewildert! Annie hat ebenfalls einen Hausgarten, der durch hohe (Elektro-!!)-Zäune gesichert ist! Ansonsten würde von der ganzen Pracht nichts für sie bleiben – Rhabarber, Erbsen, Kartoffeln, Zucchini, Tomaten, Bohnen, Rote Rüben, Petersilie etc. etc. etc. würde den Wildtieren eben auch schmecken!
Es ist schon witzig hier im hohen Norden – alles ist gleichzeitig zu ernten, nicht fein aufgeteilt wie bei uns! Hier gibt es die Kartoffeln zusammen mit dem Rhabarber und die Erdbeeren zusammen mit den Bohnen usw.! Und man muß sich mit allem sputen, denn Anfang September kann es schon manchmal wieder den ersten Schnee geben!

Zusätzlich zum Lachs gibt es auch noch ‚richtige’ Steaks vom Grill! Es ist nicht zu fassen, welche Portionen zubereitet werden! Dazu gibt es eine Riesenschüssel Salat, dem aber eigentlich nur ich und Annie zusprechen – was allerseits zwar gelobt wird, aber für die anderen keinen Grund darstellt, auch zuzugreifen! Wie war das noch mal vor Jahren in dem Truck-Stop in Neu-England, als ich mehr als die Hälfte meines riesigen Steaks samt Bratkartoffeln zurück gehen lassen musste – gerade mal den Salat hatte ich ganz geschafft? Da wurde mir lakonisch gesagt „das kommt davon, wenn man soviel ‚rubbish’/’Müll’ isst – dann muß man die guten Sachen liegen lassen“! So wird das hier wohl auch verstanden:-)!
Der Lachs ist einfach super – wir können uns nicht auf einen Sieger einigen! Rick hatte seinen mit Sojasauce, Ingwer und Knoblauch gewürzt und Mike hat nur aromatisiertes Öl, auch Knoblauch und diverse Kräuter über ihn gestrichen! Zum Nachtisch gibt es dann die Pies von Jim – da streiken aber erst einmal alle! Wir machen stattdessen eine Garten-, Haus- und Grundstücks-Besichtigung zur Verdauung!

Danach gibt es Kaffee und Kuchen (und danach ist uns allen fast schlecht :-)!).
Zum Abschied werde ich ringsum aufgefordert, ja bald wieder einmal zu kommen – wenn nur Alaska nicht gar so weit von Deutschland weg wäre!!!

Sonntag, 21.August 2011

Heute ist also schon wieder mein letzter Tag hier bei Jim angebrochen! Je länger ich unterwegs bin, desto schneller scheint die Zeit dahin zu fliegen!
Habe lange geschlafen heute und oben steht schon mein Frühstück für mich bereit – Jim ist bereits beim Bierbrauen!
Ich fülle nach dem Frühstück noch mal eine Waschmaschine – ich weiß ja nicht, wie das die Tage auf dem Schiff aussehen wird mit den Möglichkeiten zu waschen!

Als Jim fürs erste alles geschafft hat und meine Wäsche aufgehängt bzw. im Trockner ist, fahren wir zu Walmart! Dort gibt es die echten „Ulus“ zu einigermaßen erschwinglichen Preisen! Ulus sind eine Art Wiegemesser, die von den Natives hier schon seit Urzeiten benutzt werden! Da gibt es natürlich große Preisunterschiede – je nachdem, ob sie hier in Alaska hergestellt werden oder aus China kommen. Witzigerweise gibt es in den üblichen Andenkenläden für ziemlich viel Geld meist nur die chinesische Ware! Die eigene wird oft nur in speziellen Kunstgewerbegeschäften sehr teuer angeboten! Bei Walmart hingegen gibt es beides – die chinesischen Messer für ein paar Dollar, die Alaska-Messer „für ein paar Dollar mehr“, aber immer noch erschwinglich! Hier kaufen eben die Einheimischen ihre Messer und das läuft dann nicht unter Souvenir, sondern unter Haushaltsgegenstand :-)! Zu den Messer gibt es auch noch gute Schneidebrettchen mit einer Vertiefung, in die die Schneide des Messers genau passt – so fällt das Schneidgut immer wieder Richtung Mittelpunkt und alles kommt im wahrsten Sinne ‚unters Messer’!

Da das Wetter nicht soooo schlecht aussieht heute (ich bin ja nicht mehr verwöhnt!), beschließe ich einen Besuch im Zoo von Anchorage, wo es Bisons, Grizzlies und sonst noch allerhand Tiere geben soll, die als verwaiste Jungtiere gefunden und dort groß gezogen wurden! Jim bringt mich schnell hin – er muß sich den Vorbereitungen fürs Abendessen widmen (Schweinebraten mit Sauer- und Blaukraut, Nachspeise Rhabarber-Erdbeerkuchen)!

Das war ein verkehrter Entschluss – der Zoo ist mehr als enttäuschend! Obwohl Alaska und auch Anchorage endlose freie Flächen haben, haben die Tiere hier extrem wenig Raum zur Verfügung! Es ist ein Jammer, wenn man eine Karibu-Herde sieht, die ja normalerweise endlose Wanderungen durch die Tundra unternimmt, die auf einer Fläche von vielleicht 300 qm untergebracht ist! Auch die Bären (Schwarz- und Grizzlybären) sind in kleinen Gehegen und die Bisons ebenso! Was für eine Qual das für diese Tiere sein muß! Das spreche ich auch bei einem der Zoomitarbeiter an! Die Antwort ist „wenn sie mehr Platz haben, verstecken sie sich nur und die Besucher können sie dann nicht sehen!“ Aha – das Vergnügen steht also vor der Würde der Tiere :-(, was für ein Unsinn!




Der Besuch zum Lunch im ‚Zoo Café’ macht meine bisherigen Eindrücke nicht besser – auch hier geht es mehr als lieblos zu! Und als ‚Lunch’ werden nur Hot Dogs angeboten – allerdings ist das nur ein Würstchen in einer Semmel mit ein wenig Ketchup und ‚Nachos’ (die üblichen Nacho-Chips aus der Tüte) mit einer fertigen ekelhaften „Käse-Sauce“, die bei näherem Hinsehen überhaupt keinen Käse enthält! Die Zutaten-Liste enthält verschiedene Stärkepulver, Fett und Salz, dazu jede Menge ‚artificial’/künstliche Aromen und Geschmacksverstärker! Und das für die Familien mit kleinen Kindern, die hier mehrheitlich unterwegs sind!

Es fängt auch wieder an zu regnen und ich begebe mich schnell zum Ausgang. Ich soll Jim anrufen, damit er mich wieder abholen kommt (es gibt keinen Bus hierher!). Ich habe jedoch mein Handy gar nicht mit und muß an der Rezeption jemand um den Anruf bitten – Jim ist jedoch nicht zu erreichen! Als ich jedoch wieder aus dem Haus komme, kommt er mir gerade entgegen – er hat sich schon gedacht, dass ich beim Regen genug vom Zoobesuch haben werde!
Daheim duftet es schon verführerisch – es werden heute Gäste hier erwartet. Eine Familie von drei Personen kommt zu Besuch, die lange Zeit in Deutschland und in Bad Tölz gewohnt haben (US-Army!) – ein anderer Mike und Erica! Sie will die Kartoffelknödel zum Braten mitbringen!

Da ich im Moment nichts helfen kann (Jim fängt gerade mit dem Kuchen für die Nachspeise an), verschwinde ich in meine ‚Räumlichkeiten’, um meine Habseligkeiten alle in den vorhandenen Gepäckstücken unterzubringen! Von Jim bekomme ich zum Abschied noch einen Bildband über Alaska, damit ich meiner Familie zeigen kann, wie schön es hier ist, wenn es nicht regnet – er ist einfach ein ganz Lieber!

Der Besuch bringt wieder geräucherten Lachs mit – diesmal extra für mich zum Mitnehmen für die nächsten Tage auf dem Schiff oder in Kanada! Jim schweißt den ein, damit er sich hält und verstaut ihn erstmal in der Gefriertruhe!

Leider sind die Kartoffelknödel heute misslungen – wir alle sehen großzügig darüber hinweg, aber Erica ist kreuzunglücklich! Gerade heute, wenn ein Gast aus Bayern zu Besuch ist :-)! Der Wein und das Bier zum Essen tun aber das Ihrige, dass sie sich bald über ihr Mißgeschick beruhigt – alles übrige hat mehr als vorzüglich geschmeckt (ich freue mich aber trotzdem schon wieder auf einen echten ‚bayerischen Krustenbraten’ 🙂 nach meiner Rückkehr)!

Es ist so ungewohnt, wenn der Besuch nach dem Abendessen wieder aufbricht, wenn es draußen noch hell ist! Aber es ist doch schon nach 10h und die Tochter muß ins Bett – morgen ist schließlich Schule (die Ferien sind seit letztem Donnerstag vorbei!)! Aber auch wir Erwachsene haben alle unsere ‚Pflichten’ vor uns!

Nach einem schnellen gemeinsamen Aufräumen zögern auch wir das Zubett-Gehen nicht mehr lange hinaus – mein Zug nach Whittier geht schon morgen früh um 8.15h, also muß ich bereits um 7h am Bahnhof sein!

Eine Antwort zu Alaska – weit, wild, wunderbar!

  1. Helga schreibt:

    liebe Christine,
    kann mir gut vorstellen, dass Deine „Festplatte“ langsam aber sicher voll wird. Du stellst Dich ständig auf neue Menschen und Kulturen ein, hältst alles in Bildern fest und bearbeitest Deine Erlebnisse mit sehr interessanten Texten- bietest uns Zusehern eine tolle Reisereportage- da steckt doch eine Menge wacher Geist und Arbeit dahinter. Bewunderung verdient Dein Mut, alles im Alleingang zu unternehmen. Wünsche Dir noch eine schöne Zeit bis zu Deiner Rückkunft.
    liebe Grüße aus Österreich
    Helga

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