Ankunft in ‚Tom Price‘

17.10.2010
Eine gar nicht mal sooo schlechte Nacht liegt hinter mir! Das Schlafen auf der Matratze im Auto war okay – nach Mitternacht war ziemlich Ruhe und trotz der hellen Beleuchtung bin ich erst morgens gegen 6h aufgewacht, als neben mir ein Auto hielt und eine ganze Gruppe junger Leute lautstark ausgestiegen ist!
Für eine kleine Katzenwäsche und Frühstück konnte ich McDonalds nutzen, frisches Eis für meine Kühlbox gab es beim örtlichen Supermarkt gleich nebenan! Und auch die Tankstelle lag direkt am Weg. Mich traf aber fast der Schlag, als ich die Preise sah – ein Liter unleaded kostete doch tatsächlich 1,59$ – der absolut höchste Preis bisher! Noch ein besserer Grund, nur 100 statt der erlaubten 110 zu fahren – wie ich festgestellt habe, brauche ich da mehr als einen Liter weniger auf 100 km!
So war ich schon früh auf der Straße Richtung Süden unterwegs! Die Tafel mit den Straßenzustandsberichten meldete ‚freie Fahrt’

hoffentlich bleibt das auch so bis Perth! Daß ich mich jetzt mit Riesenschritten dem Outback nähere, kann ich gut an den Verkehrsschildern erkennen – die Service-Stationen liegen immer weiter auseinander (aber noch in ausreichendem Abstand für einen vollen Tank!) und die ‚streunenden Tiere’ habe ich jetzt für den ganzen Tag vor mir!


Zu Anfang ist die Landschaft, die draußen vorbei zieht, noch ein wenig eintönig. Aber das dauert nicht lange – bald schon kann ich am Horizont die roten Berge der ‚Pilbara’ erkennen, der Region, in der ich mich die nächsten 4-5 Tage aufhalten werde!
Auch die großen Erzbergwerke dort kündigen sich bereits an – mir kommen jetzt weit mehr ‚Road Trains’ und Service-Fahrzeuge der Minen entgegen, als ‚normale’ Autos!
Ehe ich mich versehe, bin ich mitten drin – ordentlich große rote ‚Kiesel’ liegen überall herum! Wie der Sandkasten von Riesen-Kindern! Die Termitenhügel werden immer häufiger und höher – die jedoch sind merkwürdigerweise noch dunkelbraun wie Schokolade!


Auch viel mehr Rinder laufen jetzt neben oder auf der Straße herum. Manchmal findet sich auch ein wenig Wasser in einem ansonsten trockenen Fluß – darum schart sich dann die ganze Herde! Mitten in der Wildnis steht plötzlich ein einsamer Esel im Schatten eines Baumes – ein wilder oder gehört der auch jemandem, wie die Rinder??? Irgendwann überquere ich den ‚Two Camel Creek’ – Kamele sehe ich allerdings keine!

Schade, wo doch in Australien noch die einzigen wildlebenden Kamele bzw. eigentlich Dromedare zu finden sind!
Die Straße macht jetzt ziemlich viele Windungen die Berge hoch und wieder runter! Es wird zwischenzeitlich sogar ziemlich steil! Aber es ist eine traumhafte Landschaft, die mich immer wieder zum Anhalten am Straßenrand und Schauen animiert! Das ist 2x für andere Autofahrer ein Anlaß, besorgt anzuhalten und zu fragen, ob alles in Ordnung ist, ob ich irgendwas brauche, ob ich auch genügend Wasser habe! Diese Aufmerksamkeit ist äußerst beruhigend für mich, auch wenn ich Gottseidank bisher keine Hilfe in irgendeiner Form benötigt habe!
Das Beeindruckendste auf dieser Fahrt war ein Durchstich für die Straße durch einen Berg! „In“ einem rotgrünen Berg kamen viele, viele Schichten unterschiedlich gefärbter Felsen zutage – alle Rottöne, die man sich so vorstellen kann!


Zwischenzeitlich wurde es dann wieder mal fast nur rot, aber bald mischten sich wieder Bäume und Sträucher in die Eintönigkeit! Es hat wohl auch hier in den letzten Tagen geregnet – überall findet sich frisches Grün!
Als gerade 3800 km auf meinem ‚Fahrtacho’ angezeigt werden, erschein am Horizont der ‚Mt. Nameless’, der höchste Berg West-Australien – ein Zeichen, dass mein Ziel ‚Tom Price’ nicht mehr weit sein kann. Und tatsächlich habe ich nach der nächsten Kurve das Hinweisschild vor mir und auch ein Roadhouse, wo ich gleich noch mal tanke! Von der Fahrt auf der ‚unsealed’-Straße wird mir sehr abgeraten – durch den kürzlichen Regen sind noch tiefe Fahrrinnen vorhanden und die Fahrt wäre ‚very rough’! Also nehme ich die Teerstraße für die letzten 140 km.
Jetzt geht es schon durch den ‚Kariini Nationalpark’, eine einzige Ansammlung von Schluchten, mal mehr und mal weniger großen Wasserfällen, kleinen oder großen natürlichen Pools und vielen, vielen Hügeln! Viel sehe ich davon von dieser Straße aus noch nicht, aber man kann es erahnen, wenn man die Umgebung so betrachtet! Aber das werde ich alles morgen noch ausführlich entdecken können.
Tom Price ist ein kleines Städtchen, das es erst seit dem Beginn des Eisenerz-Abbaus Anfang der 70er Jahre gibt. Es war ursprünglich das Camp für die Arbeiter, die die Mine bzw. die ganze Infrastruktur aufgebaut haben. Auch heute noch werden die ‚alten’ Häuser genutzt – allerdings nicht mehr als Unterkünfte, sondern für Gemeinde-Zwecke: Kindertagesstätte, Bibliothek, Tourismusamt etc. sind inzwischen dort untergebracht. Nur die Bars, Diners, ‚bottle shops’ etc. von damals erfüllen auch heute noch ihren Zweck!

Inzwischen sind rund um den vom Unternehmen ‚Rio Tinto’ (komisch – wem ist dieser spanische Name wohl eingefallen…) ursprünglich gebauten Gemeindekern und der Minen-Klinik einige kommunale und private Häuser dazu gekommen und aus der Klinik wurde ein richtiges Krankenhaus für die nähere und weitere Umgebung. Es gibt einen Supermarkt und eine Tankstelle (die „örtliche Goldmine“!), ein Freibad und auch sonst alles, was dazu gehört. Was es nicht gibt, sind ausreichend Hotelbetten! Ein Hotel und ein Motel sind vorhanden, aber selbst für ein Zimmer im Motel (klein, ein Queensize Bed, 1 kleiner Kühlschrank, Tisch und 2 ‚Sesselstühle’) werden ohne Zögern 220 A$ verlangt!!! Mein erschrockenes Gesicht veranlasst die junge Frau an der Rezeption, mich an den kommunalen ‚Tourist Park’ ein wenig außerhalb zu verweisen – vielleicht wäre dort noch was frei!
Etwa 6 km außerhalb der ‚Stadt’, genau am Fuß des Mt. Nameless (der schon einen Namen hat, aber einen Aboriginie-Namen und der war wohl für die ‚Newcomer’ nicht leicht auszusprechen!) liegt der Tourist Park.

Ein wenig sieht es aus wie in Camerota während der Nachsaison – nur das Meer fehlt, dafür gibt es einen ziemlich kalten Pool! Ja, es sind noch Backpacker DZ frei – die kosten 90A$ die Nacht. Aber die Besitzerin meint, ich solle doch lieber ein Bett in einem der 4er-Dormitories nehmen – das kostet ‚nur’ 37 A$, aber es wäre jetzt in der Nachsaison unwahrscheinlich, dass noch jemand dazu kommt! Das sind relativ große Räume, auch mit eigenem Kühlschrank – die Waschräume sind allerdings in einem anderen Gebäude untergebracht, die allgemeine Küche ist gleich neben dem Zimmer, das mir angeboten wurde!
Es ist sauber, es sind nicht mehr allzu viele Leute da und für die Gegend hier eben ‚billig’ – also überlege ich nicht lange und nehme das ‚Bett’ und habe ein ganzes Zimmer für mich! Ich mache mich ein wenig heimisch und möchte dann bei der Besitzerin hier noch einen Tagesausflug in den NP buchen – aber da sind leider heute die letzten veranstaltet worden, Saisonende! Aber sie gibt mir einen Plan, wo alles genau eingezeichnet ist und meint, mit meinem Auto könnte ich das auch alles gut alleine machen! Ich mache mir eine von meinen Cup Noodles zum Abendessen und gehe dann ins Bett, damit ich morgen fit bin!

Eine Antwort zu Ankunft in ‚Tom Price‘

  1. Muss das einfach sagen: Das ist dermaßen klasse, dass du in deinem Alter die Welt auf diese weise entdeckst! Einfach nur bewundernswert und wunderschön!

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