Canberra – kleine (Haupt-)Stadt auf einem großen Kontinent!

19.11.2011
Um kurz nach 7h werde ich wach, es ist schon taghell draußen, aber – wen wundert’s: Es regnet in Strömen!!! Na, da werde ich Canberra wohl nicht kennen lernen können… Aber macht nichts, ein fauler Tag ist vielleicht auch mal wieder auszuhalten. Ich mach mir erst mal Frühstück – Adam hat ein paar Termine heute und wird wahrscheinlich erst am Nachmittag zurückkommen. Wäsche muß auch wieder mal gewaschen werden und einige Karten warten noch aufs Schreiben – der Tag wird also sooo langweilig nicht werden. Als meine Wäsche gerade so fertig ist, hört es zu regnen auf, aber es ist ganz schön kalt draußen! Aber vielleicht mache ich mich am Nachmittag doch auf zu einer kleinen Stadtrundfahrt. Auch mein Gastgeber hatte so einen Gedanken – er kam nämlich mittags unerwartet zurück und meint, das wäre genau das richtige Wetter für eine kleine Radtour durch die Stadt!
Also auf geht’s – erst mit dem Auto und den Rädern hinten drauf an den Stadtrand. Dann über supergute asphaltierte Fahrradwege in Parkanlagen, von denen eine in die andere übergeht, ins Regierungsviertel. Das ist ein relativ kompakter ‚Stadtteil’ rund um einen künstlich angelegten großen See.

Canberra war ja nicht von Anfang an die Hauptstadt von Australien, sondern wurde extra dafür gebaut und ist es erst seit 1913 – für 2013 ist daher eine große 100-Jahr-Feier geplant! Bis 1908 war eine ständige Rivalität zwischen Sydney und Melbourne, welche der Städte die Hauptstadt sein sollte (deswegen gibt es in beiden Städten alte ‚parliament houses‘!). Um diesem Streit ein Ende zu machen, wurde beschlossen „im Herzen des Landes“ (West-/Süd-/Nord-Australien spielten offenbar bei diesen Überlegungen noch keine Rolle…) eine neue Hauptstadt zu bauen! Ein kleines Dorf am Ufer des Molonglo Rivers, nicht viel mehr als der Versorgungsmittelpunkt einer Schafstationen, wurde als richtiger Platz ausgewählt. Der amerikanische Architekt Walter Burley Griffin hatte die internationale Ausschreibung gewonnen. Sein Plan, eine moderne, großzügige Stadt – aber ohne Hochhhäuser – rund um einen künstlich angelegten See, eingebettet in die umgebende Landschaft, hat wohl den meisten der Entscheidungsträger am Besten gefallen. ‚Canberra’ ist übrigens ein Aborignal Wort und bedeutet ‚Versammlungsplatz’ – einen besseren Namen hätte man nicht finden können!
Obwohl der tosende Verkehr von Sydney oder Melbourne fehlt und es keine Skyscrapers gibt, macht die Stadt einen sehr modernen und geschäftigen Eindruck. Es gibt eine Universität mit etwa 30.000 Studierenden aus aller Welt, das macht einen Anteil von fast 10% der Bevölkerung aus. Das schlägt sich auch im Alltagsleben nieder – es gibt unzählige Cafés, Galerien, Theater, Musikdarbietungen und andere Events hier! Darüber hinaus viele gute Museen und einige beeindruckende Gebäude – und die Stadt als ‚Gesamtkunstwerk’ natürlich. Und es ist andererseits eine sehr entspannte Atmosphäre, ganz ohne die Hektik der ‚richtigen’ Großstädte!

Unsere Fahrradtour führt etwa 15 km rund um und durch das ‚Parliamentary Triangle’, vorbei an den meisten der offiziellen Gebäude, an den ‚flag poles’ aller Staaten, mit denen Australien diplomatische Beziehungen hat, und an der großen Fontäne mitten im See (die uns, windig wie es immer noch war, trotz Entfernung ziemlich voll gespritzt hat!). Fast am Ende unserer Tour trafen wir noch einen Biker-Freund von Adam und nutzten eine der vielen Möglichkeiten hier zu einem verdienten Kaffee und einem kleinen Ratsch!

Danach geht es noch kreuz und quer durch den Campus der (privaten) Universität. Nachdem hier ja alles neu gebaut worden ist, ist immer schön alles, was zusammen gehört, auch in einem Areal untergebracht (und es ist noch genügend Platz für Erweiterungen!). Auf dem Gelände der medizinischen Fakultät wird gerade eine ziemlich große Spezialklinik zur Krebsbehandlung und –forschung gebaut – Jacky Chan, der Schauspieler aus Hongkong hat dafür 80 Mio.$ gestiftet! Seine Mutter wurde wohl erfolgreich ich Canberra behandelt und das war sein Dankeschön dafür!

Der Weg nach Hause führt uns dann über den ‚Markt’ – eine Vielzahl von unterschiedlichen Ständen unter einem Dach. Dort gibt es Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch etc. in einer riesigen Auswahl und der Fisch ganz frisch! Das war schon erstaunlich für mich – oft an der Küste gab es nur tiefgekühlten Fisch und hier wird er jeden Donnerstag in großer Menge für das Wochenende frisch angeliefert!
Bei einem China-Take-Away gibt es schnell ein paar kleine ‚Schweinereien’ auf die Hand und dann suchen wir uns die leckeren Zutaten für unser Abendessen aus: Austern (für Adam) und Lachs (für mich) und ‚Greens’ als Vorspeise, ‚Fish and Chips’ (das erste Mal für mich hier in Australien!) mit ‚stir fried veggies’ als Hauptgericht und frisches Obst und Ice Cream als Nachspeise! Und dazu natürlich einen guten australischen Wein!
Daheim übernimmt Adam aber die ‚Koch-Rolle’ – ich kann in meinem Zimmer meine Fotos ordnen und schon mal meinen Blog ein wenig auf Vordermann bringen. Ich werde dann erst gerufen, als alles fertig ist.
Beim Essen unterhalten wir uns über Gott und die Welt! Zwischen den Gängen zeigt Adam mir die WebSite von Kiva.org, einer Organisation, die mit Kleinkrediten einfache Leute aus aller Welt unterstützt, die Geld für kleine Unternehmungen brauchen. Adam zahlt dort immer mal 25$ ein, hat davon eine Rendite von derzeit etwa 4% und bisher hat er alles Geld auch wieder pünktlich zurück bekommen. Er unterstützt u.a. eine bäuerliche Kooperative im Kongo, einen ländlichen Laden in Bolivien, einen ‚Beauty Salon’ in der Mongolei… Er lässt sich das Geld nicht auszahlen, sondern das soll eines Tages für sein ‚funeral’ ausgegeben werden – das stellt er sich übrigens mit Brassband und so vor…
Bei soviel abwechslungsreichen Gesprächen mit diversen ‚Erklärungs-Unterbrechungen’ vergeht der Abend natürlich wie im Flug!

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