Wo kommt die Muskatnuss eigentlich her?

15.8.10
Heute ist ein Tagesausflug zu einer Gewürzplantage angesagt! In einem Kleinbus drängen sich 13 Gäste, der Fahrer und der Guide – aber wie man an der Tür lesen kann, ist das Auto wirklich für 15 Mitfahrer genehmigt! Weder der Zustand der Straßen noch die Fahrweise des Chaffeurs machen die Fahrt zu einem ungetrübten Vergnügen! Aber aussteigen unterwegs geht ja schlecht!
Zu Anfang geht es durch Mukanzani – einem Stadtteil von Sansibar, der nach Ende der Revolution in 1964 von der damaligen DDR ganz neu gebaut wurde! Ein Plattenbau nach und hinter dem anderen – sieht absolut trostlos aus. Aber unser Fahrer, der dort wohnt, ist voll des Lobs! Immerhin gibt es Wasser in jedem Haus, eine Kanalisation und elektrisches Licht in allen Zimmern! Nicht zu übersehende Vorteile offenbar, wenn man die Lehmhütten- und Wellblech-Siedlungen sieht, die dann folgen!
Kilometerweit fahren wir an staatlichen Flächen vorbei, wo Pflanzen zu Forschungszwecken angebaut werden – entweder wird getestet, ob neue Pflanzen mit Klima und Boden zurecht kommen oder es wird an neuen Kreuzungen getestet, wie weit die sich besser gegen Schädlinge zur Wehr setzen können. Private Plantagen gehören oft noch einem ‚Produktionsverband’ – Überbleibsel aus den sozialistischen Zeiten oder einfache Notwendigkeit? Bei einem Halt auf freier Strecke werden Reis, Gemüse und Kokosnüsse an einen der Dorfbewohner übergeben – davon wird für uns heute Mittag das Essen gekocht!
Dann ist es jedoch nicht mehr weit bis zu den Gewürzen! Schon beim Aussteigen kommt uns ein verführerischer Duft in die Nase: Vanille + Zimt! Riecht ein bisschen wie Weihnachten! Ingwer, Curryblätter, Pfeffer und Turmarec folgen während unseres Rundgangs durch den jungen Teakholz-Wald, in dessen Schatten die Gewürze angebaut werden! Überall sind die Menschen auf den angrenzenden Feldern mit der Reisernte beschäftigt! Zwischendurch werden frische Früchte wie Jack Fruit , Mandarinen, Orangen und Malaysien Apples zum Probieren verteilt – ein Traum, so ganz frisch vom Baum gepflückt! Dann kommen Zitronengras, Cardamom, Nelken und endlich auch Muskatnüsse! Überraschenderweise sehen sie im Rohzustand aus wie gelbe Pflaumen, in deren relativ dickem Fruchtfleisch dann der Kern sitzt! Aber der ist noch überzogen von einem knallroten Geflecht, das eher wie Kunststoff als Natur aussieht – erst darunter sitzt die richtige Nuss! Aber auch das Rote wird zum Kochen verwendet, riecht ebenfalls ganz intensiv nach Muskat!
Aber trotz der überbordenden Vielfalt sind nach wie vor die Gewürznelken das Hauptexportgut von Sansibar – jedes Jahr werden etwa 1,2 Mio. Tonnen ausgeführt! Man muß sich diese Menge an so kleinen Nelken mal vorstellen – ehe die so gepflückt sind!
Es wird uns auch ‚Pili Pili Hoho’ gezeigt – die schärfsten Peperoncinis der Welt – werden sogar nach Mittelamerika exportiert! Eigentlich heißt Peperoncini auf Suaheli ‚Pili Pili’, diese besonders scharfe Abart hat jedoch als Verstärkung das ‚Hoho’ angehängt bekommen, das man unwillkürlich ausstößt, wenn etwas extrem scharf ist!
Ein paar junge Burschen begleiten uns und machen uns Armbänder, Ringe und Ketten aus Bananenblättern, auch kleine ‚Tüten’, in denen man sich die Gewürze sammeln kann und selbste eine „Brille“ für mich wird aus einem Agavenblatt ‚geschnitzt‘
Zum Abschluß bekommen wir noch Obst, das nicht auf unserem Weg lag – Pompelmo, Grapefruit, Tangarinen, Mandarinen und als besonderes Schmankerl auch Bitter-Orangen – zum Probieren!
Nach diesem langen Spaziergang haben wir uns ein typisches Sansibar-Mittagessen verdient: Pilaw Reis (mit wahrscheinlich allen Gewürzen, die wir heute gesehen haben!) mit Kokosnuss-Gemüse-Sauce und Spinat! Sehr lecker und – auch eine Erinnerung an den Oman – auf dem Boden sitzend verspeist!
Der Rest des Nachmittags gehört dem Strand – dachten wir uns so! Aber vorher müssen wir noch in eine tief im Boden liegende riesige Höhle absteigen! ‚Slave Cave’ – dort wurden früher die Sklaven ‚zwischengelagert’, wenn die Lagerräume im Hafen von Sansibar voll waren oder der Hafen geschlossen! Also erst die steilen Treppen hinunter in das dunkle Loch und dann wieder rauf – Sonne, türkisblaues Meer und weißer Sand ist sofort der doppelte Genuß!

Ziemlich müde geht dann die Rückfahrt, vorbei an weidenden Kühen im Gestrüpp über der Steilküste, vonstatten und ich will nur noch unter die Dusche und in mein Bett!

4 Antworten zu Wo kommt die Muskatnuss eigentlich her?

  1. Conny schreibt:

    Liebe Christine,
    gespannt lesen wir deine Berichte und freuen uns immer schon auf die nächsten. Endlich weiß ich jetzt wie ein Vanillebaum aussieht, aber auch die Verpackung der Muskatnus ist sehr interessant. Schön, daß du so eine tolle Agavenblattbrille bekommen hast und uns auch ein Foto von dir schickst.
    Wir wünschen dir noch viele schöne Tage auf Sansibar
    Conny & Rainer

    • grannyontour schreibt:

      Liebe Conny! Die Vanillepflanze ist kein Baum, sondern ein Parasit!!! Sie wächst wie ein Efeu an anderen Bäumen und mit den Jahren würgt sie diese Wirtsbäume dann auch ab…

  2. Mia schreibt:

    Ich wollte eigentlich wissen wo die Muskatnuss herkommt!

    • grannyontour schreibt:

      Ja, wenn Du den Artikel gelesen und nicht nur kommentiert hättest, wüßtest Du das! Ich habe es doch deutlich beschrieben – von der Insel Sansibar vor der Küste Tanzanias in Afrika! Ein besonderer Ort ist nebensächlich, weil dort überall, zwischen reichlich allen anderen Gewürzen, auch Muskatnüsse wachsen!
      Sie stammen ursprünglich von den nördlichen Molukken in Asien und kommen heute von dort, wie aber auch von anderen asiatischen, afrikanischen und südamerikanischen Ländern! Hauptexporteur ist inzwischen jedoch Grenada!
      So, nun weißt Du mehr…

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