Zu Gast auf schwimmenden Inseln!

Dienstag, 17.Mai 2011
Heute ist gleich wieder Ausflug angesagt – aber diesmal auf eigene Faust! Ich werde zum Hafen wandern und mir dort für eins der Boote, die zu den ‚Uros’ auf ihre Schilfinseln fahren, ein Ticket kaufen! Ich bin sehr gespannt, wie ein Leben auf dem See, nur mit Schilf unter den Füßen, möglich ist!
Zum Hafen ist es etwa eine halbe Stunde zu laufen – eine willkommene Gelegenheit, mir noch einen anderen Teil der Stadt anzuschauen! Kurz vor dem eigentlichen Hafen komme ich durch den riesigen ‚Kunsthandwerker-Markt’, der jedoch jetzt, mitten unter der Woche zum größten Teil geschlossen ist (oder es ist einfach noch zu früh). Aber ein paar Stände haben auf und ich finde ein hübsches Mobile für Anna und ein paar handgestrickte Alpaka-Socken für Yannick (der nächste Ski-Winter kommt bestimmt :-))!
Kurz vor der Anlegestelle der Boote gibt es eine Art ‚Innenhafen’, in dem man mit Tretbooten herumfahren kann –hier sind diese Boote äußerst fantasievoll gestaltet! Es gibt von Enten über Pelikane, Donald Ducks etc. wirklich alle Schwimmtiere, die man sich nur vorstellen kann!

Ich habe Glück und bekomme noch einen Platz auf einem Boot, das gleich ablegt. Die Boote werden von Mitgliedern des Uru-Stammes betrieben – diese sehen ganz anders aus, als alle bisher gesehenen Menschen hier: Sehr dunkle Haut und schmale längliche Gesichter, wirken eher ein wenig wie Malayen auf mich! Langsam tuckern wir auf den See hinaus!

Kurz vor Erreichen des Schilfgebietes fahren wir an einer Insel vorbei, wo offenbar ein Kreuzfahrtschiff gestrandet ist :-)! Beim Näherkommen sieht man jedoch, dass das ein Hotel in Form eines Schiffes ist, das mitten auf die winzige Insel gesetzt wurde – Einfälle haben die Menschen…

Durch das Schilfgebiet geht es auf schmalen schilf-freien ‚Straßen’ und bald schon gibt es erste Anzeichen dafür, dass hier gewohnt wird – auf künstlich mit Steinen erzeugten schmalen Inselstreifen weiden Kühe und auch Schweine, manchmal zeigt sich schon die Spitze einer einfachen Schilfhütte
und dann liegt nach einer Kurve plötzlich ein Großteil des „Siedlungsgebietes“ vor uns! Soweit das Auge reicht, alles aus Schilf! Die Inseln werden mit ‚Grundankern’ aus ausgestochenen Schilfwurzeln an Ort und Stelle gehalten – sollen sie weiter schwimmen, werden die Anker gekappt oder hoch gezogen und woanders wieder versenkt!


Jede Familie hat ihre eigene Insel, auf der mehrere Häuser stehen, immer auch ein Aussichtsturm mit einem Familienwahrzeichen und vor der mindestens ein Schilfboot angebunden liegt – je nachdem, wie groß die Familie ist, ein einfaches oder doppeltes! Es gibt auch jede Menge einfache Holzruderboote, die von den Kindern hier nicht nur als Transportmittel zur Schule benutzt werden, sondern wohl auch ein wenig als ‚Spielplatzersatz’ :-)! Die Motorboote für die Besucher teilen sich stets mehrere Familien. Auch hier ist der Lebensstandard niedrig – die meisten Bewohner leben vom Fischfang, ein paar wenige wohl auch vom Tourismus! Es gibt eine große ‚Hauptinsel’, auf der sich sogar zwei kleine Restaurants und ein paar Souvenirstände befinden!

Der „Schilfboden“ ist etwa einen Meter dick – es läuft sich darauf ein wenig wie auf Moorboden, man sinkt ein bißchen ein und es fühlt sich ziemlich schwabbelig an! Regelmäßig muß die Insel mit einer kompletten Schicht neuer Schilfhalme belegt werden – die untersten im Wasser faulen nämlich nach und nach weg! Es wird erstaunlicherweise auch auf den Inseln gekocht – in speziellen Tonöfen, in denen die glühenden Kohlen auf halber Höhe untergebracht werden und das ganze Öfchen noch auf einer Blechplatte steht!

Es werden natürlich auch wieder ein paar Souvenirs angeboten – eine besondere ‚Spezialität’ sind hier handgestickte Wandteppiche! Eine Wahnsinnsarbeit, aber leider so gar nicht nach meinem Geschmack…
Ich darf auf der Insel, auf der wir zu Gast sind, auch auf den Aussichtsturm – wie ein Hochstand in den bayerischen Wäldern – steigen und habe von dort eine herrliche Aussicht! Aber ich war froh, als ich erst oben und dann vor allem wieder unten war – bei jedem Schritt schwankte der Turm auf dem wackligen Untergrund…


Von dieser privaten Insel werden wir später mit dem Schilfboot zur Hauptinsel gebracht, wo manche der Fahrgäste etwas essen und ich mir etwas zu trinken kaufe. In einem der beiden kleinen Restaurants gibt es sogar ein ‚International Post Office’, in dem man seine Karten kaufen kann, frankieren und gleich noch einen speziellen ‚Uro-Stempel’ bekommt – der alleine soll jedoch 4 Soles pro Karte kosten, das ist mir dann doch der ‚Spaß’ nicht wert!

Von dieser Insel werden wir von unserem Boot wieder abgeholt und es geht zurück nach Puno!
Es sieht hübsch aus, wie das kleine Städtchen sich an die Hügel ringsum schmiegt! Der Hafen ist zwar klein, aber es gibt immerhin eine Container-Ladebrücke – also seinen Zweck kann er über die Ausflugsboote hinaus erfüllen:-)! Wohlbehalten legen wir wieder an – das war ein netter und wieder mal ein sehr interessanter Ausflug! Den Weg zurück gehe ich zur Hälfte, für den (ansteigenden!) Rest nehme ich mir heute mal eins der kleinen „Mopedtaxis“ – schließlich muß ich das auch mal ausprobieren! Im Hotel gibt es einen tiefen Zug aus der Sauerstoff-Flasche und dann geht es (relativ) leichten Fußes in die 2.Etage! Ich muß jedes Mal schmunzeln über die Wanddekoration hier – die große Wand in der Lobby ist über und über mit alten Bügeleisen geschmückt! Da muß irgendwer ein eifriger Sammler gewesen sein…

Zum Abendessen geht es wieder in das Restaurant von gestern – dort hat es vorzüglich geschmeckt, es hatte Heizung und ich habe das Essen gut vertragen! Da riskiere ich lieber keinen anderen Versuch mehr und auf Pizza oder ‚Hamburgenses’ habe ich sowieso keine Lust…

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