Luederitz zum ersten…

23.7.10
Gestern abend konnte ich es gar nicht erwarten, in mein warmes Bett in meinem warmen Zimmer zu kommen! Ich kann einfach nicht glauben, dass das so etwas Schönes ist, wo ich doch normalerweise eine bekennende ‚Kaltschläferin’ war und bin! Aber jetzt habe ich mich vielleicht wieder richtig aufgewärmt – heute morgen jedenfalls fiel mir das frühe Aufstehen und das heiß-kalte Duschen überhaupt nicht schwer! Nach einem kurzen Frühstück ging es schon um halb acht bei wieder strahlendem Sonnenschein in den Hafen , eine Tour mit dem Segelschiff ‚SEDINA’ zu Pinguinen, Seehunden und Delphinen stand auf dem Plan! Leider wurde es mit dem Segeln nichts, zu wenig Wind – dafür war ich allerdings als einziger Gast an Bord, neben dem Skipper Chris (einem ehemaligen Diamantentaucher) und seinem ‚Helferlein’ Paulus! Paulus hatte das Boot im Griff und Chris konnte mir während der Fahrt viel über sich und seine Familie, über Namibia und seine guten und weniger guten Seiten, über seine beiden Jobs (Skipper/Guide einerseits und ‚Tischler’ andererseits) und sein großes Hobby Tierfotografie erzählen – von ihm erfuhr ich übrigens auch, dass es sich bei dem rätselhaften großen Vogel um Trappen handelt!
Es war zwar frisch auf dem Boot, aber ich hatte mich entsprechend ausgerüstet –Ijsselmeer-Erfahrungen halt! Und zwischendurch gab es von Paulus noch eine heiße Schokolade!
Für die Tiere schien es auch ein schöner Tag zu sein! Die Seehunde aalten sich faul in der Sonne auf ihren Felsen, die Pinguine spielten teils im Wasser, teils trieben sich am Ufer, vor allem in den verlassenen Häusern der früheren ‚Guano Company’, herum und die Delphine sprangen und schwammen auf dem ganzen Weg zurück neben unserem Boot herum und zeigten uns allerhand Kunststücke – Salti, eingedrehte Schrauben etc. etc., für alles hätten sie Ausführungsnoten von mind. 9,0 verdient ! Es ist hier übrigens eine spezielle Art von Delphinen mit schneeweißem Bauch und einer grau-schwarzen Zeichnung auf dem Rücken, die nur hier an diesem Küstenabschnitt vorkommt! Ein sehr gelungener Vormittag, den ich auf der Sonnen-Terrasse der ‚Waterkant’ beschloss!
Zum Lunch wanderte ich wieder zurück in den Hafen und anschließend in ein Internet-Café – die Internet-Verbindungen sind wirklich ein Problem in diesem Land!!! Ziemlich frustriert gab ich die Versuche, an meinem blog weiter zu schreiben, schnell wieder auf und erkundete stattdessen lieber die nähere Umgebung von Lüderitz. Der ‚Agate Strand’ war mir empfohlen worden – hier handelte es sich ausnahmsweise nicht um einen deutschen Namen sondern um Achate, die man dort angeblich finden kann! Aber wie finden, wenn man nicht mal weiß, wie diese Steine im Rohzustand aussehen? Also vielleicht lieber Muscheln suchen – war aber auch eher enttäuschend: Die Muschelvielfalt konnte sich bei weitem nicht mit der an den Küsten Omans messen! Die Größe der Miesmuscheln war jedoch beträchtlich – ich schätze mal, hier würden 8-10 reichen, um ein ordentliches Muschelessen zu haben! Es ist jedoch einer der breitesten ‚Strände’, die ich kenne – unmittelbar an Agate Beach anschließend beginnen nämlich die ersten Sanddünen der Wüste!
Auf den Salzwiesen zum und vom Strand ästen übrigens ganze Herden von Oryx-Antilopen und Springböcken – von weitem dachte ich, es wären Kälber, ich hätte nie mit so großen Herden Wild gerechnet! Auch ein kleiner Schwarm Flamingos war zu sehen.
Auf dem Weg zurück in die Stadt besuchte ich den Friedhof der schwarzen Bevölkerung, eine sehr anrührende Geschichte und doch nicht frei von Schmunzeln! Da der Boden hier der blanke Fels ist, müssen die Gräber mit dem Presslufthammer ausgehoben werden. Diese Felsbrocken werden dann verwendet, um die mit Sand aufgefüllten Gräber gegen das Aufgraben durch Tiere abzusichern! Zwischen diese Felsbrocken sind dann unzählige Papier- oder Plastik-Blumen ‚gepflanzt’! Zum Schmunzeln brachten mich dann einige der ‚Grabsteine’ bzw. die Verbindung von altdeutschen Vor- mit afrikanischen Nachnamen!

Ein Stück weiter dann der alte Friedhof, auf dem von den ersten Bewohnern bis heute vor allem deutsch-, buren- und englisch-stämmige Bewohner beigesetzt wurden! Ziemlich unwirklich auch das – Pauline Schulze oder Franz Kastlhuber auf einem afrikanischen Friedhof…
Jetzt am späten Nachmittag, war genau die richtige Zeit für einen Ausflug zu Diaz Point von der Landseite aus – hatte ich ja heute morgen schon von See aus gesehen! Der Platz, wo schon 1488 die ersten Europäer, Portugiesen nämlich, ihren Fuß auf dieses Stück Land gesetzt hatten (sie verzichteten jedoch ob der mehr als schlechten Gegebenheiten auf die Landnahme, das überließen sie dann etwa 350 Jahre später den Deutschen!), sollte doch super geeignet sein für einen spektakulären Sonnenuntergang! Da der Weg dorthin jedoch deutlich länger war, als ich angenommen hatte, habe ich es gerade so geschafft. Aber es hat sich gelohnt – oben auf der Klippe, unter dem Gedächtniskreuz, dem blutroten Ball beim Versinken im Meer zuzusehen – das hatte schon was! Aber immer wieder erstaunlich, dass dann kaum 20 Minuten danach schon wieder stockschwarze Nacht war!
Als Abendessen gab es heute im ‚Hotel Sperrgebiet’ (was für ein Name!) eine sehr leckere Fischplatte – zu meinem Leidwesen ist die Langusten-Saison leider längst vorbei!
Morgen steht ein tiefes Eintauchen ins deutsche Lüderitz bevor – einschießlich des Besuchs von ‚Kolmanskoppe’, der alten Diamantgräber-Geisterstadt!

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3 Antworten zu Luederitz zum ersten…

  1. Siggi schreibt:

    Ui – da war ich grad mal 3Tage in Deiner Heimatstadt München …
    und Du hast wieder so Vieles erlebt! Als Jenny und ich gestern Nachmittag wieder zu Hause waren,haben wir uns leckeren Kaffe gekocht ( Du weißt schon welchen ;o) und haben gemütlich Deine Berichte gelesen und die Bilder angeschaut. Da sind traumhaft schöne Fotos dabei! Die Kamera bereitet Dir sichtlich Freude.
    Wir warten schon gespannt auf Deine nächsten Erlebnisse :o)))

    Ganz liebe Sonntagsgrüße
    von der XJR-Krause-family

  2. mike schreibt:

    hi christine,
    ich verschlinge deine berichte geradezu. beneidenswert , was du in dieser kurzen zeit alles schon erleben konntest. mir scheint als wär´s du schon eine ewigkeit unterwegs.
    danke fürs berichten. hoffentlich geht das so weiter und du machst nicht schlapp.
    wieder klasse bilder. vielleicht findest du noch etwas diamantenstaub. wär doch ganz toll oder?
    bis zu nächsten mal. herzliche grüße mike

  3. Valeska schreibt:

    Liebe Christine,

    deine Berichte sind fantastisch!! Macht voll Spaß deinen Erlebnissen zu folgen!
    Unglaublich, was du schon alles erlebt hast. Weiter so!!! 🙂

    Viele lieben Grüße aus M,
    Valeska

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